Klangvokal 2018 – Mittelalterliche Klänge vom Ensemble Tiburtina

Ein vielseitiges Programm bietet das Klangvokal Festival auch wieder in diesem Jahr. In der Dortmunder Marienkirche gastierte am 29.05.2018 das renommierte Vokalensemble Tiburtina aus Tschechien mit „Ego sum homo“ (Ich bin Mensch) mit musikalischen Kompositionen der Äbtissin, Hildegard von Bingen (1098 – 1179). Eine mutige Frau, die sich mit der „männlich dominierten katholischen Kirche“ gerne einmal anlegte und unbeirrt ihren Weg ging. Sie war zudem als Dichterin, Mystikerin, Naturwissenschaftlerin, Historikerin, Ärztin und Komponistin eine vielseitig begabte Frau.

Als erste Frau überhaupt schaffte Hildegard von Bingen mit 77 überlieferten Kompositionen in die Musikgeschichtsbücher. Für ihre Gesänge hatte sie die Texte und Musik selbst geschrieben.

Im feierlichen Rahmen der Marienkirche sangen sieben der acht Frauen Antiphonen (frei gedichtete Texte, die vor oder nach einem Psalm gesungen werden), Reponsorien (frei gedichtete Texte, die nach der Schriftlesung gesungen werden) sowie Sequenzen ((Dichtungs- und Gesangsform nach dem Prinzip der fortschreitenden Wiederholung) aus dem Kompositionen der Äbtissin.

Das Ensemble schritt mit der 1. Sequentia (O Jerusalem, goldene Stadt) langsam vom hinteren Kirchenbereich nach vorne.

Mittelalterliche Stimmung mit Liedern von Hildegard von Bingen vom Ensemble Tiburtina. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Mittelalterliche Stimmung mit Liedern von Hildegard von Bingen vom Ensemble Tiburtina. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Das Ensemble Tiburtina besteht aus der künstlerischen Leiterin Barbora Kabátkov (Sopran, Harfe), Ivana Brouková, Tereza Havlíková (Sopran), Hana Blažíková (Sopran, Harfe), sowie als Altstimmen Daniela Čermáková, Anna Chadimová Havlíková und Kamila Mazalová.

Margit Übellacker (Psalterium) bereicherte den Gesang als atmosphärische musikalische Begleitung mit einem mittelalterlichen Pantaleon (historisches, mit Schlägeln geschlagenes Saiteninstrument, ähnlich einem Hackbrett). Das Ensemble gilt auf dem Gebiet der frühen Musik als eines der besten in Europa.

Das in lateinischer Sprache gesungen wurden, war nicht die einzige Herausforderung für das Frauen-Ensemble. Das Programm war auch höchst anspruchsvoll für die wunderbar klaren Stimmen. Die Gruppe überzeugte sowohl in den Solo-Sequenzen wie auch in der Harmonie als ganzes Ensemble. Das Publikum wurde in eine mystische, fremde Musikwelt hineingezogen.

Das Ensemble hat sich bewusst für eine improvisierte Begleitung des monophonen Gesangs entschieden. Es werden alte Zupfinstrument wie Harfe und Zither aus der Zeit von Hildegard von Bingen verwendet. Die gesungenen polyphonen Kompositionen, wie Beispielsweise „Conducti Premii dilatio“ stammen etwa aus der selben Zeit wie die monophonen Gesänge von Hildegard von Bingen. Die Komponisten sind allerdings anonym und gehören der sogenannten Notre Dame-Schule an.

Der Großteil des dargebotenen Liedguts waren Lobgesänge und Klagelieder. Themen waren die Stadt Jerusalem, die Jungfrau Maria, Natur und die Schöpfung im allgemeinen. Mit dem Lobgesang Psalm 8 „Herr unser Herr“ begab sich das Ensemble wieder langsam zum hinteren Kirchenbereich.

Es gab natürlich eine Zugabe für das Publikum, dass sich mit viel Applaus für die Darbietung bedankte.




Klangvokal 2018 – Auf Entdeckungstour durch Südamerika

Am 26. Mai konnten die Besucher auf eine musikalische Entdeckungsreise durch das spanische Südamerika gehen. Und dies in ungewöhnlicher Atmosphäre. Die Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Zollern II öffnete ihre Tore für „Carmina latina“, dargeboten durch den Chœur de Chambre de Namur, dem Orchester und Solisten der Capella Mediterranea unter der Leitung von Leonardo García Alarcón.

Auf dem Programm standen Komponisten der Renaissance und des Barock, die zwar überwiegend in Spanien geboren waren, manche davon gelangten aber auf unterschiedliche Weise in die damals noch junge Welt.

Mitreißende Musik aus Spanien und Südamerika in einem postindustriellen Ambiente. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Mitreißende Musik aus Spanien und Südamerika in einem postindustriellen Ambiente. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Namen wie Juan de Araujo, Gaspar Fernandez oder Mateo Flecha werden nur dem ausgewiesenen Experten etwas sagen und das ist sehr schade. Denn die dargebotene Musik ist absolut mitreißend. Ein wunderbares Beispiel ist Mateo Flechas „La Bomba“. Flecha lebte von 1481-1553 und entwickelte eine spanische Musikform, die „Ensalada“. Der „Salat“ ist eine Mischung aus verschiedenen Elementen: bekannte Melodien, verschiedene Sprachen, weltliche und religiöse Texte. „La bomba“ oder „Die Pumpe“ handelt von Seeleuten, die auf einem untergehenden Schiff auf Rettung hoffen. Exquisit dargeboten von den Solisten Mariana Flores (Sopran), Leandro Marziotte (Alt), Valerio Contaldo (Tenor) und Matteo Ballotto (Bass).

Das Konzert hatte auch leise Töne. Nicht nur die geistlichen Lieder wie das „Salve regina“ von Juan de Araujo oder das „Magnificat“ von Francisco Correa de Araujo, sondern auch kleine weltliche Lieder wie das „Romerico florido“ von Matheo Romero, sorgten für atemlose Stille.

Die Musiker und Sänger kamen nicht ohne Zugaben aus. Die zweite Zugabe war das bekannte Lied „Alfonsoina y el Mar“, großartig interpretiert von Flores und dem Gitarristen Quito Gato.

Ein erlebnisreicher Abend, der Appetit gemacht hat, auf mehr Musik aus Spanien und Südamerika.




Klangvokal 2018 – Moderner Fado im domicil

Am 25. Mai 2018 war im Rahmen des diesjährigen Klangvokalfestivals in unserer Stadt im Dortmunder domicil wieder einmal Zeit für Weltmusik.

Das Fado nicht unbedingt nur Melancholie und traurig klingen muss, bewies an diesem Abend die portugiesische Fado-Sängerin Gisela João. Seit ihrem Debütalbum im Jahr 2014 hat sie sich als Meisterin des modernen Fado einen Namen gemacht.

Mit einer Verbindung von klassischem Fado und urbanen zeitgenössischen Element verschafft sie diesem Genre eine neue Aktualität und Impulse. Begleitet wurde sie von drei Musikern an verschiedenen Gitarren-Typen , die zusammen für einen ganz speziellen Zauber sorgten.

Bernado Romão erzeugte mit seiner birnenförmigen „Guitarra Portuguesa“ auf den zwölf Saiten flirrende, manchmal an eine Zitter oder Mandoline erinnernde Klänge. Nelson Aleixo war der Mann an der eher klassischen „Viola de Fado“ und Francisco Gaspar sorgte mit der Bassgitarre (Viola Baixo) für den nötigen „Groove“. Nach der Pause konnten die Drei ihr virtuoses Können an ihren Instrumenten mit einer längeren Solo-Sequenz zeigen.

Fado muss nicht nur melancholisch sein, Gisela João sang auch einige lustig-skurrile Lieder. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Fado muss nicht nur melancholisch sein, Gisela João sang auch einige lustig-skurrile Lieder. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Mit ihrer starken und warmen Stimme gelang es João während des Konzertes, sowohl die eher melancholisch-nachdenklichen wie auch die lustig-skurrilen Songs eindrucksvoll auf der Bühne zu präsentieren. Manchmal steigert sie sich dabei intensiv in laute Klanghöhen hinein.

Vor jedem Lied erklärte sie mit verständlichem Englisch etwas zum Inhalt und Hintergrund der Texte. So erfuhr das Publikum, wie wichtig ihr Poesie, Liebe und Intensität bei ihren Texten und Ausdrucksformen sind. Großen Einfluss hatten auf sie auch ihr verstorbener Großvater mit seinem Humor und ihre lebenskluge Großmutter.

Einen skurrilen Humor beweist die Künstlerin mit einem Song über den Besuch eines Außerirdischen, der in ihrem Garten landet.

Bei den temperamentvollen Songs gab es auch Momente zum Mitklatschen für das Publikum.

Die Sängerin bewies wiederum, dass sie beim Tanzen den Rhythmus im Blut hat und auch eine Meisterin der starken Gesten ist. Besonders viel getanzt wurde beim Song „St. Johns Day“ (Johannistag), dem Fest einen Tag nach der Sommersonnenwende am 24. Juni.

Fado kann nicht nur traurig und melancholisch sein, sondern auch leidenschaftlich und temperamentvoll.




Klangvokal 2018 – Spirituelle Suche in Estland

Am 20. Mai 2018 ging die Schatzsuche beim Festival Klangvokal weiter. Nach Albanien ging es in den Norden nach Estland. Der Estnische Philharmonische Kammerchor unter der Leitung von Kaspars Putniņš sang in der Nikolaikirche Werke der estnischen Komponisten Avro Pärt, Cyrillus Kreek und Veljo Tormis.

Zu Beginn erklangen Stücke des wohl berühmtesten estnischen Komponisten Pärt. Die Auswahl erfolgte beinahe chronologisch, so begann der Abend mit „Solfeggio“, einem Werk von 1963, das einen eher rationalen Zugang zum musikalischen Material besitzt. Nach Pärts Übertritt zur russisch-orthodoxen Kirche wurde auch seine Musik religiös. Faszinierend ist zu hören, in wie vielen Sprachen Pärts Werke gehalten sind. So sang der Chor bei „Summa“ auf Latein, bei „Zwei Beter“ auf Deutsch, „The Woman with the Alabaster Box“ auf Englisch und „Dopo la vittoria“ auf Italienisch.

Werke von Pärt, Kreeg und Tormis wurden vom Estnischen Philharmonischen Chor meisterhaft gesungen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Werke von Pärt, Kreeg und Tormis wurden vom Estnischen Philharmonischen Chor meisterhaft gesungen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Danach folgten drei Stücke von Cyrillus Kreeg (1889-1962) aus seinem Zyklus „Taaveti Laulud (Davids Psalmen). Kreeg kann man sicher zu den Neoklassikern zählen. Die Entdeckung des Abends war jedoch Veljo Tormis (1930-2017). Ebenso wie Kreeg sammelte er die folkloristischen Lieder seiner estnischen Heimat und lies sie in seine Musik einfließen. Zu hören waren die „Lieder zum St. Johannestag“. Der „Johannestag“ ist die christliche Überstülpung der Sonnenwendfeier, die von vielen Völkern seit Jahrtausenden gefeiert wird. Tormis lässt die archaischen und heidnischen Ursprünge des Festes in seiner Musik wieder aufleben. Nicht nur durch die Vertonung von „Feuerzaubern“, sondern durch die expressive Art der Musik.

Ein großer Dank gilt dem Chor, der uns in der Nikolaikirche den Nordosten Europas näher gebracht und mit seinen großartigen Stimmen einen gelungenen Abend beschert hat.




Klangvokal 2018 – Auf Schatzsuche nach Albanien

Entdecker neuer Musik kamen am 19. Mai 2018 im domicil auf ihre Kosten. Mit der Gruppe Saz‘iso kam als Deutschlandpremiere – die traditionelle Musik aus dem Süden Albaniens auf die Bühne des Jazzclubs. Die acht Musikerinnen und Musiker sorgten für ausgelassene Stimmung nicht nur bei den Besuchern der albanischen Community.

Das besondere der Musik von Saz‘iso ist die sogenannte Iso-Polyphonie. Einer besonderen Art der Mehrstimmigkeit (Polyphonie), bei der die Solostimmen zusätzlich mit einem tiefen Halteton (Bordun) kombiniert wird. Bei der Gruppe war es in der Regel die Violine (Aurel Qirjo), der mit seinem Spiel auf seinem Instrument drone-artig die Sängerinnen und Sänger begleitete.

Eine weitere Besonderheit ist auch die Instrumentierung. Ende des 19. Jahrhundert begann eine Zuwanderungswelle in die Stadt hinein. Dieses Phänomen passierte weltweit und brachte neue Musikformen hervor wie den Jazz oder den Tango. Die Verknüpfung zwischen der Musik der Landbevölkerung und der Stadtgesellschaft schlug sich in der Instrumentierung nieder und befruchtete sich gegenseitig. Neben archaischen Instrumenten wie der Flöte, kommen beispielsweise bei Saz‘iso auch die Violine oder die Klarinette hinzu.

Die Gruppe Saz'iso begeisterte im domicil die Besucher mit ihrer Musik. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Die Gruppe Saz’iso begeisterte im domicil die Besucher mit ihrer Musik. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Was erhalten blieb waren die alten Geschichten über die Liebe und den Tod, denn diese Ensembles spielten auf Hochzeiten ebenso wie auf Beerdigungen. Daher finden sich herzerweichende Liebeslieder wie „Penxherenë e zotrisë sate“, das einen durchaus erotischen Charakter hat, neben melancholischen traurigen Melodien und Instrumentalstücken.

Eine wichtige Komponente ist aber der Tanz und hier sprang der Funke direkt zum Publikum über. Nach den drei offiziellen Zugaben wurde direkt im Publikum weitergespielt und die Musiker zogen bis in den Kassenbereich des domicils.

Neben erstklassigen Könnern auf ihren Instrumenten konnte Qirjo zeigen, dass er auf der Violine nicht nur die Bordun-Begleitung beherrscht. Die beiden Sängerinnen Donika Pecallari und Adrianna Thanou sowie Sänger Robert Tralo bewiesen hohe Gesangskunst. Von tiefer Trauer bis ausgelassener Fröhlichkeit – alles kam von Herzen.

Neben Quiro spielten Pellumb Meta (Gesang, Laute und Flöte), Agron Murat (Laute), Agron Nasi (Handtrommel) und Telando Feto (Klarinette).

Wer das Konzert verpasst hat (oder nochmal erleben möchte), dem sei die CD/LP „At least Wave Your Handkerchief At Me“ der Band ans Herz gelegt.




Ein Kammerkonzert mit „viel_harmonie“

Das letzte Kammerkonzert der Dortmunder Philharmoniker in dieser Spielzeit war etwas ganz besonderes. Es fand nicht wie sonst im Orchesterzentrum (Renovierungsarbeiten) statt, sondern im „feierlichen Rahmen“ der Oper.

Im Mittelpunkt stand diesmal die als etwas langsam, behäbig angesehene und etwas im Schatten stehende Bratsche (Viola). Sie hat aber durchaus eine wichtige Funktion im Gesamtgefüge.

Gleich zwölf junge und erfahrene „Bratscher“ der Philharmoniker rückten ihr Instrument in einem vielseitigen Programm zwischen Musik von Barock, Romantik bis zum Tango ins richtige Licht. Eine interessante Entdeckungsreise die zeigte, was so alles in diesem Instrument steckt.

Durch das Programm führte humorvoll und informativ Mechthild Berief von der Bratschergruppe.

Abwechselnd in verschiedenen Formationen, spielten die Musiker mal zu viert, zu acht (zwei mal vier) oder gar als komplette Gruppe.

Erste Kostproben bekam das Publikum mit der „Fantasia for Four Violas“ von dem britischen Komponisten York Bowen (1884 – 1961). und danach mit dem Auszug aus der Sonate für Arpeggione (und Klavier) a-Moll D 821 von Franz Schubert (1797 – 1828). Die warme Harmonie der Bratsche kam hier gut zur Geltung. Beim zweiten Stück zeigten die Musiker auch die rasante Ausdruckskraft der Bratsche, die ihnen eine große Virtuosität ab verlangte.

Das man die Bratsche auch als Zupfinstrument oder als Schlagzeug benutzen kann, erlebten die Zuhörer bei „Missing Bow“ von Ivo Bláha (*1936).

Harmonisch melodiös ging es mit „Nocturno“ von Alois Schmitt (1827 – 1902) weiter.

Abwechslungsreiche Musik aus verschiedenen Jahrhunderten präsentierte das Bratschen-Ensemble. (Foto: © Dortmunder Philharmoniker)
Abwechslungsreiche Musik aus verschiedenen Jahrhunderten präsentierte das Bratschen-Ensemble. (Foto: © Dortmunder Philharmoniker)

Eindrucksvoll war das „Adagio aus der 8. Streichersinfonie D-Dur“ des damals erst 13 Jahre alten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847). Die Solo-Kontrabassistin Tomoko Tadokoro von der Dortmunder Philharmoniker, sorgte bei der Streichersinfonie für die ganz tiefen Töne.

Vor der Pause stand die „Ciaccona für Violine solo d-Moll BWV 1004“ von Johann Sebastian Bach in einer ganz besonderen Version auf dem Programm. Die ganze Bratschengruppe war beteiligt. Bach hatte erst kurz vor der Komposition dieses Werkes seine erste Ehefrau Maria Barbara verloren. Wie in der Barockzeit üblich, arbeitete der Komponist mit Verschlüsselungsverfahren und versteckter Zahlensymbolik in seinem Notentext für die Chaconne. Durch die acht „Bratscher“ im Hintergrund wurden die Verschränkung der Viola-Stimmen mit den von Bach in den Text eingeflochtenen Choralzitaten hörbar gemacht. So zum Beispiel Martin Luthers Osterchoral „Christ lag in Todesbanden“. Es ist wie eine Grabinschrift in Gedenken an seine verstorbene Frau.

Mit melodischen und harmonischen Auszügen aus der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) ging es nach der Pause weiter.

Drei kurze Stücke rundeten das Programm ab. Ein Tango „La Cumparsita“ von Gerado Matos Rodrígez (1897 – 1948), Georgi Bezrukows (*1928) „Tema“ und Michael Kimbers (*1945)

I really love to play the Viola“.

Viel Humor und Spielfreude bewiesen die Bratscher/innen vor allem bei ihrer zweiten Zugabe mit Walzer-Improvisationen.

Beteiligte Künstler an der Viola waren: Roman Nowicki, Marjan Hesse, MinGwan Kim, Mechthild Berief, Armin Behr, Juan Ureňa Hevia, Hindenburg Leka, Johannes Hobbing, Klaus König, Miriam Barth, Maria Fernández Casado und Saskia Simion.




Klangvokal 2018 – Lily Dahab im Domicil

In der Sparte Weltmusik wurde dem Publikum am 13.05.2018 ab 19.00 Uhr im Rahmen des Klangvokal Festivals im Dortmunder domicil südamerikanische Rhythmen – gewürzt mit einer Prise Jazz – durch die argentinische Künstlerin Lily Dahab und ihrer Band geboten. Aber nicht nur das: Sieben Jahre nach ihrem letzten Auftritt bei Klangvokal präsentierten sie und ihr Quartett nun gleich sieben Titel aus ihrer brandneuen CD. Diese erscheint erst am 08.06.2018 auf dem Markt.

Lily Dahab ist eine Kosmopolitin, die als Enkelin syrischer und türkischer Immigranten in Südamerika (Argentinien) geboren wurde. Heute lebt sie mit dem deutschen Jazzpianisten Bene Aperdannier in Berlin. Zu dem Band-Quartett gehören neben ihm noch Jo Gehlmann an der Gitarre, Camilo Villa am Kontrabass und am Schlagzeug der argentinische Perkussionist Topo Gioia.

Lily Dahab und ihre Band brachten den Zauber Südamerikas ins domicil. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Lily Dahab und ihre Band brachten den Zauber Südamerikas ins domicil. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Seit 2000 hatten sie zusammen schon erfolgreich zwei Alben heraus gebracht. Die Band-Kollegen konnten die Zuhörer mit einigen starken Soli begeistern.

Das neue Programm bot viele neue Eigenkompositionen und kreative Adaptionen süd- und lateinamerikanischer Lieder. Dabei bestacht Dahab durch ihre klare und ausdrucksstarke Stimme und ihren sowohl einfühlsamen wie temperamentvollen Gesang.

Sie vereint zahlreiche traditionelle Musikstile verschiedener Länder. In ihren neuen Song vereint sie mit ihrer Band zum Beispiel bei „Nada“ Tango mit Jazz, in „Samba em Preludio“ hört man Bossa Nova-Anklänge heraus. Im Stil des traditionellen „CandombéUruguays war der Song „Hurry“ gehalten. Besonders temperamentvoll wurde es bei den brasilianischen Klängen.

Zu hören waren auch Klassiker wie etwa das Lied „Yo vengo a ofrecer mo corazón“ des argentinischen Sängers und Pianisten Fito Páez. Dahab und ihre Kollegen drückten dem Song auf Basis des traditionellen argentinischen Chacarera-Rhythmus einen eigenen Stempel auf. Beieindruckend war eine eigene kunstvolle (jazzigen) Version des weltbekannten Liedes „Gracias a la vida“.

Einflüsse arabischen Musik ihrer Vorfahren waren beim spanischen Flamenco-Song „Tres Notas“ von Lily Dahab deutlich erkennbar.

Die Künstlerin zeigte auch Kostproben als Vokalakrobatin. Sie begleitete ihren Gesang oft mit starken Gesten und ging humorvoll-offen mit dem Publikum um.




Klangvokal 2018 – Lina Knörr und Band im Domicil

Im Rahmen des Klangvokal Musikfestival trat am Sonntag , den 13.05.2018, Lina Knörr als neuer Stern in der Sparte Jazz mit ihrer Band beim SOUNDZZ Familienkonzert im Dortmunder Domicil auf. Die erst 17 Jahre alte Künstlerin wurde schon in das Bundesjazzorchester berufen. Wie sie beim Konzert erklärte, wird ihr Talent für den Jazz seit vier Jahren intensiv gefördert. Nach ihrem Abitur in diesem Jahr möchte sie Jazz-Gesang studieren.

Ihre Band-Kollegen Peter Köcke (Piano), Matthias Spruch (Gitarre), Sebastian Lindecke (Drums), Felix Jäger (Bass) sind zwischen 23 und 25 Jahre alt und haben den musikalischen Studiengang im Instrumental-Bereich schon eingeschlagen.

Noch bevor es los ging, konnten es sich die anwesenden Kinder (und wer Lust hatte) auch auf einem ausgelegten roten Teppich vor der Bühne gemütlich machen.

Lina Knörr (mit Band) begeisterte im domicil kleine und große Zuhörer. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Lina Knörr (mit Band) begeisterte im domicil kleine und große Zuhörer. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Lina Knörr ist eine Stilistin in Sachen Jazz. Ihre klare warme Stimme ist für diese Musikrichtung prädestiniert. Erstaunlich, welche ausdrucksstarke Stimme so eine zierliche junge Frau haben kann.

Einfühlsam und mit Einflüssen aus unterschiedlichen musikalischen Genre wie Jazz, Blues, Swing Funk, Gospel oder Pop zeigte sie ihr Können. Die Kollegen an den Instrumenten konnten ihre Fähigkeiten und Improvisationstalent mit eindrucksvollen Solo-Einlagen unter Beweis stellen.

Da hielt es auch die kleinen Zuhörer nicht auf dem roten Teppich.

Die Kinder tanzten nicht nur, sondern zeigten später auch Rhythmusgefühl mit ihnen zur Verfügung gestellten Rasseln. Bei einer Ballade schwangen und warfen sie leichte bunte Tücher durch die Lüfte. Alle hatten außerdem sichtlich ihren Spaß. Bei diesem Familienkonzert wurden die Kinder nicht nur einbezogen, sondern ihnen auch einiges zum Jazz kindgerecht vermittelt.

Eine sinnvolles und gutes Angebot für Familien und ganz besonders für die kleinen ZuhörerInnen.

Für das Klangvokal Festival wiederum ist es auch wichtig, solch großen Talenten eine Plattform zu bieten.




Klangvokal 2018 – Musikerfamilie Bach

Wenn es ein Name verpflichtet Musiker zu werden, dann ist es wohl „Bach“. Knapp 80 Musiker haben eifrige Familienforscher ausmachen könne, angefangen vom Stammvater Veit Bach, der Bäcker und Amateurmusiker(!) war. Vox Luminis aus Belgien präsentierten am 12.Mai 2018 in der Marienkirche Motetten aus dem „Familienalbum“ des Bachs, die im übrigen ihren Söhnen gerne den Vornamen „Johann“ gaben.

So erklangen zunächst zwei Motetten von Johann Bach (1604-1673) , den Begründer der Erfurter Linie: „Sei nun wieder zufrieden“ und „Unser Leben ist ein Schatten“. Gerade die erste Motette lies die Inspiration von Komponisten wie Schütz erahnen, denn auch Bach arbeitet mit dem Raumklang und ließ einen Chor aus großer Entfernung singen.

Weiter ging es mit vier Motetten von Johann Michael Bach (1648-1994) und zwei von Johann Christoph Bach (1642-1703).

Vox Luminis präsentierte Musik der Familie Bach in der Marienkirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Vox Luminis präsentierte Musik der Familie Bach in der Marienkirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Danach war ein Zeitgenosse von Johann Sebastian an der Reihe: Johann Ludwig Bach (1677-1731). Die schätzen auch einander und Johann Sebastian führte einige Kantaten seines Verwandten auf. Zu Gehör kamen seine beiden Motetten „Das Blut Jesu Christi“ und „Das ist meine Freude“.

Den Schlusspunkt setzte der berühmteste Bach: Johann Sebastian (1685-1750). mit seinem Werk „Jesu, meine Freude“.

Es war ein sehr inspirierendes Konzert in der Marienkirche, denn die Musik der Vorgänger von Bach hört man in den Konzertsälen nicht allzu oft, denn es ist auch sehr wenig überliefert. Dennoch konnten die Zuhörer einen kleinen Einblick in die musikalische Entstehung der Barockmusik bekommen – von den Anfängen bei Johann Bach bis hin zur Vollendung bei Johann Sebastian.

Vox Luminis konnte wie im vergangenen Jahr bei „King Arthur“ wieder mit ihren wunderbaren Stimmen überzeugen.




Musikalischer „sphären_reigen“ im Konzerthaus

Mit einem abwechslungsreichen Programm unter dem Motto „sphären_reigen“ lockte die Dortmunder Philharmoniker unter der lockeren Leitung von Marc Piollet (Professor für Dirigieren an der Kunstuniversität in Graz) am 08./ 09.05.2018 ihr Publikum in das Dortmunder Konzerthaus.

Das Programm begann mit dem „Divertimento für Orchester“ (1980) von Leonard Bernstein (1918 – 1990). Diese acht kleinen „Musik-Überraschungen“ sind nicht nur ein autobiographischer Spaß des amerikanischen Komponisten, es ist auch eine Hommage an die Stadt Boston (anlässlich des hundertsten Geburtstags) und eine Reminiszenz an große Komponisten-Kollegen wie etwa Mozart, Johann Strauß, Tschaikowsky und andere.

Es war eine Art spritzigen Potpourri aus verschiedenen musikalischen Stilen und Epochen mit versteckten Anspielungen aus dem reichen Konzerterlebnissen von Bernstein.

Das Fanfarenmotiv vom „Sennets and Tuckets“ (Signale und Fanfaren) am Anfang wird in den folgenden Orchester-Miniaturen immer wieder neu verarbeitet. Zunächst in einem Walzer im ungewöhnlichen 7/8 Takt (erinnert an Tschaikowskys 6. Sinfonie) , eine Mazurka, Samba und dem Turkey Trot (eine Art Charleston). Als Kontrast stand dazu die eher geheimnisvoll angelegte „Sphinxes“. Hier macht sich der Komponist einen kleinen privaten Spaß mit der Zwölftonmusik.

Eine Hommage an die Boston-Clubs ist der anschließende „Blues“. Das Finale „The BSO Forever“ ist nachdenklich gehalten und erinnert an die verstorbenen Musiker des BSO. Den Abschluss bildet dann eine lustige Marsch-Persiflage (Radetzky, Johann Strauß oder Philip Sousa).

Tuba libre: Thomas Kerstner zeigte an der Tuba seine Virtuosität. (Foto: © Magdalena Spinn)
Tuba libre: Thomas Kerstner zeigte an der Tuba seine Virtuosität. (Foto: © Magdalena Spinn)

Beim folgenden „Tubakonzert f-Moll von Ralph Vaughan Williams (1872- 1958) zeigte Thomas Kerstner als Solist an der Tuba mit Orchester-Begleitung nicht nur sein Können, sondern auch die vielfältige Ausdruckskraft dieses Instruments. In den drei Sätzen entfaltete sich der „Gesang der Tuba“ ob leise, schwermütig oder laut und kraftvoll klagend. Als Meister der Tuba begeisterte Kerstner das Publikum anschließend noch mit einer selbst komponierten Zugabe.

Nach der Pause führte die Dortmunder Philharmoniker und ihr Dirigent die Zuhörerinnen und Zuhörer mit „Die Planeten“, Suite für großes Orchester op. 32, von Gustav Holst /1874 – 1934) musikalisch in die Weiten und Sphären der Astrologie mit einer Planeten-Reise. Über Mars (Kriegsbote), Venus (Friedensbotin), Mercury (geflügelter Bote) , Jupiter (Bote der Fröhlichkeit), Saturn (Bote des Alters) ging die Achterbahn der Gefühlswelten. Mystisch geheimnisvoll wurde es besonders gegen Ende mit Uranus (der Magier) und Neptun (der Mystiker).

Dieses Werk von Holst hat wohl einige Komponisten für Film und Computerspiele inspiriert. Gleich zu Beginn bei „Mars“ fühlt man sich als Besucher in einen der „Star Wars“-Filme versetzt, auch der „Jupiter“ erinnert zu Beginn an einen Soundtrack für einen Western, verwandelt sich aber in Richtung Fantasy-Film a la „Herr der Ringe“.  Kein Wunder, dass die Musik der Spätromantik ideal zu großen Filmen passt, denn hier wie dort geht es um große Gefühle.

Eindrucksvoll unterstützt wurde das Finale durch die Damen des Opernchors unter der Leitung von Manuel Pujol . Eine zunächst offene Tür auf der Empore links schloss sich wie von Geisterhand ganz langsam zum Ende hin.