Literaturfestival der Vielfalt

Vom 05. bis zum 15. November startet zum 16. Mal das LesArt Festival in Dortmund. Unter dem Titel „morgen abend wunder land“ gibt es sogar am 17. und am 22. November 2015 einen Nachschlag. Mit dabei sind unter anderem Herbert Feuerstein, Piet Klocke oder Fritz Eckenga.

Eröffnet wird das Festival mit dem 17. Dortmunder Lyriktag. Der poetische Dialog mit den Niederlanden wird weitergeführt. Mit dabei sind Bianca Boer (Rotterdam), Katharina Bauer und Ellen Widmaier (Dortmund). Die Veranstaltung findet am 05. November um 19:30 Uhr im literaturhaus.dortmund (Neuer Graben 78) statt. Eintrittspreis 7 €.

Am 08. November 2015 um 19:30 Uhr liest der Chamisso-Preisträger (2001) Vladimir Vertlib aus seinem Buch „Lucina Binar und die russische Seele“. Die Lesung findet ebenfalls im Literaturhaus statt, der Eintrittspreis beträgt 7 €.

Zu einen der beliebtesten Lese-Orte gehört die Umkleidekabine des Dortmunder Westfalenstadions. Am 09. November lesen in der Gästekabine Dietrich Schulze-Marmeling aus seinem Buch über George Best und in der Heimkabine erzählt Georg Schnittker Neue Geschichten. Nach der Halbzeit wird gewechselt. Der Eintritt beträgt 10 €.

Den aktuellen Chamisso-Preisträger kann LesArt auch präsentieren. Am 12. November 2015 präsentiert Sherko Fatah sein Buch „Der letzte Ort“. Der Ort der Lesung ist das Literaturhaus, Beginn ist 19:30 Uhr und der Eintritt beträgt 7 €.

Zwei Schriftsteller lesen aus einem Buch. Ungewöhnlich, aber am 11. November 2015 lesen Fritz Eckenga und Gerhard Henschel gemeinsam aus Henschels Buch „Künstlerroman“. Ebenfalls im Literaturhaus um 19:30 Uhr, der Eintrittspreis beträgt 10 €.

Zwei unterschiedliche Künstler treffen im domicil aufeinander. Einerseits der zerstreute Piet Klocke und andererseits der Poetry Slammer Moritz Neumeier. Dazu gibt es live painting von Artur Fest und Musik von DJ Nachtfalke. Stattfinden wird das ganze am 13. November um 19:30 Uhr und der Eintritt beträgt 10 €.

Am 15. November ist es Zeit für die Abschlussmatinee im Kundenzentrum der Sparkasse. Hier wird Herbert Feuerstein aus seinem Buch „Die neun Leben des Herrn F.“ lesen und der „LesArt.Preis der jungen Literatur“ verliehen. Der Eintritt beträgt 10 €.

Einen Nachschlag gibt es am 17. November um 18 Uhr, denn da heißt es Poetry-Slam und Lesung im Hoesch-Museum. Lütifye Güzel und Bülent Denmirtas zeigen im Rahmen der Ausstellung „Onkel Hasan und seine Enkel“ ihr Können. Der Eintritt ist frei,

Den Schlusspunkt setzen Frantz und Julia Wittkamp mit ihrem Einschlafbuch für Kinder „Wenn die Bären schlafen müssen“. Die Lesung findet am 22. November um 15 Uhr im Literaturhaus statt. Der Eintritt ist frei.

Mehr Informationen über die weiteren Veranstaltungen finden Sie unter www.lesart-dortmund.de




Fredenbaumpark im Mittelpunkt von „Heimat Dortmund“

Neben dem Romberg- und Westfalenpark ist jetzt auch dem Fredenbaumpark ein Heft gewidmet. (v.l.n.r.) Günter Spranke, Hermann Josef Bausch, Klaus Winter, Adolf Miksch und Stefan Mühlhofer.
Neben dem Romberg- und Westfalenpark ist jetzt auch dem Fredenbaumpark ein Heft gewidmet. (v.l.n.r.) Günter Spranke, Hermann Josef Bausch, Klaus Winter, Adolf Miksch und Stefan Mühlhofer.

Wer heute den Fredenbaumpark betritt, der kann sich kaum vorstellen, was sich in der Vergangenheit dort abspielte. Der Lunapark, eine Art Vorläufer von Parks wie Fantasialand, und der Saalbau war ein Anziehungspunkt für die Dortmunder, bis der Zweite Weltkrieg alles in Schutt und Asche bombte. Die neue Ausgabe von „Heimat Dortmund“ widmet sich der Geschichte des Fredenbaums.

Zu Beginn war der Fredenbaum eine Grenze. Hier stand ein Schlagbaum, der den Frieden für die Stadt sichern sollte, eben der „Fredenbaum“. Aus dem städtischen Wald wurde allmählich ein Freizeitgebiet für die immer industrialisierte Stadt. Der „Lunapark“ enstand. Wie wissen möchte, wie der Lunapark damals aussah, kann das Modell im Museum für Kunst und Kulturgeschichte bewundern.

Doch auch andere Aktivitäten gab es im Fredenbaum, wie das Heft aufzeigt. Es gab Bürgerschützen, Ballonfahrer und sogar eine Radrennbahn.

Der Saalbau war nicht nur der Treffpunkt für kulturelle Veranstaltungen, sondern auch die Arbeiterbewegung machte den Ort zu einem Sammelpunkt ihrer politischen Arbeit.

Das Heft ist für fünf Euro im Buchhandel und im Stadtarchiv Dortmund erhältlich.




Auf Tatortsuche in Dortmund

Su Turhan sucht seine Inspiration in der Nordstadt und in der Stadt- und Landesbibliothek.
Su Turhan sucht seine Inspiration in der Nordstadt und in der Stadt- und Landesbibliothek.

Die achte Anthologie der Krimireihe „Mord am Hellweg“ steht in den Startlöchern. 2016 soll es soweit sein. Unter dem Titel „Glaube.Liebe.Leichenschau“ sucht der in München wohnende Regisseur und Autor Su Turhan ein passendes Setting für seine Krimi-Kurzgeschichte.

Natürlich der Fußball. Woher ist Turhan die Stadt Dortmund bekannt, natürlich durch den heimischen BVB. Sein Weg durch die Stadt aus Recherchezwecken führte ihn durch die Nordstadt und zum Hauptfriedhof.

Die Nordstadt faszinierte den türkischstämmigen Autor. „Das türkische Leben ist in Dortmund offener als in München“, so Turhan begeistert. „Hier bekommt man alles mögliche an Essen.“ Auch die Kioskkultur vermisst er in München. Die Stadt hat Turhan offenbar so fasziniert, „dass ich mir vorstellen könnte, hier zu leben.“

Beim Besuch durch die Nordstadt hat sich Turhan wie ein offenes Gefäß von den Gerüchen und anderen Eindrücken füllen lassen. Dazu hat er eine Menge Fotos gemacht. Das alles wird in eine 12-seitige Kurzgeschichte komprimiert, bei der auf jeden Fall ein Mord passieren muss.

Was genau passiert, verrät Turhan natürlich noch nicht, aber „Humor werden sie bei mir wiederfinden.“ Auf keinen Fall wird sein „Kommissar Pascha“ den Fall übernehmen. „Die Ermittlerfigur ist noch unklar, es muss keine staatliche Institution sein“, so Turhan.

Insgesamt werden für die achte Krimianthologie von „Mord am Hellweg“ 23 Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Autoren haben kleine Orte wie Oelde oder andere Ruhrgebietsstädte wie Gelsenkirchen besucht. Turhan wollte nach Dortmund. „Ich bin ein Großstadtschreiber. Ich mag es schon sehr städtisch“, erklärte der Autor.

Die Anthologie ist ein wichtiger Teil des internationalen Krimifestivals, das vom 17. September bis zum 12. November 2016 stattfindet in den 23 teilnehmenden Städten der Hellweg-Region stattfinden wird.




Ode an die Südtribüne

War es nun ein unglücklicher Zeitpunkt als die Autorennationalmannschaft den BVB in der Saison 14/15 bei den Heimspielen begleitete oder ein guter? Denn es gab eine katastrophale Hinrunde mit Tabellenplatz 18, eine enorme Aufholjagd in der Rückrunde, ein DFB-Pokalendspiel und ein Abschied von Erfolgstrainer Jürgen Klopp. Was aber an den Geschichten von Moritz Rinke und seinen Mitautoren auffällt, ist die Bewunderung für die Südtribüne. „Man muss ein Spiel auch Lesen können“ präsentiert die Geschichten, die in Zusammenarbeit mit dem BVB-Hauptsponsor Evonik zustande kamen.

Die Idee war einfach: Man schickt zu jedem Heimspiel von Borussia Dortmund und zu den wichtigen Pokalspielen einen Autoren der Autorennationalmannschaft und schaut, was dabei herauskommt. Trotz der sehr schwachen Hinrunde war in den Kurzgeschichten keine Häme zu lesen. Was fast überall auftaucht ist die Faszination für die Südtribüne oder die Dortmunder Stadionbesucher generell. „Es gibt Stadien da wird ein Spiel beobachtet. In Dortmund dagegen wird es gelebt“, schreibt Benedict Wells, seines Zeichens Bayern-Fan, in seiner Geschichte „Das Experiment“. Lucas Vogelsang widmet ihr sogar ein eigenes Gedicht in „In der Wand“. „Die Wand ist ein Klangmonster, wenn sie freudvoll Ballett tanzt, wankt das Stadion“, beschreibt Frank Willmann das Phänomen beim 1-0 Sieg gegen Hoffenheim in „Feldforschungen im Kloppland“.

Doch es gibt auch andere Geschichten. Berührende Liebesgeschichten wie bei Gregor Sander „Echte Liebe“ oder einen kleinen Trivialroman von Andreas Merkel unter dem Titel „Die Geschichte der Null“. Und was noch? Joachim Król erinnert sich mit „Schönis Geschichte“ an den DFB-Pokalsieg von 1989. Dazu haben Sebastian Kehl und Oliver Kirch Gastbeiträge geliefert. Doch zu den Höhepunkten gehört sicher das Interview von Rinke mit Jürgen Klopp. Nicht zu vergessen sind die wirklich schönen Illustrationen von Tim Dinter, die beispielsweise entscheidende Szenen der Spielzeit zeigen, wie den verschossenen Elfmeter von Mario Götze im Halbfinale des DFB-Pokal gegen Bayern. Das besagte Elfmeterschießen, bei dem vier Bayernspieler den Ball nicht in Tor versenken konnten, ist mittlerweile eine Legende.

Gut, wer sich jetzt nicht für Borussia Dortmund, die Südtribüne und das ganze Drumherum interessiert, gehört sicherlich nicht zur Zielgruppe dieses Buches. Der Rest wird viel Spaß beim Lesen haben und sich nochmals an eine sehr emotionale Saison mit vielen Achterbahnfahrten zurück erinnern. Das Buch eine runde Sache.

Man muss ein Spiel auch Lesen können

Moritz Rinke (Hrsg.)

Illustriert von Tim Dinter
Gebunden, 240 Seiten
Blumenbar, 14,95 €
978-3-351-05025-2




Task Force Hamm im Einsatz

Der erste Fall für Kommissar Scholz in seiner neuen Zwangsheimat Hamm. (Cover: © grafit-Verlag)
Der erste Fall für Kommissar Scholz in seiner neuen Zwangsheimat Hamm. (Cover: © grafit-Verlag)

Dirk Schmidt, geboren 1964 in Essen, ist als Autor für Kriminalhörspiele für den WDR den Krimi-Liebhabern sicher ein Begriff. Jetzt hat er die einen Kriminalroman über die liebenswert chaotische Truppe der „Task Force Hamm“ mit dem Titel „Ertränkt, Erhängt, Erschossen“ im grafit-Verlag veröffentlicht.

Hamm ist den Bahnreisenden vermutlich nur deshalb bekannt, weil dort die Züge geteilt werden. Aber was hat die Stadt ansonsten zu bieten? Kommissar Scholz muss es herausfinden, denn, bisher in Köln tätig, wird er wegen seiner Spielsucht und Schulden zu einer Entziehungskur verdonnert und nach Hamm strafversetzt. Wie sich herausstellt, wird diese Stadt als ein Auffangbecken für „Problemfälle“ der Polizei benutzt. So trifft Scholz auf neue Kollegen wie den zu Aggressionen neigenden exzentrischen schwulen Ditters und den etwas tumben Hobby-DJ Latotzke. Der alte Chef Vorderbäumen lässt es eher gemächlich angehen und konzentriert sich auf seine Nebentätigkeit im Möbelbusiness.

Als schließlich ein toter Metzger gefunden wird, der sowohl ertränkt, erhängt und erschossen wurde, ist die Begeisterung für die Ermittlungen zunächst im Team nicht besonders groß. Nur Scholz versucht mit aller Macht, den verzwickten Fall aufzuklären…

In seinem ersten Roman um um die „Task Force Hamm“ gelingt es Schmidt mit viel Empathie die Charaktere in dem Krimi mit viel Liebe zum Detail zu entfalten. So bekommt der Leser einen Einblick in das Gefühlsleben eines Zockers. Die Akteure in Schmidts Buch werden nicht holzschnittartig gezeichnet, sondern werden behutsam in ihrer Vielschichtigkeit und inneren Konflikten dargestellt. Besonders eindrucksvoll gelingt ihm das bei Ditters, der sich am Ende eine schwere Entscheidung trifft, die für sein Leben eine grundlegende, nicht mehr rückgängig zu machende Wendung gibt.

Der Roman ist mit viel trockenem Humor geschrieben, ohne auf die nachdenklichen Töne dazwischen zu verzichten. Er ist kurzweilig zu lesen und hält seinen Spannungsbogen bis zuletzt durch überraschende Wendungen. Dieser Krimi macht Lust auf mehr.

Dirk Schmidt

Task Force Hamm – ertränkt, erhängt, erschossen

205 Seiten, grafit-Verlag, 9,99 €

ISBN 978-3-89425-459-9

auch als e-book erhältlich




Die Macht der Gutachten

Haben Gutachter zu viel Macht? (Cover: © Gmeiner Verlag)
Haben Gutachter zu viel Macht? (Cover: © Gmeiner Verlag)

Beim Lesen von Klaus Erfmeyers neuem Krimi „Gutachterland“ (gmeiner Verlag) kommt einem ständig der Name Gustl Mollath in den Sinn. Mollath wurde 2006 anhand eines Gutachtens in die Psychiatrie eingeliefert. Erst Jahre später wurde er rehabilitiert. Auch in Scheidungsfällen werden Gutachter zur Urteilsfindung herangezogen. Sie entscheiden über die Frage, ob ein Kind bei der Mutter oder dem Vater lebt und wie oft ein Elternteil es sehen darf, wenn überhaupt.

Im neunten Fall übernimmt Rechtsanwalt Stefan Knobel mehr oder weniger widerwillig ein Mandant seines Schulfreundes Patrick Budde, Psychologe und anerkannter Gutachter. Budde befürchtet, dass seine Frau Miriam sich in den Fängen von Markus Bojarzin befindet, den Budde in einem Gutachten als Triebtäter beurteilt hat.

„Gutachter haben Macht. Deutschland ist Gutachterland“, sagt Budde einmal selbstgefällig zu Knobel. „Wenn ich wollte, könnte ich aus Schwarz Weiß machen und umgekehrt.“ Das ist wohl der zentrale Satz des Krimis, der – ganz psychologisch – langsam und wendungsreich seine 247 Seiten füllt. Nein, das ist wahrlich kein Krimi für Till Schweiger, sondern eher für Liebhaber doppelbödiger Charaktere. Hier haben fast alle Charaktere irgendein dunkles Geheimnis und bei manchen ist es nicht so lustig wie bei Knobel und seiner Frau, die als Nebenerwerb erotische Unterwäsche über das Internet verkauft. Was zu Ärger mit einer Frau vom Jugendamt führt, die aber – ich verrate wohl nicht zu viel – auch ein Geheimnis hat.

Ein ganz besonderes Denkmal setzt Erfmeyer dem mittlerweile abgerissenen Hotel Bender, das lange Jahre in der Nähe des Hauptbahnhofes lag und quasi das Tor zur Nordstadt war. Denn die Geschichte beginnt dort. „Das Haus war über die Jahrzehnte von baulichen Veränderungen […] im Wesentlichen unberührt geblieben“, schreibt Erfmeyer. Viel besser kann man es kaum ausdrücken, wenn man „Hotel Bender“ noch in Erinnerung hat.

Über die Kriminalgeschichte hinaus macht das Buch noch auf einen Missstand im Justizsystem aufmerksam: Das allmächtige Gutachten. Richter ziehen sich auf den Standpunkt zurück, sie seien ja Laien und brauchen Expertenwissen. So wird dem Ergebnis des Gutachtens blind vertraut. Gnadenlos werden so Menschen zerstört wie Mollath oder Erfmeyers Figur Bojarzin.

Klaus Erfmeyer
Gutachterland
Knobels neunter Fall
247 S. / 12 x 20 cm / Paperback
Juli 2015
sofort lieferbar
ISBN 978-3-8392-1771-9
9,99 € (e-pub/pdf Download 8,99 €)




Archiv des Asso-Verlages beim Fritz-Hüser-Institut

Das Verlagsarchiv hat eine würdige Heimat gefunden.  (v.l.n.r.) Ernst Gerlach (assoverlag), Hanneliese Palm (Fritz-Hüser-Institut) und Heinrich Peuckmann (Autor).
Das Verlagsarchiv hat eine würdige Heimat gefunden. (v.l.n.r.) Ernst Gerlach (assoverlag), Hanneliese Palm (Fritz-Hüser-Institut) und Heinrich Peuckmann (Autor).

Es waren 12 große Umzugskisten. Voll mit Manuskripten, Korrespondenz, Verlagsanzeigen, Plakaten und Büchern. Das Archiv des Asso-Verlages hat seine Heimat im Dortmudner Fritz-Hüser-Institut gefunden.

Das ist nicht verwunderlich, denn das Institut beschäftigt sich mit der Kultur und Literatur der Arbeitswelt und der Asso-Verlag hatte einen Schwerpunkt in der literarischen und künstlerischen Darstellung des Arbeitsleben von Bergleuten, Stahlarbeitern und anderen Werktätigen. Mit Unterstützung des Asso-Verlag Autors Heinrich Peuckmann kommt nun zusammen, was zusammen gehört.

Der Asso-Verlag wurde 1970 von Annemarie Stern und Anneliese Althoff gegründet und 2005 an den ehemaligen Mülheimer Stadtdirektor und Vorstandsvorsitzenden der NRW.BANK, Ernst Gerlach, verkauft.

„Wir geben zwar mit Wehmut unsere Vergangenheit ab“, so Gerlach, „ich bin sicher, dass wir sie in gute Hände geben.“ Der assoverlag unter neuem Label wird auch seiner Geschichte weiter treu bleiben. „Wir wollen die Arbeitswelt in neuer Form darstellen“; so Gerlach. Das ist auch nötig, denn die Arbeitswelt hat sich seit der Kohle- und Stahlzeit im Ruhrgebiet stark verändert.

Peuckmann kam durch Zufall zu dem Oberhausener Verlag. „Jemand hat mir einen Tip gegeben und die Damen vom Asso-Verlag waren bei meiner Veranstaltung dabei. Sie haben jungen Autoren eine Chance gegeben.“ Auch beim neuen assoverlag (ohne Bindestrich) ist Peuckmann als Autor dabei.




Tod im Schatten des Stahlarbeiterstreiks

Die Trilogie über die Pastorin Martha Gerlach handelt diesmal im Stahlarbeitermillieu. (Foto: © emons Verlag)
Die Trilogie über die Pastorin Martha Gerlach handelt diesmal im Stahlarbeitermillieu. (Foto: © emons Verlag)

Nach ihren Ruhr Classic-Krimis „Kohlenstaub“ und „Linienstraße“, die uns ins alte Dortmund der Jahre 1965 und 1968 führte, spielt der neue Retro-Krimi „Tod im Stahlwerk“ von Pfarrerin und Autorin Anne-Kathrin Koppetsch während der aufregenden und turbulenten Zeit der Septemberstreiks bei Hoesch 1969.

Während die Stahlkocher erfolgreich für mehr Lohn streiken, überfährt ein betrunkener Lokführer den Sohn des Betriebsrats. Lokführer und Betriebsrat, einst befreundet, sind zur Zeit nicht gut aufeinander zu sprechen. Der Betriebsrat ist als jemand, der sich „mit den feinen Herren gemein tut“ in Verruf geraten. Wurde Freddy, der Sohn des Betriebsrats, Opfer dieses Streits, oder steckt etwas andres dahinter? Für Pastorin Martha geht es diesmal auf eine emotionale Berg- und Talfahrt.

Die Leser bekommen bei diesem Krimi wieder eine Menge Lokalkolorit aus Dortmund zur Zeit vor dem Strukturwandel und den Lebensumständen einer jungen Pastorin damals mit. Das „Fräulein Pastor“ hatte damals nicht nur einen schweren Stand gegenüber ihren männlichen Kollegen und Vorgesetzten, sondern war immer noch gezwungen, sich zwischen Beruf(ung) und Heirat zu entscheiden. Eine verheiratete Pastorin wurde von der evangelische Kirche auch Ende der 60iger Jahre noch nicht akzeptiert.

Der musisch begabte Sohn des Betriebsrats Freddy bringt in diesem Roman die Pastorin Martha Gerlach emotional gehörig aus dem Gleichgewicht. Um so mehr drücken sie Schuldgefühle nach dessen Tod. Der Reporter Luschinski steht ihr auch dieses Mal wieder als guter Freund und Beschützer zur Seite.

Nach und nach offenbart sich im Krimi familiäre Dramen. Als weitere Ebene spielt das Thema Homosexualität innerhalb der Kirche eine Rolle.

Der Krimi ist spannend aber auch amüsant geschrieben und Leser, die sich in Dortmund auskennen, werden sicher die eine oder andere genannte Örtlichkeit wieder erkennen.

Anne-Kathrin Koppetsch
Tod im Stahlwerk
Ruhr Krimi Classic, emons Verlag
192 Seiten
ISBN 978-3-95451-528-8
Euro 9,90 [D] , 10,20 [AT]



Wer weiterliest, wird erschossen

Am 30. Mai 1933 verbrannten Nationalsozialisten auf dem Dortmunder Hansaplatz die Bücher zahlreicher Schriftsteller. Auf Initiative der Bundestagsabgeordneten Marco Bülow (SPD) und Markus Kurth (Bündnis 90/Die Grünen) lasen Uwe Rohbeck und Andreas Beck, Mitglieder des Dortmunder Schauspiel-Ensembles, Texte der einst verbotenen Autoren, begleitet von den anderen Abgeordneten des Bundestags aus Dortmund:

Bersonders erfreulich: Es waren Vertreter unterschiedlicher Parteien anwesend. Neben Bülow und Kurth nahmen Torsten Sommer (Piraten/MdL), Ulla Jelpke (Die Linke/MdB) und Steffen Kanitz (CDU/MdB) teil. Thorsten Hoffmann (CDU/MdB) war verhindert, ließ aber eine Botschaft verlesen.

„Die Bücherverbrennung der Nazis symbolisiert Unmenschlichkeit und die Angst vor Freiheit und dem freien Wort. Auch heute sähen Rechtsextremisten wieder Hass gegen engagierte Journalisten und Politiker – dagegen möchte ich ein Zeichen setzen“, so MdB Marco Bülow (SPD), der sich den Worten von Markus Kurth (MdB von Bündnis 90/Die Grünen) anschließt: „Rassismus und menschenfeindliche politische Dummheit scheinen nie auszusterben. Daher gilt es, sich für all jene zu engagieren, die mit Geist und Scharfsinn, mit der Macht des Worts der Dummheit entgegentreten.“

Gelesen wurden „Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt“ von Stefan Zweig. Von Rosa Luxemburg wurden einige Briefe vorgelesen, die sie im Gefängnis schrieb. Überraschenderweise gehörten auch ausländische Schriftsteller zu den Autoren, deren Bücher verbrannt wurden. So auch Jack London, der eigentlich eher als Schreiber von Abenteuerromanen bekannt ist. Aber „Die eiserne Ferse“ kam 1933 auf den Scheiterhaufen. Auch Kinderbücher waren den Nazis suspekt. „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner wurde ebenfalls verbrannt.

Keine Gnade bei den Nazis fand eine Abrechnung mit dem Ersten Weltkrieg: „Im Westen nichts neues“ von Erich Maria Remarque. Dass man sich über blinde Obrigkeitshörigkeit nicht lustig machen durfte, wurde Heinrich Manns „Der Untertan“ zum Verhängnis.




Überlebenskampf nach Kriegsende

Wie ging das Leben in Dortmund bei Kriegsende und Friedensbeginn weiter? Gab es eine "Stunde Null"? Das neue Heft gibt Auskunft.  (v.li.n.re. Leiterin des Bildarchivs Dr. Andrea Zupancic, Direktor des Stadtarchivs Dr. Stefan Mühlhofer und Adolf Miksch, Vorsitzender des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark). Foto: © Anja Cord
Wie ging das Leben in Dortmund bei Kriegsende und Friedensbeginn weiter? Gab es eine „Stunde Null“? Das neue Heft gibt Auskunft. (v.li.n.re. Leiterin des Bildarchivs Dr. Andrea Zupancic, Direktor des Stadtarchivs Dr. Stefan Mühlhofer und Adolf Miksch, Vorsitzender des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark). Foto: © Anja Cord

Zum siebzigsten Mal jährt sich das Kriegsende in diesem Jahr, Dortmund wurde am 13. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit. Dies thematisiert die aktuelle Ausgabe der „Heimat Dortmund“: „Dortmund 1945 – Eine Stadt zwischen Krieg und Frieden“.

Nach Kriegsende standen die Dortmunder buchstäblich vor dem Nichts. Die Innenstadt lag in Trümmern, Essen und Wohnraum waren knapp bis nicht vorhanden. Eine politische Neuordnung musste in Angriff genommen werden. Die Karfreitagsmorde in der Bittermark, der Plan 30.000 Zwangsarbeiter zu ertränken, die sukzessive Zerstörung der Kirchen während der letzten Kriegsjahre, Demontagepläne der Alliierten sowie das Trauma der wenigen überlebenden Juden werden im Heft 1/2015 thematisiert.

Die Arbeit der Dortmunder Filmemacherin Elisabeth Wilms, bekannt als die „filmende Bäckersfrau“ beleuchtet der Medienwissenschaftler Alexander Stark, der auch über dieses Thema promoviert.
Elisabeth Wilms schaffte es ihre Filmkamera, eine Movikon, vor den Amerikanern zu retten. Filmauffnahmen, die sie während der Einkaufsfahrten für die Bäckerei ihres Mannes anfertigte, sind vermutlich die einzigen, die das Leben der unmittelbaren Dortmunder Nachkriegszeit darstellen.

Der Bombardierung der vier Innenstadtkirchen widmet sich die Leiterin des Bildarchivs des Stadtarchivs Andrea Zupancic mit ihrem Beitrag. Sie beleuchtet den Verlust an Kunstschätzen und mittelalterlicher Bausubstanz. Zu jeder Kirche beschreibt sie auch die Entwicklung der einzelnen Bauten.

Den Abschluss dieser spannenden Aufsätze bildet eine chronologische Auflistung der Ereignisse im Jahr 1945, erstellt von Stadtarchivar Herrmann Josef Bausch.

Diese Ausgabe wurde von Dr. Stefan Mühlhofer und Markus Günneweg konzeptioniert und betreut. Das Doppelheft (74 Seiten) ist für 5 Euro im Buchhandel, im Stadtarchiv und in der Steinwache erhältlich.