Nutcracker 2.0 – Von der Phantastik zum Ballettmärchen und Retour.

Viele alte und moderne Märchen. Kinder und Jugendgeschichten wurzeln im alltäglichen, die diese Geschichten mit der Fantasiewelt und dem Übernatürlichen verbinden. So auch der Nußknacker. Der Nußknacker ist frühes Beispiel dafür, dass diese Erzählungen so geschrieben sind/wurden, dass sie auch Erwachsene in ihren Bann ziehen und können.



Die Geschichte vom Nussknacker ist ein echter Weihnachtsklassiker und wurde schon auf vielen Bühnen, Filmen und Zeichentrickfilmen dieser Welt erzählt. Mal gut, mal besser, mal naja, mal oh Gott … diese Fusion aus Klassik und elektronischer Musik mit Schauspiel aber ist phantastisch!

In der Version der Dortmunder Philharmoniker hat sich Birgit Eckenweber auf die Erzählung von E.T.A. Hoffmann von 1816 besonnen.

Die junge Klara bekommt am Weihnachtsabend einen Nussknacker geschenkt, der plötzlich in ihrer Fantasie lebendig wird. Im Traum nimmt der Nussknacker, der sich in einen Prinzen verwandelt, das Mädchen mit auf eine fantastische Reise in eine fremde, jedoch auch unheimliche Märchenwelt, die zudem auch brutal sein kann. In dieser Welt sind die Grenzen zwischen hell und dunkel, zwischen Gut und Böse unklar und verschwommen. Wie auch noch die Napoleonischen Kriege in der Erzählung nachhallen. Dieser Stoff hatte Peter Tschaikowsky zu seinem berühmten Ballett angeregt, dessen Musik wir auf eine ganz neue Weise entdecken: voller Groove!

Mit den Dortmunder Philharmonikern sind zwei Musiker aus der Berliner Clubszene, Niels Poensgen und Julius Rülke, ins Boot geholt worden, die die beliebte Nussknacker-Suite von Peter Tschaikowsky mit ihren ganz besonderen Sounds kombinieren. Dabei tragen sie das Stück in das hier und heute.

In der Groove-Symphonie Fassung von Birgit Eckenweber wird die Geschichte des Nußknackers frei nacherzählt und mit den Elektrosounds von Poensgen und Rülke an das Heute herangeführt. Klara ist eine Jugendliche von Heute, der eine Männergestalt gegenübersteht, in der sich drei Charaktere offenbaren: der Dark Lord, wie aus einem Fantasy oder Sciencefiction Roman, der Nußknacker selbst, der verwandelte Prinz und der Erzähler E.T.A. Hoffmann, der seinen Text mit Anspielungen und Zitaten aus der Nußknacker Erzählung spickt.

Während der Aufführung entstanden im Kopf unweigerlich die verschiedensten Bilder aus den unterschiedlichsten Aufführungen und Darbietungen des Nußknackers, die man bisher gesehen hatte, und doch war man sogleich wieder im Heute im Konzerthaus bei der aktuellen Aufführung.

Unterstützt wird die Nacherzählung durch eigene visuelle Effekte, dargestellt durch Irina Usova und Julian Sinclair Jäckel. Dabei kommt eine klassische Geschichte heraus, die nah an der Fantasy steht: Nutcracker goes Twilight!

Das Ende der Geschichte ist offen … War es ein Traum? Was geschah tatsächlich?

Tatsächlich haben uns aber die Dortmund Philharmoniker unter dem Dirigat von Olivia Lee-Gundermann eine phantastische und musikalisch vollendete Traumreise geboten die das Publikum mit Begeisterung aufgenommen hat.

Schauspieler*innen                Irina Usova, Julian Sinclair Jäckel
Live-Elektronik                        Niels Poensgen, Julius Rülke

Dortmunder                           Philharmoniker

Buch und Regie                      Birgit Eckenweber
Dirigat                                    Olivia Lee-Gundermann




Scherbergartenidylle – 4. Philharmonisches Konzert

Moritz Schreber (1808-1861) hat nicht nur seltsames orthopädisches Gerät erfunden, er war auch ein Vertreter der „schwarzen Pädagogik“. Bekannt ist er als der Namensgeber der heutigen Schrebergärten, die in Großstädten das Stadtbild prägen. Natürlich auch im Ruhrgebiet. Das 4. Philharmonische Konzert unter der Leitung von GMD Gabriel Feltz am 05. und 06. Dezember 2023 widmete sich diesem Thema.



Gute Wölfe kommen in Schrebergärten noch relativ selten vor, aber „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew ist immer ein Genuss, vor allem, wenn Bruno Knust die Geschichte vorliest und sprachlich damit in Dortmund ansiedelt.

„Peter und der Wolf“ ist ein musikalisches Märchen für Kinder, das der russische Komponist Sergei Prokofjew im Jahr 1936 geschrieben hat. Das Werk kombiniert Orchester- und Erzählerstimmen. Jedes Tier und auch Peter selbst werden durch spezifische Instrumente im Orchester repräsentiert. Die Ente wird beispielsweise durch die Oboe dargestellt, die Katze durch die Klarinette, der Vogel durch die Flöte und Peter durch die Streicher. Der Wolf wird durch drei Hörner dargestellt.

Es war ein vergnüglicher Auftakt für das Konzert, ein Klassiker, den man immer wieder gerne hören kann.

Nach der Pause konnten die Dortmunder Philharmoniker so richtig ihr Können zeigen. Auf dem Programm stand die komplette Ballettmusik zu „Daphnis und Chloé“ von Maurice Ravel. Das Ballett erzählt die Geschichte von Daphnis und Chloé, zwei jungen Hirten, die sich ineinander verlieben. Die Musik zu „Daphnis et Chloé“ ist besonders bekannt für ihre raffinierte Orchestration und die Verwendung eines Chores. Der Chor beim Philharmonischen Konzert bestand aus dem CHORWERK RUHR, Kammerchor der TU Dortmund und Mitglieder des Opernchors des Theaters Dortmund.

Beeindruckend ist vor allem der dritte Teil, der „Danse générale“. Der dritte Teil beginnt mit einem lebhaften und animierten Abschnitt, der die lebendige Handlung des Balletts darstellt. Die Musik durchläuft verschiedene Stimmungen und Themen, die den Fortgang der Geschichte begleiten. Der Chor verleiht dem Stück zusätzlich eine majestätische Dimension.




Superstimmung bei Youngsters Unplugged

Im Operntreff der Dortmunder Oper feierte das partizipative Projekt am 06.12.2023 mit der Filmmusik-Revue „A Night with the Movies“ seine Premiere.



Mit zusätzlicher Unterstützung eines erfahrenen Ensemblemitglieds der hiesigen Oper brachte das Ensemble OpernYoungsters plus OpernKids eine gelungene musikalische Revue mit witzigen Moderationen nahe am Publikum auf die Bühne. Als „Special Guest“ kein geringerer als Sungho Kim vom Opernensemble mit seiner grandiosen Stimme auf.

Freddy Kutz und die OpernYoungsters, Foto: (c) Björn Hickmann
Freddy Kutz und die anderen OpernYoungsters, Foto: (c) Björn Hickmann

Musikalisch begleitet wurde das Programm souverän vom Projektorchester und-Band unter der Leitung von Karsten Scholz, der auch selbst am Piano mitspielte.

Ein großes Kompliment für die wunderbaren Arrangements gebührt Florian Koch sowie Student*innen der TU Dortmund.

Musikalisch wurde eine große Vielfalt an bekannten Songs aus Kino und Fernsehen der vergangenen Jahre bis hin zu aktuellen wie aus der Serie „Babylon Berlin“.

Viele der mitwirkenden jungen Nachwuchssänger*innen stellten überzeugten mit ihren starken Stimmen und Talent zum Entertainment. Auch die OpernKids bis hin zu ihrem Jüngsten waren mit Ernsthaftigkeit und Freude bei der Sache. Wir werden sicher in der Zukunft noch einiges von ihnen hören.

Am Ende hielt es das Publikum nicht mehr auf ihren Stühlen und sie wurden gemeinsam mit allen Beteiligten zum Mitmachen bei „Shout“ (Animal House) animiert.

Es zeigte sich wieder einmal, wie wichtig partizipative oder aber auch Crossover-Projekte für die Zukunft im Bereich Oper, Theater oder Ballett sind. Für über zwei Stunden konnte man die Sorgen und Krisen auf der Welt kurze Zeit vergessen.

Informationen für weitere Aufführungstermine erhalten Sie über www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/ 50 27 222.

Sungho Kim wechselt sich übrigens mit seinem Kollegen und frisch gekürten Kammersänger Morgan Moody bei den Vorstellungen ab.




Naghash Ensemble – neue armenische Musik mit alten Texten

Am 01. Dezember 2023 gab es wieder ein außergewöhnliches Konzert im Rahmen der Festivalreihe „Klangvokal“. Dieses Mal entführte uns das Naghash Ensemble nach Armenien. John Hodian, der Komponist, Pianist und Kopf des Ensembles, kombinierte mittelalterliche Texte und zeitgenössische Musik.



Wie soll ich die Musik vom Naghash Ensemble beschreiben? Vielleicht passt Progressive Folk. Denn in den Spielarten von Progressive Rock oder Progressive Metal mischen sich verschiedene Ebenen, die Tempi wechseln, mal wird es lauter, dann wieder leiser. Diese verschiedenen Ebenen und Strukturen finden sich auch in der Musik von John Hodian wider. Es sind halt nicht die 3‘30‘‘ Stücke, sondern Hodian sucht behutsam die besondere Magie der Texte, auf die er seine Melodien baut.  

Folk ist vielleicht ein einfacherer Begriff, denn die Musiker spielen traditionelle Instrumente. Arak Nikoghosyan spielt Oud, das auch in der arabischen Welt bekannt ist, Tigran Novhansisyan ist ein Meister an Dhol und Dumbek und Harutyun Chkolyan lässt die armenischen Holzblasinstrumente wie Duduk, Zurna, Schwi und Pku erklingen. Derade Chkolyans Spiel lässt sofort eine melancholische Stimmung entstehen.

Das alleine wäre schon faszinierend genug, doch das Naghash Ensemble besteht noch aus drei Sängerinnen, die es mit Leichtigkeit schaffen, die mittelalterlichen Texte mit Seele zu erfüllen. Hasmik Baghdasaryan (Sporan), Tatevik Movsesyan (Sporan) und Arpine Ter-Petrosjan (Alt) verzauberten durch ihren Gesang.

Ein toller Abend mit exzellenten Musikern und Sängerinnen. Eine spannende Melange aus mittelalterlichen Texten und zeitgenössischer Musik, sehr viele Folkelemente und eine gehörige Portion armenischer Melancholie.




3. Philharmonische Konzert – Aus dem Taubenzüchterland

Auch wenn ein Drittel aller Brieftaubenzüchter im Ruhrgebiet leben, es werden halt immer weniger, die dieses Hobby pflegen. Wer sich jetzt aber fragt, geht es eigentlich nicht um Musik? Ja, weil das diesjährige Motto der Dortmunder Philharmoniker irgendwas mit Ruhrgebiet ist, wurden Themen gesucht, die mit dem Ruhrgebiet in Verbindung gebracht werden. Das vergangene Mal war es Stahl, beim 3. Philharmonischen Konzert sind es die Brieftauben.



Gespielt wurden Werke von Dvořák und Korngold, beide nicht aus dem Ruhrpott, aber zumindest hat Dvořák etwas über Tauben komponiert, nämlich „Die Waldtaube“. Die Philharmoniker unter der Leitung von Christoph Altstaedt spielten zum Auftakt den ersten Satz der „Waldtaube“. Ein Werk mit lyrischen Passagen und dramatischen Momenten, typisch für Dvořáks Fähigkeit, folkloristische Elemente mit orchestraler Pracht zu verbinden. 

Das zweite Stück war das Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold. Als Solistin zeigte Anna Tifu, dass sie das technisch anspruchsvolle Stück beherrschte. Das Konzert zeigt eine spätromantische Klangwelt, die mit üppigen Orchesterklängen, farbenreichen Harmonien und expressiven Melodien gefüllt ist. Da Korngold auch ein Oskar-Preisgekrönter Komponist war, wirkt das Violinkonzert wie eine Brücke zwischen klassischer Musik und Filmmusik.

Nach der Pause wurde wohl das bekannteste Werk von Dvořák gespielt: Die 9. Sinfonie oder auch „Aus der Neuen Welt“. Die Sinfonie selbst könnte als Filmmusik zu jedem Western dienen und besitzt irrsinnig schöne Melodien. Der berühmte zweite Satz, das „Largo“, enthält eine der bekanntesten Melodien von Dvořák. Dieser Satz wurde auch als eigenständiges Stück unter dem Titel „Goin‘ Home“ bekannt. 

Dvořák benutzt in seiner Komposition Einflüsse aus Spirituals, indianischer Musik und afroamerikanischer Melodien, denn die USA waren und sind ein Schmelztiegel der Kulturen. Und hier ist wieder ein Brückenschlag zum Ruhrgebiet zu erkennen. Auch dieses Gebiet ist seit der Industrialisierung zu einem Schmelztiegel geworden.




I Gemelli – Seufzer der Liebe aus dem 17. Jahrhundert

Ja, so ist das mit der Liebe. Er liebt sie, sie aber ihn nicht. Dieses Gefühlschaos gibt es sicher schon seit Urzeiten, aber beim Konzert von „I Gemelli“ am 10. November 2023 im Rahmen des Festivals Klangvokal, konzentrierten sich die Mitwirkenden auf die italienische Musik des 17. Jahrhunderts. Gespielt wurde also Musik aus dem Dunstkreis von Monteverdi, ohne dass ein Stück von ihm gespielt wurde.



Die enttäuschten Liebhaber wurde wahlweise von Emilliano Gonzales Toro oder Anders Jerker Dahlin gesungen. Ab und an trösteten sich beide Tenöre gegenseitig wie beispielsweise beim Trinklied „Damigella tutta bella“, das von Vincento Calestani stammt, der sich aber von Monteverdi hat inspirieren lassen.

In der Oper gibt es häufiger das Beispiel des älteren Mannes, der sich in ein junges Mädchen verliebt, sehr um Unwillen der jungen Frau, die natürlich einen Gleichaltrigen bevorzugt. In „La vecchia immamorata“ (Die verliebte alte Frau) von Biago Marini ist es umgekehrt. Hier wird der (junge?) Mann von einer liebestollen älteren Frau verfolgt, während ihn das junge Mädchen verschmäht.

Und so setzten sich die unzähligen Liebesdramen durch das Programm fort, das durch Toro und Dahlin mit Witz und Humor begleitet wurden. Das Ensemble „I Gemelli“ schaffte es spielend, den Reinoldisaal musikalisch ins 17.Jahrhundert zu bringen. Obwohl ich bei „Damigella tutta bella“, das auch als Zugabe gespielt wurde, liebend gerne in einer italienischen Taverne gewesen wäre.




Isata Kanneh-Mason – Klaviermusik zum Schwelgen

Wer Lobeshymnen in Zeitungen wie der „Süddeutschen“ oder „Zeit“ bekommt, wie die Pianistin Isata Kanneh-Mason, muss schon etwas Besonders sein. Und die „junge Wilde“ wurde bei ihrem Konzert am 26.10.23 im Dortmunder Konzerthaus ihrem Ruf gerecht. Ihr Klavierspiel ist kraftvoll und emotional und sie vermag es, die Zuhörer mit ihrer virtuosen Technik und ihrem musikalischen Ausdruck zu fesseln.



Auf dem Programm standen verschiedene Stücke aus Klassik und Romantik auf dem Programm. Den Beginn machte die Klaviersonate in C-Dur von Joseph Haydn. Die Sonate ist lebhaft und voller Kontraste zwischen den Sätzen.

Danach folge die Ostersonate von Fanny Hensel, die lange ihrem Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy zugeschrieben wurde. Die „Ostersonate“ ist ein beeindruckendes Beispiel für Fanny Hensels Beitrag zur Musik des 19. Jahrhunderts und zeigt ihre Fähigkeit, gefühlvolle und ausdrucksstarke Klaviermusik zu komponieren.

Nach der Pause wurde es Zeit für ein bekanntes Werk für Klavier. Einzelne Melodien aus den „Kinderszenen“ von Robert Schumann wurden für Werbung benutzt, beispielsweise die „Träumerei“. Die „Kinderszenen“ bestehen aus 13 kürzen Sätzen. Jeder Satz ist wie ein kleines musikalisches Porträt, das die kindliche Vorstellungskraft, Emotionen und Erlebnisse einfängt. Die Stücke reichen von fröhlich und verspielt bis nachdenklich und träumerisch.

Danach wurde es fordernder: Die Sonate für Klavier Nr. 3 von Chopin zeichnet sich durch ihre bemerkenswerte thematische Entwicklung, expressive Tiefe und die Vielfalt der musikalischen Ausdrucksmittel aus. Sie stellt hohe Anforderungen an den Pianisten in Bezug auf Technik, Ausdruck und Interpretation. Alles das lies Kanneh-Mason spielerisch leicht aussehen. Ihr Spiel ist beeindruckend und inspirierend.




2. Philharmonisches Konzert – Stahlkochen im Konzerthaus

Früher galt in Dortmund folgender Dreiklang: Kohle, Stahl und Bier. Die Kohle ist lange Vergangenheit, die Zeit der großen Stahlwerke in Dortmund ist auch vorbei, nur beim „echten“ Dortmunder Bier scheint es eine leichte Renaissance zu geben.



Bleiben wir aber beim Stahl. Das Arbeiten in einem Stahlwerk ist wenig romantisch. Es hat mehr mit Maschinen, Lärm und harten Männern zu tun. Kein Wunder, dass es bei Künstlergruppen wie beispielsweise dem Futurismus Anfang des 20. Jahrhunderts beliebt war, solche Dinge zum Kern ihrer Arbeit zu machen. Auch in der Musik fanden Komponisten den Klang der Arbeit faszinierend.

Zu Beginn des 2. Philharmonischen Konzertes erklang Alexander Mossolow. Das Stück „In der Eisengießerei“ (im Original „В чугунолитейном цехе“) wurde 1926 komponiert und ist ein charakteristisches Beispiel für Mossolows avantgardistischen Stil. „In der Eisengießerei“ ist geprägt von dissonanten Akkorden, harten Rhythmen und einem avantgardistischen, fast mechanischen Klavieranschlag. Die Musik erzeugt eine Atmosphäre von Arbeit, Maschinen und technologischem Fortschritt. Es ist ein faszinierendes Stück, das die künstlerische Auseinandersetzung mit der industriellen Revolution und der Veränderung der Welt in der sowjetischen Gesellschaft der 1920er Jahre widerspiegelt.

Da auch Stahlarbeiter mal eine Pause brauchten, wurde es romantisch. Das Klavierkonzert Nr. 2 von Sergei Rachmaninow ist ein Paradebeispiel für die romantische Musik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Es ist geprägt von intensiven emotionalen Ausdrücken und melodischer Schönheit. Diese Aspekte zeigte der Solist Nikolai Lugansky in seiner vortrefflichen Interpretation. Schließlich erfordert das Klavierkonzert außergewöhnliche technische Fähigkeiten vom Solopianisten.  Das Konzert steht in c-Moll, was zu einer allgemein düsteren und intensiven Stimmung beiträgt. Rachmaninow verarbeitet in diesem Werk seine eigenen emotionalen und persönlichen Konflikte

Nach der Pause ging es wieder zu Arbeit. „Le pas d’acier“ ist ein Ballett in zwei Akten, das vom russischen Komponisten Sergei Prokofjew komponiert wurde. Es wurde im Jahr 1927 uraufgeführt. Der Titel „Le pas d’acier“ bedeutet „Der Stahlschritt“ und bezieht sich auf die industrielle und technologische Entwicklung der Zeit, die das Ballett thematisiert. Die Musik ist rhythmisch, dynamisch und nutzt verschiedene Orchesterfarben, um die industrielle Umgebung darzustellen.

Den Schlusspunkt setzte ein „Stahlross“. „Pacific 231“ ist eines der bekanntesten Werke von Honegger und gehört zu den klassischen Beispielen für die musikalische Darstellung von Maschinen und Technologie in der Musik des 20. Jahrhunderts. Der Titel bezieht sich auf eine bestimmte Art von Dampflokomotive, die als „Pacific“ bekannt ist und 231 als Klassifikationsnummer hatte. Die Musik ist geprägt von rhythmischen und dynamischen Variationen, die den Eindruck von Dampf, Geschwindigkeit und mechanischer Bewegung erwecken.

Nach dem Konzert wurde Gabriel Feltz für 10 Jahre Generalmusikdirektor in Dortmund geehrt.




30. Jazztage Dortmund 2023

Die 30. Jazztage Dortmund sind eine kuratierte Konzertreihe mit 15 Veranstaltungen in 4 Wochen. Ein Hörfenster der Spielarten des Jazz und der zeitgenössischen improvisierten Musik, das vor „Ausflügen“ in umliegende Gefilde nicht zurückschreckt. Und auch gesellschaftliche und politische Themen spiegeln sich im Programm.



Mit Black Lives kommt ein Kollektiv nach Dortmund, dass sich ganz dem Kampf gegen Rassismus und für soziale Gerechtigkeit durch ihre Musik verschrieben hat: A collective of artists who are continuing to fight for equality and social justice through music. Der aus Odessa stammende Pianist und Komponist Vadim Neselovskyi reflektiert in seiner Suite „Ukrainian Diary“ zusammen mit dem von geflüchteten ukrainischen Musikerinnen neu gegründeten Myria Ensemble seine Empfindungen gegenüber des andauernden russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Die Ruhrgebiets-Band The Sephardics bearbeitet sephardische Musik, die ihren Ursprung im 16. Jahrhundert hat und traditionell geprägt wurde durch die als Sepharden bezeichneten Nachfahren iberischer Juden. Sie kooperieren hier erstmals in einem besonderen Projekt mit dem kurdischen Electro-Disco-Trio Biensüre aus der hippen Hafenstadt Marseille.  

Neben den vielen weiteren Konzerten mit einer stilistischen Spannbreite von Modern Jazz über Improvisationsmusik und experimentell-elektronische Klangwelten über französische Jazz-Chansons bis hin zu brasilianischem Latin-Pop seien noch besonders erwähnt die diesjährigen Kooperationspartner Folkwang Jazz, das junge Dortmunder Kollektiv Bunt oder Blau, das Kollektiv The Dorf und das Tanzcafé Oma Doris als kooperativer Spielort im Musikquartier Brückviertel sowie die Familienkonzertreihe SOUNDZZ. Das Doppelkonzert am Eröffnungsabend wird eingerahmt von der Vernissage der Foto-Ausstellung „Women in Jazz“ von Frank Schindelbeck.

Weitere Informationen zum Programm und den Eintrittspreisen finden Sie unter der Internetseite: https://www.domicil-dortmund.de/jazztage-dortmund.html

 




Eine Reise der Dortmunder Philharmoniker in das Land des Brexits

Der Brexit hat uns alle betroffen gemacht und wird uns wohl noch sehr lange beschäftigen. Vor allem die Briten. Die Folgen sind jetzt schon verheerend … und der Bestand des Restempires ist wohl gezählt. Der den Briten nachgesagte ökonomische Verstand hat in Brexit Kampagne aus Xenophobie versagt … ein Vorgeschmack für die Gefahr einer Braunaue*rinnen Regierung.



Trotz allem gibt es Gründe genug einen musikalischen Ausflug über den trennenden Ärmelkanal zu machen. Wobei sich die Briten gerne kontinentaleuropäische Musiker an den Hof holten … bis wir den Beatles Britpop erleben durften. Oder … da war was davor.

Eröffnet wurde das Konzert am 09. Oktober 2023 von Beethovens Variationen zu „God Save the King“ für ein Solo Klavier. Dem Hannoveraner George und der mecklenburgisch-portugiesischen Charlotte mit afrikanischen Wurzeln würde es gefallen haben. Wundervoll gespielt vom Dirigat Christian Zacharias.

Die Londonreise von Beethoven mit seinem Lehrer Haydn zerschlug sich, aber sein Faible für England blieb bestehen. Und er war auf der Insel dann auch kein Unbekannter geblieben. Seine Stücke erschienen auf der Insel im Druck. Auf dem Kontinent baute er immer wieder Elemente mit klarem Bezug zur Insel ein.

Es folgten unsere Brexiteers: Edgar Elgar und Benjamin Britton.

Zuerst spielten die Dortmunder Philharmoniker die Serenade für Streicher e-Moll op. 20 von Edgar Elgar und anschließend Les Illuminations op. 18 von Benjamin Britton. Die Texte stammen von Arthur Rimbaud, die hervorragend von Rinnat Moriah gesungen wurden … unter einer infernalischen Belastung nach dem Überfall der Hamas am vorhergehenden Samstag dieses Oktobers.

Elgar, der, im Gegensatz zu Britton, nie einen Kompositionsunterricht erhielt, kann man ein Naturtalent nennen. Elgar ist mit dem Empire wie kein anderer verbunden, was auch seine Komposition „Land of Hope and Glory“ als inoffizielle Hymne zeigt. Er ist aber nicht zwingend der staatstragende Komponist, da er im klassenbetonten England von der Oberschicht nie anerkannt wurde. Das dreisätzige, 12-minütige Stück, einfühlsam intoniert und dirigiert, zeigt entfernte Echos von Felix Mendelsohn Bartholdy … gefesselt wird der Hörer aber schon mit den ersten Tönen der Serenade, die sich im dritten Satz echogleich wiederholen. Es wiederholt sich nicht einfach, sondern rundet die Serenade wunderbar ab.

Britton … sorry nicht mein Bier, ABER: Britton hatte eine seriöse Komponistenausbildung und wurde einer der Vertreter der Moderne. Britton, ein überzeugter Sozialist und Pazifist ging 1939 in die USA, segelte aber über den Teich zurück, da wohl doch zu tief dort verwurzelt. Die USA waren damals schon alles andere als sozialfreundlich oder pazifistisch … Nach Pearl Harbour kann man für uns nur sagen: Gott sei Dank.

Der von den Dortmunder Philharmonikern nun gespielte und von Moriah gesungene Orchesterlied-Zyklus Les Illustrations ist „strange“ und begeisterte Britton Fans zu Recht. Ich selber hatte weniger Freude daran, auch ein wenig wegen Rimbaud, der auch nicht mein Fall ist … Man kann nicht alles haben! Aber trotzdem eine fantastische Darbietung von Moriah und unseren Philharmonikern.

Von der verlassenen Insel geht der Bogen wieder zurück auf den Kontinent, nach Wien und zu Wolfgang Amadeus Mozart und seiner beschwingten 18. Jahrhundert Popmusik … Britpop heute, Wienpop damals. Die Philharmoniker intonierten die Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550, 1. Fassung. So seine eigene 2. Fassung mit zwei Klarinettenstimmen.

Die Sinfonie KV 550 gehört zu den bekanntesten Werken Mozarts. Bereits um 1800 war sie beim Publikum hochgeschätzt, was sich auch in einer Vielzahl von Bearbeitungen ausdrückte. In der Popmusik wurden mehrfach Teile der g-Moll-Sinfonie adaptiert und bearbeitet. 1971 wurde der erste Satz als Popversion von Waldo de los Ríos zu einem Singlehit in Großbritannien und Deutschland. Ich hatte damals die LP und liebte dieses Crossover. Aber auch in der TV Werbung ertönte diese Sinfonie, so die Telekom, ein Kaffeeröster und andere andere. Die Sinfonie bildet eine Trias mit No. 39 und 41. Diese drei Sinfonien wurden aber erst nach seinem Tod erst gedruckt.

Beschwingt spielten die Dortmunder Philharmoniker unter dem Dirigat von Zacharias die Sinfonie … und mit geschlossenen Augen hätte man sich in ein Konzert am Ende des 18. Jhdt. versetzen können. Die Intensität der von Mozart beabsichtigten Ausdruckskraft wurde gekonnt und ausbalanciert wie die Sinfonie selber durch die Philharmoniker gespielt und ließ mitreißen … so sehr, dass das Publikum mit seinem Applaus nicht sparte … Also nicht nur wegen Mozart, aber die Sinfonie trug ihren Anteil an der Begeisterung.