Klangvokal 2019 – 11. Fest der Chöre mit Teilnehmerrekord

Für viele Menschen ist das große Fest der Chöre am 15. Juni 2019 ein Höhepunkt des Klangvokal Musikfestivals Dortmund. Den Stellenwert und den Zuspruch für die Chormusik und das selber singen erkennt man in diesem Jahr auch wieder an den steigenden Teilnehmerzahlen. Als neuer Rekord vermeldete beim Pressegespräch Festivaldirektor Torsten Mosgraber in diesem Jahr den Rekord von 160 Chören mit 4.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Dortmund, NRW und darüber hinaus Deutschland weit. Sie präsentieren sich auf verschiedenen Bühnen, in Kirchen und anderen Orten unserer Stadt.

„Das bringt uns schon an die Kapazitäts-Grenzen,“ so Mosgraber. Es soll wieder ein facettenreiches und vielfältiges Programm von Volksmusik. Schlager, Shantys, Musical, Jazz , Barbershop, Klassik oder auch Pop-Musik geboten werden.

Das Fest der Chöre
findet am Samstag, den 15.06.2019 von 10:00 bis 22:00 Uhr statt.

Inoffiziell geht es
wieder im Dortmunder Rathaus mit der Eröffnung durch Kita-Chöre wie
etwa „Eine Welt“, „Wilde Wiese“, Kinderchor Burgholzstraße
und die Kita Worderfeld & Die Berliner Kids.

Das gemeinsame „Wir“ steht im Mittelpunkt.

Offiziell wird das
Chorfest traditionell um 12.00 Uhr auf dem Alten Markt von
Oberbürgermeister Ullrich Sierau und in diesem Jahr als besonderes
„Bonbon“ mit dem Dortmunder Opernchor, auf der Bühne. Dieser
begeisterte ja erst vor kurzem wieder einmal bei der Aufführung von
„Echnaton“ (Philipp Glass).

Es wird wie immer
mit verteilten Textheften zusammen gesungen. Neben dem
Steigerlied-Anfang wird auch die bekannte Fußball-Hymne „You‘ll
never walk alone“ gesungen. Es wäre schön, so die Organisatoren,
wenn möglichst viele Menschen bunte Schals in allen Variationen als
Zeichen von „Vielfalt“ und dem „Wir“ mitbringen würden.
Natürlich sind auch BVB-Schals gerne gesehen.

Einen kleinen Vorgeschmack auf das Chorfest am 15. Juni 2019 gab der Chor "Trallafitti" beim Pressegespräch.
Einen kleinen Vorgeschmack auf das Chorfest am 15. Juni 2019 gab der Chor „Trallafitti“ beim Pressegespräch.

Es gibt wieder Mitmach-Aktionen für Kinder, sowie Mitsing-Möglichkeiten und verschiedene Singstationen für Groß und Klein. Viel zu hören sein wird auf den sieben Bühnen in unserer Stadt, den Kirchen oder vor dem Orchesterzentrum (Deutsch-türkische Chöre).

Anlässlich des
anstehenden evangelischen Kirchentages haben sich gleich zwei
Projektchöre des Dortmunder Kirchenkreises gegründet.

Der Kinder- und
Jugendchor Quer-Beat Holzen hat extra für das Chorfest ein
Kinder-Musical einstudiert und wird es um 14:30 Uhr auf der GUT-Bühne
(am Platz von Netanya) vorstellen.

Zur besten Kaffee-Zeit um 15:50 Uhr auf der Bühne am Alten Markt sorgen als ein Highlight der Chor „Trallafitti“ mit einer Ruhrpott-Musical-Revue für gute Stimmung. Sie gaben schon beim
Pressetermin eine kleine Kostprobe ihres Könnens mit „LA –
International Airport“ und einer „Ruhrpott-Version“ von
„Superjeilezick“ (Brings).

Als krönender Abschluss findet wie immer das Abendkonzert ab 20:00 Uhr auf dem Alten Markt statt. Geballte Barbershop-Frauenpower gibt es dann von den preisgekrönten Damen von „Ladies First“ zu hören. Danach sorgt der Chor „Hömma“ mit ihrem Gesang für einen humorvollen Blick auf das Ruhrgebiet. Zum Finale heizen
dann „Sounding People“ (einer der aktuell erfolgreichsten
Pop-Chöre im Westen) die Stimmung noch einmal an.

Genaueres über das
umfangreiche Programm entnehmen sie den in der Stadt verteilten
Programmheften und Flyern.




Klangvokal 2019 – Dresdner Kammerchor entführt in Himmelswelten

Ein interessantes Programm hatte der Dresdner Kammerchor unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann mitgebracht. Am 09. Juni erklang in der Nicolaikirche geistliche Musik von Mahler, Brahms, Reger und Martin. Hinzu kam eine Komposition von John Cage.

Das Programm vor der
Pause war den romantischen Komponisten Gustav Mahler, Johannes Brahms
und Max Reger gewidmet. Mahlers „Ich bin der Welt abhanden
gekommen“ entfaltet dank der gut aufgelegten Sängerinnen und
Sänger sofort seine Magie. Die Verzweiflung und der Trotz in den
Worten von Friedrich Rückert wird von Mahler in emotionale Musik
umgesetzt. Kein Wunder, dass dieses Stück als Zugabe am Ende des
Konzertes wiederholt wird.

Das Lied „Warum
ist das Licht gegeben den Mühseligen“ von Johannes Brahms ist eine
musikalische Mischung aus barocken und romantischen Elementen. Zwar
stellt die Motette die Frage nach dem „Warum“, gibt letztendlich
aber auch keine Antworten oder Hinweise auf Jesus Christus. Ganz
anders bei den „acht geistlichen Gesängen“ von Max Reger.
Regers Chorwerk ist im homophonen Stil aufgebaut und erinnert an die
Choräle von Bach.

Vor allem mit John Cage und der "Messe für Doppelchor" von Frank Martin begeisterte der Dresdner Kammerchor die Zuhörer in der Nicolaikirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Vor allem mit John Cage und der „Messe für Doppelchor“ von Frank Martin begeisterte der Dresdner Kammerchor die Zuhörer in der Nicolaikirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Nach der Pause ging
es mit einem außergewöhnlichen Stück weiter. John Cage „Four²“
aus seinem Zyklus der Zahlenstücke war eine faszinierende Erfahrung.
Die Gesamtdauer des Stückes steht fest: 7 Minuten. Die Zeiträume,
in denen ein bestimmter Ton erklingen soll, hat Cage zwar
beschrieben, aber innerhalb dieser Zeiträume darf ein Sänger frei
entscheiden. So vermischt sich Festgelegtes und Individuelles zu
einem Gesamtkonzept.

Jahrzehntelang lag
die „Messe für Doppelchor“ von Frank Martin in der Schublade. In
den 1920er Jahren begonnen, wurde sie erst 1963 aufgeführt. Es ist
ein modernes Werk, voller subtiler Klangfarben und rhythmischen
Strukturen. Eine Besonderheit ist, dass alle Teile der Messe etwa
gleich lang sind, unabhängig der zu singenden Textmenge.

Ein
außergewöhnliches Konzert mit einem harmonischen Chor, der die
Himmelswelt von Romantik und Moderne erklingen ließ.




Klangvokal 2019 – Agrippina als Kombination von Erotik und Machtbesessenheit

Am 08. Juni 2019 wurde im Orchesterzentrum NRW die Oper „Agrippina“ von Georg Friedrich Händel konzertant aufgeführt. Für die Musik waren die „Les Talens Lyriques“ unter der Leitung von Christoph Rousset verantwortlich. Zusammen mit den acht Sängerinnen und Sängern entführten uns die Künstler unter mithilfe von barocken Klängen in die Welt der Antike, in der Machtbesessenheit und Erotik eine gefährliche Mischung bildeten.

Ein wahrhaft
dramatischer Stoff: Kaiser Claudius soll auf der Rückreise aus
Britannien ertrunken sein, daher möchte seine Frau Agrippina ihren
Sohn Nero zum Kaiser krönen lassen. Dumm nur, dass Claudius lebt und
schlimmer noch, er hat seinen Feldherrn Otho (im Libretto Ottone
genannt), der ihm das Leben rettete, zum Kaiser bestimmt. Pech für
Agrippina? Sie entwickelt ein Intrigenspiel, in dem Poppea eine
zentrale Rolle spielt. Poppea wird wird Otho, Nero und Claudius
geliebt. Sie liebt zwar Otho, aber wenn ihr eingeflüstert wird, dass
Otho nur an der Kaiserkrone interessiert wird…

Musikalisch bietet
„Agrippina“ alles, was eine barocke Oper ausmacht. Viele
wunderschöne Rezitativ-Arien, so entsagt Nero verzweifelt der Liebe
„Come nubo che fugge“ in einer herrlich melancholischen Art,
zartschmelzende Liebesarien von Otho und Poppea erklingen gegen Ende.
Natürlich hat die Titelheldin, deren Motto „Gelobt sei der, der
zum Regieren die Intrige nutzt“, auch die schönsten Arien.
Angefangen von „L‘alma mia fra le tempeste“ bis hin zu „Ogni
vento ch‘al porto lo spinga“.

Händel bringt die
Gefühle von Intrigen, enttäuschter und echter Liebe, Frust und
Triumph in gekonnter Manier auf das Notenblatt. Dabei bedient er sich
seiner früheren Werke sowie von Komponisten seiner Zeit. Im 18.
Jahrhundert anscheinend kein Problem, heute hätte Händel vermutlich
Probleme mit dem Urheberrecht. Dennoch oder gerade deshalb ist
„Agrippina“ ein Stück wie aus einem Guss und es ist kein Wunder,
dass die Oper heute immer noch oft aufgeführt wird, trotz der
dreistündigen Dauer.

"Agrippina" war ein Feuerwerk der barocken Oper. Das Publikum danke den Solisten und Musikern mit stehenden Ovationen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
„Agrippina“ war ein Feuerwerk der barocken Oper. Das Publikum danke den Solisten und Musikern mit stehenden Ovationen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Auch wenn sich das
Festival Klangvokal auf die Stimmen konzentriert und es im
Orchesterzentrum gar keine andere Möglichkeit gab, die konzertante
Aufführung kann leider die Situationskomik im dritten Akt nicht auf
die Bühne bringen. Denn da versteckt Poppea, die sich auch an
Agrippina rächen will, nicht nur Otho, sondern auch Nero hinter
Türvorhängen. Zudem taucht auch noch Claudius auf.

Neben der wunderbar
dargebotenen Musik enttäuschten auch die Sängerinnen und Sänger
nicht. Maité Beaumont überzeugte als intigrante Agrippina, ebenso
wie Eugénie Warnier als Poppea. Die Mezzosopranistin Ève-Maud
Hubeaux legte noch etwas schauspielerische Energie in ihrer
Darstellung des jungen Nero. Countertenor Paul-Antoine Bénos-Djian
als Otho gelang der Wechsel von himmelhochjauchzend bis zu Tode
betrübt wunderbar und Bassbariton Arnaud Richard als Claudius, der
nicht weiß, wie im mitgespielt wird, sang seinen Part souverän.

Auch die Nebenrollen
von Narciso (Ray Chenez), Lesbo (Douglas Williams) und Pallante
(Ètienne Bazola) waren perfekt besetzt.




Klangvokal 2019 – Facettenreiche mediterrane Vokalmusik

Arabisch-französisch geprägte Musik des Trio NES (Valencia) erwartete das Publikum im Dortmunder domicil. Die Organisatoren des Klangvokal Musikfestivals bewiesen wieder einmal einen gutes Händchen für Vokalkünstler der besonderen Klasse.

Charismatische
Frontfrau der Gruppe ist die französisch-algerische Sängerin und
Cellistin Nesrine Belmokh. Sie ist in Frankreich geboren, und ihre
Eltern stammen aus Algerien. Daraus entwickelte sich eine ganz
besondere Melange aus arabischer Musik, Jazz, Chanson, Soul und Pop.

Die Sängerin hat
nicht nur eine gute und wandlungsfähige Stimme, sondern kann auch
einfühlsam auf ihrem schmalen E-Cello oder einer in Istanbul
erstandenen Mandoline spielen. Eindrucksvoll kam ihre Alt-Stimme vor
allem gerade bei den leisen Tönen zur Geltung.

Eine gelungene Fusion aus verschiedenen Musikstilen präsentierte die Band NES der Frontfrau Nesrine Belmokh. Mit ihr spielten David Gadeo (Percussion) und Cellist Matthieu Saglio. (Foto: © Anja Cord)
Eine gelungene Fusion aus verschiedenen Musikstilen präsentierte die Band NES der Frontfrau Nesrine Belmokh. Mit ihr spielten David Gadeo (Percussion) und Cellist Matthieu Saglio. (Foto: © Anja Cord)

Ihr zur Seite
standen kongenial der französische Cellist Matthieu Saglio (nicht
umsonst wird er „Cellist der 1000 Klangfarben“ genannt) und
spanischen Perkussionisten David Gadeo. Sie ergänzten sich alle
wunderbar und bewiesen auch Performance-Qualitäten.

In den vielseitigen
Liedern, die hauptsächlich von der Sängerin stammen, geht es vor
allen um Identität, Liebe und Schmerz oder vor allem um den Traum
und die Hoffnung auf Frieden. Ihr Debütalbum „Ahlam“, aus dem
die Frontfrau einige Songs sang, bedeutet im wörtlichen Sinn
passend „Traum“. So heißt es in dem auf arabisch gesungenen
Titelsong: „Ich träume von Frieden und Hoffnung in einem Garten
der Liebe.“

Neben arabisch
wurden die Lieder überwiegen in englischer Sprache oder auf
französisch gesungen.

In „Laisse-Moi
Entrer“ bittet die Franko-Algerierin beispielsweise um Einlass auf
Französisch, in „The World is Blue“ beklagt sie sich dagegen
temperamentvoll über einen Liebhaber.

NES ist ein
gelungenes Beispiel dafür, was für eine Bereicherung
multikulturelle Einflüsse auf die Musik haben können.

Zum Abschluss
begeisterte NES das Publikum noch mit zwei wunderbaren
Interpretationen von „Ain‘t No Sunshine“ (Bill Withers) und „La
vie en rose“ (Edith Piaf).




Juicy Beats 2019 – volles Programm steht

Das
24. Juicy Beats Festival im Dortmunder Westfalenpark am 16. & 17.
Juli 2019 steht mit einem vollgepackten Musik-Spiel und Spaß –
Programm vor der Tür.

Es
bietet insgesamt 200 Bands und DJs, sieben Live-Bühnen, 20 Floors,
etliche Aftershow-Partys und ein besonderes Rahmenprogramm.

Erstmals
können die Zelte auf dem Campingplatz schon am Donnerstag
(15.07.2019) aufgeschlagen und dann an einem zusätzlichen
Rahmenprogramm teilnehmen. Im Angebot sind unter anderem ein Ausflug
zum Deutschen Fußballmuseum, zum 2. Soccer Slam Cup mit
anschließendem Stößchen und Konzert in der Kultkneipe Schlips oder
Party im Toyka‘s.

Die Organisatoren hoffen auf gutes wetter beim diesjährigen Juicy Beats.
Die Organisatoren hoffen auf gutes wetter beim diesjährigen Juicy Beats.

Viele
Topacts, wie zum Beispiel AnnenMayKantereit, SDP, Bausa, Trettmann,
Dendemann, Claptone, Mousse T., Drunken Masters, Finch Asozial, Giant
Rooks, Lari Luke oder die Antilopen Gang erwarten das Publikum auch
nationale Newcomer, eine inklusive Band , Poetry-Slam und vieles mehr
auf den unterschiedlichen Stages und Bühnen.

Am
Freitag den 16.07.2019 geht es ab 14:00 Uhr mit Trettmann und dem
diesjährigen Headliner, die Kölner Band AnnenMayKantereit los.
Gleichzeitig starten die zum Teil liebevoll geschmückten Floors.

Am
sind am Samstag steht dann SDP auf dem Programm der großen Bühne.

Auch
an Kinder und Familie ist gedacht. In der Kidzone (Wiese Buschmühle)
präsentiert das Jugendamt Dortmund erstmals ein musikalisches
Programm für die kleinen Besucherinnen und Besucher. Bewegung und
Tanz werden im Zirkuszelt groß geschrieben.

Es
gibt auch wieder eine 9 Meter hohe Kletterwand und vieles mehr.

Silent
Disco ist ab 22:00 Uhr angesagt.

Sponsoren wie Brinkhoff‘s haben sich als besondere Aktion (TukTuk-Floor) ein Klebe-Tattoo (wahlweise Ruhrgebietsstädte) für interessierte Besucher ausgedacht.

Die
Sparkasse Dortmund hatte schon jetzt mit ihrer 25%Rabattaktion für
Festival-Tickets rege Nachfrage und Erfolg.

Das
Essensangebot ist ähnlich groß wie in den vergangenen Jahren und
die Ticketpreise sind moderat geblieben.

Ticket
sind auf der der Festival-Homepage sowie den bekannten
Vorverkaufsstellen und Systemen erhältlich. Kombitickets der Phase 4
kosten 80,- Euro zzgl. Gebühren. Für Teenager zwischen 11 und 13
Jahren gibt es die Teen-Tickets für 43,-Euro (Kombi) und 21,50 Euro
(Einzel) zzgl. gebühren als print@home Variante.

Die
kostenlose An- und Abreise mit Bus und Bahn aus dem gesamten
VRR-Gebiet ist bei allen VVK enthalten.

Zusatzkarten
für den Campingplatz, (geöffnet Donnerstag), sind ab 40,- Euro (Ein
Zelt/Zwei Personen, zzgl. Müllpfand) zu haben.




Klangvokal 2019 – Soul-Pop aus dem Herzen

Es gibt sicherlich einige Sängerinnen, die sich um den Thron von Amy Winehouse bemühen und Sharon Kovacs gehört mit Sicherheit zu den heißen Kandidatinnen. Mit kurzgeschorenen Haaren erinnert die Niederländerin optisch an Sinead O‘Connor, musikalisch liegen die Wurzeln von Kovacs klar im Soul. Das Konzert am 06. Juni 2019 im FZW bewies ihre Qualitäten.

Gitarre, Bass,
Schlagzeug, zwei Background-Sängerinnen, Keyboards, Trompete und
natürlich die Hauptdarstellerin Sharon Kovacs. Das waren die Zutaten
eines intensiven Konzert. Die Künstlerin sang Songs von ihrer neuen
CD „Cheap Smell“ und ihrem Debut-Album „Shades of Black“.
Anfang mit Hut bekleidet besaß Kovacs sofort eine enorme
Bühnenpräsenz, die mit dem ersten Song die Menge zum Tanzen
mitriss.

Perfekte Soulmusik mit autobiografischen Texten: Kovacs im Rahmen des Festivals Klangvokal im FZW. (Foto: © Anja Cord)
Perfekte Soulmusik mit autobiografischen Texten: Kovacs im Rahmen des Festivals Klangvokal im FZW. (Foto: © Anja Cord)

Ihre Texte
berichteten nicht immer über erfreuliche Dinge aus ihrem Leben. So
dreht sich „Mama & Papa“ über ihre Kindheit in einer Familie
ohne Vater, „Adickted“ handelt über ihren drogenabhängigen
Ex-Freund. Aber dennoch strahlt ihre Musik eine große Lebenslust
aus, der Wunsch, das Leben einfach zu genießen. So treibt der große
Rhythmus des Souls nicht nur die Sängerin an, sondern übertrug sich
auch auf die Zuhörer im FZW.

Überhaupt: Man
spürt sofort, diese Frau ist für die Bühne gemacht, ihre Stimme
ist mitreißend. Neben den üblichen verdächtigen wie Amy Winehous
oder Shirley Bassey hört man auch ihr Vorbild Grace Jones an einigen
Stellen heraus. Musikalisch half ihr auch der Rückgriff auf die
Basics im Konzert. Keine Streicherarrangements, keine überbordende
Instrumentierung. Nur das, was zur Soulmusik gehört. Pur und echt.




9. Philharmonisches Konzert – Konflikte musikalisch verarbeitet

Wen kann man in Krisen oder Kriegszeiten noch trauen? Wie stellt sich
das Individuum dann gegenüber der Gemeinschaft? Welche Wege geht es,
und wer sind seine verlässlichen Gefährten?

Bei den drei
Komponisten und deren ausgewählten Werken beim 9. Philharmonischen
Konzert am 4./5. Juni 2019 konnte das Publikum diese Konflikte
musikalisch spüren.

Die Dortmunder
Philharmoniker unter der schwungvollen Leitung des niederländischen
Dirigenten Antony Hermus nahm sich zunächst den Zyklus „Le Tombeau
de Couperin“ von Maurice Ravel (1875 – 1937) vor. Als Verbeugung
vor der französischen Barockmusik (Memoria-Komposition) und als
Erinnerung an die im 1. Weltkrieg gefallenen Freunde des Komponisten
und nach dem Tod seiner Mutter (1917) war es komponiert worden.

Die Komposition ist
zum einen vom barocken Geist (etwa beim Menuett) beeinflusst,
andererseits von harmonischen und rhythmisch-modernen Klangfarben
durchbrochen.

Die einzelnen Sätze
sind seinen gefallenen Freunden gewidmet. Nach einem fast pastoralen
leichten Beginn blitzt später auch immer wieder eine modernere
Harmonik durch. Melancholische und fröhliche Passagen wechseln sich
bis zum furiosen Finale ab. Unterschiedliche Instrumente, wie etwa
die Oboe, die Trompete oder das Englischhorn, stehen zwischendurch
abwechselnd im Mittelpunkt.

Obwohl das folgende
Violoncellokonzert des polnische Komponist Witold Lutosławski
(1913-1994) in
Konfliktreichen politischen Zeiten (Kalter Krieg) musikalisch auch
deutlich ein Konfliktverhältnis zwischen Violoncello und Orchester
beinhalten, wollte der Komponist es nicht als Allegorie zwischen dem
unter den Repressionen durch das sowjetische System leidende und sich
am Ende befreiende Individuum sehen.

Das
moderne Werk zeichnet sich durch eine klare melodische Komponente und
dissonante musikalische Narrative aus. Spektakulär zauberte der
Cellist Johannes Moser aus seinem Instrument beeindruckende Klänge.
Wie ein Herzklopfen fühlt es sich für das Publikum an, wenn schon
zum Auftakt das Solocello
mit einem großen Monolog fünfzehn bis zwanzig mal einen einzelnen
Ton wiederholt, bis sich eine mehrminütige Solofantasie anschloss.

Dem Interpreten werden auch im weiteren Verlauf Freiheiten eingeräumt, die dem Cellisten viel abverlangen. In die Fantasie fährt der erste harsche Gegenwind durch die Trompeten aufzieht. Es folgen eine Reihe von „Kampfscharmützel“ zwischen Violoncello, einzelne Instrumenten und dem Orchester. Es gibt aber auch immer mal Unterstützung für den Solocellisten. Schlussendlich
triumphiert am Ende das Violoncello.

Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Antony Hermus und dem Solocellisten Johannes Moser. (Foto: © Anneliese Schürer)
Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Antony Hermus und dem Solocellisten Johannes Moser. (Foto: © Anneliese Schürer)

Nach der Pause stand Felix Mendelssohn Bartholdys (1809 – 1847) 3. Sinfonie a-Moll op. 56, auch die „Schottische“ genannt, auf dem Programm. Sie
entstand unter dem Einfluss eine Schottlandreise 1829, die den
Komponisten auch nach Holyrood Palace, der ehemaligen Residenz von
Königin Maria Stuart (und deren Geschichte) führte. Erst zwölf
Jahre später wurde die Sinfonie 1841/1842 fertigt gestellt.

Passend
zu Schottland ist auch der dunkel-elegische Anfang mit den tiefen
Klängen der Holzbläser, Hörner und Bratschen. Die folgenden
bewegenden Themen und Motive
werden
später furios in einer
Art „Sturm“durch die Streicher gebrochen um am Ende wieder
düster-elegisch auszuklingen.

Die nächsten Sätze folgen wie aus einem Guss fast ohne Unterbrechung mal tänzerisch ausgelassen, mal kraftvoll elegant. Der vierte und letzte Satz hat teilweise den Charakter eines musikalischen „Schlachtfeldes“, das dann langsam ins Leere läuft. Das Finale ist stark und hymnisch.




Klangvokal 2019 – Chorkonzert mit skandinavischem Einschlag

Wer das Konzert des Jugendkonzertchores der Chorakademie Dortmund am 01. Juni in der Propsteikirche gehört hat, wird nicht verwundert sein, dass die jungen Sängerinnen und Sänger beim 10. Deutschen Chorwettbewerb 2018 in Freiburg den ersten Preis in der Kategorie „Gemischte Jugendchöre“ gewonnen haben. Eine gelungene Präsentation geistlicher Musik mit einem skandinavischen Schwerpunkt unter dem Titel „Im ewigen Licht“ begeisterte das Publikum.

Ob es an der
Dunkelheit liegt oder an der weiten Landschaft? Die Lieder von
skandinavischen Komponisten wie Jan Hakan Åberg
oder Håkan
Parkman hatten einen großen melancholischen Einschlag. Åbergs
bekannte Hymne „I himmelen, i himmelen“ ließ seinen Ursprung in
Volksliedern erkennen. Bei Jan Sandströms „Sanctus“ zeigte der
Chor unter der Leitung von Felix Heitmann sein Können beim Wechsel
zwischen leisen und sanften Passagen und dynamischeren Teilen. So
klang es, als ob die Töne vom Zuhörer hin und her getragen wurden.

Der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund überzeugte bei seinem Konzert beim Festival Klangvokal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund überzeugte bei seinem Konzert beim Festival Klangvokal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Doch
nicht nur zeitgenössische Komponisten aus Skandinavien waren zu
hören. Den Beginn machte der Renaissance-Komponist de Palestrina mit
seinem getragenen weihevollen „Kyrie“. Daneben erklangen noch die
Romantiker Mendelssohn-Bartholdy
und Grieg.

Nach
der Pause beeindruckte der Chor mit „Immortal Bach“ von Knut
Nystedt. Hierfür verteilten sich die Mitglieder des Chores an den
Seiten der Kirche. Das Besondere an dem Stück ist, dass jeder Sänger
sein eigenes Tempo für den Choral wählt, sodass völlig neue
Klangstrukturen entstehen, bis sich gegen Ende wieder alles zu einem
Akkord vereint.

Ein
faszinierendes Konzert des Jugendkonzertchores,
melancholisch und
zuweilen meditativ. Aber auch schön, dass der Chor zur zweiten
Zugabe ein weltliches Liebeslied als a-capella Version sang: „One
call away“ von Charlie Puth swingte durch die Hallen der
Propsteikirche.




Klangvokal 2019 – Gefühlvolle Bizet-Oper mit starken Stimmen

Mit der konzertanten Oper „Die Perlenfischer“ (Les pêcheurs de perles) von Georges Bizet (1838 – 1875) am 31.05.2019 im Rahmen des Klangvokal Festivals in Dortmund, kamen die Liebhaber der dramatischen und gefühlvollen Oper des 19. Jahrhunderts auf ihre Kosten.

Es
war die erste Oper (1863,
Libretto von Michel Carré
und Eugène
Cormon) des französischen
Komponisten Bizet, der dann ja besonders durch „Carmen“ berühmt
wurde.

Im
19. Jahrhundert hatten
viele Menschen Fernweh und Sehnsucht auszuwandern. Je exotischer und
weiter, umso besser. Da passte es gut, dass Bizet die Handlung seiner
Oper nach Ceylon (heute Sri Lanka) verlegte und mit seiner
schwelgerischen Musik untermalte.
Exotisches Flair
und eine dramatische Dreiecksgeschichte zwischen der Tempelpriesterin
Leila, dem Führer der Perlentaucher, und dessen alten Freund
aus Jugendtagen Nadir. Beide Männer lieben Leila
und kennen sie aus vergangenen Tagen,
wo sie ihrer Freundschaft willen auf die Erfüllung verzichteten. Das
sind die Zutaten für diese Oper.

Das Publikum im Konzerthaus feierte alle Beteiligten der "Perlenfischer". (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Das Publikum im Konzerthaus feierte alle Beteiligten der „Perlenfischer“. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Unter
dem Einfluss des Brahmanismus, muss
Leila, während die Perlentaucher ihrer gefährlichen Arbeit
nachgehen, verschleiert und keusch auf einem Felsen beten, um die
Götter zu besänftigen und der Aktion zu einem Erfolg zu verhelfen.
Sie erkennt aber ihre alte Liebe Nadir und bricht ihr Gelübde. Das
Drama um Liebe, Freundschaft, Eifersucht und verzicht nimmt seinen
Lauf.

Auf der vollen Bühne des Dortmunder Konzerthauses wurde die Handlung tatkräftig vom renommierten WDR Funkhausorchester unter der professionellen Leitung des Dirigenten Friedrich Haider sowie dem starken WDR Rundfunkchor unter Erobert Blank präsentiert.

Die russische Sopranistin Ekaterina Bakanova beherrschte als Leila mit ihrer klaren Stimme nicht nur die schwierigen Koloratur-Klippen, sondern brachte deren Verzweiflung, Liebe und Mut dem Publikum sensibel nah.

Als
Vertretung für den erkrankten Francesco Demuro beeindruckte der
russische Tenor Sergey Romanosky in der Rolle des Nadir das Publikum
mit einer Stimme, die gefühlvoll und kraftvoll zugleich war. Er
harmonierte mit seinem Gegenspieler Zurga, stark gesungen von dem in
Belgrad geborenen Bariton David Bizic. Der erfahrene französische
Bassist Luc Bertin-Hugault übernahm den Part des Ältesten Nourabad
als Vollstrecker im Hintergrund. Der Chor symbolisierte das „Volk“,
das schnell mit seinem Urteil als aufgebrachte Masse zur Stelle
war.

Ein
wunderbarer Konzertabend mit der betörenden Musik Bizets.




Klangvokal 2019 – Eine Mixtur der Geschlechterrollen

Ein
außergewöhnliches Programm bot das Festival „Klangvokal“ mit
dem Abend „Gender Stories“. Begleitet von der Lautten Compagney
Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner sangen Vivica Genaux
und Lawrence Zazzo am 30. Mai 2019 im Orchesterzentrum Arien und
Duette aus Opern des Barock.

Xerxes ist doch ein
Mann und seine Ehefrau Amestris klar weiblich. Also müsste die
Singstimme von Xerxes Tenor oder Bass sein. Doch im Barock galten die
natürlichen Geschlechterrollen nicht. Frauen tauchten auf der Bühne
auf, die Männerkleidung trugen und Tenöre und Bässe spielten noch
nicht die große Rolle wie in der Romantik. Das Zeitalter des Barocks
war natürlich auch die große Zeit der Kastraten. So konnte ein
Kastrat eine Frauenrolle singen, während die Sopranistin den Helden
sang.

Begleitet von der Lautten Compagney Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner (rechts) sangen Vivica Genaux und Lawrence Zazzo Arien aus dem Barock, die mit dem Rollenbild der Geschlechter spielten. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Begleitet von der Lautten Compagney Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner (rechts) sangen Vivica Genaux und Lawrence Zazzo Arien aus dem Barock, die mit dem Rollenbild der Geschlechter spielten. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Mit der
Mezzosopranistin Vivica Genaux und dem Countertenor Lawrence Zazzo
hatte das Festival zwei exzellente Sänger, die den Besuchern das
barocke Spiel der Geschlechter gesanglich nahebrachten. Eine Auswahl
aus bekannten und eher unbekannten Komponisten war die ausgezeichnete
Wahl für einen fulminanten barocken Abend.

Auffallend war, wie
oft der persische Großkönig Siroe Thema von barocken Opern war.
Nicht nur Georg Friedrich Händel, sondern auch Johann Adolf Hasse,
Baldassare Galuppi, Georg Christoph Wagenseil oder Tommaso Traetta
befassten sich musikalisch mit dem Stoff. Daneben waren sehr viele
Stücke von Händel zu hören, was den Abend durchaus zu einem
Händel-Abend werden ließ. Zwischen den Gesangsstücken gab es auch
immer wieder instrumentale Zwischenspiele, die das musikalische
Können der Lautten Compagney unterstrich.

Genaux und Zazzo
lieferten mit ihren Stimmen einen gelungenen Abend dramatische Arien
und Duette wechselten sich mit eher lyrischen Stücke ab. Eine
gehörige Portion barocker Stimmung, die vom begeisterten Publikum
mit drei Zugaben belohnt wurden.