Musikalische Lebens-und Spielfreude bei „Jugend musiziert Zukunft“
Beim 8. Foyer-Konzert der Reihe im Konzerthaus Dortmund, gemeinsam organisiert von Maiwald (Klavier & Flügel) und in Kooperation mit der hiesigen Musikschule standen mit „Jugend musiziert Zukunft“ die jungen Nachwuchs-Musiker*innen (zwischen 12 und 19 Jahren) im Mittelpunkt. Alle Beteiligten haben sich für den „Bundeswettbewerb Jugend musiziert“ qualifiziert.
Moderator Gerhard Stranz leitete den musikalisch vielseitigen Nachmittag mit einer warmen Begrüßungsrede ein. Schon zu Beginn begeisterte der junge Piet Bracklow das Publikum mit seiner konzentrierten Leistung am Marimbaphon und Vibraphon. Starke Koordination mit vier Holzschlag-Stäben. Dabei meisterte er moderne Stücke (wie etwa von Ney Rauro) oder das Bach Präludium BWV 999 gleichermaßen.
Das 10-köpfige Barockensemble zeigte die Schönheiten der Alten Musik. (Foto: (c) Oliver Schapers)
Fabian Tavernise (Klavier) und Simon Rühlmann (Klarinette) zeigten ihre musikalische Bandbreite bei einer Brahms-Sonate und dem modernen, eher dissonanten vier Stücken von Alban Berg (1833 – 1897).
Alexandra Althoff (19 Jahre) am Violoncello – begleitet von ihrer Mutter Sigrid Althoff am Klavier – brachte all ihre Erfahrung mit in ihren Auftritt.
Das Repertoire reichte von Johann Sebastian Bach, zeitgenössisch moderne Musik über Rodion Schtschedrin (1932) bis zu Peter Tschaikowskys bewegenden Variationen über ein Rokoko-Thema op. 33.
Dann hatten zehn junge Musiker*innen ihren Auftritt, die sich gemeinsam der „Alten Musik“ (Barock) verschrieben haben. Darunter auch wieder Fabian Tavernise (Cembalo, Violoncello) . Man merkte den zehn jungen Menschen (12 – 18 Jahre) wie auch den anderen Musizierenden den Spaß am Zusammenspielen an. Wer sagt, dass junge Leute sich nicht für Barock interessieren?
Mal martialisch kämpferisch und temperamentvoll, mal friedvoll:
Den gelungenen Abschluss bildete das Trio „Letz fetz“. Luise Matz (vertreten durch ihre Lehrerin Bettina Geiger) an der Querflöte, Maria Bovensmann (Violoncello) und Joseph Chang (Klavier) überzeugten durch kongeniales Zusammenspiel. Bei so unterschiedlichen Stücken wie Short stories von Adam Vilagi (1977), Carl Maria von Weber (1786-1826) – Trio g-Moll op. 63 und Nikolai Kapustin (1917-2020) – Trio op. 86.
Der hoffnungsvolle jugendliche Dortmunder Musik-Nachwuchs wurden für die beeindruckenden Leistungen mit viel Beifall belohnt.
Klangvokal 22 – Barocke Kirchenmusik im Orchesterzentrum
Am 27. Mai 2022 präsentierte das Festival Klangvokal Kirchenmusik aus der Barockzeit. Das Ensemble L’arte del mondo spielte Musik von Evartisto Felice Dall’Abaco (1675-1742), Johann Adolf Hasse (1699-1783) und Jan Dismas Zelenka (1679-1745). Besonders Zelenkas Messe “Missa omnium Sanctorum” stand im Mittelpunkt. Unterstützt wurden die Musiker unter der Leitung von Ulrich Arns vom Kammerchor der TU Dortmund und den vier Sängerinnen und Sängern Wendy Krikken (Sopran), Nicolas Tamagna (Altus), Hugo Hymas (Tenor) und Tomáš Kral (Bass).
Barocke Kirchenmusik auf hohem Niveau im Orchesterzentrum. (Foto: (c) Bülent Kirschbaum)
Den Beginn des Konzertes machte aber ein Instrumentalstück eines Komponisten, der keine Verbindung zu Dresden hatte: Evartisto Dall’Abaco. Sein “Concerto A quattro” in D-Dur verbindet kontrapunktische Klarheit mit dem galanten französischen Stil. Barockmusik pur.
Johann Hasses “Misere” in c-moll ist ein spannendes Musikstück, bei dem sich Arien und Choreinsätzen abwechseln. Dass Hasse als spätbarocker Opernkomonist aktiv war, spürt man in jeder Note. Die einzelnen Teile könnten auch aus einer seiner unzähligen Opern stammen (werden sie vermutlich auch). Aber gerade das macht die Musik so interessant und abwechslungsreich, bei dem sich der Kannerchor und die vier Solisten auszeichnen konnten.
Temprament, außergewöhnliche Harmonik und reiche Melodien. Dennoch hatte es Jan Zelenka nicht leicht, sei es zu Lebzeiten, als er seinem Traumjob vergeblich hinterlief. Sei es nach seinem Tod, als der Barockmusiker in Vergessenheit geriet. Doch in den vergangenen Jahren wird Zelenka wieder öfter aufgeführt. Mit Recht. Seine “Missa omnium sanctorum” (ZWV 21) ist ein Meisterwerk. In seinen letzten Jahren versucht der Komponist alte Techniken mit neuen Elementen zu verknüpfen. Das ist in der Musik spürbar. Durchaus eine Herausforderung für alle Beteiligten, die sie aber meisterten.
Ein gelungener Abend, der verdientermaßen Standing Ovations erhielt.
The Tenebrae Consort – Gregorianischer Choral und Musik aus der Tudorzeit
Schon 2017 war das „Tenebrae Consort“ zu Gast beim Klangvokal-Festival und eigentlich waren sie auch gebucht, um am 20. Mai 2020 in der Marienkirche zu singen. Doch Corona machte wie so oft einen dicken Strich durch die Rechnung und so mussten die Liebhaber englischer Chormusik zwei Jahre warten, um das Konzert zu erleben. Am 17. Mai 2022 war es am geplanten Ort – der Marienkirche – soweit.
Zu hören gab es neben alten gregorianischen Gesängen, Musik der englischen Komponisten John Sheppard, William Byrd, John Blitheman und Thomas Tallis. Alle Vier komponierten in der Zeit, in der England zwischen dem katholischen Glauben und der Reformation stand, so komponierte Tallis beispielsweise zu Beginn noch für die katholische Messe, danach für die protestanische. Darüber hinaus gab es in der Regierungszeit von Maria (1553-1558) eine kurze katholische Restaurationszeit.
Laut Programmheft sollte das Konzert den Tagesablauf eines Mönches in einer mittelalterlichen englischen Kathedrale darstellen. Das Konzert selbst faszinierte mehr durch die Gegensätze zwischen den schlichten, aber kraftvollen gregorianischen Chorälen und dem polyphonen Gesang des 16. Jahrhunderts. Hier zeigte vor allem Tallis seine Meisterhaft, die vom Chor exzellent rezipiert wurde. Die fünf Sänger und die Sängerin nutzen den Klangraum, den die Marienkirche bot gut aus und zeigten, dass diese Art von Gesang auch den richtigen Ort braucht, um zu klingen.
Persönlich fand ich den gregorianischen Gesang „Komplet in der Fastenzeit“ zu Beginn ein wenig zu lang, hingegen waren beide „Lamentations of Jeremiah“ von Tallis eines der Höhepunkte des Konzertes.
Ein gelungener Ausflug in die Spätrenaissance an einem geeigneten Ort. Gesungen haben Martha McLorinan (Mezzosopran), Jeremy Budd (Tenor), Nicolas Madden (Tenor), Joseph Edwards (Bariton), Nigel Short (Bariton & Leitung) und Tom Herring (Bass).
Ein Abend für die Sonate
Das 4. Kammerkonzert am 02. Mai 2022 stellte die Sonate in den Mittelpunkt. Mit Vera Plum (Violine), Birgit Welpmann (Oboe), Minori Tauchiyama (Fagott), Frank Kistner (Kontrabass) und Ursula Hobbing (Cembalo) an den Instrumenten erklangen Werke von der Spätromantik bis zum Barock.
Stellten die Sonate in den Mittelpunkt des Kammerkonzertes: (v.l.n.r.) Minori Tauchiyama, Birgit Welpmann, Frank Kistner, auf der Bank sitzen Vera Plum und Ursula Hobbing
Dabei konnten die Zuhörer einige Kostbarkeiten entdecken wie Musik von Dario Castello, der zur damaligen Zeit (erste Hälfte des 17. Jahrhunderts) sehr avantgardistisch waren. Danach wurde es schwäbisch, denn Guiseppe Antonio Brescianello und Jośe Pla waren beide am Stuttgarter Hof beschäftigt. Brescianellos Sonaten sind sogenannte Triosonaten, zwei Solostimmen und ein Generalbass. Triosonaten waren in der Barockzeit sehr beliebt, es gibt tausende Werke für unterschiedliche Instrumente.
Ob das „Concerto a quattro in d-moll“ tatsächlich von Telemann oder doch von Händel stammt, ist umstritten, dennoch spürt man die Hochzeit des Barocks aus jeder Note.
Nach der Pause ging es mit Gottfried Heinrich Stölzel weiter. Ebenso wie sein Zeitgenosse Johann Sebastian Bach war Stölzel sehr produktiv, was das Komponieren angeht. Auch wie Bach war er im geistlichen Vokalwerk aktiv. Das Fagott stellte Jan Dismas Zelenka in den Mittelpunkt seiner – klar – Triosonate.
Musikalisch in „Himmlische Sphären“ entführt
Am 10. und 11.052022 entführte die Dortmunder Philharmoniker unter der temperamentvollen Leitung von Marie Jacquot das Publikum im hiesigen Konzerthaus in „Himmlische Sphären“. Ars tremonia durfte am 12.052022 mit dabei sein.
Als Auftakt stand mit den „Sphären-Klängen“ op. 235 von Josef Strauß (1827 –1870) ein Werk von morbider Walzer-Seligkeit auf dem Programm.
Bei diesem schwungvollen Konzertwalzer schimmert nur hier und da ein wenig (Wiener) Melancholie durch. Der wiegende Grundrhythmus ist von verschiedenen Melodien und Steigerungen getragen. Die unterschiedliche Instrumentalkombinationen ergeben dabei eine ganz eigene Färbung.
Das in der „heroischen Phase“ im Jahr 1803 (beeinflusst von Französische Revolution, Rheinbesetzung) entstand das Konzert für Klavier und Orchester Nr.3 c-Moll op. 37 von Ludwig van Beethoven (1770 -1827). Neue musikalische Wege wollte Beethoven hier mit seinem Hang zur Perfektionierung gehen. Er saß bei der ersten Aufführung auch selbst am Klavier.
Kennzeichnend für dieses Werk sind die starken Steigerungen und der geschickte Wechsel von c-Moll in höhere Tonstufen „in höhere Sphären“. Der zweite Satz „Largo“ ist ein bewegendes Zwischenstück. Dem Komponisten gelang zudem ein besonderes Zusammenspiel zwischen Klavier und Orchester. Er verstand es, beide Parteien gekonnt verschmelzen zu lassen. Es gibt jedoch genug Gelegenheit für einen Pianisten virtuos am Instrument zu glänzen.
Als Pianist begeisterte Markus Schirmer aus dem österreichischen Graz mit einem besonderen Gespür für die Musik von Beethoven.
Als Zugabe gab es den heiteren „Grazer Galopp“ von Johann Strauß.
Nach der Pause führte das Orchester zusammen mit Christian Drengk an der Orgel klang-gewaltig mit der Sinfonie Nr. 3 c-Moll op. 78 „Orgelsinfonie“ von Camille Saint-Saëns (1835 – 1921) aus der Tiefe in „himmlische Höhen“. Die Orgel schwankt dabei zwischen ihrer Rolle als Begleit- und Soloinstrument und hat eine wichtige dramaturgische Funktion als Scharnier sowie Schlüsselstelle an prägnanten Stellen.
Die Streicher, Bläser und Pauken können bei der anspruchsvollen Sinfonie sowohl als einzelne Gruppe, wie auch im Zusammenspiel ihr Können zeigen.
Die Orgel hat das beeindruckende Schusswort.
Ein musikalisch bewegender Abend in diesen schwierigen und unsicheren Zeiten.
Roll over from Beethoven to Haydn
Die Dortmunder Philharmoniker und die Wiener Klassik. Neben dem „Rockstar“ Mozart bewegten sich zahlreiche Künstler, Komponisten und Musiker vor allem, in Wien, das unter Kaiserin Maria Theresia, eigentlich „nur“ Erzherzogin, von Österreich, zur Musikmetropole Europas, und im damaligen Verständnis der Welt wurde.
Beethoven und Haydn waren zwei dieser Genies, oder wie man heute sagen würde „Rockstars“ der Wiener Klassik. Haydn formte sich in Entfernung von Wien, bei Fürst Nikolaus von Esterházy. Nach dessen Tod „freigesetzt“ vom Nachfolger, auch durch zerrüttete Finanzen der Familie, ging Haydn nach London und schuf dort die Londoner Sinfonien. Die erste war nun die an diesem Abend von den Dortmunder Philharmonikern gespielte „The Miracle“.
Dieses dritte Konzert der Dortmunder Philharmoniker 2022 steht unter dem Motto „Das Wunder“, dem zweiten Teil des musikalischen Abends und dem Dirigat Ulrich Kern. Bei dieser ersten der Londoner Sinfonien von Joseph Haydn, der Sinfonie Nr.96 D-Dur Hob. I:96, nicht der Premiere, der lockere Lüster des Hannover Square Rooms in das Parkett kracht … Die Besucher allerdings hatten sich an den Orchestergraben gedrängt, um den berühmten Gast aus Wien sehen zu können, so kam niemand zu Schaden. Nun sind aber die Engländer besonders nüchterne Menschen, wie wir alle wissen … und machten aus dem Ereignis ein Wunder, man hatte offensichtlich sonst keine …
So wie einst die Londoner 1791 von der Sinfonie begeistert wurden, konnten die Dortmunder Philharmoniker und die Solistin Nareh Arghananyan die Besucher dieses Abends mit diesem Klavierkonzert begeistern und zu einer Zeitreise nach London zum Ende des 18. Jahrhundert entführen.
Der erste Teil des Abends bis zur Pause wird jedoch von Ludwig van Beethoven gestaltet, also der Darbietung seines Klavierkonzert Nr2 B-Dur op.19, welches Kern mit den Dortmunder Philharmonikern und der Solistin Arghananyan am Flügel darbot. Beethoven verließ Bonn und ging 1792 nach Wien. Sein Start dort war holprig, aber er verschaffte sich ein Renommee als ausgezeichneter Pianist, wobei auch sein ungezügeltes Wesen zum Vorschein kommt, ihn aus heutiger Sicht, wie einen Gitarren zertrümmernden ungehobelten Rockstar erscheinen ließ. Arghananyan geht bei ihrem Klavierspiel ganz in der Musik von Beethoven auf und interpretiert ihn zart, ohne die Gefahr den Flügel wie Beethoven zu ruinieren. Sie fließt förmlich im Rhythmus der Musik.
Das Klavierkonzert ist aber alles andere als ein ungestümes Konzert eines ungehobelten Komponisten und Interpreten … Der Schüler von Haydn, inspiriert von Mozart, kommt in diesem Klavierkonzert leicht daher, was exzellent durch die Dortmunder Philharmoniker unter Kern herausgearbeitet und dargeboten wurde. Es ist immer wieder ein Erlebnis ihnen zuzuhören.
Die Dortmunder Philharmoniker, 1887 gegründet, genießen seit vielen Jahren einen ausgezeichneten Ruf unter den großen Konzert- und Opernorchestern Deutschlands, den sie auch an diesem Abend wieder unter Beweis gestellt haben. Mit bedeutenden künstlerischen vormaligen Leitern wie Wilhelm Schüchter, Marek Janowski und Hans Wallat, konnte das Orchester im letzten Jahrhundert mit einem kompromisslosen Qualitätsanspruch die Klassik und die Moderne nach Dortmund bringen und sich Renommee verschaffen.
Mobiles Tiny Music House“ an Dortmunder Grundschule eingeweiht
Auf dem Schulhof der Peter-Vischer-Grundschule im Dortmunder-Kreuzviertel wurde am 02.05.2022 das Tiny Music House offiziell eingeweiht. Es handelt sich hierbei um einen mobilen Raum, in dem die Dortmunder Philharmoniker Schülerinnen und Schüler eine Gelegenheit bieten, klassische Musik in einem kleineren Rahmen direkt und hautnah zu erleben. Die kleine (mobile) Bühne bietet eine gute Möglichkeit für diverse Präsentationen und Konzertformate. Es können dort etwa Babykonzerte, die Orchesterwerkstatt, Sitzkissenkonzerte sowie kleinere moderierte Familien- und Jugendkonzerte stattfinden.
Das Tiny Music House bietet den Schulkindern zudem das technische Equipment zur Entwicklung von Hörspielen, einem Mischpult und kleine Kameras.
Die Verbreitung in den heutzutage wichtigen sozialen Medien steht letztendlich am Ende des Prozesses. Der Raum bietet auch die Chance zur Ausrichtung von digitalen Workshops.
Zu der „Geburtstagsfeier“ waren neben Bürgermeisterin Barbara Brunsing, NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (Förderministerium), der Geschäftsführende Direktor des Theaters Dortmund Tobias Ehinger, Generalmusikdirektor Gabriel Feltz sowie die Schulleiterinnen der Peter-Vischer-Grundschule Frau Kaiser und Frau Groß von der Eichlinghofer Grundschule zum Gratulieren erschienen.
Natürlich waren auch Schülerinnen und Schüler der Peter-Vischer-Grundschule anwesend und zur Begrüßung ein für diesen Anlass einstudiertes Musikstück an ihren verschiedenen Instrumenten. Sie haben schon mit Instrumenten durch das Projekt JeKi (Jedem Kind ein Instrument) Erfahrungen mit ihrem „Lieblingsinstrument“ gesammelt.
Moderiert wurde die Eröffnung von der Musikvermittlerin und Initiatorin des Tiny Music House, Andrea Hoever, mit zwei Schüler*innen.
Nachdem die Politikerinnen ihre Freude über das Projekt und sein Potenzial für die musikalische und soziale Entwicklung der Kinder betont hatten, erklärte GMD Gabriel Feltz: „Wir wollen unmittelbar und ohne Aufwand an die Schulen herankommen und ein bisschen Zuhause mit Noten schaffen“.
Vier Streicher*innen der Dortmunder Philharmoniker sorgten passend für den „Geburtstag“ für ein schwungvolles musikalisches Rahmenprogramm und mit dem Shanty „Wellerman“ für einen schönen gemeinsamen Abschluss.
Geplant ist, dass das Tiny Music House für jeweils ca. sechs Wochen in einem Stadtviertel bleibt. Nicht nur auf Schulhöfen, sondern hin und wieder auch bei großen Outdoor-Veranstaltungen soll es zu Einsatz kommen.
Als Nächstes darf sich laut Planung eine Grundschule in der Nordstadt auf das Tiny Music House freuen.
Jugend musiziert Zukunft: Foyer-Konzert im Konzerthaus
„Jugend musiziert Zukunft“: Unter diesem Motto steht das nächste Foyer-Konzert im Konzerthauses Dortmund am Samstag, 28. Mai, 15 Uhr an der Brückstraße 21. Junge Musiker*innen der Musikschule Dortmund, die sich für den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ qualifiziert haben, sind live zu hören. Veranstalter ist die Klavier- und Flügelgalerie Maiwald im Konzerthaus in Kooperation mit der Musikschule Dortmund. Der Eintritt beträgt 15 Euro, Ticket gibt es über das Konzerthaus Dortmund (0231/22696200), online über www.konzerthaus-dortmund.de sowie über viele weitere Online- Veranstaltungs-Portale und Ticket-Shops.
Das Publikum erlebt, wie die heute schon talentierten Jugendlichen die Werke der klassischen Musik aufblühen lassen – darunter auch jugendliche Solist*innen wie der 13-jährige Piet Bracklow am Marimbaphon und Vibraphon oder das 10tett „Alte Musik“. Zu hören sind viele Komponisten von u.a. Beethoven und Brahms bis Babajanyan.
Als Musiker*innen mit dabei sind als Solist*in: Alexandra Althoff (Cello) mit Sigrid Althoff am Klavier sowie Piet Bracklow (Marimbaphon und Vibraphon); im Duo spielen Fabian Angelo Tavernise (Klavier) und Simon Rühlmann (Klarinette), im Trio „Letz fetz“ zu hören sind Maria Bovensmann (Cello), Luise Matz (Flöte) und Joseph Chang (Klavier). Das 10tett-Ensemble „Alte Musik“ besteht aus Tea Miteva, Anna Lechtenbörger, Judith Keller und Hannah Laufen (Violine) und Shiqing Sun (Violine, Schlagwerk) sowie Florentin Hoensbroech und Anna Orlova (Viola), Jana Keller (Kontrabass), Leonhard Kruse (Kontrabass, Schlagwerk) und Fabian Angelo Tavernise (Cembalo, Cello). Die Veranstaltung wird unterstützt durch: Förderverein der Musikschule Dortmund, MusikCenter Dortmund, Postergalerie, DSW21, OHRWERK, Gold Dalmann
Erlösung ein Philharmonisches Konzert im Konzerthaus Dortmund mit den Dortmunder Philharmonikern
Eine Betrachtung in drei Teilen
Teil 1 Wolfgang Amadeus Mozart Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur KV 467
Das Klavierkonzert Nr. 21 gehört zu den sogenannten sinfonischen Konzerten, denn der orchestrale Part ist hier von großer Bedeutung. Das Klavierkonzert in C-Dur, ein an harmonischen Schattierungen reiches Werk, wie KV 467 schuf Mozart in nur 4 Wochen nach der Vollendung des d-Moll Konzertes. Eine Probe musste genügen, um das neue Werk am 10. März 1785 – mit Mozart als Solist – zur ersten Aufführung zu bringen. Das Klavierkonzert gehört zu den populärsten Stücken von Mozart. Zum Teil mag das auch an dem schwedischen Film, „Elvira Madigan“ des schwedischen Regisseurs Bo Widerberg liegen, über die unglückliche Liebe einer Seiltänzerin und einem Leutnant. Hier spielte in dem 1967 in Cannes prämierten Film der II. Satz, das Andante, eine bedeutende Rolle. Doch war das Klavierkonzert Nr. 21 schon zu Lebzeiten von Mozart erfolgreich.
Der Solist am 13.04. im Konzerthaus Dortmund war Stephen Hough, der wie verzückt den Konzertflügel mal streichelte, mal trieb. Auch wenn Hough stellenweise, weil so von Mozart angelegt „nur“ begleitet, so malte er gleichsam das Thema aus dem Orchester weiter aus.
Das Hauptthema liegt beim Orchester und nicht beim Soloinstrument. Auch die Orchesterbesetzung ist größer, Trompeten und Pauke kommen zum Einsatz. Das war damals zu Mozarts Zeit etwas Neues. Insgesamt ist es ein heiteres Werk, in dem mit relativ einfacher Melodik eine differenzierte Komplexität entwickelt wird. Das Soloinstrument, besonders durch das Spiel von Hough, scheint sich immer wieder unabhängig machen zu wollen und wird dann in das Gesamtgeschehen eingefangen und integriert.
Komplexität im Einklang
Der erste Satz trägt die Überschrift „Allegro maestoso“ – und erfüllt die damit verbundenen Erwartungen auf ganzer Linie. Das prächtige Hauptthema wird zuerst vom Orchester in unterschiedlicher Form – kammermusikalisch, orchestral und kontrapunktisch – wiederholt, bis es dann vom Klavier aufgenommen wird. Dieses erste Allegro von KV 467 wird von einem Marschmotiv im Unisono eröffnet, dessen fast aufmüpfige Geste die Geigen mit einer empfindsamen Kantilene beantworten. Wie so oft bei Mozart ist damit schon im Hauptthema selbst der entscheidende Themengegensatz angelegt. Der ganze lange Satz ist der Ausarbeitung dieses Kontrasts gewidmet: zwischen dem Marschmotiv auf der einen Seite, das in immer neuen Verwandlungen auftritt, und den empfindsamen Episoden der Streicher und Holzbläser auf der anderen Seite. In beide Ausdrucksebenen wird das Klavier auf höchst raffinierte Weise eingebunden – ein Spiel mit unendlich vielen Zwischentönen, teils ironischer, teils melancholischer Art, das dennoch breiten Raum lässt für virtuose Passagen des Solisten.
Die unterschiedlichen Motive innerhalb des Klavierkonzerts sind miteinander im Einklang: wie Mozart auch in den Opern eine perfekte Dramaturgie unterlegt hat, so hat er es auch hier wieder verstanden, alles zu einem homogenen Ganzen zusammenzuführen.
Den berühmten langsamen zweiten Satz dieses Konzerts zu schildern, ist müßig: Wie sich hier Holzbläser und Klavier über dem Klanggrund der sordinierten Streicher die wundervollsten Vorhaltsharmonien zuspielen, ist selbst unter Mozarts langsamen Sätzen einmalig und prächtig vom Orchester ausgespielt. Dabei wirkt der Gesang der rechten Hand des Klaviers, also Stephen Hough, wie die träumerische Cavatina einer Primadonna in der Nachtszene einer Opera seria.
Im dritten Satz „Allegro vivace assai“ findet man dafür ein besonderes Beispiel: Hier verbindet Mozart das Thema des Rondos über ein zweites neues Thema mit dem Thema des Sonatenhauptsatzes. Ganz buffonesk kommt das Finale daher, tänzerisch wie immer in Mozarts letzten Sätzen. Das Klavier kann sich ganz der Spielfreude hingeben, Hough treibt scheinbar, nicht gequält, sondern spritzig, heiter und beschwingt, und doch entsteht eine Gleichstimmigkeit des Soloinstrumentes mit dem Orchester. Contretanz und Marsch gehen hier eine überraschende Verbindung ein, was Stoff für ein langes Sonatenrondo bietet.
Teil 2 Parsifal WWV111 – Vorspiel und Karfreitagszauber aus dem Bühnenweihfestspiel
Parsifal ist das letzte musikdramatische Werk von Richard Wagner. Wagner selbst bezeichnete das dreiaktige Stück als ein Bühnenweihfestspiel. Das Philharmonische Konzert am 13.04. im Konzerthaus Dortmund mit den Dortmunder Philharmonikern, ließ uns das Vorspiel, den Ersten Aufzug, und den Karfreitagszauber, den Dritter Aufzug und Schluss, erleben.
Das Kunstreligiöse, Pseudo-Liturgische, das Wagners letzte Oper umwölkt, ließ mich immer verstört zurück. Es schwang auch an diesem Abend bei mir mit. Wagner ist nicht mein Ding, war aber erträglich ohne die Bayreuther Bühnenshow. Vielleicht liegt es am Braunauer, oder dem Wagnerschen Antisemitismus.
Der Parsifal von Wagner, ging aus den Anfang des 13. Jahrhunderts entstandenen Versepos Parzival von Wolfram von Eschenbach hervor, der im 8. Jahrhundert spielt. Die eigentliche Handlung basiert aber nur lose auf dem Versepos und ist in vielen Details Wagners eigene Schöpfung. Die christlichen Reliquien Gral und Heiliger Speer stehen Seite an Seite mit buddhistischen Ideen und insbesondere der Idee von Reinkarnation, die dem Parzival-Epos völlig fremd sind. Damit wirkt der Parsifal ein wenig voll.
Traditionsgemäß wird Parsifal gern in der Osterzeit gegeben, der dritte Akt spielt an einem Karfreitag. Zuweilen finden Aufführungen am Karfreitag statt, was wegen des ernsten Charakters des Werks in einigen deutschen Bundesländern erlaubt ist (Feiertagsgesetze).
Man wurde von der Kraft und Majestät der Musik des Werkes eingenommen. Die Philharmoniker brachten uns den Parsifal auch ohne Bühnenshow lebendig dar, nur nicht so pathetisch und erdrückend. Die Vielzahl der Leitmotive wurden im beeindruckenden Vorspiel so vorgestellt, dass der Zuhörer selbst das Leid empfinden konnte, welches Amfortas durch seine nicht heilende Wunde haben musste.
Im Dritten Aufzug, dem Karfreitagszauberm kehrt Parsifal kehrt mit heiligem Speer zurück und kann Amfortas heilen. Wonach Gurnemanz Parsifal als neuen Gralskönig begrüßt.
Die musikalische Illustration durch die Dortmunder Philharmoniker ist exzellent durch die sinnlich-assoziative Darbietung gelungen.
Teil 3 Engelbert Humperdinck Aktvorspiele aus der Märchenoper Königskinder
Das Humperdinck für zwei Jahre Assistent von Wagner war, merkt, hört man besonders an diesem von den Dortmunder Philharmonikern interpretierten Werk, obgleich er nicht im Schatten von Wagner bleibt. Das Stück ist aus dem Mythenkosmos von Wagner herausgelöst, ist aber trotz des volkstümlichen Charakters des Motives pathetisch wie Wagner. Dazu passen dann auch die Figuren, eine Gänsemagd, ein Prinz und ein Spielmann, der beiden helfen will. Die beiden Hauptprotagonisten dürfen aber erst im Tod zusammenfinden und leben im Spiel des Spielmannes weiter …
Die Dortmunder Philharmoniker interpretieren die Sequenzen mit all ihrer Belle Epoque Überschwänglichkeit und Bombastik. Wobei sie die Humperdincksche Melodramatik die Nähe zu Wagner nicht verleugnen können, denn der hatte einen großen Einfluss auf ihn. War Humperdinck zum einen Wagner Fan und im Team des Komponisten.
Das Stück erinnert zuweilen an die musikalischen Untermalungen US amerikanischer Filme, besonders denen von Disney, dem Original Disney bevor es ein Mediengigant wurde, der fast überall mit drin steckt.
So wie die vorherigen Sequenzen aus dem Parsifal von Wagner und davor das Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur KV 467 von Mozart, die Dortmunder Philharmoniker spielten unter der Leitung von Fabien Gabel hervorragend und zudem ein Augenschmaus, die Musiker bei ihrer Hingabe zu beobachten.
Diese achte Philharmonische Konzert war ein Genuss, für mich etwas eingeschränkt, da mir Humperdinck nicht liegt, wegen der Bombastik und zuweilen Überladenheit des Belle Epoque Komponisten Humperdinck. Aber das ist nicht das Problem der Dortmunder Philharmoniker, sondern mein eigenes.
Gesualdo und der Tod
Unter dem Titel „Sparge la morte“ entführte am 03. April 2022 das Ensemble La Compagnia del Madrigale mit dem Chor „Il pomo d‘oro“ in die Welt des Komponisten Carlo Gesualdo (1566-1613). Gesulado stand musikalisch zwischen Renaissance und Barock. Das Besondere an diesem Abend: Davide und Guiseppe di Liberto entwickelten für das Programm einen theatralen Rahmen, der sich mit der Kultur des Todes in Süditalien auseinandersetzt.
Der Tod hat im Leben von Gesualdo eine besondere Rolle gespielt. Denn er war nicht nur Komponist, sondern auch Fürst von Venosa, einer kleinen Stadt in Süditalien. 1590 ertappte er und seine Vertrauten Gesualdos Ehefrau Maria d‘Avalos beim Ehebruch und es kam zu drei Morden, wobei die genaue Täterschaft unklar blieb. Er wurde jedenfalls nicht bestraft.
Im Mittelpunkt des Konzertes standen acht Madrigale von Gesualdo, die sich mit dem Tod als Erlösung vor den eigenen Qualen beschäftigen. Nach dem Tod seines einzigen Sohnes 1600 wurde der Komponist immer depressiver, was sich deutlich in seiner Musik widerspiegelt. Kein fröhliches frohbarockes Fest, eher der Wunsch eines Menschen von den irdischen Qualen erlöst zu werden. „Tötet mich, ihr erdrückenden Qualen, denn ich habe das Leben satt“ heißt es im Madrigal „Ancidetemi pur grievi martiri“.
Zwischen den Madrigalen spielte das Ensemble La Compagnia del Madrigale einige Instrumentalstücke von Gesualdos Zeitgenossen. Dabei durfte natürlich ein Stück des Meistermelancholikers John Dowland nicht fehlen („Semper Dowland, semper dolens“).
Dass das Konzert in einem theatralen Rahmen stattfand, war für mich zunächst etwas ungewohnt, auch wenn die Di Liberto Brüder sehr dezent agierten. Es lenkt doch ein wenig von der Musik und dem Gesang ab. Dennoch war die gespielte Zeremonie einer Beerdigung recht eindrucksvoll in Szene gesetzt und dies nur mithilfe von Lichtelementen.
Stimmungsvoll war auch die Leistung der Musiker*innen und Sänger‘innen, die den Reinoldisaal in die Zeit des Frühbarocks zurückführten. Insgesamt ein gelungener Abend, der neben der Musik auch versuchte, den Umgang mit dem Tod in Süditalien zu vermitteln.