Von lyrisch bis dramatisch – Die Cellistin Julia Hagen

Am 25. September 2024 eröffnete Julia Hagen die neue Spielzeit der „Jungen Wilden“ im Konzerthaus Dortmund. Die neuen „Jungen Wilden“ werden sich drei Spielzeiten lang in unterschiedlichen Besetzungen und Programmen präsentieren. Denn Anfang machte Julia Hagen mit der Pianistin Annika Treutler.

Denn Anfang machte Robert Schumanns, Fantasiestücke für Cello und Klavier op. 73. Obwohl die ursprüngliche Besetzung für Klarinette und Klavier gedacht war, wird die Cello-Version oft als besonders einfühlsam und innig empfunden, da das Cello durch seine Klangfarbe gut zur melancholischen und gefühlvollen Stimmung des Werks passt.

Julia Hagen begeisterte das Publikum im Konzerthaus Dortmund. (Foto: (c) Simon Pauly)
Julia Hagen begeisterte das Publikum im Konzerthaus Dortmund. (Foto: (c) Simon Pauly)

Einen Dialog zwischen Cello und Klavier schuf Ludwig van Beethovenmit seiner Sonate für Klavier und Violoncello Nr.3 in A-Dur. Die Sonate vermittelt einen optimistischen, kraftvollen Charakter, der typisch für Beethovens mittlere Schaffensphase ist, und verbindet lyrische Schönheit mit technischer Virtuosität. Julia Hagen und Annika Treutler schufen gemeinsam ein Klanggebilde, das im Finale zu einem energiegeladenen Ende führte.

Vielschichtiges Werk von Schostakowitsch

Nach der Pause ging es mit einem kleinen Stück weiter: Bohuslav Martinůs Variationen für Cello und Klavier über ein Thema von Rossini (1942) sind ein charmantes und lebendiges Werk, das humorvolle und virtuose Elemente verbindet. Die Komposition basiert auf einem Thema aus Rossinis Oper „Moses in Ägypten“, das Martinů mit seiner charakteristischen Leichtigkeit und Einfallsreichtum verarbeitet. Die rhythmischen Überraschungen wurden von den beiden Musikerinnen mit Bravour gemeistert.

Dmitri Schostakowitschs Sonate für Cello und Klavier in D-Moll, op. 40, aus dem Jahr 1934, ist ein emotional vielschichtiges Werk, das verschiedene Stile und Stimmungen miteinander verbindet. Sie gehört zu den frühen Werken des Komponisten und wurde während einer Zeit persönlicher und politischer Umbrüche geschrieben. Persönlich, weil sich seine Ehe mit Nina Varzar in einer Krise befand und politisch, weil Stalins Politik immer repressiver wurde.

Beeindruckend war vor allem der dritte Satz, das Largo. Eine tiefe, introspektive Elegie, die düstere und klagende Töne anschlägt. Diese Intensität wurde von Julia Hagen und Annika Treutler gut herausgearbeitet.

Als Zugabe spielten die beiden noch „Du bist die Ruh“ von Franz Schubert.

Julia Hagen begann im Alter von fünf Jahren mit dem Cellospiel und erhielt ihre Ausbildung bei namhaften Lehrern wie Heinrich Schiff und Jens Peter Maintz. Im Laufe ihrer Karriere trat sie mit renommierten Orchestern und bei großen Festivals auf. Ihre musikalische Interpretation reicht von klassischen Werken bis hin zu modernen Kompositionen, und sie ist eine begeisterte Kammermusikerin. Julia Hagen spielt auf einem wertvollen Cello von Francesco Ruggieri aus dem Jahr 1684.




Pop trifft Philharmonie: Stefanie Heinzmann begeistert mit musikalischer Vielfalt

Die Dortmunder Philharmoniker luden am 23.09.2024 unter dem Titel „Pop Symphonie“ zum 1. Konzert für junge Leute der neuen Spielzeit ein.
Im Konzerthaus kam es zu einem spannenden Zusammentreffen von Pop-Songs der stimmgewaltigen Schweizer Sängerin Stefanie Heinzmann und der musikalisch starken Live-Begleitung durch die Philharmoniker.
Für den Abend mussten die insgesamt vierzehn Songs speziell neu arrangiert werden. Diese Arrangements wurden einfühlsam von Miki Kekenj erstellt, der gleichzeitig auch als Dirigent mit seinem „Zauberstab“ auf der Bühne agierte. Übrigens absolvierte Kekenj vor einigen Jahren ein Praktikum bei den Dortmunder Philharmonikern.

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Stefanie Heinzmann war nicht alleine auf der Bühne. Eva Schäfer und Leslie Jost unterstützten sie tatkräftig mit ihren kraftvollen Stimmen.

Emotionale Einblicke und kraftvolle Stimmen

Es ist erstaunlich, welche positive Power und Präsenz die zierliche, fragil wirkende Sängerin in ihrem luftigen Kleid auf die Bühne brachte.
Das Publikum erfuhr während der zahlreichen kurzen Gespräche zwischen Stefanie Heinzmann und Kekenj auch einiges über den persönlichen Hintergrund der Songs und das Leben der Künstlerin.
So erzählte sie unter anderem von ihrer selbstzerstörerischen Teenagerzeit und ihren Problemen mit der Selbstliebe. Besonders im Song „Little Universe“ geht es darum, das „kleine Universum“ in sich selbst und bei geliebten Menschen zu finden. Denn nur, wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben.
Das Thema, über sich selbst hinauswachsen zu müssen, behandelt der Song „Bigger“.
Musikalisch überzeugte das Programm durch seine Vielfalt – mal nachdenklich ruhig, dann wieder eruptiv und aufbrausend, wechselnd zwischen Pop, Funk und Soul.
Das Publikum wurde immer mehr in den Bann gezogen, und am Ende gab es verdientermaßen Standing Ovations.




Vom Barock bis zum Swing: Blechbläser verzaubern im Phoenix des Lumières

Das erste Kammerkonzert der neuen Spielzeit brachte einen spannenden musikalischen Bogen über Jahrhunderte – von den barocken Klängen Giovanni Gabrielis bis hin zu den schwungvollen Rhythmen des Jazz und Swing. Besonders der zweite Teil des Abends stand ganz im Zeichen von George Gershwin und weiteren Jazz-Einflüssen.

Gestaltet wurde das Konzert von fünf Blechbläsern: Daniel Hufnagel und Mitsugo Hotta (beide Trompete), Jan Golebiowski (Horn), Dirk Ellerkamp (Posaune) und Thomas Kerstner (Tuba). Mit ihrem Zusammenspiel verliehen sie den Werken sowohl historischer als auch moderner Komponisten einen unverwechselbaren Klang.

Die fünf Blechbläser der Dortmunder Philharmoniker machten gute Stimmung im Phoenix des Lumières.
Die fünf Blechbläser der Dortmunder Philharmoniker machten gute Stimmung im Phoenix des Lumières. Foto: (Rainer Sturm / pixelio.de)

Musik im Dialog mit visueller Kunst

Wie schon in der vergangenen Saison fand das Konzert im Phoenix des Lumières statt – einem Ort, der sich durch die Kombination von Musik und eindrucksvollen, projizierten Kunstwerken auszeichnet. Der Raum, geflutet von riesigen, leuchtenden Bildern, bot den perfekten visuellen Rahmen für die Darbietungen. So wurde Giovanni Gabrielis „Canzona per sonare II“ von prächtigen Projektionen venezianischer Architektur begleitet, während Samuel Barbers „Adagio for Strings“ in eine melancholische blaue Lichtstimmung getaucht wurde – eine subtile, aber kraftvolle visuelle Untermalung der Bläserbearbeitung dieses Streichwerks.

Nach der Pause: Jazz und Swing im Zeichen von Gershwin und Jobim

Nach der Pause eroberte der Jazz die Bühne. George Gershwins unvergängliche Melodien eröffneten und schlossen den zweiten Teil des Programms, wobei das Quintett die Werke mit schwungvoller Leichtigkeit und Präzision präsentierte. Luther Henderson, Harry DeCosta und Herbert Meyer ergänzten das Programm mit weiteren swingenden Beiträgen. Besonders Thomas Kerstner am „Tuba Tiger Rag“ brachte das Publikum zum Staunen, als er die Tuba „von der Leine ließ“.

Einen Hauch Südamerikas brachte Antônio Carlos Jobims „One Note Samba“, der den Raum in tropische Farben tauchte. Passend dazu projizierte man an die Wände ein Bild eines Leguans, das an die Formenwelt Gaudís erinnerte – ein faszinierendes Detail, das die Verbindung zwischen Musik und visueller Kunst im Phoenix de Lumières auf die Spitze trieb.

Ein beeindruckender Konzertabend mit kleinen Hürden

Der Abend bot nicht nur ein akustisches, sondern auch ein visuelles Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Die fünf Musiker präsentierten ein vielseitiges Programm, das die Vielfalt der Blechbläsermusik auf höchstem Niveau zeigte. Einziger Wermutstropfen: Die Anbindung des Phoenix des Lumières bleibt ausbaufähig, was den Zugang zu diesem außergewöhnlichen Kulturort erschwert. Es bleibt zu hoffen, dass sich hier bald etwas verbessert, damit mehr Menschen die außergewöhnliche Atmosphäre in diesem Ambiente erleben können.




Klangvolle Eröffnung: Brahms und Schumann im 1. Philharmonischen Konzert der neuen Spielzeit

Das 1. Philharmonische Konzert unter dem Titel „Dem Himmel entgegen“ in der neuen Spielzeit 24/25 am 18. und 27. September 2024 präsentierte zwei Klassiker der Konzert- und Orchesterliteratur. Gespielt wurden das 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms und die Sinfonie Nr. 3 von Robert Schumann. Die Dortmunder Philharmoniker wurden von Hossein Pishkar dirigiert, und am Klavier spielte die Pianistin Anna Tsybuleva.

Anna Tsybuleva und die Dortmunder Philharmoniker: Ein harmonisches Zusammenspiel

Ich mag das 2. Klavierkonzert von Brahms lieber als das erste. Warum, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht wegen der lyrischen Natur des Werkes, vielleicht aber auch wegen der melancholischen Hornphrase, mit der der erste Satz beginnt. Insgesamt ist die Verzahnung zwischen Orchester und Soloinstrument das Besondere, das für mich die Klavierkonzerte von Brahms ausmacht. Auch wenn Anna Tsybuleva die technischen Herausforderungen des Stücks meisterte, wird das Klavier Teil des Orchesters und verschmilzt mit ihm zu einem Gesamtklangkörper. Als Zugabe spielte Anna Tsybuleva, quasi als Übergang, noch ein Stück von Schumann.

Das 2. Klavierkonzert von Joghannes Brahms war ein Höhepunkt des 1. Philharmonischen Konzertes. (Foto: (c) U.Herbert / pixelio.de)
Das 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms gespielt vom Anna Tsybuleva war ein Höhepunkt des 1. Philharmonischen Konzertes. (Foto: (c) U.Herbert / pixelio.de)

Nach der Pause erklang Schumanns Sinfonie Nr. 3, die „Rheinische“. Sie war einst die Titelmelodie von WDR-Sendungen wie „Hier und heute“ sowie „Zwischen Rhein und Weser“. Schumanns 3. Sinfonie verbindet in einzigartiger Weise symphonische Tradition mit volksnahen Elementen und tief empfundener Naturpoesie. In ihrer Struktur und emotionalen Vielfalt ist sie visionär. Das Besondere an ihr ist, dass sie gleichzeitig heiter, ernst und feierlich wirkt.

Die Dortmunder Symphoniker konnten einen beachtlichen Start in die neue Konzertspielzeit feiern.




Modern Times: Stummfilmerlebnis mit Live-Orchesterbegleitung

Bereits im Jahr 2018 konnte das Publikum in Dortmund ein Stummfilmkonzert zu Charlie Chaplins Meisterwerk „Modern Times“ genießen. Am 2. Juli 2024 bot sich erneut die Gelegenheit, dieses besondere Erlebnis eines pantomimisch ausdrucksstarken Stummfilms mit der passenden Live-Orchestermusik im Dortmunder Konzerthaus zu erleben.



Meisterhafte Inszenierung durch die Dortmunder Philharmoniker

Die bestens aufgelegten Dortmunder Philharmoniker, unter der professionellen Leitung von Adrian Prabava, sorgten mit viel Feingefühl dafür, dass „Modern Times“ in restaurierter Fassung eine besondere Lebendigkeit erfuhr. In seiner letzten Rolle als tollpatschig-sympathischer Tramp läuft Charlie Chaplin zur Hochform auf, um soziale Verelendung und den Optimierungswahn in Produktionsprozessen offen zu legen und anzuprangern. Damals, zur Zeit der großen Weltwirtschaftskrise, war der Film eine treffende Satire. Leider hat er nichts von seiner Aktualität eingebüßt und wechselt ständig zwischen Tragik und Komik.

Der gutherzige Tramp gerät von einem ungewollten Fettnäpfchen ins nächste, kommt aber immer wieder durch glückliche Umstände auf die Beine und findet seine Liebe. Obwohl die prekären Zustände mit unverblümter Direktheit dargestellt werden, steht am Ende das Motto „Immer wieder Aufstehen“. Mit seiner Fähigkeit, jeder Gefühlsregung durch Gesicht und Gesten Ausdruck zu verleihen, drückt Chaplin dem Film seinen unverwechselbaren Stempel auf, trotz der ebenfalls herausragenden Darsteller.

Musikalische Brillanz und perfektes Timing

Den Dortmunder Philharmonikern gelang es wunderbar, jede Stimmungslage, ob Verzweiflung und Entsetzen über die Zustände, Dramatik oder bittersüße Romanze, durch ihre Instrumente musikalisch fühlbar zu machen. Die Wirkung des Films beruht auf dem exakten Zusammenspiel von Filmbildern und Musik, was ein präzises Timing des Orchesters erforderte.

Obwohl ich bereits 2018 das Stummfilmkonzert erlebt hatte, war es auch dieses Mal wieder eine ganz besondere Erfahrung.




Messa di Gloria als stimmgewaltiges Konzerterlebnis

Giacomo Puccini (1858-1924) ist vor allem für seine ausdrucksstarken und melodramatischen Opern bekannt. Doch als Abschlussprojekt seines Studiums komponierte er die „Messa a quattro voci“, heute besser bekannt als „Messa di Gloria“, für Orchester und Chor (SATB) sowie solistische Tenor- und Baritonstimmen. Diese stand am 30. Juni 2024 im Konzerthaus Dortmund im Mittelpunkt einer beeindruckenden Aufführung. Der Philharmonische Chor, unter der Leitung von Granville Walker, bildete das stimmgewaltige Fundament, sensibel begleitet von den Dortmunder Philharmonikern, ebenfalls unter Walkers Dirigat.



Mit Sungho Kim (Tenor), Kenneth (Bariton) und Denis Velev (Bass) war höchste Qualität bei den Solo-Stimmen gewährleistet. Das Konzert begann jedoch zunächst mit „A Raffaello Divino (Inno)“ von Marco Enrico Bossi (1861-1925). Einem Werk, das ursprünglich zum 400. Todestag des berühmten Architekten der italienischen Hochrenaissance, Raffaello Sanzio da Urbino, komponiert wurde. Granville Walker hatte das Stück für Orchester und Chor neu instrumentalisiert, sodass es als Chorwerk mit Orchestrierung seine besondere Klangpracht entfalten konnte.

Der Aufbau des Werkes war interessant gestaltet: Zunächst spielte das Horn solistisch, nach und nach setzten die Bläser und Streicher ein. Nachdem das Orchester verstummte, begannen erst die Frauenstimmen, gefolgt von den Männerstimmen. Mit dem erneuten Einsatz des Orchesters entstand ein meisterhaft komponiertes Crescendo.

Das darauffolgende grandiose „Intermezzo Sinfonico“ zum dritten Akt von Puccinis „Manon Lescaut“ ließ die Trauer und Verzweiflung von Des Grieux, der seine geliebte Manon zu einer Strafkolonie in Louisiana verschifft sieht, musikalisch spürbar werden. Die anschließende „Messa di Gloria“ ist eine vollständige Vertonung des Messordinariums in mehreren Teilen.

Bereits beim „Kyrie“ entfalteten die schön und melodisch geführten Stimmen ihre volle Ausdruckskraft – mal unterordnend, mal hervorhebend. Die Eröffnungsmelodie des „Gloria“ bestach durch ihren mitreißenden Schwung, während das anschließende „Credo“ melodisch ernster gehalten war.

Das „Incarnatus“ bietet bei Puccini etwas Spezielles: Der Chor singt – das einzige Mal in der gesamten Messe – a cappella und aus dem Chorsatz löst sich der Solo-Tenor. Die Musik ist dabei von einer verblüffend klaren Einfachheit. Das beeindruckende „Agnus Dei“ schwang sanft, fast wie ein Kinderlied, zunächst in C-Dur zwischen Tonika und Subdominante hin und her. Die zweite Anrufung wiederholte den Ablauf von der Tonika zur parallelen a-Moll und die dritte intensivierte das Geschehen zunehmend, als die zwei Solo-Stimmen (Tenor und Bass) die Melodie wohlklingend übernahmen und der Chor eine rhythmische, leicht aufgelöste Antwort gab.

Die Aufführung im Konzerthaus Dortmund war ein stimmgewaltiges Konzerterlebnis, das die Vielseitigkeit und Tiefe von Puccinis musikalischem Schaffen eindrucksvoll zur Geltung brachte.




Musikalische Reise nach Italien: Ein Abend voller Klangfarben

Beim dritten Konzert der Reihe „Wiener Klassik“ drehte sich am 24. Juni 2024 im Dortmunder Konzerthaus alles um die Musik und weniger um Amore, Pizza oder Gelato. Italien, das Land der Sehnsucht in den 1950er und 1960er Jahren der Bundesrepublik, war auch für viele Ruhrgebietsbewohner ein beliebtes Urlaubsziel. Diese Urlaubsstimmung verbreiteten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Noam Aviel auf vielfältige Weise – zumindest musikalisch.



Der Abend begann mit einem Romantiker: Der erste Satz der Ouvertüre im italienischen Stil in C-Dur von Franz Schubert erklang. Um 1816 kam es zu einer Art Rossini-Welle, und auch Schubert konnte sich der Faszination von Rossinis Musik nicht entziehen und komponierte zwei Ouvertüren im italienischen Stil.

Pianist Dorel Golan, der Solist des Abends, spielte das „Concerto soirée“ für Klavier und Orchester von Nino Rota. Rota ist vor allem durch seine Filmmusik zu „Der Pate“ und „La strada“ bekannt. Seine musikalische Sprache ist melodisch und zugänglich, mit Einflüssen aus Barock, Klassik, Romantik, Jazz und zeitgenössischer Musik. Rota nutzt das Orchester geschickt, um eine Vielzahl von Klangfarben und Texturen zu erzeugen.

Guillaume Connesson entführte uns mit „Night Club“ in eine nächtliche Tanzlokal-Atmosphäre. Dieses kurze Stück schlägt eine Brücke zwischen Popmusik und klassischer Musik, indem es treibende Rhythmen aus Funk und Discomusik mit einer abwechslungsreichen Klanglandschaft verbindet.

Das letzte Stück des Abends, die Sinfonie Nr. 95 von Joseph Haydn, wurde zwar in London komponiert und gehört zu den „Londoner Sinfonien“, bietet jedoch trotz ihrer Moll-Tonart eine schwungvolle und energische Darbietung. Die Verbindung zu Italien mag hier schwerfallen, aber für die musikalische Reise des Abends war es dennoch ein voller Erfolg.

So bot das dritte Konzert der „Wiener Klassik“-Reihe einen abwechslungsreichen und klangvollen Abend, der das Publikum auf eine musikalische Reise von Schubert über Rota bis hin zu Haydn mitnahm.




Wünsch dir was – das 10. Philharmonische Konzert

Demokratie bei einem klassischen Konzert? Ja, das geht. Am 18. und 19. Juni 2024 bewiesen die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Florian Ludwig, der für den erkrankten Gabriel Feltz einsprang, ihre Flexibilität.



Fünfmal durften die Besucher*innen entscheiden, was gespielt wird. Dabei erhielten sie eine grün/rote Karte, was den Dirigenten vor besondere Schwierigkeiten stellte, denn er hat eine Rot-Grün-Sehschwäche. Doch mit ein paar Tricks liefen die Wahldurchläufe ohne Probleme ab.

Das erste Stück durften die Besucher*innen nicht wählen: Der erste Satz aus Smetanas „Die Moldau“ erklang als Auftakt. Danach gab es die erste Wahl. Wie bei der Fußball-EM verlor Österreich (Mozart) gegen Frankreich (Ravel), und der Solist Benedetto Lupo spielte den zweiten Satz des Klavierkonzerts in G-Dur.

Auch Johann Strauß (Sohn) und Jean Sibelius hatten bei der Abstimmung gegen Antonin Dvořák und Peter Tschaikowsky keine Chance.

Nach der Pause ging es in den Weltraum mit der Musik von „Star Wars“ des Komponisten John Williams. Mahler gewann gegen Samuel Barber, und die Dortmunder Philharmoniker spielten das Adagietto aus seiner 5. Sinfonie.

Danach war es Zeit für den Pianisten Lupo, der den vierten Satz aus dem zweiten Klavierkonzert von Johannes Brahms spielte.

Das Konzert endete mit dem ersten Satz des „Danse macabre“ von Camille Saint-Saëns, der sich gegen Liszt durchsetzen konnte, sowie einer lateinamerikanisch inspirierten Zugabe.

Florian Ludwig dirigierte nicht nur, sondern gab dem Publikum auch wertvolle Informationen zu den einzelnen Stücken, damit sie ihre Wahl nach bestem Wissen treffen konnten.




Chorkonzert über Natur, Frieden und Hoffnung

Der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund, unter der Leitung von Felix Heitmann, präsentierte am 15. Juni 2024 im Rahmen des Festivals Klangvokal ein abwechslungsreiches Programm. Der Veranstaltungsort war ungewöhnlich: Das Konzert fand in der Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Zollern statt, die heute ein Industriemuseum ist.



Trotz des industriellen Ambientes gelang es den jungen Sängerinnen und Sängern, zu Beginn und gegen Ende des Konzerts, ein romantisches Naturerlebnis hörbar zu machen. Mit Mendelssohn Bartholdys „Abschied vom Walde“ und Brahms „Waldesnacht“ wurde der deutschen Sehnsuchtslandschaft schlechthin gehuldigt. Auch skandinavische Komponisten wie die Schweden Wilhelm Peterson-Berger und Bo Hansson beschworen mit ihren Werken eine feierliche Naturstimmung herauf.

Der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund begeisterte das Publikum. (Foto: (c) Bülent Kirschbaum)
Der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund begeisterte das Publikum. (Foto: (c) Bülent Kirschbaum)

Im weiteren Verlauf des Abends folgten, vor und nach der Pause, Blöcke mit kirchlicher Musik aus verschiedenen Jahrhunderten. Von der Renaissance (Tomás Luis de Victoria) bis hin zu aktuellen Komponisten religiöser Chormusik wie Ola Gjeilo und Mårten Jansson.

Der Abend des Chorkonzerts war eine wunderbare Darbietung jugendlicher Stimmen, die das Publikum in ihren Bann zogen und für eine durchweg positive Atmosphäre sorgten. Die jungen Sängerinnen und Sänger präsentierten eine beeindruckende Vielfalt an Liedern, die sie mit Leidenschaft und Präzision vortrugen. So verwandelten sie diesen Abend in ein besonderes Erlebnis.




Achtziger-Jahre-Feeling zum Klangvokal-Abschluss

Mit einer 80er-Jahre-Musikparty endete das Klangvokal Musikfestival Dortmund am 16.06.2024 im hiesigen Konzerthaus. Das Orchester „Neue Philharmonie Westfalen“ unter der Leitung von Rasmus Baumann (auch am Piano) sorgte mit Unterstützung einer vierköpfigen Band (darunter Rockkeyboarder Marcus Schinkel) für ein ganz besonderes Klangerlebnis.



Mit Bonita Niessen, Viviane Essig, Ruud van Overdijk und Henrik Wager konnten ausdrucksstarke Stimmen für das Konzert gewonnen werden. Als Background-Sängerinnen fungierten Anja Günther, Laetitia Stengel und Nadine Trefzer. Charmant und humorvoll führte Dominik Freiberger durch den Abend.

Internationale Hits von Musikgrößen wie Madonna, Michael Jackson, Whitney Houston, Tina Turner, Pink Floyd, Prince, The Police, Elton John und anderen standen auf dem Programm. Bei „Another Brick in the Wall“ (Pink Floyd) und „We Are the World“ (Michael Jackson, Lionel Richie) brachte sich der Kinderkonzertchor der Chorakademie (Einstudierung: Raphael Arnault) effektvoll ein.

Marcus Schinkel und seine Kollegen konnten sich zwischendurch als Solisten in den Vordergrund spielen, etwa bei „Jump“ (Van Halen). Die Sänger*innen überzeugten sowohl solo als auch im Duett oder als Gruppe. Die beiden Frauen brachten zusammen bei „Simply the Best“ von Tina Turner den Konzertsaal richtig in Stimmung. Ruud van Overdijk hatte seinen ersten großen Auftritt bei „Another Brick in the Wall“. Henrik Wager begeisterte vor allem bei dem anspruchsvoll zu singenden „Take on Me“ (a-ha).

Als dann am Ende die Vier „Sweet Dreams“ (Eurythmics) anstimmten, gab es auf den Publikumsrängen kein Halten mehr. Alles stand und machte mit. Ein wunderbarer Abschluss für ein vielseitiges Musikfestival.

Die Konzertsaison folgt vom 11. Oktober 2024 bis 28. März 2025.