Die Orestie in der Zirkusmanege

Der antike Stoff der Orestie wurde in einen Zirkus verpackt. (Foto © Joachim Schmitz)
Der antike Stoff der Orestie wurde in einen Zirkus verpackt. (Foto © Joachim Schmitz)

Eine verblüffend überraschende Aufführung bot am 4. Juni 2015 das Theater an der Ruhr Mülheim mit ihrem Stück „Die Orestie“ und deren besondere Interpretation im Kinder-und Jugendtheater Dortmund. Das Ganze im Rahmen des Festivals Unruhr 2015.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben sich lange mit der Orestie und der griechischen Mythologie beschäftigt und etwas Neues geschaffen. Das Geschehen wurde kurzerhand in eine Zirkusmanege verlegt. Agamemnon, König von Mykene wird zum Zirkudirektor, der zunächst die beteiligte Personen in der Manege vorstellt. Diese bekommen alle einen eigenen Charakter zugeschrieben. So ist seine Gattin Klytämnestra eine bestimmende, emanzipierte Domina, die ihm nie verzeihen konnte, dass er ihre Tochter Iphigenie opferte. Diese ist , wie wir erfahren werden, aber am Leben, und wurde gerettet.

Nachdem Troja gefallen ist, kehrt Agamemnon nach Jahren in Begleitung der Seherin Kassandra, die sein Schicksal voraus sieht, in die Heimat zurück. Da Klytämnestra nicht weiß, dass Iphigenie lebt, ermordet sie Agamemnon. An seinem Gab treffen die seit Jahren getrennten Geschwister aufeinander. Elekta, die von Hass auf die Mutter zerfressen ist und in dem Stück als Raubkatze dargestellt wird, ihre Schwester Chrysothemia, die für Vergebung plädiert und nicht fassen kann, dass ihr Vater wirklich tot ist sowie der Thronfolger Orest mit seinem Gefährten Pylades, die als eher traurige Clowns eine schwierige Entscheidung treffen müssen: Rache oder nicht?

Begleitet und beobachtet wird die ganze Geschichte von Apollon, als Vertreter der Götter. Er wird mit einer Klangschale angerufen.

Die Aufführung ist durch eine starke Körperlichkeit und Symbolik gekenzeichnet, so dass die Geschichte der Orestie etwas in den Hintergrund gedrängt wurde. Da ist etwas Eigenes, voller Farbe, Bildersprache und Dynamik entwickelt worden. Den Darstellern merkte man an, dass sie gut aufeinnander abgestimmt sind. Alle waren weiter in ihren Rollen, auch wenn sie nicht im Mittelpunkt standen.

Die jungen Besucherinnen und Besucher waren begeistert.




Das Geheimnis eines Koffers

Der Jugendclub des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel erzählte den Zuschauern eine Familiengeschichte, die ihre Wurzeln in Russland hat. (Foto: © ©WLT Castrop-Rauxel)
Der Jugendclub des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel erzählte den Zuschauern eine Familiengeschichte, die ihre Wurzeln in Russland hat. (Foto: © ©WLT Castrop-Rauxel)

Der Beitrag vom WLT Castrop-Rauxel zum Festival Unruhr 2015, „Unter uns“, wurde im Schauspiel Dortmund am 4. Juni 2015 aufgeführt. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen Darsteller erzählten in ihrem Stück eine geheimnisvolle Geschichte, die in die 90iger Jahre des letzten Jahrhunderts nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hineinreicht.

Ella, die 17 Jahre alte Tochter von russischen Einwandern,möchte nicht in die alte Heimat ihrer Eltern zurück und wohnt deswegen bei ihrer Großmutter Galina in Castrop-Rauxel auf einem Dachboden. Als sie sich dort einrichtet, findet sie einen Koffer mit seltsamen Inhalt. Jede Menge Geld, ein Stapel Liebesbriefe in russischer Sprache, und sogar eine Pistole. Die Liebesbriefe sind an einem gewissen Viktor adressiert. Dazu findet sie Fotos aus den 90iger Jahren, die diesen Viktor zusammen mit ihrem Vater zeigen. Was hat es damit auf sich? Ihre Großmutter lenkt jedes Gespräch darüber auf ein anderes Thema ab. Ihr neidische und eifersüchtige Kusine Katja und ihr Freund Felix sind bei der Lösung des Rätsels keine wirkliche Hilfe. So nimmt Ella das Heft in die Hand und schreibt einen Brief an die Adresse in Russland. Auf diesem Weg kommt später in Kontakt mit dem jungen Ilya, der seinen Vater laut seiner Mutter bei einem Unfall verloren hat. Ella hat nun mit ihrem langsam wachsenden Gefühlen für Ilja und der Eifersucht ihres Freundes zu tun. Nach und nachlüftet sich das Geheimnis um den Koffer und um den wahren Vater von Ilya.

Das Thema des Stückes ist intressant und spannend und die jungen Darsteller engagiert. Ein guter Idee war die Zwiesprachen von Ella mit der Emscher (eine Gruppe der Darsteller hat sich in eine blauer Folie gehüllt) oder die lustig-intressanten Gespräche von Ilja mit seiner Katze. Wenn es nach Russland ging, traten drei Matrjoschkas auf.

Die Aufführung war durch ständige Szene-und Requisitewechsel sowie von vielen kurzen Anrissen von verschiedenen Musikstücken gekennzeichnet. Je nach Situation mal klassisch, oder auch rockig. Das sorgte für eine gewisse Zerissenheit und Unruhe im Stück.Leider sprachen die Darsteller manchmal zu leise und waren in den hinteren Reihen des Dortmunder Schauspielhauses nicht immer genau zu verstehen.




Warten auf Odysseus

Die 21 Jugendlichen und jungen Erwachsenen vom Jungen Schauspiel Bochum nahmen sich mit „Eine Odyssee“ dem gleichnamigen antiken griechischen Stoff an. Sie erzählen die Geschichte der langen Heimreise des Odysseus, dem König von Ithaka, der nach dem zehn Jahre dauernden Krieg als Held über Troja noch eine lange Irrfahrt vor sich hat, die noch weitere zehn Jahre dauern wird. Aufgeführt wurde das Stück im Rahmen des Festivals Unruhr im KJT am 03. Juni 2015.

Seine Frau Penelope und seinen Sohn Telemanchos hatte Odysseus zu Hause zurückgelassen. Penelope schwankt zwischen Hoffnung auf eine Heimkehr Odysseus und verzweifelter Ernüchterung und Skepsis. Sie denkt bereits daran, einen reichen Verehrer zu heiraten. Telemanchos schwankt zwischen Zorn auf seinen Vater, der ihn verlassen hatte, und der Sehnsucht nach dem „Vater als Helden“. Nach abenteuerlicher Reise schafft Odysseus die Heimkehr nach Ithaka. Er gibt sich nach einer Zeit dem Sohn zu erkennen, nachdem er einem von seinen Rivalen um Penelope angezettelten Mordanschlag entgehen kann und diesen ersticht. Penelope und Odysseus sind weiter in Liebe Verbunden und Telemanchos wird am Ende neuer König von Ithaka.

Das Geschehen auf der Bühne wurde auf einem erhöhten Podest von Zeus und seinen Göttern leger und humorvoll kommentiert. Dazu sitzen sie auf einer Art Kinosessel mit Popcorn und Softdrinks.

Drei blaue Fässer mit einem Brett und Segel darauf dienten als Schiff für Odysseus. Dazu gab es Sturmgeräusche vom Band. Eine weiße Leinwand an der Seite wurde geschickt alsSchattenwand eingesetzt. So tanzte die Nymphe Kalypso verführerisch hinter der Leinwand, als Odysseus durch den Einfluss von Poseidon auf ihrer Insel strandet. Lustig wurde es auf einer anderen Insel, als gelanweilte Prinzessinnen Odysseus wie einen Popstar anhimmelten. Darunter waren auch zwei junge Männer als „Prinzessinnen“ verkleidet.

Gelungen war, dass in der der Inszenierung Penelope von drei jungen Frauen gespielt wurde. Ein gelungener Schachzug, um ihre verschiedenen Facetten darzustellen. Mal ist sie Hoffnungsvoll, mal verzweifelt.

Der Rivalen und potenzielle Heiratskandidaten wurde als berechnende Persönlichkeit entwickelt. Sinnbild dafür war ein Schachbrett auf der Bühne, von dem er die Königin weg kickte. Begleit wurde Aufführung von kurzen dramatischen, martialischen Musikeinlagen.

Ein eindruckvoller Beitrag aus Bochum, der den Wunsch der Menschen nach „Heimkehr“ wiederspiegelte.




Frisch und frech auf die Ohren

Bei der Redaktionskonferenz: (v.l.n.r.) Michael Zabudkin, Fatima Talalini, Lea Degner, Ryan Woolston, Jonas Schweers, Christin Otto, Robin Frank, Annalena Lipinski. (Foto: ©Björn Hickmann)
Bei der Redaktionskonferenz: (v.l.n.r.) Michael Zabudkin, Fatima Talalini, Lea Degner, Ryan Woolston, Jonas Schweers, Christin Otto, Robin Frank, Annalena Lipinski. (Foto: ©Björn Hickmann)

Zum 14. Mal treffen sich sich Jugendclubs der Stadttheater des Ruhrgebiets zum Festival Unruhr, um erste Bühnenerfahrungen zu sammeln und zum gegenseitigen Austausch. Das Festival findet in diesem Jahr in Dortmund statt und hat neben den Jugendclubs aus Bochum, Castrop-Rauxel, Dortmund, Duisburg, Essen, Mühlheim an der Ruhr und Oberhausen auch das freie Theater Kohlenpott in Herne zu Gast. Die Aufführungen finden vom 3.-6. Juni 2015 im Kinder-und Jugendtheater sowie im Schauspiel Dortmund statt. (wir berichteten)

In ihrer Eröffnungsrede für das Festival im betonten Andreas Gruhn, Direktor des KJT, der Chefdamaturg des Schauspiels Dortmund Michael Eickhoff und Dr. Christian Esch vom NRW Kultursekretariat im KJT die große Bedeutung dieses Teffen für die Zukunft des freien und kreativen Theaters. „Theater kann sich mit der Realität ganz anders auseinandersetzen und Entwicklungen in der Gesellschaft kritisch hinterfragen. Es bietet einen Freiraum, den wir in der Realität so sonst nicht haben“, so Esch. Er erklärte: „Es ist viel zu viel Ruhe in diesem Land. Sorgt für „Unruhe“.

Im Anschluss wurde als erster Beitrag das Stück „Jetzt gibt’s was auf die Ohren“ vom Jugendclub des KJT Dortmund aufgeführt. Die neun Jugendlichen und jungen Erwachsenen setzten sich auf humorvoll-ironische Weise mit Schein und Sein in der Medienbranche und und aktuellen Erscheinungen wie Pegida und Fremdenfeindlichkeit oder mit den Neonazis in Dortmund auseinander.

Zentrum ist die quirlige Redaktion des Radio-Senders „Auf die Ohren“, von der Putzfrau aus der Ukraine (eigentlich ist sie aus Polen) über den ausgenutzten Volontär bis hin zum koksenden, arroganten Chefredakteur. Die Zuschauer bekommen schmunzelnd die „Fakes“ der Redaktion mit, die Personen am Telefon dagegen nicht. So muss der Volontär schon mal einspringen, wenn eine zum Sender eingeladene Persönlichkeit nicht erscheint. Was er zu sagen hat, wird ihm auf einer Wandtafel aufgschrieben. Außer der Beitrag über die Pegida-Demonstration ist alles im Stück „gefaked“.

Als lustiger Gag hatte der Redaktionstisch zwei Öffnungen, aus der ein vorwitziger Wischmopp der Putzfrau grummelnd „meldete“ oder mitsang.

Musik aus den 80er und 90er Jahren auflockernd eingespielt. Der mehrfach gespielter Song „Freedom“ (Anthony Hamilton, Elayna Boynton) aus Django Unchaind (2012) von Quentin Tarantino hatte jedoch während des Stück eine besondere Bedeutung. Was ist und die Freiheit wert? So bildete das Lied auch der Aufführung.

Ein gelungener Beitrag der fünf jungen Damen und vier jungen Herren vom KJT Jugendklub. Frech und mutig setzten sie sich unter der Regie von Christine Klöck und Isabel Stahl mit aktuellen Themen und guter Beobachtungsgabe auseinander.

Eine weitere Vorstellungen des Stückes gibt es noch am Sonntag, den7. Juni 2015 um 18 Uhr im KJT zu sehen. Karten unter: 0231- 50 27 222

Letzte Gelegenheit: Im Rahmen des pottfiction-Camps am Sonntag, den 28. Juni.2015 um 14.30 Uhr vor der Jahrhunderthalle in Bochum.




Ausschreibung für den Petra Meurer Preis 2016 beginnt

Der Petra Meurer Preis ist einer der wenigen, die sich speziell an die freie Theaterszene richtet. Theaterprojekte und literarische Inszenierungen aus dem Ruhrgebiet können sich bis zum 06. November 2015 bewerben. Gesucht werden junge Ensembles, ungewöhnliche Theaterprojekte, genreübergreifende Inszenierungen und kreative Bühnenperformances.

Der Petra Meurer Preis wird in folgenden Kategorien vergeben: Einen Hauptpreis (1000 €), zwei Sonderpreisen (jeweils 500 €) und drei Förderpreisen (jeweils 300 €). Die Jury besteht aus Lehrenden und Studierenden der Kulturwissenschaften der TU Dortmund. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Petra Meurer Theatertage am 20. Februar 2016 im Theater im Depot statt.

Für die nächsten Theatertage wird es etwas neues geben: Studierende werden unter der Leitung der Theaterpädagogin Clara Nielebock ein Theaterstück erarbeiten und inszenieren. „Sie werden den gesamten Prozess des Theatermachens erleben“, so Nielebock. „Vom Sprechtraining bis zur Textarbeit.“ Zusätzlich übernehmen sie auch die anderen Arbeiten, die im Theaterbetrieb dazugehören wie Kostüme und Bühnenbild, Ton und Licht.

Dieses TU Projekt soll dazu dienen die Universität wieder stärker in die Petra Meurer Theatertage einzubinden, denn der im Mai 2010 verstorbenen Dozentin und Namensgeberin war es wichtig, dass die TU sich stärker in die Stadtgesellschaft einbringt. Sie initiierte mehrere Theater- und Literaturprojekte.

Die Bewerbungsunterlagen (Kurzdarstellung und exemplarisches audiovisuelles Material) gehen an:

Technische Universität Dortmund

Dekanat der Fakultät Kulturwissenschaften

z.H. Rainer Holl

Kennwort: Petra Meurer Preis

Emil-Figge-Str. 50

44227 Dortmund




Vom Ende der Trauer

Warum trägt Klarissa zur Beerdigung ihres Mannes rote Schuhe und ein buntes Kleid? Und warum schmückt sie das frische Grab mit einem stachligen kleinen Kaktus?

Das beantwortete die Lesung „Ich geh’ tanzen – Eine Hommage an die Lebensfreude“ im Theater im Depot. Autorin Jule Vollmer liest selbst mit schauspielerischer Verve das Hörspiel, hinter ihr illustriert eine Projektion im Comic-Stil den Vortrag.

Klarissa Schubert, 89 Jahre, sitzt auf einer Friedhofsbank am Kaktus-geschmückten Grab ihres Gatten. Im Zwiegespräch mit ihrem verstorbenen Mann Goldemar beleuchtet sie ihre Ehe. Es entwickelt sich ein Dialog, in dem Vieles zur Sprache kommt, das zu Lebzeiten ungesagt blieb.

Mit trockenem Witz und Ironie erzählt Klarissa in ausgeprägtem norddeutschen Dialekt ihre Sicht der Dinge. Geschäftsmann Goldemar reiste durch die Welt, hatte Affären, machte sich ein schönes Leben und vertraute auf die Treue seiner Frau. Die wartete brav zu Hause.

Die Stimme des Ehemannes spricht Claus Dieter Clausnitzer aus dem Off, während alle anderen Rollen wunderbar überzeugend von Autorin Jule Vollmer interpretiert werden. Die musikalische Brücke zwischen einzelnen Szenen gestaltet Elmar Dissinger am Keyboard.

Verschiedene Personen gesellen sich zu Klarissa auf die rustikale Bank. Eine Nachbarin, ein älterer Verehrer, der Pfarrer, eine andere Witwe. Mit allen führt sie intensive, kurze Gespräche und skizziert dadurch ihr Leben. Dazwischen erscheint immer wieder Goldemar und nahtlos geht der Dialog der Eheleute weiter.

Kraftvoll vertritt Klarissa ihren Standpunkt: Jetzt, nach dem Tod ihres Mannes werde es Zeit, die eigenen Wünsche in den Vordergrund zu stellen. Die kann sie auch genau benennen: Sie möchte Fallschirm springen, mit Delfinen schwimmen, durch den Grand Canyon fahren und nach Australien reisen. Dort will sie auch verbrannt werden – und ihre Asche vom Ayers Rock verstreuen lassen.

Australien ist ihr wichtigstes Ziel: Vor über 40 Jahren hat ihr Mann Goldemar dort auf einer Dienstreise unwissentlich ein Kind gezeugt. Durch Zufall entdeckt, schloss Klarissa diese kleine Familie in ihr Herz und hielt über die Jahre Kontakt zu ihr.

Zum Ende des Stücks stellt sich die Beziehung des Ehepaares viel klarer dar. Vielleicht kann Klarissa ihrem Goldemar sogar irgendwann verzeihen. Jetzt nimmt sie sich erst mal Zeit für sich und geht mit ihrem neuen Verehrer Herbert tanzen.

Durch die humorvolle und berührende Erzählung gelingt es dem Kleinkunst-Ensemble LiteraMusico, mit dieser Uraufführung, Gefühl und Verstand des Publikums zu erreichen und Sprachlosigkeit und Entfremdung eines Paares zu thematisieren.




Konfrontiert mit seinen Ängsten

Julia Amos (Lena), Gerardo Garciacano (Leander) ©Björn Hickmann / Stage Picture GmbH
Julia Amos (Lena), Gerardo Garciacano (Leander)
©Björn Hickmann / Stage Picture GmbH

Premiere für eine neue Reihe. Ab der Spielzeit 2014/15 führt die Oper Dortmund jährlich eine Familienoper für kleine und große Besucher auf. Den Startschuss machte am 31.05.2015 das Stück „Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“, eine Familienoper von Marius Felix Lange mit dem Libretto von Martin Baltscheit in einer Inszenierung von Johannes Schmid. Eine Kooperation des Opernhaus Dortmund mit der Deutschen Oper am Rhein und dem Theater Bonn.

Wie es sich für eine Premiere für eine neue Reihe gehört, verzauberte schon das Bühnenbild. Tatjana Ivschina präsentierte zu Beginn eine grandiose verschachtelte Fachwerkhauskulisse, die mit Luken versehen waren, so dass ab und an ein Blick in die Wohnungen dieses verschlafenen Dorfes geworfen werden konnten. Der Orchestergraben – besetzt mit den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Philipp Armbruster – wurde per Steg zum Fluss. Durch die Möglichkeit der Bühne verschiedene Ebenen darstellen zu können, erlebten die Zuschauer beispielsweise einen Tauchgang in den Fluss. Ebenfalls ein großes Lob gebürte Ivschina für die fantasievollen, aber durchaus zeitgemäßen Kostüme. Besonders effektvoll und düster war der Totengräber (gesungen von Karl-Heinz Lehner).

Die Geschichte: Das Mädchen Lena und der junge Leander sind gute Freunde. Als Leander für sie einen Apfel vom Baum schießen will um ihr zu imponieren, trifft er aus Versehen einen Vogel. Er behauptet, der Vogel schlafe nur, doch Lena ist sich sicher „wer so schläft, wacht nicht mehr auf“. Aus Angst, selber nicht wieder aufzuwachen, beschießt sie, erst gar nicht zu schlafen. Damit treibt sie nicht nur ihre Eltern und ihren Freund zur Verzweiflung, sondern beschäftigt hilflose Ärzte , Flößer und sogar eine Vogel-Prinzessin und auch die Schützenkapelle , einen Totengräber oder sogar den Mond…..

Der Berliner Komponist Marius Felix Lange vertonte die Familienoper als anspruchsvolle Herausforderung. Die abwechslungsreiche Partitur bot schräg-parodistische Töne, Koloratur-Arien für die Vogel-Königin, aber dazwischen immer wieder romantische Zwischenklänge. Ein schlichtes Gutsnachtlied hatte daneben ebenfalls einen Platz.

Die Akteure meisterten diese schwierigen musikalische und gesanglichen Klippen locker und souverän. Julia Amos als Lena und Gerado Garciacano als Leander waren die Highlights des sehr gut aufgelegten Ensemble. Garciacano, zuvor als „Don Giovanni“ zu sehen, hatte seinen Vollbart für die Rolle des Leander opfern müssen, aber das tat seiner warmen Stimme keinen Abbruch. Amos sang die Lena trotz der hohen Anforderung bezaubernd schön.

Von den anderen Darstellern sind vor allem John Zuckerman als „Mond“ und Karl-Heinz Lehner als düsterer Totengräber hervorzuheben. Der tiefe Bass von Lehner war beeindruckend.

Andrea Rieche als Mutter und Morgen Moody brachten die besorgte Eltern mit einer Priese Humor auf die Bühne . Antje Bitterlich als Vogel-Prinzessin brachte Magie in den Opernsaal.

Das Stück hatte auch noch einen „Running Gag“ in Form einer „schrägen“ Trachten-Schützenkapelle (Yyjin Kang, Henry Lancester, Darius Scheliga, Edward Steele), die das Geschehen humorvoll-ironisch begleiteten.

Weitere Termine: Sa, 06. Juni 2015, Di, 09. Juni 2015, Di, 16. Juni 2015, So, 21. Juni 2015, Di, 23. Juni 2015 und Mi, 24. Juni 2015




Der ganz normale Wahnsinn in einem Radiosender

Diskussionsbedarf bei der Redaktionssitzung? (v.l.n.r.) Annalena Lipinski, Michael Zabudkin, Lea Degner. Foto: ©Christine Köck
Diskussionsbedarf bei der Redaktionssitzung? (v.l.n.r.) Annalena Lipinski, Michael Zabudkin, Lea Degner.
Foto: ©Christine Köck

Beim Radiosender „Auf die Ohren“ ist mächtig was los. Moderatoren, eine Putzfrau, Reporter und Studiogäste sorgen für Chaos. Nicht genug, ein sprechender Wischmop und singende Putzhandschuhe sind ebenfalls dabei. Die Jugendclubproduktion des Kinder- und Jugendtheaters präsentiert am 03. Juni 2015 „Jetzt gibt’s was auf die Ohren“, eine 60-minütige Reise in ein Hörfunkstudio und die Hierarchien eines Senders.

„Das Stück handelt von einem Radiosender, der politisch arbeitet“, erklärt Theaterpädagogin und Regisseurin Christine Köck. „Es dreht sich um die Themen Anschlag in Paris, Pegida oder AfD. Dabei werden verschiedene Radioformate eingesetzt wie Interviews, Reportage, Musiksendungen.“

Da wir ja beim Theater sind, wird dies kein Hörspiel, sondern die Besucher erleben, was sonst noch im Studio passiert. „Es wird Choreografien geben, die Mitarbeiter tanzen“, so Dramaturgin und Regisseurin Isabel Stahl. Dazu gibt es mit dem sprechenden Wischmop und den singenden Putzhandschuhen Elemente, die an die Fraggles oder die Muppet-Show erinnern.

Dabei geht es auch um Kritik an den Medien. So wird aus der ukrainischen Putzfrau eine Verfolgte. Zudem wird auch einiges durch den satirischen Kakao gezogen. So wird über eine „Messe für Fanatiker“ berichtet oder ein Schädlingsbekämpfer muss zu einem Einsatz nach Dorstfeld, weil eine Bewohnern mit Nazis zu kämpfen hat. Daneben gibt es Musik, nicht nur aus der Konserve, sondern auch live gespielt.

Der Jugendclub besteht aus neun Spielerinnen und Spielern im Alter von 15 bis 23 Jahre. Von von neun sind sieben neu dabei. „Jetzt gibt’s was auf die Ohren“ gibt nicht nur den Startschuss für das Festival Onruhr 2015 vom 03. bis 06. Juni 2015, sondern wird auch im Rahmen des pottfiction-Camps am 28. Juni 2016 vor der Jahrhunderthalle in Bochum gezeigt. Daneben gibt es eine weitere Aufführung am 07. Juni um 18 Uhr im KJT. Die Premiere am 03. Juni ist bereits ausverkauft, für den Termin am 07. Juni gibt es noch Restkarten.

Wer Lust hat, am pottfiction-Camp teilzunehmen, kann sich bis zum 10. Juni 2015 bei Christine Köck unter ckoeck@theaterdo.de melden.




Gibt es eine Zukunft für die Chancen?

Mit diesem geld wurden die Künstlerinnen und Künstler während es Projekts von den Anwohnern bezahlt. (Foto: © Borsig11)
Mit diesem geld wurden die Künstlerinnen und Künstler während es Projekts von den Anwohnern bezahlt. (Foto: © Borsig11)

Vom 01.06.2014 bis 31.05.2015 entwickelte das Projekt „Public Residence: Die Chance“ künstlerische Aktionen rund um den Borsigplatz. Dazu wurde eine neu kulturelle Währung eingeführt, die Chance. Wer in der Gegend wohnt, hatte Anspruch auf 100 Chancen oder konnte durch aktive Teilnahme an Aktionen weitere Chancen bekommen. Die Anwohner konnten die Chancen an Künstlerinnen und Künstler weiterreichen, damit diese davon kulturelle Projekte durchführen konnten. Nach diesem Jahr werden die meisten Künstler nun den Borsigplatz verlassen, aber die Bewohner haben die Chance, die angestoßenen Projekte in Eigenregie weiterzuführen. Daneben gibt es noch eine große Finissage am 30. Mai ab 10 Uhr im Borsigplatz-Quartier.

Insgesamt sieben Künstlerinnen und Künstler haben im Laufe des Jahres am Borsigplatz gewohnt und kreative Projekte entwickelt. Es wurden Gärten angelegt, Bier gebraut, Theater gespielt, es gab Stadtführungen zu unbekannten Berühmtheiten, es wurde eine freie Republik gegründet und diskutiert.

Was waren die Erfahrungen der beteiligten Künstler? Frank Bölter, Dorothea Eitel und Rolf Dennemann waren beim Pressegespräch zugegen. „Es war ein Lernprozess“, erkärte Bölter, der aus Köln kommt. „Bestimmte Dinge funktionieren hier nicht, ich habe zu groß gedacht. Man muss mit kleinen Chancen anfangen.“ Bölter hat das Projekt „Dortmunder Schwarzbräu – Selber Brauen“ organisiert und auch die Idee zum „Echt Nordstadt-Honig“ entwickelt. „Die Lunte ist gelegt“, hofft Bölter, dass seine Aktionen keine einmalige bleiben, sondern von den Anwohnern weitergeführt werden.

Dorothea Eitel hatte es etwas schwerer, denn ihre Tanzperformances waren etwas Flüchtiges. „Das Elend der Darsteller“, wie es Rolf Dennemann beschrieb. „Es wird alles mit mir verschwinden“, befürchtet Eitel, hofft aber, dass sie mit ihren Aktionen doch Impulse gesetzt hat. Zumal doch viele Sachen auf Video gebannt wurden.

Für die Vermittlung von „was passiert hier eigentlich“ hat sich Rolf Dennemann eingesetzt. Zu seinen Gesprächsnachmittagen kamen recht viele Leute, aus denen das Projekt „Borsig-VIPs“ wurde.

Insgesamt kann das Projekt darauf verweisen, dass es viele Impulse gesetzt hat. Auch wenn es durchaus passierte, dass jemand, der über viele Chancen verfügte, versuchte, seinen Einfluss geltend zu machen. „Jedes Detail, was es im Großen gibt, gab es mit den Chancen im Kleinen“, erzählte Eitel über „Sponsoren“, die plötzlich künstlerischen Einfluss geltend machen wollten. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler waren: Frank Bölter, Susanne Bosch, Rolf Dennemann, Dorothea Eitel, Angela Ljiljanic, Henrik Mayer und Olek Witt,

Zu den positiven Impulsen gehört auch, dass manche Anwohner die angestoßenen Projekte weiterführen wollen: Jacek Wąsik (Holzworkshop und einiges mehr), Irene Gakopoulos (Geschmacksarchiv, Kunstvermittlung für Kinder), Joseph Toth (Theater), Jürgen Elkers+Jürgen Sarstedt (Honig) Valeska Schmidt (kreative Angebote für die Nachbarschaft, eigene Kunstprojekte, Fortführung Freie Republik Borsigplatz) und Gerhard Neumann (Musik).

Auf jeden Fall findet noch die große Finissage am 30. Mai 2015 ab 10 Uhr im Borsigplatz-Quartier statt. Dann zeigen die Künstler noch einmal ihre Projekte. Das genaue Programm: http://www.borsig11.de/wordpress/2015/05/public-residence-finissage/

Organisiert wurde die Aktion durch den Verein „Machbarschaft Borsig11“ und der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft. Insgesamt gab es die Möglichkeit 100.000 Chancen für die Künstler zu verteilen, davon waren rund 65.000 Chancen im Umlauf. Die Künstler konnten die Chancen, die sie




Auf der Suche nach der eigenen Identität

Bühne und Ensemble sind in Schwarz-Weiß-Grau gehalten. (Foto: © Anja Cord)
Bühne und Ensemble sind in Schwarz-Weiß-Grau gehalten. (Foto: © Anja Cord)

Inspiriert durch den Film „La Grande Bellezza“ (Die große Schöne) von Paolo Sorrentino entwickelte Choreograph Marcus Grolle mit dem Ensemble des Seniorentanztheaters das Stück „blick zurück nach vorn“. Im Film sinniert ein in die Jahre gekommener Kulturjournalist über sein Leben und die High Society in Rom. Die Premiere des Stückes ist am 11. Juni 2015 um 20 Uhr im Schauspielhaus.

Die Klammer des Tanzstückes bildet eine sich wiederholende Geburtstagsfeier, bei der immer neue Erinnerungen geweckt werden. In verschiedenen Tanzszenen werden Rückblicke in die Vergangenheit und Visionen der Zukunft erlebbar gemacht. Wiederholt bauen die Tänzer Mauern aus unzähligen Papierkörben auf, um sie mit Macht wieder einzureißen. Ähnlich wie sich manchmal auch im Leben Hindernisse in den Weg stellen oder man sich selbst welche Mauern baut, die dann mühsam wieder eingerissen werden müssen, um weiter zu kommen. Rollkoffer, mit denen die Tänzer wunderschöne Sequenzen tanzen stehen für die Lebensreise des Einzelnen. Die Musik ist mal fröhlich und mitreißend, mal ein melancholischer Walzer.

Die Hälfte der aktiven Tänzer, die zwischen 55 und 78 Jahre alt sind, kommt aus dem Umkreis Dortmunds, Münster, Gelsenkirchen, Schwerte und Iserlohn. Durch den Tanz werden Kopf und Körper gefordert und trainiert. Trainiert wird immer Montags sieben Stunden, mit zwei Pausen.

Neben dem 11. Juni gibt es eine weitere Vorstellung am 12. Juni, ebenfalls um 20 Uhr im Schauspielhaus.

Karten kosten 15 € (ermäßigt 10 €) und sind erhältlich an der Theaterkasse, telefonisch unter 0231 5027222 oder im Internet unter www.theaterdo.de

Manchmal muss man Mauern einreißen. (Foto: © Anja Cord)
Manchmal muss man Mauern einreißen. (Foto: © Anja Cord)