Frühlingserwachen – Eine Generation auf der Suche
Am 08.05.2026 – genau 81 Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft – fand in den Räumen des Kinder- und Jugendtheaters Dortmund die Premiere der Jugendclubproduktion „Frühlingserwachen“, frei nach Frank Wedekinds Drama (1891), statt. Dreizehn Heranwachsende des KJT-Jugendclubs setzten sich mit der (leider) zeitlosen Aktualität des gesellschaftskritischen Dramas auseinander.
Die wilhelminische Kaiserzeit war durch die Forderung nach Gehorsam, strenge Moralvorstellungen und die Unterdrückung der Selbstentfaltung geprägt. Dies bildete eine bedeutende Grundlage für die spätere Macht des Nationalsozialismus. Wie sieht es für die Jugendlichen heute, in einer Zeit voller diverser Bedrohungen und Unsicherheiten, aus?
Das Bühnenbild veranschaulichte durch eine Gitterwand die Trennung und den Abstand zwischen den drei unterschiedlichen Elternteilen und den Heranwachsenden. Die junge Generation konnte auf verschieden hohen Podesttreppen in vielfältigen Konstellationen agieren. Mit humorvoller Ironie wurden drei Erziehungsstile und ihre Wirkungen gegenübergestellt:

Wendla Bergmann wird von ihrer „Helikoptermutter“ angstvoll kontrolliert, um sie vor schlechten Erfahrungen (besonders auch im sexuellen Bereich) zu bewahren. Das hindert sie jedoch daran, sich zu einem selbstbewussten und eigenständigen Menschen zu entwickeln, der lernt, sich mutig den Herausforderungen der Welt zu stellen. In dieser Inszenierung zeigt sich Wendla (im Gegensatz zu Wedekinds Original) jedoch stark.
Melchior Gabor ist der liberal erzogene, sozialpolitisch engagierte und aufgeklärte Sohn einer Flower-Power-Mutter. Mit ihrem antiautoritären Erziehungsstil lässt sie ihm zwar Entfaltungsraum, bietet aber keinen Halt und übernimmt keine Verantwortung.
Mona Stiefel (bei Wedekind „Moritz“) leidet unter dem strengen Leistungsanspruch des alleinerziehenden, am Ende gewalttätigen Vaters und zerbricht daran.
Die jeweiligen Gefühlslagen wurden mit gekonnt eingesetzten musikalischen Einspielungen und Choreografien vermittelt.
Die Heranwachsenden wollen mit ihren Gefühlen und ihrem Denken ernst genommen und gesehen werden. Sie sind mit den körperlichen, psychischen und sozialen Herausforderungen der Pubertät sowie ihrer sexuellen Orientierungssuche konfrontiert. Dazu kommen die gesellschaftlichen Erwartungen in einer komplexen und in vieler Hinsicht unsicheren Zeit.
Eine eindrucksvolle und engagierte Jugendproduktion. Im Rahmen des Festivals UnruhR gibt es am 14.05.2026 einen weiteren Vorstellungstermin!