Musik aus Videospielen im Konzerthaus

Die Computermusik ist die jüngere Schwester der Filmmusik. Beide schaffen eine Bild-Ton-Beziehung. Aber während der Film in der Regel nach 90 Minuten vorbei ist, kann ein Spiel über 100 Stunden dauern. Eine ziemliche Herausforderung für einen Komponisten.

War in den 80er Jahren noch die Technik das Limit, so wurden die Produktionen nach und nach umfangreicher und der orchestrale Sound hielt auch in Computerspielen Einzug.

Musik für Computer- und Videospiele gespielt von den Dortmunder Philharmonikern. (Foto: © Magdalena Spinn)
Musik für Computer- und Videospiele gespielt von den Dortmunder Philharmonikern. (Foto: © Magdalena Spinn)

Am 11.06.18 präsentierten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Philipp Armbruster im Konzerthaus Dortmund „Video Game Music in Concert“. Den Beginn machte ein Stück einer Legende unter den Videospielkomponisten: Chris Hülsbeck. Zu hören war „Katakis“ aus dem Jahre 1988.

Die rasante Entwicklung der Technologie kann man am besten am mobilen Telefon sehen. Das frühere Handy hat sich zum Smartphone entwickelt, mit dem man fotografieren, Spiele spielen oder durchs Internet surfen kann. Und die Spiele klingen gut, was an Komponisten wie Martin Schjøler (Clash of Clans) liegt oder den Finnen von „Angry Birds.

Durch das Programm führte Sofia Kats, die den überwiegend jüngeren Zuhörern im Konzerthaus die Funktion und Geschichte der Videospielmusik näher brachte.

Ein Schwerpunkt des Programms lag auf dem japanischen Komponisten Nobou Uematse, der bekannt ist als Komponist der „Final Fantasy“ Reihe. Zu hören waren neben „Final Fantasy“ auch Auszüge aus „Blue Dragon“. Von Hirko Kikuta wurde das Hauptthema von „Secrets of mana“ gespielt.

Als Vergleich zu der Videospielmusik wurde die Sinfonische Dichtung „Finlandia“ von Silbelius gespielt. Schon hier sind Elemente zu hören, die die späteren Videospielkomponisten aufgreifen.

Das Konzert zum Thema „Computer- und Videospielmusik“ war ein großer Erfolg. Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken. Die Computerspielmusik der 80er Jahre (z.B. Monkey Island) fehlte mir persönlich und auch Komponisten wie Jeremy Soule (Guild Wars, Oblivion) bieten viel spät romantische Musik für ein Orchester wie den Dortmunder Philharmonikern.




Klangvokal 2018 – grandioses Finale in der Reinoldikirche

In diesem Jahr fand das große Abschlusskonzert nicht wie sonst üblich im Dortmunder Westfalenpark statt. Das Klangvokal Musikfestival wurde mit einem „besonderen Schatz“, dem Oratorium „Maddalena ai Piedi di Cristo“ (um 1700), des italienischen Cellisten und Komponisten Antonio Caldara (1670-1736) in der Reinoldikirche beendet. Das Libretto ist von Bernardo Sandrinelli nach Lodovico Forni. Das Oratorium um die „Hure“ und „Büßerin“ Maria Magdalena, die hingerissen zwischen „irdischer und himmlischer Liebe“ Vergebung von Christus (Cristo) erhofft, ist aus der biblischen Geschichte bekannte. Die Beschäftigung mit diesem Genre geht bei Caldara auf die späten 1690er Jahre zurück. Er stand zu der Zeit kurz vor dem Wechsel von Venedig als Kapellmeister nach Mantua (1700 bis 1707). Noch in Venedig entstanden, sind Einflüsse des italienischen Spätbarock bei diesem Oratorium deutlich zu erkennen.

Als musikalische hochkarätige Begleitung konnte das französische Ensemble für alte Musik „Le Banquet Céleste“ unter der Leitung von Damian Guillon gewonnen werden. Dieser dirigierte nicht nur, sondern sang auch mit seinem wunderbaren Countertenor die Rolle der „Himmlischen Liebe“.

Barocker Abschluss des Festivals Klangvokal 2018 mit Caldaras Oratorium "Maddalena ai Piedi di Cristo". (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Barocker Abschluss des Festivals Klangvokal 2018 mit Caldaras Oratorium „Maddalena ai Piedi di Cristo“. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Stimmgewaltig und mit renommierten Sängerinnen und Sängern waren auch die anderen Rolle besetzt. In der Rolle der Maddalena (Magdalina) sang die Sopranistin Emmanuelle de Negri, die italienische Altistin Benedetta Mazzucato als eindrucksvolle „Irdische Liebe“, die französische Sopranistin Maïlys Villoutreys als hinzugefügte Figur der Schwester (Martha) von Maria Magdalena, als spöttischer Pharisäer der Bassbariton Benoît Arnould und der belgische lyrische Tenor Reinoud van Mechelen als vergebender Cristo (Christus). Sie konnten sich alle in den oft berührenden Arien mit manchmal schwierigen Koloraturen auszeichnen.

Faszinierend war wieder einmal der besondere Klang der barocken alten Instrument wie etwa die Theorbe und Cembalo im Zusammenspiel mit Violinen, Violoncello, Bratsche und dem Kontrabass.

Trotz des überkommenen Libretto mit dem schwarz-weiß Bild von guter „himmlischer“ und „böser irdischer Liebe war es ein musikalischer Genuss und ein würdiger Abschluss eines vielseitigen und interessanten 10. Klangvokal Musikfestivals.

Ein großer Dank an alle MitarbeiterInnen des organisatorischen Teams um Festivaldirektor Torsten Mosgraber.




Klangvokal 2018 – Renaissancemusik aus Spanien und England

Am 09. Juni 2018 gab es ein Wiedersehen mit dem Ensemble „The Tallis Scholars“ unter der Leitung von Peter Philipps . Bereits 2015 spielten sie im Rahmen von „Klangvokal“ in der Propsteikirche. Vor drei Jahren erklang eine Mischung aus Komponisten der Renaissance und dem estnischen Komponisten Arvo Pärt. 2018 erklang Musik aus Spanien und Großbritannien.

Das „The Tallis Scholars“ wahre Meister in der Renaissancemusik sind, konnte man schon vor drei Jahren erleben. Sie haben in ihrer Qualität keinesfalls nachgelassen. Das Konzert war zweigeteilt. Zu Beginn standen die drei spanischen Komponisten Sebastián de Vivanco, Christóbal de Morales und Pedro de Escobar im Fokus.

Musik der Renaissance in mit hohen gesanglichen Ansprüchen - The Tallis Scholars beim Klangvokal 2018. (Foto: © Bülent Krischbaum)
Musik der Renaissance mit hohen gesanglichen Ansprüchen – The Tallis Scholars beim Klangvokal 2018. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Vor allem de Morales (1500-1553) war ein bedeutender und fleißiger Komponist in Spanien. Er schrieb über 100 Motetten und unzählige Messen. Von de Morales waren die „Klagelieder Jeremias“ zu hören, die die „Tallis Scholars“ in gewohnt erstklassiger Manier umsetzten. Auch beim „Requiem“ von de Escobar präsentierten sich Sängerinnen und Sänger von ihrer besten Seite.

Zu einem der berühmtesten englischen Komponisten der Renaissance gehört mit Sicherheit William Byrd (1539-1623). ähnlich wie sein Lehrer Thomas Tallis, lebte er in einer religiös heiklen Zeit. Byrd komponierte zunächst für den anglikanischen Gottesdienst, später für den katholischen. Zu hören waren „Vigilate“ und „Laetentur coeli“ aus dem „Liber primus sacrarum cantionum (Cantiones Sacrae I)“, die aus der katholischen Phase stammten sowie das Klagelied über seinen verstorbenen Lehrer Tallis „Ye sacred muses“. Zwei Generationen vor Byrd lebte Robert Fayrfax (1464-1521) von dem zwei Stücke zu hören waren.

Wenn jemand die Vokalmusik der Renaissance zum Leben erwecken kann, dann sind es die „Tallis Scholars“. Die zehn Sängerinnen und Sänger schaffen es mühelos, den Zuhörer auf eine Reise in die Zeit von Heinrich VIII. oder Elisabeth I. zu schicken.




Klangvokal 2018 – Ungewöhnliche und reizvolle Klangkombination

Englisch-schottischer Folk und traditionelle indische Musik in einem Konzert? Das klingt zunächst wie Fish & Chips mit Chicken Masala. Doch James Yorkston, Jon Thorne und Suhail Yusuf Khan machten am 07. Juni das domicil zum Schauplatz einer gelungenen musikalischen Melange.

Gitarre, Kontrabass und Sarangi bilden einen spannenden musikalischen Raum, der die Sinne erweitert. Die Lieder des Trios, die in der Formation erst zum zweiten Mal in Deutschland auftreten, haben in der Regel folgende Struktur: Yorkston beginnt mit Gitarre und Gesang, danach setzt der Kontrabass von Thorne mit jazziger Improvisation ein. Gegen Mitte des Liedes „übernimmt“ Khan mit seinem Sarangi und seinen Gesang auf Hindi. Dadurch werden die meisten Lieder etwa 10 bis 15 Minuten lang und haben etwas meditatives und psychedelisches an sich.

Außergewöhnliche Klangmelange englisch-indischer Art: Yorkston, Thorne, Khan beim Klangvokal 2018. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Außergewöhnliche Klangmelange englisch-indischer Art: Yorkston, Thorne, Khan beim Klangvokal 2018. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Die Themen der Lieder umfasst eine große Bandbreite: Ein altes Hochzeitslied aus der Familie von Kahn wird zum besten gegeben, ebenso wie ein melancholisches Lied über einen verstorbenen Mitmusiker („Broken Wave“).

Das interessanteste Instrument spielte natürlich Khan mit seiner Sarangi. Dieses kastenförmige Streichinstrument ist ein Teil der klassischen indischen Musik sowie der Volksmusik. Sie besitzt viele Saiten: drei Melodiesaiten, eine Bordunsaite und über 30 Resonanzsaiten. Was dazu führt, dass Khan etwas länger braucht, um sein Instrument zu stimmen, die Wartezeit hat Yorkston aber humorvoll wegmoderiert. Khan benutzte zur Unterstützung seiner Musik auch Loops.

Letztendlich war das Konzert ein Erlebnis für Menschen, die Musik nicht in Schubladen stecken, sondern sich von der Begeisterung und Leidenschaft der Musiker mitreißen lassen. Und das ist meiner Meinung nach ein Erfolgsgeheimnis von Klangvokal: Alte Musik wieder zu entdecken und neue Musik kennenzulernen.




Musikalischer kontra_punkt im Konzerthaus

Im hiesigen Konzerthaus luden die Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung des österreichischen Dirigenten Martin Haselböck am 5./6. Juni 2018 zu ihrem 9. Philharmonischen Konzert unter dem Titel „kontra_punkt“ ein. Ars tremonia war am 5.6.2018 anwesend.

Im Mittelpunkt des Konzerts standen mit Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Ludwig van Beethoven (1770-1827) zwei der größten Komponisten aller Zeiten. Bach ist als „Urvater der Harmonie“ (Beethoven) und Meister des Kontrapunkts bekannt. Beide hatten der musikalischen Entwicklung entscheidende neue Impulse gegeben.

Der musikalische Stilbegriff „Kontapunkt“ wurde ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im weiteren Sinne als „Polyphonie“ (Mehrstimmigkeit) als Organisation von Gegenstimmen zu einer vorhandenen Tonfolge gesehen.

Es ging eindrucksvoll mit der bekannten Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 von Johann Sebastian Bach mit Martin Haselböck an der Orgel los.

Interessant war an diesem Abend für das Publikum, dass dieses Werk am Ende des Konzerts in einer orchestrieren Version (Leopold Stokowski) von der Philharmoniker dargeboten wurde. Die gewaltige Toccata und Fuge d-Moll mit seinen vielen ineinander verzahnten Elementen wurde so zu einem ganz besonderen Klangerlebnis.

Ein andere Facette von Bach, teilweise leicht an die Harmonien von Wolfgang Amadeus Mozart erinnernd, konnten die Zuhörer beim folgenden Violinkonzert a-Moll BWV 1041 erleben. Die Streichfraktion des Orchesters wurde bereichert durch den virtuosen serbisch-französischen „Geigenderwisch“ Nemanja Radulovic als Soloviolinist.

Nemanja Radulovic erinnerte mit seinem Violinspiel ein klein wenig an Paganini. (Foto: Marie Staggat).
Nemanja Radulovic erinnerte mit seinem Violinspiel ein klein wenig an Paganini. (Foto: Marie Staggat).

Er begeisterte das Publikum mit einfühlsamen Spiel bei den harmonischen (an Mozart erinnernden) Passagen, mit viel Temperament bei den musikalischen Steigerungen des Violinkonzerts und im Zusammenspiel mit dem Orchester. Sein großes virtuoses Können zeigte dann auch bei einer Zugabe.

Die folgende Fantasie und Fuge c-Moll BWM 537, orchestriert vom britischen Komponisten Edward Elgar (1857-1934) zeichnet sich durch eine sich steigernde wechselreiche musikalische Intensität aus. Einzelne Instrumente wie Oboe, Klarinette, zweite Violine oder Bratsche hatten in den Solo-Kadenzen im Wechsel öfter Gelegenheit sich hervor zu spielen.

Nach der Pause ging es mit der viersätzigen 1. Sinfonie C-Dur op. 21 von Ludwig van Beethoven mit einem intensiven Wechselspiel von Streichern und Holzbläsern und einigen Steigerungen bis zum finalem Höhepunkt weiter. Der dritte Satz bietet eine kleine musikalische Revolution in der Geschichte der klassischen Sinfonie. Obwohl noch traditionell Menuett genannt, ist dieser Satz eigentlich schon ein rasantes und furioses Scherzo.

Ein grandioses Kabinettstück war zum Schluss die von Leopold Stakowski orchestrierte Fassung von Bachs Toccata und Fuge d-Moll BWV 565. Den ersten Lauf übernehmen die groß besetzten Streicher, den zweiten dann die Holzbläser. Der Dritte wird wuchtig und massiv von den Kontrabässen übernommen. Die musikalische Ausdifferenzierung in allen möglichen Klangfarben, ob zarte und feine Klänge der Streicher oder mächtige Klangpracht, sorgte für ein emotionales Erlebnis. Beim finalen Showdown war dann noch einmal das gesamte Orchester gefordert.




10 Jahre Summersounds in den Dortmunder Parks

Einige mögen es kaum glauben. Dortmund liegt bei den grünsten Großstädten mit über 500.000 Einwohnern auf dem zweiten Platz!

Um das zu feiern und die vielen Parks in unserer Stadt noch bekannter zu machen, finden dort nun schon zum zehnten Mal vom 30. Juni bis zum 25. August 2018 die „Summersounds DJ Picknicks“ statt. Es war, so Martin Juhls (Organisator) dabei wichtig, dass die DJ-Picknicks etwas für die ganze Familie bieten. Viel Spaß mit Musik, essen und trinken, tanzen, sowie mit verschiedenen Sportangeboten ein wenig „Urlaubsfeeling“ aufkommen zu lassen.

Immer dabei war die Dortmunder Wohnungsgesellschaft „DoGeWo“, die zu ihrem eigenen hundertjährigen Jubiläum in diesem Jahr auch 100 Liegestühle zur Verfügung stellen wird.

Mit an Bord sind vor allem auch der Veranstalter Dortmund Agentur, das Jugendamt und der Verein für urbane Popkultur e.V. (UPop). Ein wichtiger Partner in diesem Jahr ist die Kronen-Brauerei. Sie wird exklusiv ihr „Helles Kronen“ zum Verkauf anbieten. Für das Gastronomie-Angebot ist Jan Wenning verantwortlich.

Wie es sich für ein Jubiläum gehört, wird an den acht Samstagen ein hochkarätiges musikalisches Programm geboten werden. Der Soundtrack reicht von Electronic Beats, Deep House, Hip Hop und Rap bis Soul, Funk, Reggae und Global Beats. Gefeiert wird immer von 14:00 Uhr bis 22:00 Uhr.

Los geht es am Samstag, den 30.6.2018 im Westpark mit Compost-Labelchef Rainer Trüby, + Ingo Sänger + Carsten Helmich und passend zur Fußball-WM mit Sport & Fun: Fußballdarts sowie Soccerpool

Sa. 07.07.2018

Wiese an den Westfalenhallen: KC The Funkaholic + Guy Dermosessian + Razzmatazz sowie Sport & Fun: 9-Meter-Kletterturm + XXL Basketball.

Sa. 14.07.2018

Fredenbaumpark: Tyree Cooper + LØVE + Cosanne sowie Sport & Fun: Dortmund Wanderers Baseball + Gladiator-Kolosseum

Sa. 21.07.2018

Tremoniawiese: DJ Mad + Der Wolf + Soultrippin‘ Crew sowie Sport & Fun: Skateboard-Initiative Dortmund Mini Ramp

Sa. 04.08.2018

Phönix See: Twit one + Delicious Frequencies + EEPH sowie Sport & Fun: Yoga-Warm-Up

Sa. 11.08.2018

Wiese an den Westfalenhallen: DJ Dash + Larse + Hans Nieswandt sowie Sport & Fun: Disc-Golf (Frisbee Workshop)

Sa. 18.08.2018

Phoenix-West (Grünkeil): Ante Perry + Juliet Sikora + P.A.C.O. sowie Sport & Fun: )-Meter Kletterturm.

Am Samstag, den 25.08.2018 findet zum Abschluss das große Summersounds‘ Open Air im Hoeschpark mit Live-Acts + Dj-Floors + Streetfood-Biergarten +Silent disco + Tuk Tuk Soundsystem + Bubble-Soccer + Sports & Activities.

Dann geht das Programm von 14:00 Uhr bis 23:00 Uhr.

Der Eintritt ist natürlich.immer frei!

Die Organisatoren rechnen mit einem weiteren Anstieg der Besucherzahlen. Es waren schon im letzten Jahr mehrere Tausend. Das macht zusätzliche Sicherheitskräfte und mehr Dixi-Klos erforderlich.




Klangvokal 2018 – Barock meets Jazz im Konzerthaus

Unter dem Titel „Händel Goes Wild“ konnte das Publikum am Sonntag, den 03.06.2018 im Dortmunder Konzerthaus ein besonderes Crossover-Projekt genießen.

Die Leiterin des im Jahr 2000 gegründeten Ensemble L‘Arpeggiata, Christina Pluhar, lud mit ihrem Ensemble die renommierte belgische Sopranistin Céline Scheen und den in Rumänien (Arad) geborenen Countertenor Valer Sabadus zu einer spannenden musikalischen Reise ein.

L‘Arpeggiata hat sich der Musik des 17. und 18. Jahrhundert verschrieben und sich beispielsweise schon 2014 in einem Projekt Henry Purcell angenommen.

Gerne bringen sie Genreübergreifend die „alte Musik“ mit anderen Musikstilen zu einem neuen Klangerlebnis zusammen. Der harmonische Rhythmus aus den Opern, Oratorien oder Kantaten von Georg-Friedrich Händel (1685-1759) und auch emotionalen Arien bietet sich für eine Verbindung mit Jazz-Rhythmen gut an.

Händel hätte sicher seinen Spßa gehabt bei "Händel goes wild" von L‘Arpeggiata. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Händel hätte sicher seinen Spßa gehabt bei „Händel goes wild“ von L‘Arpeggiata. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Das Ensemble mit seinen alten Instrumenten wie Zink, Barockgeige, Barockbratsche, Viola da Gamba, Barockcello, Barockgitarre, Laute, Orgel oder Cemballo korrespondierten wunderbar mit der Percussion (Sergey Saprychev), dem Flügel (Francesco Turrisi) und dem Kontrabass (Boris Schmidt). Der Klarinettist Gianluigi Trovesi, einer der führenden Jazzmusiker Italiens, sorgte mit ihnen zusammen durch geniale Improvisationen für das Salz in der Suppe.

Pluhar selbst dirigierte nicht nur, sondern spielte oft auf ihrer langhalsigen Theorbe, einem historischen Lauteninstrument,engagiert mit.

Die Spielfreude und das Improvisationstalent der Beteiligten zeigte sich vor allem bei dem Instrumental-Stücken „Sinfonia „ (aus „Alcina“, 3. Akt) von Georg Friedrich Händel. Orientalische Anklänge oder Passagen, die an jiddische Klezmer-Musik erinnerten, begeisterten das Publikum. Temperamentvoll ging es beim Instrumentalstück „Canario“ (von den kanarischen Inseln) zu. Der Sergey Saprychev überzeugte mit starken Percussion-Improvisationen.

Mit Bedacht sowie Können und Respekt vor der Musik Händels ließ man einige Stücke, so zum Beispiel das berührende „Verdi prati“ (Valer sabadus) oder das von Semele gesungene Wiegenlied „O sleep, why dost thou leave me“ (Céline Scheen) wie sie in ihrer ursprünglichen Schönheit waren.

Die beiden Sänger/innen bezauberten das Publikum mit ihren klaren und weichen Stimmen sowohl als Solisten wie auch im Duett.

Nach Standing Ovations gab es noch zwei Zugaben für das Publikum.

Dieser Konzertabend von hoher musikalischer Qualität machte Spaß auf mehr.




Klangvokal 2018 – Weltpremiere im Orchesterzentrum

Am 01. Juni 2018 stand eine öffentliche Weltpremiere auf dem Programm: Claudio Monteverdis „L‘Arianna“. Jetzt werden Sie sich fragen: Die Oper wurde doch schon 1608 uraufgeführt. Ja, aber wesentliche Teile waren verschollen, wie es leider mit vielen Opern von Monteverdi ergangen ist. Claudio Cavani, der Leiter der Gruppe „La Venexiana“ hat die fehlenden Teile rekonstruiert. So erklang zum ersten Mal seit 400 Jahren die vollständige Oper erneut.

Ein erlebnisreicher Ausflug in die Frühzeit der Oper durch das Ensemble La Venexiana. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Ein erlebnisreicher Ausflug in die Frühzeit der Oper durch das Ensemble La Venexiana. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Die Geschichte stammt wie Monteverdies erste Oper „L‘Orfeo“ aus der griechischen Mythologie. Theseus hat auf Kreta erfolgreich den Minotaurus besiegt und erhält die Königstochter Ariadne als Frau. Auf seinem Weg zurück nach Athen machen sie einen Zwischenstopp auf Naxos. Nach den Einflüsterungen seines Beraters lässt Theseus die schöne Ariadne zurück, worauf jene sehr verzweifelt ist und sich umbringen will. Als Retter in der Not erscheint der Gott Bacchus, der sich der armen Ariadne als Ehemann annimmt.

Das Stück selbst führt uns in die Anfänge der Oper. Bei „L‘Arianna“ gibt es keine Arien wie wir sie von Mozart oder Verdi kennen, es ist rezitativ aufgebaut. Die elf Sängerinnen und Sänger übernehmen nicht nur die einzelnen Figuren, sondern schließen sich auch zum Chor zusammen. Dabei überzeugt vor allem Raffaella Milanesi als Ariadne, besonders in ihre berührende Klage in der siebten Szene. Auch Riccardo Pisani (Theseus) zeigt sein Können, als er den griechischen Held zunächst als Verliebten präsentiert, später dann als Zweifler und Zögerer, angestachelt durch seinen hinterlistigen Berater (Luca Dordolo).

Die Musiker von „La Venexiana“ unter der Leitung von Davide Pozzi am Orgelpositiv und Cembalo präsentierten sich spielfreudig und versetzten die Besucher musikalisch in die Zeit des frühen 17. Jahrhunderts.

Monteverdis Musik steht zwischen Renaissance und Barock. Bei „L‘Arianna“zeigt er, was den Erfolg von Opern ausmacht: mit musikalischen Mitteln die unterschiedlichen Emotionen auszudrücken. Bei seiner zweiten Oper ist ihm das vorzüglich gelungen.




Klangvokal 2018 – Mittelalterliche Klänge vom Ensemble Tiburtina

Ein vielseitiges Programm bietet das Klangvokal Festival auch wieder in diesem Jahr. In der Dortmunder Marienkirche gastierte am 29.05.2018 das renommierte Vokalensemble Tiburtina aus Tschechien mit „Ego sum homo“ (Ich bin Mensch) mit musikalischen Kompositionen der Äbtissin, Hildegard von Bingen (1098 – 1179). Eine mutige Frau, die sich mit der „männlich dominierten katholischen Kirche“ gerne einmal anlegte und unbeirrt ihren Weg ging. Sie war zudem als Dichterin, Mystikerin, Naturwissenschaftlerin, Historikerin, Ärztin und Komponistin eine vielseitig begabte Frau.

Als erste Frau überhaupt schaffte Hildegard von Bingen mit 77 überlieferten Kompositionen in die Musikgeschichtsbücher. Für ihre Gesänge hatte sie die Texte und Musik selbst geschrieben.

Im feierlichen Rahmen der Marienkirche sangen sieben der acht Frauen Antiphonen (frei gedichtete Texte, die vor oder nach einem Psalm gesungen werden), Reponsorien (frei gedichtete Texte, die nach der Schriftlesung gesungen werden) sowie Sequenzen ((Dichtungs- und Gesangsform nach dem Prinzip der fortschreitenden Wiederholung) aus dem Kompositionen der Äbtissin.

Das Ensemble schritt mit der 1. Sequentia (O Jerusalem, goldene Stadt) langsam vom hinteren Kirchenbereich nach vorne.

Mittelalterliche Stimmung mit Liedern von Hildegard von Bingen vom Ensemble Tiburtina. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Mittelalterliche Stimmung mit Liedern von Hildegard von Bingen vom Ensemble Tiburtina. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Das Ensemble Tiburtina besteht aus der künstlerischen Leiterin Barbora Kabátkov (Sopran, Harfe), Ivana Brouková, Tereza Havlíková (Sopran), Hana Blažíková (Sopran, Harfe), sowie als Altstimmen Daniela Čermáková, Anna Chadimová Havlíková und Kamila Mazalová.

Margit Übellacker (Psalterium) bereicherte den Gesang als atmosphärische musikalische Begleitung mit einem mittelalterlichen Pantaleon (historisches, mit Schlägeln geschlagenes Saiteninstrument, ähnlich einem Hackbrett). Das Ensemble gilt auf dem Gebiet der frühen Musik als eines der besten in Europa.

Das in lateinischer Sprache gesungen wurden, war nicht die einzige Herausforderung für das Frauen-Ensemble. Das Programm war auch höchst anspruchsvoll für die wunderbar klaren Stimmen. Die Gruppe überzeugte sowohl in den Solo-Sequenzen wie auch in der Harmonie als ganzes Ensemble. Das Publikum wurde in eine mystische, fremde Musikwelt hineingezogen.

Das Ensemble hat sich bewusst für eine improvisierte Begleitung des monophonen Gesangs entschieden. Es werden alte Zupfinstrument wie Harfe und Zither aus der Zeit von Hildegard von Bingen verwendet. Die gesungenen polyphonen Kompositionen, wie Beispielsweise „Conducti Premii dilatio“ stammen etwa aus der selben Zeit wie die monophonen Gesänge von Hildegard von Bingen. Die Komponisten sind allerdings anonym und gehören der sogenannten Notre Dame-Schule an.

Der Großteil des dargebotenen Liedguts waren Lobgesänge und Klagelieder. Themen waren die Stadt Jerusalem, die Jungfrau Maria, Natur und die Schöpfung im allgemeinen. Mit dem Lobgesang Psalm 8 „Herr unser Herr“ begab sich das Ensemble wieder langsam zum hinteren Kirchenbereich.

Es gab natürlich eine Zugabe für das Publikum, dass sich mit viel Applaus für die Darbietung bedankte.




Klangvokal 2018 – Auf Entdeckungstour durch Südamerika

Am 26. Mai konnten die Besucher auf eine musikalische Entdeckungsreise durch das spanische Südamerika gehen. Und dies in ungewöhnlicher Atmosphäre. Die Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Zollern II öffnete ihre Tore für „Carmina latina“, dargeboten durch den Chœur de Chambre de Namur, dem Orchester und Solisten der Capella Mediterranea unter der Leitung von Leonardo García Alarcón.

Auf dem Programm standen Komponisten der Renaissance und des Barock, die zwar überwiegend in Spanien geboren waren, manche davon gelangten aber auf unterschiedliche Weise in die damals noch junge Welt.

Mitreißende Musik aus Spanien und Südamerika in einem postindustriellen Ambiente. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Mitreißende Musik aus Spanien und Südamerika in einem postindustriellen Ambiente. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Namen wie Juan de Araujo, Gaspar Fernandez oder Mateo Flecha werden nur dem ausgewiesenen Experten etwas sagen und das ist sehr schade. Denn die dargebotene Musik ist absolut mitreißend. Ein wunderbares Beispiel ist Mateo Flechas „La Bomba“. Flecha lebte von 1481-1553 und entwickelte eine spanische Musikform, die „Ensalada“. Der „Salat“ ist eine Mischung aus verschiedenen Elementen: bekannte Melodien, verschiedene Sprachen, weltliche und religiöse Texte. „La bomba“ oder „Die Pumpe“ handelt von Seeleuten, die auf einem untergehenden Schiff auf Rettung hoffen. Exquisit dargeboten von den Solisten Mariana Flores (Sopran), Leandro Marziotte (Alt), Valerio Contaldo (Tenor) und Matteo Ballotto (Bass).

Das Konzert hatte auch leise Töne. Nicht nur die geistlichen Lieder wie das „Salve regina“ von Juan de Araujo oder das „Magnificat“ von Francisco Correa de Araujo, sondern auch kleine weltliche Lieder wie das „Romerico florido“ von Matheo Romero, sorgten für atemlose Stille.

Die Musiker und Sänger kamen nicht ohne Zugaben aus. Die zweite Zugabe war das bekannte Lied „Alfonsoina y el Mar“, großartig interpretiert von Flores und dem Gitarristen Quito Gato.

Ein erlebnisreicher Abend, der Appetit gemacht hat, auf mehr Musik aus Spanien und Südamerika.