Es lebe die Liebe!
Die Entführung aus dem Serail nach Mozart
Es ist voll im Opernhaus, es ist laut im Opernhaus. Rund achthundert Kinder und Jugendliche suchen ihre Plätze. Auf der bereits offenen Bühne sitzt jemand und liest. Auf einem Bett.
Als sich im Publikum alles sortiert hat, kommen die Musikerinnen und Musiker. Sie finden ihren Platz im Hintergrund, und nach der lautstarken Begrüßung durch das junge Publikum fällt zwischen ihnen und der Vorderbühne ein halbtransparenter Vorhang. Das Spiel kann beginnen.
Der lesende Junge auf dem Bett erwacht zum Leben durch die Puppenspielerin, die auch seine Mutter darstellt. Eine Gute-Nacht-Geschichte? Eine von Piraten und Tränen und Liebe. Eine Entführungsgeschichte, eine Befreiungsgeschichte. Viel steckt drin in diesem Singspiel nach Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1782 und dem Libretto (dem Text) von Johann Gottlieb Stephanie, bearbeitet von Paulus Hochgatterer und Nikolaus Habjan (auch Regie).

Die alte Oper neu verpackt auf der Dortmunder Bühne. Das funktioniert mit dem Erzählerduo und dieser kleinen Rahmenhandlung sehr gut und kindgerecht. Neben der lebensgroßen Jungenfigur sind weitere kleinere, liebevoll gestaltete Puppenakteure auf der Drehbühne rund um das Bett verteilt und werden teilweise auch von den ganz in schwarz gekleideten Sängerinnen und Sängern gespielt. Eine weitere Dekoration gibt es nicht, aber auf der Gaze, dem Vorhang im Hintergrund, laufen gleichzeitig Filmeinspielungen mit diesen Puppen. Über allem werden noch die Texte eingeblendet, sodass alle gut folgen können.
Manchmal ist es aber doch schon ziemlich viel, was da auf allen vier Ebenen abläuft: Die Sängerinnen und Sänger links und rechts, in der Mitte die Puppenspielerin Kristine Stahl und ihre Puppen, die bewegten Bilder auf der Gaze und der mitlaufende Text. Wo soll man nun hinschauen? Und wer ist gerade dran?
Dem Publikum gefällt es aber insgesamt sehr gut. Es gibt immer wieder Szenen- und Zwischenapplaus, und die Sangeskunst erreicht die jungen Menschen. Allzu oft waren sie sicherlich nicht in der Oper, denn die häufige Wiederholung der Textpassagen in Arien ist ihnen nicht vertraut. Sie klatschen so schon mal dazwischen. Das macht aber nichts. Darauf muss man sich als Ensemble einstellen und es bringt auf der Bühne auch niemanden aus dem Konzept.
Der Erzählerkniff erlaubt es, die Oper auf ungefähr eineinviertel Stunden zu begrenzen. Die manchmal blutrünstigen Texte geben vielleicht noch etwas zu denken, aber insgesamt eine runde, spannende Piratengeschichte für junge Leute mit einer guten Portion Liebe angereichert und vor allem mit Herzblut dargeboten von einem gut aufgelegten Orchester, hervorragenden Sangesstimmen und einer sympathischen Rahmenhandlung mit Puppenspielerin.
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