„The Blog House“ geht in die nächste Runde

Die neue Late-Night im Institut des Dortmunder Schauspielhauses wird am 7. Dezember um 22:00 Uhr zum zweiten Mal vom Internetblog ruhrbarone.de präsentiert. Blogger aus dem Revier und dem World Wide Weblesen dort ihre Texte, Essays und aus ihren Romanfragmenten.Das Ganze wird zwischendurch mit Musik aufgelockert und es können sich interessante Diskussionen mit dem Publikum ergeben.

 

Dieses „Blog House“ beschäftigt mit dem gerade in letzter Zeit viel diskutiertem Thema „Freiheit und Verbote“. Denken wir nur an den von den Grünen vorgeschlagenen „Veggie Day“ oder die heißen Debatten zum Rauchverbot und Prostitution. Die Thematik wirft viele Fragen auf.

 

Einige überraschende Antworten haben die dazu geladenen Gäste des Abends. Mit dabei sind der Gründer des preisgekrönten Blogs „publikative.org“ Andrej Reisin. Er liest aus seinem Buch der „Präventivstaat“. Die beiden Ruhrpott-Punks Dennis Rebmann und Philip Stratman lesen aus ihrer neusten Veröffentlichung über diese widerständigste Subkultur „Mit Schmackes – Punk im Ruhrgebiet“. „Punk spielt eine große Rolle wenn es um Freiräume zu schaffen oder Grenzüberschreitungen geht“, erläuterte Thorsten Bihegue, Blogger und Dramaturg am Schauspielhaus. Außerdem mit von der Partie ist „Ruhrbaron“ Martin Kaysh. Er ist vor allem durch seine Rolle als „Steiger“ im Geierabend aber auch als Kolumnist für „Bodo – Das Straßenmagazin“ bekannt.

 

Gastgeber und Moderator des Abends ist der Mitbegründer des Internetblogs ruhrbarone.de Stefan Laurin. Die Redebeiträge dauern etwa 6 bis 10 Minuten. Dazwischen ist etwas Zeit um bei Musik und einem Getränk zu Gesprächen.

 

„Es wäre schön, wenn dadurch eventuell einige Menschen aus dem Publikum angeregt werden, selbst einmal zu schreiben und es zu einer möglichen Vernetzung kommt“, hofft Bihegue.

 

Karten für die „Late-Night“ gibt es für 5,- Euro unter: Tel: O0231/50-27 222 oder unter www.theaterdo.de.

 

Das nächste „BlogHouse“ mit neuem Programm gibt es übrigens im Februar 2014.




Wo bitte geht’s hier zum Ghetto?

Marcel Feige alias MArtin Krist auf der Suche nach den dunklen Ecken Dortmunds.
Marcel Feige alias Martin Krist auf der Suche nach den dunklen Ecken Dortmunds.

Die Nordstadt, Mittwoch Nachmittag um 14:30 Uhr. Fast ein Stadtteil wie jeder andere. Nichts zu sehen von den Schreckensmeldungen, die ab und an über die Nordstadt verbreitet werden. Selbst die Frauen in der Linienstraße schauen traurig und gelangweilt. Wir sind zusammen mit Autor Marcel Feige, besser bekannt als Martin Krist, auf Recherchetour in der Nordstadt. Feige soll eine Kurzgeschichte für die kommende Anthologie „Mord am Hellweg“ schreiben und sucht Inspiration in dem verrufenen Viertel.

 

Nachts sind alle Katzen grau, doch tagsüber stellt sich alles irgendwie ganz anders da. Die Linienstraße kaum frequentiert, die Münsterstraße entpuppt sich als normale Einkaufsstraße und der Nordmarkt liegt still und starr. Nichts zu sehen oder zu hören von Problemen mit Sinti und Roma, Drogenhandel, oder gar von „Sexy.Hölle.Hellweg“ wie die siebte Anthologie von „Mord am Hellweg“ heißen wird. Das größte Problem ist, um drei Uhr nachmittags in der Nordstadt ein Café zu finden, um einen Kaffee zu trinken. „Es ist ein Problemviertel wie es jede Stadt hat“, konstatiert Feige und trifft wohl damit den Nagel auf den Kopf. Die Nordstadt ist weder die Bronx in New York, noch ein von Gentrifizierung bedrohtes Viertel. Ein Problembezirk mit vielen Risiken, aber sicher auch einigen Chancen, vor allem für Künstler, die sich immer öfter in der Nordstadt niederlassen.

 

Dem Wahl-Berliner (Feige stammt ursprünglich aus Kevelaer) fällt natürlich etwas anderes auf: Die ganze Stadt lebt den örtlichen Fußballverein Borussia Dortmund. Es ist unmöglich und vermutlich auch zwecklos, den Schwarz-Gelben zu entkommen. Trotz Besuch des Dortmunder U, dem neuen Kulturleuchtturm, ist der Fußball, der die Stadt prägt. Um die ganze Bandbreite der Stadt kennenzulernen, war Feige auch im Kreuzviertel, das man mit viel gutem Willen als „Latte Macchiato-Viertel“ bezeichnen könnte.

 

Aber Marcel Feige hat noch einige Wochen Zeit, um als Martin Krist einen 12-seitigen Krimi zu schreiben. Ende März bis Mitte April ist Abgabetermin. Es muss auf jeden Fall ein Mord in die Kurzgeschichte integriert werden. Das eigentliche Festival „Mord am Hellweg“ findet dann vom 20. September bis 15. November 2014 statt.

 

Infos über das Festival „Mord am Hellweg“ im Internet: http://www.mordamhellweg.de/

Infos über Marcel Feige alias Martin Krist http://martin-krist.de/

 




Mord im Dortmunder Rotlichtmilieu

Pfarrerin im Protionssumpf. Der neue Roman von Anne-Kathrin Koppetsch entführt in das Dortmund der späten 60er jahre. (Cover: © Emons-Verlag)
Pfarrerin im Prositutionssumpf. Der neue Roman von Anne-Kathrin Koppetsch entführt ins Dortmund der späten 60er Jahre. (Cover: © Emons-Verlag)

In ihrem neusten Classic Ruhrgebiets-Krimi „Linienstraße“ entführt die Dortmunder Pastorin und Schriftstellerin Anne-Kathrin Koppetsch die Leser und Leserinnen nach „Kohlenstaub“ wieder in die 60-iger Jahre des letzten Jahrhunderts. Auch in Dortmund eine brisante und interessante politische Umbruchzeit. Studentenrevolte und Anti-Vietnamkrieg-Bewegung begehren gegen den Mief und die Heuchelei der bürgerlichen Nachkriegsgesellschaft auf und die Amerikaner schicken eine Raumfähre zum Mond.

Die Handlung des Romans spielt zur Zeit rund um den Jahreswechsel 1968/69. Die Protagonistin ist wieder die selbstständige und taffe Pastorin Martha Gerlach. Sie findet zur Weihnachtszeit einen ausgesetzten Säugling in ihrer Kirche. Nur kurze Zeit später wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ist sie die Mutter des Babys? Der kriminalistische Spürsinn der Pastorin ist wieder gefragt. Es zeigt sich, das es eine Verbindungen der Toten zur Dortmunds Bordellstraße gab. Martha wird erst sehr spät klar, dass dieser Fall mehr in ihr Privatleben eingreift als ihr lieb sein kann…

 

Koppetsch zeichnet ein einfühlsames Bild der verschiedenen Charaktere und ihrer Nöte. Der Leser wird in eine Zeit hineingezogen, die für viele Menschen – besonders die Jüngeren – etwas befremdlich wirken muss. Erstaunlich, dass noch Ende der 60-iger Jahre Pastorinnen, anders als ihre männlichen Kolleginnen, nach einer Heirat ihr Amt aufgeben mussten. Der Kampf der Frauen gegen das festgefügte Rollenbild der Frau mit „Kirche-Kind und Küche“ war gerade erst im vollen Gange. Die Geschichte spielt pikanterweise im Spannungsfeld zwischen Kirche und Prostitution zur „friedlichen“ Weihnachtszeit.

 

Die 191 Seiten des spannenden Krimis sind leicht und flüssig zu lesen. Der Autorin gelingt nicht nur ein gelungenes Zeitbild. ,sondern auch den Spannungsbogen zum Ende hin zu steigern.

Auch wenn Ende der 60er Jahre sicher noch mehr Leute so sprachen wie man es von Tegtmeier oder Herbert Knebel kennt, wird vielleicht das sprachliche „Ruhrpottklischee“ etwas zu plakativ bedient. Dennoch ein schönes Geschenk zur Weihnachtszeit für Menschen, die das historische Ruhrgebiet lieben.

 

Anne-Kathrin Koppetsch

„Linienstraße“, 191 Seiten

Emons Verlag, ISBN 978-3-95451-161-7

9,90 €

 




Erinnerungen, die nicht vergessen werden dürfen

Heinrich Peuckmann mit seinem Gedichtband "Erinnern.Vergessen".
Heinrich Peuckmann mit seinem Gedichtband „Erinnern.Vergessen“.

Den Kamener Autor Heinrich Peuckmann kennt man als Krimiautor, als Kinderbuchautor oder Erzähler Kamener Familiengeschichten. Jetzt ist im Lychatz Verlag ein Gedichtband erschienen. Herausgekommen ist ein sehr persönliches Werk.

Die schönsten und berührendsten Gedichte in diesem kleinen Buch mit seinen 87 Seiten sind die, in denen Peuckmann seine Leserinnen und Leser mit auf seine persönliche Reise nimmt. Sei es „Vogelhof“ oder „Zuletzt“, das vom Abschiednehmen von Peuckmanns Vater handelt. Auch die NS-Zeit oder der Ruhrkampf thematisiert er in seinen Gedichten, aber unter dem Gesichtspunkt: Wie haben sie sich in dieser Zeit verhalten.

 

Eine Besonderheit, die das Buch auszeichnet, sind die Grafiken von Willy Sitte. Sitte, einer der großen Maler der DDR, war seit der Wende mit Peuckmann befreundet und daher erlaubten es die Erben, dass er viele Grafiken in dem Band aufnehmen konnte. Grafiken und Gedichte ergänzen sich ganz wunderbar.

 

Heinrich Peuckmann stand Ars tremonia für ein Interview zur Verfügung.

 

Ars tremonia: Wie sind Sie auf den Titel „Erinnern. Vergessen“ gekommen?

Peuckmann: Das ergab sich aus den Gedichten, die ich zu dieser Zeit geschrieben habe. Es gibt einen Faden, der die Gedichte inhaltlich zusammenhält. Dabei geht es auch immer um das Vergessen. Manches ist es wert, vergessen zu werden, manches sollte vergessen werden, aber manches darf nicht vergessen werden und an manches sollte man sich erinnern. Um diese beiden Begriffe drehen sich fast alle Gedichte.

Ars tremonia: Das Buch ist in fünf Kapitel aufgeteilt. Das erste Kapitel dreht sich um Naturbeobachtungen. Warum?

Peuckmann: Ich gehe gerne spazieren und gehe gerne in den Garten. Da sind Gedichte aus der Perspektive desjenigen geschrieben, der im Garten sitzt. Natur ist auch wichtig als Erholung. Man sitzt eingesperrt in seinem Arbeitszimmer und guckt nur sehnsüchtig nach draußen, aber man muss ja weitermachen. Und deshalb entspannt mich Natur. Manchmal entspanne ich auch beim Joggen.

Ars tremonia: Das zweite Kapitel würde ich mit „Begegnungen“ oder „Orte“ beschreiben. Ist das zutreffend?

Peuckmann: Ja, das sind Orte, die mich bewegt haben. Beispielsweise in Amiens. Da gibt es ein ganz wundervolles Haus, das „Jules Verne Haus“. Dann fahre ich gerne mal an die Ostsee nach Heiligenhafen zum Schreiben, um dort ungestört zu sein. Es gibt eine Novelle von Theodor Storm, die in Heiligenhafen spielt [„Hans und Heinz Kirch“, die Red.]. Ich mag die Novelle sehr. Ich war auch gerade im Urlaub in Ostpreußen. Man muss sich auch mit der Wolfsschanze, diesem abgrundtief hässlichen Ort, auseinandersetzen.

Ars tremonia: Das dritte Kapitel würde ich mit dem Titel „Begegnungen“ oder „Beobachtungen“ belegen.

Peuckmann: Es sind alltägliche Beobachtungen, Portraits von Menschen. Es ist ja mein Reden, dass der Alltag sehr vielfältig ist. Man muss sich nicht abgehoben in irgendwelchen Gesellschaftsschichten bewegen. Der Alltag, wenn man ihn beobachtet, gibt sehr viel her.

Ars tremonia: Das vierte Kapitel habe ich mal „Persönliche Erinnerungen“ genannt.

Peuckmann: Es ist erstaunlich wie manche Bilder in meinem Gedächtnis geblieben sind. Beispielsweise der Mann, der da im Fenster hing, vom dem mein Vater voller Ehrfurcht sprach: „Der hat 100 Prozent Steinstaub.“ Wie kann ein Mensch leben, der in seiner Lunge 100 Prozent Steinstaub hat? Irgendwann setzt man sich hin, weil man es nicht übergehen kann.

Ars tremonia: Das fünfte Kapitel besteht auch aus persönlichen Erinnerungen, die in
historischen Zusammenhängen stehen wie die NS-Zeit oder der Ruhrkampf.

Peuckmann: Viele Sachen haben erst mal mit meiner Familie zu tun. Wie hat sich meine Familie während der Zeit des Faschismus verhalten? Was mich immer noch berührt, ist die Geschichte meiner Mutter, die dabei beobachtet wurde, wie sie beim jüdischen Kaufmann einkauft. Da stand einer am Fenster gegenüber und hat notiert, wer dort in den Laden ging und die Namen wurden am nächsten Tag am Rathaus ausgehangen.

Ars tremonia: In dem Gedichtband sind viele Grafiken von Willy Sitte. Wo haben Sie den Maler kennengelernt?

Peuckmann: Das war nach der Wende. Sitte war einer der großen DDR-Maler, wir haben uns bei einer Ausstellungseröffnung getroffen. Dort haben über den Satz von Willy Brandt sinniert „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“ und gesagt: „Dann lass uns doch etwas zusammen machen.“ Die Idee war, mit weiteren Grafikern und Schriftstellern eine Lyrik- und Grafikmappe zum Thema „Träumen“ zu erstellen. Von da an sind wir immer in Kontakt geblieben.

 

Heinrich Peuckmann

„Erinnern. Vergessen“

ISBN 978-3-942929-27-1

Lychatz Verlag 2013

 




Mörderspur und Zweifel

"Mörderspur" von Christina Füssmann. (Foto: © OCM-Verlag)
„Mörderspur“ von Christina Füssmann. (Foto: © OCM-Verlag)

Ihr neuer Justizkrimi „Mörderspur“ ist gerade erst erschienen, da mussten wir vom plötzlichen Tod der Dortmunder Autorin und langjährigen Gerichtsreporterin der Westfälischen Rundschau, Christina Füssmann, erfahren. So ist dieser Kriminalroman so eine Art „letzte Spur“ von ihr.
Auch diesem Buch merkt man den großen Erfahrungsschatz der Autorin aus ihrer Zeit als Gerichtsreporterin an. Sie beschreibt die Umgebung und die Charaktere im Gerichts-Umfeld mit den Blick für das Detail.

Im neuen Krimi verarbeitet sie ein Verbrechen, dass auf einem realen Fall basiert.Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Vergewaltigung und brutale Ermordung der jungen Mutter Daria Hillner im Jahr 1982. Der mit seiner drogensüchtigen Freundin zusammenlebende Nachbar Volker Schmidt aus der Nachbarschaft schnell verdächtigt, zumal er kein Alibi hat.
Seine Täterschaft lässt sich nicht zweifelsfrei nachweisen, aber nach Jahren bringt ihn die hartnäckige Spurensuche nach dem Verfahren der Mikrosonden-Massenanalyse in die Untersuchungshaft. 1989 wirft das Ergebnis einer neuen, bisher nur in Amerika praktizierte Methode des „Genetischen Fingerabdrucks“ ein anderes Licht auf den Fall. Es könnte die Unschuld des Verdächtigen beweisen. Die Gerichtsreporterin Judith Fassberg begleitet den Prozess aufmerksam. Als sie eine Beziehung zu dem charmanten aber besitzergreifenden Maler Michael Morgenthal eingeht, erhält der Fall eine ganz persönliche Dimension für die Reporterin….

Füssmann gelingt es nicht nur die Vorteile, sondern auch die Gefahren der neuen modernen Methoden der Verbrechensbekämpfung darzulegen, wenn vom Ehrgeiz getriebene und Übereifrige Ermittler oder Wissenschaftler daraus voreilig fehlerhafte Rückschlüsse ziehen. Außerdem entwickelt sie aber auch nach und nach mit Sensibilität einen spannenden Psychothriller. Füssmann schreibt in einer angenehm klaren Sprache und verfällt nicht in juristische Fachterminologie. Zwar fehlt ihr die Ironie einer Gabriella Wollenhaupt oder die eher deftige Sprache einer Sabine Deitmar, aber sie bleibt wohltuend normal.

Die 284 Seiten des Buches lesen sich nur kurzweilig und spannend, sondern sind auch noch vom Schriftbild sehr angenehm für das Auge.

Das Taschenbuch ist vom OCM-Verlag liebevoll gestaltet worden. Es kostet 11,90 € und ist unter ISBN 978-3-942672-17-7 erhältlich.




Zwischen Hochglanz und Klartext – Das 14. LesArt-Festival

Freuen sich auf viele Literatur-Begeisterte: (v.l.n.r.) Sophie Donat (Sparkasse Dortmund). Michael Butt (Verein für Literatur), Klauspeter Sachau (Verein für Literatur) und Ulrich Moeske (Leiter Stadt- und Landesbibliothek).
Freuen sich auf viele Literatur-Begeisterte: (v.l.n.r.) Sophie Donat (Sparkasse Dortmund). Michael Butt (Verein für Literatur), Klauspeter Sachau (Verein für Literatur) und Ulrich Moeske (Leiter Stadt- und Landesbibliothek).

Vom 07. bis zum 17. November findet zum 14. Mal das LesArt-Festival statt. Gleichzeitig steht das Literaturfestival im Zeichen der Chamisso-Tage an der Ruhr 2013, die ebenfalls von 13. bis 15. November in Dortmund stattfinden.

Thematisch ist das LesArt-Festival in zwei Teile geteilt. Im Bereich „Klartext reden“ sind vor allem Journalisten eingeladen, die ihre literarischen texte lesen. Unter anderem Ulrich Kienzle, der den „arabischen Frühling“ unter die Lupe nimmt (am 17.November um 19 Uhr im Kundenzentrum der Sparkasse) oder Journalistin Mely Kiyak, die im Gespräch mit Arno Widman (ebenfalls Journalist) die deutschen Befindlichkeiten unter die Lupe nimmt. Überhaupt Gespräche: „Es wird nicht viel gelesen, sondern mehr diskutiert“, so Klauspeter Sachau vom Verein für Literatur, dem Veranstalter von LesArt.

 

Schon Tradition hat die Lesung in der Umkleidekabine von Borussia Dortmund. Diesesmal lesen Georg Schnittker und Uli Hesse am 11. November um 19:30 Uhr über die Geschichte der BVB-Fans.

 

„Mittlerweile ist das LesArt-Festival das einzige breite Literaturfestival im Ruhrgebiet“, konstatierte Claudia Kokoschka, Leiterin des Kulturbüros. Dafür steht der „Hochglanz“-Bereich des Festivals. Vom 13. bis zum 15. November werden 15 Autorinnen und Autoren das Ruhrgebiet entdecken und in Schul- und Abendlesungen Einblicke in ihre Schreibwelten geben. Darunter ist auch der diesjährige Nelly-Sachs-Preisträger Abbas Khider.

 

Traditionell ist das LesArt-Festival auch offen für andere Spielarten der Kultur. So findet wieder das „KindergartenbuchTheaterFestival“ vom 11. bis 15. November im Fletch Bizzel statt. 15 Kindergartengruppen aus allen Dortmunder Stadtteilen wählen sich ein Kinderbuch aus und bringen es an einem der Nachmittage auf die Bühne.

 

Texte und Musik bringt der Abend „wir sind helden – von hier“ am 08. November um 19:30 Uhr ebenfalls im Fletch Bizzel. Musik (u.a. Venceremos aus Dortmund), Poetry Slam (Luise Frentzel) oder Street Art (TERAone).

 

Begonnen wird das Festival diesmal mit dem Dortmunder Lyriktag. Am 07. November lesen Anna Real, Undine Materni (Dresden) und Orsolya Kalasz (Budapest) um 19:30 Uhr im Kulturhaus Taranta Babu.

 

Eigentlich schon nach dem Festival, aber diese Veranstaltung wurde noch integriert: Am 23. November um 16 Uhr im Dietrich-Keuning-Haus gibt es zum Tag „Gegen Gewalt an Frauen“ eine Lesung, einen Kurzfilm, einen Vortrag und eine Podiumsdiskussion mit der Rechtsanwältin Dr. Esma Cakir-Ceylan und Heike Wulf.

 

Mehr Infos zum Programm, Eintrittspreise, Karten etc. unter http://www.lesart-literaturfestival.de/

 




Eine schwierige Vater-Sohn Beziehung

André Wülfing gab den Thomas Mann. (Foto: © Carlo Feick)
André Wülfing gab den Thomas Mann. (Foto: © Carlo Feick)

Beim Leseabend „Vater.Sohn.Mann.“ im Dortmunder Theater im Depot am 13. Oktober 2013 beleuchteten der Erzähler André Wülfing als Schriftsteller Thomas Mann und der Künstler Michael Em Walter als dessen Sohn Klaus Mann deren schwierige und ambivalente Beziehung.

Dazu benutzten Tagebuchaufzeichnungen von Thomas Mann und Auszüge aus dem Briefwechsel zwischen Vater und Sohn, um ein wenig Licht in das Verhältnis der beiden Schriftsteller zu bringen. Außerdem lasen sie Auszüge aus deren Werken und ließen zwischendurch über ein altes Radio auch die original Stimmen von Erika Mann, Golo Mann oder Thomas Mann einfließen. Auch kurze Musikeinspielungen, zum Beispiel Wagner oder die amerikanische Nationalhymne, wurde geschickt zur Untermalung der Stimmungen, Vorlieben und passend zur Situation eingesetzt. Im Blickpunkt stand dabei der Zeitraum 1918 bis zu Klaus Manns Freitod im Jahr 1949.

Wülfing schlüpfte mit hellem Anzug, Oberlippenbart, Brille und Haare und mit der etwas gestelzten Sprache beim Lesen bis hin zur Mimik verblüffend glaubwürdig in die Rolle von Thomas Mann. Dabei amüsierte er mit leicht ironischer Überzeichnung. Er zeigte Mann als disziplinierten, etwas eitlen, in seinen Alltagsabläufen fast pedantischen Menschen mit einer Portion Ironie. Ein Mensch, der das Schreiben auch dazu benutzte, um seine homoerotischen Neigungen, die er sich nicht gestattete, auszuleben und dichterisch zu sublimieren. Das wird schon bei seinem Roman „Der Zauberberg“ aus dem Jahr 1924 deutlich.

Michael Em Walter zeichnete ein sensibles Bild von Klaus Mann, der immer um die Gunst und Anerkennung seines berühmten Vaters kämpfte und immer versuchte , aus dessen Schatten zu treten. Der exzentrische älteste Sohn ist ein lebenshungriger Mensch bis hin zur Selbstzerstörung mit Todesfantasien. Er lebt exzessiv und bereist mit seiner Schwester Erika in seinen jungen Jahren auch die Welt. Klaus lebt im Gegensatz zu seinem Vater seine Homosexualität aus und bekennt sich offen zu ihr.

Das Dilemma ist. Eigentlich bewundert Thomas Mann unterbewusst einen Sohn für sein Mut zur offenen Homosexualität und seinem offenen politisches Engagement. Auch sein schriftstellerische Werk findet nach und nach bei ihm an Beachtung. Für Thomas Mann ist es schwer, Klaus als Schriftsteller-Konkurrent, aber vor allem als homosexuellen Mann distanzlos und liebevoll gegenüber zu treten. Er wird durch seinen Sohn mit seiner eigenen homoerotischen Neigung und mit einem Leben konfrontiert, dass seine Persönlichkeit sich selbst zu gestatten. Am deutlichsten wird das distanzierte Verhältnis der beiden am Schluss, als Thomas Mann nach dem Freitod seines Sohnes sagt: „Das hätte er ihnen (Erika und seiner Mutter ) nicht antun dürfen.“

Wichtig ist zudem der gesellschaftspolitische Hintergrund der Zeit vor und bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch da zeigen sich die Unterschiede zwischen Vater und Sohn. Klaus steht dem Nationalsozialismus schon früh kritisch und ablehnend gegenüber. Kritische Schriften aus den Niederlanden und sein Kabarett mit Schwester Erika, die „Pfeffermühle“ bezeugen das ein ja eindeutig. Sein Vater stellt sich erst spät offen gegen die Nationalsozialisten und Emigriert.

Ein gelungener Leseabend, dem man noch mehr Publikum wünschen möchte.




Doppel-Lesung im Studio B

DSC_0742Am Montag, den 14. Oktober 2013 findet um 19.30 Uhr im Studio B der Stadt-und Landesbibliothek am Max-von-der-Grün-Platz 3 eine besondere Lesung statt. Gleich zwei Dortmunder Autorinnen stellen ihre neuen Krimis als Buchpremiere vor.

Die Gemeindepfarrerin und Autorin Anne-Kathrin Koppetsch liest aus ihrem neuen Kriminalroman „Linienstraße“. In Vertretung für die leider erkrankte Autorin Christina Füssmann wird die Schauspielerin Jutta Seifert aus deren neuen Justiz-Krimi „Mörderspur“ vorlesen. Praktischer Weise kennen sich beide Autorinnen auch schon von den „Bloody Marys“- einem Zusammenschluss von Krimiautorinnen in Dortmund, die regelmäßig Benefiz-Lesungen veranstalten.

 

Koppetsch verriet zu ihrem neuen Buch „Das ist ein Nachfolgeroman meines Kriminalromans „Kohlenstaub“ (2012) mit der Dortmunder Pastorin Martha Gerlach als Protagonistin.“ Entführte die Autorin ihre Leser/innen dort in das Jahr 1965, befinden sie sich in „Linienstraße“ am Ende der 60-iger Jahre. Die Zeit ist geprägt von „Flowerpower“, APO (Außerparlamentarische Opposition) oder Ereignisse wie der bevorstehende amerikanische Mondlandung. Da entdeckt Pastorin Gerlach in ihrer Kirche einen Säugling. Wenig später wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ist sie die Mutter des Findelkindes? Die Spuren führen direkt zu Dortmunds Bordellstraße. Doch noch etwas anderes erschüttert Marthas Weltbild zutiefst….

„Besonders spannend bei dem Buch finde ich, dass hier die beiden Welten „Bordell“ und „Kirche“ aufeinanderprallen“, erklärte die Autorin.

„Linienstraße“ ist im Hermann-Josef Emons Verlag erschienen und für 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

 

Christina Füssmanns Justiz-Krimi „Mörderspur“ führt die Leser in die Zeit Ende der 80-iger Jahre. Modernste wissenschaftliche Methoden der Verbrechensbekämpfung und neue Möglichkeiten der Überführung mittels des sogenannten genetischen Fingerabdrucks spielten eine große Rolle. Mit Hilfe eines DNA-Abgleichs konnten die wahren Verbrecher nun auch Jahre später noch überführt werden.

Die Autorin hat in ihrem Buch einen waren Kriminalfall in eine fiktive Romanhandlung eingebunden. Im Mai 1982 wird in Dortmund eine junge Frau tot aufgefunden. Es deutet alles auf einen Ritualmord hin, und ein Student gerät schnell als Täter in Verdacht. Nach jahrelangen erfolglosen Ermittlungen gegen ihn bietet ein neues modernes wissenschaftliches Verfahren scheinbar eine bis dahin ungeahnte Möglichkeit der Täterüberführung. Begleitet wird der Fall von der Gerichtsreporterin Judith Faßberg. Kann der Mordfall aufgeklärt werden? „Der Roman zeigt die Gefahren auf, wenn ehrgeizige Ermittler und übereifrige Wissenschaftler voreilig fehlerhafte Rückschlüsse ziehen“, so Elke Neumann vom OCM-Verlag.

 

Hilfreich für den Kriminalroman war sicherlich, dass Füssmann selbst jahrelang als Gerichtsreporterin gearbeitet hat.

 

„Mörderspur“ ist im OCM-Verlag erschienen und für 11,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

 

Der Eintritt für die Lesung kostet wie immer drei Euro.




„The Blog House“ – neue Late-Night im Institut

Ab Samstag, den 5. Oktober 2013 um 22.00 Uhr wird im Institut des Dortmunder Schauspiels eine neue Late-Night von dem Internetblog ruhrbarone.de in Kooperation mit dem Schauspielhaus präsentiert.

Dramaturg Alexander Kerlin verriet. „Die Idee hierzu war uns nach einer Veranstaltung vor einem halben Jahr gekommen. Wir wollen uns neuen Kanälen öffnen. Auch dort gibt es Literatur. Das war der Ausgangspunkt. Die Ruhrbarone hatten sich bereit erklärt dabei mitzumachen.“ „Es gibt ja nicht nur die hohe Schreibkunst à la Günther Grass“, fügte Dramaturg , Autor und Blogger Thorsten Bihegue. „ Das soll ein unterhaltsam und offener Abend werden. Mit gut dosierten Texten und Musik. Ein Raum um Literatur zu hören und der Möglichkeit, im Anschluss gemeinsam in lockerer Atmosphäre zu diskutieren“, so Kerlin.

 

Ruhrbarone-Mitbegründer Stefan Laurin moderiert die Late-Night und präsentiert Blogger aus dem Revier. Sie lesen ihre Texte, Statements, Essays und Romanfragmente.

 

Für den 5. Oktober 2013 sind zum Start der Dortmunder Sozialarbeiter Sascha Bisley, bekannt mit seinem Blog www.dortmund-diary.de und Thorsten Bihegue, Dramaturg am Schauspiel Dortmund. Er schreibt auf „My Own Private Irgendwo“ über seine Leidenschaft, die experimentierfreudige Rap-Musik. Außerdem mit von der Partie ist der Berliner Schriftsteller und Sportjournalist Martin Krauss. In seinem Blog martinkrauss.de berichtet er Hintergründiges über aktuelle politische und kulturelle Debatten.

 

Über thematisches an diesem Abend wollte Bisley nicht viel verraten. Nur soviel deutete er an. Es wird ins Gesicht und geradeaus sein.Die Themen sind nicht festgelegt. Die Autor stehen im Mittelpunkt.„Wir sind gespannt und wollen mal sehen was passiert“, so Laurin.

 

Der Termin für einen zweiten Abend steht schon fest. Der 7. Dezember 2013.

 

Der Eintritt beträgt 5 Euro und es gibt noch Restkarten für „The Blog House“ am 5. Oktober 2013.

 

Karten gibt es unter www.theaterdo.de oder Tel: 0231 / 50-22 390.