Die „Regel 34“ ist ein Internet-Meme und besagt: von allem, was passiert, gibt es eine pornografische Variante. Der gleichnamige Film von der brasilianischen Regisseurin Júlia Murat dreht sich um die angehende Pflichtverteidigerin Simone (Sol Miranda), die abends ihre Sexualität vor der Internetkamera auslebt, wofür sie ähnlich wie bei Onlyfans und ähnlichen Portalen bezahlt wird.
Irgendwann wird Simone von einem BDSM-Video zu fasziniert, dass sie versucht, in diese Welt zwischen Erotik und Gewalt einzudringen. Am Ende lässt Júlia Murat aber offen, ob ihre Protagonistin sich auf ein echtes Treffen mit einem Mann einlässt, bei dem es keine Regeln gibt.
Simone (Sol Miranda) und ihre Freund*innen beim Schauen von Pornos. (Foto: (c) by IFFF)
Der Film stellt die Frage, ob es möglich ist, dass jemand tagsüber als Feministin die patriarchale Gesellschaft in Brasilien bekämpft, in der Männer ihre Frauen schlagen, und abends ihre Sexualität auslebt, bei der sie sich von Männern schlagen lässt. Feminismus ist eine vielschichtige Bewegung, die sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern einsetzt und auch die sexuelle Autonomie von Frauen unterstützt. Daher ist es in meinen Augen kein Gegensatz, da dies im Einklang mit feministischen Werten und Idealen steht, die Frauen ermutigen, ihre eigenen Entscheidungen in Bezug auf ihre Sexualität zu treffen und die Kontrolle über ihren eigenen Körper zu behalten. Im Film sagt Simone sinngemäß „Meine Sexualität ist nicht politisch“.
An sich wäre das ein gutes Thema für einen Film geworden, doch Júlia Murat verknüpft die drei Ebenen (Anwältin, Freundeskreis, Sex vor der Kamera) kaum miteinander, so dass sie nebeneinanderlaufen und etwas unorganisch bleiben. Sehr gut dagegen ist die Hauptdarstellerin Sol Miranda, die die Suche von Simone nach ihrer Sexualität sehr gut darstellt.
IFFF Tag 1 – Angry Annie
Frankreich in den 70er Jahren. Abtreibung war verboten, Frauen, die sich in einer verzweifelten Situation befanden und es trotzdem machen wollten, mussten nach Holland oder zu sogenannten Engelmacherinnen. Die Engelmacherinnen boten Frauen oft unsichere und schmerzhafte Methoden an, um ungewollte Schwangerschaften zu beenden, wie zum Beispiel das Einführen von gefährlichen Substanzen oder Werkzeugen in die Gebärmutter. Diese illegalen Praktiken waren mit einem hohen Risiko für die Gesundheit und das Leben der Frauen verbunden. In dieser Zeit spielt „Angry Annie“ von Blandine Lenoir, eines der acht Wettbewerbsfilme des diesjährigen Frauenfilmfestivals.
Annie (LaureCalamy) ist eine Arbeiterin in einer Matratzenfabrik und wird ungewollt schwanger. Sie nimmt Kontakt mit einer MLAC (Mouvement pour la liberté de l’avortement et de la contraception)-Gruppe auf. „MLAC“ steht für Bewegung für die Freiheit zum Abtreiben und für Empfängnisverhütung. Schritt für Schritt politisiert sie sich und wird immer aktiver im Kampf der Frauen auf Wahlfreiheit.
Dank der exzellenten Hauptdarstellerin funktioniert der Film auf mehreren Erzählebenen. Im Mittelpunkt steht natürlich die langsame Politisierung von Annie, auch hervorgerufen durch den Tod ihrer Nachbarin, die durch die Behandlung einer Engelmacherin stirbt. Anfangs noch schüchtern bei den treffen der MALC, engagiert sie sich mehr und mehr. Das hat auf der weiteren Ebene, der Familie, Konsequenzen. Die Zeit, die sie für ihr Engagement aufbringt, fehlt der Familie. Sie entfremdet sich von ihrem Mann, findet aber Kontakt zu ihrer Tochter. Letztlich findet Annie auch ihre berufliche Bestimmung.
Foto aus dem Film „Angry Annie“ von Blandine Lenoir. (Foto: (C) Aurora Films Local Films)
Der Film macht aber auch wütend. Wütend auf die Staaten, in denen Frauen immer noch keine Wahlmöglichkeiten haben. Wütend auf Länder wie die USA und andere (ja, auch in Deutschland gibt es eine kleine laute Minderheit), die die Uhr zurückdrehen wollen und für die Frauen nur Gebärmaschinen sind, natürlich im Namen ihrer Religion oder was sie dafür halten.
Deshalb muss der Kampf für die sexuelle Selbstbestimmung der Frau unbedingt weitergehen. Bleiben wir wütend wie Annie.
Mit Solidarität in die 40. Ausgabe des internationalen Frauenfilmfestivals
Sechs Tage, rund 160 Filme, das internationale Frauenfilmfestival (IFFF) in Dortmund und Köln vom 18. Bis 23. April 2023 präsentiert in der Jubiläumsausgabe das weibliche Filmschaffen. Das IFFF setzt stark auf Vernetzung und freut sich über neue Kooperationen.
Der Fokus in diesem Jahr lautet „Kompliz*innen“. Hier dreht sich alles um feministische Solidarität im Bereich des Films. Denn seit die Bilder laufen lernten, waren auch Frauen daran beteiligt. Fünf lange Spiel und Dokumentarfilme, drei Kurzfilmprogramme, die Länge Filmnacht und ein Vortrag zeigen die Geschichte und Gegenwart feministische Filmkunst.
Erstmals am Festivalstandort Dortmund: Die Selektion „begehrt! – Filmlust queer“. Hier werden Filme präsentiert, die sich unter dem Stichwort „Bewegungen der Suche“ mit Menschen und Themen aus der LGBTQI*-Community beschäftigen. Es geht dabei hauptsächlich um Momente des Suchens: die Suche nach den richtigen Fragen, Geschichten und Verbindungen.
Auch der internationale Spielfilmwettbewerb ist mit dabei und endlich auch wieder live in den Kinos zu sehen. Acht Spielfilme konkurrieren um das 15.000 € Preisgeld sowie um den Publikumspreis. In der Jury sitzen Helke Sander, Maria Furtwängler und Sara Fazilat. Sie sind als Schauspielerinnen und Produzentinnen Fachfrauen in ihren Gewerken und filmpolitische Aktivistinnen. Ars tremonia wird die acht Filme ebenfalls besuchen und darüber berichten.
Rund 160 Filme warten auf die Besucherinnen und Besucher des Festivals. (Grafik (c) Ina Bunge)
Aber Filme müssen nicht immer in Kinos stattfinden. Das IFFF präsentiert „Kino to Go“ und wird Filme im öffentlichen Raum zeigen. Mit einem Kinomobil werden Kurzfilmen auf Häuserwände projiziert und Flächen mit Farbe, Ton und Bewegtbild animiert. Start ist bei Einbruch der Dunkelheit und die Teilnahme ist kostenlos.
Wer Lust auf das Festival bekommen hat und sich fragt, wo und wann welche Filme laufen, diese Informationen gibt es unter www.frauenfilmfest.com
Jurypreis für Satire über patriarchale Stereotypen
Am Sonntagabend endete die 36. Ausgabe des Internationalen
Frauenfilmfestivals im domicil mit der feierlichen Preisverleihung.Es
war die erste Ausgabe unter Leitung von Maxa Zoller,
Die Jury im Internationalen Spielfilmwettbewerb war besetzt mit
Terri Ginsberg (Professorin für Film- und Medienwissenschaften der
Universität Kairo), Sheri Hagen (Regisseurin, Autorin,
Schauspielerin, Deutschland) und Edima Otuokon (LADIMA-Stiftung zur
Förderung von Frauen in Film, TV und Medien, Nigeria). Sie vergab
den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis an die mazedonische
Produktion GOD EXISTS, HER NAME IS PETRUNYA von Teona Strugar
Mitevska, eine beißende und berührende Satire über eine
Gesellschaft voller patriarchaler Stereotypen und fatalem
Opportunismus. Das Preisgeld von 15.000 Euro wird zwischen der
Regisseurin (5.000 Euro) und dem deutschen Verleih (10.000 Euro)
geteilt, um den Vertrieb von Filmen von Regisseurinnen in Deutschland
zu fördern. Mitevska nahm den Preis persönlich in Dortmund
entgegen.
Eine lobende Erwähnung sprach die Jury für die
niederländisch-luxemburgische Produktion THE BEAST IN THE JUNGLE
unter der Regie von Clara van Gool aus. Darstellerin Claire Johnston
zeigte sich sichtlich gerührt über die Auszeichnung, mit der die
herausragende filmische Qualität des Films gewürdigt wurde.
Der mit 1.000 Euro dotierte und von der Sparkasse Dortmund
gestiftete Publikumspreis ging an Beryl Magokos autobiografischen
Dokumentarfilm IN SEARCH, der das Thema Genitalverstümmlung von
Frauen als authentische und emotionale Suche in das Innerste einer
jungen Frau behandelt. Beryl Magoko nahm den Preis ebenfalls
persönlich, gemeinsam mit ihrer Bildgestalterin Jule Katinka Cramer,
von Gabriele Kroll als Vertreterin der Sparkasse Dortmund entgegen.
Tag 5 – Internationales Frauenfilmfestival Dortmund / Köln 2019
Am Sonntag wurde in der Schauburg der letzte Beitragsfilm für den Internationalen Spielfilmwettbewerb für Regisseurinnen gezeigt: The Beast in the Jungle der niederländischen Regisseurin Clara van Gool.
The
beast in the Jungle
Basierend auf der gleichnamigen Novelle von Henry James erzählt der Film „The Beast in the Jungle“ (NL 2019) die seltsame Liebesgeschichte von John Marcher (Dane Jeremy Hurst) und May Bartram (Sarah Reynolds).
Über
die Zeitspanne eines Jahrhunderts treffen sich die Vertrauten an
immer neuen Orten zu einer Art Pas de deux. Sie umschmeicheln sich,
kommen sich näher, entfernen sich. Es gibt jedoch nie einen
wirklichen Kuss oder andere sexuelle Begegnungen. Die professionellen
Tänzer bewegen sich durch die Zeiten, tanzen zärtlich und
spielerisch miteinander. Eine Art Choreografie führt sie im Duett
durch die Geschichte. Sie erinnern sich an ihre Begegnungen, die
Geschichte dreht einige Zeitschleifen, poetische Zitate wiederholen
sich in den Gedanken der Protagonisten.
Über
allem schwebt die lähmende Angst vor dem Unbekannten, dem Etwas, das
John noch widerfahren, ihn überwältigen wird. Angst und Panik vor
diesem Biest durchzieht das Leben von John und lässt ihn in einer
Art Erstarrung oder Trance verhaftet bleiben. Das Leben zieht
unerfüllt an ihm vorbei, die Furcht bleibt. Die Beziehung zu May
gibt ihm ein Minimum an Halt, doch das auf ihre Kosten. Sie versucht
ihm behutsam ihre Liebe zu zeigen, dringt aber nicht zu ihm durch.
John bleibt in seiner Furcht verhaftet.
Ein
Zitat aus Henry James Novelle lautet: Es war die Wahrheit, glasklar
und monströs, dass in all der Zeit, die er gewartet hatte, das
Warten selbst sein Schicksal war.
Regisseurin
Clara von Gool produziert ihre Filme mit verschieden Choreografen, um
den Tanz auf die Leinwand zu bringen. Sie arbeitet experimentell und
dokumentarisch, aber auch an Videoinstallationen und für Werbung.
Tag 4 – Internationales Frauenfilmfestival Dortmund / Köln 2019
Das
Internationale Frauenfilmfestival präsentierte am vierten Tag das
Flüchtlingsdrama „Sempra mio figlio“, das auch über das
Schicksal der Volksgruppe der Hazara in Afghanistan informiert.
Danach wurde es Zeit für den Zombiethriller „Endzeit“, der sich
im zweiten Teil als Film mit Ökobotschaft wandelte. Greta Thunberg
würde der Film und seine Botschaft sicher gefallen.
Sembra
mio figlio
Ismail
und sein Bruder Hassan sind als Kinder aus Afghanistan vor dem Krieg
und den Taliban geflohen und leben jetzt in Italien. Eine kleine
Schneiderei sichert den Lebensunterhalt, Ismail verdient mit
Übersetzungen in einem Flüchtlingsheim noch etwas dazu. Nach vielen
vergeblichen Versuchen und zwanzig Jahre später, erreicht er endlich
telefonisch seine Mutter, doch diese erkennt ihn nicht mehr. Seine
Mutter wurde wieder verheiratet und der Stiefvater will, dass die
Söhne nach Pakistan kommen. Ismail hegt große Sympathien für eine
Kollegin bei der Flüchtlingshilfe, sein Stiefvater will ihn aber in
Pakistan verheiraten, das lehnt er kategorisch ab.
Die
Brüder sind sich nicht einig, ob sie dem neuen Vater trauen können.
Tagelang schwelt der Konflikt. Eines Morgens ist Hassan abgereist.
Ismail erinnert sich an den Rat seines Vaters: Reise immer einzeln,
dann stirbt nur einer, die anderen überleben. Auch Ismail macht sich
dann allein auf den Weg. Im Film versinnbildlicht durch die
Verwandlung des Gesichts seiner Freundin Nina in das einer Hazara
Frau. Dann beginnt eine Reise auf verschlungenen Wegen nach Pakistan.
Die Zeitebenen verschwimmen, die Fahrt ist verwirrend und
konspirativ. Der Zuschauer bekommt eine Ahnung davon, welchen
Strapazen die Flüchtlinge auf ihrem Weg aus den Kriegsgebieten
ausgesetzt sind.
Auf
der Tour trifft Ismail eine Flüchtlingsgruppe seines Volkes der
Hazara, die mit Kerzen das Wort „Peace“ vor sich aufgebaut hat.
Am Morgen, als Schleuser die Flüchtlinge abtransportiert haben,
bleibt nur das in Wachs geschriebene Peace als kleine Spur der
Menschen zurück. Ihr Schicksal ist ungewiss.
Das
Volk der Hazara erlebte 1890 einen Genozid durch die paschtunische
Mehrheit im neu gegründeten Afghanistan. Ihr mongolisches Aussehen
und ihre Religion macht sie auch heute noch zu Opfern der Taliban und
dem Islamischen Staat.
Ismail
findet den am Telefon ausgemachten Treffpunkt. In einem kleinen
dunklen Raum stehen mehrerer Frauen zusammen und starren ihn an. Er
erzählt leise mit welchen Worten seine Mutter ihn und seinen Bruder
damals weggeschickt hat. Dann schauen sich Ismail und die Frauen
minutenlang intensiv in die Augen. Tränen fließen da jede von ihnen
Kinder verloren hat. Endlich gibt sich die richtige Mutter zu
erkennen. Das Ziel der Reise ist erreicht, was weiter geschieht,
bleibt am Ende ungewiss.
Regisseurin
Constanza Quatriglio berichtet, dass der Film mit zahlreichen
Laiendarstellern gedreht wurde, die alle einen Flüchtlingshintergrund
hatten. Dies ermöglichte ihnen die Rollen authentisch auszufüllen.
Unter den Frauen die das Wiedersehen spielten, war auch die Mutter
des Schauspielers Bashir Anhang (Ismail)
(Anja
Cord)
Zombie-Thriller
mit Ökobotschaft
Der
Film „Endzeit“ (D, 2018) von Carolina Hellsgård ist nur auf den
ersten Blick ein typischer Zombiefilm. Denn er trägt eine Botschaft
vor sich her, die im zweiten Teil des Films endgültig zum Tragen
kommt.
„Endzeit“
beginnt genretypisch, im Jahre 2 nach einer Zombieapokalypse, die
durch eine Seuche entstanden ist, gibt es nur noch zwei Städte:
Weimar und Jena. Während Jena nach einem Gegenmittel forscht, ist
Weimar unerbittlich und tötet jeden Infizierten. Vivi und Eva
fliehen aus unterschiedlichen Gründen von Weimar und wollen mit
einem selbstfahrenden Zug nach Jena. Wie es in solchen Filme so
kommt: Der Zug bleibt auf freier Strecke stehen und die beiden Frauen
müssen sich durch die Natur nach Jena durchschlagen.
Danach
beginnt sich der Film stärker auf die Dämonen der beiden
Hauptdarstellerinnen zu konzentrieren. Vivi trägt Schuldgefühle,
weil sie ihre kleine Schwester im Stich gelassen hat und Eva, die
taffe Frau, flieht vor den Menschen, die sie getötet hat.
Hellsgård
bringt im zweiten teil des Films noch eine weitere Komponente ein.
Nicht umsonst sind viele grandiose Naturaufnahmen zu sehen, einmal
entdecken die beiden Frauen sogar Giraffen, die aus dem Erfurter Zoo
geflohen sind. Flüsse, Wälder, Felder, all das wird in seiner
Pracht als Alternative zu den beiden Städten präsentiert. Das
geschieht mit Absicht. Denn es taucht die Figur „Die Gärtnerin“
auf, die offensichtlich eine Mischform zwischen Mensch und
Pflanzenwesen darstellt. Sie ist die Personifikation von „Mutter
Natur“ oder Gaia und enthüllt, dass die Natur den Menschen durch
die Seuche auslöschen wollte. Diese Symbiose sei nicht das Ende,
sondern der neue Anfang.
In
„Endzeit“ sind die Zombies keine Manifestation einer
unterprivilegierten Bevölkerung, die sich erhebt, sondern
letztendlich die Konsequenz des menschlichen Fehlverhaltens wider die
Natur. Durch die Zunahme von multiresistenten Keimen ist es durchaus
vorstellbar, dass sich die Menschheit in nicht allzu langer Zeit
einem Virus oder einem Bakterium gegenübersieht, das den großteils
der Bevölkerung ausrottet. Ähnlich wie es die Pest im 14.
Jahrhundert getan hat.
Wer
auf viel Blut und menschliche Innereien steht, der wird sicher
enttäuscht sein, wer intelligenten Horror mit einer eindringlichen
Botschaft mag, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen.
(Michael
Lemken)
Tag 3 – Internationales Frauenfilmfestival Dortmund / Köln
Ins
Rennen um den internationalen Spielfilmwettbewerb für Regisseurinnen
ging am 3. Tag des IFFF Dortmund / Köln der brasilianische Film „Los
Silencios“ der Regisseurin Beatriz Seigner. Es ist in verschiedener
Hinsicht ein bemerkenswerter Film. Für unsere westlich geprägte
europäische Sichtweise etwas befremdlich anmutend, lotet er
unterschiedliche Grenzerfahrungen aus. Abends wurde der Film „Der
Boden unter den Füßen“ von Marie Kreutzer gezeigt. Es ist eine
Geschichte zweier unterschiedlicher Schwestern.
Magischer
Realismus aus dem Amazonasgebiet.
Es
sind zum einen die Grenzen zwischen Brasilien, Kolumbien Peru, aber
auch die Übergänge zwischen Lebenden und den Toten sowie Land und
Fluss. „Los Silencios“ bewegt sich zwischen Dokumentation und
Fiktion, Geistern und Realismus.
Den
politisch-gesellschaftlichen Hintergrund bildet der Bürgerkrieg in
Kolumbien. Konflikt zwischen Paramilitärs und Guerilla machen die
Situation für die Bevölkerung lebensgefährlich und zwingen viele
Menschen zur Flucht.
Der
erste Zufluchtsort für die Protagonistin Ampora (neben ihrem Ehemann
im Film die einzige professionelle Schauspielerin) und ihre Kinder
Nuria und Fabio vor den bewaffneten Konflikt ist die auch real
existierende Insel „Isla de la Fantasía“. Diese befindet sich
mitten im Amazonas im Grenzgebiet von Brasilien, Kolumbien und Peru.
Bis
auf die Mutter Ampora und dem Vater in der Geschichte wurden alle
anderen Personen von Menschen (Laien) dargestellt, die wirklich auf
der Insel wohnen. Sie bekamen erstmals Gelegenheit, „Ihre
Geschichte“ zu erzählen. Das sorgte neben den Naturgeräuschen des
Amazonas für eine besondere Authentizität.
Der
harte Kampf ums Überleben, gegen den Ausverkauf und für
Entschädigungen wird lebendig vor Augen geführt. So muss Ampora,
die ihren Mann und Tochter im Bürgerkrieg verloren hat, nicht nur um
eine Aufenthaltserlaubnis kämpfen, sondern auch darf hoffen, dass
die beiden Toten gefunden werden und sie Reparationszahlungen
bekommt. Die Ölgesellschaft möchte ihr mit wenig Geld die
Klagerechte abkaufen.
Das
Publikum erfährt nicht nur aus erster Hand von der Situation der
Dorfbewohner, sondern auch über ihr besonderes Verhältnis zu ihren
Toten und Geistern. Sie sind in der Gemeinschaft weiter
allgegenwärtig. Es gibt neben der wöchentlichen Dorfversammlung
auch eine „Versammlung der Geister der Toten“ statt. Hier
bekommen sie eine Stimme und ihren Platz in der Gesellschaft zurück.
Auch
Ampora geht in ihrem Alltag zunächst so um, als würden die Tochter
und ihr Mann noch unter ihnen Leben. Sie spricht zu ihnen und wäscht
sogar ihre Tochter. Erst ein Paket mit den gefundenen Überresten der
beiden Familienangehörigen bringt die erschütternde Realität ins
Haus.
Einiges
erfährt man über Riten der Bewohner. Die Totengeister werden mit
fluoreszierenden Farben gekennzeichnet, die sich zum Ende hin immer
mehr verstärken. (Lisa Lemken)
Eindringliches
Geschwisterdrama
Mit
„Der Boden unter den Füßen“ gelang der österreichischen
Regisseurin Marie Kreutzer ein starker Film. In 109 Minuten erzählt
sie die Geschichte zweier Schwestern. Lola ist Unternehmensberaterin
und steckt ihre ganze Kraft in ihre Karriere. Sie pendelt zwischen
Konferenzen, Büro und anonymen Hotelzimmern. Ihre ältere Schwester
Conny leidet an paranoider Schizophrenie, einmal im Jahr geht es ihr
besonders schlecht. Dieses Mal begeht sie einen Selbstmordversuch.
Hier nimmt die Geschichte Fahrt auf. Conny wird vorübergehend in die
Psychiatrie eingewiesen. Jetzt ist Lola mehr gefordert als sie
geplant hat. Sie versucht in ihrem streng getakteten Alltag mit den
unberechenbaren Anforderungen durch die Krankheit ihrer Schwester
klarzukommen, steht kurz vor einem Burn-out. Es zeigt sich wie dicht
Aufstieg und Chaos beieinander liegen. Nach mehreren Verwicklungen
und Schwierigkeiten nimmt Lola ihre Schwester mit nach Hause. Sie
organisiert deren Alltag, sodass sie wieder ihrer Arbeit nachgehen
kann. Doch die leichte Entspannung hält nicht lange vor, Conny
stürzt sich vom Balkon der Wohnung in den Tod. Lola erleidet einen
Nervenzusammenbruch und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Sie erhält
Antidepressiva verschrieben und ist bei der Beisetzung ihrer
Schwester die einzige Hinterbliebene.
Im
Interview erzählt Marie Kreutzer, dass der Film autobiografische
Züge trägt. Ihre Tante litt ebenfalls an Schizophrenie und als
Jugendliche hat sie diese regelmäßig in der Psychiatrie besucht.
Sie konnte so auf einige ihr bekannte Gesprächsverläufe
zurückgreifen. Zwei extreme Rollenentwürfe stehen sich hier
gegenüber. Im Verlauf des Films verschwimmen immer wieder die
Grenzen und man fragt sich, welcher der Schwestern eher geholfen
werden müsste. Am Ende war die Ältere, Conny an vielen Stellen die
Stärkere. Sie setzte die Akzente, während Lola mit der Furcht vor
den Auswirkungen der Krankheit auf ihr eigenes Leben kämpfte.
Die Regisseurin Marie Kreutzer im Interview mit Stefanie Görtz (IFFF). (Foto: Anja Cord)
Die
schauspielerische Leistung von Pia Hierzegger, die die Conny
verkörperte, war beeindruckend. (Anja Cord)
Shorts on wheels – das Frauenfilmfestival unterwegs
Als
die Dämmerung langsam in Dunkelheit übergeht, haben sich trotz der
niedrigen Temperatur ungefähr achtzig Menschen am Dortmunder U
versammelt und sind gespannt auf die nächsten drei
Stunden. Im Rahmen des Internationalen Frauenfilmfestivals
Dortmund/Köln geht es unter dem Motto „Shorts on Wheels“ mit dem
Rad durch die Dortmunder Innenstadt und den Hafen. Raus aus dem
Kinosessel, rein in die Stadt, um an ausgewählten Orten auf
Hauswänden als alternative Leinwand kurze Filme zu sehen. Zum
Marschgepäck gehören ein mobiler Beamer, leistungsstarke Boxen auf
einem Cargobike, ein Megafon und gute Laune. Stationen der kreativen
Aktion sind das U, das Kreativzentrum an der Speicherstrasse, das
Künstlerhaus und der Rekorder.
Thema
der Kurzfilme ist der Mikrokosmos Reisen. Schon die Radtour durch die
nächtliche Stadt ist ein kleiner Roadtrip, eine große Gruppe
Radfahrer nimmt sich den Raum einer Fahrspur, um die einzelnen
Stationen des Programms abzufahren. Die Musik des Soundbikes
untermalt die Tour mit basslastigem Klang.
Eine
Reise beinhaltet die Frage des Transportmittels. Wohin geht es?
Großstadt oder ein anderes Land oder sogar das Weltall? Kann man
überhaupt Reisen oder sein Land nicht verlassen?
Die
fünf gezeigten Filme befassen sich mit diesen Fragestellungen. Der
dänische Animationsfilm „Solar Walk“ von Reka Bucsi nimmt den
Zuschauer mit auf eine Reise ins Weltall und den Schöpfungsprozess
in einem animierten kosmischen Chaos. Im Hafen gibt es mit „All
Inclusive“ von Corinna Schwingruber-Illic einen kurzen Trip auf ein
Kreuzfahrtschiff. Mit Witz und Ironie beschreibt die Regisseurin den
durchorganisierten Vergnügungswahnsinn an Bord eines Ozeanriesen.
Nächster
Halt ist das Künstlerhaus. „Blue Hands“ von Diyala Muir ist ein
beeindruckend gezeichneter Animationsfilm. Eine junge Frau erlebt
eine abstrakte Reise durch Trauer und Verleugnung. Der zweite hier
gezeigte Film ist „Untravel“ von Ana Nedeljkovic und Nikola
Majdak. Der Animationsfilm ohne Dialoge zeigt ein Mädchen in einer
isolierten Stadt, das noch nie irgendwo hingereist ist. Die Frage
ihres Kopfkinos lautet, was wäre, wenn…. ich die Mauern
durchbrechen könnte, ….ich die Grenze überschreiten könnte?…Wie
könnte die perfekte Welt namens „Ausland“ aussehen?
Den
makaberen Abschluss der Kinotour bildete im Rekorder der Kurzfilm
„Tigre“ von Delphine Delgot. Sabine und Natascha befinden sich
irgendwo in einem kleinen Kaff im Nirgendwo der französischen
Provinz. Sie amüsieren sich mit belanglosem Sex, mit Ausfahrten
durch den Wald, und schlagen gemeinsam die Zeit tot. Eines Tages
kommt Natascha nicht zu ihrem Treffen, Sabine ist enttäuscht und
will sich rächen. Bei der nächsten Zusammenkunft fahren sie durch
einen Safaripark. Dort kommt es zum Streit, Natascha springt aus dem
Auto, um zu rauchen. Sabine sieht einen Tiger auf Natascha
zulaufen, warnt diese aber nicht, sondern fährt weiter. Natascha
wird Opfer des hungrigen Raubtiers.
Zum
Abschluss gab es noch eine Einladung auf ein gemeinsames Bier im
domicil.
Shorts on Wheels findet zum 11. Mal
statt und ist eine Kooperation zwischen dem Kurzfilmfestival Köln
und Punta Velo. Für die Begleitung auf der Straße waren die Leute
der VeloKitchen maßgeblich zuständig.
Tag 2 – Internationales Frauenfilmfestival Dortmund / Köln
Im Rahmen des
internationalen Spielfilmwettbewerbs für Regisseurinnen während des
IFFF Dortmund / Köln wurde in am 2. Tag des Filmfestivals im Kino
Schauburg in Dortmund der Film „The Miseducation of Cameron Post“
(USA) der Amerikanerin mit iranischen Wurzel Desiree Akhavan dem
Publikum präsentiert sowie „God Exists, Her Name Is Petrunya“
(MK,BE,SI, HR, FR) aus dem Jahre 2019 von Teona Strugar Mitevska.
Mit Gebeten gegen
Homosexualität
Der Film basiert auf
dem 2012 erschienenen gleichnamigen Roman, der auf den erschütternden
und aufsehen erregenden Berichten des Teenagers Zach Stark (2005 in
den USA) über die Zustände in einem Camp für „gefährdete“
Jugendliche, die von ihren „homosexuellen Neigungen“ weg und zum
„rechten Weg“ zurückgebracht werden sollten.
Die Geschichte
spielt 1993 in Montana (USA). Nach dem frühen Tod ihrer Eltern lebt
der Teenager Cameron Post bei erzkonservativen Verwandten. Sie steht
auf Frauen und als sie beim Sexspiel mit ihrer Freundin Coley
erwischt wird, schicken die Familie sie in das Umerziehungslager mit
dem Namen „God‘s Promise“ (Gottes Versprechen). Dort versuchen
Reverend Rick und seine Schwester Dr. Lydia Marsh, die Jugendlichen
mit emotionaler Erpressung und Misshandlung, dem Schüren von
Schuldgefühlen sowie Berieselung mit Jesus-Musik vom falschen Weg
„der Sünde“ mit „Gottes Hilfe“ zu „heilen“. Sie werden
mit bewusst pathologisierender Absicht werden sie mit SSA (Same Sex
Attraktion) genötigt, anhand eines Eisbergs all das zu
identifizieren, was sie auf ihren „Abweg“ gebracht hat. Zum Glück
findet Cameron zwei „Rebellen“ als verständnisvolle Freunde an
dem Ort des Grauens und schafft sich kleine Freiräume.
Dem Horror entkommen. The Miseducation of Cameron Post (R: Desiree Akhavan, USA 2017)
Zusammen mit ihnen findet sie nach einem schrecklichen Erlebnis in Folge der dubiosen Therapiemethoden die Kraft, aus dieser Situation auszubrechen. Eindrucksvolle
Schauspielerinnen und Schauspieler und eine starke Bildführung
machen den Film zu einem eindringlichen Erlebnis.
Homosexuelle zu stigmatisieren und sie als krank anzusehen, ist leider in unserer Zeit kein seltenes Phänomen. Eine große Rolle spielen dabei ultra- religiöse sich christlich nennende Gruppen. Auch bei der Wahl
von Donald Trump zum Präsidenten der USA waren sie mit ihren Stimmen
nicht unwesentlich beteiligt.
Petrunya sucht das
Glück
Von Glück verfolgt
ist unsere Protagonistin Petrunya auf keinen Fall. Sie ist 32 Jahre,
lebt bei ihrer Mutter in nordmazedonischen Štip,
hat Geschichte studiert und ist arbeitslos. Zudem passt sie
optisch nicht in das
gängige Frauenbild. Als
bei der traditionellen
orthodoxen Zeremonie der Priester ein Kreuz in die Fluten des Flusses
wirft, Werfen sich alle Männer des Ortes in die Fluten, auch
Petrunya, die sogar das Kreuz fängt. Bedeutet dies doch, dass der
Fänger ein Jahr lang Glück hat. Doch es gibt einen großen Haken:
Es dürfen nur Männer nach dem Kreuz tauchen.
Danach
ist in Štip nichts mehr, wie es ist. Die
Kirche versucht mithilfe der Polizei Petrunya das Kreuz wegzunehmen
und ein Mob wütender Männer macht vor der Polizeistation mobil.
Dazu wittert eine Reporterin die Story des Jahres.
Petrunya nutzt die Chance, etwas Glück abzubekommen. God Exists, her Name is Petrunya (R: Teona Strugar Mitevska, MK/BE/SI/HR/FR 2019)
Das
Spannende an dem Film ist nicht so sehr die Kritik an den alten
Ritualen der Kirche, sondern der Blick die patriarchale Gesellschaft
in der nordmazedonische Provinz. Niemand hinterfragt, warum es Frauen
nicht erlaubt ist, hinter dem Kreuz zu schwimmen. Haben sie kein
Anrecht darauf, Glück zu haben? Egal, ob man gläubig ist oder
nicht.
Auch
die Beziehung zwischen Kirche und Staat (Polizei) wird beleuchtet.
Petrunya wird auf der Polizeistation festgehalten, obwohl sie nichts
verbrochen hat, denn sie hat das geworfene Kreuz „ordnungsgemäß“
gefangen. Modernen Zeiten sei Dank – es gibt sogar Handyvideos
davon. Dennoch arbeiten Kirche und Polizei eng zusammen und
überschreiten mehrmals die Linie der Legalität.
Hinzu
kommt das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter. Ihre Mutter
versucht Petrunya bei jeder Gelegenheit schlecht zu machen und ihr
jedes Selbstbewusstsein zu nehmen. Nur
scheinbar steht sie an der Seite ihrer Tochter.
Doch keine Angst, der Film ist auf keinen Fall deprimierend, denn Schwarz und Weiß gibt es nicht. Der Film ist an vielen Stellen sogar recht lustig, hat ordentlich Balkanflair und am Ende knüpft Petrunya zarte Bande zu einem der netteren Polizisten. Da hat das Kreuz vielleicht schon Glück gebracht.
Eine beeindruckende Leistung von Zorica Nusheva, die die Figur der Petrunya spielt,
Tag 1 – Internationales Frauenfilmfestival Dortmund / Köln 2019
Der erste Tag des
Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund / Köln 2019 bot in der
Kategorie des Spielfilmwettbewerbs für Regisseurinnen am 10.04.2019
im Dortmunder Kino Schauburg um 20:00 Uhr mit „Wajib“
(Verpflichtung) einen Film der Regisseurin Annemarie Jacir ein
familiäres Kaleidoskop der palästinensisch-israelischen
Problematik. Die Regisseurin lebt wieder in Palästina, hat aber
einen US-Pass. Das erlaubt ihr, ohne Probleme nach Israel ein- und
ausreisen zu können.
Die Stadt Nazareth
ist die größte palästinensische Stadt auf dem Staatsgebiet
Israels. Die jüngere Stadt Nazrat-Illit wird hauptsächlich von
Juden, während Nazareth in erster Linie von Muslimen und Christen
bewohnt ist. In „Wajib“ geht es um die Tradition, die Einladungen
zur Hochzeit der Tochter persönlich zu überbringen. Der in Rom
lebende Architekt Shadi kommt ohne Begeisterung wegen der
Hochzeitsvorbereitungen für seine Schwester Amal für kurze Zeit in
seine Heimatstadt Nazareth zurück. Diese hatte er wegen der
Schwierigkeiten mit den Israelis und seinem Vater verlassen und lebt
zusammen mit seiner der PLO nahestehenden Freundin in Rom. Sein Vater
Abu Shadi arangiert sich dagegen mit den Israelis , da er gerne
Rektor werden möchte. Nun begleitet er ihn in einem humorvollem
urbanen Roadmovie bei der Abgabe der Einladungen.
Interessant ist,
dass die beiden von Saleh und Mohammad Bakri gespielt werden, die
auch im wahren Leben Sohn und Vater sind. Während der Fahrt brechen
zwischen ihnen Konflikt auf politischen, gesellschaftlichen aber auch
persönlichen Ebene auf.
Die Mutter, die nur
über Telefonate mit ihrem Sohn Shadi im Film vorkommt, spielt eine
wichtige Rolle. Sie hatte die Familie früh, vor allem wegen der
politischen Verhältnisse, verlassen. Das hat der Vater nicht
vergessen und nimmt es ihr immer noch sehr übel. Der Sohn wiederum
ist sauer auf seinen Vater, der sich nach seiner Meinung zu sehr
anpasst und verbiegt. Das er sehr viel Wert auf die Meinung von
Familie und Freunden in seinem Heimatort legt, zeigt sich vor allem,
als er seinen Sohn auch einmal als „Arzt“ ausgegeben hat. Aber
auch andere Figuren, die nicht im Film zu sehen sind, haben eine
wichtige Rolle. Shadis Freundin Nada wird von seinem Vater mehr oder
weniger ignoriert, vermutlich weil er Angst vor politischen
Repressalien hat. Auch der israelische Freund des Vaters ist nicht im
Bild zu sehen. Es bleibt unklar, ob er eine Einladung bekommt oder ob
sich Shadi durchgesetzt hat.
Bespitzelung, die
fehlende Müllentsorgung und oft Benachteiligung der Palästinenser
durch die Israelis wird von Shadi in Nebensätzen oder Seitenblicken
angesprochen und gestreift. Das Verhältnis von Israel und Palästina
wird mit viel Empathie beschrieben, sowie gleichzeitig das
Vater-Sohn-Verhältnis ausgelotet.
Auf der Reise werden
kleine Geschichten erzählt. Cousinen wollen den Architekten aus Rom
zur Heimkehr „verführen“. Man bekommt kleine humorvolle
Einblicke in die verschiedenen Welten der zur Hochzeit eingeladenen
Muslime, Christen und Atheisten.
Kleine Schummeleien,
doppeldeutige Bemerkungen oder Sticheleien beleben und befeuern
dieses bemerkenswerte Roadmovie. Am Ende sitzen Vater und Sohn
einträchtig zusammen auf dem Balkon.