Ein Requiem mit der italienischen Note

Die Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz entführte das Publikum am 11./12. Februar 2020 im hiesigen Konzerthaus musikalisch nach Mailand.

Für das 5. Philharmonische Konzert stand die „Messa da Requiem“ von Giuseppe Verdi (1813 – 1901) auf dem Programm. Ars tremonia durfte am 12.02.2020 im Publikum mit dabei sein.

Der für seine grandiosen Opern bekannte italienische Komponist war auch ein Patriot, dem die Freiheit, Unabhängigkeit und Einheit Italiens als Nationalstaat am Herzen lag. Nach dem Tod seines großen Kollegen Gioachino Rossini (1792 – 1868) komponierte Verdi für ihn als Ehrerbietung das „Requiem per Rossini“. Als 1873 auch noch der verehrte Nationaldichter und Identifikationsfigur des Risorgimento Alessandro Manzoni starb, ließ Verdi sich nicht lange bitten und komponierte die „Messa da Requiem“. Elemente des Requiems für Rossini sind dort teilweise zu erkennen.

Generalmusikdirektor Gabriel Feltz leitete die Musiker und den Chor mit Engagement durch das "Messe da Requiem" von Verdi. (Foto: © Magdalena Spinn)
Generalmusikdirektor Gabriel Feltz leitete die Musiker und den Chor mit Engagement durch das „Messe da Requiem“ von Verdi. (Foto: © Magdalena Spinn)

Unterstützung bekam die Dortmunder Philharmoniker für diesen Musikabend vom großartigen Philharmonischen Chor Brno (Leitung: Petr Fiala) sowie die stimmgewaltigen Gesangssolisten Susanne Bernhard (Sopran), Adriana-Bastidas Gamboa (Mezzosopran), Sungmin Song (Tenor) und dem Bassbariton Tobias Schnabel.

In den sieben Abschnitten der „Messa da Requiem“ bündelt Verdi sein gesamtes Ausdrucksspektrum, das er sich in den Jahren angeeignet hatte. Er verleiht den Worten der Liturgie des Totengottesdienstes mit seiner ergreifenden, mal nachdenklich-meditativen, dann wieder höchst dramatischen Musik eine ganz eigene musikalische Kraft.

Dass dieses Requiem oft scherzhaft als „Verdis beste Oper“ bezeichnet wird, ist verständlich. Mit all seiner Dramatik, Angst vor dem „Jüngsten Gericht“, Hoffnung auf Erlösung und Rettung vor dem ewigen Tod bieten einen guten Stoff für eine konzertante italienische Oper. Die ganze Palette von Emotionen wird musikalisch ausgespielt.

Um nur ein kleines Beispiel zu nennen. Ist der Beginn mit dunklen Celli-Klängen und leisem Chor-Gesang eine sensible Vermittlung der „ewigen Ruhe“, wechselt die Stimmung im zweiten Abschnitt mit Unterstützung von lauten Pauken und Trompeten zu einer eindrucksvollen musikalischen Darstellung des ausbrechenden Jüngsten Gerichts.

Ein gelungener Konzertabend mit einer gut aufgelegten Dortmunder Philharmoniker samt Dirigenten, einem erstklassigen Chor und starken Stimmen der vier Sänger*innen.




Musikalische Gefühlswelten beim 12. Klangvokal Festival

Das 12. Klangvokal Musikfestival Dortmund ist seit Januar 2020 erstmals unter das Dach der hiesigen Kulturbetriebe geschlüpft. In diesem Jahr steht vom 17. Mai bis 14.Juni 2020 das Dortmunder Klangvokal Festival Programm unter der erfahrenen Leitung von Torsten Mosgraber und seinem Team unter dem Motto „Gefühlswelten“. Beteiligt sind Künstler*innen aus über 20 Ländern aus dem Bereich alte Musik, Barock, Pop, Jazz und Weltmusik sowie natürlich viele Chöre.

Emotionen – Diese bestimmen in einem großen Maße unser Leben. Oft werden sie durch Politik oder Religionen für ihre Zwecke instrumentalisiert. Positiv und verbindend wirkt die Kraft der Musik.

Im Fokus steht die Vokalmusik verschiedenster Art vom 15. Jahrhundert bis heute auf hohem Niveau. Los geht es offiziell am 17. Mai mit Vincenzo Bellinis Belcanto-Oper „ Il Pirata“ um 17:00 Uhr im Konzerthaus Dortmund. Zu hören sind die gefeierte lettische Sopranistin Marina Rebeka, der US-amerikanische Tenor Lawrence Brownlee sowie der italienische Bariton Franco Vassallo.

Spannendes aus dem Barock gibt es am mit Leonardo Vincis Oper „Gismondo – Re di Polonia“ am 30. Mai 2020 um 19:00 Uhr im Orchesterzentrum NRW zu hören. Unter anderem mit dabei der Countertenor Max Emanuel Cencic.

Aus dem Bereich „Musik vor 1750“ wird am 06. Juni 2020 „Himmelsmusik“ mit Christina Pluhar und ihr Ensemble L‘Arpeggiata im Konzerthaus erklingen.

Argentinische Klänge aus dem 17. Jahrhundert entlockt Leonardo Garcia Alarcón mit seiner „Cappella Mediterranea“ am 24. Mai im Orchesterzentrum.

Hoffen auf starke Gefühle in den Konzerten: (v.l.n.r.) Dirk Schaufelberger (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Dortmund), Sandra Spitzner (PR Klangvokal), Gerd hewing (Mercedes Benz Dortmund), Stefan Mühlhofer (geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe), Margarethe Helfen (Freunde von Kalnfvokal) und Torsten Mosgraber (Direktor Klangvokal).
Hoffen auf starke Gefühle in den Konzerten: (v.l.n.r.) Dirk Schaufelberger (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Dortmund), Sandra Spitzner (PR Klangvokal), Gerd hewing (Mercedes Benz Dortmund), Stefan Mühlhofer (geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe), Margarethe Helfen (Freunde von Kalnfvokal) und Torsten Mosgraber (Direktor Klangvokal).

Zum Festivalabschluss am 14. Juni sind erstmals in der Großen Kirche Aplerbeck barocke „Meister der Dresdner Kirchenmusik“ zu hören.

Unter der Rubrik Chöre ist am 07. Juni in der Reinoldikirche das Oratorium „The Kingdom“ (Edward Elgars) mit der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Granville Walker und dem Chor des Dortmunder Musikvereins sowie Mitgliedern des Philharmonic Chorus Leeds zu hören.

Das belgische Huelgas Ensemble (Burgund) tritt am 22. Mai im Reinoldihaus mit ihrer ganz eigenen franko-flämischer Vokalpolyphonie auf.

In der Marienkirche ist am 19. Mai die vom ehemaligen „King‘s Singer“ Nigel Short gegründete Londoner „The Tenebrae Choir“ zu hören.

Starker Gesang, Geschichten und Musik aus dem Bereich Jazz und Weltmusik ist am 28. Mai im domicil von Awa Ly (Senegal), oder am 29. Mai im Reinoldihaus von Damir Imamovíć (Bosnien) zu hören. Eine neue faszinierende musikalische Farbe bringen Canalón de Timbiquí (Kolumbien) am 05. Juni im domicil auf die Bühne. Jazz-Star Lisa Simone, Tochter der amerikanischen Soul-Legende und Bürgerrechtlerin Nina Simone tritt am 10. Juni im domicil auf. Für eine besondere Stimmung wird sicherlich die afrikanisch-französische Grammy-Preisträgerin UNICEF-Botschafterin Angėlique Kidjo (Benin) am 11. Juni im Konzerthaus zusammen mit der Neuen Philharmonie Westfalen. Das Spektrum reicht von Afro- Pop, R‘n B, Jazz sowie lateinamerikanische und afro-karibischen Klänge. Unter der Leitung von Gast Waltzing ist ein spektakulärer Abend zu erwarten.

Am Samstag, den 13. Juni findet das traditionelle Fest der Chöre in Dortmund statt.

Ab sofort startet der Vorverkauf bei Dortmund-Tourismus (Kampstr. 80), bei den Ruhr Nachrichten,, an allen bekannten VVK-Stellen und im Internet Infos unter www.klangvokal.de

Klangvokal hat zur Programmveröffentlichung 50.000 Folder und 5.000 Programmbücher drucken lassen.

Ein ausführliches Festivalmagazin und eine Festivalbeilage erscheint im April (Ruhr Nachrichten).




Streichergruppe im Mittelpunkt des 3. Kammerkonzerts

Eine Gruppe von sechs Streicher*innen der Dortmunder Philharmoniker lud am 27.01.2020 unter dem Motto „Wiener Nächte“ zum 3. Kammerkonzert in das Orchesterzentrum NRW.

Mit dabei waren Joowon Park und Oleguer Beltran Pallarés an der Violine, Hindenburg Leka und Mingwan Kim an der Viola sowie Franziska Batzdorf und Andrei Simion am Violoncello.

Die auf dem Programm stehenden „Verklärte Nacht“ op. 4 von Arnold Schönberg (1874 – 1951) und nach der Pause das Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert (1797 – 1928) boten den Musiker*innen viel Gelegenheit, dem Publikum ihr virtuoses Können und das Facettenreichtum ihrer Streichinstrumente zu Gehör zu bringen.

Die Streicher standen beim 3. Kammerkonzert im Mittelpunkt. (Foto: © katermikesch auf Pixabay)
Die Streicher standen beim 3. Kammerkonzert im Mittelpunkt. (Foto: © katermikesch auf Pixabay)

Der eigentlich als „Erfinder“ der Zwölftontechnik bekannte Arnold Schönberg war jedoch auch von der Romantik, speziell von Richard Strauss und Gustav Mahler beeinflusst. Inspiriert von einem Gedicht von Richard Dehmel (1863 – 1920) entstand seine „Verklärte Nacht“ für Streichsextett. Es beschreibt einen Spaziergang eines paares im Mondschein. Die Frau ist von einem fremden Mann schwanger, ihr Partner steht jedoch zu ihr und dem Kind. Die ganze Dramatik und die Gefühlsschwankungen spiegeln sich in dem einsätzigen Musikwerk wieder. Es besteht aus fünf pausenlos ineinander übergehenden Teilen, die den wechselnden Stimmungen der Gedichtstrophen folgen. Mal dramatisch aufwühlend, dann wieder ruhiger und voll heiterer Hoffnung.

Das Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert nach der Pause, bot in seinen fünf Sätzen ebenfalls einige dramatische Stimmungswechsel sowie abrupte Modulationen und Themen, die oft wie Überleitungen wirkten. Tonarten werden von Schubert in neue Zusammenhänge gestellt.

Ungewöhnlich der Einsatz eines zweiten Violoncello anstelle einer zweiten Bratsche (Viola). So wurde Schuberts Musikwerk ohne Mingwan Kim (Viola) gespielt.

Es ist immer wieder interessant und spannend, die Musiker*innen der Dortmunder Philharmoniker in kleineren Zusammenhängen mit ihrem speziellen Instrumenten erleben zu dürfen.




Wiener Abend beim Philharmonischen Konzert

Im Städteprogramm des Konzerthauses entführten die Dortmunder Philharmoniker im 4. Philharmonisches Konzert ihr Publikum nach Wien. Aus dem vielfältigen Repertoire der mit Wien verbundenen Komponisten fiel die Wahl auf Werke von Johann Strauß (Sohn), Joseph Haydn und Johannes Brahms. Ars tremonia besuchte das Philharmonische Konzert am 22. Januar 2020.

Naheliegend für Musik der Donaumetropole eröffneten die Musiker den Abend mit den „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Johann Strauß (Sohn). Der Konzertwalzer, bestehend aus fünf Walzerstücken, nahm das Publikum mit in das vom Tanzen beseelte Wien des 19. Jahrhunderts. Verstärkt wurde diese fröhlich, beschwingte, zeitweilig melancholische Stimmung durch das überzeugende Zithersolo von Wolfgang Hubert.

Für das Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur Hob. VIIb:1 von Joseph Haydn verkleinerte sich das Ensemble auf 26 Musiker. Als Solistin des teilweise Barock angelegten Konzertes brillierte die junge niederländische Cellistin Harriet Krijgh.

Die 29-jährige Musikerin ist eine der vielversprechendsten jungen Cellistinnen der Gegenwart. Sie spielte auf einem Violoncello von Giovanni Paolo Maggini aus dem Jahre 1620, das ihr von einem privaten Sammler zur Verfügung gestellt wird.

Zeigte ihr Können beim Konzert für Violoncello und Orchester in C-Dur von Haydn: Harriet Krijgh (Foto: © Marco Borggreve)
Zeigte ihr Können beim Konzert für Violoncello und Orchester in C-Dur von Haydn: Harriet Krijgh (Foto: © Marco Borggreve)

Die einleitende Melodie des ersten Satzes spielte das Orchester mit großer Klarheit, bevor Harriet Krijgh die Melodie aufnimmt. Alle drei Sätze des Werkes kennzeichnete der stetige Wechsel zwischen Soli und Tutti. Die Übergänge gelangen hier fließend. Die schnellen und hoch gespielten Läufe besonders im 2. Satz stellten höchste Ansprüche an die Virtuosität der Solistin, die sie brillant meisterte. Nach anhaltendem Applaus des begeisterten Publikum spielte sie am Mittwoch als Zugabe eine Sarabande von Bach.

Das Klavierquartett g-moll op. 25 von Brahms spielte das Orchester, hier wieder in voller Besetzung, nach einer Orchesterfassung von Arnold Schönberg. Dem wuchtigen Hauptthema des ersten Satzes, folgte ein sanfter, träumerischer zweiter Satz, getragen von Flöten und Oboenklängen. Nach einem etwas getragenen dritten Satz, der zwischenzeitlich durch donnernde Paukenschläge und einem marschähnlichen Rhythmus etwas martialisch daher kam, folgte ein rasanter vierter Satz. Das wild wirbelnde Rondo alla Zingarese verlangte den Musikern und auch dem Dirigenten höchste Aufmerksamkeit und Präzision ab. Das „Presto“ gespielte Stück war ein leidenschaftliches Bekenntnis Johannes Brahms’ zu seiner Begeisterung für ungarische Zigeunermusik und den Cardaskapellen. Durch die hohe Kennerschaft des Werkes von Brahms ist es Schönberg gelungen, aus einem Kammermusikstück ein berauschendes und doch in Teilen auch zartes Orchesterwerk zu schaffen.

Mit Bravour meisterte Dirigent Motonori Kobayashi die Herausforderung seine Musiker durch die so unterschiedlich gearteten Kompositionen zu führen. Im 5. Philharmonischen Konzert am 11. und 12. Februar 2020, geben die Philharmoniker die Messa da Requiem von Guiseppe Verdi.




Musikalisch schwungvoller Start in das Jahr 2020

Traditionell luden die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor wieder mit einer Nachmittags- und einer Abendvorstellung zu einem festlichen Neujahrskonzert. In diesem Jahr erstmals als Kooperation in das Dortmunder Konzerthaus. Dies ist ja auch ihr eigentlicher „Heimatort“. Ars tremonia war beim Abendkonzert mit dabei.

Mit einem orchestrales Feuerwerk ging es schwungvoll mit der brillanten Musik von George Gershwin, Maurice Ravel und Leonard Bernstein in das neue Jahrzehnt. Die Komponisten sind auf die eine oder andere Weise miteinander künstlerisch durchaus verbunden. Spuren davon führen vom Kaleidoskop Amerika über Frankreich (Europa) und wieder zurück.

Temperamentvoll, karibisch anmutend ging es mit der „Cuban Overture“(1932) von George Gershwin sofort sehr dynamisch los.

Nicht nur die Dortmunder Philharmoniker , auch ars tremonia wünscht ein frohes neues Jahr 2020. (Foto: © Samkh/pixabay)
Nicht nur die Dortmunder Philharmoniker , auch ars tremonia wünscht ein frohes neues Jahr 2020. (Foto: © Samkh/pixabay)

Für die 1924 entstandene bekannte „Rhapsody in Blue“ (George Gershwin) konnte die in Frankreich lebende „junge Wilde“ Pianistin Lise de la Salle (*1988) gewonnen werden. Sie konnte im feinen Zusammenspiel mit der Dortmunder Philharmoniker ihr ganzes Können zeigen. Die Herausforderung der rasanten Passagen meisterte sie mit musikalischen Virtuosität, während die ruhigeren Abschnitt von ihr gefühlvoll vermittelt wurden.

Die hiesigen Philharmoniker unter der temperamentvollen Leitung von Gabriel Feltz gelang es dann, die entfesselnde Energie der „Rhapsody Espagnole“ (1908) von Maurice Ravel für das Publikum spürbar zu machen.

Ein Höhepunkt des Konzerts war sicherlich der legendäre „Boléro“ von Ravel(1928). Das fast meditative musikalische Grundthema, nur ab und zu variiert, entfaltete seine grandiose Wirkung. Begleitet von der „kleinen Trommel“, spielen zunächst verschiedene einzelne Blasinstrumente das musikalische Thema, wobei das Tempo stetig aber langsam erhöht wird. Später kommt die Streicherfraktion hinzu, bis das Ganze in einem fulminantem Showdown des gesamten Orchesters gipfelt.

Es zeigt sich hier besonders, wie wichtig das exakte Zusammenspiel der verschiedenen Instrumente ist.

Das könnte man erfolgreich auf das gesellschaftliche Zusammenleben übertragen. Mehr ist im Zusammenspiel und -halt zu erreichen!

Zum Abschluss stand dann noch Leonard Bernsteins „Ouvertüre zu „Candide“ (1956) als schwungvolle Ergänzung auf dem Programm.

Diese verquere Ouvertüre mit seien wechselnden Taktarten und übereinanderliegenden Metren war ein anspruchsvolles musikalisches Stück, dass den Beteiligten noch einmal alles abverlangte.




Klangvokal – Weihnachtskonzert mit barockem Flair

Mit einem Weihnachtskonzert am 22. Dezember 2019 um 17 Uhr im Reinoldisaal unter dem Titel „Von Engeln und Hirten“ präsentierte das Festival Klangvokal nochmals seine Kompetenz in Sachen Alte Musik. Tenor Daniel Behle, zur Zeit aktiv im Dortmunder „Lohengrin“, sang zusammen mit der Berliner Lautten Compagney von Wolfgang Katschner Weihnachtslieder aus verschiedenen Ländern.

Bei diesen Weihnachtsliedern waren keine bekannten „Mitsinglieder“ dabei wie „Oh du fröhliche“, sondern traditionelle Weisen aus Spanien, Frankreich oder England, deren Tradition teilweise bis in die Barockzeit zurückreicht. So stammt „Lieb Nachtigall wach auf“ aus dem Jahre 1670 und das französische „Entre le bœuf et l’âne gris“ („Zwischen Ochs und grauem Esel“) stammt aus dem 18. Jahrhundert, ebenso wie „Adeste fidelis“. Kamen die Weihnachtslieder vor der Pause eher aus dem spanischsprachigen Raum, ging es nach der Pause mit deutschen und englischen Liedern weiter.

Daniel Behle (in der Mittel) und Ensemblemitglieder der Lautten Compagney Berlin brachten weihnachtliche Stimmung in den Reinoldisaal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Daniel Behle (in der Mittel) und Ensemblemitglieder der Lautten Compagney Berlin brachten weihnachtliche Stimmung in den Reinoldisaal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Zwischen den gesungenen Liedern spielte die Lautten Compagney kleine Stücke aus der Renaissance- und Barockzeit. Von Michael Praetorius (1571-1621) über Andrea Falconierei (1585-1656) bis hin zu Henry Purcell (1659-1695) reichte das Programm an diesem Nachmittag.

Alle Beteiligten hatten sichtlich viel Spaß an dem Konzert. Daniel Behle führte auch durch das Konzert und erklärte, worum es in diesen Liedern ging. Die Musiker der Lautten Compagney waren ebenso engagiert bei der Sache. Einen Sonderapplaus bekam Percussionist Peter Bauer bei seinem Maultrommel-Solo.

Für Freundinnen und Freude alter Musik wird das Festival Klangvokal auch im kommenden Jahr 2020 wieder einige Highlights bieten.




Akustisch-visuelle Reise in das unendliche Universum

Im Dortmunder Konzerthaus fand im Rahmen des 1. Konzert für junge Leute „Poetry Slam Concert: Endlich Unendlich“ ein akustisch sowie visuelles Fest der Sinne statt. Beteiligt waren mehrere Akteure. Zunächst einmal die starke Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung vom 1. Kapellmeister Motonori Kobayashi, die den musikalischen Hintergrund boten.

Die Sopranistin Angela Davis sorgte mit ihrer klaren Stimme einfühlsam bei Antonin Dvořáks „Russalka- Das Lied an den Mond“ zusätzlich für Unterstützung.

Moderiert wurde das Konzert wieder einmal von Sebastian23 (Poetry Slam). Ein hochkarätige Poetry Slam Gruppe mit Bas Böttcher, David Friedrich und Jule Weber bereicherten die eindrucksvolle Musik mit witzigen, nachdenklichen, kritischen und gereimten Texten, passend zur jeweiligen Musik.

Als besonderer visueller Genuss verband Live Painter Artur Fast (wie schon beim Peer Gynt Konzert für junge Leute) die Inhalte mit feinen Variationen computerunterstützte Live-Zeichnungen, die auf eine Leinwand im Hintergrund projiziert wurden. Diese wurden den je nach Musik oder Text sensibel verändert.

Motonori Kobayashi führte mit den Dortmunder Philharmonikern durch das musikalische Programm. (Foto: © Anke Sundermeier)
Motonori Kobayashi führte mit den Dortmunder Philharmonikern durch das musikalische Programm. (Foto: © Anke Sundermeier)

Los ging es mit Richard Strauss hymnischen „Also sprach Zarathustra Op.30“. Nun wurde das Publikum musikalisch in das Weltall katapultiert. Als erste begegnete man natürlich dem Mond mit „Das Lied an den Mond“ (Antonin Dvořák) und einem feinsinnigen Poetry-Slam Text.

Nach „Spiegel im Spiegel“ (Arvo Pärt) ging die Reise mit Gustav Holst ( Die Planeten – Jupiter) zum größten Planeten des Sonnensystems (fünfter Planet von der Sonne aus gesehen), der im vorgetragenen Text wie auch optisch auf der Leinwand eine eindringliche Wirkung entfaltete.

Als Höhepunkt wurde das zumeist junge Publikum in die unendliche Welten von Star Wars geführt. Live wirkt die Musik von John Williams noch imposanter.

In vier Abschnitten wurde der Bogen vom berühmten Hauptthema (Main Title), über „Princess Leia‘s Theme“, über „The Imperial March (Darth Vader‘s Theme)“ bis zum „Throne Room & End Title“ gespannt.

Während der erfahrene Bas Böttcher sich der ambivalenten Person des Darth Vader in seinem Text zuwandte, berührte David Friedrich zuvor mit seinem Text über seine kleine Nichte Leia (nach der Star Wars-Prinzessin benannt), die er als Hoffnungsträgerin in unserer Zeit mit all seinen Brandherden bezeichnet.

Es trifft sich gut, dass gerade jetzt der neu „Star Wars“-Film anläuft und sich schon eine große Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Auf alle Fälle hatten das junge (oder auch nicht mehr so junge) Publikum ein großes Crossover Konzerterlebnis. Hoffentlich wirkt es für das spätere Leben gerade der jüngeren Menschen nach.




Ausflug in die deutsche Romantik beim 3. Philharmonischen Konzert

Am 10. und 11. Dezember 2019 entführten uns die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von John Nelson in die Stadt Leipzig. Klar, dass Richard Wagner ein Heimspiel hat. Doch auch der Rheinländer Robert Schuhmann und der Hamburger Johannes Brahms haben Beziehungen in die sächsische Stadt. Eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind alle Komponisten der Romantik.

Der Beginn machte der „Hausherr“ Wagner. Seine Ouvertüre zu „Rienzi“ klang überhaupt nicht nach seinen Spätwerken wie beispielsweise der „Ring“. Und doch gibt es einzelne Elemente – wie die Doppelschläge bei den Streichern – die unter anderem beim „Tannhäuser“ wiederkehren. Ansonsten ist es eine in der „alten Operntradition“ verhaftete Komposition. Was aber nichts Schlechtes heißen soll, im Gegenteil. Die Dortmunder Symphoniker spielten diesen Part mit virtuosem Flair.

Danach folge die 4. Sinfonie von Robert Schuhmann. Ein besonderes Werk, denn alle Sätze gehen ineinander über. Das heißt, es gibt kein großes Atemholen, weder für das Publikum, noch für die Musiker. Auch diese Aufgabe bewältigten die Dortmunder Philharmoniker mit Bravour. Komponiert hatte Schuhmann die Sinfonie bereits 1841, veröffentlicht aber erst 1851. Das Stück ist reich an musikalischen Einfällen und Melodien, die in einem Beziehungsgeflecht zueinander stehen und so die Sinfonie zusammenhalten. Noch kommt in dieser Musik die Traurigkeit Schuhmanns nicht ganz zum Tragen, schließlich beendete er die Komposition zum Geburtstag seiner Frau Clara.

Benedetto Lupo zeigte eine tolle Leistung beim 1. Klavierkonzert von Brahms. (Foto: © Musacchio & Ianniello)
Benedetto Lupo zeigte eine tolle Leistung beim 1. Klavierkonzert von Brahms. (Foto: © Musacchio & Ianniello)

Nach der Pause kam die Zeit des Pianisten Benedetto Lupo. Seine kraftvolle Interpretation vom 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms war sicherlich der Höhepunkt des Philharmonischen Konzertes. Besonders beeindruckend war das gute Zusammenspiel sowohl vom Solisten als auch vom Orchester. Von Brahms zu Schuhmann gibt es natürlich eine Verbindung: Clara. Brahms hatte tiefe emotionale Bindungen sowohl zu Robert als auch zu seiner Frau Clara entwickelt. Die durchaus widersprüchlichen Gefühle, die Brahms für Clara empfand, hinterließen eine unerbittliche Spur.

Der erste Satz ist von gewaltigen Ausmaßen. Jeder Zuhörer hat für sich wohl Stellen, die ihm persönlich am besten gefallen. Der unerwartet ruhige Auftritt des Solisten, die Bearbeitung der thematischen Ideen oder das Hornsolo am Ende des Satzes. Das D-Dur-Adagio besticht durch seine meditative Ruhe. Zwischendurch gibt es wunderbare Akzente für das Orchester – beim Einsatz der Holzblasinstrumente oder bei Brahms‘ überraschendem Einsatz der Pauken in den letzten Momenten des zweiten Satzes. Das Finale hat eine schroffe, ja beinahe barocke Dynamik. Gegen Ende beschert uns der Komponist zwei Kadenzen, durch die Brahms den Satz in Richtung Dur steuert und das Konzert zu seinem feurigen Ende kommt.




Abwechslungsreicher Hörnerklang beim 2. Kammerkonzert

Die Kammerkonzerte der Dortmunder Philharmoniker sind immer eine gelungene Möglichkeit, die verschiedenen Instrumentengruppen kennenzulernen. Am 02. Dezember 2019 standen die Hörner im Mittelpunkt des 2. Kammerkonzertes dieser Spielzeit. Das Instrument von sich im Laufe der Zeit entwickelt: Vom Jagdhorn über das Naturhorn bis hin zum modernen Ventilhorn mit seinen Varianten wie der Wagner-Tuba. Die acht Musikerinnen und Musiker präsentierten eine große Bandbreite des Instrumentes.

Zu Beginn hörten wir die „Sonate pian e forte“ des venezianischen Komponisten Giovanni Gabrieli (1557-1612). Er stand zwischen Renaissance und Barock und galt als avantgardistisch. Der Komponist verknüpft die Tradition der Vokalpolyphonie und die venezianische Mehrchörigkeit zu einem bewegenden Klangbild, das die Hornisten in zwei Vierergruppen eindrucksvoll wiedergeben.

Im 2. Kammerkonzert präsentierte die Horngruppe einen sehr abwechslungsreichen Klang ihres Instrumentes. Image by <a href="https://pixabay.com/users/AlLes-2597842/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=2878648">Alexander Lesnitsky</a> from <a href="https://pixabay.com/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=2878648">Pixabay</a>
Im 2. Kammerkonzert präsentierte die Horngruppe einen sehr abwechslungsreichen Klang ihres Instrumentes. (Foto: © Alexander Lesnitsky from Pixabay)

Der Sprung danach führte zu Paul Hindemith (1895-1963). Gespielt wurden zwei Sätze aus der „Sonate für vier Hörner“. Zu Beginn erklang ein ruhiges Fugato, gefolgt von einem lebhaften Satz mit häufigen Taktwechseln. Anspruchsvoll, aber souverän gespielt von der Horngruppe.

Zurück in die Zeit Mozarts brachte der „Grand Sextuor op. 10“ von Louis-François Dauprat (1781-1868), der auch Professor für Horn am Conservatoire de Paris war. Daher erforschte Dauprat neue Ausdrucksregister und Klangfacetten des Instrumentes. Einiges war davon im „Großen Sextett“ zu hören. Von leisen melancholischen Klängen im „Adagio“ bis zu wilden Klängen im „Finale“ – alles war dabei.

Vor der Pause ging es nach Russland oder besser in die Sowjetunion. Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) schrieb mit dem „Walzer Nr.2“ ein Stück für die Ewigkeit. Den Walzer von Hörnern geblasen zu bekommen, war sicherlich eine neue Erfahrung für viele Besucher.

Nach der Pause kam die geballte Kraft der Romantik. Erst ein paar Tage vorher spielten die Hornisten zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen die Oper „Lohengrin“. Die „Lohengrin-Fantasie“ von Richard Wagner (1813-1883) brachte ein „Best-of“ der schönsten Melodien aus „Lohengrin“. Bei Wagner ist Anton Bruckner (1824-1896) nicht weit weg. Sein kurzes „Andante in Des-Dur“ gehört eigentlich zu einem von drei Chorälen. Sehr besinnlich war auch die Musik. Danach gab es wieder ein „Best of“, diesmal erklangen M+-elodien aus „Carmen“ von Georges Bizet (1828-1875).

Insgesamt war es ein schönes Konzert, das den Zuhörern die Horngruppe der Dortmunder Philharmoniker nahebrachte. An den Instrumenten wareN Monika Lorenzen, Shukuko Okamoto-Farges, Gregor Fas, Ferenc Pal, Arnd Schmitt, Florian Winkelmann, Yukako Golebiowski und Jan Golebiowski.




PeterLicht mit poetischem Programm im Schauspielhaus

Poetisch, melancholisch, ironisch, subversiv, kreativ; Vokabeln, die die Show des Künstlers PeterLicht nur annähernd beschreiben. Gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten Benedikt Fillebröck zelebrierte er ein Gesamtkunstwerk auf der Basis seines letzten Albums „Wenn wir alle anders sind“. Das Titelbild des Covers diente im Schauspielhaus auch als Bühnenbild. Es zeigte eine abstrahierte Stadtlandschaft, mit angedeuteten Hochhäusern und fraktalen Strukturen. In grellen Farben führt eine Autobahn durch die rechte Bildhälfte und zwischen allem schweben blaue Quallen sanft durch das Motiv.

Zum Einstieg startete PeterLicht etwas schwermütig mit „Die Nacht“ und besang danach „Das absolute Glück“, in dem der allerletzte Mensch mit den Füßen über den Rand der Erde baumelnd ein Glücksgefühl erlebt. Der Song stammt vom Album „Lieder vom Ende des Kapitalismus“.

Der Musiker spielt mit den Genres, legt sich nicht fest. PeterLicht wechselt von Elektro-Pop, zu Bossa Nova, über Reggae zur chilligen Fahrstuhlmusik. Die Texte erinnern in kurzen Passagen an die Nonsenssongs von Helge Schneider.

PeterLicht (Foto) gab ein Konzert mit dem Multiinstrumentalisten Benedikt Fillebröck. (Foto: Christian Knieps)
PeterLicht (Foto) gab ein Konzert mit dem Multiinstrumentalisten Benedikt Fillebröck. (Foto: Christian Knieps)

Dann wird die Rhythmusmaschine angeworfen und mit piepsiger Mickeymouse-Stimme, durch Autotune verfremdet, erklingt das „Umentscheidungslied“. Es könnte ein Ausdruck der Variationsbreite der menschlichen Natur sein. „Du hast dich vertätowiert, Ich habe mich verfönt, Sie hat sich veroperiert, Er hat sich vertippt.“ So viele Entscheidungsmöglichkeiten, man muss sich umentscheiden, um dennoch vielleicht wieder einen Fehler zu begehen. Dazu tanzt er in einer groß gepunkteten Jogginghose mit einem Burberrykäppi auf dem Kopf in ekstatischen Verrenkungen. Das Publikum kann sich vor Lachen kaum halten.

Mit einem Stapel kopierter Zettel quetschte sich PeterLicht durch die Stuhlreihen und verteilte den Liedtext „Die Emotionale“, zu singen auf die Melodie „Die Internationale“. Der Text ist ein Aufruf zum letzten Widerstand, witzig und trotzig zugleich. Das Publikum singt aus voller Kehle zum Beispiel: „Ungerechte und Gerechte! Es ist nicht auszuhalten! Haltet aus! Es geht nicht immer gradeaus, im Kreisverkehr geht es immer rund!“ Ein Volltreffer ist auch sein erster Hit „Sonnendeck“. Er spielt ihn schneller und druckvoller als das Original und kommt damit gut an.

Das begeisterte Publikum applaudierte nach dem 90 Minütigen Programm ausgiebig, bis das gut eingespielte Duo Licht und Fillebröck noch vier Lieder als Zugabe brachte.