250 Jahre Lokaljournalismus in Dortmund

Die aktuelle Ausgabe der „Heimat Dortmund“ beschäftigt sich mit dem Lokaljournalismus in dieser Stadt von 1769 bis heute. Der Lokaljournalismus begann holperig, hatte eine starke Phase und befindet sich momentan in einer Krise.

Im Jahre 1769 begann es. An diesem Datum erschien zum ersten mal eine gedruckte Zeitung in Dortmund. Die „Dortmundischen Vermischten Zeitungen“ wurden herausgegeben vom Stadtdrucker Gottschalk Diedrich Baedecker. Moment, Baedecker kommt dem einen oder anderen bekannt vor. Richtig, das war der Großvater des berühmten Karl Baedecker, der die Reisebücher herausgab.

Warum erst so spät? Dortmund war nach dem 30-jährigen Krieg zu einem kleinen Ackerbürgerstädtchen herabgesunken mit rund 8.800 Einwohnern. Da gab es keinen großen Bedarf für Zeitungen.

Präsentierten die neue Ausgabe von "Heimat Dortmund" (v.l.n.r.) Autorin Astrid Blome  (Institut für Zeitungsforschung), Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund) und Adolf Miksch, der Vorsitzender des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e.V..
Präsentierten die neue Ausgabe von „Heimat Dortmund“ (v.l.n.r.) Autorin Astrid Blome (Institut für Zeitungsforschung), Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund) und Adolf Miksch, der Vorsitzender des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e.V..

Das Ende des 19. Jahrhunderts und der Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Hochzeiten der Lokalpresse. Durch die Industrialisierung wuchs Dortmund sehr stark und das Offsetdruckverfahren machte Zeitungen für die Masse erschwinglich. Vor allem der „General-Anzeiger“ war eine der auflagenstärksten Zeitungen in ganz Deutschland. Die Presse war in dieser Zeit noch weltanschaulich und parteipolitisch stark getrennt, so dass jeder nach seiner politischen Meinung die entsprechende Zeitung lesen konnte. Das änderte sich mit der Machtergreifung der Nazis.

Doch wie sieht es heute aus? Drei Artikel beschäftigen sich mit der Frage, wie der Lokaljournalismus im 21. Jahrhundert weiterentwickelt werden kann. Sind staatliche Stiftungen die Lösung oder übernehmen Blogs wie die Nordstadtblogger oder auch in bescheideneren Rahmen ars temonia die Funktion? Und da sind wie wieder am Anfang im Jahre 1769. Baedecker und später Arnold Mallinckrodt (Westfälischer Anzeiger) aus Eigeninitiative Zeitungen herausgebracht. Als Baedecker starb, starb auch seine Zeitung und Mallinckrodt hatte irgendwann die Kämpfe mit der Zensur satt. Auch viele Blogs, die lokaljournalistisch unterwegs sind, leben durch die Eigeninitiative ihrer Macher. Es bleibt zu hoffen, dass es für manche ein Zukunftskonzept gibt.

Das Heft ist übrigens das letzte, das im Klartextverlag erscheint, die kommenden Hefte erscheinen im Aschendorff-Verlag. Der Preis für diese Ausgabe beträgt 5 €.




Der Untergang des Hauses Tuxhorn

Mit „Mord am Borsigplatz“ präsentiert Auto Hans W. Cramer seinen vierten Krimi im GMEINER Verlag und der dritte Krimi, der das ungewöhnliche Ermittler-Trio Raster, Philo und Sabine in den Mittelpunkt stellt. Diesmal geht es um eine Unternehmer-Familie mit einem dunklen Geheimnis.

Auch wenn der Roman „Mord am Borsigplatz“ heißt, der Borsigplatz und die Nordstadt spielen nur eine kleine Rolle, Der Roman spielt überwiegend im Haus Kurl, das der Autor zum Familienstammsitz erklärt. Das echte Haus Kurl, ein Adelssitz, wurde leider 2015 endgültig abgerissen.

Die Dreier-WG wird in einen Fall mit historischen Dimensionen verwickelt. (Cover: gmeiner Verlag)
Die Dreier-WG wird in einen Fall mit historischen Dimensionen verwickelt. (Cover: gmeiner Verlag)

Die Hauptfiguren Hans Schulz, kurz Raster, Friedrich Sachse, genannt Philo und die Ärztin Sabine Funda sind bereits aus den Büchern „Spinnenbiss“ und Wer Sünde sät“ bekannt. Die ungewöhnliche WG bekommt in dem aktuellen Krimi noch Unterstützung von der jungen Polizistin Susanne.

Die Geschichte beginnt mit einem Mord, nicht am Borsigplatz, sondern im Rombergpark. Der Täter wird gefasst, den eine Zeugin belastet. Universitätsdozent Philo hat den Kollegen, den Wirtschaftsmathematiker Volker Kulkinski, aber zur Tatzeit in der Stadt gesehen. Das Opfer Karl-Friedrich Tuxhorn ist Seniorchef eines großen Dortmunder Autohauses. Danach gibt es eine weitere Leiche – am Borsigplatz. Wie hängen die beiden Morde zusammen? Wie es der Zufall will, wird Sabine die Betreuerin von Ottokar Tuxhorn, dem alten Vater von Karl-Friedrich. Damit gerät sie Mitten in eine Familiengeschichte der Tuxhorns, die düstere Geheimnisse verbergen.

Wer die beiden Vorgängerbücher mit dem Trio kennt, kann sich auf ein wiedersehen mit seinen altbekannten Figuren freuen. Die Dialoge zwischen den Figuren zeigen sehr gut das freundschaftliche Verhältnis der Personen auf. Man merkt, dass sich alle aufeinander verlassen können. Auch die Integration von Susanne, der Polizistin, ist geglückt.

Das Buch ist besonders für diejenigen empfehlenswert, die eine etwas andere Art der Ermittler mögen. Natürlich besitzt der Krimi logischerweise viele Dortmund Bezüge, auch wenn es den Schauplatz Haus Kurl nicht mehr gibt. Fans von Regionalkrimis sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren.

Mord am Borsigplatz

Hans W. Cramer

315 Seiten

EUR 14,00 [D] / EUR 14,40 [A]

ISBN 978-3-8392-2466-3




Jubiläums-Veranstaltungsreihe: 50 Jahre Werkkreis Literatur der Arbeitswelt

Am 07. März 1970 gründete sich als Nachfolgevereinigung der „Gruppe 61“ um Max von der Grün und Fritz Hüser der „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ (Vereinigung schreibender Arbeiterinnen, Arbeiter und angestellter).

Das umfangreiche Jubiläumsprogramm unter dem Titel „works & circles- 50 Jahre Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ findet vom März bis November 2020 in Dortmund und darüber hinaus statt. Gefeiert wird mit Performances, Lesungen, Videoinstallationen, Tagungen, Diskussionen, Schreib-Wettbewerben und diversen Veranstaltungen in allen Kunstsparten. Das ganze Programm wird von der Kunststiftung NRW, der LWL-Kunststiftung sowie dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW gefördert.

Der Nachlass des Werkkreises befindet sich im Friz-Hüser-Institut (FHI). Das Veranstaltungsprogramm erinnert nicht nur an die Anfänge, Motive, Themen und Wirkungen des Werkskreises, sondern die Veranstaltungsreihe ist durchaus breit ausgerichtet, und hat die heutige und Arbeitswelt der Zukunft im Blick. Die Probleme sind ja immer noch brisant. Umwelt, Migration, Armut, prekäre Arbeitsverhältnisse ungerechte Vermögens-und Eigentumsverhältnisse und so weiter, um nur einige Felder anzusprechen. Interessant ist das Programm also auch für junge Menschen. Ein wichtiges Ziel war es damals, nicht nur in Werkstätten die Fähigkeiten und Lust am Schreiben von Arbeiter- und Angestellten in den Betrieben zu fördern, sondern vor allem authentische Stimmen aus dieser Arbeitswelt mit ihren oft schwierigen Bedingungen. Vor allem der dokumentarische Chrarakter war dabei von Bedeutung.

Stellten das Jubiläumsprogramm vor (v.l.n.r.) Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (LWL-Kulturdezernentin), Dr. Iuditha Balint (Leiterin Fritz Hüser Institut), Jannette Eggert (Mitarbeiterin Projekt), Erasmus Schöfer (Mitbegründer des Werkkreises), Jörg Stüdemann (Kulturdzernent Stadt Dortmund), Kimberly Becker (Mitarbeiterin Projekt) und Michaela Wiegand (Mitarbeiterin Projekt).
Stellten das Jubiläumsprogramm vor (v.l.n.r.) Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (LWL-Kulturdezernentin), Dr. Iuditha Balint (Leiterin Fritz Hüser Institut), Jannette Eggert (Mitarbeiterin Projekt), Erasmus Schöfer (Mitbegründer des Werkkreises), Jörg Stüdemann (Kulturdzernent Stadt Dortmund), Kimberly Becker (Mitarbeiterin Projekt) und Michaela Wiegand (Mitarbeiterin Projekt).

Der Dortmunder Kulturdezernent Jörg Stüdemann wies beim Pressegespräch auf die große emanzipatorische und politische Wirkung auf die Gesellschaft hin. Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (LWL Kulturdezernentin) bestätigte die Wirkung weit über Dortmund hinaus. Querdenken und Bewusstsein zu schaffen, war damals auch ein politischer Anspruch.

Ersasmus Schöfer (Mitbegründer des Werkkreises) erzählte lebhaft über die Anfänge: Unter dem Dach des Werkkreises entstanden in den 1970iger Jahren in der ganzen Bundesrepublik Werkstätten, in denen Arbeiter (oder Angestellte) unter professioneller Unterstützung von Schriftstellern und Wettbewerben ihre Arbeitswelt und deren Bedingungen in eine künstlerische Form zu bringen. Die vorgelegten Schriften wurden zunächst intern diskutiert und dann zur Veröffentlichung (im Fischer-Verlag) frei gegeben.

Die feierliche Eröffnung findet am Samstag, den 07.03.2020 (18:00 Uhr) im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) mit Podiumsdiskussion und einer Performance statt.

Die eigens für das Jubiläum gestalteten Videoinstallationen werden an verschiedenen Orten am 09.03.2020 enthüllt. Zu sehen etwa in der Bersword-Halle, der Stadt- und Landesbibliothek oder der Thier-Galerie.

Das komplette Jubiläumsprogramm und weitere Informationen erhalten Sie unter www.fhi.dortmund.de




Kriminalroman im Milieu von Kunst und Kunstfälschern

Thomas Salzmann (1960 in Pirmasens geboren, lebt heute im Mettmann) studierte ursprünglich Betriebswirtschaft und arbeitete danach längere Zeit in der Industrie. Seit fünf Jahren widmet er sich nun dem Schreiben.

Mit seinem Debütkrimi „Kohlenwäsche“ schickt er die Leser*innen sowie seine Protagonistin Hauptkommissarin Frederike Stier mitten ins Ruhrgebiet in einem Fall aus der Kunstszene, mit dubiosen Galeristen, Kunstberatern und Händlern, exzentrischen Künstlern und Sammlern.

Auf der Zeche Zollverein in Essen wird der Aktionskünstler Claude Freistein kurz vor dortigen Ausstellungseröffnung tot am Aufgang zur ehemaligen „Kohlenwäsche“ (eine Anlage zur Trennung von geförderter Kohle in verschiedene Qualitäten sowie störenden Bestandteilen) tot aufgefunden.

Aufregung in der Essener Kunstszene: "Kohlenwäsche" von Thomas Salzmann. (Cover: © emons Verlag)
Aufregung in der Essener Kunstszene: „Kohlenwäsche“ von Thomas Salzmann. (Cover: © emons Verlag) ISBN 978-3-7408-0675-0, (i4)_(0675-0) ebook: 978-3-96041-558-9, (e2)_(558-9)

Da kurz darauf auch sein Agent auf die gleiche Weise ermordet wird, ist die Aufregung in der Essener Kunstszene groß. Hauptkommissarin Frederike Stier sucht fieberhaft nach einem Motiv im Umfeld von Kunsthändlern und zwielichtigen Sammlern. Am Ende kommt sie dem Täter näher, als ihr lieb ist…

Die forsch auftretende Protagonistin Frederike Stier ist nicht nur durch Traumata aus der Vergangenheit, sondern auch durch ihre angeschlagene Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen.

Außerdem droht ihr durch ihren Vorgesetzten der vorzeitige Ruhestand. Ihre Arbeit gibt der verwitwete Frau neben ihren Zigarettenkonsum, ihrer Lieblingsmusik und guten Wein zur Zeit den einzigen Sinn und Struktur in ihrem Leben.

Salzmann gelingt es mit viel Sensibilität, dass Bild einer kämpferisch-starken, manchmal auch sturen Frau zu zeichnen, mit der sich manche Leserin in ähnlicher Lage identifizieren kann.

Ihr zu Seite stellt er als Gegenpol den jungen Kollegen Kowalczyk. Der ist ein optimistischer Mensch, der jung verheiratet ist und gerade Vater wird. Er ist loyal, aber auch darauf bedacht, seine Karriere nicht zu gefährden.

Wer psychologisch gut heraus gearbeitete Charaktere und einen Krimi mit steigendem Spannungsbogen mag, kommt bei „Kohlenwäsche“ auf seine Kosten.

Historische Einblicke in die Vergangenheit der „Zeche Zollverein“ gibt es obendrein. Der Deutsche Zollverein (der Name der Zeche ist daran angelehnt) kämpfte unter anderem damals gegen die bestehenden Zollgrenzen im Staatenbund aus vierzig Mitgliedern. Ein aktueller Aspekt mit einer kleinen politischen Spitze angesichts der nationalistischen, isolationistischen Bestrebungen einiger Staaten in unserer Zeit.

Ein spannendes Krimidebüt mit Ironie, trockenem Humor und Tiefgang.

Thomas Salzmann
Kohlenwäsche
Broschur
Köln: Emons Verlag 2019 ISBN: 978-3-7408-0675-0 336 Seiten
€ (D) 11,90 € (A) 12,30




Showdown bei Lucie Flebbes Jenseits-Trilogie

Nach „Jenseits von Wut“ und „Jenseits von Schwarz“ ist nun unter dem Titel „Jenseits von tot“ der mit Spannung erwartetet dritte und letzte Teil der Kriminalroman-Trilogie von Lucie Flebbe erschienen.

Die Protagonisten sind wieder die Teilzeitpolizistin Edith „Eddie“ Beelitz und ihr Freund Jo, genannt „Zombie“. Beide leben inzwischen mit ihrer kleinen Tochter Lottti und den beiden Töchtern des selbständigen Security-Unternehmers (Zombie) zusammen. Während Eddie nach ihrer Scheidung von (noch) Ehemann Philipp in ihrem Beruf ständig neu durchsetzen muss, kämpft Zombie immer noch mit dem Umgang mit seiner Aggression. Tiefsitzende Wunden aus der Vergangenheit belasten ihn. Als eine Frau, die in der Immobilienbranche arbeitete, tot aufgefunden wird, wird sie ausdrücklich ins Ermittlerteam berufen. Das Opfer hatte zahlreiche Feinde und wollte ihre Mutter in einer Intensivpflege-Wohngemeinschaft unterbringen. Eddie ruft ihren Freund Zombie, der den Einrichtungsleiter kennt, um Hilfe. Die Ereignisse spitzen sich zu, als Zombie während der Ermittlungen einen alten Bekannten wieder trifft und ihn sein dunkelstes Geheimnis einholt…

Mit "Jenseits von tot" präsentiert Lucie Flebbe den dritten Teil der Trilogie um Kommissarin Edith "Eddie" Beelitz. (Foto: © grafit Verlag)
Mit „Jenseits von tot“ präsentiert Lucie Flebbe den dritten Teil der Trilogie um Kommissarin Edith „Eddie“ Beelitz. (Foto: © grafit Verlag)

Lucie Flebbe gelingt es wieder hervorragend, nicht nur Spannung aufzubauen, sondern mit viel Empathie in die tiefen der Seele der Protagonisten mit ihren Ängsten, Unsicherheiten aber auch mit ihren Hoffnungen und Mut zu blicken. Die Sprache ist deutlich und umgangssprachlich oft ziemlich deftig. Ihre Kriminalromane sind immer auch gesellschaftliche Milieu-Studien,

So wird die schwierige Situation in der Intensiv-Pflege, Korruption und Vetternwirtschaft, sowie soziale Probleme in Eddies Umfeld sensibel dargestellt. Auch diesmal wird der Plot abwechselnd aus der Sicht von Eddie und Zombie erzählt.

Die Charaktere kommen so vielschichtig und authentisch rüber. Gerade mit ihren Schwächen, Ängsten vor dem Scheitern bieten sie den Leserinnen und Lesern ein hohes Identifikationspotential.

Das Ganze immer mit einen liebevoll verständnisvollen Blick und trotz aller Probleme.

Empathie, Achtsamkeit sowie ein möglichst liebevolles familiäres Umfeld als stärkenden Rückhalt und Hoffnung.

Lucie Flebbe
Jenseits von tot
Kriminalroman Grafit in der Emons Verlag GmbH 2019
ISBN 978-3-89425-591-6
288 Seiten € (D) 12,00 € (A) 12,40




Vielschichtig-spannender zweiter Teil der „Jenseits-Trilogie“ von Lucie Flebbe

Spannend und fern von schwarz-weiß Klischees – dabei vielschichtig und aktuell – geht es nach „Jenseits von Wut“ im zweiten Teil der Trilogie von Autorin Lucie Flebbe im frisch erschienenen Kriminalroman „Jenseits von Schwarz“ weiter.

Edith „Eddie“ Beelitz, alleinerziehende Bochumer Kommissarin in Teilzeit und Protagonistin des Krimis, erwartet schon zu Anfang eine Überraschung. Ausgerechnet Joseph Rheinhard alias „Zombie“, gegen den sie schon einmal ermittelt hat, ist der Vater der besten Freundin ihrer kleinen Tochter Lotti aus der Nachbarschaft. Als der Security-Mann verdächtigt wird, für den Tod von zwei Patienten einer Suchtklinik verantwortlich zu sein, gerät ihr Leben erneut außer Fugen. Eddie glaubt an seine Unschuld und hilft ihm sogar unterzutauchen. Damit riskiert sie nicht nur ihren Job…

Die Geschichte wird wieder abwechselnd aus der Perspektive von Eddie und Zombie erzählt. Den Leserinnen und Leser gelingt es dadurch , sich in die beiden Charaktere mit ihren Schwächen und Stärken sowie in ihrer Verletzlichkeit hinein zu versetzen.

Der zweite Band der Trilogie um die Kommissarin Edith "Eddie" Beelitz. (Foto: © grafit verlag)
Der zweite Band der Trilogie von Lucie Flebbe um die Kommissarin Edith „Eddie“ Beelitz. (Foto: © grafit verlag)

Der lange und muskelbepackte „Zombie“ mit dunklerer Hautfarbe hat sich einen Schutzpanzer angeschafft. Der Umgang mit seinen Aggressionen fällt ihm schwer.

Eddie wird von ihrem Vorgesetzten aus gekränkter Eitelkeit trotz ihrer Fähigkeiten hauptsächlich am liebsten als „Sekretärin“ eingesetzt. Nicht gerade gut für das Selbstbewusstsein der Kommissarin.

Flebbe gelingt es mit viel Sensibilität, die langsame Annäherung von Eddie und Zombie in entsprechende Worte zu fassen. Beide sind sich zunächst in ihrer Liebe unsicher.

Trotz aller Probleme und einem etwas „chaotischen“ Umfeld, zieht sich die Bedeutung von Solidarität und Freundschaften im Leben nicht nur von Eddie wie roter Faden durch den Kriminalroman.

Gesellschaftliche soziale Probleme werden mit einer gewissen positiven Grundhaltung vermittelt, und der Themenkomplex Sucht auf unterhaltsame Art facettenreich beleuchtet.

Mit lockeren Dialogen und Erzählstil sowie einem oft etwas schnoddrigem Ton gelingt es Flebbe, ihrer unkonventionellen Protagonistin unterhaltsam für die LeserInnen zum Leben zu erwecken.

Man darf gespannt sein, wie es mit Eddie, Zombie sowie den anderen Personen im dritten und letzten Teil weiter geht.

„Jenseits von Schwarz“ ist selbstverständlich auch als E-Book erhältlich.

Lucie Flebbe
Jenseits von Schwarz
Kriminalroman
Köln: Grafit Verlag 2019
ISBN 978-3-89425-590-9
317 Seiten € (D) 12,00 € (A) 12,40




Mord am Hellweg X – Dortmund, Fußball und Olympia 1936

Ein wichtiger Bestandteil des alle zwei Jahre stattfindenden größten
europäischen Krimifestival (Mord am Hellweg) vom 19.September bis
14.11.2020 ist die traditionelle Anthologie „Mord am Hellweg“. Es
ist ein Projekt der Kulturregion Hellweg und hat 25
Kooperationspartner. Diesmal steht das zehnjährige Jubiläum bevor!

Für die Anthologie
wurden über vierundzwanzig nationale und internationale
Krimi-Autorinnen und Autoren berufen, um an unterschiedlichste Orten
des Hellwegs angesiedelte Mord-Geschichten (höchstens 12 Seiten!)
beizutragen. Der Abgabetermin ist (spätestens) Mitte März 2020.
Dabei wird auf eine gute Mischung aus Newcomern, deutschen und
international bekannteren Krimi-Autoren Wert gelegt. Alle bringen
ihren ganz eigenen Stil und Blickwinkel ein.

Das Festival und die
Anthologie „Mord am Hellweg“ soll eine Plattform für Newcomer
und gleichzeitig die Bandbreite der aktuellen Kriminalroman-Szene
zeigen, so Sigrun Krauß (Festivalleitung).

Volker Kutscher (3.v.l.) recherchiert in Dortmund über die Zeit von 1936. Beim Pressetermin dabei waren (v.l.n.r.) Claudia Vennes (Stadt- und Landesbibliothek), Herbert Knorr (Westfälisches Literaturbüro Unna) und Sigrun Krauß (Festivalleitung Mord am Hellweg).
Volker Kutscher (3.v.l.) recherchiert in Dortmund über die Zeit von 1936. Beim Pressetermin dabei waren (v.l.n.r.) Claudia Vennes (Stadt- und Landesbibliothek), Herbert Knorr (Westfälisches Literaturbüro Unna) und Sigrun Krauß (Festivalleitung Mord am Hellweg).

Volker Kutscher, der
bekannte Bestseller-Autor der Serie „Berlin Babylon“ (Der nasse
Fisch) um Kommissar Gereon Rath, hat sich für seinen Beitrag zu
„Mord am Hellweg“ die Stadt Dortmund ausgewählt. In seinem neuen
Roman das Olympia-Jahr 1936 eine wesentliche Rolle. Auch in Dortmund
wird es um das Jahr 1936, Fußball, der erste Sportplatz von Borussia
Dortmund, und vor allem um den ersten Nationalspieler unserer Stadt
August Lenz (1910 -1988) gehen. Das verriet Kutscher vorab beim
Pressegespräch.

Zwischen dem 18.11.2019 und dem 20.11.2019 besuchte und recherchierte der Autor in Dortmund. Wichtig, um den „Spirit“ der Stadt zu fühlen. Das ist für alle beteiligten Krimi-Autoren Pflicht, so Krauß.

Kutscher besuchte
nicht nur das Fußballmuseum, sondern hatte auch interessante und
erhellende Gespräche mit Gerd Kolbe (Archivar BVB) und dem
Sachbuchautor Dietrich Schulze-Marmeling (diverse Fußballbücher).

Was er und die
anderen Beteiligten Autorinnen und Autoren aus den Vorgaben gemacht
haben, erfahren die Leser erst in einem knappen Jahr. Traditionell
wird die Anthologie in Anwesenheit der Herausgeberinnen und einiger
Beteiligter mit einer Veranstaltung am Montag nach dem
Festival-Auftakt am 21.09.2020 vorgestellt. Außerdem wird jeder der
Autor*innen im Festivalzeitraum zu einer Lesung in die Stadt
eingeladen, wo auch ihre/seine Geschichte spielt.

Volker Kutscher wird
dann höchstwahrscheinlich im November 2020 in das
Fußballmuseum-Museum zu einer Lesung eingeladen. Er wird sicherlich
auch aus seinem neuen historisch-politischen Kriminalroman um
Kommissar Gereon Rath und das Olympiajahr 1936 vorlesen.

Wir dürfen gespannt
sein.

Genaueres darüber
und den diversen sonstigen Veranstaltungen und Lesungen im Rahmen des
Krimifestivals erfahrener Sie zeitnah im nächsten Jahr.




Dortmund Passagen – Stadtführer erzählt unsere Stadtgeschichte neu

Rechtzeitig vor dem Evangelischen Kirchentag erscheint ein neuer und
ganz besonderer Stadtführer unter dem titel „Dortmunder Passagen“.

Als
Kooperationsprojekt mit der TU Dortmund, der Reinoldikirche, den
Kulturbetrieben Dortmund, der Stiftung Industriedenkmal sowie dem
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern war das Projekt unter Initiative
von Prof. Barbara Welzel (TU Dortmund) und Dr. Stefan Mühlhofer
(Geschäftsführender Direktor der Dortmunder Kulturbetriebe) in
Angriff genommen worden und nun zu einem runden Gesamtwerk
zusammengefasst.

Einundzwanzig
fachkundige Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Disziplinen und
zwei Fotografen beschreiben auf 287 Seiten fünf Themen-Routen, die
dem Sound der Stadt folgen.

„Es sollte kein
klassischer Reiseführer werden, sondern die Geschichte der Stadt
aktuell in Zusammenhängen erzählt werden“, so Dr. Mühlhofer.

So erschließt der
Führer das Stadtgebiet anhand von Drehscheiben und (ganz wichtig) an
Leitobjekten. Dadurch wird Geschichte, Gegenwart und geografische
Gegebenheiten an konkreten Orten sichtbar und verständlich gemacht.

Vor dem Modell des historischen Lunaparks im Museum für Kunst und Kulturgeschichte – eines der Leitobjekte im Stadtführer (v.li.): Prof. Barbara Welzel (TU Dortmund), Michael Küstermann (Stadtkirchenpfarrer St. Reinoldi), Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund) und Prof. Wolfgang Sonne (TU Dortmund). (Foto: Karin Pinetzki / Stadt Dortmund)
Vor dem Modell des historischen Lunaparks im Museum für Kunst und Kulturgeschichte – eines der Leitobjekte im Stadtführer (v.li.): Prof. Barbara Welzel (TU Dortmund), Michael Küstermann (Stadtkirchenpfarrer St. Reinoldi), Dr. Stefan Mühlhofer (Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund) und Prof. Wolfgang Sonne (TU Dortmund). (Foto: Karin Pinetzki / Stadt Dortmund)

Die einzelnen
Kapitel (Routen) sind in „Wege“, „Wasser“, „Materialien“,
„Stadt und Land“ sowie „Spielräume“ eingeteilt. So lädt zum
Beispiel mit der Route „Materialien“ dazu ein, verschiedene
Werkstoffe und Oberflächen zu erkunden.Mit der Route „Spielräume“
wiederum steuert man die repräsentativen und politischen,
kulturellen und wissenschaftlichen, sportlichen oder geistlich
bedeutsamen Orte an. Im Kapitel „Wege“ geht es um moderne und
mittelalterliche Strukturen wie etwa: Wall und Hellweg oder Brücken,
Kanal und Flughafen.

Als Drehscheiben für
die Stadterkundungen dienen dabei Museen, Industriedenkmäler, der
Botanische Garten Rombergpark oder die Stadtkirche St. Reinoldi. An
den Routen liegen so verschiedene Dinge wie Adelsschlösser,
Gasleitungen, mittelalterliche Dorfstrukturen und Kirchen sowie
Bauten der Nachkriegsmoderne, bis hin zu Räumen der
Industrialisierung und des modernen Strukturwandels.

Eine besondere Rolle
als Drehscheibe spielt das Museum für Kunst und Kulturgeschichte
(MKK).

Jede der fünf
Routen ist mit einem Objekt aus der Sammlung des Museums verankert,
(ersichtlich durch eine angebrachte spezielle Postkarte). Jeder
Rundgang kann also im MKK starten.

Zu den Leitobjekten
zählen u.a. ein Modell der Stadtkirche St. Reinoldi, ein Modell des
historischen Lunaparks im Fredenbaumpark, der Dortmunder Goldschatz,
glasierte Backsteine eines mittelalterlichen Patrizierhauses oder
eine früher einmal notwendiger Reisepass im Raum Dortmund…

Nicht nur den Gästen
des Evangelischen Kirchentags, auch den Dortmunderinnen und
Dortmundern wird mit diesem leicht und gut zu transportierenden
Stadtführer ein neuer Blick jenseits der alten gängigen Bildern
gewährt.

Der Stadtführer ist
im Reinoldiforum und während des Evangelischen Kirchentags (19. bis
23. Juni) im Pavillon „stadt paradies sanktreinoldi“ an der
Reinoldikirche sowie danach auch im Buchhandel für 15,- Euro
erhältlich.




Grappa- Krimi im Dunstkreis der Me Too-Debatte

In ihrem 29. Krimi „Grappa und der Sonnenkönig“ um die
unerschrockene Protagonistin Maria Grappa (Polizeireporterin vom
Bierstädter Tageblatt) mit guter Spürnase nimmt sich die Dortmunder
Autorin Gabriella Wollenhaupt mal wieder ein aktuell brodelndes Thema
vor. Die Me Too-Debatte erreicht jetzt auch Bierstadt.

Kurz vor Beginn der
Festspiele „Summer-Pott“ erhebt die Schauspielerin Liane Licht
gegen den Intendanten Adalbert Engels schwere Vorwürfe. Er soll von
ihr regelmäßig sexuelle Dienstleitungen erpresst und sie
vergewaltigt haben. Der arrogante, selbstverliebte Fiesling lässt
sich mit Maestro ansprechen und nennt sich selbst „Sonnenkönig“.
Natürlich leugnet er alle Vorwürfe. Als sich Liane Licht das Leben
nimmt, ist für Polizeireporterin Maria Grappa das Maß voll. Sie
setzt alles daran, der Öffentlichkeit das wahre Gesicht von Engels
zu zeigen…

Der Krimi ist wie
gewohnt in einem humorvoll-ironischem Stil geschrieben und die alten
bekannten Figuren aus früheren Grappa-Romanen sind wieder an Bord.
Zeit-Mann Friedemann Kleist muss während eines Forschungssemesters
mit der hiesigen Clan-Kriminalität auseinandersetzen. Zusätzlich
bleibt auch das Team vom Bierstädter Tageblatt von der Me
Too-Problematik nicht unberührt und die Stimmung ist etwas
angespannt. Der Toleranzbegriff wird auf eine harte Probe gestellt,
und die Geschichte nimmt einige kleine überraschende Wendungen, die
die Spannung bis zum Ende hoch halten.

Wie immer greift Gabriella Wollenhaupt aktuelle Themen in ihren Krimis auf. (Cover: © Grafit Verlag)
Wie immer greift Gabriella Wollenhaupt aktuelle Themen in ihren Krimis auf. (Cover: © Grafit Verlag)

Wie die anderen
Grappa-Storys lässt sich dieser Krimi leicht und flüssig lesen,
zeichnet sich aber auch durch seine interessanten Charaktere und der
intelligent eingebrachten Gesellschaftskritik aus. Bei aller
Ernsthaftigkeit und Nachdenklichkeit kommt der Humor nicht zu kurz,
beispielsweise wenn Grappa träumt, dass ihr Verleger die Monarchie
ausruft. Der ist ja auch notwendig!

Es deutet sich an,
dass die beliebte Figur der Protagonistin Grappa nach vielen Jahren
und Kämpfen so langsam amtsmüde wird und gerne aussteigen würde.
Zwar verständlich, aber viele Leserinnen und Leser werden sie dann
wohl auch vermissen.

Eine schöne Lektüre
für die anstehenden Urlaubszeit.

Gabriella Wollenhaupt
Grappa und der Sonnenkönig
Köln: Grafit Verlag 2019
ISBN 978-3-89425-593-0 (D) 11,00 € (A) 11,30 € 249 Seiten




Erster Wortklub Dortmund – Let‘s talk about cooking

Die Maiausgabe der
monatlichen Talkreihe des „1. Wortklub Dortmund“ mit Moderator
Thomas Koch drehte sich ums Thema Kochen. Zwei interessante Gäste
hatte Thomas Koch eingeladen: Verena Lugert und Helmut Gote. Die
musikalische Begleitung kam von den Zucchini Sistaz.

Eigentlich hatte
Verena Lugert alles erreicht. Sie hatte die Henri-Nannen-Schule
besucht, war Korrespondentin für neon in Südostasien. Sie reiste
zwischen Hamburg und Bali hin und her und schrieb Reportagen. Dann,
mit 39 Jahren, machte sie einen großen Schnitt und fing nochmal neu
an. In einer Küche. In London. Ganz unten. Davon handelt ihr Buch
„Die Irren mit dem Messer“ aus dem sie auch vorlas. In einer
Sternenküche geht es ähnlich ab wie beim Militär. Es ist streng
hierarchisch strukturiert und jeder Handgriff muss sitzen. Wehe, es
geht etwas schief, da fließen schon mal Tränen. Doch am Ende
stellte sich ein gewisses Glücksgefühl ein, wenn alles funktioniert
und der Gast glücklich ist.

Thomas Koch (ganz rechts) mit seinen Gästen Helmut Gote und Verena Lugert. (Foto: © Anja Cord)
Thomas Koch (ganz rechts) mit seinen Gästen Helmut Gote und Verena Lugert. (Foto: © Anja Cord)

Der zweite Gast des
Abends war Helmut Gote, der kulinarische Journalist bei WDR 5 sowie
WDR 2 und Buchautor. Er erzählte von seiner Kindheit in Bottrop und
den Speisen, die seine Großmutter kochte. Er stammt aus einer
Bergarbeiterfamilie und das Essen war dementsprechend gutbürgerlich.
Er verriet das Geheimnis von Großmutters Rouladen: Sie tat gewürztes
Bratwurstbrät hinein. Die Besucher erkannten schnell, warum Gote zu
beliebt ist. Er konnte charmant über alles, was in der Küche
passiert, reden.

Ein großes Thema
nach der Pause war die Sternenküche. Für Lugert und Gote stand die
Bedeutung der Sterne außer Frage, wobei Gote das Chi-chi um die
Speisen ein wenig zu viel war. Er sehnte sich nach den alten
Sterneköchen zurück, die den Gast im Auge hatten und nicht ihre
Kochkunst.

Musikalisch wurde
die Veranstaltung sehr schwungvoll von den Zucchini Sistaz begleitet.
Sie verbinden die Gesangskunst der Andrew Sistaz mit einer gehörigen
Portion Virtuosität an den Instrumenten. Ihre Musik, Jazz, Swing und
Boogie aus den 30ern bis 50ern, riss das Publikum mit. Dazu
überzeugten sie mit tollen Kostümen und frechen Ansagen.

Wegen der
Sommerpause findet der nächste Dortmunder Wortklub erst am 12.
September um 19:30 Uhr an alter Wirkungsstätte im domicil statt.