Zurück im Dorf: Rima Das erzählt Dhunus Geschichte weiter

Nach dem Erfolg von „Village Rockstars“ aus dem Jahr 2017 kehrt die Regisseurin Rima Das zurück in ein kleines Dorf im indischen Assam und verfolgt in „Village Rockstars 2“ das Schicksal der mittlerweile 17-jährigen Dhunu – erneut gespielt von Bhanita Das, der Nichte der Regisseurin.

Im ersten Teil wird die Geschichte der zehnjährigen Dhunu erzählt, die davon träumt, eine eigene Rockband zu gründen und eine echte Gitarre zu besitzen. Trotz finanzieller Schwierigkeiten und gesellschaftlicher Erwartungen verfolgt sie entschlossen ihren Traum.

Ein Dorf zwischen Naturgewalt und Zivilisationsdruck

Im zweiten, aktuellen Teil stehen die Herausforderungen der Dorfgemeinschaft im Mittelpunkt. Einerseits ist da die unberechenbare Naturgewalt: Überschwemmungen zerstören Ernten und setzen das Dorf regelmäßig unter Wasser. Andererseits droht Gefahr durch den „Fortschritt“ – Bulldozer verwüsten das Land, alte Bäume werden gefällt, und die Spuren der Zivilisation hinterlassen sichtbare Wunden.

Dhunu (Bhanita Das) spielt den Kinder ihres Dorfes auf ihrer Gitarre. (Foto: (c) IFFF)
Village Rockstars 2: Dhunu (Bhanita Das) spielt den Kinder ihres Dorfes auf ihrer Gitarre etwas vor. (Foto: (c) IFFF)

Auffällig ist die zentrale Rolle der Frauen in diesem Film. Nicht nur Dhunu und ihre Mutter, sondern auch viele andere Frauen im Dorf übernehmen die Verantwortung – sei es auf den Feldern oder im Alltag. Sie wirken stark, selbstbewusst und bestimmen maßgeblich das Geschehen. Die Männer dagegen treten meist als Randfiguren auf: passiv, orientierungslos oder sogar schädlich. Der Makler, der den Dorfbewohnern das Land abspenstig machen will, wirkt schmierig und berechnend. Auch Dhunus Bruder reiht sich in diese wenig schmeichelhafte Darstellung ein: Er wird zum Trinker und verkauft schließlich das Land seiner Mutter.

Dass die Mutter-Tochter-Beziehung ein tragisches Ende findet, zeichnet sich leider recht früh ab. Doch dieser kleine Wermutstropfen schmälert kaum die Wirkung eines ansonsten poetischen, malerischen Films, der durch seinen dokumentarischen Stil besticht. Rima Das lässt uns über 90 Minuten hinweg intensiv am Leben im Dorf und an Dhunus Schicksal teilhaben – mit großer Nähe, Wärme und einem feinen Gespür für die leisen Töne des Alltags.




Eröffnung des Internationalen Frauenfilmfestivals 2025 in Dortmund

Am 1. April 2025 wurde das Internationale Frauenfilmfestival (IFFF Dortmund+Köln) feierlich im Dortmunder Cinestar eröffnet.Nach der Begrüßung durch Festivalleiterin Dr. Maxa Zoller und Grußworten von Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sowie Gesprächen mit der Filmförderung und dem Dortmunder Kulturdezernenten Jörg Stüdemann startete das Festival mit einem eindrucksvollen und hochpolitischen Film.

Politische Brisanz zum Auftakt

Der Eröffnungsfilm „Die Möllner Briefe“ von Regisseurin Martina Priessner setzte gleich zu Beginn ein deutliches Zeichen. Der Film thematisiert eindringlich Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, welche zunehmend Raum in der Mitte der Gesellschaft einnehmen und von rechten Politiker*innen instrumentalisiert werden.

Festivalleiterin Dr. maxa Zoller bei der Eröffnung im Cinestar. (Foto: (c) Anja Cord)
Festivalleiterin Dr. Maxa Zoller bei der Eröffnung im Cinestar. (Foto: (c) Anja Cord)

Martina Priessner begab sich, in enger Zusammenarbeit mit Ibrahim Arslan, einem der Überlebenden der rassistischen Brandanschläge von Mölln am 23. November 1996, auf eine erschütternde Spurensuche. Sie stieß dabei auf zahlreiche Briefe aus dem In- und Ausland, die unmittelbar nach den Anschlägen an die Betroffenen geschrieben worden waren und nur durch Zufall entdeckt wurden. Diese tröstenden und solidarischen Briefe hätten sonst vermutlich niemals die Familien der Opfer und Verletzten erreicht.

Der Dokumentarfilm veranschaulicht auf sensible Weise die physischen und psychischen Folgen, mit denen Betroffene bis heute kämpfen. Zugleich verdeutlicht der Film die Notwendigkeit einer kritischen Aufarbeitung rechtsradikaler Gewalttaten und die Bedeutung des offenen Dialogs darüber. Dies wurde auch durch das anschließende Gespräch auf der Bühne deutlich, an dem neben Ibrahim Arslan auch Gamze Kubaşik, Tochter des NSU-Mordopfers Mehmet Kubaşik (ermordet am 4. April 2006 in Dortmund), teilnahm.

Für den 4. April 2025 ist zudem eine Demonstration im Rahmen des 13. Tages der Solidarität geplant (Beginn 17:00 Uhr, Mallinckrodtstraße 190). Die Schaffung von Orten, beispielsweise eines Dokumentationszentrums zur wissenschaftlichen Erforschung und Erinnerung, ist dringend notwendig – gegen das Vergessen und Verdrängen.




Bewegte Bilder und bewegende Geschichten beim 42. Internationalen Frauenfilmfestival

Nimmt man den Trailer zum 42. Internationalen Frauenfilmfestival (IFFF) als Maßstab, dann erwartet die Besucher*innen ein dynamisches und äußerst internationales Ereignis.Zu sehen sind vor allem Frauen, die in Bewegung sind – ein Eindruck, der sich auch thematisch in den Filmen widerspiegelt. So beschäftigt sich „Sunshine“ etwa mit den Träumen einer jungen Turnerin, die ungewollt schwanger wird, während „Samia“ das tragische Schicksal der somalischen Läuferin Samia Yusuf Omer erzählt.

Weiblicher Blick und vielfältige Perspektiven

Generell steht beim Frauenfilmfestival der weibliche Blick und die Erzählung aus weiblicher Perspektive im Mittelpunkt. Vom 1. bis 6. April 2025 umfasst das Programm 103 Filme aus 42 Ländern, verteilt auf insgesamt 11 Sektionen. Der älteste Film stammt sogar bereits aus dem Jahr 1903. Ganze sieben Filme feiern auf dem Festival ihre Deutschlandpremiere.

Unterstützer:innen, Teilnehmerinnen und Organisatorinnen des 42. Internationalen Frauenfilmfestivals: (v.l.n.r.) Hendrikje Spengler, Leiterin des Kulturbüros der Stadt Dortmund, Gabriele Kroll, Verhinderungsvertreterin des Vorstands der Sparkasse Dortmund, Chris Baur, Geschäftsführer CineONE Dortmund (Preissponsor Female Gaze), Dr. Maxa Zoller, Festivalleitung des IFFF Dortmund+Köln, Dr. Natascha Frankenberg, Kuratorin begehrt! – filmlust queer, Yasemin Şamdereli, Mitglied der Jury des Internationalen Spielfilm-Wettbewewerbs und Regisseurin von SAMIA, und Martina Priessner, Regisseurin des Eröffnungsfilms DIE MÖLLNER BRIEFE
Unterstützer:innen, Teilnehmerinnen und Organisatorinnen des 42. Internationalen Frauenfilmfestivals: (v.l.n.r.) Hendrikje Spengler, Leiterin des Kulturbüros der Stadt Dortmund, Gabriele Kroll, Verhinderungsvertreterin des Vorstands der Sparkasse Dortmund, Chris Baur, Geschäftsführer CineONE Dortmund (Preissponsor Female Gaze), Dr. Maxa Zoller, Festivalleitung des IFFF Dortmund+Köln, Dr. Natascha Frankenberg, Kuratorin begehrt! – filmlust queer, Yasemin Şamdereli, Mitglied der Jury des Internationalen Spielfilm-Wettbewererbs und Regisseurin von SAMIA, und Martina Priessner, Regisseurin des Eröffnungsfilms DIE MÖLLNER BRIEFE

Auch Preise werden verliehen – insgesamt fünf im Gesamtwert von 55.000 Euro, darunter erstmals der „Female Gaze“. Dieser Sachpreis unterstützt mit einem Equipment-Verleih im Wert von 5.000 Euro Nachwuchsbildgestalter*innen aus NRW. Die diesjährige Preisträgerin steht bereits fest: Zoe Dumas, Absolventin der ifs internationale filmschule Köln, erhält den „Female Gaze“ für die Bildgestaltung ihres Abschlussfilms „El Mártir“ (Der Märtyrer; Regie: Alejandro Mathé).

Mit 15.000 Euro dotiert ist zudem der Internationale Spielfilmwettbewerb, der renommierte Regisseur*innen ab ihrem dritten Kinospielfilm in den Fokus rückt. In der Auswahl vertreten sind Filme aus Indien, den Philippinen, Slowenien, Spanien, der Türkei sowie internationale Koproduktionen, deren Handlung unter anderem in Afghanistan, Albanien oder Schottland angesiedelt ist.




Frauen Film Fest Dortmund+Köln 2023 – erfolgreich durchgestartet nach Corona

Am Abend ging in der Dortmunder Schauburg mit der Preisverleihung des 40.Internationalen Frauen Film Fest Dortmund+Köln eine der erfolgreichsten Ausgaben der Festivalgeschichte zu Ende. Die erste nachpandemische Edition wurde von Besucher*innen und Filmschaffenden gefeiert: Rekordzahlen bei den Akkreditierten, zahlreiche ausverkaufte Vorstellungen und intensive Debatten in Dortmund und Köln.



Der mit 15.000 Euro dotierte Preis des IFFF Dortmund+Köln ging in diesem Jahr an den spanischen Wettbewerbsbeitrag MOTHERHOOD (LA MATERNAL) der Regisseurin Pilar Palomero. Er erzählt von der 14-jährigen Carla. Sie schwänzt die Schule, hängt mit ihrem Freund ab und streitet mit ihrer Mutter. Als die
Schwangerschaft festgestellt wird, findet sie in »La Maternal«, einem Zentrum für jugendliche Mütter, Hilfe und neue Verbündete. Wie wird man Mutter, wenn man selbst noch ein Kind ist? Palomero arbeitet mit Laien, die ihre eigenen Geschichten erzählen. Grandios ist die junge Hauptdarstellerin Carla Quílez.
Die Jury war mit den deutschen Filmschaffenden und filmpolitischen Aktivistinnen Helke Sander, Sara Fazilat und Maria Furtwängler besetzt. Bei der Preisverleihung riefen sie ausdrücklich zur Solidarität mit den Frauen in Iran auf.

Jury und Preisträgerinnen mit Festivalleiterin Maxa Zoller. (Foto: (c) Julia Reschucha)
Jury und Preisträgerinnen mit Festivalleiterin Maxa Zoller (2. Reihe Mitte). (Foto: (c) Julia Reschucha)

Der Internationale Spielfilmwettbewerb präsentierte acht aktuelle Spielfilme aus Brasilien, Deutschland, Frankreich, Indonesien, Mexiko, Palästina und Spanien.
Er gibt Regisseur*innen eine Plattform, die interessante Debüts vorgelegt hatten oder bereits ein größeres Œuvre aufweisen. Das Preisgeld wird zwischen der Regisseurin (5.000 Euro) und dem deutschen Verleih (10.000 Euro) geteilt. Damit soll der Vertrieb der Filme von Regisseurinnen in Deutschland unterstützt werden.

Nach Auszählung der letzten Stimmen stand fest: Der mit 1.000 Euro dotierte Publikumspreis der Sparkasse Dortmund ging in diesem Jahr an die Dokumentarfilmerin Claudia Richarz für HELKE SANDER: AUFRÄUMEN. Er ist das Porträt der bahnbrechenden Filmarbeit von Helke Sander – Filmemacherin, Autorin, Mitbegründerin der zweiten deutschen Frauenbewegung, Gründerin der ersten europäischen feministischen Filmzeitschrift »Frauen und Film«. Diese ganz aktuelle Arbeit von Claudia Richarz (VULVA 3.0, ABNEHMEN IN ESSEN, u.a.) feierte in Dortmund Weltpremiere. Sie nahm den Preis am Abend persönlich entgegen. Den Preis übergab Gabriele Kroll als Vertreterin des Vorstandes des Sparkasse Dortmund. An der Abstimmung um den Publikumspreis nahmen alle Festivalfilme teil, die in den letzten zwei Jahren entstanden waren und länger als 60 Minuten sind.

Weitere Preisträgerinnen: • Shoot KHM & IFFF Dortmund+Köln Nachwuchspreis für Künstlerinnen der KHM geht 2023 an Hanna Noh
• ECFA Kurzfilmpreis geht an TULA von Bea de Silva




IFFF Tag 6 – Music

Am Abschlusstag des IFFF Dortmund/ Köln 2023 ging mit „Music“ eine lose moderne Adaptation der Ödipus-Tragödie von der Schauspielerin und Regisseurin Angela Schamelec als letzter Wettbewerbsfilm in der Dortmunder Schauburg an den Start.



Die Geschichte führt über Griechenland nach Berlin, von den 1980-iger Jahren bis in die Gegenwart. Jon wächst nach seiner Geburt in Griechenland bei seinen Stiefeltern auf. Diese hatten ihn in einer stürmischen Nacht in den griechischen Bergen gefunden und adoptiert. Als Erwachsener lernt er die Iro kennen. Sie ist Aufseherin des Gefängnisses, in das er wegen eines tragischen Unfalls inhaftiert ist. Sie kümmert sich sehr um ihn und sie kommen nach der Haftzeit zusammen. Jon hatte unwissentlich seinen Vater getötet und sein Augenlicht beginnt langsam zu schwinden Die Musik als Ausdrucksmittel hilft ihm am Ende zu überleben. Jeder schmerzliche Verlust gibt ihm auch etwas zurück und macht sein Leben reicher. Der Film kreist um Geburt, Liebe, Schmerz und Heilung. Was kann aus Schmerz entstehen?

Szene aus "Music" (Foto: (C) IFFF)
Szene aus „Music“ (Foto: (C) IFFF)

Die mit großer Präzision und Intensität inszenierten Bilder werfen Fragen um Beziehungen, Räumen, Verlusten und Erfüllung im Leben auf.

Die Long Takes werden im Film oft bis an die Schmerzgrenze ausgereizt und macht ihn für mich etwas langatmig. Auch die ständigen Bildschnitte irritieren (gewollt?). Zusammenhänge sind für den Zuschauenden so schwerer zu erkennen.

Die Musik ist ein zweites bedeutendes Element des Films. Meist melancholische Barockmusik – von Bach, Monteverdi oder Pergolesi.

Der Darsteller des Jon überzeugt mit einer klaren starken Stimme.




IFFF Tag 5 – Mediterranean Fever

So ein wenig ähnelt der Plot von „Mediterranean Fever“ von Regisseurin Maha Haj an den französischen Film „Die Filzlaus“ von 1973 mit Jacques Brel und Lino Ventura. Ein depressiver Mensch mit Selbstmordabsichten sucht einen Auftragskiller und findet ihn beim kleinkriminellen Nachbarn.



In „Mediterranean Fever“ spielt der Nahostkonflikt eine bedeutende Rolle, beide Protagonisten sind offenbar Palästineser, die in Haifa (Israel) leben. Waleed ist Schriftsteller, der wegen seiner Depression an einer Schreibblockade leidet und sein Nachbar Jalal arbeitet überall auf dem Bau, hat aber auch kriminelle Geschäfte, die ihn einholen.

Ausschnitt aus dem Film "Mediterranean Fever" (Foto. (c) Pallas-Film)
Ausschnitt aus dem Film „Mediterranean Fever“ (Foto. (c) Pallas-Film)

)So entwickelt sich im Film eine Männerfreundschaft, die zunächst geprägt ist von beiderseitiger Abneigung, bis sie sich besser kennenlernen. Diese Nähe zu kriminellen Geschäften nutzt Waleed aus, um Jalal nach einem Auftragsmörder zu fragen.

Diese schwarze Komödie stellt zwei unterschiedliche Männer gegenüber. Den depressive, antriebslosen Waleed und den patenten Jalal. Aus dieser Kombination ergeben sich zwangsläufig humorvolle Situationen. Der Nahostkonflikt hängt wie eine Wolke über dem Film. Meist wird er in den Fernsehnachrichten thematisiert, er spielt auch eine Rolle in den Schulproblemen mit Waleeds Sohn.

Sehr gut gelungen sind die Bilder, die neben schönen Strandbildern auch einen kleinen Einblick in das arabische Leben im israelischen Haifa zeigen. Dazu kommen zwei gute Hauptdarsteller.




IFFF Tag 5 – The Realm of God

Am 22.04.2023 stand in der Dortmunder Schauburg „The Realm of God“, von der mexikanischen Regisseurin Claudia Sainte-Luce als Wettbewerbsbeitrag des IFFF Dortmund/Köln auf dem Programm.



Wenn in einem Film die Hauptfigur „Neimar“ heißt, ähnlich wie der brasilianische Fußballstar, der junge Schauspieler im wahren Leben den Vornamen Diego Armando trägt, wie die argentinische Fußballlegende, dann könnten die Zuschauer:innen einen veritablen Fußballfilm erwarten. Doch weit gefehlt. Dieses Coming-of-Age Drama um den achtjährigen Neimar ist von Erfahrungen in der eigenen Familie geprägt.

Der junge Neimar lebt mit Mutter und Großmutter in ärmlichen Verhältnissen in einer stark katholisch beeinflussten ländlichen Gegend in Mexiko.

Sein Vater ist abwesend, und der offene und neugierige Junge ist oft auf sich alleine gestellt.

Er ist ein guter und fleißiger Junge kurz vor seiner Kommunion, der die Existenz Gottes gerne in sich erfahren möchte.

Höflich und verständnisvoll ist er gegenüber seiner gläubigen Mutter, selbst wenn sie fade lauwarme Suppe kocht oder erklärt, nicht genug Geld für ein Outfit zur Kommunion zu haben.

Manchmal amüsiert sich Neimar über seine streitbare Großmutter und kann fantasievoll mit seiner besten Freundin Naomi spielen. Beide gehen auch am Sonntag zusammen in die Kirche.

Seine besondere Leidenschaft gilt den Rennpferden und dem Rennsport.

Er lernt viel über die Tiere und wird nebenbei von den Männern in die „Machowelt“ eingeführt. Schmerzhafte, unerwartete und lebensverändernde Ereignisse lassen ihn Existenz Gottes in Frage stellen.

Der Film lässt das Publikum das leben direkt mit den Augen des staunenden Kindes sehen. Eine behutsame fast dokumentarische Kameraführung bringt jede Emotion (Freude und Wut) des Jungen nah an die Zuschauenden heran.

Deren Bandbreite und Intensität wird durch das natürliche Spiel von Diego Armando Lara Lagunes als Neimar wunderbar auf den Bildschirm gebracht.




IFFF Tag 4 – Before, Now & Then

Der erste Wettbewerbsbeitrag am 4. Tag des IFFF Dortmund/Köln kam mit „Before, Now & Then“ von der indonesischen Regisseurin Kamila Andini.



Indonesien in den 1960er-Jahren ist er Ort der Handlung. Die Hauptperson im Film ist Nana, deren Mann im West-Java-Krieg verschleppt wurde.

Einblicke in die moderne Geschichte Indonesiens gibt "Before, Now & Then" von Kamila Andini. (Foto: (c) FourcoloursFilm)
Einblicke in die moderne Geschichte Indonesiens gibt „Before, Now & Then“ von Kamila Andini. (Foto: (c) FourcoloursFilm)

Zuflucht findet sie bei einem Sundanesen, den sie heiratet und mit ihm und vier Kindern in einem großfamiliären Kontext lebt. Sie kümmert sich neben dem Wohlergehen ihres Mannes und Kinder auch um die Gemüse-Plantage.

Das Trauma holt Nana jedoch ein. Doch eine unerwartete Frauenfreundschaft ist ihre Rettung und hilft auf emanzipatorischen Weg. Sie muss am Ende eine schwere Entscheidung treffen.

Dabei steht sie auch als Synonym für Indonesien.

Der Film ist durch opulente Bilder und passender Musikbegleitung geprägt. Nahaufnahmen, die jede Mimik und Geste auffangen, sowie starke Symbolik wurden als Stilmittel genutzt.

Es gibt einige Traum- und Albtraumsequenzen, aber auch Alltagsszenen, die das Klima von Angst und Enge, den herrschenden Traditionen, Angst vor Verfolgung eindrucksvoll visualisieren. Auch die schönen Momente, etwa beim Spielen mit den Kindern am Strand oder die tröstlichen Szenen mit der Freundin fehlen nicht.

Ein ruhiger aber eindringlicher Film mit um Emanzipation und Solidarität.




IFFF Tage 3 – La Maternal

In „La maternal“ (Mutterschaft) der spanischen Regisseurin Pilar Palomero geht es um die Folgen einer Schwangerschaft für die 14-jährige Carla. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie geht ein Kind damit um, selbst ein Kind zu bekommen und es aufzuziehen.



„La maternal“ ist ein Film bei dem ich zumindest einen familiären Bezug herstellen kann, denn meine Cousine bekam ihr erstes Kind ebenfalls mit 15 Jahren. Gerade in dem Alter, in dem Jugendliche die starren Regeln der Eltern in Frage stellen, sich ausprobieren und eigene Grenzen ausloten, ist für Carla diese Zeit sehr schnell vorbei.

Carla (Mitte) will trotz Schwangerschaft etwas Spaß haben. (Foto: (c) IniciaFilms BteamProds)
Carla (Mitte) will trotz Schwangerschaft etwas Spaß haben. (Foto: (c) IniciaFilms BteamProds)

Dabei macht es der Film nicht einfach, die Protagonistin Carla (gespielt von Carla Quílez) zu mögen. Zunächst schaut sie mit ihren Freund Efrain Pornos, dringt in fremde Wohnungen ein und verwüstet sie oder spielt mit anderen Jungs Fußball. Später kommt sie in ein Heim für werdende jugendliche Mütter und lernt langsam, sehr langsam, dass ihr früheres Leben vorbei ist und eines mit vielen Verpflichtungen beginnt. Palomero setzt den Fokus sehr stark auf diesen Lernprozess, der bei Carla aber sehr spät entsteht. Danach ist auch das Verhältnis mit ihrer Mutter deutlich besser.

Der Film überzeugt auch durch tolle Bilder eines Spaniens jenseits von Sonne und Strand. Eine staubige Hauptverkehrsstraße, an der unentwegt Laster vorbeirasen, ist die Kinderstube von Carla. Kein Traumort.

Sehr gut in Szene gesetzt ist auch das Zentrum für jugendliche Mütter. Ein Hoffnungsort, denn hier lernt Carla neue Freundinnen, die ihr zeigen, was auf sie zukommt und es gibt auch eine Solidarität unter den jungen Müttern. Glücklicherweise sinkt die Zahl minderjähriger Mütter in den vergangenen Jahren. Waren es 2016 in Deutschland noch 5.377 Schwangerschaften, fiel diese Zahl 2021 auf 4.097. Dennoch ist die Zahl minderjähriger Mütte5r beispielsweise in Spanien deutlich niedriger, selbst wenn man die Einwohnerzahlen in Relation setzt. Es bleibt noch viel zu tun, um die emotionalen Belastungen und die gesellschaftlichen Stigmatisierungen jugendlicher Mütter zu minimieren.




IFFF Tag 3 – Mother and Son (Un petit frère)

Als nächster Wettbewerbsfilm beim IFFF Dortmund/Köln 2023 stand „Mother and Son“ der jungen französischen Regisseurin Léonor Serraille auf dem Programm.



Teilweise inspiriert von den Erfahrungen ihres Partners anlässlich seines Umzugs aus Afrika, erzählt sie die Geschichte von Rose und ihren beiden Söhnen Jean und Ernest. Die drei Personen migrieren 1989 von der Elfenbeinküste nach Frankreich (Paris).

Szenenbild aus dem Film "Mother and Son". (Foto:  (c) IFFF)
Szenenbild aus dem Film „Mother and Son“. (Foto: (c) IFFF)

Die Erlebnisse der Familie werden über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten und in ihren Entwicklungsprozessen sensibel dargestellt.

Darüber hinaus noch zusätzlich aus verschiedenen Perspektiven von Mutter und Söhnen.

Zu Beginn steht die Blickwinkel von Rose, wunderbar dargestellt von Annabelle Lengronne, im Mittelpunkt. Sie ist mit den noch sehr jungen Söhnen in Paris angekommen und lebt in beengten Verhältnissen bei ihrer Schwester.

Rose putzt im Hotel und versucht, ihren Söhnen eine gute Mutter zu sein. Gleichzeitig versucht sie, sich Freiräume zu schaffen. Ablenkung findet sie in romantischen Begegnungen mit Männern.

Ihren Kindern vermittelt Rose, wie wichtig es ist, für eine bessere Zukunft hart zu arbeiten und zu kämpfen. Gebildete und gute Männer soll aus ihnen werden. Sie findet einen Partner und zieht mit den Kindern zu ihm nach Rouen.

Der Film ist bildgewaltig und es geht neben ihrer Mutterrolle auch um (afrikanische) Identität.

Zehn Jahre später steht Jean im Blickfeld. Er ist mit seinem jüngeren Bruder ziemlich auf sich alleine gestellt und hat Schwierigkeiten, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Seine Mutter arbeitet in Paris und kommt nur am Wochenende nachhause. Sie heiratet einen neuen Mann, den er ablehnt und immer mehr in schlechte Kreise und Drogen abzudriften droht. Letztendlich geht sein Weg zurück zur nach Afrika.

Weitere zehn Jahre später ist der sensible Ernst Philosophieprofessor geworden. Er hat das erreicht, was seine Mutter sich für ihn erträumt hat. Er lebt jedoch allein und entfremdet von ihr und auch sein Bruder ist aus seinem Leben verschwunden.

Starke Schauspieler*innen und ein bewegendes Familienporträt, Leben in der Fremde sowie der Auswirkung einzelner Entscheidungen auf alle anderen.