Jazz, Soul und afrikanischer Groove

Somi – eine Hommage an Miriam Makeba

Die mehrfach für den Echo nominierte Somi (Laura Kabasomi Kakoma), bot in diesem Klangvokale Konzert im Domizil ihr Programm „Zenzile“. Somi ist eine Singer-Songschreiber*in mit fantastischer Stimme aus Afrika. „Zenzile“ ist eine Hommage an die große Miriam Makeba. Das Programm, die Lieder und Arrangements sprachen Makeba und ließ uns in die Welt eintauchen. Miriam Makeba musste der wegen der Apartheid für 31 Jahre im Exil. Somi hatte die beliebtesten Songs ihres Vorbilds Makeba einfühlsam, inspiriert und arrangiert.



Dafür aber mit Stimmkraft „Qongqothwane“ / „Pata Pata“ (The Click Song), in der Sprache der Xhosa und Malaika intoniert. Nicht nur diese „Gassenhauer“ von Makeba begeisterten das Publikum, Liebhaber des modern Jazz. Typisch für Modern Jazz ging das Publikum kommentierend bei den Intonationen von Somi, aber auch bei den zahlreichen Soli des begleitenden Musiktrios mit. Für Klassikfans sicher ungewohnt, aber der Groove bringt es eben so mit sich.

Die fabelhafte Stimme von Somi, jetzt in Chicago lebend, bringt die Makeba Songs authentisch und nicht in billigen Cross-over-Klischees versinkenden Arrangements. Modern Jazz und Worldmusic, Soul und Afrobeat finden hier perfekt zusammen.

Somi sieht sich, wie Makeba selbst, als Musikerin und Aktivistin. Mit ihrem Studioalbum „Petit Afrique“ (2017) etwa erzählte sie die Geschichte afrikanischer Einwanderer inmitten eines gentrifizierten Harlem in New York. Davon erzählte sie uns im Laufe des Konzerts. Wie auch, dass ihr die Entstehung von „Zenzile“ in vielerlei Hinsicht geholfen habe: als Künstlerin und als afrikanische Frau. Besonders in diesen außergewöhnlichen Zeiten, in denen der Mut, unsere Geschichten zu erzählen, von größter Bedeutung ist, berichtete uns Somi,  42 Jahre jung.

Somi knüpft mit Stimmkraft und Feingefühl bei Künstlerinnen und Makeba-Verehrerinnen wie Dianne Reeves, Nina Simone oder Dee Dee Bridgewater an. „Seit ich denken kann, kenne ich Miriam Makebas Stimme. Dadurch habe ich das Gefühl, sie persönlich zu kennen“, erklärte uns Somi zwischen den Songs. Das Programm, das Album „Zenzile“ ist Ergebnis ihrer Bewunderung und Achtung vor und für Makeba. Seit ihrem Debütalbum 2003 wird Somi immer wieder auch mit Makeba verglichen … die Verbindung besteht musikalisch und politisch. So trat Somi 2013 zum Gedenktag für die Opfer des transatlantischen Sklavenhandels vor der UN Vollversammlung auf. Zudem hat Somi eine NGO gegründet: New Afrika Live.

Diese Neubewertung der Makeba Songs durch Somi waren eine Offenbarung, auch durch ihre fantastische Stimme und die exzellenten Jazzmusiker. Schon im Vorbild von Somi waren Jazz und afrikanischer Groove vereint. Das zeigte sich besonders in „Pata Pata“, damals ein Modetanz in Südafrika, den auch weiße Apartheidsgegner tanzten. Diesen präsentierte Somi in einer ganz eigenen Art neu.

So wie Somi, hatten sich viele Künstler von Zenzile, der erste Taufname von Makeba, beeindrucken und inspirieren lassen. Sowohl in Afrika als auch im Rest der Welt. Und dieses Programm von Somi zeigte aber auch, wie das Album, dass sie das Zeug zur Inspiration hat. Das Publikum hat sie beeindruckt und mitgerissen.

Ovationen zum Abschluss und ein beständig mitgroovendes Publikum waren der Beweise für die Begeisterungskraft von Somi.

Somi                           Vocals

Jerry Leonide             Piano
Gino Chantoiseau       Bass
Otis Brown III            Drums




Klangkörper St. Reinoldi

Il Divino! Leonardo García Alarcón und die CAPELLA MEDITERRANEA eröffneten mit Claudio Monteverdis „Marienvesper“ das Klangvokal Musikfestival 2023 Dortmund. „Eine vielstimmige Messe für Kirchenchöre und mehrstimmige Vesper mit einigen geistlichen Gesängen für Kapellen oder fürstliche Privatgemächer“, so der endlose Untertitel des Werkes.



Monteverdi komponierte vor mehr als 400 Jahren die „Marienvesper“ in Mantua. Er pilgerte mit dem Werk, das er Papst Paul V. widmete, als Bewerbung nach Rom. Dieses Opus Magnum, die „Vespero delle Beata Vergine“, sollte „Il Divino“, wie Zeitgenossen Monteverdi schon nannten, eine neue, beruflich bessere Alternative in Rom ermöglichen. Monteverdi wollte unter allen Umständen Mantua, nicht nur des Klimas wegen, verlassen. Die Gonzagas, Fürsten von Mantua, waren nicht nur knauserige Arbeitgeber, sondern auch sehr unzuverlässige Lohnzahler. Zudem fehlte Monteverdi die Wertschätzung seines Dienstherren. 1613 erst sollte Monteverdi dann eine neue Stelle in Venedig antreten, als Maestro della Capella die San Marco.

Das Werk zeigt eine stilistische, verwundernde Vielfalt auf. Was Leonardo García Alarcón mit seinem Ensemble und Orchester bewundernswert herausstrich. Dabei nutzte er die Reinoldi Kirche geschickt als einen eigenen Klangkörper, den er in das Orchester mit Leichtigkeit integrierte. Gerade gotische Kirchen bieten sich wegen ihrer speziellen Akustik an.

Alarcón setzte geschickt die Klangraummöglichkeiten der gotischen Reinoldi Kirche wie ein zusätzliches Instrument des CŒUER DE CHAMBRE NAMUR ein. Klangmöglichkeiten, die nur einer gotischen Kirche eigen sind. Auch ohne Rechenschieber oder gar Computer wussten die Baumeister genau, was sie machten und zu tun hatten, damit der Priester auch ganz hinten zu verstehen war. So drehten sich die Musiker z. B. in den Chor, mit dem Rücken zum Publikum, wie auch die Sänger. Dadurch wurde eine Klangfülle erreicht, die man so „frontal beschallt“ nicht kennt. Alarcón variierte dabei noch zusätzlich die Positionierung des Chorensembles, indem er den Chor sich an verschiedenen Stellen im Kirchenschiff zwischen dem Publikum oder auf der Empore im Turm platzierte und singen ließ.

Paul V. konnte irgendwie nichts mit dem genialen Werk von Monteverdi anfangen, denn zu sehr brach er mit der Tradition der Vokalpolyfonie, mit neuen konzertierenden und opernhaften Ideen. Es überforderte offensichtlich Paul V. wie den VI. die Pille.

Dafür konnte Alarcón mit seiner CAPELLA MEDITERRANEA und CŒUER DE CHAMBRE NAMUR das Dortmunder Publikum überraschen, mitreißen und begeistern.

Egal, ob das Werk so jemals zu „Il Divinos“ Lebzeiten so aufgeführt wurde, oder es sich tatsächlich „nur“ um eine Zusammenstellung der Musikstücke durch seinen Verleger ist … und welche Rolle dabei Paul V. wirklich hatte … 1612 jedenfalls entließen die Gonzagas Monteverdi in Mantua und der zunächst Mittellose brauchte einen neuen Dienstherren.

Tatsache ist aber, dass Monteverdi nicht ein Erneuerer der geistlichen Musik ist, sondern auch der Vater der modernen Oper, wie wir sie heute kennen. Denn sein „L´Orpheo“ ist DIE Oper schlechthin. Auch die Erste! Ist die „Marienvesper“ bahnbrechend? Nein! Aber sie ist fantastisch, egal welche Geschichte hinter ihr steckt.

Der Dirigat Alarcón, die CAPELLA MEDITERRANEA und das CŒUER DE CHAMBRE NAMUR zauberten einen Klang kräftigen Hörgenuss. Und dass es sowohl Alarcón, als auch den beiden Ensembles Spaß machte, konnte man nicht nur hören, sondern auch sehen.

Wir werden hoffentlich noch öfter Alarcón und seine Ensembles in Dortmund, vielleicht nicht nur bei Klangvokal erleben und hören dürfen. Denn nicht nur Monteverdi ist „Il Divino“.




Weltmusik und die abenteuerlichen Reisen des Leo Africanus

Viele Menschen müssen aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimatländer verlassen und versuchen, durch Flucht in für sie sichere Länder ihre Freiheit und Leben zu sichern. Heute wie auch damals.



Im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals Dortmund stand am 01.06.2023 im hiesigen Orchesterzentrum Weltmusik um diesen Themenbereich auf dem Programm.

Der Sänger, Musiker und Komponist Rebal Alkhodari (verließ 2011 Syrien) widmete sich in diesem Jahr gemeinsam mit Orpheus XXI NRW, dem Amaan Choir XXI sowie weiteren musikalischen Gästen der Musik aus gleich mehreren unterschiedlichen Ländern. Darunter Marokko, Ägypten, Mali, Saudi-Arabien, Syrien, Türkei, Italien oder Frankreich. Dabei kamen auch traditionelle Instrumente wie die afrikanische Kora oder der arabische Kanun zum Einsatz.

Die Sänger*innen und Instrumentalist*innen wandeln zu jeweils passenden Videoprojektionen und kurzen Texterklärungen (deutsch) auf den Pfaden des Diplomaten und Forschers Leo Africanus (geboren ca. 1488 als Abu Hassan al-Wazzan in Andalusien). 

Dieser war schon als Kind gezwungen, gemeinsam mit seiner Familie seine Heimat zu verlassen. Nach einer Odyssee durch verschiedene arabische und afrikanische Länder auf seiner Reise wurde er schließlich von europäischen Piraten gefangen genommen und danach dem Papst in Rom als Sklave übergeben. Um frei leben zu können, konvertiert Leo Africanus zum Christentum und erhielt so seinen neuen Namen. Wie auch bei den heutigen Flüchtlingen war die Sehnsucht nach Heimat bis zuletzt immer dabei.

Die Instrumente hatten eine ganz besondere Atmosphäre und einen arabischen Flair. Die wunderbaren Stimmen gaben den oft religiösen, von der Liebe zur Natur oder Heimatsehnsucht getragenen Texten Tiefe und Ausdruckskraft. Der afrikanische Rhythmus begeisterte beim Auftritt von Ibou Kalaama.

Weltmusik als Plädoyer für Toleranz und Verständnis.

Nicht nur unter den Religionen, sondern den Menschen in ihrer Vielfalt im Allgemeinen.




Sean Shibe – Gitarrenmusik aus fünf Jahrhunderten

Am 31. Mai 2023 hieß es wieder „Musik für Freaks“ und zu Gast war Sean Shibe, seines Zeichens Gitarrist und Lautenist. Jetzt werden sich einige fragen, was ist daran jetzt „freakig“. Nun, Shibe spielte im dritten Drittel seines Programmes auf der E-Gitarre. Und die E-Gitarre ist für klassische Musik schon außergewöhnlich. In der zeitgenössischen klassischen Musik wird die E-Gitarre oft als Klangfarbe verwendet, um eine breitere Palette an Klängen und Ausdrucksmöglichkeiten zu erreichen. Sie erzeugt einen charakteristischen Klang, der von den herkömmlichen akustischen Gitarren abweicht. Dieser Klang kann mit verschiedenen elektronischen Effekten und Verstärkungstechniken weiter manipuliert werden, um eine noch größere Vielfalt an Klängen zu erzeugen.



Doch beginnen wir mit dem Anfang. Hier spielte Sean Shibe auf der Laute kurze Stücke von Robert Ballard und Pierre Attaingnant, die den damaligen Zeitgeist einfingen und ähnlich klangen wie die Werke von John Dowland.

Im zweiten Teil stand die akustische Gitarre im Mittelpunkt. Nach einer Bearbeitung von Bachs Präludium und Fuge in Es-Dur wurde die Musik moderner. Mit Thomas Adès, Manuel de Falla, Francis Poulenc und Harrisson Birtwistle stammten alle Komponisten aus dem 20. bzw. 21. Jahrhundert. Der Charakter veränderte sich, rhythmische Figuren und Dissonanzen erklangen.

Doch auch das war nicht das besondere an diesem Konzert. Denn Im Schlussteil spielte Sean Shibe auf der E-Gitarre und benutzte für die gespielten Stücke  Loops und Effektgeräte. Damit erklangen Olivier Messiaens „O sacrum convivium“ und Hildegard von Bingens „O choruscans lux stellarum“ sehr spährisch, fast entrückt. Beeindruckend war Shibe aber in dem Werk „Electric counterpoint“ von Steve Reich, dass durch die Rhythmik an manchen Stellen durch aus den Rock ins Konzerthaus brachte.

Den Schlusspunkt machte „Buddha“ von Julius Eastman. Als Komponist schuf Eastman eine Reihe von Werken, die sich durch ihre repetitive Struktur und minimalistische Ästhetik auszeichneten. Er experimentierte mit Klangfarben, Wiederholungsmustern und Zeitstrukturen, wobei er oft auf die Improvisation als gestalterisches Element zurückgriff. Obwohl Eastman in den 1970er und 1980er Jahren einige Erfolge hatte und mit renommierten Ensembles und Komponisten zusammenarbeitete, geriet er später in finanzielle Schwierigkeiten und litt unter persönlichen Problemen, die zu einem Rückzug aus der Musikszene führten. In den letzten Jahren hat es eine Wiederentdeckung und Neubewertung von Eastmans Werk gegeben. Neue Generationen von Musikern und Musikliebhabern haben sein Werk wieder aufgegriffen und seine Bedeutung in der Avantgarde-Musik erkannt.   Das gelungene Konzert von Sean Shibe machte deutlich, dass die E-Gitarre nicht nur das Standart-Instrument für Pop, Rock oder Metal ist. Die E-Gitarre kann nicht nur bei neuen Kompositionen eingesetzt werden, sondern sie ist auch in der Lage durch die Effekte neue Klangfarben an alten Kompositionen zu erschaffen. Das hat Sean Shibe unter Beweis gestellt.




The Tallis Scholars – Musik zu Ehren von heiligen Frauen

Nach 2015 und 2018 konnte ich zum dritten Mal das Vokalensemble „The Tallis Scholars“ im Rahmen des Festivals Klangvokal erleben.  Und erneut gab es ausgewählte Musik aus der Zeit der Renaissance, wobei sich auch drei modernere Komponisten mit „hineingeschmuggelt“ hatten. Das Konzert fand am 25. Mai 2023 in der Propsteikirche statt.



Das bemerkenswerte an dem Konzert war, dass alle aufgeführten Werke eine heilige Frau im Mittelpunkt hatte. Überwiegend stand Maria, die Mutter Jesu, im Zentrum, Francesco Guerrero widmete Maria Magdalena eine Motette.

Nach Orlando di Lassos „Alma redemptoris mater” war der erste Teil des Konzertes der Missa „Ave maris stella“ von Josquin Desprez gewidmet. Die „Ave maris stella“ ist eine Marienantiphon, eine Hymne an die Jungfrau Maria, und Josquin Desprez basierte seine Messe auf diesem gregorianischen Choral. Die Messe wurde wahrscheinlich um das Jahr 1500 komponiert und ist eines von Josquins bekanntesten Werken. Josquin Desprez schafft eine eindringliche musikalische Darstellung der Verehrung der Jungfrau Maria. Durch den Einsatz verschiedener kompositorischer Techniken wie Imitation, Kontrapunkt und Klangfarbenwechsel erzeugt er eine vielschichtige und emotionale Wirkung. Diese Wirkung wurde von den die Sänger:innen der Tallis Scholars unter der Leitung von Peter Philips in gewohnt hochwertiger Weise erzielt.

Nach der Pause ging es mit Renaissancemusik von Francesco Guerrero weiter.  Seine Musik zeichnet sich durch eine ausgeprägte melodische Schönheit, sorgfältige Textausdeutung und ein feines Gespür für Kontrapunkt und Harmonie aus. Danach gab es eine kleine Zeitreise in die Jetztzeit. Der zeitgenössische Komponist Matthew Martin zeichnet sich durch eine moderne Tonsprache und eine sorgfältige Textausdeutung aus. Seine Kompositionen vereinen traditionelle und zeitgenössische Elemente und zeigen eine beeindruckende Beherrschung von Harmonik, Rhythmik und Klangfarben.  Auch hier überzeugten die Tallis Scholars ebenso wie beim russischen „Bogoroditse Devo“ von OIgor Strawinsky, der sehr stark auf die russisch-orthodoxe Kirchenmusik in seiner Komposition zurückgreift.

Ein Name durfte bei moderner geistlicher Chormusik natürlich nicht fehlen: Arvo Pärt. Hier erklang „Virgencita“, die an eine Marienerscheinung im 16. Jahrhundert in Mexiko erinnern soll.

Zum Schluss ging es wieder zurück in die Renaissance. Heinrich Isaacs „Virgo prudentissima“ ist ein mehrstimmiges Chorstück, das typisch für die polyphone Musik der Renaissance ist. Die Komposition besteht aus vier oder fünf Stimmen, die in kunstvoller Weise miteinander verwoben sind. Isaac ist durch seine Komposition „Innsbruck, ich muss dich lassen“ bekannt geworden.

Das Konzert hat wieder mal gezeigt: Wer Chormusik aus Renaissance-Zeit liebt, wird an den Tallis Scholars nicht vorbeikommen.




Stummfilmkonzert als besonderes Erlebnis

Die Reihe „Stummfilmkonzerte“ der Dortmunder Philharmoniker erfreut sich nicht ohne Grund großer Beliebtheit. In dieser Spielzeit stand am 23.05.2023 im hiesigen Konzerthaus die deutsche Fassung von Charles Chaplins „The Circus“ in voller Länge auf dem Programm.



Der Film aus dem Jahr 1925 wurde von der Dortmunder Philharmoniker und Tatjana Prushinskaya am Klavier unter der Leitung von Adrian Prabava live mit dem starken Original-Soundtrack untermalt. Dabei überzeugten sie wieder einmal mit viel Feingefühl und gutes Timing. Emotionale Regungen und Gesten wurden ausdrucksvoll verstärkt.

Dieser letzte Stummfilm von Chaplin hat einen etwas bitteren Grundton. Soziale Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch aber auch selbstlose Liebe.

Ein Außenseiter und Tramp (Chaplin) landet durch Zufall beim Zirkus und wird wegen seiner ungewollten Komik zum ausgenutzten Kassenschlager. Er verliebt sich in die Tochter des autoritären Direktors. Seine Chancen bei der hübschen Akrobatin stehen zunächst gut. Dann taucht ein smarter Seiltänzer als Konkurrent auf. Am Ende verzichtet der Tramp zugunsten seiner Angebeteten auf sein persönliches (Liebes-) Glück und geht weiter seines Weges. 

Der Stummfilm voll tragisch-komischen Momenten ist ein Meisterwerk an grotesk- komischen Einfällen, waghalsiger Akrobatik, scharfen Bildern, überraschend moderner Trickfilmtechnik und echten Löwen.

Die Musik im Vaudeville-Stil passte wunderbar zum „Circus“ und die Situationskomik brachte das Publikum im Konzertsaal trotz des tragisch-ernsten Hintergrunds oft zum Lachen.

Es darf sich schon auf Chaplins „Modern Times“ in der nächsten Spielzeit freuen.




Piano Klassik – Wilsing mit viel Genuss

Der vierte und letzte Teil der kleinen Konzertreihe um den Hörder Komponisten Daniel Friedrich Eduard Wilsing (1809 – 1893) am 14.05.2023 im Hörder Bürgersaal, stand unter dem Motto „Piano-Klassik – Wilsing mit Genuss“.



Durch hartnäckige Recherchen von Gerhard Stranz kommen immer weitere neue „Schätze“ und interessante Neuigkeiten zum Wirken dieses, noch bis vor einiger Zeit in Vergessenheit geratenen, Komponisten ans Tageslicht.

Der Genuss bezog sich nicht nur auf das musikalische Programm, sondern auch auf die Möglichkeit zur Teilnahme an einem „Wilsing Schmaus“ im (Cabaret) Queue nach dem Konzert.

Die Dortmunder Philharmoniker servierten zunächst mit den Spitzen-Pianist*innen Tatjana Prushinskaya und Karsten Scholz (beides Repetitoren bei den Dortmunder Philharmonikern) einen musikalischen Hochgenuss.

Nach Grußworten von Jochen Deschner (Vorsitzende Hörde International e.V.), Michael Depenbrock (Bezirksbürgermeister Hörde) sowie Dr. Michael Stille (Orchesterdirektor der Dortmunder Philharmoniker) begann das Programm.

Es begann Gefühlvoll mit den lyrischen Werken von Franz Peter Schuberts (1797 -1828) Impromptu Ges-Dur op. 90 Nr. 3 und As-Dur op. 90 Nr.4 (Karsten Scholz am Piano), sowie der „Suite bergamasque“ von Claude Debussy (1862 – 1918) mit Tatjana Prushinskaya am Klavier.

Mit der Fuge 1, B-Dur aus den „Drei Fugen für das Pianoforte“ von Wilsing, gespielt von T. Prushinskaya, wurde die Vertrautheit mit und Achtung vor Johann Sebastian Bach durch den Hörder Komponisten deutlich.

Eine ganz eigene dynamische Kraft entwickelte sich durch die musikalische Bearbeitung von Ludwig van Beethovens (1770 – 1827) für Klavier zu vier Händen von Daniel F. E. Wilsing. Hier wurden von Beethoven geltende Konventionen und Humor miteinander verbunden.

Das gekonnte Zusammenspiel von Prushinskaya und Scholz begeisterte das Publikum.

Musik von Wilsing kann am 24.06.2023 im Orchesterzentrum (NRW Dortmund) und am 4.8.2023 in der Probsteikirche in unserer Stadt weiter genossen werden.

Übrigens: Das „Revier“ und seine Bewohner als Anregungsquelle für musikalische Entdeckungen haben sich die Dortmunder Philharmoniker für die Spielzeit 2023/2024 vorgenommen.




Klassische Musik zwischen Wien und Edinburgh

Beim 3. Konzert Wiener Klassik mit dem Titel „Von Wien bis Edinburgh“ am 08.05.2023 im Dortmunder Konzerthaus standen Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) und Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 – 1847) und der Bezug zweier ihrer Werke zu diesen Städten im Mittelpunkt.



Außerdem spielte die Klarinette, welche gerade erst zu Mozarts Lebenszeit langsam an Beachtung gewonnen hatte, eine wesentliche Rolle.

Für die Entstehung des Konzerts für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622 am Anfang des Abends war die Begeisterung Mozarts für das Instrument maßgeblich. Die entstand in Wien durch seine Freundschaft zu den Brüdern Stadler, zwei Klarinettenvirtuosen.

Der Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Nabil Shehata stand als Solo-Klarinettistin Alina Heinl (Seit 2020 in dieser Position bei der Dortmunder Philharmoniker) bei diesem Werk zur Verfügung.

Sie meisterte im kongenialen Zusammenwirken mit dem Orchester dieses musikalisch reichhaltige und anspruchsvolle Konzert mit Leichtigkeit und Empathie. Ob virtuose Läufe, gewagten Sprünge, ausdruckstarkes Legato – Spiel  oder etwa der Wechsel zum bewegende, langsame 2. Satz.

Das Werk strahlte eine Stimmung von gelöster Heiterkeit mit einer Portion Wehmut aus.

Die Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 (genannt „Die Schottische“) von Felix Mendelssohn-Bartholdy nach der Pause entstand zehn Jahre nach einem dreiwöchigen Aufenthalt des Komponisten in Edinburgh und der Besichtigung des Holyrood Castles.

Die Klarinette bekam auch hier eine tragende Rolle. So in der Eröffnung des Scherzos. Deren besondere Klangfarbe zieht sich wie ein roter Faden durch die vier ineinander Sätze durch die Sinfonie. Diese sind auf verschiedene Weise thematisch miteinander verwoben.

Das Werk besticht durch seine Wechsel von romantischen musikalischen Abschnitten und dramatischen, bis zum Schluss hymnisch wachsenden Steigerungen. Für die Leistungen aller Beteiligten gab es am Ende viel Beifall vom Publikum.




Musik voll Eleganz, Sinnlichkeit und rhythmischer Kraft

Das 9. Philharmonische Konzert am 25./26.04.2023 stand unter dem Titel „Vom Tellerwäscher zum Millionär“. Das bezog sich aber nach der Programmänderung speziell nur auf den Gershwins „Porgy and Bess – A Concert of Songs“ nach der Pause im Dortmunder Konzerthaus. Ars tremonia war am 25.04.2023  mit dabei.

Das Programm stellte französische und US-amerikanische Musik (erste Hälfte 20. Jahrhundert) gegenüber.

Der Abend begann mit Maurice Ravels (1875 – 1937) „Le Tombeau de Couperin“. Mit dem Tombeau (Grabmal oder Grabstein) greift Ravel die Tradition der französischen Barockmusik auf und huldigt auf seine eigene Art nicht nur ihr, sondern auch dem von ihm verehrten Barockkomponisten Francois Couperin.

Die Dortmunder Philharmoniker unter der schwungvollen Leitung von Dirigent Jordan de Souza füllten die viersätzigen Orchesterfassung des Komponisten mit Leben. Die stilisierten Tanzformen dieses „musikalischen Grabmals“ mit ihren charakteristischen Rhythmen und Bewegungsformen werden auf die ganz eigen von Ravel musikalisch raffiniert und elegant musikalisch verarbeitet.

Es war gleichzeitig ein Gedenken an die im Ersten Weltkrieg ermordeten Menschen.

Es folgte die Huldigung von Claude Debussy (1862 – 1918) an das Meer mit „La Mer. Trois esquisses symphoniques“. Die bis ins letzte Detail ausgeformte Komposition gibt viel Spielraum für Assoziationen. Die drei Sätze wurden von Debussy schon mal (suggestiv) mit Titeln wie „Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer“, „Spiel der Wellen“ und „Dialog zwischen Wind und Meer“ versehen. Auf alle Fälle ein sinnliches Erlebnis für alle Zuhörenden.



Nach der Pause stand als weiterer Höhepunkt George Gershwins (1898 – 1937) „Porgy and Bess – A Concert of Songs. Arrangiert für Sopran, Bariton, Chor und Orchester von Robert Russel Bennett“ auf dem Programm.

Mit der Konzentration auf vier große Szenen in gedrängter Form (14 Songs insgesamt) wurde es zu einem gelungenen Gershwin pur Erlebnis.

Beteiligt daran waren der nicht zum ersten Mal im Konzerthaus aufgetretenen temperamentvolle Chor Brno unter der Leitung von Michael Dvořák, Tatjana Prushinskaya am Klavier und die südafrikanische Sopranistin Pumeza Matshikiza mit ihrer klaren Stimme und Zachariah N. Kariithi (Kenia) mit seinem vollen warmen Bariton. Das wunderbare Zusammenspiel aller Beteiligten sorgte zudem insgesamt für ein gelungenen, und mit viel Beifall bedachten Konzertabend.




„Piano-Klassik –Wilsing mit Genuss“

Eine gemeinsame Veranstaltung von Hörde International e.V. und den Dortmunder Philharmonikern.

Sonntags-Matinee, 14.5.2023, 11.30 – 13.00 Uhr im Hörder Bürgersaal/Hörder Bahnhofstraße 16
Musik von Eduard Wilsings und weiterer Meister der Klaviermusik und danach (ab etwa 13.15/13.30 Uhr) „Wilsing-Schmaus“ im Restaurant/Cabaret Queue Hermannstraße 74.



Auch bei dem 3. Wilsing-Klassik-Konzert im Bürgersaal wieder ein gerade neu entdecktes Werk des Hörder Komponisten Eduard Wilsing im Mittelpunkt stehen. Seine Bearbeitung der 8. Sinfonie von Ludwig van Beethoven in einer Klavierfassung für „4 Hände“ wird eine Überraschung sein. Die Sinfonie ist, ähnlich wie die Werke von Eduard Wilsing, zu Unrecht weniger beachtet worden. Mit 30 Minuten ist es Beethovens kürzeste Sinfonie. In ihr sprudelt es von Humor und überraschenden Wendungen, da sich Beethoven mit seinen Ideen nicht an die damals üblichen Konventionen gehalten hat. So ist dieses Werk gerade im Rahmen der kurzweiligen Matinee am Sonntag passend.
Mit eingängigen Werken anderer Meister der Klaviermusik, nämlich Schubert und Debussy, sowie einer Fuge von Wilsing, die als Frühwerk stark an Bach erinnert, haben Tatiana Prushinskaya und Karsten Scholz ein stimmiges Programm zusammengestellt. Beide sind als Solorepetitorin bzw. Solorepetitor vielbeschäftigte Mitglieder der Dortmunder Philharmoniker.
Ihre Mitwirkung macht erkennbar, dass die Veranstaltung gemeinsam von Hörde International und den Dortmunder Philharmonikern getragen wird und so Dortmunder Philharmoniker in Hörde präsent sein werden.
Wilsing mit Genuss lautet der Titel nicht ohne Grund, denn im Zusammenwirken mit dem Cabaret Queue können Besuchende und Interessierte einen „Wilsing-Schmaus“ genießen.
Nach dem Konzert am 14.5. umfasst der „Wilsing-Schmaus“ ein Hauptgericht (auch vegetarisch) und den damals „typischen“ Nachtisch zum Preis von 16 Euro.
So kann nach dem Konzertgenuss bei einem Austausch zwischen Interessierten und den Musizierenden der Genuss auch noch weitergeführt werden und damit auch Alleinstehenden ein Angebot gemacht werden, sich mit jemandem über das Konzerterlebnis auszutauschen.
Der Eintritt zu dem Konzert ist frei.
Um Spenden für die Wilsing-Veranstaltungsreihe wird gebeten.
Anmeldungen sind erforderlich:
Zum Konzert per Email an: wilsing@hoerde-international.de
Zum Wilsing-Schmaus über die Internetseite des Cabaret Queue: www.cabaretqueue.de oder telefonisch unter: 01514/6245611