Inszenierter Selbstmord vor der Kamera

Mit „Sechs Gramm Caratillo“ schrieb Horst Bienek ein Hörspiel, das sich um einen Medizinstudenten dreht, der in einem Selbstversuch ein tödliches Gift nimmt und den Versuch mit einem Tonband aufnimmt. Gesprochen wurde es 1960 von Klaus Kinski. Bienek erhielt 1981 den Dortmunder Nelly-Sachs-Preis.
Das Theater glassbooth bringt das Stück ins 21. Jahrhundert. Hier ist es eine Schauspielerin/Künstlerin, die sich in einer Performance das Gift injiziert und ihr Sterben auf einer Kamera dokumentiert. Gespielt wird dies von Nora Bauckhorn, Regie führt Jens Dornheim und Videoeinspielungen wurden von Sascha Bisley erstellt. Die Premiere ist am 07. Mai 2015 im Sissikingkong. Ars tremonia sprach mit den drei Verantwortlichen.

[Update: Mittlerweile gibt es den Premierenbericht.]

 

Ars tremonia: In dem Stück „Sechs Gramm Caratillo“ geht es im Original um einen Selbstversuch eines Medizinstudenten. Gibt es in ihrer Inszenierung Veränderungen?

Nora Bauckhorn: Der Text ist umgearbeitet worden, er ist etwas moderner. Es geht in unserem Fall nicht um ein medizinisches Experiment, sondern eher um ein künstlerisches.

Ars tremonia: Herr Dornheim, wie sind sie auf die Idee gekommen, dieses Stück zu inszenieren, das ja ursprünglich aus dem Jahre 1960 stammt?

Jens Dornheim: Die Idee stammt von Nora, sie hatte das Stück in ihrer Schublade und es bereits für eine Frau umgeschrieben. Nora hatte mich gefragt, ob ich das Stück mit ihr machen möchte. Dann habe ich mir als erstes das Original von Kinski angehört, danach Noras Text gelesen und das hat mich sofort überzeugt, es machen zu wollen.

Ich werde mit glassbooth dieses Jahr zwei Premieren machen, eine mit kleinerer Besetzung und die andere mit mehr Schauspielern. Das hier ist bewusst für kleinere Locations konzipiert worden. Wir hätten es auch im Theater im Depot spielen können, aber ich finde, das Stück passt da nicht so gut rein. Ich finde, es braucht einen intimen Charakter mit wenig Zuschauer, die sehr nah dran sind.

Wir brauchen relativ wenig Platz auf der Bühne, aber die Möglichkeit auf einem Hintergrund etwas zu projizieren.

Ars tremonia: Frau Bauckhorn, was hat Sie an diesem Stück fasziniert?

Nora Bauckhorn: Ich glaube, zunächst einmal Kinski. Als Die-Hard-Fan finde ich es ein sehr auffälliges Werk, weil es so untypisch ist für ihn. Kinski spricht das sehr zurückgenommen, sehr ruhig eigentlich. Ich fand das Stück schon immer sehr spannend und faszinierend. Ich finde die Idee des Selbstmordes, was es im Prinzip ja ist, unter diesem Vorwand eines Experimentes interessant. Auch ein Thema was mich fasziniert, die Frage eben, wie echt muss Schauspiel, Film oder Kunst überhaupt sein? Wie echt darf es sein? Was will man sehen? Das ist zwar kein neues Thema, aber ich finde es halt interessant. Die Vorstellung, irgendjemand dabei zu zugucken, wie er sich gerade umbringt, ist natürlich extrem abstoßend, aber es hat natürlich einen sehr finsteren Reiz.

Ars tremonia: Es soll ja diese „Snuff“-Filme geben.

Nora Bauckhorn: Das wäre das auf die Spitze getrieben. Wobei ich das persönlich weder besonders interessant finde. Aber es scheint irgendetwas zu geben, was Leute daran fasziniert und sei es nur die Idee, dass es solche Filme geben soll. Allein das macht schon etwas mit Leuten. Ich finde es spannend zu fragen: Was will das Publikum? Was glaubt es zu wollen und will es das dann wirklich noch?

Ars tremonia: Gibt es Unterschiede zwischen der wissenschaftlichen Original-Hauptfigur und der neuen künstlerischen Figur?

Nora Bauckhorn: Ich glaube, da gibt es nicht so viele Unterschiede im Sinne der Intention. Ich versuche bestimmt nicht, auf der Bühne Herrn Kinski zu imitieren. Es ist deutlich anders gespielt, es ist eine Frau.

Jens Dornheim: Wir haben den Charakter schon deutlich verändert. Die Persönlichkeit der Künstlerin ist eine andere, ich wollte auch einen gewissen Abstand zum Original haben. Wobei der Herr Kinski bei uns auch eine Rolle spielen wird.

Nora Bauckheim: Im Original ist es ein Medizinstudent, in unserer Fassung ist es eine Schauspielschülerin oder eine kunstaffine Person.

Jens Dornheim: Bei uns ist es kein Experiment, sondern eine Performance.

Nora Brauckheim: Sie produziert sich auch anders als Kinskis Medizinstudent.

Sascha Bisley: Sie ist auch triebhafter, mit weniger Kalkül und emotionaler.

Ars tremonia: Es gibt nicht nur den Monolog auf der Bühne, sondern auch audiovisuelles. Was gibt es zu sehen und zu hören?

Sascha Bisley: Ich bin angesprochen worden, ob ich mir vorstellen könnte, das filmisch umzusetzen und wir haben überlegt, welchen Look wir nehmen. Machen wir das aufdringlich, schnell und laut wie heutige Installationen im Theater sind? Wir haben uns sehr schnell darauf geeinigt, etwas auszusuchen, was abgespeckt ist, sich auch ein bisschen in der Präsenz auf der Leinwand zurücknimmt und dafür mehr Raum für die Schauspieler lässt. Daher haben wir mit Schwarz-Weiß einen sehr klaren Look gewählt und die Bilder traummäßig angelegt. Das ist sehr surreal. Wir versuchen das Ganze mehr unterstützend statt aufdringlich zu untermalen. Installation wirken auch oft ablenkend und das haben wir vermieden. Die Herausforderung ist, die Lücken, die dieser Film hinterlassen muss, durch das Schauspielerische zu füllen. Der Film ist dazu da, um die Story zu etablieren, aber das Hauptaugenmerk dennoch auf der Schauspielerin zu lassen, die auf der Bühne und in den Installationen zu sehen ist. Das Filmische soll nur Beiwerk sein.

Ars tremonia: Wie lange wird das Stück ungefähr?

Jens Dornheim: Eine Stunde. Das Hörspiel ist 30 Minuten und da es bei uns etwas zusätzlich gibt und es auf der Bühne immer anders ist als im Studio, dauert es eine Stunde.

Weitere Termine: Donnerstag, 14.05.2015 im Wohnzimmer GE, Gelsenkirchen und am 17.05. 2015 im Theater Rottstr 5 in Bochum.




Traumatisiert im Flüchtlingselend

Überall in den Nachrichten sehen, hören oder lesen wir über Flüchtlinge. Was treibt diese Menschen, speziell Kriegsflüchtlinge, ihre Heimat zu verlassen und irgendwo anders ein neues Leben aufzubauen? Davon erzählt das Stück „Krieg“ von norwegischen Autor Lars Norén, das am 12. April 2015 in der türkischen Fassung „Savaş“ des Theaters Pürtelaş Tiyatro im Rahmen der Reihe „Szene Istanbul“ im Studio unter der Regie von Serdar Biliş aufgeführt wurde.

Die Geschichte um einen blinden Kriegsheimkehrer, der nach zwei Jahren zu seiner Familie zurückkehrt, aber feststellen muss, dass alles anders geworden ist, wurde von den Schauspielern berührend gespielt.

Sermet Yeşil spielt einen Vater, der einfach nur möchte, dass alles so bleibt wie zu dem Zeitpunkt, als er gegangen ist. Doch das ist nicht möglich. Das Erschrecken bei allen anderen Familienmitgliedern, als „das Gespenst“ wieder auftaucht ist deutlich zu sehen. Mit seiner Blindheit ist er in ihrem Elend ein weiterer Klotz am Bein. In Zeiten von bitterer Not ist von Solidarität nichts zu spüren. So wird das Verlangen des Vaters nach der Normalität vor dem Krieg letztendlich zu seinem Menetekel. Er wird allein gelassen.

Die Mutter (Tilbe Saran) ist in dem Stück eine Frau, die hin- und hergerissen wird. Sie schwankt zwischen der Solidarität zu ihrem Mann und der neuen Liebe zu seinem Bruder Ivan (Onur Gürçay), für den sie sich letztendlich entscheidet. Saran präsentiert eine Mutter, die versucht, ein klein wenig Ordnung im Chaos zu schaffen, was ihr ihre Töchter aber schwer machen.

Die ältere Tochter, gespielt von Damla Sönmez, ist in die Prostitution abgerutscht und versucht dadurch ein wenig Geld zu sparen, um nach Italien oder Deutschland zu flüchten. Ein ähnliches Schicksal droht kurz oder lang der jüngeren Tochter (Ecem Uzun).

Das Stück schont niemanden. Auch wenn Gewalt (fast) nicht gezeigt wird, es wird viel über sie gesprochen. Die Vergewaltigung der Mutter, die Misshandlung des Vaters im Lager, das Essen des Hundes, die täglichen Demütigungen und Narben haben bei allen Charakteren Spuren hinterlassen.




Houellebecq als Live-Animationsfilm

Isabelle und Daniel auf der großen Leinwand. Bettina Lieder, Andreas Beck, Frank Genser und Merle Wasmuth drum herum. (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Isabelle und Daniel auf der großen Leinwand. Bettina Lieder, Andreas Beck, Frank Genser und Merle Wasmuth drum herum. (Foto: ©Birgit Hupfeld)

Dortmund überrascht. Dich. So lautet das neue Motto der Stadt. Was die Stadt kann, kann das Schauspielhaus schon lange. Allein in dieser Spielzeit gab es eine Punk-Operette, eine herrliche Umsetzung des Hollywoodfilms „Minority Report“, Nosferatu in Stummfilm-Optik und -mimik sowie ein „Moby Dick“ mit Puppen und Menschen. Die Premiere von „Die Möglichkeit einer Insel“ setzte noch mal einen drauf. Es wurde von den vier Schauspielern live ein Animationsfilm erstellt. Ein Premierenbericht vom 28. März 2015.

Als ratternd die starre Bühnenwand hoch gezogen wurde, hatte man zunächst das Gefühl auf einem Konzert der Gruppe Kraftwerk gelandet zu sein. Vier gleich gekleidete Menschen standen vor vier Tischen. Doch auf dem Tischen waren keine Synthesizer, sondern hier wurden die einzelnen Platten für den Animationsfilm aufgelegt. Doch auf der Bühne tat sich noch mehr. Es gab Kameraroboter, die Bilder für den Hintergrund lieferten, auch die Hintergrundbilder waren zu sehen.

Regisseur Nils Voges vom Künstlerkollektiv „sputnic“ erzählt den Roman vom Houellebecq mit Rückblenden und springt zwischen 2005 und 4005. In 4005 bilden die sogenannten Neo-Menschen eine neue hoch gezüchtete Form des Menschen. Sie werden geklont und bekommen das Bewusstsein ihres Vorgängers eingepflanzt. Im Stück erleben wir den Übergang von Daniel24 zu Daniel25. Im Laufe dieser Entwicklung wurden Lachen, Weinen und andere Emotionen herausgemendelt. Die Nachfolger müssen sich aber mit dem Leben ihres Urahns beschäftigen. Diese Aufzeichnungen sind als Rückblenden im Stück zu sehen. Daniel24/25 erfährt von einer Gruppe von Abtrünnigen, die auf Lanzarote leben soll und macht sich auf den Weg.

Vielleicht klingt die nüchterne Beschreibung ein wenig abstrakt, doch was die Schauspieler Andreas Beck, Frank Genser, Bettina Lieder und Merle Wasmuth zusammen mit der Technik auf die Bühne gebracht haben, war große Klasse. Denn sie mussten die jeweiligen Platten zum exakten Zeitpunkt auflegen und dabei den Animationsfilm vertonen. Wobei Animationsfilm nicht im Sinne von Disney oder den anderen Animationsfilmen zu verstehen ist, die Grafik erinnerte eher ein wenig an „Sin City“. Sie war dunkel, düster und reduziert.

In „Die Möglichkeit einer Insel“ geht es um die Suche nach dem Glück. Sind sie Menschen in der Zukunft glücklicher, nachdem sie versucht haben, die Emotionen durch Klonen auszumerzen? Dieses Vorgehen ähnelt ein wenig dem Buddhismus, bei dem Menschen durch Wiedergeburt versuchen, das nach ihrer Meinung leidhafte Dasein zu überwinden. Aber anstelle des spirituellen Weges wird mit dem Klonen ein wissenschaftlicher weg eingeschlagen.

Doch das Thema in der Jetzt-zeit ist das Altern, bzw. die Angst vor dem Altern. Houellebecq beschreibt den Urahn Daniel als egozentrisches, zynisches Arschloch. Die Liebe zur Chefredakteurin Isabelle gibt ihm Halt. Doch Isabelle kann sich mit ihrem Altern nicht abfinden und verlässt Daniel, nachdem ihre Ehe zu einer Einsamkeit zu zweit verkommen ist. Daniels Beziehung mit der über 20 Jahre jüngeren Schauspielerin Esther ging unromantisch per SMS in die Brüche.

Den ideologischen Überbau bei Houellebecq übernehmen die Elohimiten. Die Elohimiten haben tatsächlich eine Entsprechung in der realen Welt. Die Raëlianer vertreten eine Weltanschauung, die Wissenschaft mit biblischen Geschichten mischt. Nach ihrer Meinung sind die Götter Außerirdische. Zudem propagieren sie das Klonen. Zusammen mit dem Meditieren wollen sie dann ein höheres Bewusstsein erlangen.

Es ist unglaublich, was die drei Schauspieler mit ihren Folien zaubern (Andreas Beck steht am Soundpult), man starrt gebannt auf die große Leinwand und sieht in Echtzeit einen Animationsfilm entstehen. Zusammen mit der modernen Technik entsteht im Theater etwas überaus Faszinierendes. Puristen möglichen vielleicht einwenden: Im Theater wollen wir Schauspieler agieren sehen. Doch Nils Voges hat dieses Werk von Houellebecq in einer besonderen Weise umgesetzt.

Allen Beteiligten auf und hinter der Bühne und natürlich den Zeichnern der unzähligen Folien gehört ein großes Lob für ein überraschenden, berührenden und faszinierenden Theaterabend.

Weitere Termine: Sa, 04. April 2015, Do, 16. April 2015, So, 10. Mai 2015, Mi, 20. Mai 2015, Sa, 30. Mai 2015, Fr, 05. Juni 2015 und Fr, 19. Juni 2015.

[fruitful_dbox] Das schreiben die anderen:

WAZ

Westdeutsche Zeitung

WA

Literaturundfeuilleton[/fruitful_dbox]




Walfang mit politischer Dimension

Welche Mechanismen müssen greifen, damit Menschen für den Anführer oder seine Ideen bereits sind, alles zu tun? Zu sehen sind: Sebastian Graf, Johannes Hubert und Franziska Dittrich. (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Welche Mechanismen müssen greifen, damit Menschen für den Anführer oder seine Ideen bereits sind, alles zu tun? Zu sehen sind: Sebastian Graf, Johannes Hubert und Franziska Dittrich. (Foto: ©Birgit Hupfeld)

Wie wird jemand zu einem Terroristen? Welche Mechanismen gehören dazu? Fragen, die zu Zeiten von IS, NSU und anderen Gruppen eine besondere Aktualität bekommen. In „Moby Dick vs. A.H.A.B – All Heroes Are Bastards“ in der Regie von Roscha A. Säidow gingen Puppen und Menschen gemeinsam auf einen Rachefeldzug. Ein Premierenbericht aus dem Studio des Schauspielhauses vom 27. März 2015.

Ein Mann – im Roman Ismael genannt – bricht alle Brücken hinter sich ab und schließt sich einer Gruppe von Menschen an, die nur ein bestimmtes Ziel hat: „Tod dem Wal – tötet Moby Dick“. Erst eine Katastrophe, die alle seine Kameraden tötet, bringt ihn zur Vernunft. Ja, „Moby Dick“ ist mehr als ein Abenteuerroman mit Walfangambiente.

Regisseurin Säidow ist Mitglied in der Gruppe „Retrofuturisten“, die ein freies Theater- und Puppenspielkollektiv aus Berlin sind. Sie kombinieren in ihren Arbeiten Puppen- und Schauspieltheater, was auch in der Inszenierung von „Moby Dick“ zum Tragen kam. Der erste Teil des Stückes bestand aus einem Puppentheater, das die bekannte Geschichte der Hauptfigur Ismael, Kapitän Ahab und Moby Dick erzählte. Dabei wurden Figuren auch ironisch umgesetzt, so war die „Puppe“ von Ahab ein Tischbein, denn bekanntermaßen hatte Ahab beim Kampf mit Moby Dick sein Bein verloren.

Konnte das Publikum beim ersten Teil vor allem wegen der gut gemachten Puppen noch häufig lachen, wurde es zu Beginn des zweiten Teils ernster. Denn hier ging es um die Motivation von Ismael. Hier agierten die fünf Schauspieler auch vor dem Publikum.
Ismael bricht alle seine Brücken ab. „Ich will mein Leben zurück“, sagte er. „Ich will einen Ausstieg aus der Comfort Zone.“ Hier wird die persönliche Unzufriedenheit, die Leere zu einem Grund, sich auf das Schiff von Ahab zu flüchten. Aus einem Ich wird ein Wir. „Wir sind AHAB“, skandiert die Gruppe, die in Schwarz uniformiert auf der Bühne steht. Und das Wir lässt sich vom Anführer manipulieren. Schon bei Melville war Moby Dick ein Symbol für eine dämonische Naturkraft, in der Inszenierung benutzt Säidow die Analogie zu „Leviathan“. Das biblische Monster wird in Thomas Hobbes gleichnamigen Werk zu einem Symbol für den absolutistischen Staat, den es zu bekämpfen gilt. Doch der Hass auf den weißen Wal lässt sich nicht nur auf eine Staatsform oder auf den Staat transformieren, es geht im Prinzip nur darum einen gemeinsamen Feind zu haben. Ob Staat, Ungläubige, Fremde, ist egal. Es müsse alles getan werden, „um die Welt vom Weiß zu befreien“, so Ahab in dem Stück. Und „alles“ bedeutet wirklich „alles“. „Heute Nacht wurde gemordet“, erzählt Ismael und konstatiert „noch nie ist das Schiff so rein, wie nach einem Blutbad“.

Doch welche Motive hat der Anführer Ahab? Diese Frage wurde in einer witzigen Form vom „literarischen Quartett“ versucht zu beantworten. Drei Schauspieler mit Riesenköpfen von Marcel Reich-Ranicki, Sigrid Löffler und Hellmuth Karasek standen auf der Bühne und versuchten mit dem Anführer zu diskutieren. Kommt der Hass von Ahab daher, weil er nur ein Spielball der „Walfangmafia“ ist oder hat er seinen persönlichen Hass durch den Verlust seines Beines zu einem politischen Hass gemacht?

Gibt es einen Weg zurück? Am Ende bleibt Hoffnung: „Ich bin nicht Ismael“, so die vier Gruppenmitglieder am Ende des Stückes.

Der Erfolg des Stückes lag auch an der exzellenten Zusammenarbeit von Retrofuturisten um Franziska Dittrich, Johannes Hubert und Magdalena Roth sowie den beiden Schauspielern Sebastian Graf und Uwe Schmieder vom Dortmunder Ensemble.
„Moby Dick vs. A.H.A.B.“ lässt kaum einen Zuschauer kalt. Endgültige Antworten über das Warum und Wieso jemand zum Terroristen wird, gibt das Theaterstück nicht, es lädt aber zum Diskutieren ein. Absolute Empfehlung!

Weitere Termine und Karten unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27222.




Ein klein wenig Urlaubsfeeling

Woran denken Sie, wenn Sie an Urlaub denken? An Sonne, Meer, Berge, gutes Essen, Erholung? Sicher nicht an ein Krankenhaus. Schauspieler und Autor Rolf Dennemann hat diese Analogie zu seinem Programm „Unterwegs mit meinem Körper“ gemacht. Am Mittwoch, den 25. März 2015 hatte die szenische Lesung Premiere im Theater im Depot.

Rolf Dennemann kam nicht alleine, er hatte die Schauspielerin Elisabeth Pleß mitgebracht, die ihn nicht nur literarisch, sondern auch musikalisch unterstützte.

Doch zu Beginn stand eine gefilmte Autofahrt im Vordergrund, die über die Leinwand flimmerte. Die letzten Bilder eines eigenständigen Menschen, bevor er sich in die Hände einer Anstalt übergab? Die Erfahrungen, die Dennemann in den Krankenhäusern machte und literarisch verarbeitete, lassen sich in zwei Bereiche unterteilen: Die Organisation in Krankenhäusern und das Essen. Während Dennemann vom Mittagessen in manchen Häusern durchaus angetan war, war für ihn das Frühstück und das Abendbrot eine Reise in die Vergangenheit, als sein Vater noch im Krankenhaus war. „Das nenne ich Tradition“, so Dennemann in seiner süffisanten-ironischen Art.

Auch den Tagesablauf im Krankenhaus nimmt Dennemann auf Korn. Das frühe Aufstehen, die leicht chaotische Organisation. „Eine Schwester fragte mich nach der OP, ob ich eine Patientenverfügung hätte“, erzählte Dennemann. Vor allem das Warten im Krankenzimmer auf der Bettkante auf die Dinge, die vielleicht kommen würden (oder nicht) nahm er auf Korn. Nicht nur literarisch, sondern auch musikalisch und visuell. Zu der Musik von „Waiting for the sun“ von den „Doors“ gab es eine Diashow von Menschen, die auf Bettkanten saßen (oder lagen).

Nach der Pause wurden die Tische zusammengerückt, ein Strandbild auf den Beamer geworfen, eine Art Pepita-Hut aufgesetzt und weiter ging es in Dennemanns Tour durch die Krankenhäuser. Dem Betrieb der Krankenanstalten setzt Dennemann die ambulante Medizin in Form von niedergelassenen Ärzten, Apothekern und Optikern entgegen. Inwieweit der Autor das ernst meint oder Ironie hineinmischt, bleibt jedem selber überlassen.

„Unterwegs mit meinem Körper“ ist sicherlich nichts für Liegend kranke oder Menschen, die sich nicht mehr selber helfen können. Ansonsten wird jeder, der zumindest für ein paar Tage im Krankenhaus war, die Geschichten wiedererkennen. Sei es der Kampf um die Fernbedienung im Krankenzimmer oder die verwinkelten Gänge und Flure zu den jeweiligen Abteilungen, gegen die das Labyrinth des Minotaurus wie ein simpler Kreisverkehr anmutet.

Ob sich bei den Zuhörern jetzt trotz Koffer, Rezeption, Zimmerservice und „all-inklusive“ ein Urlaubsgefühl einstellt, wenn sie an Krankenhäuser denken, ist wohl nicht anzunehmen. Dennoch war es ein gelungener Abend aus dem Innenleben verschiedenen Krankenanstalten.




Live Zeichentrickfilm im Schauspielhaus

Bettina Lieder, Andreas Beck, Frank Genser und Merle Wasmuth erstellen live einen Animations-Film. (©Birgit Hupfeld)
Bettina Lieder, Andreas Beck, Frank Genser und Merle Wasmuth erstellen live einen Animations-Film. (©Birgit Hupfeld)

Am Samstag, den 28. März zeigt das Schauspielhaus Dortmund „Die Möglichkeit einer Insel“, eine live-animierte Dystopie von Michel Houellebecq. Nach einem Live-Film bei „Das Fest“ wird nun ein Zeichentrickfilm live erstellt. Die Regie hat Nils Voges.

Im Buch von Michel Houellebecq ist der Protagonist Daniel25 auf der Suche nach dem Glück. In seiner Zeit, im 5. Jahrtausend, haben sich die Menschen zu sogenannten „Neo-Menschen“ weiterentwickelt. Sie sind Klone ihrer Vorgänger, aber zu dem Preis, dass sie weder Liebe noch Hass kennen. Daniel25 arbeitet sich durch die Aufzeichnungen seines Urahns Daniel. Ist dort das Geheimnis des Glücks zu finden?

Premiere im Schauspielhaus der besonderen Art: Zum ersten Mal werden zwei bildende Künstler eine tragende Rolle haben. Denn Julia Zejn und Julia Praschma haben die Folien gestaltet, auf der die Zeichentrickfiguren animiert werden. Dazu Regisseur Nils Voges: „Es gibt drei Tische auf denen etwas passiert, die Schauspieler entscheiden mittels eines Buzzers, ob ‚ihr‘ Tisch auf der großen Leinwand gezeigt wird.“ Es wird quasi live geschnitten. Dazu gibt es ein Soundtisch sowie zwei Kameraroboter.

Um eine grobe Vorstellung zu haben: Es ist ein klein wenig ähnlich wie ein Schattenspiel, nur dass die Figuren horizontal bewegt werden und es keine Silhouetten sind.

Das künstliche Klonen (das natürliche Klonen gibt es schon vermutlich seit Urzeiten, z.B. eineiige Zwillige) hat in der Science-Fiction-Literatur Tradition. Schon in Aldous Huxleys Roman „Schöne Neue Welt“ kommt das Thema vor. Die von Houellebecq im Roman beschriebene Sekte der „Elohimiten“ ist in ihren Glaubensvorstellungen angelehnt an die Sekte der Raëlianer. Die Raëlianer sind eine sogenannte neue Religionsgemeinschaft, die davon ausgeht, dass Außerirdische für die Schöpfungsgeschichte verantwortlich waren. Zudem glauben sie an eine Art Unsterblichkeit durch Klonen. Die Sekte ist in den Medien dadurch bekannt geworden, dass sie Jesus oder Adolf Hitler klonen wollten.

Neben der Premiere am 28. März 2015, gibt es weitere Termine am 04. und 16. April sowie am 10. und 20.Mai und am 05. und 19. Juni.




Moby Dick – mehr als ein Abenteuerroman

Das literarische Quartett? Hinter den Köpfen verbergen sich: Franziska Dittrich, Magdalena Roth, Uwe Schmieder und Johannes Hubert. (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Das literarische Quartett? Hinter den Köpfen verbergen sich: Franziska Dittrich, Magdalena Roth, Uwe Schmieder und Johannes Hubert. (Foto: ©Birgit Hupfeld)

Herman Melvilles Roman „Moby Dick“ aus dem Jahre 1851 ist sicher einer der bekanntesten Romane der Weltliteratur. Die Jagd von Kapitän Ahab auf den weißen Wal „Moby Dick“ ist nicht nur eine Abenteuergeschichte oder gar ein Kinderbuch, an dem Buch lässt sich auch sehr gut darstellen, wie Gruppendynamik funktioniert und wohin solch eine Dynamik führen kann. Das zeigt Regisseurin Roscha A. Säidow mit ihrer Gruppe Retrofuturisten sowie zwei Schauspielern des Dortmunder Ensembles am 27. März um 20 Uhr im Studio des Schauspielhauses.

Eigentlich ist „Moby Dick“ schnell erzählt: Die Hauptfigur („Nennt mich Ismael“) heuert eher aus Langeweile auf dem Schiff von Kapitän Ahab an. Walfang ist das Ziel. Doch schnell merkt Ismael, dass es Ahab gar nicht um irgendwelche Wale geht, sondern nur um ein spezielles Exemplar, den weißen Wal Moby Dick. Durch Moby Dick hatte Ahab ein Bein verloren. Letztendlich geht die Jagd schief und Ismael überlebt als einzige Person den Untergang des Schiffes.

Das Theaterstück hat gleich zwei Besonderheiten. Zu den beiden Schauspielern werden sich auch Puppen gesellen, die hauptsächlich von drei Akteuren der Retrofuturisten, aber auch von Uwe Schmieder und Sebastian Graf gelenkt werden. Dazu gibt es auch Szenen mit Riesenköpfen.

Dann gibt es im Stück einen zweiten Teil. „Hier haben wir uns gefragt, wie funktioniert Gruppendynamik oder Rache“, erzählt Dramaturg Dirk Baumann. „Wie weit sind wir bereit, radikale Dinge zu tun?“ Wichtig dazu gehört ein Feindbild und ein Anführer. Im Roman ist der Anführer Ahab und das Feindbild Moby Dick. Moby Dick wird so stark erhöht, dass er zu einem Dämon wird. In anderen Zusammenhängen könnte Moby Dick durchaus als Symbol für den „Staat“, die „Ungläubigen“ oder die „Untermenschen“ stehen, den man mit allen Mitteln bekämpfen muss.

Der Jazzmusiker Bernhard Range hat extra für dieses Stück die Musik komponiert. Dazu werden Overhead-Projektoren Räume an die Wand werfen.

Die Premiere am 27. März ist bereits ausverkauft, die zweite so gut wie, aber für die dritte Vorstellung am 16. April und für die Termine im Mai gibt es noch Karten. Infos unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27 222.




Kein Programm für Liegendkranke

Im Jahr 2014 war der Autor, Rolf Dennemann, in sechs verschiedenen Krankenhäusern zu Gast – als Patient und als Beobachter. Es zeigte sich das ganze Dilemma des „Systems Krankenhaus“. Er schildert zusammen mit seinem Gast Elisabeth Pleß ebenso tragische wie komische Momente und nennt dies Krankenhausreport. Die Premiere von „UNTERWEGS MIT MEINEM KÖRPER – DER KRANKENHAUSREPORT“ ist am 25. März 2015 im Theater im Depot. Ars tremonia sprach mit Rolf Dennemann.

Ars tremonia: „Unterwegs mit meinem Körper“ klingt ja ein wenig distanziert, als wenn der Körper getrennt vom Ich ist.

Dennemann: Es war für mich noch nie ein Problem, über mich in der dritten Person zu sprechen. Dann gibt es die Weisheit, dass man nur über etwas mit einem gewissen Abstand schreiben soll. Liebesgedichte ihm Wahn der Liebe zu schreiben, das ist ganz schlecht. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen.

Ars tremonia: Sie haben im Laufe der Zeit verschiedene Krankenhäuser besucht. Waren Sie als Patient oder Besucher dort?

Dennemann: Man kann es ruhig sagen, der Hauptgrund war Rheuma,. Genauer gesagt, um Herauszufinden, was es für eine Art Rheuma ist. Da war ich in dieser Zeit innerhalb von einem halben Jahr aus unterschiedlichen Gründen in sechs verschiedenen Kliniken. Schon beim ersten Besuch habe ich gedacht, wie vertreibe ich hier meine Zeit? Ich vertreibe sie nicht, sondern verbringe sie damit, mir Notizen zu machen, von dem, was ich hier so sehe und erlebe. Später habe ich mir gedacht, daraus ein Programm zu machen.

Ars tremonia: Was ist ihnen am Betrieb der sechs Krankenhäuser aufgefallen? Gibt es irgendwelche Gemeinsamkeiten?

Dennemann: Ich weiß aus Schilderungen meines Vaters und meinem Krankenhausaufenthalt in den 70ern: Es hat sich nichts verändert. Die Technik ist auf einem höheren Stand, die Ärzte sind komplizierter, die Vorgänge umfangreicher, aber das Prinzip, dass man sich einer Anstalt annähern muss, um zu überleben, ist das Gleiche. Das heißt, die Essenszeiten sind für einen Südeuropäer eine Katastrophe, wenn der um 17 Uhr das letzte Essen kriegt, sitzt der um 20 Uhr auf der Bettkante und wartet auf den Stockfisch, aber es kommt nichts.

Organisatorische Abläufe sind ebenfalls gleich geblieben. Im ersten Viertel des Tages finden die Aktivitäten statt und der Rest ist Dasein. Und wenn man das Pech hat in einer Dreierkabine zu liegen, auch noch das unvorbereitete Miteinander mit Menschen die man nicht kennt und deren Leiden. Alles noch so wie vor Jahrzehnten.

Ars tremonia: Was erwartete den Zuschauer am Mittwoch? Wird auch eine Krankenhausatmosphäre verströmt?

Dennemann: Das wird ganz simpel. Zwei Leute auf der Bühne, die ihre Texte lesen. Mit Unterstützung modernster Technik, nämlich Video und Computer. Das ganze ist kein lockeres Kabarettprogramm, sondern ist sozusagen durch-komponiert. Deshalb machen das auch zwei Schauspieler und nicht zwei Schriftsteller. Es sind Reportagen aus verschiedenen Häusern unter Einstreuung von Wahnvorstellungen.

Ars tremonia: Es hat also einen roten Faden.

Dennemann: Der rote Faden ist quasi ein Abschnitt von mehreren Monaten und im Hintergrund steht eigentlich immer der Gedanke: Eigentlich bin ich ja im Urlaub. Man weist sich ein, hat ein Köfferchen dabei und steht an der Rezeption. Dann wartet man auf die Nennung des Zimmers, wo man für die Dauer des Aufenthalts untergebracht ist. Bis dahin ist alles Urlaub.

Dann kommt der Zimmerservice und der sieht ganz anders aus als erwartet.

Ars tremonia: Ist das Essen denn vergleichbar mit den „All inclusive“-Hotels?

Dennemann: Ich habe noch nie Urlaub „All inclusive“ gebucht. Von daher weiß ich nicht, wie das Essen in diesen Masseneinrichtungen ist. Das Essen in Krankenhäusern hat sich mit Ausnahmen auch nicht verändert. Das ist ein Hauptthema des ganzen Stückes, weil mich das beschäftigt. Was soll man machen in einem Krankenhaus, wenn man noch Herr seiner Sinne ist? Man wartet auf das Essen.

Das Frühstück und das Abendbrot ist unverändert geblieben. In einem Krankenhaus war jedes Stück Käsescheibchen einzeln eingepackt. Aus Hygienegründen. Und die Käsescheiben sind aus diesem Presskäse. Das ist wie im Hotel. Da hat sich nichts verändert. Beim Mittagsessen war ich hoch überrascht. Da gab es doch einige kulinarische Leckereien. Der Nachtisch hingegen war so wie früher.




Stürmisches mit ohne Shakespeare

Nach der preisgekrönten Produktion „Peng!“ präsentierte die Theaterwerkstatt Westfalenkolleg ihr neuestes Werk „Der Sturm“. Ars tremonia war in der zweiten Vorstellung im Theater im Depot dabei. Es tanzten und spielten: Elikem Anyigba, Emilie Bieche, Sinan Burma, Jennifer Henke, Laura Gebauer, Mathis Pollmann, Sandy Schmidt, Marjorie Willer und Muazzez Yilmaz

Vergessen Sie bitte alles, was Sie von Shakespeare über den „Sturm“ kennen oder zu kennen glauben. Halt, vielleicht doch nicht alles. Ariel existiert und aus Prospero wurde eine herrlich böse Prospera. Selbstverständlich gibt es auch Gestrandete. Die Hauptfiguren sind also erhalten geblieben, aber ansonsten wurde den beteiligten Studierenden viel Platz zum Entwickeln eigener Ideen gelassen, den sie auszunutzen wussten. Denn im Prinzip geht das Stück darum, wie reagiert eine Gruppe von Menschen, die ohne Mobiltelefone (das einzige wurde sehr schnell über die Klippe geworfen) und andere zivilisatorische Annehmlichkeiten auf die Basis des Daseins zurückgeworfen wird.

Dabei ist das Stück keine „Robinsonade“, der Zuschauer hat viel eher das Gefühl einer sehr frühen Folge von „Lost“ zuzuschauen. Gruppendynamiken entstehen, einzelne Personen leben ihren Frust oder ihre Depressionen aus, es gibt Ängste und Gefahren (ja, Prospera kann wie ihr Shakespearesches Vorbild Menschen in den Schlaf versetzen), aber auch gemeinsame Freude und Tanz (Choreografien von Birgit Götz). Nur das Ende des etwa einstündigen Stückes kommt ein wenig abrupt und wie ein Rausschmiss daher. Denn wenn Ariel (im Original Prospero) in seinem Monolog erklärt, „unsre Spiele sind nun zu Ende. Diese unsere Schauspieler, wie ich euch vorhin sagte, sind alle Geister“ ist kurz darauf Schluss.

Doch vorher war es ein buntes Treiben mit überaus witzigen Szenen und skurrilen Figuren wie den Pauschalurlauber, der auf der Suche nach einem Urlaubsort mit vielen weiblichen Kontaktmöglichkeiten war über die Deprimierte, die sich liebend gerne von der 600 Meter hohen Klippe stürzen würde bis hin zur Frustrierten, der die ganze Situation ankotzt: „Ich sitze hier seit Stunden, seit Tagen, seit Wochen und schau mir den Bockmist an, den ihr mir serviert“.

Eine weitere Besonderheit der Produktion ist die Rolle der Prospera. Die Schauspielerin sitzt im Rollstuhl und trägt Fächer sowie eine Perücke mit Federn. Sie spielt eine missgünstige Prospera, die Menschen durch den Sturm zu sich auf die Insel holt, um Gesellschaft zu haben, der aber schnell langweilig wird.

Das Bühnenbild war spartanisch, aber effektiv. Eine Erhebung, auf der „Klippe“ geschrieben stand, ein Aquarium mit etwas Sand und ein Berg mit Liegestühlen, auf dem zunächst Ariel mit Schlagstöcken den Sturm entstehen lässt. Danach werden die Liegestühle als Requisite benutzt, beispielsweise in einer späteren Szene, in der deutlich wird, dass Liegestühle mit der Dauer auch unbequem werden können.

Im „Sturm“ gab es neben Tanz auch Musik, entweder über Lautsprecher oder aber gesungen wie „Ein Schiff wird kommen“ oder „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“.

Insgesamt war es ein kleines vergnügliches Stück über das Leben im Offline-Modus, das vom Publikum begeistert gefeiert wurde. Ähnlich wie „Peng!“ hatte es eine hohe Qualität und die Darsteller brachten sehr viel Spielfreude mit. Es gibt noch zwei Schulvorstellungen im Theater im Depot und zwar am 23.04.2015 um 12 Uhr und am 30.04.2015 um 12 Uhr (Eintritt: 5 € / 3 € für Schulklassen und Gruppen). Es bleibt sehr zu wünschen, dass es für dieses sehenswerte Stück noch weitere Termine gibt. Der Besuch ist einfach empfehlenswert.




Sneewitte – Ein Mutter-Tochter-Drama

Auch dieser Apfel der Erkenntnis hat Nebenwirklungen. Hasti Molavian (Sneewitte), Engjellushe Duka (Königin und Stiefmutter)(Foto: © Birgit Hupfeld)
Auch dieser Apfel der Erkenntnis hat Nebenwirklungen. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Am 19.03.2015 war Premiere für das Musiktheaterstück „Sneewitte“, ein modernes „Schneewittchen“ nach einer Version der niederländischen Librettistin Sophie Kassies und Musik von Jens Joneleit. Dabei handelt es sich um eine Koproduktion zwischen dem KJT (Kinder-und Jugend theater-) und der Jungen Oper Dortmund. Regisseurin Antje Siebers inszenierte das Stück ohne schwarz-weiß Denkmuster und Disney-Kitsch.

Das Publikum erwartete in der Jungen Oper Dortmund eine pragmatisch-praktisches Bühnenbild mit zwei erhöhte Stellgerüste mit einem Steg in der Mitte und zwei auf Rollen stehende Gestelle mit Liegemöglichkeit.

Die beiden Sängerinnen Hasti Molavian (Sneewitte), Engjellushe Duka (Königin und Stiefmutter),die beiden Schauspieler Steffen Happel vom KJT-Ensemble als Jäger) und Kai Bettermann (König), sowie die kleine Band unter der musikalischen Leitung von Michael Hönes waren zunächst allesamt in schwarz gekleidet.

Das Märchen beginnt mit der Geburt von Sneewitte und den ersten Jahren mit ihrer Stiefmutter.

Zunächst sind Stiefmutter und Tochter eine Herz und eine Seele. Doch irgendwann macht ihr der Spiegel eines Tages schonungslos klar, das ihre Zeit als „schönste im Land“ abgelaufen ist. Sie will sich nicht beiseiteschieben lassen und sieht nur die Möglichkeit, ihre „junge Rivalin“ aus dem Weg zu räumen und vom Jäger ermorden zu lassen. Dieser bringt es nicht übers Herz, Sneewitte zu töten und so kommt das junge Mädchen zu den „sieben Zwergen“, die in einer Höhle leben und eine Haushaltshilfe suchen…

Hasti Moravian spielt die Entwicklung der Sneewitte von einem frechen, munteren kleinem Mädchen mit großen Füssen hin zu einer selbstbewussten jungen Frau mit starker Stimme und komödiantischen Talent. Engjellushe Duka als Stiefmutter schafft es ausgezeichnet, jede Veränderung Stimmungslage und Gemütsverfassung mit ihr Stimme und ihrem Gesang entsprechen auf die Bühne zu bringen.

Für viel Vergnügen sorgten auch die beiden Schauspieler Happel und Bettermann mit humorvollen Einlagen. Als König und Jäger. Zusätzlich fungierten sie auch noch als zwei der witzigen „Zwerge“. Die kleine Band unter Michael Hönes Leitung war voll in das Stück integriert und spielten als „Zwerge“ in skurrilen mintfarbenen Perücken und weißen Röckchen. Ein besonderer Hingucker.

Und wer spielte den Prinzen? In der Inszenierung von Antje Siebers kommt kein Prinz vor. Sneewitte braucht erst einmal keinen externen Helden, um sich zu befreien und zu entwickeln, scheint das Motto zu lauten.

Geschickt genutzt wurden zwei herausziehbare Bodenplatten neben dem Steg,die dann als Öffnungen als „Höhleneingang“ für die „Zwerge“ und Sneewitte dienten.

Die Musik begleitet und charakterisiert die Handlung mit jazzigen oft Tönen in all seinen Facetten. Dies geschieht zum Beispiel durch starke „ermutigende Musik“, die die dann später in Songs mündet.