Orlando furioso als eindrucksvolles barockes Opernspektakel

Bei einem guten Klangvokal Musikfestival in Dortmund darf Barockmusik nicht fehlen. Am 17.06.2022 wurde im hiesigen Konzerthaus musikalische Drama in drei Akten „Orlando furioso“ von Antonio Vivaldi (1678-1741) konzertant mit starker Besetzung aufgeführt. Das Libretto stammt von Grazio Braccioli.

Das Ensemble von "Orlando furioso" im Konzerthaus (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Das Ensemble von „Orlando furioso“ im Konzerthaus (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Begleitet wurden die sieben Sänger*innen von dem in alter Musik erfahrenen Orchester Armonia Atenea. Das Orchester wurde einfühlsam von dem in Griechenland geborenen Dirigenten George Petrou geleitet..

Entstanden ist die Oper nach Vivaldis Beschäftigung mit dem damals populären Stoff vom „rasenden Roland“ nach dem Vers-Epos von Ludovico Ariostos und von der griechischen Mythologie beeinflusst.

Tragische Liebschaften, tiefe Emotionen, Pathos und Magie, dazu virtuose Arien und musikalische Ausdrucksstärke machen den Reiz dieser Oper aus. Daneben bietet sie gleich drei exzellenten Countertenören die Gelegenheit, das Publikum zu begeistern.

Die Geschichte bekommt durch die Aktionen von zwei Liebesdreiecken in Fahrt.

Dem Ritter Orlando (Countertenor Max Emanuel Cenčić), Angelica (Sopranistin Julia Lezhnva) und Medoro (Countertenor Philipp Mathmann) und der Liebestollen Zauberin Alcina (Mezzosopranistin Vivica Genaux), Ruggiero (Countertenor Nicholas Tamagna) sowie Bradamante (Altistin Sonja Runje).

Dazwischen steht der in Alcina verliebte Astolfo (Bassbariton Sreten Manojlović)

Die Zauberin versucht, die Personen nach ihren Wünschen durch Zauberkraft zu instrumentalisieren. Sie wird aber auch nicht glücklich und verliert am Ende ihre magischen Kräfte.

Zunächst verliert Orlando durch seine Eifersucht seinen Verstand, bis er ihn am Ende durch seine Stärke zurückerlangt. Angelica und Medoro können zusammen glücklich werden. Für Orlando bleibt die Erkenntnis: Liebe lässt sich nicht erzwingen.

Die Stimmungsänderungen und musikalischen Steigerungen wurden durch viele Rezitative unterstützt. Da bleiben manchmal empfundene Längen nicht aus.

Neben den hervorragenden Stimmen der Beteiligten begeisterten die Zwiesprache zwischen einer Solo-Querflöte und Ruggiero (Nicholas Tamagna) das anwesende Publikum. Die Leistungen wurden mit viel Beifall belohnt.




Opern-und Operettengala mit Emotionen und Schwung

Im Rahmen des Klangvokal Musikfestival Dortmund fand am 28.Mai 2022 im hiesigen Konzerthaus die große Opern-und Operettengala statt. Für die Freunde dieser beiden Genres konnten mit der österreichischen Sopranistin Daniela Fally (1980 in Niederösterreich geboren) und dem Tenor Daniel Behle (1974 in Hamburg geboren) zwei starke Stimmen für diesen Abend gewonnen werden. Begleitet wurde die Gala musikalisch durch das renommierte WDR Funkhausorchester unter der schwungvollen Leitung von dem 1949 in Ungarn geborenen Dirigenten Stefan Soltész. Das Orchester konnte das Publikum gleich zu Anfang mit der Ouvertüre zu “Il barbiere di Siviglia” von Gioachino Rossini auf einen stimmungsvollen Abend einstimmen.

Daniela Fally und Daniel Behle verzauberten das Publikum mit Opern- und Operettenmelodien. (Foto: (c) Bülent Kirschbaum)
Daniela Fally und Daniel Behle verzauberten das Publikum mit Opern- und Operettenmelodien. (Foto: (c) Bülent Kirschbaum)

Mit der Arie “Una voce poco fa” aus dieser Oper hatte Daniela Fally ihren ersten Auftritt. Es schien, als würde sie gerade die anspruchsvollen Koloraturen besonders auskosten. Der erste Opern-Teil des Abends bot eine schöne Auswahl von bekannten Arien oder Duetten von Gioachino Rossini, Gaetano Donizetti, Giacomo Puccini, Georges Bizet oder Jules Massenet. Auch der Tenor Daniel Behle konnte nicht nur mit seiner Stimme punkten, sondern legte wie seine Kollegin viel Emotionen und Inbrunst in Stimme und Körpersprache. Ob als Solisten oder gut aufeinander eingestimmt im Duett, waren beide mit viel Hingabe für die Situation der Personen in der jeweiligen Oper. Liebes-Leid und Lust oder Schmerz versuchten sie dem Zuhörer*innen musikalisch nahe zu bringen. Die Sopranistin wechselte zu jeder Arie passend das Kleid.

Der zweite Teil nach der Pause war der Operette gewidmet. Etwas frivol zeigte sich nach der Ouvertüre vom Zigeunerbaron (Johann Strauss) Daniela Fally bei ihrer Arie “Spiel ich die Unschuld vom Lande” aus der Fledermaus. Es folgte ein temperamentvolles Duett aus Gräfin Mariza “Komm mit nach Varasdin” (Emmerich Kálmán). Gefühlvoll wurde es bei  “Dein ist mein ganzes Herz” aus dem “Land des Lächelns” (Franz Lehár).

Das Publikum bekam die Gelegenheit, die Ouvertüre zu der im letzten Jahr entstanden Operette “Hopfen und Malz” zu hören.

Eiin englischsprachige Musical-Song (Glitter and be gay) von Leonard Bernstein, gefühlvoll präsentiert von Daniela Fally, beendete den Abend. Ohne schwungvolle Zugaben ging es natürlich nicht nach Hause.




Musikalische Lebens-und Spielfreude bei „Jugend musiziert Zukunft“

Beim 8. Foyer-Konzert der Reihe im Konzerthaus Dortmund, gemeinsam organisiert von Maiwald (Klavier & Flügel) und in Kooperation mit der hiesigen Musikschule standen mit „Jugend musiziert Zukunft“ die jungen Nachwuchs-Musiker*innen (zwischen 12 und 19 Jahren) im Mittelpunkt. Alle Beteiligten haben sich für den „Bundeswettbewerb Jugend musiziert“ qualifiziert.

Moderator Gerhard Stranz leitete den musikalisch vielseitigen Nachmittag mit einer warmen Begrüßungsrede ein. Schon zu Beginn begeisterte der junge Piet Bracklow das Publikum mit seiner konzentrierten Leistung am Marimbaphon und Vibraphon. Starke Koordination mit vier Holzschlag-Stäben. Dabei meisterte er moderne Stücke (wie etwa von Ney Rauro) oder das Bach Präludium  BWV 999 gleichermaßen.

Das 10-köpfige Barockensemble zeigte die Schönheiten der Alten Musik. (Foto: (c) Oliver Schapers)
Das 10-köpfige Barockensemble zeigte die Schönheiten der Alten Musik. (Foto: (c) Oliver Schapers)

Fabian Tavernise (Klavier) und Simon Rühlmann (Klarinette) zeigten ihre musikalische Bandbreite bei einer Brahms-Sonate und dem modernen, eher dissonanten vier Stücken von Alban Berg (1833 – 1897).

Alexandra Althoff (19 Jahre) am Violoncello – begleitet von ihrer Mutter Sigrid Althoff am Klavier – brachte all ihre Erfahrung mit in ihren Auftritt.

Das Repertoire reichte von Johann Sebastian Bach, zeitgenössisch moderne Musik über Rodion Schtschedrin (1932) bis zu Peter Tschaikowskys bewegenden Variationen über ein Rokoko-Thema op. 33. 

Dann hatten zehn junge Musiker*innen ihren Auftritt, die sich gemeinsam der „Alten Musik“ (Barock) verschrieben haben. Darunter auch wieder Fabian Tavernise (Cembalo, Violoncello) .  Man merkte den zehn jungen Menschen (12 – 18 Jahre) wie auch den anderen Musizierenden den Spaß am Zusammenspielen an. Wer sagt, dass junge Leute sich nicht für Barock interessieren?

Mal martialisch kämpferisch und temperamentvoll, mal friedvoll:

Den gelungenen Abschluss bildete das Trio „Letz fetz“. Luise Matz (vertreten durch ihre Lehrerin Bettina Geiger) an der Querflöte, Maria Bovensmann (Violoncello) und Joseph Chang (Klavier) überzeugten durch kongeniales Zusammenspiel. Bei so unterschiedlichen Stücken wie Short stories von Adam Vilagi (1977), Carl Maria von Weber (1786-1826) – Trio g-Moll op. 63 und Nikolai Kapustin (1917-2020) – Trio op. 86.

Der hoffnungsvolle jugendliche Dortmunder Musik-Nachwuchs wurden für die beeindruckenden Leistungen mit viel Beifall belohnt.




Klangvokal 22 – Barocke Kirchenmusik im Orchesterzentrum

Am 27. Mai 2022 präsentierte das Festival Klangvokal Kirchenmusik aus der Barockzeit. Das Ensemble L’arte del mondo spielte Musik von Evartisto Felice Dall’Abaco (1675-1742), Johann Adolf Hasse (1699-1783) und Jan Dismas Zelenka (1679-1745). Besonders Zelenkas Messe “Missa omnium Sanctorum” stand im Mittelpunkt. Unterstützt wurden die Musiker unter der Leitung von Ulrich Arns vom Kammerchor der TU Dortmund und den vier Sängerinnen und Sängern Wendy Krikken (Sopran), Nicolas Tamagna (Altus), Hugo Hymas (Tenor) und Tomáš Kral (Bass).

Barocke Kirchenmusik auf hohem Niveau im Orchesterzentrum. (Foto: (c) Bülent Kirschbaum)
Barocke Kirchenmusik auf hohem Niveau im Orchesterzentrum. (Foto: (c) Bülent Kirschbaum)

Den Beginn des Konzertes machte aber ein Instrumentalstück eines Komponisten, der keine Verbindung zu Dresden hatte: Evartisto Dall’Abaco. Sein “Concerto A quattro” in D-Dur verbindet kontrapunktische Klarheit mit dem galanten französischen Stil. Barockmusik pur. 

Johann Hasses “Misere” in c-moll ist ein spannendes Musikstück, bei dem sich Arien und Choreinsätzen abwechseln.  Dass Hasse als spätbarocker Opernkomonist aktiv war, spürt man in jeder Note. Die einzelnen Teile könnten auch aus einer seiner unzähligen Opern stammen (werden sie vermutlich auch). Aber gerade das macht die Musik so interessant und abwechslungsreich, bei dem sich der Kannerchor und die vier Solisten auszeichnen konnten.

Temprament, außergewöhnliche Harmonik und reiche Melodien. Dennoch hatte es Jan Zelenka nicht leicht, sei es zu Lebzeiten, als er seinem Traumjob vergeblich hinterlief. Sei es nach seinem Tod, als der Barockmusiker in Vergessenheit geriet. Doch in den vergangenen Jahren wird Zelenka wieder öfter aufgeführt. Mit Recht. Seine “Missa omnium sanctorum” (ZWV 21) ist ein Meisterwerk. In seinen letzten Jahren versucht der Komponist alte Techniken mit neuen Elementen zu verknüpfen. Das ist in der Musik spürbar. Durchaus eine Herausforderung für alle Beteiligten, die sie aber meisterten. 

Ein gelungener Abend, der verdientermaßen Standing Ovations erhielt. 




The Tenebrae Consort – Gregorianischer Choral und Musik aus der Tudorzeit

Schon 2017 war das „Tenebrae Consort“ zu Gast beim Klangvokal-Festival und eigentlich waren sie auch gebucht, um am 20. Mai 2020 in der Marienkirche zu singen. Doch Corona machte wie so oft einen dicken Strich durch die Rechnung und so mussten die Liebhaber englischer Chormusik zwei Jahre warten, um das Konzert zu erleben. Am 17. Mai 2022 war es am geplanten Ort – der Marienkirche – soweit.

The Tenebrae Consort gelang ein beeindruckendes Konzert in der Marienkirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
The Tenebrae Consort gelang ein beeindruckendes Konzert in der Marienkirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Zu hören gab es neben alten gregorianischen Gesängen, Musik der englischen Komponisten John Sheppard, William Byrd, John Blitheman und Thomas Tallis. Alle Vier komponierten in der Zeit, in der England zwischen dem katholischen Glauben und der Reformation stand, so komponierte Tallis beispielsweise zu Beginn noch für die katholische Messe, danach für die protestanische. Darüber hinaus gab es in der Regierungszeit von Maria (1553-1558) eine kurze katholische Restaurationszeit.

Laut Programmheft sollte das Konzert den Tagesablauf eines Mönches in einer mittelalterlichen englischen Kathedrale darstellen. Das Konzert selbst faszinierte mehr durch die Gegensätze zwischen den schlichten, aber kraftvollen gregorianischen Chorälen und dem polyphonen Gesang des 16. Jahrhunderts. Hier zeigte vor allem Tallis seine Meisterhaft, die vom Chor exzellent rezipiert wurde. Die fünf Sänger und die Sängerin nutzen den Klangraum, den die Marienkirche bot gut aus und zeigten, dass diese Art von Gesang auch den richtigen Ort braucht, um zu klingen.

Persönlich fand ich den gregorianischen Gesang „Komplet in der Fastenzeit“ zu Beginn ein wenig zu lang, hingegen waren beide „Lamentations of Jeremiah“ von Tallis eines der Höhepunkte des Konzertes.

Ein gelungener Ausflug in die Spätrenaissance an einem geeigneten Ort. Gesungen haben Martha McLorinan (Mezzosopran), Jeremy Budd (Tenor), Nicolas Madden (Tenor), Joseph Edwards (Bariton), Nigel Short (Bariton & Leitung) und Tom Herring (Bass).




Ein Abend für die Sonate

Das 4. Kammerkonzert am 02. Mai 2022 stellte die Sonate in den Mittelpunkt. Mit Vera Plum (Violine), Birgit Welpmann (Oboe), Minori Tauchiyama (Fagott), Frank Kistner (Kontrabass) und Ursula Hobbing (Cembalo) an den Instrumenten erklangen Werke von der Spätromantik bis zum Barock.

Stellten die Sonate in den Mittelpunkt des Kammerkonzertes: (v.l.n.r.) Minori Tauchiyama, Birgit Welpmann, Frank Kistner, auf der Bank sitzen Vera Plum und Ursula Hobbing
Stellten die Sonate in den Mittelpunkt des Kammerkonzertes: (v.l.n.r.) Minori Tauchiyama, Birgit Welpmann, Frank Kistner, auf der Bank sitzen Vera Plum und Ursula Hobbing

Dabei konnten die Zuhörer einige Kostbarkeiten entdecken wie Musik von Dario Castello, der zur damaligen Zeit (erste Hälfte des 17. Jahrhunderts) sehr avantgardistisch waren. Danach wurde es schwäbisch, denn Guiseppe Antonio Brescianello und Jośe Pla waren beide am Stuttgarter Hof beschäftigt. Brescianellos Sonaten sind sogenannte Triosonaten, zwei Solostimmen und ein Generalbass. Triosonaten waren in der Barockzeit sehr beliebt, es gibt tausende Werke für unterschiedliche Instrumente.

Ob das „Concerto a quattro in d-moll“ tatsächlich von Telemann oder doch von Händel stammt, ist umstritten, dennoch spürt man die Hochzeit des Barocks aus jeder Note.

Nach der Pause ging es mit Gottfried Heinrich Stölzel weiter. Ebenso wie sein Zeitgenosse Johann Sebastian Bach war Stölzel sehr produktiv, was das Komponieren angeht. Auch wie Bach war er im geistlichen Vokalwerk aktiv. Das Fagott stellte Jan Dismas Zelenka in den Mittelpunkt seiner – klar – Triosonate.




Musikalisch in „Himmlische Sphären“ entführt

Am 10. und 11.052022 entführte die Dortmunder Philharmoniker unter der temperamentvollen Leitung von Marie Jacquot das Publikum im hiesigen Konzerthaus in „Himmlische Sphären“. Ars tremonia durfte am 12.052022 mit dabei sein.

Als Auftakt stand mit den „Sphären-Klängen“ op. 235 von Josef Strauß (1827 –1870) ein Werk von morbider Walzer-Seligkeit auf dem Programm.

Marie Jacquot leitete die Dortmunder Philharmoniker beim 9. Philharmonischen Konzert. (Foto: © Christian Jungwirth)
Marie Jacquot leitete die Dortmunder Philharmoniker beim 9. Philharmonischen Konzert. (Foto: © Christian Jungwirth)

Bei diesem schwungvollen Konzertwalzer schimmert nur hier und da ein wenig (Wiener) Melancholie durch. Der wiegende Grundrhythmus ist von verschiedenen Melodien und Steigerungen getragen. Die unterschiedliche Instrumentalkombinationen ergeben dabei eine ganz eigene Färbung.

Das in der „heroischen Phase“ im Jahr 1803 (beeinflusst von Französische Revolution, Rheinbesetzung) entstand das Konzert für Klavier und Orchester Nr.3 c-Moll op. 37 von Ludwig van Beethoven (1770 -1827). Neue musikalische Wege wollte Beethoven hier mit seinem Hang zur Perfektionierung gehen. Er saß bei der ersten Aufführung auch selbst am Klavier.

Kennzeichnend für dieses Werk sind die starken Steigerungen und der geschickte Wechsel von c-Moll in höhere Tonstufen „in höhere Sphären“. Der zweite Satz „Largo“ ist ein bewegendes Zwischenstück. Dem Komponisten gelang zudem ein besonderes Zusammenspiel zwischen Klavier und Orchester. Er verstand es, beide Parteien gekonnt verschmelzen zu lassen. Es gibt jedoch genug Gelegenheit für einen Pianisten virtuos am Instrument zu glänzen.

Als Pianist begeisterte Markus Schirmer aus dem österreichischen Graz mit einem besonderen Gespür für die Musik von Beethoven.

Als Zugabe gab es den heiteren „Grazer Galopp“ von Johann Strauß.

Nach der Pause führte das Orchester zusammen mit Christian Drengk an der Orgel klang-gewaltig mit der Sinfonie Nr. 3 c-Moll op. 78 „Orgelsinfonie“ von Camille Saint-Saëns (1835 – 1921) aus der Tiefe in „himmlische Höhen“. Die Orgel schwankt dabei zwischen ihrer Rolle als Begleit- und Soloinstrument und hat eine wichtige dramaturgische Funktion als Scharnier sowie Schlüsselstelle an prägnanten Stellen.

Die Streicher, Bläser und Pauken können bei der anspruchsvollen Sinfonie sowohl als einzelne Gruppe, wie auch im Zusammenspiel ihr Können zeigen.

Die Orgel hat das beeindruckende Schusswort.

Ein musikalisch bewegender Abend in diesen schwierigen und unsicheren Zeiten.




Roll over from Beethoven to Haydn

Die Dortmunder Philharmoniker und die Wiener Klassik. Neben dem „Rockstar“ Mozart bewegten sich zahlreiche Künstler, Komponisten und Musiker vor allem, in Wien, das unter Kaiserin Maria Theresia, eigentlich „nur“ Erzherzogin, von Österreich, zur Musikmetropole Europas, und im damaligen Verständnis der Welt wurde.

Nareh Arghananyan verzauberte das Publikum mit dem Klavierkonzert Nr. 2 von Beethoven. (Foto:© Julia Wesely)
Nareh Arghananyan verzauberte das Publikum mit dem Klavierkonzert Nr. 2 von Beethoven. (Foto:© Julia Wesely)

Beethoven und Haydn waren zwei dieser Genies, oder wie man heute sagen würde „Rockstars“ der Wiener Klassik. Haydn formte sich in Entfernung von Wien, bei Fürst Nikolaus von Esterházy. Nach dessen Tod „freigesetzt“ vom Nachfolger, auch durch zerrüttete Finanzen der Familie, ging Haydn nach London und schuf dort die Londoner Sinfonien. Die erste war nun die an diesem Abend von den Dortmunder Philharmonikern gespielte „The Miracle“.

Dieses dritte Konzert der Dortmunder Philharmoniker 2022 steht unter dem Motto „Das Wunder“, dem zweiten Teil des musikalischen Abends und dem Dirigat Ulrich Kern. Bei dieser ersten der Londoner Sinfonien von Joseph Haydn, der Sinfonie Nr.96 D-Dur Hob. I:96, nicht der Premiere, der lockere Lüster des Hannover Square Rooms in das Parkett kracht … Die Besucher allerdings hatten sich an den Orchestergraben gedrängt, um den berühmten Gast aus Wien sehen zu können, so kam niemand zu Schaden. Nun sind aber die Engländer besonders nüchterne Menschen, wie wir alle wissen … und machten aus dem Ereignis ein Wunder, man hatte offensichtlich sonst keine …

So wie einst die Londoner 1791 von der Sinfonie begeistert wurden, konnten die Dortmunder Philharmoniker und die Solistin Nareh Arghananyan die Besucher dieses Abends mit diesem Klavierkonzert begeistern und zu einer Zeitreise nach London zum Ende des 18. Jahrhundert entführen.

Der erste Teil des Abends bis zur Pause wird jedoch von Ludwig van Beethoven gestaltet, also der Darbietung seines Klavierkonzert Nr2 B-Dur op.19, welches Kern mit den Dortmunder Philharmonikern und der Solistin Arghananyan am Flügel darbot. Beethoven verließ Bonn und ging 1792 nach Wien. Sein Start dort war holprig, aber er verschaffte sich ein Renommee als ausgezeichneter Pianist, wobei auch sein ungezügeltes Wesen zum Vorschein kommt, ihn aus heutiger Sicht, wie einen Gitarren zertrümmernden ungehobelten Rockstar erscheinen ließ. Arghananyan geht bei ihrem Klavierspiel ganz in der Musik von Beethoven auf und interpretiert ihn zart, ohne die Gefahr den Flügel wie Beethoven zu ruinieren. Sie fließt förmlich im Rhythmus der Musik.

Das Klavierkonzert ist aber alles andere als ein ungestümes Konzert eines ungehobelten Komponisten und Interpreten … Der Schüler von Haydn, inspiriert von Mozart, kommt in diesem Klavierkonzert leicht daher, was exzellent durch die Dortmunder Philharmoniker unter Kern herausgearbeitet und dargeboten wurde. Es ist immer wieder ein Erlebnis ihnen zuzuhören.

Die Dortmunder Philharmoniker, 1887 gegründet, genießen seit vielen Jahren einen ausgezeichneten Ruf unter den großen Konzert- und Opernorchestern Deutschlands, den sie auch an diesem Abend wieder unter Beweis gestellt haben. Mit bedeutenden künstlerischen vormaligen Leitern wie Wilhelm Schüchter, Marek Janowski und Hans Wallat, konnte das Orchester im letzten Jahrhundert mit einem kompromisslosen Qualitätsanspruch die Klassik und die Moderne nach Dortmund bringen und sich Renommee verschaffen.




Mobiles Tiny Music House“ an Dortmunder Grundschule eingeweiht

Auf dem Schulhof der Peter-Vischer-Grundschule im Dortmunder-Kreuzviertel wurde am 02.05.2022 das Tiny Music House offiziell eingeweiht. Es handelt sich hierbei um einen mobilen Raum, in dem die Dortmunder Philharmoniker Schülerinnen und Schüler eine Gelegenheit bieten, klassische Musik in einem kleineren Rahmen direkt und hautnah zu erleben. Die kleine (mobile) Bühne bietet eine gute Möglichkeit für diverse Präsentationen und Konzertformate. Es können dort etwa Babykonzerte, die Orchesterwerkstatt, Sitzkissenkonzerte sowie kleinere moderierte Familien- und Jugendkonzerte stattfinden.

Das Tiny Music House bietet den Schulkindern zudem das technische Equipment zur Entwicklung von Hörspielen, einem Mischpult und kleine Kameras.

So sieht es aus, das Tiny Music House. (Foto: © Michelle Piras)
So sieht es aus, das Tiny Music House. (Foto: © Michelle Piras)

Die Verbreitung in den heutzutage wichtigen sozialen Medien steht letztendlich am Ende des Prozesses. Der Raum bietet auch die Chance zur Ausrichtung von digitalen Workshops.

Zu der „Geburtstagsfeier“ waren neben Bürgermeisterin Barbara Brunsing, NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (Förderministerium), der Geschäftsführende Direktor des Theaters Dortmund Tobias Ehinger, Generalmusikdirektor Gabriel Feltz sowie die Schulleiterinnen der Peter-Vischer-Grundschule Frau Kaiser und Frau Groß von der Eichlinghofer Grundschule zum Gratulieren erschienen.

Natürlich waren auch Schülerinnen und Schüler der Peter-Vischer-Grundschule anwesend und zur Begrüßung ein für diesen Anlass einstudiertes Musikstück an ihren verschiedenen Instrumenten. Sie haben schon mit Instrumenten durch das Projekt JeKi (Jedem Kind ein Instrument) Erfahrungen mit ihrem „Lieblingsinstrument“ gesammelt.

Moderiert wurde die Eröffnung von der Musikvermittlerin und Initiatorin des Tiny Music House, Andrea Hoever, mit zwei Schüler*innen.

Nachdem die Politikerinnen ihre Freude über das Projekt und sein Potenzial für die musikalische und soziale Entwicklung der Kinder betont hatten, erklärte GMD Gabriel Feltz: „Wir wollen unmittelbar und ohne Aufwand an die Schulen herankommen und ein bisschen Zuhause mit Noten schaffen“.

Vier Streicher*innen der Dortmunder Philharmoniker sorgten passend für den „Geburtstag“ für ein schwungvolles musikalisches Rahmenprogramm und mit dem Shanty „Wellerman“ für einen schönen gemeinsamen Abschluss.

Geplant ist, dass das Tiny Music House für jeweils ca. sechs Wochen in einem Stadtviertel bleibt. Nicht nur auf Schulhöfen, sondern hin und wieder auch bei großen Outdoor-Veranstaltungen soll es zu Einsatz kommen.

Als Nächstes darf sich laut Planung eine Grundschule in der Nordstadt auf das Tiny Music House freuen.




Jugend musiziert Zukunft: Foyer-Konzert im Konzerthaus

„Jugend musiziert Zukunft“: Unter diesem Motto steht das nächste Foyer-Konzert im Konzerthauses Dortmund am Samstag, 28. Mai, 15 Uhr an der Brückstraße 21. Junge Musiker*innen der Musikschule Dortmund, die sich für den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ qualifiziert haben, sind live zu hören. Veranstalter ist die Klavier- und Flügelgalerie Maiwald im Konzerthaus in Kooperation mit der Musikschule Dortmund. Der Eintritt beträgt 15 Euro, Ticket gibt es über das Konzerthaus Dortmund (0231/22696200), online über www.konzerthaus-dortmund.de sowie über viele weitere Online-
Veranstaltungs-Portale und Ticket-Shops.

Beim Foyerkonzert dabei: Piet Bracklow am Marimbaphon und Vibraphon. (Foto: © Tanja Bracklow)
Beim Foyerkonzert dabei: Piet Bracklow am Marimbaphon und Vibraphon. (Foto: © Tanja Bracklow)

Das Publikum erlebt, wie die heute schon talentierten Jugendlichen die Werke der klassischen Musik aufblühen lassen – darunter auch jugendliche Solist*innen wie der 13-jährige Piet Bracklow am Marimbaphon und Vibraphon oder das 10tett „Alte Musik“. Zu hören sind viele Komponisten von u.a. Beethoven und Brahms bis Babajanyan.

Als Musiker*innen mit dabei sind als Solist*in: Alexandra Althoff (Cello) mit Sigrid Althoff am Klavier sowie Piet Bracklow (Marimbaphon und Vibraphon); im Duo spielen Fabian Angelo Tavernise (Klavier) und Simon Rühlmann (Klarinette), im Trio „Letz fetz“ zu hören sind Maria Bovensmann (Cello), Luise Matz (Flöte) und Joseph Chang (Klavier).
Das 10tett-Ensemble „Alte Musik“ besteht aus Tea Miteva, Anna Lechtenbörger, Judith Keller und Hannah Laufen (Violine) und Shiqing Sun (Violine, Schlagwerk) sowie Florentin Hoensbroech und Anna Orlova (Viola), Jana Keller (Kontrabass), Leonhard Kruse (Kontrabass, Schlagwerk) und Fabian Angelo Tavernise (Cembalo, Cello).
Die Veranstaltung wird unterstützt durch: Förderverein der Musikschule Dortmund, MusikCenter Dortmund, Postergalerie, DSW21, OHRWERK, Gold Dalmann