Bissig-humorvolles Krimi-Vergnügen

[fruitful_alert type=“alert-success“]Stau und Kaninchenmorde – Kommissar Georg Schüppe und Team  kämpfen an mehreren Fronten. (Cover: © grafit-Verlag)[/fruitful_alert]

In seinem vierten Kriminalroman hat sich der in Dortmund wohnende Journalist und Kriminalromanautor Thomas Schweres mit einem Thema auseinander gesetzt, dass viele Berufspendler täglich betrifft und ärgert. Die vielen (unnötigen) Staus , vor allem auch auf der A 40.

In seinem neuen Krimi „Die Abbieger“ platzt dem bei seiner Mutter lebende Sonderling und Sachbearbeiter Klausi (Klaus-Werner) Lippermann der Kragen. Nachdem jemand seine beiden geliebten Kaninchen brutal umgebracht hat, denkt er darüber nach, wie viel Zeit er im Stau gestanden hat und Zeit mit seinen Lieblingen verpasst hat. Zusammen mit Kaninchenfreund Alfred Kruppel, entführt er den Chef der Landesstraßenbaubehörde Straßen.NRW Dr. Rainer Weissfeldt und stellt seine Forderungen im Namen eines nicht bekannten, obskuren TuS-V- (Verein der Tierschutz und Stau-Gegner). Sie verlangen neben der Aufklärung der Tiermorde auch Maßnahmen zur Stau-Verhinderung. Probleme wie Schlafbaustellen, Abzocke und Stau-Begünstigung durch unnötige Blitzanlagen und andere fehlerhafte Planungen sollen beseitigt werden. Alles wird über die Bild-Zeitung kommuniziert. Auch spätere Erfolgsmeldungen. Menschliche „Kollateralschäden“ werden in Kauf genommen. Hauptkommissar Georg Schüppes Team und Polizeireporter Tom Balzack werden mit einen ungewöhnlichen Fall mit schwer einzuschätzenden Tätern konfrontiert…

Die aus den vorherigen Krimis von Schweres bekannten Protagonisten sind mit ihren privaten und beruflichen Problemen zwar präsent, aber stehen nicht im Vordergrund der Geschichte. Bissig-humorvoll werden die Täter und die anderen Charaktere dargestellt. Dabei ist es erstaunlich, mit welch brutal-nüchtern Art die Täter für ihr eigentlich verständliche Forderungen vorgehen. Verständnis für das Anliegen mischt sich mit Abscheu angesichts deren perfiden und brutalen Vorgehens. Der Autor beweist nicht nur Sachkenntnis in der Stau-Problematik, sondern versteht es auch, die verschiedenen Charaktere und Typen mit Wortwitz offen zu legen.

Eine humorvolle-satirische, teilweise skurrile und unterhaltsame Lektüre.

Die Abbieger von Thomas Schweres sind sowohl im Buchhandel als auch im Internet erhältlich.

GRAFIT-Verlag: Taschenbuch ISBN 3-89435-485-8 € 11,00 285 Seiten

Die anderen Rezensionen zu den Krimis von Schweres:

[fruitful_tabs type=“accordion“ width=“100%“ fit=“false“]
[fruitful_tab title=“Die Abdreher“] Das dritte Buch [/fruitful_tab]
[fruitful_tab title=“Die Abräumer“] Das zweite Buch [/fruitful_tab]
[fruitful_tab title=“Die Abtaucher“] Das erste Buch [/fruitful_tab]
[/fruitful_tabs]




Schweres biegt ab

[fruitful_alert type=“alert-success“]Thomas Schweres mit seinem neuesten Krimi vor „seinem“ Regal bei grafit.[/fruitful_alert]

Letzte Anstoss für den vierten und neuesten Krimi von dem in Dortmund lebenden Journalisten und Krimi-Autor Thomas Schweres war der starke Frust seiner Lebensgefährtin über die vielen Baustellen auf der A 40. Das erklärte der Autor beim Pressegespräch im Grafit Verlag. Er schöpft nur seinen eigenen Erfahrungen.

So entstand ein komisch-skurriler Krimi Autobahnstaus und Unzulänglichkeiten der zuständigen Behörde Straßen.NRW, die immer so nett um Verständnis bei den Autofahrern bittet.

Lippermann hat Staus satt

Zum Krimi: Der biedere Sonderling Klaus-Werner Lippermann, ein Buchhalter bei Thyssen-Krupp in Duisburg, wohnhaft bei seiner Mutter in Dortmund-Dorstfeld, führt ein zurückgezogenes Leben mit seinen beiden geliebten Deutschen Riesenschecken (Kaninchen). Als diese grausam getötet werden, denkt er nicht an die schöne Zeit mit ihnen, sondern an die Zeit, die er wegen der vielen Staus nicht bei ihnen verbracht hat. Er hat es satt.

Mit seinem Kumpel und ebenfalls Kaninchenfreund Alfred entführt er den Chef der nach ihrer Meinung unfähigen Straßen.NRW-Behörde. Er soll am eigenen Leib erfahren, wie das ist, täglich über die A 40 fahren zu müssen.

Skurrilerweise benutzt Klausi eine harmlos aussehende Wasserpistole, die er aber mit Schwefelsäure befüllt. In einem Bekennerschreiben fordern sie als eine Organisation, die sich TuS-V! Nennt neben 55.000 Euro Lösegeld Maßnahmen zur Verkehrsflussverbesserung und die Aufklärung der Kaninchenmorde.

Trotz intensiver Suche unter Beteiligung von den bekannten Kommissar Georg Schüppe und Reporter Tom Balzack bleibt der Entführte verschwunden. In der Bildzeitung wird derweil verlautbart, das die Straßen.NRW Staus abschaffen will. Da stimmt doch irgend etwas nicht! Beim Versuch, der Geschichte auf den Grund zu gehen, führt Balzack erst mal zu einer ganz anderen Leiche…

Lesungen im März

Im Fokus stehen diesmal nicht der Kommissar und der Reporter, sondern die Entführer,“ so Schweres. Eine Rezension zu dem Krimi von Thomas Schweres wird demnächst in Ars tremonia erscheinen…

Terminhinweise:

Donnerstag, 2. März, 19:30 Uhr: Premierenlesung in der Stadt-und Landesbibliothek Dortmund – Eintritt: 3,00 Euro

Dienstag, 7. März, 19:00 Uhr: Lesung im Kulturzentrum Schloß Borbeck, Essen, Schloßstraße 101

Donnerstag, 23. März, 19:30 Uhr: Lesung im Landgasthof Genussvoll by Selter, Dortmund, Wulfkamp 194, Eintritt 6,00 Euro, Kartenreservierung unter Telefon: 0231 – 88 24 17 31

Thomas Schweres: Die Abbieger
285 Seiten; 11,00 €
ISBN: 978-3-89425-485-8; auch als E-Book erhältlich




Wichtige Seniorenarbeit in der Stadt- und Landesbibliothek

Karola Garling mit einem Erinnerungskoffer für Männer.

Der demografische Wandel stellt unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Die Dortmunder Stadt- und Landesbibliothek hat die besonderen Bedürfnisse der Senioren und Seniorinnen (Generation 60+) früh erkannt. Karola Garling, Bibliotheksmitarbeiterin im Bereich „Senioren und Bibliothek“ hat sich dem Thema schon ab 2008 angenommen und im Mai diesen Jahres mit der Veranstaltungsreihe „Literaturtreff für Senioren“ begonnen. Dabei gab es viel zu beachten. „Die Ansprüche an die Vorleser waren besondere. Sie müssen langsam, laut und mit Betonung lesen,“ so Garling.

Es stellte sich außerdem die Frage: Welche Lektüre eignet sich für dieses Publikum?  Wie umgehen mit Menschen, die in verschiedenen Stadien an Demenz erkrankt sind?

Der Bedarf an einem speziellen Literaturtreff für die Senioren scheint groß zu sein und stetig zu wachsen. Kamen bei der Premiere 17 Besucherinnen, sind es inzwischen regelmäßig zwischen 40 und 50 Teilnehmer. Sie lauschen nicht nur den ehrenamtlichen Vorlesern, sondern diskutieren auch mit ihnen.

Eine andere erfolgreiche Reihe heißt „Am Samstag vorgelesen“. Junge Unternehmer und Führungskräfte lesen Seniorinnen und Senioren in einem gemütlichen Rahmen Geschichten und Texte vor. Es gibt auch Angebote für Senioren, die sich mit dem „E-Reader“ vertraut machen wollen.

Der Erinnerungskoffer“ ist ein spezielles Angebote für an Demenz erkrankte Menschen. Den gibt es extra für Männer und Frauen. Männer haben andere Erinnerungen als Frauen. Da spielen zum Beispiel Fußball oder Autos eine größere Rolle.

Für die Senioren in den Heim, oder diejenigen, die nicht mehr aus ihrer Wohnung kommen, gibt es einen „mobilen Bibliotheksdienst“. Die Mitarbeiter wählen Bücher, Spiele und CDs aus und fahren damit zu den Kunden. Übrigens: Die Spiele sind, wie zum Beispiel „Mensch ärgere dich nicht“ mit besonders großen Feldern, Würfeln und Spielfiguren versehen. Das Angebot ist den Bedürfnissen der älteren Kunden angepasst.

Senioren sind eine wichtige Zielgruppe, die besondere Angebote brauchen. Noch wichtiger ist dabei aber der soziale Ansatz. Die Verbindung von inhaltlichem Angebot und sozialer Kontaktmöglichkeit ist wesentlich,“ erklärte Dr. Johannes Borbach-Jaene, Direktor der Stadt- und Landesbibliothek.

Karola Garling geht nun ab Februar in den verdienten Ruhestand, oder sollte man lieber „Un-Ruhestand“ sagen? Aber keine Sorge. Die Seniorenarbeit geht kontinuierlich weiter. Ihr Nachfolger wird diese wichtige Aufgabe sicherlich mit viel Engagement fortsetzen. Denn das ist es , was die Senioren brauchen. Kontinuität und Verlässlichkeit.




Literarischer Blick auf die Heimat

Das 17. LesArt.Festival präsentiert vom 02. bis 13. November unterschiedliche Blickweisen auf die Heimat. Unter dem Titel „Heimat, wie bist du so…“ präsentieren Literaten, Schauspieler und Musiker Ernstes und Heiteres, Unerhörtes und Vielsagendes.

Den Auftakt macht traditionell die Lyrik. Unter dem Titel „Heimat – lyrisch & ausgezeichnet“ zeigen mit Preisen ausgezeichnete Lyrikerinnen und Lyriker, dass das Gedicht im Ruhrgebiet Zukunft hat. Mit dabei sind Jürgen Brôcan, Lütfiye Günzel, Ivette Vivien Kunkel und Ralf Thenior.

2.11.2016, 19:30 Uhr, Literaturhaus Dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt 5 €

Danach wird die Heimat kriminell. Dietmar Bär liest aus dem Münsterländer Krimi „Erwin, Enten und Entsetzen.

3.11.2016, 19:30 Uhr, Theater Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, Eintritt 13 €

Musikalisch geht es Freitag weiter, Tom Liwa (u.a. Flowerpornoes) singt „ganz normale Songs“. Er kommt aber nicht alleine, sondern bringt Werner Muth (Leseperformance) und Guiseppe Mautone (Gitarre) mit.

4.11.2016, 19:30 Uhr, Theater Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, Eintritt 10

Die NSU ist das Thema bei Dirk Laabs „Heimatschutz – Der Staat und die Mordserie der NSU“. Laabs schrieb mit Stefan Aust das gleichnamige Buch.

5.11.2016, 19:30 Uhr, Literaturhaus Dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt 5 €

Kalendergeschichten, Erinnerungsskizzen, Erzählungen und Essays – das alles präsentiert Otto Jägersberg. Zu erleben am

6.11.2016, 19:30 Uhr, Literaturhaus Dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt 7

Die Lesung in den Umkleidekabinen des Westfalenstadions hat schon Tradition. Ein Heimspiel hat dieses Jahr Tim Gräsing von schwatzgelb.de, die Auswärtskabine bespielt Thomas Koch. In der Halbzeit wechseln die Besucher die Kabine.

7.11.2016, 19.30 Uhr (Einlass 19.00 Uhr), Signal-Iduna-Park, Strobelallee 50, Eintritt: 10,- €

Christoph Hein spricht über Bergleute und andere Deutsche unter dem Titel „Heimat – alles gut?“ Hein war erster Präsident des gesamtdeutschen PEN-Clubs.

8.11.2016, 18.00 Uhr LWL-Industriemuseum Zeche Zollern, Grubenweg 5, Eintritt: frei

Für die Chamisso-Tage an der Ruhr nimmt sich das Festival zwei Tage Zeit. Der erste Tag ist dem Verhältnis zwischen Deutschland und Osteuropa gewidmet, hier lesen Marjana Gaponenko und Artur Becker. Am zweiten Tag geht es um eine türkisch-deutsche Geschichte von Zafer Şenocak.
9.11.2016, 19.30 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: 5,- €
10.11.2016, 19.30 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: 5,- €

Für Lal Laleş ist Heimat ganz nah und gleichzeitig ganz weit weg. Er ist Kurde und wird über die aktuelle Situation seines Volkes berichten.
12.11.2016, 19.00 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: frei

Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Kulturwissenschaften gestalten einen kunterbunten Heimatabend mit Künstlern, Dichtern und Singer/Songwritern ihrer Wahl
12.11.2016, 19.30 Uhr Theater Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, Eintritt: 5,-

Die traditionelle Abschlussmatinee findet dieses Jahr nicht in der Sparkassenhalle statt, da diese umgebaut wird. Schade, denn es geht ums Geld. Daniel Berger liest aus dem Buch „Der gute Banker“ von Paul Murray. Mit dabei sind Moderatorin Hatice Akyün und Gregor Schnittker als Zeremonienmeister.
13.11.2016, 11.00 Uhr, Jazzclub domicil, Hansastraße 7-11, Eintritt: 13,- €

Noch ist nicht ganz Schluss. Der Adelbert-von-Chamisso-Preisträger Michael Stavaric stellt sein neues Kinderbuch „Milli Hasenfuß“ vor.
13.11.2016, 15.00 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: frei




Krimi in gespannter Atmosphäre

Grappa ermittelt zwischen Islamismus und rechter Gewalt. (Cover: © grafit-Verlag)
Grappa ermittelt zwischen Islamismus und rechter Gewalt. (Cover: © grafit-Verlag)

Schon ein Blick auf das Cover des neuen, nun schon 26., Krimis um die engagierte „Bierstädter“ (Dortmunder) Polizeireporterin Maria Grappa von Gabriella Wollenhaupt mit dem Titel „Grappa greift durch“ zeigt anschaulich, um welches aktuell brisante Thema es darin geht; Das Gesicht einer bis auf die geschlossenen Augen schwarz verschleierten Frau.

Ausgerechnet Anneliese Schmitz, als Bistro-Besitzerin und gute Bekannte von Polizeireporterin Maria Grappa, muss in der Nähe ihrer Wohnung auf einem Spielplatz eine schwarz verschleierte Frau entdecken, die ihr totes Kleinkind schaukelt. Die kleine Öslem ist keines natürlichen Todes gestorben, und die junge Mutter Duru Sahin ist geschockt und nicht ansprechbar. Es stellt sich heraus, das der Vater des Kindes ein gesuchter IS-Terrorist ist. In einem Klima der Verunsicherung, vor allem nach den Anschlägen in Paris und Brüssel verpasst Chef Berthold Schnack der Journalistin einen Maulkorb. Was darf den Lesern zugemutet werden? Da muss Maria mit etwas Druck durchgreifen.

Es stellen sich einige Fragen. Ist Durus Vater , ein bekannter Iman in Bierstadt wirklich so ein toleranter und gemäßigter Moslem, wie er tut? Schließlich hat er seiner Zuflucht suchenden Tochter samt Enkelin diesen nicht gewährt.Dann gibt es da noch die moderne, aufgeschlossene und freiheitsliebende Freundin PerihanTercanli. Die ist in großer Sorge wegen ihres jüngeren Bruders Erkan, der in den Sog der radikalen Salafisten geraten ist. Dazu kommen noch Konflikte zwischen den braunen Mob und Flüchtlingen.Zwei weitere Morde geschehen und sowohl Fotograf Wayne Pöppelbaum wie auch Grappa und Freund Friedemann Kleist (Anti-Terror-Task Force) geraten in ernste Gefahr….

Neben gewohnt humorvoll-ironischen Bemerkungen zeichnet sich der Kriminalroman durch eine nachdenkliche Stimmung aus. Wollenhaupt gelingt es gut, die Stimmung der Verunsicherung aufzufangen. Sie vermeidet ein einfaches schwarz-weiß Denken ohne zu verharmlosen. Es wird ganz klar: Es gibt weder „Sicherheit-Garantien“ noch einfache Lösungen für das Flüchtlingsproblem, den IS-Terror und braunen Populismus. Wichtig sind aber Offenheit, Aufmerksamkeit, Respekt und Achtsamkeit sowie keinen verschleierten Blick für die gesellschaftliche Problem.

Eine spannende Urlaubslektüre für die kommende Urlaubszeit.

Gabriella Wollenhaupt

Grappa greift durch

Taschenbuch: 220 Seiten

grafit verlag

ISBN 987-3-89425-468-1

10.00




Wenn die Realität abgedrehter ist als die Fiktion

Der dritte Fall des "blauen" Kommissars im schwarz-gelben Dortmund. (Cover: © grafit-Verlag)
Der dritte Fall des „blauen“ Kommissars im schwarz-gelben Dortmund. (Cover: © grafit-Verlag)

Wenn es um aktuelle Probleme des Ruhrgebiets geht, hat Thomas Schweres die Nase vorn. In seinem dritten Ruhrgebiets-Kriminalroman mit Zentrum Dortmund „Die Abdreher“ nach „Die Abtaucher“(2014) und „Die Abräumer“ (2015) schreibt der Autor und Journalist über die momentan Herausforderungen der Städte im Ruhrpott.

In „Die Abdreher“ kämpfen Mafia, Neonazis wie IS-Terroristen um lukrative Geldquellen. Neben Drogen oder Diebstahl stehen da besonders Immobilien im Blickpunkt der Interessen. So verwundert es nicht, dass es schnell Tote gibt, wie zum Beispiel in einem Haus über einer Apotheke in der Dortmunder Nordstadt. Der Apotheker ist auch Eigentümer der Wohnungen und steht unter Druck „interessierten Gruppen“.

Die Hauptrolle spielt wieder der erste Kriminalkommissar Georg Schüppe, der für eine Stadt wie Dortmund einen schweren Makel hat: Er ist Schalke-Fan und hat im Dortmunder Polizeipräsidium einen schweren Stand. Dazu ist er immer noch durch eine Knieverletzung gehandicapt und ischluckt Schmerztabletten. Nun muss er sich nicht nur mit den grausamen Morden in der Nordstadt befassen. Sein ehemaliger Stellvertreter Holger Krokowski, offiziell im Knast, ist als „Undercover Agent“ bei den Rechten eingesetzt. Härter trifft es ihn aber noch, dass er den freundschaftlich mit ihm verbundenen Polizeireporter und Redaktionsleiter von Broadfacts.TV Tom Balzack, als Lockvogel für eine gnadenlose Auftragskillerin, unter anderem für radikale Islamisten, ausnutzen muss. Die Frau war Balzack unter anderem Namen aus einem früheren Fall bekannt und er ihr gefühlsmäßig zugetan. Was hat es mit dem Brandanschlag in ihrer ehemaligen Wohnung in Essen und ihrem Verschwinden auf sich? Fragen über Fragen. Schüppe stellt sich die Frage. Wieso wurde ein Mann aus der rechten Szene erschossen, obwohl Krokowski das Ziel war? Oder welche Rolle spielt ein dubioser Schönheitschirurg aus dem Libanon? Aus Gründen der Sicherheitsinteressen des Landes ist größte Geheimhaltung geboten und die Vertrauensbasis wird auf eine harte Probe gestellt…

Es ist durchaus von Vorteil, aber nicht Voraussetzung, wenn die potentiellen Leser die beiden ersten Krimis von Schweres gelesen haben. Alte Bekannte aus den ersten Krimis kommen in dem neuen Roman vor. Aber es gibt in „Die Abdreher“ kurze Erläuterungen, die auch den unbedarften Leser das Verständnis erleichtern. Schweres entwickelt ein spannendes Gestrüpp aus dem privaten Leben der Protagonisten und ihren Verwicklungen und der politischen Gefahrenlage um sie herum. Dabei kommen auch dunkle Geheimnisse von Schweres Kollegin an das Tageslicht.

Die Handlungsstränge fügen sich bis zum spannenden Showdown nach und nach zu einem Gesamtbild zusammen. Die Verbindung von Salafisten und Rechten, Bedrohung von kritischen Journalisten, Korruption und Vetternwirtschaft, Attentatsdrohung bei einem Fußballspiel, alles ist hier Thema.

Die Charaktere werden sensibel dargestellt und mit einer Prise trockenem Humor die düstere und bedrückende Thematik aufgelockert. Eine spannende und Auseinandersetzung mit der Realität.

Der Krimi zeigt, dass dies durchaus unterhaltsam möglich ist.

Der Krimi ist als Taschenbuch im grafit-Verlag erschienen.

ISBN 978-3-89425-473-5

11.00 (D)

280 Seiten




Die letzten Tage von Dortmund

Dortmudn in Trümmern. Erich Griesars Roman "Caesar 9" spielt in den letzten Jahren des Dritten Reiches und in der Nachkriegszeit. (Foto: © Aisthesis Verlag)
Dortmund in Trümmern. Erich Grisars Roman „Caesar 9“ spielt in den letzten Jahren des Dritten Reiches und in der Nachkriegszeit. (Foto: © Aisthesis Verlag)

Der Roman „Caesar 9“ von Erich Grisar ist ein eindrucksvolles Dokument Dortmunder Geschichte in den letzten Kriegstagen und den Anfängen des Wiederaufbaus nach der Befreiung durch die Amerikaner. Grisar, der 1955 starb, hatte den Roman bereits 1948 beendet und noch in den 50er Jahren bearbeitet, aber danach ist seine Person und sein Werk größtenteils in Vergessenheit geraten. In den vergangenen Jahren kann man von einer kleinen Grisar-Renaissance sprechen, die auch mit der Entdeckung seiner Fotografien aus den 20er Jahren von Dortmund und der Umgebung zu tun hat.

Die Hauptfigur in „Caesar 9“ ist Martin, ein Arbeiter, der mit seiner Mutter in einem Haus lebt und eine Beziehung zu einer verheirateten Frau (Lucy) hat, deren Mann verschwunden ist. Doch die Beziehungsgeschichten ist nicht das, was das Buch ausmacht, sondern die Schilderungen der schweren Bombenangriffe auf Dortmund, die Reaktion der Bevölkerung, der Nazis und die anschließende Befreiung mit dem Versuch der Rückkehr zur Normalität.

Wer schon einmal Bilder der Zerstörung von Dortmund sich angesehen hat, kann die sich kaum vorstellen, wie die Menschen in den Trümmern überlebt haben sollen. Es gab acht Großangriffe auf Dortmund, der schwerste kurz vor Kriegsende am 12. März 1945. Das Kapitel „Der große Angriff“ beschreibt eindringlich, wie es ist, im Bunker zu sein. Eingeschlossen mit hunderten Leuten, immer mit der Angst, das die meterdicke Betondecke doch einmal nachgab. Die Sorge um die Angehörigen, die es vielleicht nicht in einen Bunker geschafft haben. Es ist bedrückend, selbst für mich, der noch keinen Bombenkrieg erlebt hat, den Beschreibungen Grisars zu folgen. Der Titel des Buches, „Caesar 9“, hat mit den Bombenangriffen zu tun, denn bei den Alliierten lag Dortmund im Planquadrat „Caesar 9“.

Sehr lehrreich ist für die heutige Generation, wie Leben im zerstörten Dortmund organisiert wurde. Weinvorräte wurden geplündert, Hydranten und Teiche zur Feuerbekämpfung genutzt, langsam löste sich die Ordnung in den letzten Kriegstagen auf. Das die Nazis aber weiterhin präsent und gefährlich waren, erzählt Grisar im Kapitel „Rot rinnt es durch die Gassen“. Hier thematisiert der Autor die Morde im Rombergpark.

Die Friedenszeit beginnt nicht mit Zuckerschlecken für die Dortmunder. Das muss auch die Hauptfigur Martin erfahren. Und tatsächlich scheinen sich die alten Nazis wieder auf die Seite der Gewinner zu schlagen. Tarnek, der Blockwart, wird nicht zur Verantwortung gezogen, im Gegenteil: „Auch mit Tarnek ging es wieder nach oben. Es war ihm wohl bestimmt , immer auf der Seite derer zu stehen, mit denen der Wind des Schicksals es gut meinte.“ (Seite 296).

Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche Dokumente und einem umfangreichen Nachwort von Arnold Maxwill.

Das Buch ist ein Muss für alle, die sich für die Geschichte Dortmunds gegen Ende des Zweiten Weltkrieges interessieren. Hier wird Geschichte in Romanform personalisiert. Der Schrecken des Bombenkrieges und die Folgen für die Bevölkerung wird plastisch erzählt.

Erich Grisar, Cäsar 9,

362 Seiten, Aisthesis

ISBN: 3849811263

 




Schachstadt Dortmund

Schach hat in Dortmund eine Geschichte und eine Zukunft. Das neue Heft präsentieren (v.l.n.r.) Stefan Mühlhofer (Direktor des Stadtarchivs), Siegfried Zill (Autor), Adolf Miksch (Altbürgermeister und Vorsitzender des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark), Michael Liskatin (Sparkasse Dortmund) und Herausgeber Gerd Kolbe.
Schach hat in Dortmund eine Geschichte und eine Zukunft. Das neue Heft präsentieren (v.l.n.r.) Stefan Mühlhofer (Direktor des Stadtarchivs), Siegfried Zill (Autor), Adolf Miksch (Altbürgermeister und Vorsitzender des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark), Michael Liskatin (Sparkasse Dortmund) und Herausgeber Gerd Kolbe.

Mit welchem Sport bringt man Dortmund zusammen? Natürlich mit Fußball, Dank dem omnipräsenten BVB. Doch die Stadt ist noch in einer anderen Sportart bemerkenswert: Schach. Dortmund ist der Veranstaltungsort des Sparkassen Chess-Meetings, das sich zu einem der wichtigsten Turniere der Welt gemausert hatte. Auch die Schachkarriere eines Weltmeisters, Garri Kasparow, begann in Dortmund. Die neue Ausgabe von „Heimat Dortmund“, herausgegeben vom Historischen Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark, ist ab sofort für 5 € im Buchchandel und im Stadtarchiv erhältlich.

Wie fing das Schachspiel in Dortmund an? Einer der Schachpioniere war der jüdische Herrenausstatter Salomon Elkan, der zu den Gründern des Dortmunder Schachvereins von 1875 gehörte. Sein Sohn, Benno Elkan, verschrieb sich mehr dem Fußball und war Mitbegründer eines bekannten Bundesligaverein aus dem Süden Deutschlands. Die Geschichte von Salomon erzählt der Schachhistoriker Siegfried Zill.

Begonnen hat es 1973 als kleines Schachturnier, jetzt gehört das Sparkassen Chess-Meeting zu den wichtigsten Turnieren der Welt. Gerd Kolbe erzählt nicht nur die Geschichte des Turnieres, sondern berichtet auch von den Akteuren wie dem zehnfachen Gewinner Wladimir Kramnik oder dem Begründer Eugen Schackmann.

Schachförderung wird in Dortmund großgeschrieben: von der „Schachschule“ bis zur Initative „Schach für Kids“ zeigen Gerd Kolbe und Ralf Schreiber, welche Möglichkeiten es gibt.

Natürlich dürfen auch einer der großen Dortmunder Schachvereine nicht fehlen: Gerd Kolbe präsentiert den Schachbundesligisten Hansa Dortmund.

Ein sehr lesenwertes Heft, nicht nur für Schachfreunde. Ein kleiner Wermutstropfen: Es hätten ruhig mehr Vereine porträtiert werden können wie beispielsweise Brackel, die auch früher in der Bundesliga spielten und mit aktuell zwölf Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen.




Nelly-Sachs-Preis 2015 geht an Marie NDiaye

Die Preisträgerin des Nelly-Sachs-Preises 2105: Marie NDiaye.
Die Preisträgerin des Nelly-Sachs-Preises 2105: Marie NDiaye.

Die französische Schriftstellerin Marie NDiaye erhielt am 13. Dezember 2015 im Dortmunder Bürgersaal den mit 15.000 € dotierten Nelly-Sachs-Preis. Die französische Gegenwartsschriftstellerin schrieb zahlreiche Romane, Erzählungen und ist durch ihre Theaterstücke auch auf deutschen Bühne bekannt. Die Laudatio hielt die Literaturkritikerin Sabine Berking.

„Ich freue mich über den Preis“, gab NDiaye im Pressegespräch zu. „Denn ich arbeite ja immer alleine als Schriftstellerin und so bekomme ich Resonanz für meine Arbeit“. Sie Schriftstellerin lebt momentan in Berlin. Frankreich verließ die Tochter eines Franzosen und eines Senegalesen wegen der Einwanderungspolitik der Regierung Sarkozy. Fremdsein hat aber auch einen Reiz für NDiaye. „Ich schätze es, wenn ich hier nicht zuhause bin“, erzählt sie. Zudem hat sie ein Faible für den amerikanischen Autor Stephen King.

Über ihre Arbeitsweise erzählte sie: „Ich bin sehr diszipliniert, ich liebe meinen Beruf. Aber ich muss mich zwingen, denn es gibt viele Dinge, die ich lieber tue.“ Dafür macht NDiaye eine Frau Angst: Marie LePen. „Man kann sie nicht mehr stoppen“, sagt sie resignierend. „man kann nur Fatalist sein. Das Land war noch nie so gespalten und so voller Hass.“




Neuer Ort für interessierte Dorfbewohner

U statt HCC. Ab 2016 finden sich die interessierten Dorfbewohner mit Fritz Eckenga im Kino im U zusammen.
U statt HCC. Ab 2016 finden sich die interessierten Dorfbewohner mit Fritz Eckenga im Kino im U zusammen.

Nach 20 Jahren mit über 150 Veranstaltungen und 170 Gästen verlässt Autor, Kabarettist und Kolumnist Fritz Eckenga mit seinen „Mitteilungen für interessierte Dorfbewohner“ das Harenberg City Center (HCC) und nutzt den Kinosaal im U als neuen Dorfplatz. Die erste Veranstaltung findet am 28. Februar 2016 um 12 Uhr statt. Der Gast wird dann Torsten Sträter sein.

Über die Gründe, warum Eckenga aus dem HCC musste, kann nur spekuliert werden. Möglicherweise wird das HCC in Zukunft kein Spielort mehr für Kultur sein, was Eckenga bedauern würde. „Es ist wichtig bezahlbare Kultur für interessierte Menschen anzubieten“, so der Künstler.

Da passt es ganz gut, dass das Dortmunder U diese Gelegenheit beim Schopf packt und die Veranstaltungsreihe ins Kino ins U lockte. Doch viel Drängen war gar nicht nötig. „Ich wollte ins U“, gab Eckenga zu. „Meine Stammkundschaft hat sich sehr gefreut, dass es weitergeht.“

Die ersten vier Termine stehen schon fest: Neben Sträter am 28.02.16 können sich die Zuschauer auf Wilfried Schmickler (03. April 2016), Nils Heinrich (01. Mai 2016) und René Steinberg (05. Juni 2016) freuen.

Tickets für die Veranstaltungen können an der Kasse des Dortmunder U und über die Webseite www.dortmunder-u.de erworben werden.