Gesammelte Dichtkunst

Das lyrische Gesamtwerk von Fritz Eckenga in einem Band. (Cover © Verlag Antje Kunstmann)
Das lyrische Gesamtwerk von Fritz Eckenga in einem Band. (Cover © Verlag Antje Kunstmann)

Mit „Mit mir im Reimen“ präsentiert der Verlag Antje Kunstmann die gesammelten Gedichte von Fritz Eckenga. Eckenga, mit Fug und Recht eine Dortmunder Institution, zeigt hier seine Bandbreite von meist humorigen Gedichten, die ihn in eine Reihe von Autoren wie Christian Morgenstern stellen.

Eckengas Wirken in Dortmund und darüber hinaus begann mit dem Rocktheater N8schicht. Einem breiteren Publikum bekannt wurde der Autor und Kabarettist vor allem durch seine Figuren wie dem „Bademeister“ oder dem Fußball-Manager, ansonsten tourt er mit seinem Programm über die Bühnen.

Das Buch „Mit mir im Reimen“ verbindet neue bzw unveröffentlichte Gedichte, mit jenen, die schon vorher in Anthologien bei Antje Kunstmann oder in der Edition Tiamat erschienen sind.

Eckengas Themenspektrum ist breit, hat aber zwei Schwerpunkte: Essen und Trinken sowie Sport (oder besser Fußball). Kein Wunder, ist Eckenga bekennder BVB-Fan und hat für die kulinarische Zeitschrift „Häuptling eigener Herd“ geschrieben. So dreht sich beim Kapitel „Mit mir an Tisch und Tresen“ nicht alles um die im Ruhrpott so geliebte Currywurst, sondern Eckenga bedichtet die Weihnachtsgans ebenso wie die Kartoffel („Schöne der Nacht“) oder abwesende Ober.

Dass manche Gedichte schon etwas älteren Ursprungs sind, sieht man am deutlichsten im Kapitel „Mit mir vor öffentlichen Erscheinungen“. Denn manche der politischen Köpfe sind im Laufe der Jahre ausgetauscht worden und die politischen Hochzeiten von Franz Müntefering, Joschka Fischer oder Rudolf Scharping („Wasserträger und Untertan, Soldat der Partei SPD“) sind vermutlich vorbei. Dennoch erinnert man sich an die Personen, entweder mit Schaudern oder angenehmeren Gefühlen, je nach politischer Ansicht.

Wer sich für den Lyriker Eckenga, dem „Dichter mit Heimat“, wie ihn die WELT genannt hat, interessiert und bisher vergeblich versucht hat, sein Gesamtwerk komplett zu bekommen, der kann bedenkenlos zugreifen. Darüber hinaus es ist auch genug unveröffentlichter Stoff in den 448-seitigen Buch enthalten.

Fritz Eckenga,

Mit mir im Reimen,

Gebundene Ausgabe, 448 Seiten,

Illustrationen von Ernst Kahl

€ 19,95 (als E-Book € 15,95)

Verlag Antje Kunstmann
ISBN 978-3-95614-027-3




Die stille Glut der Rache

Jubiläumskrimi. Der 25. Fall der Polizeireporterin Maria Grappa von Gabriella Wollenhaupt führt unter anderem in die Abgründe des Stalkens. (Foto: © grafit-Verlag)
Jubiläumskrimi. Der 25. Fall der Polizeireporterin Maria Grappa von Gabriella Wollenhaupt führt unter anderem in die Abgründe des Stalkens. (Foto: © grafit-Verlag)

Für ihrem 25. Dortmund-Krimi um die Polizeireporterin Maria Grappa ließ sich Journalistin Gabriella Wollenhaupt von einem Fall, der 2013 in den Medien große Wellen schlug, inspirieren.

Der evangelischer Pfarrer Michael Hammerschmidt aus Meschede wurde von einer älteren Frau über Jahre penetrant gestalkt. Die Bilder, wie sie leicht bekleidet vor dem Haus des Pfarrers tanzt, gingen durch die Presse.

In „Grappa und die stille Glut“ wird ein 56-jähriger evangelischer Pfarrer von einer 72-jährigen Frau auf ähnliche Weise bedrängt. „Stalking“ ist in der Redaktion während des Sommerlochs Thema und der Geistliche wendet sich an Polizeireporterin Maria Grappa. Kurze Zeit später wird er auf grausame Weise umgebracht. Wie sich herausstellt, war der Pfarrer vor 22 Jahren Betreuer in einem Ferienlager für Jugendliche. Dort wurde eine junge Küchenhilfe aus der Schweiz ermordet. Oder hat doch die betagte Stalkerin etwas mit dem Mord zu tun? Sie umgibt ein düsteres Geheimnis, das fast fünfzig Jahre zurück reicht. Ihre 6-jährige Tochter Nelly verschwand damals spurlos auf dem Schulweg. Maria Grappa macht sich auf eine gefährliche Zeitreise.

Wollenhaupt greift in ihrem neuesten Krimi wieder viele aktuelle Themen in unserer Stadt auf, wie zum Beispiel Flüchtlingsproblematik, Pöstchenschieberei oder die internationale Terrorgefahr. Auch privat gibt es Turbulenzen. Ihr Liebhaber, Hauptkommissar Dr. Friedemann Kleist, weilt nämlich gerade als Leiter eines Analysezentrums gegen Salafistenkriminalität im Ausland.

Alle übrigen bekannten Figuren der Krimi-Reihe, wie zum Beispiel Fotograf Wayne Pöppelbaum oder Anneliese Schmitz von der Bäckerei sind wieder dabei.

Der Autorin gelingt es, verschiedene Handlungs- und Kriminalstränge bis zur Aufklärung spannungsreich zu verweben. Nichts ist wie es scheint. Das Schwarzweiß-Bild vom „guten“ Geistlichen und „böser“ Stalkerin wird einer differenzierten Betrachtung unterworfen. Auch die mit dem Älterwerden verbundenen Probleme werden nicht ausgespart. So ist Maria Grappa schon mal öfter müde und erschöpft und ein wenig „altersweise“ geworden. Zum Glück blitzt aber immer mal wieder ihre humorvolle Ironie und Lebensfreude durch.

Dieser Kriminalroman ist nicht nur für Dortmund-Insider eine unterhaltsame Urlaubslektüre.

Das 188 Seiten umfassende Taschenbuch ist im grafit Verlag erschienen.

€ 9,99 (D)

ISBN 978-3-89425-455-1

Auch als E-Book erhältlich




Journalismus als Graphic-Novel

Die Titelseite von "Weisse Wölfe". (Cover: ©  CORRECT!V/PULS)
Die Titelseite von „Weisse Wölfe“. (Cover: © CORRECT!V/PULS)

Das Schauspielhaus zeigt bis zum 26. Juni 2015 in seinem Foyer eine ungewöhnliche Ausstellung. David Schraven präsentiert die Ergebnisse seiner Recherchen im rechtsextremen Milieu in Form des Comics (oder Graphic-Novel). Die Zeichnungen wurden von Jan Feindt erstellt. Der Titel der Ausstellung lautet „Weisse Wölfe“.
Was steckt hinter der Mordserie der NSU und warum töteten sie auch in Dortmund? Schraven, Mitglied des Recherchebüros CORRECT!V, wollte es herausfinden. Durch seine Nachforschungen traf er auf einen Aussteiger aus der rechten Szene, der ihm einige Informationen über die Struktur der gewaltbereiten Neonazis gab. Sie organisieren sich in kleinen autonomen Zellen, die europaweit vernetzt sind. Der Rassenhass ist ihre gemeinsame Basis.
Die Bilder von Feindt sind schwarz-weiß gehalten und vermutlich bewusst sehr grob gehalten. Es sind keine Charakterzeichnungen von bestimmten Figuren, denn der rechte Terror hat nicht nur ein Gesicht.
Diese Ausstellung ist nötig und wichtig, vor allem in Dortmund. Wie sagte Friedrich Küppersbusch bei der Ausstellungseröffnung: Er möchte nicht in einer Stadt wohnen, in der Feiermärsche für einen Ermordeten zugelassen werden, nur weil sie so nahe an der Autobahn liegt.

Weisse Wölfe
224 Seiten
CORRECT!V/PULS
ISBN-10: 3981691709
ISBN-13: 978-3981691702
15 €




Wenn städtische Gelder verschwinden

Eine volle Ladung Dortmund-Krimi: "Die Abräumer" von Thomas Schweres. (Foto: © Grafit Verlag)
Eine volle Ladung Dortmund-Krimi: „Die Abräumer“ von Thomas Schweres. (Foto: © Grafit Verlag)

Schrottverkäufe auf eigene Rechnung, veruntreutes Geld aus der Stadtkasse: die Stadt Dortmund hatte in den vergangenen Jahren so ihre Probleme mit Mitarbeitern, die meins und deins auf recht eigenwillige Art interpretierten. Thomas Schweres führt uns in seinem zweiten Krimi „Die Abräumer“ in die Welt von dubiosen Immobiliengeschäften, korrupten Bankern und Unterschlagungen in der städtischen Verwaltung.

Die Geschichte: Michaela Schmidt erzwingt bei einem Überfall auf die Hombrucher Filiale der Sparbank die Herausgabe mehrerer tausend Euro und flüchtet mit ihrem Motorrad. Dabei kommt ihr zufällig der Reporter Tom Balzack mit seiner Lebensgefährtin in die Quere. Die Verfolgung endet in einem Waldstück. Die Bankräuberin wird erschossen neben ihrer Maschine vorgefunden, und der Reporter liegt bewusstlos neben seinem Mountainbike.

Es stellt sich heraus, dass die Bankräuberin und ihre Familie Opfer dubioser Immobiliengeschäfte geworden ist. Doch auch ihr Mann und die beiden Kinder sind verschwunden. Das hier jemand über Leichen geht, bekommen Balzack und Schüppe recht bald am eigenen Leibe zu spüren…

Sein zweiter Krimi mit dem zum Leidwesen seiner Dortmunder Dienststelle aus Gelsenkirchen stammende „Schalke-Fan“ und eigenwillige Kommissar Georg Schüppe und seinem Reporter-Pendant Tom Balzack führt den Leser in die Abgründe von Korruption und Klüngel. Schüppe steht in dem neuen Fall der kurdischer Kollege und ehemaliger SE-Kraft Amin Gültekin zur Seite. Doch Gültekins hat auch eine zwielichtige Vergangenheit.

Schweres greift hier nicht nur eine aktuelle Thematik auf, sondern gibt auf unterhaltsame Weise Einblicke in die Journalisten-Szene und die Boulevard-Presse. Auch wird speziell die aktuelle prekäre Situation für die freien Journalisten erwähnt. Er verwebt die Story mit einem kriminellem Geschehen aus dem Jahr 1999. Für die Leser und Leserinnen gut in kursiver Schrift geschrieben zu erkennen. Sie erfahren zudem im Vergleich zum „Abtaucher“nach und nach wieder etwas neues aus dem Privatleben und Vergangenheit der Protagonisten. Nicht nur für Dortmunder „Insider“ eine spannende Krimi-Lektüre für die Ferienzeit.

Nach seinem Volontariat bei Axel Springer trieb sich der in Autor Thomas Schweres als Boulevard-Journalist herum. Dabei konnte er Erfahrungen und Insiderwissen aus Polizei-und Pressearbeit sammeln, die ihm schon bei seinem ersten Kriminalroman „Die Abtaucher“ aus dem letzten Jahr zugute kamen.

Thomas Schweres: Die Abräumer

Erschienen im grafit Verlag

ISBN 987-3-89425-8

Preis: € 9,99




Lesung mit bekannten Stimmen

Als Kooperation mit dem Theater im Depot wurde von „Affen.Auf.Ruhr“ die Prima Vista Lesung der Lauscherlounge mit zwei bekannten Synchronsprechern am 26. März 2015 wieder mal nach Dortmund gebracht. Oliver Rohrbeck, etwa als Synchronstimme von Ben Stiller und Detlef Bierstedt, vielen Menschen als deutsche Stimme für George Clooney vertraut, lasen aus Texten und Büchern, ausgesucht vom vorwiegend jüngere Publikum im ausverkauften Haus.

Das Konzept der Prima Vista Lesung ist ja gerade, dass die beiden Sprecher ohne Vorbereitung alles lesen, was die Zuhörer ihnen anbieten. Ob es sich um Wunschzettel, Klatschpresse oder zeitlose Klassiker ist egal. Dabei bringen sie ihren speziellen Humor, Persönlichkeit ein und werfen sich gekonnt gegenseitig die Bälle zu. Interessant an einer solchen Lesung ist sicherlich, dass die Zuhörer, wenn sie die Augen schließen, tatsächlich ein wenig das Gefühl haben, Ben Stiller oder George Clooney lesen ihnen etwas vor.

Ein gewisses Risiko besteht jedoch darin, dass trotz aller Bemühungen der Sprecher bei der Auswahl der Texte manchmal das Niveau in Richtung Altherrenwitze geht. Begann der Abend noch hoch philosophisch mit einem Textauszug aus Milan Kunderas „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“, wurden auch die unergründlichen Tiefen der Literatur ausgelotet. Das müssen Publikum und vor allen die beiden Künstler vorne aushalten. Denn seien wir ehrlich, ein müder alter Witz, den sich schon die Ägypter beim Pyramidenbau erzählt haben, bleibt ein müder alter Witz, auch wenn ihn George Clooney erzählt. Und mancher Gag funktioniert vielleicht eher, wenn er als Sketch gespielt wird. Beispielsweise der langatmige „Witz“ mit der Politesse gegen Ende der Vorstellung. Hier wäre das Vorlesen des Telefonbuches von Wanne-Eickel lustiger gewesen. Glücklicherweise waren nicht alle Texte grottig. Höhepunkte waren „Der Fönig“ von Walter Moers und „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ von Werner Holzwarth.

Aber das ist eben das angesprochene Risiko bei so einem Abend. Natürlich war auch ein Text darunter, der mit seinen vielen Zungenbrechern eine Herausforderung darstellte. Oliver Rohrbeck hatte es getroffen und er musste den Text über den „Schneesee“ lesen, der in dem schönen Wort „Schneeseekleerehfeedrehzehwehvergehtee“ gipfelte. Den Text meisterte Rohrbeck souverän. Ebenso wechselten Rohrbeck und Bierstedt gekonnt ihre Sprache in die verschiedenen Dialekte wie Berlinerisch oder Schweizerdeutsch.

Insgesamt hatten an diesem Abend alle Beteiligten ihren Spaß, das Publikum und die beiden Synchronsprecher.




Bericht aus der Hölle

9783430201704_coverSascha Bisley las am 05.März im Schauspielhaus aus seinem neu erschienenen Buch „Zurück aus der Hölle“. Bisley erzählt seine persönliche Geschichte: Er hat als Jugendlicher einen Obdachlosen so schwer verletzt, dass dieser starb. Er kam ins Gefängnis und wurde dort auch Opfer von gewalt. Mittlerweile ist der Autor Sozialarbeiter und versucht Jugendlichen, die abzurutschen drohen, wieder in die Spur zu kommen. Daneben betreibt seit Jahren einen Blog (http://dortmund-diary.de).
Zu Beginn seiner Lesung führte Chefdramaturg Alexander Kerlin ein kleines Interview mit Sascha Bisley. Er mache sich sehr nackt in dem Buch, so der Autor „Das Buch ist knallhart und ziemlich ernst“, erklärte er. „Es ist aber kein Lehrbuch, sondern beschreibt, wie Einstiegsmuster funktionieren und wie Karrieren im Knast vonstattengehen.“
Durch seine Erfahrungen im Gefängnis kann er eher einen Zugang zu den „harten Jungs“ bekommen als Menschen, die frisch von der Universität kommen und kaum Lebenserfahrung haben. Allein mit seinen ganzen Tattoos strahlt Bisley schon eine andere Aura aus.
Dabei geht Bisley auch mit sich selbst ins Gericht. Kein Ausweichen, kein „die anderen sind Schuld“, kein „ich hatte eine schwere Kindheit“. „Ich bin selber Schuld“, gibt er offen zu. „Ich hatte die Freiheit Entscheidungen zu treffen“. Dass es in seiner Jugend oft die falschen waren, auch davon erzählt sein Buch.
Jeder Täter hat eine Biografie, so Bisley. Seine begann im Sauerland. Sein Vater war schon um die 60 Jahre alt, als er geboren wurde und nichts wies auf sein späteres Schicksal hin. Seine Erzählungen über seine Verhaftung und die ersten Tage im Knast waren sehr bedrückend. Das war im fast vollbesetzten Schauspielhaus deutlich zu spüren.
Kann jeder von uns zum Mörder werden? Bisley antwortet darauf mit einem klaren „Ja“. Jeder Mensch hat bestimmte Reizmuster und bei gewissen Punkten, sieht er eben „Rot“.
Die Hölle auf Erden? Für Bisley ist sie überall dort, „wo man nicht man selbst ist. Wo man gegen seinen Willen ist. Sei es in der Ehehölle oder in der Arbeitshölle.“

Zurück aus der Hölle
Sascha Bisley
Econ
240 Seiten
ISBN-13 9783430201704




Bewegung ist das Motto

Freuen sich auf viele Besuche in der Stadt- und Landesbibliothek: (v.l.n.r.) Claudia Görg (Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen), Andrea Karl (Kinder- und Jugendabteilung), Dr. Johannes Borbach-Jaene (kommissarischer Direktor) und Maskottchen Karlchen.
Freuen sich auf viele Besuche in der Stadt- und Landesbibliothek: (v.l.n.r.) Claudia Görg (Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen), Andrea Karl (Kinder- und Jugendabteilung), Dr. Johannes Borbach-Jaene (kommissarischer Direktor) und Maskottchen Karlchen.

Für die 20. Nacht der Bibliotheken am Freitag, den 06. März 2015 hat sich die Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund etwas Besonderes einfallen lassen. Unter dem Slogan „eMotion – Bibliotheken bewegen!“ bietet sie wie zahlreiche Bibliotheken in NRW ein dynamisches Programm rund um Bewegung, Gefühl und Begeisterung.

Während der bis 22 Uhr verlängerten Öffnungszeiten für den normalen Nutzungsbetrieb wird einiges geboten. Dr. Johannes Borbach-Jaene, kommissarischer Direktor der Bibliothek, erklärte: „Wir wollen die Besucher an diesem Tag mit einem dynamischen Programm im wahrsten Sinne des Wortes ‚bewegen‘. Es umfasst Körper, Geist und Emotionen. Das Haus wird dann für Sachen offen sein, die sonst nicht möglich sind. Dabei verknüpfen wir zwei Aspekte. Zum einen die nicht mehr wegzudenkenden modernen elektronischen Medien sowie Veränderung durch Bewegung. Es geht darum, sich allgemein zu bewegen und aktiv zu werden.“ Das Programm soll für alle Altersgruppen etwas bieten.

Im Studio B gegenüber der Bibliothek wird jeweils um 17 und um 19:30 Uhr für interessierte kleine und große Leseratten das Zirkus-Schauspiel „Cover, Blätter und Letter“ von Ilja Mook (Niederlande) und NunoTavares (Portugal) aufgeführt. Erzählt wird die Geschichte von Albertino, der sein Glück im Schreiben findet. Neben viel Bewegung und Akrobatik erfahren die Besucher zudem etwas über die Entstehung des Buches. Sie sind sozusagen live dabei.

Ab 18 Uhr wird der Kinder- und Jugendbereich zur Spielzone umfunktioniert. Dann heißt es ran an die Konsolenspiele oder konventionellen Brettspiele. An den Spieltischen können die Spiele vor Ort ausprobiert werden. Egal ob mit Wii, Playstation3, Beamer und Leinwand oder beim Kickerspiel: Die Kinder – und Jugendlichen können beim Cross Boccia, einer modernen Trendsportart zwischen Boule und Boccia die Bibliothek auf eine andere Weise erfahren. Entspannung bieten dann die Tablets und Nintendo-3DS-Konsolen, mit denen die jungen Besucher sich in eine stille Ecke verziehen können.

Im 1. Obergeschoss gibt es die Möglichkeit zur Information, kreativer Betätigung oder die Besucher können sich einfach ausruhen. Dort werden unter anderem Fragen zur neuen „Onleihe“ und eBook-Angebote der Stadt und Landesbibliothek beantwortet. Außerdem besteht die Möglichkeit, einmal selbst eReader zu testen. Junge Erwachsene haben an diesem Abend die Gelegenheit, sich ihren aufgeschobenen Haus- und Facharbeiten außerhalb des heimischen Schreibtisches zu widmen.

Auch an die Senioren ab 60 Jahren ist gedacht worden. Im Bereich „Senioren und Bibliothek“ können sie ihre Wortgewandtheit beim Riesen-Scrabble unter Beweis stellen oder in gemütlicher Runde eine „Liebesgeschichte zum Mitlesen“ erleben.

Das kreative Zentrum ist, wie könnte es anders sein, die Artothek. Gezeigt wird dort, was man mit Packpapier und Kordel alles erschaffen kann.

Dank der Unterstützung durch den Förderverein, der „Freunde der Stadt- und Landesbibliothek“ werden Getränke wie Wein, Wasser, Saft sowie Knabbereien gegen kleines Entgelt angeboten.

Auf der 2. Etage können die Besucher schon einmal einige Exponate des neuen Fußball-Museums in Augenschein nehmen. Welche es sein werden, bleibt noch ein Geheimnis.

Die „Nacht der Bibliotheken“ ist selbstverständlich kostenlos zugänglich. Schauen Sie vorbei und lassen Sie sich „Bewegen“!




…und ’ne Buddel voll Rum

Nur 44 Jahre alt wurde der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson. Er schuf eine Vielzahl von Romanen und Erzählungen, von denen wohl neben „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ „Die Schatzinsel“ die bekannteste ist. Am 01.02.2015 las der Schauspieler André Wülfing im Theater im Depot die spannende und mehrfach verfilmte Abenteuergeschichte. Auch Ars tremonia schiffte sich auf die „Hispaniola“ ein.

Wer eine klassische Lesung erwartet hatte, bei der jemand aus einem Buch vorliest und die Zuhörer sitzen im Zuschauerraum und lauschen gespannt, der hatte sich getäuscht. Wülfing bat vor allem die Kinder (die Lesung war für Personen ab 8 Jahre) auf die Bühne. Neben acht Stühlen gab es auch die Möglichkeit auf Sitzkissen direkt vor dem Schauspieler zu sitzen. Wülfing brauchte natürlich kein Buch. Dafür benutzte er vielerlei Requisiten. Er stellte Personen aus Seilstücken dar oder er bastelte aus drei Streichhölzern und der Verpackung den Dreimaster „Hispaniola“. Wülfing hatte zunächst ein Tuch um den Kopf gewickelt, später trug er noch eine Uniformjacke.

Das Licht wurde ebenfalls effektvoll eingesetzt, um Tag und Nacht zu unterscheiden.

Wülfing schaffte es mit Leichtigkeit, dass nicht nur die Kinder an seinen Lippen hingen und der Geschichte um Jim Hawkins, Long John Silver und dem legendären Piratenschatzes folgten.




Sitzstreik in Dortmund erfunden?

Präsentierten das neue Heft: (v.l.n.r.) Horst Delkus und Prof. Karl Luaschke (Herausgeber udn Autoren) sowie Adolf Miksch (Voristzender des Historischen Vereins) und Stefan Mühlhofer (Geschäftsführer Historischer Verein).
Präsentierten das neue Heft: (v.l.n.r.) Horst Delkus und Prof. Karl Lauschke (Herausgeber und Autoren) sowie Adolf Miksch (Vorsitzender des Historischen Vereins) und Stefan Mühlhofer (Geschäftsführer Historischer Verein).

Das dritte Heft 2014 der „Heimat Dortmund“ ist erschienen und beschäftigt sich unter dem schönen Titel „Alle Räder stehen still“ mit dem Thema Streiks und Protestaktionen in Dortmund. Im aktuellen Heft geht es um die Streikgeschichte und Streiks im Bergbau, Einzelhandel und anderen Gewerben. Und was ist mit den Stahlarbeiterstreiks? Die bekommen ein eigenes Heft, das 2016 erscheinen wird.

Aber schon Teil 1 ist überraschend und spannend. Oder wussten Sie, dass im Mittelalter die Ratsherren in die Stadttürme gesperrt wurden, bis der finanzielle Konflikt (es ging wie üblich um Schulden) durch eine politische Lösung entschärft wurde. Eine Möglichkeit, die auch heute sicher auf positive Resonanz stoßen würde, doch alle Ratsvertreter würden vermutlich nicht in den Adlerturm passen.

Auch eine beliebte Streikform, der Sitzstreik, wurde wohl in Dortmund zum ersten Mal praktiziert. Es war am 14. März 1959. Schon vorher am 04. Februar 1959 gab es einen Warnstreik gegen die Atomraketenstationierung in Dortmund-Brackel. Laut Zeitungsberichten traten 80.000 Beschäftigte von 11.50 bis 12.00 Uhr in den Warnstreik.

Manche Forderungen in Arbeitskämpfen muten für den modernen Leser etwas skurril an, doch sie sind gar nicht so lange her. So kämpfte der Dortmunder Einzelhandel in den 80er Jahren gegen die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Unter den Losungen wie „Was du bis 18.30 Uhr nicht kannst besorgen, verschiebe auf morgen“ oder „Wollt ihr nach 18.30 Uhr einkaufen, fahrt ins Ausland“ versuchten die Beschäftigten die Situation zu ihren Gunsten zu wenden, doch vergeblich.

Natürlich werden die Bergarbeiterstreiks thematisiert, auch die berühmte Protestaktion am 21. Oktober 1967 in Dortmund-Huckarde am 21. Oktober 1967-

Konzeptionell und redaktionell ist das Heft von dem Journalisten Horst Delkus und dem Historiker Karl Lauschke betreut worden, denen es gelang, für die Beiträge ausgewiesene Sachkenner als Autoren zu gewinnen.

Das Heft ist außer im Stadtarchiv im Übrigen auch im Buchhandel zum Preis von 5 € erhältlich.




Hommage an den Gentleman-Krimi

Verbrechen ohne High-Tech. Polizisten, die Fälle aufklären mussten, ohne dass die Pathologie anhand einer Larve einer Fliege den Todeszeitpunkt bestimmen kann. Ganz wichtig: Natürlich geht der Täter auch freiwillig zu einer „Party“, bei der er garantiert enttarnt und überführt wird. Das ist die Welt der 40er und 50er Jahre Krimis, die Zeit der Gentleman Killer, die in London und anderswo in England ihr Unwesen treiben und deren Autoren Edgar Wallace oder Francis Durbridge heißen. Ersterem hat Bastian Pastewka durch seine Rolle als Inspektor Very Long in den „Wixxer“ Filmen bereits die Ehre erwiesen. Doch bei der Live-Hörspiel Produktion „Paul Temple und der Fall Gregory“ betätigt sich Pastewka als Krimi-Archäologe und führt das verschollene Stück mit seinen „Komplizen“ in einer fulminanten Show am 15. November im ausverkauften Schauspielhaus Dortmund auf. Ay, ay, ay , Maria!

Bastian Pastewka kam nicht alleine. Seine Komplizen waren: Janina Sachau, Alexis Kara, Inga Busch und Kai Magnus Sting. Pastewka sprach selbstverständlich Paul Temple und Janina Sachau Pauls Frau Steve, während alle anderen mehrere Rollen übernahmen. Exquisit war Stings norwegischer Fischer, der mit einem deutlich niederländischen Akzent sprach. Neben ihren Sprechrollen hatten die fünf weitere Aufgaben: Sie mussten nämlich den „Sound“ des Hörspiels übernehmen wie anstoßende Gläser, sich öffnende und schließende Türen. Das taten sich auch mit großer Freude.

Doch das wirklich große an der Show war, dass alle Beteiligten auch mal aus ihrer Rolle fielen und sich auf einer Art Metaebene über das Stück unterhielten. Urplötzlich wurde ein Stück auf Norwegisch erzählt, weil das Hörspiel auch im norwegischen Rundfunk ausgestrahlt wurde. Bastian Pastewka erzählte aus seinem profunden Wissen über die Krimi-Kultur aus dieser Zeit und es gab auch noch musikalische Einlagen wie beispielsweise das schöne Lied von „Maria von Bahia“.

Alles in allem war es ein gelungener Abend, an dem die knisternde Atmosphäre eines Hörspiels mit Musik, Humor und gelungenem Bühnenprogramm kombiniert wurde.

Wer wissen möchte, wer denn nun der Mr. Gregory ist, der findet auf dieser Seite weitere Hinweise: http://bastianpastewka.de/2014-05-21-bastian-pastewka-und-komplizen-in-paul-temple-und-der-fall-gregory-von-francis-durbridge.html