Ins Licht geholt – Komponistinnen im Fokus

Die Welt der Musik ist eine Welt der Männer. Auch heute noch. Dabei gab es schon im Barock Frauen, die komponierten. Barbara Strozzi oder Antonia Bemba wurden vor nicht allzu langer Zeit beim Festival klangvokal mit einem Konzert geehrt. Wir berichteten darüber.



Dennoch werden Frauen als Komponistinnen nach wie vor marginalisiert. Sie sollten ihre musikalischen Fähigkeiten als „Hobby“ ausleben und sich um Haus und Familie kümmern. Das Konzert „Am Rande des Lichts: Komponistinnen gestern und heute“ am 27. Januar 2023 im Konzerthaus Dortmund präsentierte Musik von Frauen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Auch wenn die hämischen Kommentare und hanebüchenen „Argumente“ männlicher Musiker über Komponistinnen nachgelassen haben, so scheint es doch doppelt schwer zu sein, dass Musik von Frauen wahrgenommen wird.
Das WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Miguel Pérez Iñesta spielte an diesem Abend Werke von neun Komponistinnen, wobei das „Konzert für Klavier und Orchester a-Moll“ von Clara Schumann im Mittelpunkt stand.
So unterschiedlich wie die Komponistinnen war auch die Musik, die vom Impressionismus über den Neoklassizismus bis zur Romantik reichte.
Den Anfang machte Maria Bach, die nicht nur als Komponistin, sondern auch als Malerin tätig war. Sie schrieb 400 Lieder, und im Konzert erklangen die „Préludes des cloches“, ein kleines impressionistisches Stück.
Die rhythmisch-dynamische „Ouvertüre“ von Grażyna Bacewicz begeisterte das Publikum auf Anhieb. Die polnische Komponistin erhielt leider nicht die Aufmerksamkeit wie ihre männlichen Kollegen, z.B. Penderecki.

Augusta Holmès wurde eine „glorreiche Karriere“ vorausgesagt, doch viele ihrer Werke sind noch unentdeckt. Auch hier muss man sagen: leider, denn das träumerisch-lyrische „La nuit et l’amour“ ist von bezaubernder Schönheit.
Elizabeth Maconchy wird gerne auf ihre 13 Streichquartette reduziert. Dabei hat sie viel mehr Musik komponiert, die leider nur selten auf den Spielplänen der Konzerthäuser zu finden ist. Dass sich das ändern sollte, zeigte das gespielte „Allegro molto“ aus der „Sinfonie für Doppelstreichorchester“.
Neoklassizistisch kam die „Petite Suite“ von Germaine Tailleferre daher. Die eingängigen, verspielten Melodien wirkten beruhigend. Einige Musiker waren auf den oberen Rängen verteilt, was ein interessantes Klangbild ergab.
Danach erklang das „Konzert für Klavier und Orchester in a-Moll“ von Clara Schumann. Am Klavier saß Nathalia Milstein, die das Stück einfühlsam interpretierte. Ein ganz besonderes Erlebnis war das Zusammenspiel zwischen der Cellistin und der Pianistin zwischen dem ersten und dem zweiten Satz. Ein wunderbares Stück Musik von einer 16-Jährigen.

Etwas düsterer wird es in Rebecca Clarkes „Poem“ für Streichquartett. Das expressive Stück aus dem Jahr 1926 wirkt wie ein Suchender. Hin und wieder meint man einen Herzschlag zu hören.
Wer romantische Musik mag, kam bei „Dreaming“ von Amy Beach auf seine Kosten. Wie viele andere Komponistinnen vor ihr wurde auch sie nach ihrer Heirat von ihrem Mann gezwungen, ihre Konzerttätigkeit aufzugeben bzw. in ihrem Fall auf ein Konzert pro Jahr zu reduzieren. In „Dreaming“ gefällt besonders das Zusammenspiel von Cello und Klavier.
Das Finale ist Fanny Hensel, der Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy, gewidmet. Das „Andante soave“ aus den „Sechs Melodien für Klavier“ strömt wie in Wellen auf die Zuhörenden zu und umspült sie. Ein Juwel der romantischen Musik.
Aber das Konzert war ja „Am Rande des Lichts“ überschrieben. Behutsam wurden Lichtelemente des Künstlers Iñigo Giner Miranda in den Konzertsaal integriert und rückten die Frauen vom Rand des Lichts in den Mittelpunkt. Es war effektvoll, lenkte aber nicht von der Musik ab.
Generell ist zu wünschen, dass mehr Komponistinnen auf den Spielplänen der Konzerthäuser stehen, es gibt viel zu entdecken.




Franz Liszt schickt uns in die Hölle – 5. Philharmonische Konzert

Das 5. Philharmonische Konzert am17. Und 18. Januar 2023 entführte die Zuhörenden im zweiten Teil an einen ungemütlichen Ort, der Hölle wie sie sich Dante in seiner „Göttlichen Komödie“ vorstellte. List vertone zwar nur das „Inferno“ und das „Fegefeuer“, aber das mit musikalischer Wucht. Kein Wunder, dass Richard Wagner von der Tonsprache Liszts angetan war.



Doch beginnen wir am Anfang. Die Leistung der Dortmunder Philharmoniker hatte an den beiden Abenden Josep Caballé Domenech, der sein Dirigat sehr souverän absolvierte.

Vor der Pause war Musik von Dimitri Schostakowitsch an der Reihe. Wer beim Neujahrskonzert dabei war, wird sich bei der „Suite Nr.1 für Jazzorchester“ an die fröhliche, beschwingte Musik erinnern. Musikalisch vergnüglich ging es mit dem „Konzert Nr.1 für Klavier, Streichorchester und Trompete“ weiter. Schostakowitsch verknüpft verschiedene Musikstile wie russische Romantik, mit Neoklassik und Moderne und füllt es mit Parodien und Klamauk auf. Oliver Schnyder am Klavier und Balázs Tóth waren die Solisten an den beiden Abenden.

Danach ging es in die Unterwelt. Liszt führte uns wie in einem abwärts fahrenden Aufzug musikalisch ins „Inferno“ inklusive dem kompletten Chaos in der Tiefe und den Höllenqualen der dort gefangenen Seelen.

Der zweite Teil, das „Fegefeuer“, eigentlich ja „Läuterung“ ist ruhiger, die Seelen warten schließlich nach erlittenen Qualen auf den Aufstieg ins Paradies. Liszt hat aber noch gegen Ende eine Überraschung in Petto: Ein Frauenchor (hier die Damen des Kammerchors der TU Dortmund und die Damen des Bach-Chors Hagen) stimmt engelsgleich das „Magnificat“ an, mit dem die Seelen ins Paradies geleitet werden.  




Stimmungsvolle Gala aus Oper und Operette mit Götz Alsmann

Nach der Operette „Gräfin Mariza“ und dem Musical „Cabaret“ stand in der Oper Dortmund am 14.01.2023 mit der Opern- und Operettengala „Roaring Oper(ett)a“ wieder die 1920-iger Jahre im Mittelpunkt.



Ein Glücksgriff war die Auswahl von Götz Alsmann für die Moderation des Abends. Mit Witz und Humor führte er nicht nur kurzweilig durch das Programm, sondern gab einige Anekdoten und wissenswertes zu Operette, Oper oder den Einfluss von Jazz und Blues zum Besten. Zweimal spielte er zudem zwei kleine humorvolle Stücke aus der Zeit auf einer Mandoline.

Götz Alsmann führte mit Witz und Humor durch das Programm. Foto: (c) Björn Hickmann)
Götz Alsmann führte mit Witz und Humor durch das Programm. Foto: (c) Björn Hickmann)

Ein passendes Bühnenbild (Putten sowie vielen Kronleuchtern) und direkt auf der Bühne im Hintergrund begleitete die Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Motonori Kobayashi das Programm musikalisch.

Als Sänger*innen wurden mit Tanja Christine Kuhn (Sopran), Anna Sohn (Sopran), Sungho Kim (Tenor), Mirko Roschkowski (Tenor), Fritz Steinbacher (Tenor) und Morgan Moody (Bass-Bariton) für diese Gala aufgeboten.

Sie überzeugten nicht nur mit ihren starken Stimmen, sondern auch durch Humor, großer Emotionalität sowie Freude am Zusammenspiel. Unterstützt wurden sie zusätzlich vom Opernchor Theater Dortmund (Einstudierung: Fabio Mancini).

Auf dem Programm standen Werke von Franz Léhar, Emmerich Kálmán, Giacomo Puccini und Erich Wolfgang Korngold. Viel Raum für tiefe Emotionen wie Liebeslust und Leid, Wehmut aber auch Lebenslust in schwierigen Zeiten.

Ein stimmungs- und schwungvoller Galaabend, der vom Publikum mit viel Applaus belohnt wurde.




Ein amerikanisch-russisches Neujahrskonzert

Traditionell spielen die Dortmunder Philharmoniker am Neujahrstag zweimal ihr Neujahrskonzert. Dirigiert von Gabriel Feltz und moderiert von der ehemaligen Leichtathletin Jana Hartmann spielte das Orchester die Sinfonie Nr.2 von Leonard Bernstein und die Suite für Varieté-Orchester von Dimitri Schostakowitsch. Vom Titel „Auf den Spuren des Jazz“ war allerdings wenig zu hören.



Leonard Bernstein ist ähnlich wie Antonio Vivaldi mit einem bestimmten Stück verbunden. Sind es bei Vivaldi die „Vier Jahreszeiten“, so ist es bei Bernstein die „West Side Story“. Doch beide Komponisten haben natürlich weitere Musik komponiert und so war es eine schöne Erfahrung die 2. Sinfonie für Klavier und Orchester zu hören. Dabei ist es nicht einfach zu entscheiden, ob das Werk nun eine Sinfonie oder ein Klavierkonzert ist. Der Solist Sunwook Kim meisterte das Stück auf alle Fälle mit Bravour.

Bernstein vertonte das Gedicht „The Age of Anxiety“ (Das Zeitalter der Angst) von Wynstan H. Auden 1949. In seiner Musiksprache wechselt er zwischen Avantgarde, Romantik und Jazz-Elementen, vor allem aus dem damals populären Bebop.  

Der zweite Teil war dem russischen Komponisten Dimitri Schostakowitsch gewidmet. Seine „Suite für Varieté-Orchester“ wird fälschlicherweise als „Suite für Jazzorchester Nr.2“ angegeben, was aber falsch ist. Die Musik erinnert mit seinen Walzern und anderen Tänzen stark an Zirkus- oder eben Varietémusik und ist sehr schwungvoll. Sie passt ideal zu einem Neujahrskonzert. Am bekanntesten ist sicherlich der Walzer Nr.2, der als Filmmusik von „Eyes wide shut“ bekannt wurde. Keine Überraschung, denn Schostakowitsch war ein geschätzter Filmkomponist.  




Wellen, Wald, Rachmaninow – ein Konzertabend mit Sir Simon Rattle

Am Donnerstag, dem 08. Dezember 2022, stand das Dortmunder Konzerthaus ganz im Zeichen von Sir Simon Rattle. Der berühmte Dirigent kam mit seinem London Symphony Orchestra und hatte Sibelius und Rachmaninow im Gepäck.



Wer an diesem Abend der Star war, konnte man am Applaus feststellen: Sir Simon Rattle hatte in Dortmund ein absolutes Heimspiel. Zudem konnte er sich auf seine Londoner Symphoniker verlassen, die ihren Chef nie im Stich ließen.

Das Erstaunliche an den ausgewählten Stücken war, dass die Werke des Finnen Sibelius und des Exil-Russen Rachmaninow allesamt in den USA uraufgeführt wurden.

Die Zeit vor der Pause gehörte den impressionistischen Klangwelten von Jean Sibelius. Die „Okeaniden“ handeln nicht von der finnischen Mythologie, sondern von der griechischen Antike. In der Musik spüren die Zuhörer*innen den spielerischen Wellengang, aber auch die Verlorenheit als kleine Insel im riesigen Meer. Natürlich gehört ein Sturm dazu, der für Dramatik in der Musik zuständig ist, bevor der Ozean sich wieder beruhigt.

Vom Wasser gehen wir in den Wald zu „Tapiola“. Hier dreht sich alles um einen mythischen nordfinnischen Waldgeist. Dazu wird die Musik geheimnisvoll, düster, bisweilen sogar gruselig. Auch wenn man die Tiere im Wald zu hören glaubt, scheint irgendetwas im Wald herumzuschleichen, was man besser nicht zu Gesicht bekommen sollte. Hier schaffen es die London Symphoniker mit Sir Simon Rattle diese dunkle Atmosphäre gekonnt umzusetzen.  

Die dritte Sinfonie von Rachmaninow enthält eine gehörige Portion russischer Heimat. 1936 uraufgeführt, enthält sie keine Spuren des populär gewordenen Jazz, der auch in die klassische Musik Einzug hielt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die damaligen Kritiker die Sinfonie als „steril“ empfanden. Was sie aber in meinen Augen keinesfalls ist. Sie besitzt eine große Portion Melancholie eines Menschen, der im Exil leben muss. Die Musik ist und bleibt hochromantisch.

Danach war das Konzert aber nicht zu Ende, denn Sir Simon Rattle ließ noch eine Zugabe von Dvořák spielen. Dirigent und Orchester wurden verdientermaßen mit Standing Ovations belohnt.




Flieg nicht zu hoch

Mit „Ikarus“ von Lera Auerbach und „Hezarfen“ von Fazil Say entführten uns die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Gabriel Feltz beim 4. Philharmonischen Konzert am 06. und 07. Dezember 2022 im Dortmunder Konzerthaus vor der Pause in hohe Gefilde, danach schickte uns Felix Mendelssohn Bartholdy auf den schwankenden Grund der Meeresoberfläche.



Doch zunächst zu Lera Auerbach. Die 1973 geborene Komponistin widmete ihr Orchesterstück dem legendären Irkarus. Er und sein Vater Dädalus wollten von Kreta fliehen, doch Ikarus ignorierte die Warnungen seines Vaters und flog zu hoch, so dass seine Wachsflügel schmolzen und er ins Meer stürzte. So will es die Legende. Heute wird die Figur des Ikarus‘ gerne als Symbol benutzt, für allzu technikbegeisterte Menschen.

Auerbachs Musik fängt auch gleich sehr dramatisch an, wird aber abgelöst von einer ruhigen Flugphase, die von der Solovioline getragen wird. Eine Besonderheit dieses Werks ist, dass das Theremin eine große Rolle spielt. Charlie Draper entlockte dem fremdartigen Instrument wehklagende Töne. Das Theremin ist ein „Überlebender“ der Neuerfindungen von Instrumenten der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als mit elektronischen Instrumenten experimentiert wurde. Ein anderes Beispiel dafür ist das Ondes Martenot. Das Theremin ist das einzige Instrument, das berührungslos gespielt wird.

Wie zu erwarten ist, geht der Flugversuch von Ikarus schief. Der Fall wird musikalisch mit dramatischen Paukenschlägen gegen Ende dargestellt.

Doch es gab auch einen realen „Ikarus“, der es im Gegensatz zu seinem mystischen Vorbild tatsächlich geschafft hat, eine Strecke erfolgreich im Segelflug zurückzulegen: Hezarfen Ahmed Çelebi (1609-1640). Der osmanische Flugpionier soll 1638 einen Segelflug über den Bosporus gewagt haben. Ihm widmet Fazıl Say sein Konzert für Ney-Flöte und Orchester. Als Solisten dienten Burcu Karadağ (Ney) und Aykut Köselerli (türkisches Schlagzeug). Die Musik entführt die Besucher*innen direkt nach Istanbul. Orientalische Klänge und Rhythmen, unterstützt durch die beiden Solisten, machen die Zeitreise und den Ortswechsel leicht. Doch auch Herzafen wird nicht lange glücklich. Der Sultan verbannte den Flugpionier nach Algerien. Ähnlich wie bei Auerbach endet das Stück mit Paukenschlägen.

Auch nach der Pause hatte das Publikum keinen festen Boden unter den Füßen. Es geht aufs Meer. Die drei Konzert-Ouvertüren von Mendelssohn-Bartholdy handeln entweder von mythischen Meeresbewohnern (Melusine), Meereslandschaften (Hebriden) oder Meeresfahrten (Meeresstille und glückliche Fahrt). Mendelssohn Bartholdy schafft es in den drei kurzen Orchesterstücken die Schönheit und den Schrecken des Meeres musikalisch darzustellen, dass man die tosende See beinahe spüren kann.   




Vox Luminis – Barockschmankerl im Reinoldihaus

Bereits 2017 und 2018 begeisterte das Ensemble Vox Luminis die Besucher*innen des Festivals Klangvokal. Sie waren wesentlicher Bestandteil der konzertant aufgeführten Oper „King Arthur“ von Henry Purcell und ein Jahr später präsentierten sie Familienschätze der Musikerfamilie Bach in der Marienkirche.



Nach der langen Pause durch Corona präsentierten Vox Luminis und die Musiker von L’Achéron am 25. November ihr Programm „Dies irae“ im Reinoldisaal. Während die Totensequenz „dies irae“ und ein Requiem für den dunklen November gut gepasst haben, waren die „Sieben Worte Jesu Christi am Kreuz“ eher was für die vorösterliche Fastenzeit. Ich vermute, dass das Konzert eigentlich an einem anderen Datum stattfinden sollte und dann letztendlich auf den Novembertermin verschoben wurde.

Das Programm bestand aus Musik von drei Komponisten, von denen Heinrich Schütz sicherlich der bekannteste ist. Weniger bekannt sind Giovanni Maria Legrenzi und Johann Casper von Kerll, beides Zeitgenossen von Schütz.

Die „Sieben Worte“ von Schütz zeichnen sich dadurch aus, dass die Evangelisten von verschiedenen Stimmlagen gesungen werden, statt sie im Generalbassrezitativ zu lassen.

Das „Requiem“ von Mozart – vor allen natürlich sein „Dies irae“ – ist so bekannt und dominant, dass es sich zunächst fremd anhört, wenn es mit anderer Musik unterlegt wird wie hier von Giovanni Legrenzi. Da der Italiener aber auch ein Opernkomponist war, schafft er der Totensquenz eine lyrische Note zu geben. Teil zart-melodisch, teils wütend-kämpferisch.

Zu seinen Lebzeiten gehörte Kerll zu den bekanntesten Komponsiten, doch nach seinem Tod wurde er schnell vergessen. Gut, dass Vox Luminis ihn etwas aus der Versenkung geholt hat, denn sein „Requiem“ ist ein Spätwerk, genauso wie das von Mozart. Sehr innerlich und sehr faszinierend.

Beteiligte an diesem gelungenen barocken Abend waren von Vox Luminis Zsuzsi Tóth, Victoria Cassano, Korneel van Neste, Jan Kullmann, Olivier Berten, Philippe Froelinger, Jacob Lawrence, Joao Morieira, Sebastian Myrus und der Leiter Lionel Meunier. Tim Braithwaite hat für Jan Kullmann das Stück „Dies irae“-„Prosa pro mortuis“ gesungen.

Auf musikalischer Seite vom Ensemble L‘Achéron spielten Julie Dessaint, François Joubert-Caillet, Andreas Linos, Aude-Marie Piloz, Sarah van Oudenhove (alle Gamben) und Anthony Romaniuk an der Orgel.




Musik mit Schlageffekt

Das Konzert für Schlagzeug und Orchester von Tan Dun verlangt von einem Schlagzeuger wirklich alles ab. Eine Aufgabe, die der in Essen geborene Perkussionist Alexej Gerassimez mit Bravour löste. Das 3. Philharmonische Konzert am 08. und 09. November 2022 präsentierte außergewöhnliche Musik und ein sehr bekanntes Werk: Die „Pastorale“ von Beethoven. Am Pult dirigierte John Axelrod die Dortmunder Philharmoniker.



Aber fangen wir mit dem Anfang an. Wer denkt, dass Schlagzeuger nur am Drumset sitzen, der täuscht sich bei Tan Duns Konzert. Den Beginn machten Steine, die naturnahe Klänge schufen, deswegen das Konzert auch „The Tears of Nature“ heißt. Im Verlauf des Konzertes spielte Gerassimez auf Pauken, Tomas, verschiedenen Xylophonen und Klangschalen. Die drei Sätze des Stücks sind jeweils einer Jahreszeit gewidmet und bezieht sich gleichzeitig auf eine Naturkatastrophe. Damit haben die „Tears of Nature“ einen aktuellen Bezug zur Klimakatastrophe gewonnen.

Den Vorsitzenden tanzen lassen die Philharmoniker danach mit dem Werk von John Adams. Ein Foxtrott im Stile der Minimal Music, kurz und humorvoll.

Nach der Pause kehrte das Naturthema wieder in der 6. Sinfonie von Beethoven, die „Pastorale“. Im Gegensatz zu Tan Dun ist hier das Naturempfinden durchweg positiv, auch wenn es im vierten Satz zu Gewitter und Sturm kommt. Hier ist die Musik poetisch-romantisch und das Naturbild ebenso. Aber die Verbindung zu Tan Duns Werk ist klar: Wenn wir mit der Natur nicht sorgsam umgehen, dann werden Katastrophen unausweichlich sein.




Eine Reise mit dem fliegenden Teppich

Am 22. Oktober 2022 entführte Rebal Alkhodari und die Mitmusizierenden die Zuhörenden im Reinoldisaal und nahm sie mit auf seinem fliegenden Teppich auf eine weite Reise. Unsere musikalische Tour begann in Granada und führte uns über das Mittelmeer bis in den Iran und nach Afghanistan. Einen Abstecher nach Deutschland gab es auch.



Zusammen mit dem Orpheus XXI NRW Ensemble und dem Orpheus XXI NRW Chor standen fast 30 Beteiligte auf der Bühne, die mit verschiedener orientalischer Musik die Menschen im Reinoldisaal faszinierten.

Nach einem beinahe Ouvertüre-artigen Stück namens „Rumi 2222“ begann unsere Reise. Sie führte uns im Zickzackkurs durch eine islamisch-orientalisch geprägte Welt, sei es aktuell oder historisch. So wurden Lieder aus Spanien und Portugal ebenso gespielt wie Lieder aus dem Nahen Osten.

Auf einer Leinwand wurden einige Drohnenaufnahmen von Städten der betreffenden Länder gezeigt. Beispielsweise sah man Petra in Jordanien oder Lissabon zu Portugal.

Die Musik war abwechslungsreich, von traurigen Stücken wie dem portugiesischen „Una tarde“, dem schon ein wenig die Fado-Schwermütigkeit eingeimpft scheint bis hin zu fröhlichen „Wa’uniha“ aus Palestina. Die beiden gespielten Lieder aus dem „Westen“ nämlich „Ecco la prima vera“ und „Unter den Linden“ klangen auch nicht völlig fehl am Platz, denn durch die Kreuzzüge kam auch die arabische Musik in den Westen.

Besonders zu erwähnen sind die Sänger*innen aus dem Chor, die neben Rebal Alkhodari solistische Funktionen übernommen haben.

Fazit: Eine gelungene Reise auf dem fliegenden Teppich durch eine alte und reiche Musikkultur.




Gleich dreimal Glück in F-Dur

Glücksmomente sind das Thema der Dortmunder Philharmoniker in der Spielzeit 2022/2023. Die sind ja gerade in diesen Zeiten wichtig. Passend lautete das Motto für das erste Kammerkonzert im hiesigen Orchesterzentrum am 24.10.2022 „Glück in F-Dur“.



Im Mittelpunkt standen neben den einem technisch versierten und spielfreudigen multikulturellem Streichquartett die Werke dreier renommierter Komponisten in F-Dur.

Es musizierten und kommunizierten wunderbar mit ihren Instrumenten Nemanja Belej (Serbien) und Senjar Sapaev (Usbekistan) an der Violin), MinGwan Kim (Südkorea) an der Viola sowie Risto Rajakorpi (Finnland) am Violoncello.

Das Konzert begann mit dem Salzburger Divertimento Nr. 3 F-Dur KV 138 des damals noch jungen Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1790).

Noch beeinflusst von Mozarts Italienreise 1772 in Salzburg komponiert, merkt man das besonders beim lebendig-temperamentvollen Allegro. Elegant und melodiös komm das folgende Andante daher und witzig-heiter da Presto

Das Streichquartett F-Dur op. 35 von Maurice Ravel (1875 – 1937) ist die Musik sowohl harmonisch wie mehrdeutig, schillernd changierend und die vier Sätze sind mit Raffinesse gekonnt verzahnt. Dem lieblich-zauberhaft klingenden Allegro moderato folgt ein interessantes Scherzo mit Tremolo-Klängen und gezupften Pizziccati. Das Très lent danach wirkt lieblich, nostalgisch und auch etwas mysteriös. Der rhythmische letzte Satz rast zum Ende hin herausfordernd eindrucksvoll im Fünfachtel- und Dreivierteltakt davon.

Inspiriert von seiner Zeit in den USA entstand das nach der Pause gespielte Streichquartett Nr. 12 F-Dur op. 96 von Antonin Dvořák (1844 – 1904).

Der erste Satz ist eine Liebes Erklärung an die Natur. Wehmütig schön ist die Stimmung im folgen Satz (Lento). Dann geht es im Scherzo rasant und geheimnisvoll zur Sache. Die Musik im Finale hüpft und springt zunächst lustig umher, dann klingt dazwischen auch eine Volksweise an.

Es ist eine Freude, bei einem Kammerkonzert die Meister an ihren Instrumenten zu erleben. Das bringt nicht nur einzelne Gruppen der Dortmunder Philharmoniker näher, sondern zudem das entsprechende Instrument.