Romeo-und-Julia-Motiv mit besonderem Blickwinkel 

Im Opernhaus Dortmund feierte am 30.05.2026 die Ballettchoreografie „Radio and Juliet“ von Edward Clug (Artist in Residence) mit dem NRW-Juniorballett ihre Premiere. Clug gelang vor über zwanzig Jahren mit dieser Choreografie in Maribor der internationale Durchbruch. In diesem Werk wird die bekannte tragische Liebesgeschichte von Romeo und Julia – geprägt von Familienzwist, Machtstrukturen und Rivalitäten – aus einem besonderen Blickwinkel erzählt: Der Fokus liegt ganz auf den inneren Empfindungen der weiblichen Protagonistin. Wie in einem Wachtraum wird das Publikum in die Gedanken und Emotionen von Juliet geführt. 



Schon zu Beginn werden die Anwesenden per Schwarz-Weiß-Videoclip (Janja Glogovac) behutsam in das Anwesen und die Gemächer von Juliet geleitet. Das Stück beginnt mit dem Erwachen von Juliet, die hier nicht gestorben ist. Gemeinsam mit ihr durchleben wir die vorherigen Geschehnisse: den Familienstreit, die wachsende Liebe zwischen ihr und Romeo, Gangrivalitäten sowie den Tod von Mercutio und Romeo. 

Das junge Ballett-Ensemble überzeugte mit solidem, präzisem Tanzhandwerk in Verbindung mit modernen künstlerischen Ausdrucksformen. Jede Geste sowie die kurzen Momente des abwägenden Innehaltens und der Besinnung besaßen eine tiefe Bedeutung. Was wäre, wenn man durch eine selbstbestimmte Handlung das scheinbar unausweichliche Schicksal ändern könnte? Das Stück zeigt einen zarten Widerstand und Zweifel gegen das endgültige „So ist es nun einmal und so muss es sein“. 

Liberty Fergus, Kaining Dong. Foto: (c) Leszek Januszewski
Liberty Fergus, Kaining Dong. Foto: (c) Leszek Januszewski

Die Frage nach alternativen, friedlichen Lösungen ist auch in unseren heutigen Krisenzeiten von aktueller Bedeutung. 

Ein Resonanzraum voll Emotionen wurde durch die sphärisch intensive, mal pulsierende, dann wieder melancholisch-nachdenkliche Musik von Radiohead eröffnet. Das Zusammenwirken von Körperbewegung und Musik führte zu einem berührenden Erlebnis zwischen Gefühlstiefe, Zerbrechlichkeit und spannungsgeladenen Momenten. 

Für das NRW-Juniorballett war dies eine große Herausforderung, die die Compagnie mit professioneller, jugendlicher Energie, großem Können und Engagement meisterte. 

Weitere Aufführungstermine finden Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231/50 27 222.




We DO dance: Ein choreografischer Parcours durch das Leben auf der Kokerei Hansa

Am 22. Mai 2026 feierte ein ganz besonderes Format seine Premiere: „We DO dance: Ausgabe 1“. Sechs Uraufführungen von jungen Choreograf*innen aus den Reihen des Ballett Dortmund und des NRW Juniorballett verwandelten die raue Industriearchitektur der Kokerei Hansa in eine faszinierende Bühne. Das verbindende Element dieses Abends war so universell wie komplex: das Leben selbst in all seinen Facetten. Doch anstatt das Publikum vor eine klassische Bühne zu setzen, wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt und auf einen atmosphärischen Parcours durch das Industriedenkmal geschickt.



Auftakt in der Kompressorenhalle: Das Leben in all seinen Facetten

Für meine Gruppe begann diese Reise in der altehrwürdigen Kompressorenhalle – ein Ort, an dem schwere Maschinen und enge Raumverhältnisse eine ganz eigene, dichte Atmosphäre schaffen. Den Auftakt machte hier Jasmine Camerons Happens. Das Stück ist eine vitale Ode an das Unerwartete, eine choreografische Aufforderung, sich auf den Fluss der Dinge einzulassen. Zur treibenden, hervorragend abgestimmten Musik von Travis Lake feierte das Trio (Jasmine Cameron, Selen Gür und Sae Tamura) die pure Lebendigkeit des Augenblicks und brachte eine pulsierende Energie in die alte Halle.

Einen faszinierenden Kontrast lieferte direkt im Anschluss If I did von Keigo Muto. Aus dem Konzept des Schmetterlingseffekts heraus entwickelte sich ein eindrücklicher, moderner Pas de deux. Obwohl der Raum zwischen den Maschinen eng bemessen war, füllten Selen Gür und Simon Jones ihn mit einer enormen Bühnenpräsenz restlos aus. Was auf dem Papier wie ein Widerspruch wirken mag, entpuppte sich als absoluter Glücksgriff: Die klaren, barocken Strukturen von Johann Sebastian Bach und die schwere, stählerne Industriearchitektur der Kompressorenhalle harmonierten auf geradezu wundersame Weise miteinander und boten den perfekten Resonanzraum für dieses herausragend getanzte Duett.

Der Butterraum als Ort der Kontraste: Von Zweisamkeit zur radikalen Isolation

Die zweite Station führte uns in den sogenannten „Butterraum“. Wie ein zarter Moment aus einem klassischen Science-Fiction-Plot – man fühlt sich unweigerlich an die Sehnsucht eines Commander Data nach echter Menschlichkeit erinnert – inszenierte Yingyue Wang hier mit A World Between Us das Erwachen zweier künstlicher Existenzen. Man denkt an die melancholische Nostalgie des 80er-Jahre-Hits „Computerliebe“, wenn Liberty Fergus und António Ferreira diesen flüchtigen Funken, diesen Ausbruch aus ihrer strengen Programmierung, auf die Bühne bringen. Die beiden tanzen diese Anomalie mit einer enormen Eindrücklichkeit: Aus der anfänglichen Mechanik wurde ein langsames, fließendes Auftauen der Körper. Getragen von den Klängen Ludovico Einaudis wurde aus kalter Präzision für einen Herzschlag lang spürbare Menschlichkeit, bevor das System die beiden unerbittlich in ihre künstliche Realität zurückzwang.

Choreograf*innen des Abends: Keigo Muto, Kaining Dong, Yingyue Wang, Jasmine Cameron, Anatole Coste, Damian Huiduc Manolescu. Foto:  (c) Leszek Januszewski
Choreograf*innen des Abends: Keigo Muto, Kaining Dong, Yingyue Wang, Jasmine Cameron, Anatole Coste, Damian Huiduc Manolescu. Foto: (c) Leszek Januszewski

Einen starken inhaltlichen Gegenpol im selben Raum lieferte Kaining Dong mit seinem Solo self-ish. Wo im Stück zuvor nach Verbindung gesucht wurde, wählte Dong die bewusste Isolation. Zu den impressionistischen Klängen von Claude Debussy präsentierte er sich dem Publikum zunächst völlig eingehüllt – abgeschirmt von allen äußeren Erwartungen. Dongs radikaler Ansatz, keine emotionale Brücke zum Zuschauer schlagen zu wollen, manifestierte sich in einer faszinierenden Introspektion: Alles, was er in seiner Laufbahn gelernt und verinnerlicht hat, tanzte er in diesem Moment ausschließlich für sich selbst. Erst ganz zum Schluss der Performance öffnete er sich ein wenig und gewährte einen winzigen, flüchtigen Einblick aus seiner Isolation heraus.

Finale in der Waschkaue: Zwischen Resignation und Hoffnung

Die letzte Station unseres Parcours führte in die historische Waschkaue der Kokerei. Es ist ein Raum, der atmet; man kann förmlich noch erahnen, wo sich die Männer nach getaner Arbeit den Staub der Schicht abwuschen. Wenn man – wie ich durch meinen eigenen Vater – mit der hiesigen Bergbaugeschichte tief verwurzelt ist, bekommt ein solcher Ort eine ganz besondere, wehmütige Resonanz, die sich nahtlos auf die Wahrnehmung der dort gezeigten Tanzstücke überträgt.

Gerade vor diesem Hintergrund schwerer körperlicher Arbeit entfaltete Damian Huiduc Manolescus Balloon in a Briefcase eine besondere Wirkung. Werden wir unweigerlich vom spielenden Kind im Wald zum ernsthaften Erwachsenen auf dem Weg zur Arbeit? Der Choreograf und Tänzer geht dem Verlust der kindlichen Unschuld und der vermeintlichen Akzeptanz des grauen Alltags nach. Doch er belässt es zu den Klängen von Henryk Mikołaj Górecki nicht bei der Resignation: Manolescu hat buchstäblich noch einen Trumpf im Koffer. Als am Ende ein roter Herz-Luftballon aus der Aktentasche aufsteigt, entsteht ein wunderbar poetisches Bild dafür, dass wir uns unsere Fantasie durchaus bewahren können.

Einen überaus hoffnungsvollen, leuchtenden Schlusspunkt in einer krisengeschüttelten Gegenwart setzte schließlich Anatole Coste. Sein Stück Lovers should dance liefert eine starke, tröstliche Botschaft: Gerade weil es Krieg, Angst und Gewalt gibt, müssen Liebende tanzen, um der Welt ein entscheidendes Stück Hoffnung zu bewahren. Begleitet von einem beeindruckenden, selbst kreierten Sounddesign brachten Teodora Neacsu und Anatole Coste diesen emotionalen Appell mit großer Intensität auf die Bühne. Fazit: Mit „We DO dance: Ausgabe 1“ ist ein Format entstanden, das durch die ungewöhnliche Symbiose aus roher Dortmunder Industriegeschichte und erstklassigem, modernem Tanz lange nachhallt. Ein unvergesslicher Spaziergang durch das Leben, der unbedingt nach einer zweiten Ausgabe verlangt




Im Spiegel der Dystopie: Sarah Nemtsovs „WE (WIR)“ feiert eine beklemmend starke Uraufführung an der Oper Dortmund

Es beginnt bereits unbequem. Wer die Uraufführung von Sarah Nemtsovs Oper „WE (WIR)“ besucht, nimmt nicht einfach im bequemen Plüschsessel des Dortmunder Opernhauses Platz. Der Weg führt das Publikum zunächst durch verschlungene Gänge direkt auf die Bühne. Dort angekommen, blickt man in einen gewaltigen Spiegel – man wird unweigerlich mit sich selbst, dem eigenen Individuum, konfrontiert. Ein starker inszenatorischer Griff von Bühnenbildner Fabian Liszt. Doch der eigentliche Schockeffekt folgt erst, als sich diese Spiegelebene hebt und den Blick in den gigantischen, unheimlich leeren Zuschauerraum freigibt. Dort agieren die „Anderen“: eine durch Masken ihrer Individualität beraubte, gleichgeschaltete Masse, die in strengen Choreografien die beklemmende Atmosphäre des „Einheitlichen Staates“ physisch greifbar macht. Eva-Maria Höckmayr gelingt hier gleich zu Beginn ein immersiver Sog, dem man sich kaum entziehen kann.



Die literarische Grundlage für dieses beklemmende Szenario liefert der russische Schriftsteller und Ingenieur Jewgeni Samjatin. Sein bereits in den frühen 1920er-Jahren verfasster Roman „Wir“ gilt als Mutter aller Dystopien. In der Sowjetunion schon 1923 verboten, lieferte das Werk später die direkte Blaupause für George Orwells „1984“ und Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“. Bemerkenswert – und fast schon eine humoristische Pointe für unsere Gegenwart – ist Samjatins weitsichtiger Blick auf die Kunstproduktion: Er beschrieb in seinem Roman das sogenannte „Musikometer“, eine Maschine, die auf Knopfdruck innerhalb einer Stunde vollautomatisch drei Sonaten ausspuckt. Ein über einhundert Jahre alter, prophetischer Vorgriff auf moderne KI-Musikgeneratoren wie Suno, die uns heute mit simplen Text-Prompts komplette Shoegaze- oder Dreampop-Tracks berechnen, deren Stems man dann direkt in der DAW weiterverarbeiten kann.

Musikalisch bewegt sich der Abend konsequent im Bereich der zeitgenössischen Klassik. Wer bei den Dortmunder Philharmonikern sonst die emotionale Wärme einer Brahms-Symphonie oder die melodische Leichtigkeit Mozarts sucht, wird hier in eine völlig andere, unerbittliche Klangwelt geworfen. Unter der präzisen Leitung von Michael Wendeberg dominieren kühle, moderne Texturen. Besonders die Synthesizer drängen sich fast schon schneidend in den Vordergrund und überlagern weite Teile des akustischen Raums – noch deutlich präsenter als die ebenfalls eingesetzten E-Gitarren. Diese musikalische Kälte illustriert perfekt die durchrationalisierte, maschinelle Welt von Samjatins Vorlage.

Seth Carico, Dortmunder Bürger*innenOper Foto: (c) Thomas M. Jauk
Seth Carico, Dortmunder Bürger*innenOper Foto: (c) Thomas M. Jauk

Den absoluten Höhepunkt des Abends bilden jedoch die beiden Hauptdarsteller. Seth Carico als Ingenieur D-503 und Gloria Rehm als Rebellin I-330 brillieren nicht nur gesanglich auf ganzer Linie, sondern fesseln durch eine herausragende schauspielerische Leistung. Carico macht den zermürbenden inneren Kampf seiner Figur – das schmerzhafte Erwachen echter Gefühle gegen jede staatliche Konditionierung – in jeder Sekunde nachvollziehbar. Die Fallhöhe zwischen kühler Systemtreue und verbotener Leidenschaft wird durch dieses Duo meisterhaft auf die Bühne transportiert.

Die allgegenwärtige Bedrohung dieser Welt verkörpert der sogenannte „Wohltäter“. Zunächst thront er, dem literarischen Vorbild des „Großen Bruders“ entsprechend, unnahbar und fast göttlich entrückt hoch oben im Rang. Doch im großen Finale verlässt er diese Distanz und steigt physisch zu D-503 auf die Bühne herab. Es ist ein Dialog, der lange nachhallt. Denn anders als es die im Programmheft geäußerte Hoffnung der Komponistin vermuten lässt, entlässt einen diese Inszenierung am Ende nicht mit einem tröstlichen Lichtblick. Was auf der Bühne bleibt, ist die absolute Kapitulation. D-503 wirkt von der fehlerfreien, kalten Logik des Systems erdrückt und tief niedergeschlagen. Der Totalitarismus siegt.

Und genau diese kompromisslose Trostlosigkeit macht den Abend so stark. „WE (WIR)“ in Dortmund ist keine leichte Kost, aber ein visuell und musikalisch faszinierendes Gesamtkunstwerk, das noch lange nach dem Verlassen des Opernhauses nachwirkt.




Coco Superstar – oder was wirklich zählt 

Im Foyer der Oper Dortmund konnte das Publikum am 23. Mai 2026 die Premiere des Musicals „Coco Superstar“ von Sandra Engelhardt und Martin Maria Schulte erleben – ein partizipatives Projekt unter engagierter Beteiligung der „We Do Opera! – OpernKids“. Die Kinder und Jugendlichen erhielten dabei tatkräftige Unterstützung von den erfahrenen „We Do Opera! – OpernYoungsters“ Jacob Ambrosius, Lilli Bracklow und Sarah Heckner. Carlos Vázquez hatte die musikalische Gesamtleitung inne und begleitete das Geschehen leidenschaftlich live am Klavier. 



Zum Plot: Coco, der neueste Shootingstar am Casting-Himmel, gibt ein Konzert in der Stadt! Die Aufregung innerhalb der Schulgemeinschaft ist riesig. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, bietet Cocos Manager einer einzigen Person die Chance, den Star vor der Show backstage zu treffen. Für die Direktorin steht fest: Nur die oder der Beste kommt dafür infrage. Es entbrennt ein heftiger Wettstreit zwischen vier Gruppierungen: den Liebhabern der Naturwissenschaften, des Sports, der Sprachen und der Künste. Während die Direktorin derweil verblassten Träumen hinterherhängt, ist der Hausmeister irgendwie immer genau im richtigen Moment zur Stelle… 

Programmzettel der Premiere von: Coco Superstar.
Programmzettel der Premiere von: Coco Superstar.

Mit spürbarem Enthusiasmus und starkem Einsatz vertraten die OpernKids die Interessen ihrer jeweiligen Rollen. Das Stück beleuchtet dabei kritisch den überzogenen Hype um sogenannte „Superstars“ und den Wunsch vieler Jugendlicher, ebenso erfolgreich und beliebt zu sein. Eine Schülerin fühlt sich beispielsweise als Außenseiterin, weil sie vermeintlich „keine besonderen Talente“ besitzt. Am Ende zeigt das Musical, worauf es wirklich ankommt: jungen Menschen Raum für die Entfaltung ihrer eigenen Persönlichkeit zu geben. Dazu gehört untrennbar auch der gegenseitige Respekt vor den Beiträgen und Leistungen anderer. 

Man darf gespannt sein, wohin der Weg die talentierten OpernKids in Zukunft noch führen wird. 

Weitere Vorstellungstermine: 

So. 07.06.2026 & So. 21.06.2026 (jeweils um 11:15 Uhr im Rahmen des „Beyond Opera 26“-Festes 




Ein philharmonisches Konzert voller Virtuosität 

Im Zentrum des 7. Philharmonischen Konzerts am 19./20. Mai 2026 im Konzerthaus Dortmund standen instrumentale Virtuosität und pure Spielfreude. Besonders deutlich wurde dies beim zweiten, zeitgenössischen Programmpunkt: Mit „ad absurdum“ (Konzertstück für Trompete und kleines Orchester) von Jörg Widmann (*1973) wurden jedoch auch die Ambivalenz und die Schattenseiten dieser Virtuosität beleuchtet. Die historische Entwicklung der Virtuosität führte einerseits zu immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten und einem Spiel mit musikalischen Grenzen; andererseits drohte stets die Gefahr eines bloßen Schielens auf sinnentleerte, rein überwältigende Effekte für das Publikum. 



Die Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Patrick Lange konnten schon zu Beginn bei der Musik zu Felix Mendelssohn Bartholdys „Ein Sommernachtstraum“ (op. 21 und op. 61) ihr virtuoses Können unter Beweis stellen. Die anspruchsvollen, flimmernden Streicherpassagen in der Ouvertüre zu Shakespeares Komödie waren dafür bereits ein prägnantes Beispiel. Die Musik des Komponisten ist geprägt von einer geheimnisvoll-romantischen, märchenhaften Stimmung, zwischen die sich immer wieder kraftvoll-ernste Momente mischen. 

Das folgende Werk „ad absurdum“ riss das Publikum mit Sergej Nakariakov (*1977 in Gorki, heute Nischni Nowgorod) als Meister an der Solotrompete und einer kleineren Orchesterformation in einen unglaublichen Strudel der Virtuosität. Um das Stück zu bewältigen, war eine extreme Atemtechnik des Trompeters notwendig – das Ganze grenzte phasenweise an die physische Schmerzgrenze. Zum Ende des Konzertstücks kam als Spitze der Absurdität eine mechanische, mit Lochstreifen betriebene Drehorgel von der Seite zum Einsatz. 

Der Solist des Abends: Sergej Nakariakov an der Trompete. (Foto: (c) Thierry Cohen)
Der Solist des Abends: Sergej Nakariakov an der Trompete. (Foto: (c) Thierry Cohen)

Die Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60 von Ludwig van Beethoven (1770–1827) war nach der Pause mit ihrer gesteigerten, virtuosen Spielfreude ein wahrer Genuss und ein gelungener Abschluss. Sie entstand in einer äußerst produktiven und positiven Phase des Komponisten, noch vor dem vollständigen Verlust seines Gehörs. Nach dem beklemmenden Charakter der Einleitung zeugt diese Sinfonie im weiteren Verlauf von purem Elan, heiterer Stimmung und unbändiger Kreativität. Das zeigte sich vor allem im letzten Satz, der nur so vor guter Laune sprüht. 

Ein Programm, das den Akteuren alles abverlangte – und das Publikum begeisterte. 




Junge Wilde mit Julia Hagen & dem Hagen Quartett 

Im Dortmunder Konzerthaus fand am 30.04.2026 ein besonderes Streicherkonzert mit der renommierten jungen Cellistin Julia Hagen aus Salzburg und dem Hagen Quartett statt. Julia Hagen brachte an diesem Abend gleich einen Großteil ihrer musikalischen Familie mit in den Konzertsaal. 



Ihre Tante Veronika Hagen (Viola), ihr Vater Clemens Hagen (Violoncello), ihr Onkel Lukas Hagen (Violine) sowie Rainer Schmidt (Violine) bilden schon seit vier Jahrzehnten ein erfolgreiches Streichquartett und beenden in diesem Jahr ihre lange Karriere. Sie sind ein Vorbild für viele junge Streichquartette. 

Zu Beginn stellte Julia Hagen ihr Einfühlungsvermögen und technisches Können bei der anspruchsvollen Suite für Violoncello solo Nr. 1 G-Dur BWV 1007 (ca. 1720) von Johann Sebastian Bach (1685–1750) unter Beweis. Sehr ausdrucksvoll bringt schon das Prélude das Klangspektrum des Cellos zur Geltung. Eine Besonderheit ist die plötzliche Unterbrechung in der Mitte des Satzes. Komplexe harmonische Wechsel sind zudem auch bei den folgenden Tanzsätzen eine Herausforderung für jeden Cellisten. 

Der Programmflyer für das Konzert von Julia Hagen
Der Programmflyer für das Konzert von Julia Hagen

Liebenswürdig und anmutig erklingt das folgende Streichertrio B-Dur D 471 (1816) von Franz Schubert (1797–1828). Das einleitende Allegro moderato in Sonatenform wird ganz von einem an Mozart erinnernden Hauptthema der Violine beherrscht. Mit seinem lieblichen Violinthema berührt das Andante. Ein wunderbares Zusammenspiel des Trios. 

Als Kontrast stand danach der „Langsame Satz“ für Streichquartett (1905) von Anton Webern (1883–1945) auf dem Programm. Deutlich vom Einfluss seines Lehrers Arnold Schönberg geprägt, werden hier an der Schwelle zum 20. Jahrhundert immer gewagtere Harmonien (Dissonanzen) und opulente Klangfarben hörbar. Melodien, die fast wie ein gesprochener Satz wirken, werden durch stetige Tempowechsel gekennzeichnet. 

Nach der Pause wurde von allen fünf Instrumentalkünstlern das kammermusikalische Spätwerk „Streichquintett C-Dur D 956“ (1828) von Franz Schubert dargeboten. Nach einem langen ersten Satz folgt das bekannte Adagio mit seiner dreiteiligen Liedform A-B-A. Trotz seines stürmischen Mittelteils überwiegt der elegisch-gefühlvolle Charakter. Auf ein rasantes Scherzo folgt am Ende ein lebhaft-feuriges Rondo. 

Eine starke Ausdruckskraft der Streichinstrumente, gepaart mit der technischen Klasse der Interpreten.




Brahms-Zyklus im Konzerthaus Dortmund

Am 28. und 29. April 2026 fand im Konzerthaus Dortmund ein besonderer Brahms-Zyklus statt. Sinfonien von Johannes Brahms stehen zwar landauf, landab auf den Konzertprogrammen, doch die Gelegenheit, alle vier Werke im unmittelbaren, ungestörten Zusammenhang eines Zyklus zu erleben, ist selten. Die Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Generalmusikdirektor Jordan de Souza nutzten diesen Anlass, um den tiefen Verbindungen zwischen den Werken nachzuspüren und die musikalische sowie persönliche Entwicklung des Komponisten greifbar zu machen.
Ein gemeinsamer Beitrag von Lisa und Michael Lemken



Erster Abend: Sinfonie Nr. 1 und 2 (28. April 2026)

Der dramatische Durchbruch: Die 1. Sinfonie

Der Weg, den Brahms bis zu seiner ersten Sinfonie zurücklegen musste, war lang und steinig. Er fühlte stets den „Riesen“ Beethoven hinter sich marschieren. Die 1. Sinfonie ist ein Werk des Durchbruchs im doppelten Sinn: Sie markiert nicht nur Brahms’ eigenen Durchbruch als Sinfoniker, sondern thematisiert diesen Prozess auch in der Musik selbst.

Der Abend begann bereits dramatisch mit einem Paukenschlag. Das Werk besticht durch zwei gewichtige Einleitungen und eine durchgehend dramatische Grundhaltung. Im Finalsatz, der sich kontrapunktisch dem Zitat der „Jupiter“-Sinfonie von Mozart nähert, schien die alte Europahymne aus dem Barock auf, bevor der Durchbruch am Ende durch die majestätische Wiederkehr eines Chorals gelang.

Der helle Gegenpol: Die 2. Sinfonie

Die 2. Sinfonie bildet einen völligen Gegensatz zur Ersten. Wo dort Düsternis und Dramatik herrschten, dominieren hier Helle und Idylle. Beide Werke stehen jedoch nicht unverbunden nebeneinander, sondern bilden ein widersprüchliches Gefüge. Die Sinfonie beginnt mit einer vorsichtig tastenden Einleitung, in der die Musik noch auf dem Weg zu sich selbst ist.

Ein Dirigent der Kontraste

Geleitet wurden die Dortmunder Philharmoniker von Jordan de Souza, der sich als vielseitiger und international renommierter Dirigent präsentierte. Seine stilistische Bandbreite und interpretatorische Tiefe halfen dabei, die feinen Nuancen und historischen Bezüge präzise herauszuarbeiten. Das Publikum verabschiedete die Musiker nach diesem ersten Teil mit großem Applaus und Standing Ovations.

Zwei intensive Abende mit Musik von Johannes Brahms.
Zwei intensive Abende mit Musik von Johannes Brahms.

Zweiter Abend: Sinfonie Nr. 3 und 4 (29. April 2026)

Ein origineller und traditionsverhafteter Aufbau: Die 3. Sinfonie

Auch an diesem zweiten Tag meisterten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Jordan de Souza die technischen und physischen Herausforderungen mit Bravour. Der erste Satz der 3. Sinfonie begann erneut mit einem Paukenschlag. Das bedrohlich Dunkle ist hier kontrastreich zur lebhaften, hellen Stimmung gesetzt und musikalisch im Hintergrund präsent, wodurch die komplexe Persönlichkeit des Komponisten mit all ihren Widersprüchen spürbar wird. Eine bedeutende Rolle für Brahms spielte dabei die hohe Messlatte von Beethovens 9. Sinfonie sowie seine Konkurrenz zum neuen Giganten Richard Wagner.

Im zweiten Satz erscheint der „Grazioso“-Typus, eine Kreuzung zwischen einem langsamen Satz und einem Scherzo. Eine große Überraschung bietet der dritte Satz: Das traditionelle Scherzo wird durch eine in die Tiefe gehende, wehmütige Romanze ersetzt. Dieser emotionale Teil spiegelt Brahms’ Persönlichkeit und sein Leben wider – man denke nur an seine komplizierte Beziehung zu Clara Schumann.

Ambivalenz und barocke Strenge: Die 4. Sinfonie

Die 4. Sinfonie enthält – als Zeichen der Ambivalenz und trotz ihrer negativen Grundstimmung – an dieser Stelle das einzige echte Scherzo des Zyklus. Dieser Satz strotzt förmlich vor guter Laune und Übermut. Der gesangliche zweite Satz entspricht dagegen dem Charakter des langsamen Satzes der 1. Sinfonie.

Eine entscheidende Neuerung bietet der vierte Satz: Dieses Finale wurde vom Komponisten als barocke Passacaglia (ein Variationssatz mit beibehaltenem Thema im Bass) konzipiert. Dies stellt eine scheinbar ungewöhnliche Rückbesinnung auf Johann Sebastian Bach dar, war aber zugleich eine radikale Neuerung in der Ausdrucksebene. Brahms gestaltet so eine spannungsvolle Musik von schonungsloser Negativität. Es ist ein illusionsloses Finale, das im starken Kontrast zu Beethovens letzter Sinfonie mit ihrer Ode an die Freude steht.

Fazit

Es war ein furioser Zyklus, der dem Publikum nicht nur die Musik von Johannes Brahms, sondern auch den Menschen dahinter ein Stück nähergebracht hat.




Johann Sebastian Bachs Fugentechnik im Epochendialog

Unter dem Titel „Die Kunst der Fuge im Dialog“ luden die Dortmunder Philharmoniker zu ihrem 3. Kammerkonzert an einen besonderen Ort ein: Die hiesige Marienkirche bot am 23. April 2026 den idealen Rahmen für diesen musikalischen Abend. Das Ensemble – bestehend aus Nemanja Belej und Vera Plum (Violine), Minori Tsuchiyama und Pablo González (Fagott) sowie Ursula Hobbing am Cembalo – bescherte dem Publikum ein außergewöhnliches Hörerlebnis.



Johann Sebastian Bach (1685–1750) lotete in seinem Spätwerk „Die Kunst der Fuge“, das bis zu seinem Tod unvollendet blieb, die Grenzen der formalen Fugentechnik und des Kontrapunkts aus. Nach der Vorstellung des Themas durch die Exposition der ersten Stimme entwickelt sich ein komplexes Geflecht aus Themenaufnahmen in verschiedenen Tonarten und Variationen durch die weiteren Instrumente. Es entsteht ein Gefüge völlig selbstständiger und gleichwertiger Stimmen. Die Zuhörenden werden so Schicht für Schicht in die Tiefe des Werks gezogen, ohne dass eine einzelne Stimme die Oberhand gewinnt.

Das Programm war jedoch nicht rein monolithisch auf Bach ausgerichtet. Stattdessen traten seine Fugen in einen spannenden Dialog mit Werken unterschiedlicher Epochen. Die Auswahl reichte von Bachs direktem Vorbild Girolamo Frescobaldi (1583–1643) über den spätromantischen Virtuosen Eugène Ysaÿe (1858–1931) bis hin zu den zentralen sowjetischen Komponisten Sofia Gubaidulina (1931–2025) und Edison Denisov (1929–1996). Abgerundet wurde der Bogen durch den zeitgenössischen usbekischen Komponisten Jakhongir Shukur (*1981).

Bach und Co. - Die Kunst der Fuge in Jahrhunderten.
Bach und Co. – Die Kunst der Fuge in Jahrhunderten.

Alle ausgewählten Komponisten beziehen sich auf ihre jeweils eigene, oft kontrastreiche Weise auf Bachs Tonsprache. Für die Interpreten stellte dies eine reizvolle Herausforderung dar: Die warme, klare Ausdruckskraft der Fagotte harmonierte dabei hervorragend mit den eindringlichen Klängen der Violinen und des barocken Cembalos.

Insgesamt präsentierten die Philharmoniker ein abwechslungsreiches und mutig zusammengestelltes Programm. Die Kammerkonzerte erwiesen sich erneut als wunderbare Gelegenheit, die Musikerinnen und Musiker des Orchesters sowie ihre Instrumente in intimer Atmosphäre aus nächster Nähe zu erleben.




Ein Lächeln und vielleicht eine Träne

Charlie Chaplin „The Kid“, Stummfilm mit Musik

„A picture with a smile and perhaps a tear“. Der Stummfilm-Klassiker „The Kid“ von Charlie Chaplin aus dem Jahr 1921 erlebte am Dienstag mit Livemusik der Dortmunder Philharmoniker eine gelungene Aufführung.



Die Gesichter bei der Entlassung aus dem Krankenhaus sprechen die Missbilligung gegenüber einer alleinstehenden Mutter deutlich aus. Die verzweifelte Mutter setzt ihr gerade geborenes Kind nach einiger Überlegung in einem Auto aus, das vor einer großzügigen Villa steht.

Doch leider wird das Auto gestohlen. Und als die Diebe das Kind bemerken, setzen sie es in einem heruntergekommenen Viertel aus. Hier findet es der Tramp, Charlie Chaplin in seinem bekannten Outfit mit Melone, Stock und zerlumpten Handschuhen. Einmal das Kind auf den Arm genommen, wird er es nicht mehr los. Begegnungen, Tricks, Slapstick. Der Saal amüsiert sich. Schließlich nimmt er das Baby mit zu sich in seine Kammer. Erfindungsreich die kleinen Details wie die Trinkflasche aus einer Kaffeekanne, die er bastelt.

Leinwandfoto vom Stummfilmkonzert "The Kid" (Foto: (c) Martina Bracke)
Leinwandfoto vom Stummfilmkonzert „The Kid“ (Foto: (c) Martina Bracke)

Parallel dazu wird auch die Mutter gezeigt, wie sie ihr Kind zurückholen will. Immer wieder erfährt das Publikum zwischendurch auch etwas von ihrem Leben.

Dazu spielen die Philharmonikerinnen und Philharmoniker unter der Leitung von Carlos Vázquez die Musik, die Charlie Chaplin 1971, also fünfzig Jahre später, selbst dazu komponierte. Sie war nicht für die Live-Aufführung gedacht, aber natürlich ist es beeindruckend, das Orchester vor Ort auf der Bühne musizieren zu sehen und zu hören. Es liefert die Grundstimmungen der Szenen mit Walzern und Märschen, mit Klavier und Harfe und ganz zarten Glockenklängen neben den gewohnten Streich- und Blasinstrumenten.

Und im Film geht es auf und ab. Im Hauptteil steht das Kind seinem Ziehvater in nichts nach. Wirklich grandios der kleine Jackie Coogan, damals wie die Filmfigur ebenfalls fünf Jahre alt (der Film wurde bereits 1919 gedreht). Und es war nicht sein erster Film. Er avancierte aber insbesondere nach „The Kid“ zum Kinderstar der Stummfilmära.

The Kid und der Tramp sind ein eingespieltes Team – beim Backen und Verzehren von Pancakes oder beim Ausnehmen der Nachbarschaft. Der Kleine wirft die Scheiben ein, der Vater bietet die Reparatur an. Wenn nur nicht immer dieser eine Polizist durchs Viertel zöge …

Das Orchester spielt sich gekonnt durch Chaplins Welt, begleitet souverän Box- und Traumsequenzen, das Publikum genießt die Darbietung in vollen Zügen.

Aber natürlich kommt es auf der Leinwand, wie es kommen muss, Mutter und Kind treffen aufeinander und nach und nach wird alles aufgedeckt. Das Kind wird dem Tramp weggenommen. Tränen fließen – jedenfalls auf der Leinwand, aber das Publikum im Saal ist auf jeden Fall auch mitgenommen, die Flöten blasen Trauer. Die Wendung am Ende des Films kommt ein wenig schnell und kurz, den Rest muss man sich denken.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer honorieren einen gelungenen Abend mit viel Applaus. Sie haben gelacht, mitgelitten und ein gut aufgelegtes Ensemble auf der Bühne erlebt, das dem Film mit seiner musikalischen Begleitung eine besondere Tiefe gegeben hat.

Im Foyer bewundert man noch die vielfältigen Talente von Chaplin, der den Film schrieb, inszenierte, spielte und auch noch die Filmmusik dazu komponierte. In der Tat eine anerkennenswerte Leistung. Dann zieht man sich die Jacke an und geht hoffentlich von einem Lächeln beseelt nach Hause.

Mehr zum Philharmonischen Orchester unter www.theaterdo.de




Junge Wilde – Randell Goosby im Dortmunder Konzerthaus

Im Rahmen der Reihe „Junge Wilde“ waren am 20.04.2026 im Konzerthaus Dortmund der amerikanische Geiger Randall Goosby, die junge Cellistin Minjoung Kim und Zhu Wang am Klavier zu Gast.

Auf dem Programm standen drei Klaviertrios von unterschiedlichen Komponisten aus verschiedenen Jahrzehnten.



Zu Beginn erklang das Klaviertrio e-Moll (1893) des eher unbekannten Komponisten Samuel Coleridge-Taylor (1875–1912). Dieser hatte nicht nur – wie beispielsweise sein Kollege Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) – damit zu kämpfen, im Schatten des übermächtigen „Musik-Titanen“ Ludwig van Beethoven (1770–1827) zu stehen, sondern erfuhr als Sohn eines schwarzen Vaters aus Sierra Leone zudem gesellschaftliche Widerstände. Mit großer musikalischer Sensibilität vermittelte das Trio dem Publikum die Dramatik des ersten Satzes sowie die weitere Entfaltung des thematischen Materials mit all seinen Wendungen bis hin zum temporeichen Finale.

Das darauffolgende Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1839) ist geprägt von einem eher ungewöhnlichen Beginn mit einer langgezogenen, sich entwickelnden Kantilene. Das Klavier führt hierbei virtuose Gedanken in den Dialog der Instrumente ein. Im Andante stellt das Tasteninstrument das sich liedhaft entfaltende thematische Material vor, das fließend von einer Wellenbewegung der Streicher getragen wird und sich am Ende zur Elegie ausweitet. Das anschließende Scherzo weckt Assoziationen an Waldgeister oder Elfentänze.

Randell Goosby spielte im Konzerthaus. (Foto; (c) Kaupo Kikkas)
Randell Goosby spielte im Konzerthaus. (Foto; (c) Kaupo Kikkas)

Das unscheinbare, jedoch tiefgründige Klaviertrio Nr. 7 B-Dur op. 97 „Erzherzog“ (1811) – von Beethoven seinem Gönner Erzherzog Rudolph gewidmet – weist keinen dramatischen Unterton auf. Vielmehr bietet es einen eher unbekümmerten und ausladenden Klanggesang, der sich flächig ausbreitet. Erstmals lässt der Komponist das Klavier ein Trio allein beginnen – ein Zeichen der Nicht-Unterordnung dieses Instruments. Immer wieder sind volkstümliche Weisen zu hören, besonders im wienerischen Scherzo, das wie ein kleiner Walzer anmutet. Im Andante wird gekonnt mit unterschiedlichen Charakteren gespielt. In diesem etwas sperrig klingenden Satz dauert es einige Zeit, bis alle Instrumente die Melodien voll aussingen dürfen. Der Schlusssatz beginnt zunächst harmonisch, hält gegen Ende jedoch noch einige musikalische Überraschungen bereit.