Musical-Statement für Toleranz und Vielfalt 

Im Dortmunder Opernhaus erlebte das Publikum am 17.06.2026 die deutsche Uraufführung des Musicals „Alle reden nur noch von Jamie“. Es ist ein partizipatorisches Projekt der der „Jungen Oper Dortmund“, dass sich in der Drag-Szene bewegt. 



Beteilig daran war das Ensemble der Opern Youngstes (We Do Opera!), Schüler*innen des Märkischen Gymnasiums Iserlohn & Gäste. 

Live begleitet wurde das Geschehen auf der Bühne sensibel von der YoungSymphonics Band (We Do Opera!) 

Grundlage war das Buch (und Gesangstexte) von Tom Macrae (Deutsch: Werner Sobotka), Musik von Dan Gillespie. Das Ganze entstand nach einer Idee von Jonathan Butterell. 

Dominik Kulczyński, Ensemble. Foto: (c) Björn Hickmann
Dominik Kulczyński, Ensemble. Foto: (c) Björn Hickmann

Zum Plot: Der 16-jährige Jamie New aus Sheffield, stark gesungen und gespielt von Dominik Kulczyński, hat einen großen Traum. Er möchte hoch hinaus und Drag-Queen werden. Tatkräftig unterstützt wird er nur von seiner Mutter Margret New (Marja Hennicke), deren beste Freundin Ray (Freddy Kutz). Sein Vater (Martin Lasche) lehnt in ab und hat eine neue Familie gegründet. In der Schule ist er Außenseiter wie seine gute Freundin Pritti Pasna (Lilly Sophie Kastner), eine ehrgeizige Muslima. Eine wichtige Person ist Hugo, die ehemalige Drag-Queen „Loco Chanelle“. Für diese Rolle konnte Ks. Hannes Brock gewonnen werden, der sie mit Spielefreude und seiner Persönlichkeit ausfüllte. Wir begleiten Jamie auf seinen schwierigen Weg zur Selbstfindung. 

Die Songs wurden mit ihren tiefen Emotionen vom Ensemble von der Bühne aus herübergebracht. Die jeweiligen Ortschaften per Leinwandprojektionen präsentiert. 

Die Fans der Drag-Szene kamen auf ihre Kosten. Es gab viele schillernde Kostüme (Nina Albrecht-Paffendorf) zu sehen und die Maskenabteilung hatte gute Arbeit geleistet. Es gab viel Zwischenapplaus und das Publikum reagierte impulsiv auf Handlung, den eindringlichen Gesang oder der gelungenen Choreografien (Jutta Maas). Der Abend wurde mit dreieinhalb Stunden (inklusive Pause) lang. 

Es war eine unterhaltsam-bewegende Coming-of-Age Geschichte, eine Hommage an die Drag-Szene, aber vor allem ein Plädoyer für Toleranz, Vielfalt und den Mut zur Selbstakzeptanz. 

Die weiteren Aufführungstermine erfahren Sie wie immer unter www.theaterdo.de der Tel.: 0231/ 50 27 222




Es lebe die Liebe!

Die Entführung aus dem Serail nach Mozart

Es ist voll im Opernhaus, es ist laut im Opernhaus. Rund achthundert Kinder und Jugendliche suchen ihre Plätze. Auf der bereits offenen Bühne sitzt jemand und liest. Auf einem Bett.



Als sich im Publikum alles sortiert hat, kommen die Musikerinnen und Musiker. Sie finden ihren Platz im Hintergrund, und nach der lautstarken Begrüßung durch das junge Publikum fällt zwischen ihnen und der Vorderbühne ein halbtransparenter Vorhang. Das Spiel kann beginnen.

Der lesende Junge auf dem Bett erwacht zum Leben durch die Puppenspielerin, die auch seine Mutter darstellt. Eine Gute-Nacht-Geschichte? Eine von Piraten und Tränen und Liebe. Eine Entführungsgeschichte, eine Befreiungsgeschichte. Viel steckt drin in diesem Singspiel nach Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1782 und dem Libretto (dem Text) von Johann Gottlieb Stephanie, bearbeitet von Paulus Hochgatterer und Nikolaus Habjan (auch Regie).

Kristine Stahl Foto. (c) Björn Hickmann
Kristine Stahl Foto. (c) Björn Hickmann

Die alte Oper neu verpackt auf der Dortmunder Bühne. Das funktioniert mit dem Erzählerduo und dieser kleinen Rahmenhandlung sehr gut und kindgerecht. Neben der lebensgroßen Jungenfigur sind weitere kleinere, liebevoll gestaltete Puppenakteure auf der Drehbühne rund um das Bett verteilt und werden teilweise auch von den ganz in schwarz gekleideten Sängerinnen und Sängern gespielt. Eine weitere Dekoration gibt es nicht, aber auf der Gaze, dem Vorhang im Hintergrund, laufen gleichzeitig Filmeinspielungen mit diesen Puppen. Über allem werden noch die Texte eingeblendet, sodass alle gut folgen können.

Manchmal ist es aber doch schon ziemlich viel, was da auf allen vier Ebenen abläuft: Die Sängerinnen und Sänger links und rechts, in der Mitte die Puppenspielerin Kristine Stahl und ihre Puppen, die bewegten Bilder auf der Gaze und der mitlaufende Text. Wo soll man nun hinschauen? Und wer ist gerade dran? 

Dem Publikum gefällt es aber insgesamt sehr gut. Es gibt immer wieder Szenen- und Zwischenapplaus, und die Sangeskunst erreicht die jungen Menschen. Allzu oft waren sie sicherlich nicht in der Oper, denn die häufige Wiederholung der Textpassagen in Arien ist ihnen nicht vertraut. Sie klatschen so schon mal dazwischen. Das macht aber nichts. Darauf muss man sich als Ensemble einstellen und es bringt auf der Bühne auch niemanden aus dem Konzept.

Der Erzählerkniff erlaubt es, die Oper auf ungefähr eineinviertel Stunden zu begrenzen. Die manchmal blutrünstigen Texte geben vielleicht noch etwas zu denken, aber insgesamt eine runde, spannende Piratengeschichte für junge Leute mit einer guten Portion Liebe angereichert und vor allem mit Herzblut dargeboten von einem gut aufgelegten Orchester, hervorragenden Sangesstimmen und einer sympathischen Rahmenhandlung mit Puppenspielerin.

Weitere Termine unter www.theaterdo.de




Klassik im Industrie-Klangraum – Die Dortmunder Philharmoniker im Salzlager der Kokerei Hansa

Das Konzept, klassische Musik aus den traditionellen Konzertsälen herauszuholen und an Un-Orte zu bringen, ist im Ruhrgebiet fest verankert. Doch selten gelingt die Symbiose aus historischer Architektur und musikalischer Exzellenz so organisch wie beim 4. Kammerkonzert der Dortmunder Philharmoniker. Unter dem vielversprechenden Titel „Lieblingsstücke“ luden die Musikerinnen und Musiker in das Salzlager der Kokerei Hansa – ein Abend, der bewies, dass Beethoven und Industriekultur sich erstaunlich viel zu sagen haben.



Ein genialer Strauss-Remix zum Auftakt

Den Beginn machte ein Werk, das man getrost als historischen „Remix“ bezeichnen darf: Richard Strauss’ Till Eulenspiegel einmal anders, in der hochkonzentrierten Bearbeitung von Franz Hasenöhrl. Wer das gewaltige orchestrale Original im Kopf hat, rieb sich hier fasziniert die Ohren. Eingedampft auf eine vitale Quintett-Besetzung war diese Hommage an Strauss zwar kurz, aber ungemein kurzweilig und von erfrischendem Witz geprägt. Die Musiker brachten die frechen, humorvollen Kapriolen des Till Eulenspiegel mit einer Pointiertheit auf die Bühne, die das Stück zu einem außergewöhnlichen, spritzigen Appetithappen des Abends machte.

Die Geigerin Shinkyung Kim gehörte zum Septett. (Foto: (c) Sophia Hegewald)
Die Geigerin Shinkyung Kim gehörte zum Septett. (Foto: (c) Sophia Hegewald)

Perfekte Harmonie zwischen Bläsern und Streichern

Das Hauptwerk des Abends forderte ein Höchstmaß an kammermusikalischer Präzision: Ludwig van Beethovens monumentales Septett Es-Dur op. 20. Es war eine helle Freude zu beobachten, wie außergewöhnlich gut die gemischte Besetzung aus Streichern und Bläsern hier harmonierte. Die Balance zwischen dem warmen Fundament der Streicher und den eleganten Linien der Bläser war makellos austariert. Das Ensemble musizierte mit einer spürbaren Spielfreude, die die jugendliche Frische und den unbeschwerten Esprit dieses frühen Beethoven-Meisterwerks voll zur Entfaltung brachte.

Industrielle Relikte als Resonanzkörper

Das eigentliche Highlight des Abends war jedoch die Kulisse selbst. Auf den ersten Blick scheinen das moderne, raue Industrieambiente der Kokerei Hansa und die Wiener Klassik eines Beethovens Welten voneinander entfernt zu sein. Doch die Verbindung funktionierte auf magische Weise. Das Salzlager erwies sich nicht bloß als dekorativer Hintergrund, sondern als ein ganz besonderer Klangraum. Die industriellen Relikte und die weiten Mauern absorbierten den Schall nicht, sondern formten ihn mit, sodass eine intime und zugleich tragende Akustik entstand, die den Instrumenten eine ganz besondere Färbung verlieh.

Fazit: Die Dortmunder Philharmoniker haben mit ihren befreundeten Gästen gezeigt, wie lebendig Kammermusik sein kann, wenn sie den richtigen Raum findet. Die Kokerei Hansa bot an diesem Abend weit mehr als nur Industrie-Nostalgie – sie wurde zu einem lebendigen Resonanzkörper für zwei absolute Lieblingsstücke. Ein rundum gelungener, kurzweiliger Abend, der vom Publikum mit begeistertem Applaus quittiert wurde.




Eine Zeitmaschine aus Klang – Das Sollazzo Ensemble in der Dortmunder Marienkirche

Es passiert nicht alle Tage, dass die Musikwelt einen jahrhundertealten Schatz hebt. Als 2015 der sogenannte Leuven Chansonnier bei einer Auktion auftauchte, war das eine musikwissenschaftliche Sensation: Ein intaktes, winziges Liederbuch aus der Zeit um 1470, vollgepackt mit weltlichen Chansons der franko-flämischen Schule. Einige dieser Werke sind weltweit einzigartig (Unica). Das hochkarätige Sollazzo Ensemble unter der Leitung von Anna Danilevskaia brachte dieses musikalische Juwel nun in der St. Marienkirche zu Gehör – und verwandelte das Gotteshaus für einen Abend in einen spätmittelalterlichen Fürstenhof.



Klangliche Transparenz in historischen Mauern

Wer die St. Marienkirche kennt, weiß um die akustischen Herausforderungen, die große Kirchenräume für komplexe, mehrstimmige Musik oft bereithalten. Aus den vorderen Reihen bot sich dem Publikum jedoch ein phänomenales Klangerlebnis. Die komplexe Polyphonie von Meistern wie Johannes Ockeghem, Antoine Busnoys oder Robert Morton verschwamm keineswegs im architektonischen Nachhall. Im Gegenteil: Die Gesangsstimmen und historischen Instrumente präsentierten sich in einer wunderbaren Klarheit und messerscharfen Deutlichkeit. Jede feine Linie, jede harmonische Reibung blieb transparent und greifbar.

Die Kunst der Zeitreise

Es ist eine Gratwanderung, Musik des 15. Jahrhunderts so zu interpretieren, dass sie nicht wie ein staubiges Museumsstück wirkt. Dem Sollazzo Ensemble gelang hier ein kleines Kunststück: Sie brachten die höfische Liebeslyrik und die intellektuelle Tiefe der Epoche so authentisch zu Gehör, dass sich die Zuhörenden unweigerlich auf eine Zeitreise zurück an die Schwelle zwischen Spätmittelalter und Renaissance versetzt fühlten.

Das Sollazzo Ensemble in der Marienkirche. (Foto: (c) Karen Elias)
Das Sollazzo Ensemble in der Marienkirche. (Foto: (c) Karen Elias)

Einzelne Stücke herauszuheben, fiele schwer und würde dem geschlossenen Charakter des Abends kaum gerecht werden. Jedes Chanson funktionierte wie ein kunstvoll gestaltetes Epochenfenster. Man konnte förmlich die melancholische Eleganz und die strenge Etikette der damaligen Adelshöfe spüren. Die Musikerinnen und Musiker transportierten die Emotionen der Texte mit einer Lebendigkeit, die das Gestern ganz nah ans Heute heranholte.

Ein Abend für Entdecker und Kenner

Dass ein solches Nischenprogramm kein klassisches Mainstream-Publikum anzieht, liegt in der Natur der Sache. Die Marienkirche war an diesem Abend spürbar von einem fachkundigen Publikum besetzt – Menschen, die die Seltenheit und den musikhistorischen Wert dieser Aufführung zu schätzen wussten. Doch auch die neugierigen Entdecker im Raum wurden von der dichten Atmosphäre und der handwerklichen Perfektion des Ensembles sogleich gefesselt. Unbekannte Musik der Renaissance in dieser Qualität bekommt man schließlich nur extrem selten live geboten.

Fazit: Das Sollazzo Ensemble hat dem Leuven Chansonnier in Dortmund genau die Bühne geboten, die dieser sensationelle Fund verdient. Ein Abend von berückender Klarheit, der bewies, dass alte Musik, wenn sie mit so viel Hingabe und Sachverstand interpretiert wird, die kraftvollste Zeitmaschine überhaupt sein kann.




Märchenhaft-fantasievolles philharmonisches Konzert 

Das 8. Philharmonische Konzert am 09. und 10.06.2026 im Dortmunder Konzerthaus war ganz von Fantasie und musikalischen Märchenwelten geprägt. Im 19. Jahrhundert rückte die Kindheit zunehmend als bedeutsame Entwicklungsphase in den Mittelpunkt des Interesses. Die Dortmunder Philharmoniker unter der feinfühligen Leitung von Nodoka Okisawa (geb. 1987) entführten das Publikum mit Werken von Ravel, Yoshimatsu und Mozart in eine ganz besondere Klangwelt. 



Maurice Ravel (1875–1937) war eine führende Stimme der damaligen jungen Generation. Mit seiner Suite „Ma mère l’oye“ („Meine Mutter Gans“) entwarf er eine stilisierte Welt der Kindheit. Die ersten beiden der fünf Sätze basieren auf den Märchen „Dornröschen“ und „Der kleine Däumling“, während der dritte Satz das fantasievolle Bild einer badenden chinesischen Herrscherin zeichnet, die von winzigen Dienern umgeben ist. Ravels Musik besticht dabei durch reizvolle Harmonien und einen enormen Reichtum an Klangfarben. 

Das anschließende zeitgenössische Fagottkonzert „Unicorn Circuit op. 36“ des japanischen Komponisten Takashi Yoshimatsu (geb. 1953) ist zwischen Lyrik und Mythologie angesiedelt. In drei Sätzen führt die Fantasiereise stimmungsvoll durch die Jahreszeiten Herbst, Winter und Frühling. Dabei ist die Musik von einem steten Wechsel zwischen traditioneller Tonalität mit ruhigen, meditativen Elementen und avantgardistisch-dissonanten Abschnitten geprägt. Die 1991 in Frankreich geborene Fagottistin Sophie Dervaux stellte hier eindrucksvoll ihr außergewöhnliches Können und ihre Virtuosität unter Beweis. 

Sophie Dervaux spielte das zeitgenössische Fagottkonzert „Unicorn Circuit op. 36“. Foto: (c) Marco Borggeve
Sophie Dervaux spielte das zeitgenössische Fagottkonzert „Unicorn Circuit op. 36“. Foto: (c) Marco Borggeve

Nach der Pause setzte die Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 („Jupiter-Sinfonie“) von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) einen glanzvollen Schlusspunkt. Mit ihrer Klarheit, Präzision, kontrastreichen Themenführung und scheinbaren Leichtigkeit gilt sie als absoluter Höhepunkt der Schaffenskraft des Komponisten – und das in einer Zeit schwerer psychischer und finanzieller Belastungen. Das Werk bildet eine geniale Verbindung aus kontrapunktischer Fuge und klassischer Sinfonie, getragen von einer gelungenen Balance zwischen festen Strukturen und beweglichen Formgliedern. Das volkstümlich-barocke Leichte verschmilzt hier perfekt mit dem kompositorisch Schweren. Eine ganz besondere Ausdruckskraft entfaltet schließlich das grandiose Finale im vierten Satz, dessen ausgedehnte Fuge die Krone aufsetzt.




Grand opéra im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals 

Das Klangvokal Musikfestival Dortmund bot mit „La Favorite“ von Gaetano Donizetti (1797–1848) am 07.06.2026 wieder einmal ein besonderes konzertantes Opernerlebnis im hiesigen Konzerthaus. 



Dieses Werk ist geprägt von einer gelungenen Verbindung französischer theatraler Monumentalität und italienischer, ausdrucksstarker melodischer Schönheit. Gesungen wurde in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln. 

Im Zentrum von „La Favorite“ steht die dramatische Konstellation um den historischen König Alfons XI. von Kastilien, seine Mätresse Léonor de Guzmán und deren große Liebe zum jungen Fernand. Zwischen Klosterwelt, höfischer Macht, der Einflussnahme der katholischen Kirche und individueller Leidenschaft entwickelt sich ein packendes Drama. Standesunterschiede, Schuldgefühle, Missachtung und ein veralteter Ehrbegriff führen schließlich zu einem tragischen Ende. 

Die Solisten (v.l.n.r.) Angel Macias, Suzanne Jerosme und Bogdan Talos. (Foto: (c) Karen Elias)
Die Solisten (v.l.n.r.) Angel Macias, Suzanne Jerosme und Bogdan Talos. (Foto: (c) Karen Elias)

Die für das Konzert aufgebotenen internationalen Stars der Opernszene machten die verschiedenen Emotionen gesanglich, mimisch sowie gestisch spürbar. Als Léonor überzeugte die Mezzosopranistin Varduhi Abrahamyan (aus Jerewan), während der australisch-chinesische Tenor Kang Wang der Rolle des Fernand besondere Eindringlichkeit verlieh. Mit seinem warmen Bariton begeisterte zudem der aus Neapel stammende Vito Priante als König Alphonse XI. 

Ihr großes gesangliches Können bewiesen auch die französische Sopranistin Suzanne Jerosme als Inez (Vertraute), der in Mexiko geborene Tenor Angel Macias als Don Gasparo (Offizier des Königs) und Bogdan Talos mit seinem tiefen Bass in der Rolle des Balthazar (Prior des Klosters San Giacomo). 

Das Ensemble des WDR Funkhausorchesters unter der temperamentvollen Leitung des italienischen Belcanto-Dirigenten Antonino Fogliani sorgte für eine feinfühlige und je nach Ort der Handlung differenzierte musikalische Begleitung. Zudem untermalte der WDR Rundfunkchor (Einstudierung: Alexander Lüken) das Geschehen eindrucksvoll und stimmgewaltig aus dem Hintergrund. 

Sendehinweis: Der Konzertmitschnitt wird am 4. Juli 2026 um 20:00 Uhr auf WDR 3 und weiteren Sendern der ARD ausgestrahlt. 




Berauschende Intimität im domicil: Andrea Motis verzaubert das Klangvokal Musikfestival

Das Dortmunder Klangvokal Musikfestival ist bekannt für seine Sternstunden der Vokalkunst – doch was die katalanische Ausnahmekünstlerin Andrea Motis am Abend des 27. Mai 2026 im ausverkauften Jazzclub domicil präsentierte, war weit mehr als ein gewöhnliches Konzert. Es war eine Lektion in musikalischer Eleganz, Reduktion und spürbarer Spielfreude.



Im Zentrum des Abends stand das Material ihres brandneuen Albums Intimate, und das Trio – bestehend aus Motis und ihren zwei meisterhaften Gitarristen Josep Traver und Jurandir Dã Silva – nahm diesen Titel entwaffnend wörtlich.

Ein Abend in zwei Akten: Von leisen Tönen zum mitreißenden Swing

Die Dramaturgie des Konzerts war klug gewählt und spiegelte die enorme Bandbreite der 31-Jährigen wider. Der erste Teil des Abends gehörte ganz der Introspektion. Motis verzichtete zunächst fast vollständig auf ihr Markenzeichen, die Trompete, und stellte stattdessen ihre Stimme ins Scheinwerferlicht. Begleitet vom feinsinnigen, harmonischen Geflecht der beiden Gitarren – wo Travers jazziges Fundament perfekt mit Dã Silvas fließenden, afro-brasilianischen Bossa-Nova-Rhythmen verschmolz – entfaltete der Gesang eine fast magnetische Wirkung. Warm, klar und verletzlich zog sie das Publikum im Club vom ersten Ton an in ihren Bann.

Ob mit Gesang oder Trompete: Andrea Motis riss das domicil mit.
Ob mit Gesang oder Trompete: Andrea Motis riss das domicil mit.

Nach der Pause änderte sich die Energie im Raum spürbar. Als Andrea Motis im zweiten Teil endlich zur Trompete griff, atmete der Club tief den Geist des klassischen Bop und Swings ein. Ihr lyrischer, an Chet Baker erinnernder Ton auf dem Instrument brachte eine wunderbare Dynamik in das Set. Die Arrangements wurden schwungvoller, die Interaktion mit Traver und Dã Silva noch dichter und das domicil pulsierte.

Gänsehaut-Momente und Publikumsnähe

Ein absoluter Höhepunkt des Abends war zweifellos ihre ganz eigene Interpretation des modernen Klassikers „Valerie“. Befreit vom treibenden Pop-Gewand der bekannten Amy-Winehouse-Version legte das Trio den emotionalen Kern des Songs frei und bewies, wie zeitlos gutes Songwriting im Jazz-Gewand funktionieren kann.

Wie nahbar und unprätentiös diese Künstlerin agiert, zeigte sich spätestens, als sie das Dortmunder Publikum aktiv einbezog: Bei einem eigens dafür ausgewählten Stück stimmte der gesamte Saal textsicher und enthusiastisch in den Refrain ein – ein intimer Gänsehaut-Moment, der die Barriere zwischen Bühne und Zuschauerraum komplett auflöste.

Fazit

Insgesamt überzeugte Andrea Motis im domicil auf ganzer Linie. Es war kein Abend der lauten Show-Effekte, sondern ein Fest der leisen Nuancen, die in der zweiten Hälfte in pure, swingende Lebensfreude mündeten. Mit zwei Gitarristen der Extraklasse an ihrer Seite und dem perfekten Wechselspiel aus berührendem Gesang und virtuosem Trompetenspiel hat sie Dortmund einen unvergesslichen Festival-Abend beschert. Eine reife, tief beeindruckende Künstlerin, von der man noch sehr viel hören will.




Lasst uns unsere schönen Jahre genießen

Les Boréades von Jean-Philippe Rameau gespielt von a nocte temporis unter der Leitung von Reinoud van Mechelen

„Lasst uns unsere schönen Jahre genießen …“ Es wird gefeiert am Hofe von Königin Alphise in Baktrien, einem Teil des heutigen Afghanistans. Sie soll sich einen Gatten erwählen und hat zwar die Wahl, aber es muss ein Nachkomme des Nordwindes Boreas (Borée) sein. Verliebt ist sie tatsächlich. Nur leider in Abaris, einen Tempeldiener unbekannter Herkunft.



In seiner letzten Oper zieht der französische Barockkomponist Jean-Philippe Rameau (1683 – 1763) noch einmal alle Register, lässt die Luft flirren vor Liebe zwischen den beiden, die Amors Pfeil getroffen hat. Das einzige spielerische Requisit in dieser konzertanten Aufführung. Die Erde erzittert bei der Rache des Nordwindes, den die beiden verschmähten Bewerber anrufen. Ganz wunderbar der Perkussionist, der hier sein Material ausreizt, und ansonsten auch bei leisen Stellen mit nur einigen Schellen zauberhaft unterstützt.

"Der Liebespfeil in den Händen der Königin Alphise, gesungen von Gwendoline Blondeel" Fotograf unbekannt.
„Der Liebespfeil in den Händen der Königin Alphise, gesungen von Gwendoline Blondeel“ Fotograf unbekannt.

Manche erzählerischen Teile werden nur mit Cello und Cembalo zart untermalt, was dem Sänger des Abaris Raum gibt. Den er sich zu nehmen weiß, denn der Countertenor Reinoud van Mechelen singt nicht nur diese Partie, nein, er ist auch gleichzeitig der Dirigent des gesamten belgischen Ensembles. Und als solcher hält es ihn kaum an seinem Platz. Er findet sich beim Lenken des Orchesters und der Sängerinnen und Sänger des „Chœur de Chambre de Namur“ vor und neben dem Pult wieder, manchmal tänzelnd. Man merkt ihm seine Hingabe zu der Musik an und bewundert den Wechsel vom Dirigenten zum Sänger mit dem Notenbuch in der einen Hand, wie er sich damit dreht, dem Publikum nicht mehr den Rücken zuwendet und sich der Liebe zu Alphise widmet.

Man leidet ein wenig mit in dieser Doppelrolle, aber schnell vergisst man die Mühen, denn das Spiel geht ja weiter, die Liebe will verteidigt werden. Zwar gibt Abaris fast auf, dennoch nimmt er all seinen Mut zusammen und sucht seine Alphise zu befreien, die für sich schon die Lösung gefunden hat, auf den Thron zugunsten der Liebe gänzlich zu verzichten. „Geliebter, was wäre das Reich des Universums selbst ohne Euch?“ Eine gute Absicht, doch mit dem Nordwind nicht zu machen, er entführt sie schlichtweg.

Dem Opernwerk erging es in seiner Zeit nicht viel besser. 1763 sollte sie zur Aufführung kommen, die Proben hatten bereits begonnen, doch sie verschwand für mehr als zweihundert Jahre in den Archiven. Dabei war der Komponist sehr bekannt und gilt auch heute noch als ein Meister seines Faches, der allerdings in der Wahrnehmung in Deutschland hinter die italienischen und deutschen Komponisten zurückfällt. Das zu ändern, bietet das Dortmunder Klangvokal-Festival  einen hervorragenden Rahmen. Und erfüllt damit auch die Erwartungen eines Stammpublikums, indem es bereits über die Jahre sich auch dem Barock widmet und immer wieder hier eher unbekannte Werke auf die Bühne bringt.

Diese Begeisterung merkt man dem Festivaldirektor Torsten Mosgraber genauso an, wenn man ihn ein paar Tage vor dem Konzert vor Studierenden in einem öffentlichen Seminar/Workshop im Dortmunder U erlebt. Zusammen mit Prof. Dr. Barbara Welzel von der TU Dortmund laden sie jedes Jahr ein, sich mit den Hintergründen und auch aktuellen Bezügen eines besonderen Werkes bei Klangvokal zu beschäftigen. Neben den musikalischen Raffinessen geht es auch um die gesellschaftliche Einordnung. „Les Boréades“ handelt von einer unstandesgemäßen Liebe. Und es stellt sich die Frage, wie sich Macht legitimiert. Darf es nur die Herkunft sein?

Vielleicht war das auch, zwanzig Jahre vor der Französischen Revolution, ein Grund, warum die Oper nicht aufgeführt wurde. Vielleicht war sie zu progressiv. So jedenfalls einige Vermutungen. Was nicht passte, durfte nicht sein. Und bloß niemanden auf die Idee bringen, dass Macht auch andere Legitimitätsgründe haben könnte.

Dabei hat der unbekannte Librettist, also Autor des Textes (zugeschrieben Louis de Cahusac), alles dahingehend aufgelöst, dass der Gott des Lichts, Apollon, sich einmischt und offenbart, dass Abaris sein Sohn sei, den er mit einer Nachfahrin des Nordwindes gezeugt hat. Sehr schön präsentiert von dem tschechischen Bariton Tomáš Král.

Ein genussvoller Abend für alle auf der Bühne des Orchesterzentrums NRW in der Brückstraße, der Meile der Musik und Vokalmusik.

Lasst uns das Leben genießen – und das jeden Tag.

Mehr genussvolle Momente unter www.klangvokal-dortmund.de

Und auch nicht verpassen: Das „Fest der Chöre“ in der Dortmunder Innenstadt am 13.06.26




Romeo-und-Julia-Motiv mit besonderem Blickwinkel 

Im Opernhaus Dortmund feierte am 30.05.2026 die Ballettchoreografie „Radio and Juliet“ von Edward Clug (Artist in Residence) mit dem NRW-Juniorballett ihre Premiere. Clug gelang vor über zwanzig Jahren mit dieser Choreografie in Maribor der internationale Durchbruch. In diesem Werk wird die bekannte tragische Liebesgeschichte von Romeo und Julia – geprägt von Familienzwist, Machtstrukturen und Rivalitäten – aus einem besonderen Blickwinkel erzählt: Der Fokus liegt ganz auf den inneren Empfindungen der weiblichen Protagonistin. Wie in einem Wachtraum wird das Publikum in die Gedanken und Emotionen von Juliet geführt. 



Schon zu Beginn werden die Anwesenden per Schwarz-Weiß-Videoclip (Janja Glogovac) behutsam in das Anwesen und die Gemächer von Juliet geleitet. Das Stück beginnt mit dem Erwachen von Juliet, die hier nicht gestorben ist. Gemeinsam mit ihr durchleben wir die vorherigen Geschehnisse: den Familienstreit, die wachsende Liebe zwischen ihr und Romeo, Gangrivalitäten sowie den Tod von Mercutio und Romeo. 

Das junge Ballett-Ensemble überzeugte mit solidem, präzisem Tanzhandwerk in Verbindung mit modernen künstlerischen Ausdrucksformen. Jede Geste sowie die kurzen Momente des abwägenden Innehaltens und der Besinnung besaßen eine tiefe Bedeutung. Was wäre, wenn man durch eine selbstbestimmte Handlung das scheinbar unausweichliche Schicksal ändern könnte? Das Stück zeigt einen zarten Widerstand und Zweifel gegen das endgültige „So ist es nun einmal und so muss es sein“. 

Liberty Fergus, Kaining Dong. Foto: (c) Leszek Januszewski
Liberty Fergus, Kaining Dong. Foto: (c) Leszek Januszewski

Die Frage nach alternativen, friedlichen Lösungen ist auch in unseren heutigen Krisenzeiten von aktueller Bedeutung. 

Ein Resonanzraum voll Emotionen wurde durch die sphärisch intensive, mal pulsierende, dann wieder melancholisch-nachdenkliche Musik von Radiohead eröffnet. Das Zusammenwirken von Körperbewegung und Musik führte zu einem berührenden Erlebnis zwischen Gefühlstiefe, Zerbrechlichkeit und spannungsgeladenen Momenten. 

Für das NRW-Juniorballett war dies eine große Herausforderung, die die Compagnie mit professioneller, jugendlicher Energie, großem Können und Engagement meisterte. 

Weitere Aufführungstermine finden Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231/50 27 222.




We DO dance: Ein choreografischer Parcours durch das Leben auf der Kokerei Hansa

Am 22. Mai 2026 feierte ein ganz besonderes Format seine Premiere: „We DO dance: Ausgabe 1“. Sechs Uraufführungen von jungen Choreograf*innen aus den Reihen des Ballett Dortmund und des NRW Juniorballett verwandelten die raue Industriearchitektur der Kokerei Hansa in eine faszinierende Bühne. Das verbindende Element dieses Abends war so universell wie komplex: das Leben selbst in all seinen Facetten. Doch anstatt das Publikum vor eine klassische Bühne zu setzen, wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt und auf einen atmosphärischen Parcours durch das Industriedenkmal geschickt.



Auftakt in der Kompressorenhalle: Das Leben in all seinen Facetten

Für meine Gruppe begann diese Reise in der altehrwürdigen Kompressorenhalle – ein Ort, an dem schwere Maschinen und enge Raumverhältnisse eine ganz eigene, dichte Atmosphäre schaffen. Den Auftakt machte hier Jasmine Camerons Happens. Das Stück ist eine vitale Ode an das Unerwartete, eine choreografische Aufforderung, sich auf den Fluss der Dinge einzulassen. Zur treibenden, hervorragend abgestimmten Musik von Travis Lake feierte das Trio (Jasmine Cameron, Selen Gür und Sae Tamura) die pure Lebendigkeit des Augenblicks und brachte eine pulsierende Energie in die alte Halle.

Einen faszinierenden Kontrast lieferte direkt im Anschluss If I did von Keigo Muto. Aus dem Konzept des Schmetterlingseffekts heraus entwickelte sich ein eindrücklicher, moderner Pas de deux. Obwohl der Raum zwischen den Maschinen eng bemessen war, füllten Selen Gür und Simon Jones ihn mit einer enormen Bühnenpräsenz restlos aus. Was auf dem Papier wie ein Widerspruch wirken mag, entpuppte sich als absoluter Glücksgriff: Die klaren, barocken Strukturen von Johann Sebastian Bach und die schwere, stählerne Industriearchitektur der Kompressorenhalle harmonierten auf geradezu wundersame Weise miteinander und boten den perfekten Resonanzraum für dieses herausragend getanzte Duett.

Der Butterraum als Ort der Kontraste: Von Zweisamkeit zur radikalen Isolation

Die zweite Station führte uns in den sogenannten „Butterraum“. Wie ein zarter Moment aus einem klassischen Science-Fiction-Plot – man fühlt sich unweigerlich an die Sehnsucht eines Commander Data nach echter Menschlichkeit erinnert – inszenierte Yingyue Wang hier mit A World Between Us das Erwachen zweier künstlicher Existenzen. Man denkt an die melancholische Nostalgie des 80er-Jahre-Hits „Computerliebe“, wenn Liberty Fergus und António Ferreira diesen flüchtigen Funken, diesen Ausbruch aus ihrer strengen Programmierung, auf die Bühne bringen. Die beiden tanzen diese Anomalie mit einer enormen Eindrücklichkeit: Aus der anfänglichen Mechanik wurde ein langsames, fließendes Auftauen der Körper. Getragen von den Klängen Ludovico Einaudis wurde aus kalter Präzision für einen Herzschlag lang spürbare Menschlichkeit, bevor das System die beiden unerbittlich in ihre künstliche Realität zurückzwang.

Choreograf*innen des Abends: Keigo Muto, Kaining Dong, Yingyue Wang, Jasmine Cameron, Anatole Coste, Damian Huiduc Manolescu. Foto:  (c) Leszek Januszewski
Choreograf*innen des Abends: Keigo Muto, Kaining Dong, Yingyue Wang, Jasmine Cameron, Anatole Coste, Damian Huiduc Manolescu. Foto: (c) Leszek Januszewski

Einen starken inhaltlichen Gegenpol im selben Raum lieferte Kaining Dong mit seinem Solo self-ish. Wo im Stück zuvor nach Verbindung gesucht wurde, wählte Dong die bewusste Isolation. Zu den impressionistischen Klängen von Claude Debussy präsentierte er sich dem Publikum zunächst völlig eingehüllt – abgeschirmt von allen äußeren Erwartungen. Dongs radikaler Ansatz, keine emotionale Brücke zum Zuschauer schlagen zu wollen, manifestierte sich in einer faszinierenden Introspektion: Alles, was er in seiner Laufbahn gelernt und verinnerlicht hat, tanzte er in diesem Moment ausschließlich für sich selbst. Erst ganz zum Schluss der Performance öffnete er sich ein wenig und gewährte einen winzigen, flüchtigen Einblick aus seiner Isolation heraus.

Finale in der Waschkaue: Zwischen Resignation und Hoffnung

Die letzte Station unseres Parcours führte in die historische Waschkaue der Kokerei. Es ist ein Raum, der atmet; man kann förmlich noch erahnen, wo sich die Männer nach getaner Arbeit den Staub der Schicht abwuschen. Wenn man – wie ich durch meinen eigenen Vater – mit der hiesigen Bergbaugeschichte tief verwurzelt ist, bekommt ein solcher Ort eine ganz besondere, wehmütige Resonanz, die sich nahtlos auf die Wahrnehmung der dort gezeigten Tanzstücke überträgt.

Gerade vor diesem Hintergrund schwerer körperlicher Arbeit entfaltete Damian Huiduc Manolescus Balloon in a Briefcase eine besondere Wirkung. Werden wir unweigerlich vom spielenden Kind im Wald zum ernsthaften Erwachsenen auf dem Weg zur Arbeit? Der Choreograf und Tänzer geht dem Verlust der kindlichen Unschuld und der vermeintlichen Akzeptanz des grauen Alltags nach. Doch er belässt es zu den Klängen von Henryk Mikołaj Górecki nicht bei der Resignation: Manolescu hat buchstäblich noch einen Trumpf im Koffer. Als am Ende ein roter Herz-Luftballon aus der Aktentasche aufsteigt, entsteht ein wunderbar poetisches Bild dafür, dass wir uns unsere Fantasie durchaus bewahren können.

Einen überaus hoffnungsvollen, leuchtenden Schlusspunkt in einer krisengeschüttelten Gegenwart setzte schließlich Anatole Coste. Sein Stück Lovers should dance liefert eine starke, tröstliche Botschaft: Gerade weil es Krieg, Angst und Gewalt gibt, müssen Liebende tanzen, um der Welt ein entscheidendes Stück Hoffnung zu bewahren. Begleitet von einem beeindruckenden, selbst kreierten Sounddesign brachten Teodora Neacsu und Anatole Coste diesen emotionalen Appell mit großer Intensität auf die Bühne. Fazit: Mit „We DO dance: Ausgabe 1“ ist ein Format entstanden, das durch die ungewöhnliche Symbiose aus roher Dortmunder Industriegeschichte und erstklassigem, modernem Tanz lange nachhallt. Ein unvergesslicher Spaziergang durch das Leben, der unbedingt nach einer zweiten Ausgabe verlangt