Emotionales Philharmonisches Konzert

Das 7. Philharmonische Konzert am 15. und 16. März 2022 trug ursprünglich den Namen „Mütterchen Russland“. Jedoch überfiel Russland am 24. Februar 2022 die Ukraine und somit war den Verantwortlichen klar, dass das Programm überarbeitet werden musste.

Klar war aber auch, dass die russischen Komponisten Peter Tschaikowsky und Modest Mussorsgky nicht für den Krieg gegen die Ukraine verantwortlich sind. Generalmusikdirektor Gabriel Feltz betonte vor dem Konzert, dass russische Kultur ein Pfeiler der europäischen Kultur sei. Damit hat er recht, denn ohne die russischen Komponisten oder Schriftsteller wäre unsere Kultur ärmer.

Pianist Kit Armstrong überzeugte beim Klavierkonzert von Tschaikowsky. (Foto: ©Photo: Marco Borggreve)
Pianist Kit Armstrong überzeugte beim Klavierkonzert von Tschaikowsky. (Foto: ©Photo: Marco Borggreve)

Doch die aktuellen Ereignisse erforderten Programmänderungen. Gleich zu Beginn erklang die ukrainische Nationalhymne, komponiert von Mychajlo Werbyzkyi. Hierbei wurden die Philharmoniker unterstützt von Oleh Lebedyev und Demian Matushevskyi vom Opernstudio NRW und Mitgliedern des Opernchors.

Danach stand das berühmte Klavierkonzert Nr.1 in b-Moll von Peter Tschaikowsky auf dem Programm. Die berühmten Klavierakkorde sind auch nicht Klassikfans ein Begriff, die Älteren kennen sie als Titelmelodie von „Notizen aus der Provinz“ von Dieter Hildebrandt aus den 70er Jahren. Tschaikowskys Freund und Pianist Nikolaj Rubinstein fand es „armselig“ und unspielbar. Dass es durchaus spielbar ist, zeigte Solist Kit Armstrong eindrucksvoll.

Die Musik im ersten Satz ist sehr majestätisch, während im zweiten Satz die Naturbeschreibungen im Vordergrund stehen. Der dritte Satz verlangte wegen der Läufe und Sprünge wieder vom Solisten enormes Können.

Nach der Pause erklang „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorsgky im Arrangement von Maurice Ravel. Eine weitere Besonderheit: Zwischen dem 9. und 10. Bild wurde die Ouvertüre zur Oper „Taras Bulba“ des ukrainischen Komponisten Mykola Lyssenko gespielt. Das Stück „Bilder einer Ausstellung“ ist reine Programmmusik. Mussorsgky versucht, die gesehenen Bilder in Musik umzuwandeln. Ein Ankerpunkt ist die „Promenade“, die den Betrachter darstellt, wie er von Bild zu Bild wandert. Die Musik ist sehr divers, vom bedrohlich-linkischen „Gnomus“ über fröhliche Kinder, die umhertollen in „Tuileries“ bis hin zum düsteren „Katakomben“.

Wegen der schrecklichen Ereignisse in der Ukraine war das 7. kein gewöhnliches Philharmonisches Konzert, doch zeigte es auch die verbindende Kraft der Musik.




vox clamantis – Ein Chorabend mit Gregorianik und Pärt

Es kommt sehr selten vor, doch ich als Atheist muss sagen: Bei dem Konzert von Vox Clamantis aus Estland wäre ich gerne in einer Kirche gewesen. Nichts gegen das Reinoldihaus, es ist wirklich ein wunderbarer Ort für Musikaufführungen geworden, doch die Chormusik aus Gregorianik bis Arvo Pärt gehört einfach in eine Kirche, in der sie ihre akustische Kraft voll entfalten kann. Dennoch konnten die Mitglieder von vox clamantis am 11.März 2022 die Zuhörerinnen und Zuhörer von ihrer Stimmgewalt befreien.

Im Mittelpunkt stand die „Missa syllabica“ von Pärt aus dem Jahre 1977, das bis auf das „Gloria“ aufgeführt wurde. Flankiert wurde es von gregorianischen Gesängen, eines der musikalischen Vorbilder Pärts. Daneben erklang Musik von Pérontin (1160-1230) und Guillaume de Machaut (1300-1377), die die liturgischen Gesänge weiterentwickelt haben. Vor allem Machaut war als „Avantgardist“ stark an der Entwicklung der „ars nova“ beteiligt, die den mehrstimmigen Gesang auf ein neues Niveau hob.

vox clamantis, unter der Leitung von Jaan-Eik Tulve, faszinierte mit früher Chormusik. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
vox clamantis, unter der Leitung von Jaan-Eik Tulve, faszinierte mit früher Chormusik. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Die Mischung zwischen der sehr alten Musik und Pärt (sowie ein Stück von Cyrillus Kreek) war sehr spannend zu erleben, vor allem, wie Pärt sich der frühen Chormusik angenähert und zur Meisterschaft entwickelt hat.

Der Chor bekam den verdienten Applaus und gab noch zwei Zugaben, darunter Pärts Stück „Drrei Kinder aus Fatima“.




Eine Italienische Operngala voller Leidenschaft

Nach der coronabedingten Terminverschiebung war es am 20.02.2022 endlich so weit. Im Dortmunder Konzerthaus konnte die Italienische Operngala im Rahmen des hiesigen Klangvokal Musikfestival stattfinden. Es war alles vom feinsten angerichtet.

Die versierte Neue Philharmonie Westfalen unter der temperamentvollen Leitung des Dirigenten Lorenzo Passerini begleitete mit Schwung und Feingefühl die hochklassige Sopranistin Nadine Sierra und den erst 26-jährigen gefragten spanischen Belcanto-Tenor Xabier Anduaga. Auf dem Programm standen Auszüge aus Werken von Gaetano Donizetti (1797 – 1848) und Giuseppe Verdi ((1813 – 1901).

Nadine Sierra, Lorenzo Passerini und Xabier Anduaga mit der Neuen Philharmonie Westfalen begeisterte das Publikum. (Foto: © Bülent Kirschbaum).
Nadine Sierra, Lorenzo Passerini und Xabier Anduaga mit der Neuen Philharmonie Westfalen begeisterte das Publikum. (Foto: © Bülent Kirschbaum).

Schon in der „Don Pasquale Sinfonia“ zu Beginn steckt alles an Leidenschaft und Dramatik und Stereotype der großen Commedia dell‘arte.

Liebesleid, Freiheitssehnsucht und Hoffen, sowie die Abgründe der Charaktere zeigen sich in den Arien aus „Don Pasquale, „Lucia di Lammermoor“ oder etwa „La fille du régiment“ in dessen Paradenummer „Ah! Mes amis“ in der Xabier Anduaga mit seinem kraftvollen und gleichzeitig warmen Tenor schon glänzen konnte. Die neun hohen Cs“ der Arie meisterte er mit Leichtigkeit ohne sichtbare Mühe.

Auch Nadiene Sierra glänzte nicht nur mit ihrem golden schimmernden Festkleid. Mit Natürlichkeit und starker Stimme faszinierte auch sie das Publikum, besonders mit ihren Partien aus „Lucia di Lammermoor“. Keine Schwierigkeiten bei den hohen Koloraturen.

Feinen Humor zeigten die beiden Interpreten bei ihrem Duett aus Donizettis „L‘elisir d‘amore: „La la rà la la -Esulti pur la barbara“. Als schüchterner und naiver Nemorino versucht Anduaga mit einer Sektflasche als „Zaubertrank“ mutig aber vergeblich das Herz von Sierra als Adina zu erobern.

Nach der Pause interpretierten die beiden Sänger*innen mit Schwung und viel Emotionen die bekannten Arien wie „Gualtier Maldé – Caronome“ oder „La donna è mobile“.

Als Zugabe für das begeisterte Publikum boten die beiden Künstler*innen einige Songs aus der „West Side Story“ wie „I Feel Pretty“, „One Hand,One Heart“, „Tonight“ oder „Maria“, die sie wunderschön und sensibel interpretierten.

Zum Schluss gab es noch ein musikalisches „Adieu“.

Eine bewegende Operngala mit Gänsehautmomenten, der mit Standing Ovations vom Publikum belohnt wurde.




Der Tod, das Mädchen und die böhmische Volksseele

Kammerkonzert mit Werken von Franz Schubert und Antonín Dvořák

„Der Tod und das Mädchen“ ist ein Sujet der bildenden Kunst seit der Renaissance. Die Kombination zwischen dem unausweichlichen Tod auf der einen und dem jungen Leben im Bild des Mädchens entwickelt schnell eine erotische Komponente. Einige Jahrhunderte später griff der Dichter Matthias Claudius (1740-1815) das Thema auf und schrieb ein zweistrophiges Gedicht, ein Frage- und Antwortspiel, bei dem der Tod versucht, dem Mädchen die Angst zu nehmen.

Dieses kleine Gedicht vertonte Franz Schubert 1817 in seinem Kunstlied „Der Tod und das Mädchen“ und Teile davon in den zweiten Satz seines Streichquartetts in d-Moll zu verwenden sodass das Streichquartett den gleichen Titel bekam.

Musik von Franz Schubert und Antonín Dvořák erklang beim 3. Kammerkonzert. (Foto: © ApfelEva /pixabay)
Musik von Franz Schubert und Antonín Dvořák erklang beim 3. Kammerkonzert. (Foto: © ApfelEva /pixabay)

Beim dritten Kammerkonzert wurde das Stück am 07.02.2022 im Orchesterzentrum von Lisa Trautmann, Iris Plettner (beide Violine), MinGwan Kim (Viola) und Markus Beul (Cello) zu Beginn gespielt. Die Musiker, Mitglieder der Dortmunder Philharmoniker, präsentierten das Werk in einfühlsamer Weise.

Alle vier Sätze des Streichquartetts sind in Moll gehalten, eine Schwermut durchdringt die vier Sätze, dennoch zeigt sich Schubert in seiner Musik vollkommen auf der Höhe. Besonders berührend ist der vierte Satz, bei dem der Komponist sein Lied „Der Erlkönig“ zitiert, bei dem es auch um den Tod eines jungen Menschen geht.

Nach der Pause ging es etwas fröhlicher zu, denn Antonin Dvořák entführte uns mit seinem Streichquintett in G-Dur op. 77 in seine tschechische Heimat. Dabei unterstützte Tomoko Tadokoro am Kontrabass ihre vier MitstreiterInnen. Bereits im zweiten Satz, dem Scherzo ist die tschechische Volkseele in ihrem Element. Tanzmelodien und lyrische Elemente wechseln sich ab, sodass die melancholische Stimmung schnell verflog.

Ein schöner Kammermusikabend, der durchaus mehr ZuhörerInnen verdient hätte, denn live gespielte Musik ist immer ein besonderes Erlebnis.




Musikalische „Grenzgänge“ beim 6. Philharmonischen Konzert

Die Umbruchzeit in Folge der Französischen Revolution gegen Ende des 18. Jahrhunderts sorgte in der gesamten Gesellschaft, so auch in der Musik, für Veränderungen. Waren die Komponisten und Musikgenies wie etwa Mozart zuvor noch dem adeligen Dienstherrn verpflichtet, wandelte sich das Selbstverständnis.

Künstlerische Freiheit, individuelle Empfindungen und neue Ideen gewannen an Bedeutung. Die Achtung des Künstlers in der Gesellschaft wuchs.

Ein wichtiger innovativer Vertreter an der Schnittstelle zur Romantik war Ludwig van Beethoven (1770 – 1827). Er stand neben Robert Schumann (1810 – 1856) im Mittelpunkt des 6. Philharmonischen Konzerts „Grenzgänge“ am 01. und 02.02.2022 im Dortmunder Konzerthaus. ars tremonia war am 02.02.2022 dabei.

Anna Tifu überzeugte mit ihrem Spiel an der Violine. (Foto: © Kim Mariani)
Anna Tifu überzeugte mit ihrem Spiel an der Violine. (Foto: © Kim Mariani)

Die engagierte Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung des erfahrenen Gast-Dirigenten Thomas Sanderling spielten zunächst das Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61 von Beethoven. Mit Solo-Violinistin Anna Tifu war eine exzellente Musikerin an ihrem Instrument eingeladen worden.

Nicht nur überraschte Beethoven damals das Publikum damit, dass allein der erste Satz ganze 30 Minuten dauerte, sondern dass er auch seinem Solisten (Violine) wenig Raum zur Selbstdarstellung gab. Erst nach etwa drei Minuten setzt die Solovioline ein. Neben technischen Können war hier das Verständnis kompositorischer Strukturen und musikalischer Ideen gefragt. Diesem Anspruch genügte Anna Tifu im vollen Umfang.

Mit fünf pochenden Paukenschläge begann die lange Einleitung, die sich wie auch das schon melodische Hauptmotiv, durch das gesamte Konzert zogen.

Mehrere durchgehende Steigerungen und spannende wechselnde Themen waren für das Werk charakteristisch. Das begeisterte Publikum entließ die Solo-Violinistin nicht ohne eine Zugabe.

Neue Ideen wurden auch von Robert Schumanns dramatischer Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120 transportiert. Das als „Sinfonische Fantasie“ konzipierte und nur aus einem Satz bestehende Werk aus dem Jahre 1841 war als Geburtstagsgeschenk für Clara Schumann gedacht. Er überarbeitete das Stück und es wurde 1851 erstmals veröffentlicht, dabei erhielt es den Namen und die Struktur einer üblichen viersätzigen Sinfonie. Diese fließen jedoch ineinander und ihre Grenzen sind verschwommen. Das Werk ist durch den Wechsel von lyrischen Abschnitten im Wechsel mit dramatischen Steigerungen gekennzeichnet. Auch hier gibt es Motiv-Wiederholungen sowie divers Variationen.

Höchst anspruchsvoll für alle beteiligten Musiker. Die Dortmunder Philharmoniker konnte hier ihre Qualität unter Beweis stellen und wurden mit viel Applaus belohnt.




5. Philharmonische Konzert – Lichtblicke mit Carmen

Zufall oder nicht? Das Akkordeon ist im Januar 2022 das „Instrument des Monats“ in der Musikschule Dortmund und passenderweise stand es auch im Mittelpunkt des 5. Philharmonischen Konzertes am 11. Januar 2022. Ksenija Siderova zeigte den Zuhörern im Konzerthaus, welche klanglichen Möglichkeiten im Akkordeon stecken, eine wahre Botschafterin ihres Instrumentes.

Leider musste das Programm des Philharmonischen Konzertes geändert werden, da die geplanten Werke von Ottorino Resphighi eine volle Orchesterbesetzung fordern und dies wegen des aktuellen Infektionsgeschehens nicht möglich war. Daher wurde die Carmen-Suite von Rodin Schtschedrin als Ersatz gespielt.

Ksenija Siderova zeigte ihr Können am Akkordeon. (Foto: © Dario Acosta)
Ksenija Siderova zeigte ihr Können am Akkordeon. (Foto: © Dario Acosta)

Den Anfang machten die „Vier Jahreszeiten“, aber nicht von Vivaldi, sondern vom Argentinischen Komponisten Astor Piazzolla. Begleitet von Siderova und den Dortmunder Philharmoniker erlebten die Zuhörer ein Jahr in Buenos Aires. Das komplette Stück atmet den Tango und seine synkopischen Rhythmen nehmen uns mit auf eine ferne Reise. Im Gegensatz zu Vivaldi beginnt Piazzolla mit dem Sommer, der in Argentinien heiß ist, sodass die Leidenschaft erst richtig am Abend beginnen kann. Während auch in Südamerika der Herbst und Winter trist und düster wirken, beginnt die Lebensfreude im Frühling von neuem. Es ist sehr erfrischend, Siderova beim Spielen zuzusehen, welche Töne sie dem Akkordeon entlockt. Das ist alles weit entfernt von dem betulichen Volksmusikstigma, dass das Instrument vielleicht noch besitzt.

Nach der Pause kam die Carmen-Suite von Rodin Schtschedrin zu Gehör. Anscheinend hatte der russische Komponist ein Faible für Percussions-Instrumente, denn nicht weniger als fünf Mann aus dem Orchester spielten eine ungeheure Anzahl an kleinen und großen Dingen aus dem Instrumentariums des Schlagwerks. Ob das der Grund war, dass die Suite bei seiner Premiere 1967 in der Sowjetunion nicht gut ankam? Es wurde dem Komponisten vorgeworfen, das Erbe Bizets zu beschmutzen und seine Carmen sei viel zu erotisch. Vielleicht war den Funktionären auch die Idee einer selbstbewussten und selbstbestimmten Frau zu suspekt. Denn in Wirklichkeit erweist Schtschedrin der Musik von Bizet eine große Ehre und egal wie Schtschedrin die Melodien bearbeitet, sie bleiben deutlich erkennbar.




Musikschule startet Jahreskampagne „Instrument des Monats“

Die Dortmunder Musikschule startet in das Jahr 2022 mit einem besonderen Projekt. In jedem Monat steht ein anderes Musikinstrument oder eine Stilrichtung im Mittelpunkt.

Wie Stefan Prophet (Direktor der Musikschule) und Christine Hartman-Hilter (Stellvertretende Leiterin der Musikschule) bei einem Pressegespräch erklärten, ist ihnen gerade in dieser Zeit wichtig, den Menschen die Freude an Musik und am Erlernen von Musikinstrumenten zu vermitteln.

Dabei stehen eher nicht so populäre Instrumente im Vordergrund wie Akkordeon, Schlagzeug, Mandoline, Oboe oder im Dezember die Blockflöte. Die Stilrichtungen gehen von Klassik, Pop über Jazz. Die Projektleiterin ist Barbara Grarbsch.

Der Leiter der Musikschule, Stephan Prophet, in der Mitte mit dem auch „Schifferklavier“ genannten Akkordeon. LInks neben ihm Barbara Graebsch (Projektleiterin) und recht Christine Hartmann-Hilter (stellvertretende Leiterin)
Der Leiter der Musikschule, Stephan Prophet, in der Mitte mit dem auch „Schifferklavier“ genannten Akkordeon. LInks neben ihm Barbara Graebsch (Projektleiterin) und recht Christine Hartmann-Hilter (stellvertretende Leiterin)

In Konzerten, Schnupperkursen (Workshops), und einem Flashmob, analog mit Postkarten oder virtuell in den sozialen Medien möchte die Musikschule Jung und Alt Lust darauf machen, dass „Instrument des Monats“ zu erlernen oder die Klänge einfach nur zu genießen.

Die Kampagne beginnt im Januar mit dem in unterschiedlichen Ländern (Bergarbeit im Ruhrgebiet, Frankreich, Argentinien u. a.) bekannten Akkordeon. Verbirgt sich bei Ihnen eventuell ein altes Akkordeon und Sie haben bis jetzt nicht daran gedacht, auf diesem geselligen Instrument spielen zu lernen? Vielleicht haben Sie aber auch nur Lust, etwas über das Instrument zu erfahren und ihm zu lauschen.

Stöbern Sie nach „Dachbodenfunden“ und kommen Sie am 15.01.2022 mit ihrem Akkordeon oder einfach so aus Interesse in die Musikschule Dortmund in der Steinstraße 35 (hinter dem Hauptbahnhof).

Der erfahrene Dozent Roman Yusipey nimmt es in Augenschein und erklärt im Gespräch, wie man damit Musik machen kann. Auch ohne eigenes Akkordeon gibt es die Gelegenheit, es kennenzulernen und auszuprobieren.

Auf dem Youtube-Kanal der Musikschule Dortmund ist es in den nächsten Tagen möglich, einen kleinen Eindruck von dem Instrument zu bekommen.

Der Eintritt ist frei, es wird aber Corona-bedingt um eine Anmeldung unter dem Stichwort „Dachbodenfund“ anmeldung@musikschule-dortmund.net gebeten.

Ein Eröffnungskonzert findet am Dienstag, dem 18.01.2022 um 19:00 Uhr im Orchesterzentrum NRW (Dortmund) mit der Gruppe „Uwaga“ statt. „Uwaga“ sind Christoph König (Violine, Viola), Maurice Maurer (Violine), Miroslav Nisic(Akkordeon) und Matthias Hacker (Kontrabass).

Eintritt frei / Anmeldung unter: anmeldung@musikschule-dortmund.net , Stichwort „Uwaga“.

Im Februar ist übrigens das Schlagzeug (im weiterem Sinn) das „Instrument des Monats“. Ein Workshop-Projekt am Samstag, dem 05.02.2022 ist geplant.

Zu jedem neuen „Instrument des Monats“ wird von der Musikschule jeweils eine Postkarte herausgebracht.




Mit Leidenschaft ins Jahr 2022

Es ist eine liebgewonnene Tradition. Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz führen uns mit dem Neujahrskonzert musikalisch ins neue Jahr. Diesmal gab es für die BesucherInnen im Konzerthaus nicht nur was für die Ohren, sondern auch was zu sehen.

„Tanzende Leidenschaft“ hieß das diesjährige Motto und so erklang neben Ballettmusik von Aram Khatschturian und Amilcare Ponchielli auch Tänze von Dvořák und Márquez. Den Abschluss machte Maurice Ravel mit seinem Stück „La valse“, bei dem er einen Walzer musikalisch zerstört oder „dekonstruiert“ wie man heute sagen würde. Verzerrte Rhythmen und Dissonanzen prägen das Ende des Stückes.

Foto: © Alexandra Koch / pixabay.com
Foto: © Alexandra Koch / pixabay.com

Den musikalischen Ritt durch die Welt von Tschechien über Russland nach Mexiko und wieder nach Frankreich begleitete das personifizierte Jahr 2022 (Andrea Hoever), die über ihren verflossenen (das Jahr 2021) trauerte. Ganz ehrlich, ich bin ja geneigt zu sagen, schlimmer als 2021 kann das neue Jahr eigentlich nicht werden. Lockdown, keine Kultur für eine lange Zeit. Lassen wir uns mal überraschen.

Das optische Highlight bereitete Rainer Schiffmann. Der Illustrator saß live auf der Bühne und malte passend zur Musik entsprechende Bilder. So schuf er eine Balletttänzerin zu Ponchiellis „Tanz der Stunden“, einen entschlossenen Spartacus für die gleichnamige Musik von Khatschturian und zum Schluss löschte er langsam ein Bild eines tanzenden Paares zur immer wilder werdenden Musik von Ravel.

Mit dem „Säbeltanz“ von Khatschturian als Zugabe wurden die Besucher nach Hause geschickt.




Musikalische Funken beim Wiener Klassik Konzert

Das 1. Konzert Wiener Klassik „Olympie“ am 13.12.2021 der Dortmunder Philharmoniker unter der dynamischen Leitung von Johannes Klumpp (künstlerischer Leiter der Heidelberger Sinfoniker) versprühte den Konventionen brechenden musikalischen Wind der Aufklärung. Historische Stoffe mit oft exotischen Sujets waren damals sehr beliebt.

Zu Beginn standen im Dortmunder Konzerthaus zunächst die Ouvertüre aus der Schauspielmusik zu „Olympie“ ( eine Tochter von Alexander des Großen) vom „schwedischen Mozart“ Joseph Martin Kraus (1756 – 1792) auf dem Programm. Bei dem Stoff (Vorlage Voltaire) geht um eine Frau zwischen zwei Männern mit tragischem Ende. Dramatisch ist auch die Musik.

Von Hadyn bis Richard Strauß – das 1. Konzert Wiener Klassik besaß eine große Bandbreite.
Von Hadyn bis Richard Strauß – das 1. Konzert Wiener Klassik besaß eine große Bandbreite.

Die Ouvertüre gibt sich zunächst düster und feierlich, beim folgenden Allegro stark emotional, ehe es zum Ende wieder feierlich wird und leise verklingt.

Es folgte das Konzert für Waldhorn und Orchester Nr. 1 Es-Dur op. 11 von Richard Strauss (1864 – 1949).

Hier konnte der renommierte Hornist Christoph Eß sein Können und Feingefühl an diesem Instrument beweisen. Das Konzert für Waldhorn ist nicht nur kompliziert und anspruchsvoll, es besticht auch durch seine Vielseitigkeit. Mal kommt es romantisch daher, dann wieder kraftvoll mit starken Klängen. Beim Andante (2. Satz) überzeugend mit einem schönen Zusammenspiel von Horn und Streichern. Das Finale mit einem virtuosen Rondo „Jagdstück“ setzten die beiden das Horn begleitenden Flöten glanzvolle Akzente.

Nach der Pause folgte die Schauspielmusik zu „Thamos, König von Ägypten“ KV 345 (366a) von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 -1791). Die Musik von Mozart diente als Spiegel der Handlung des „Heroischen Dramas“ Thamos. Zu Anfang ist der Klang noch feierlich (Krönung von Thamos). Schnell wechselt das Ganze vom gediegenen Maestoso zum lebendigen Allegro und hält die Spannung aufrecht. Dann sprengt der Komponist später die Grenzen seiner üblich bekannt gefälligen Musik. Es wird dramatisch und er changiert wunderbar zwischen Dur und Moll.

Unerwartetes und unkonventionelles bietet die Sinfonie Nr. 94 G-Dur „mit dem Paukenschlag“. Der Beiname „mit dem Paukenschlag“ aus dem 2. Satz ist nicht ganz präzise. Das ganze Orchester schreckt das Publikum mit einem überraschenden Fortissimo-Akkord auf. Die langsame Einleitung des 1. Satzes folgt schon ein bewegendes tänzerisches „Viivace assai“ im Funken schlagenden Sechsachteltakt.

Das bewusst „einfältig-langweilig“ gehaltene Andante versetzt vor dem „Paukenschlag“ in eine trügerische Ruhe. Es folgt eine variationsreich auftrumpfende Phase durch Dur und Moll, wird von den Streichern musikalisch umflutet.

Das Menuett erinnert an volkstümliche Tanzmusik und beschleunigt zum Allegro molto. Das Finale überrascht mit dem ständig wiederkehrenden Rondo-Thema im Piano. Es steigert sich dynamisch und das gesamte Orchester setzt schließlich im Forte ein.

Der Übermut ist durch den Paukenwirbel am Ende nicht zu stoppen, das Publikum auch nicht und belohnt die Leistung der Beteiligten mit viel Applaus.




Musikalische Orientfantasien beim 4. Philharmonischen Konzert

Das 4. Philharmonische Konzert im Dortmunder Konzerthaus widmete sich am 07. und 08.12.2021 unter dem Titel „Orient und Okzident“ musikalischen Orientfantasien.

Auf dem Programm stand zunächst das Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 A-Dur KV 219 „Türkisches“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) und die Sinfonische Suite op. 35 „Sheherazade“ von Nikolai Rimski-Korsakow (1844 -1908).

Als dynamischer Dirigent für die bestens aufgelegte Dortmunder Philharmoniker agierte Francesco Angelico (GMD des Hessischen Staatstheater Kassel).

Im 18./19. Jahrhundert kam das, was damals als „türkische Musik“ galt und durch kriegerische Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich bekannt wurde gerade groß in Mode. Diese waren gekennzeichnet durch schrille Blasmusik der Militärkapellen, lauten Schlagzeugen und rhythmischen Märschen. Es war aber auch der fremdartige Reiz der orientalischen geheimnisvollen Geschichten, die das europäische Interesse weckte. Ars tremonia war beim Konzert am 07.12.2021 anwesend.

Begeisterte als Solistin beim „Türkischen“ Konzert von Mozart: Arabella Steinbacher. (Foto: © Sammy Hart)
Begeisterte als Solistin beim „Türkischen“ Konzert von Mozart: Arabella Steinbacher. (Foto: © Sammy Hart)

Als Solistin für Mozarts Konzert für Violine und Orchester zeigte die renommierte Arabella Steinbacher ihr vielseitiges Können und Feingefühl an ihrem Instrument.

Gleich nach der Orchestereinleitung kommt dies nach einem überraschenden Allegro aperto („offenen“ Allegro) schon zu Geltung. Auf dem ersten heiteren Satz folgt der ausgreifende melancholische zweite Satz (Adagio) in der seltenen e-Moll Tonart.

Der dritte „türkische“ Rondosatz beginnt mit galantem Menuett-Tempo, wechselt dann aber schnell in romantische Moll. Dann ändert sich der Satz vollständig mit einem derben türkischen Marsch mit starken Akzenten und exotisch anmutender Harmonie. Nach diesen orientalischen Einsprengseln folgt nach einem ausgedehnten Violinsolo das musikalische Geschehen wieder beim Menuetto.

Das Publikum ließ die Gast-Solistin nicht ohne eine Zugabe (Sergej Prokofjew) von der Bühne gehen.

Nach der Pause folgte die Sinfonische Suite op.35 von Rimski-Korsakow. Sheherazade liegen Erzählungen aus der Sammlung „Tausendundeine Nacht“ zugrunde. Dabei geht es um die kluge persische Königin Scheherazade, die mit unterbrochenen spannenden Erzählungen ihren von Frauen enttäuschte Mann am ende besänftigt und sein Vertrauen gewinnt.

Das spiegelt sich auch in den vier Sätzen wider. Das volle Orchester konnte hier von Beginn an sein großes Können zeigen. Es führte das Publikum im ersten Satz „Allegro non troppo – (Das Meer und Sinbads Schiff) in ein wellenartig ansteigenden musikalischen Rausch. Die folgende Sätze sind mal tänzerisch festlich, dann wieder aufbrausend anschwellend. Die Solovioline (Alexander Prushinsky) übernahm (oft in Zusammenarbeit mit der Harfe (Renske Tjoelker) oder den anderen Streichern die „Rolle“ der Sheherazade, während die Bläser, Kontrabässeo der Pauken den „noch nicht besänftigten“ persischen Sultans symbolisierten. Auch die Querflöte, Oboe, Klarinette oder dem Fagott verzauberten das Publikum mit wunderschönen Soli.

Nach dem grandiosen Finale mit Schiffbruch (Sindbads Schiff zerschellt am Magnetberg) und dem am Ende „besänftigten Sultan“ wurden die beteiligten Akteure mit viel Applaus belohnt.