Mit dem Doppelpack „Glückliche Tage/Das letzte Band“ startet das Studio am 05. September um 20 Uhr in die Spielzeit 15/16. Die beiden Stücke von Samuel Beckett werden – soweit bekannt – zum ersten Mal zu einem Stück kombiniert. Regisseur Marcus Lobbes setzt in seiner Inszenierung auf die Kraft der Schauspieler. Keine Effekte, keine Musik – Lobbes will den Text wirken lassen.
Die beiden Stücke von Beckett sind eine Art Rückschau auf das Leben. In „Glückliche Tage“ ist es eine Frau, Winnie, die ihre Erinnerungen Revue passieren lässt. In „Das letzte Band“ reflektiert Krapp sein Leben. „Die beiden Stücke präsentieren die weibliche und männliche Sichtweise auf das Leben“, erzählt Lobbes. „die Rückschau bei Winnie ist großzügiger, während Krapp mit seinem Leben hadert und über seine verpassten Chancen trauert.“
Winnie wird von Merle Wasmuth gespielt während Ekkehard Freye den Willie in „Glückliche Tage“ spielt sowie den Krapp in „Das letzte Band“.
Die Premiere am 05. September 2015 ist bereits ausverkauft, für den 11. September gibt es noch Restkarten. Weitere Termine in diesem Jahr sind 23. September, 01. Oktober, 25. Oktober und 28. Oktober.
Wetten, dass Ihnen das Lachen im Hals stecken bleibt
Ausgerechnet am Sonntag, den 23. August 2015 um 19:30 Uhr fand sie statt – die große Wiedergeburt der Samstagabendshow. Die Premiere der „Die Show“ (ja, englisch ausgesprochen!) zeigte, warum es sich lohnt ins Dortmunder Schauspiel zu gehen. Knapp drei Stunden witzige, gefühlvolle, musikalische, verrückte, technisch anspruchsvolle, zynische Unterhaltung. „Die Show“ ist einfach kultverdächtig.
Ok, 2.000 Bewerbungen, um als Kandidat in der nächsten Staffel der „Die Show“ mit zuspielen, wird das Theater Dortmund wohl nicht bekommen. Anders als das Vorbild „Die Millionenshow“ von Wolfgang Menge, die 1970 ausgestrahlt wurde. Dafür war die „Die Show“ doch ein bisschen zu deutlich als Mediensatire erkennbar.
Wie beim „Millionenspiel“ geht es bei der „Die Show“ darum, dass ein Kandidat mehrere Prüfungen zu überstehen hat, bis er eine Millionen Euro erhält. Dabei wird er von drei Leuten alias dem „Kommando“ verfolgt, die am sechsten Tag, der Live-Ausstrahlung der Sendung, sogar die Lizenz zum Töten haben. Lotz muss die ganze Zeit unbewaffnet bleiben.
Hinein also ins Schauspielhaus Dortmund, das sich für die „Die Show“ zum Fernsehstudio wandelt. Was gehört natürlich zu Beginn einer jeden Live-Show? Der Anheizer oder auch „Warm-Upper“ genannt. Carlos Lobo spielte ihn mit einer wahren Freude. Dabei halfen natürlich auch die Fußballergebnisse vom Nachmittag und mit dem BVB als Tabellenführer ging das Klatschen viel leichter.
Das Gewerke des Theaters hatten ganze Arbeit geleistet und zauberten eine beeindruckende Showtreppe im knallen Rot hin, während in der rechten Ecke die Sitzgelegenheiten und sehr aparte Tische (ein Hingucker!) für die Moderation und deren Gäste vorhanden war. Links war die Rezeption und darüber spielte die Band. Aber zur Musik kommen wir später.
Neben dem Kandidaten Bernhard Lotz (Sebastian Kuschmann) ist in einer Fernsehshow natürlich der Moderator das wichtigste Element. Es würde nicht verwundern, wenn für eine eventuelle Neuauflage von „Wetten, dass…“ Frank Genser ins Gespräch gebracht würde, denn seine Darstellung als Moderator Bodo Aschenbach war umwerfend. Ähnlich wie bei den großen Moderatorenvorbildern ist Aschenbach ein König der belanglosen Überleitungen, die von einer Sekunde zu anderen von einem tragischen Beitrag zu einem musikalischen Gast überleiten können. „Wer vor dem Fernseher sitzt, kann jedenfalls nicht gleichzeitig foltern“, kommentiert er eine Szene, in der Kandidat Lotz Schmerzen zugefügt werden. Kuschmann war als gepeinigter Gejagter ziemlich beeindruckend, vor allem gegen Ende, als er völlig verzweifelt war.
Aschenbach wurde Assistentin Ulla zur Seite gestellt, eine Mischung zwischen Sylvie van der Vaart und Michelle Hunzinger. Julia Schubert, mit roter Perücke und holländischem Akzent, spielte ebenfalls großartig. Immer zwischen geheuchelter Anteilnahme und trockenem Zynismus.
Im Mittelpunkt stand natürlich der Kandidat Bernhard Lotz. Dabei hatte Sebastian Kuschmann die meiste Arbeit bereits im Vorfeld hinter sich gebracht, denn die fünf Aufgaben, die Lotz in den Tagen davor absolviert hatte, wurden als Einspieler gezeigt. Erst gegen Ende der Show kam Lotz live auf die Bühne, um die letzte Aufgabe „Silver Bullet“ zu absolvieren, da er sich leider bewaffnet hatte, um gegen das „Kommando“ zu bestehen.
Zu einer Live-Show gehört auch Musik. Die stammt vom neuen musikalischen Leiter des Schauspielhauses, Tommy Finke, der mit seinen Mitstreitern nicht nur die Studioband „Tommy Love and the Smilers“ bildete, sondern auch die Musik für die Stargäste schrieb.
Zu den Stargästen gehörte die umjubelte „Baeby Bengg“, eine J-Pop-Sängerin im Mangastyle und die an Klaus Nomi erinnernde „Brit Bo“. Beide wurden von Eva Verena Müller gesungen. Ein großen Auftritt hatte auch Sebastian Graf als „Johannes Rust“, dem ehemalige DSDS-Sieger und jetzigen Musicalstar, der mit seinem Jesus-Musical Erfolg hat. Der kleine Seitenhieb geht an Alexander Klaws, der in Dortmund ja den Jesus in „Jesus Christ Superstar“ singt.
Bettina Lieder sang den Anastacia-Klon „Slyvia Saint-Nicolas“ ebenso gekonnt wie Julia Schubert einen Song der Assistentin Ulla. Zum Schluß brachte Schubert als Lotzes Freundin „Cindy“ auch eine schräge Sarah-Conner-mäßige Version der deutschen Nationalhymne.
Für diese Produktion haben sich alle im Schauspielhaus sehr ins Zeug gelegt. Das ganze Ensemble war zumindest in kleineren Rollen zu sehen. Köstlich war Ekkehard Freye als Dortmunder Oberbürgermeister, der vor dem Rathaus eine Rede zum Tod der BVB-Hoffnung „Ricardo Gomez de la Hoz“ hielt. De la Hoz (Peer Oscar Musinowski) war als Kollateralschaden vom „Kommando“ erschossen worden. Das Kommando bestand aus Andreas Beck, der den ehemaligen Hells-Angel Bruno Hübner spielte, Bettina Lieder als russische Killerin Natascha Linovskaya und Björn Gabriel, der den leicht irren Howie Bozinsky verkörperte. Sehr schräg war auch Uwe Schmieder als Elisabeth Lotz, die Mutter vom Kandidaten Bernhard.
Die „Die Show“ hat neben ihrer klaren Medienkritik an den Formaten wie „Dschungelcamp“, „Big Brother“ und andere auch eine aktuelle Komponente. Denn Flüchtlinge aus Syrien oder Afrika müssen auch mehrere „Prüfungen“ absolvieren, um letztendlich an ihr Ziel zu gelangen. „Endlich mal ein Flüchtling, zu dem man halten kann“ oder „Dem geht es doch nur ums Geld“ waren die (fiktiven) Zuschauerkommentare zur Situation von Lotz.
Aufs Korn genommen wurde auch die unsäglichen Charity-Aktionen von Prominenten und die deutsche Tierliebe. Als Lotz bei einem Spiel von Hunden gejagt wird und die Tiere verletzt, ist natürlich die Empörung groß. Wegen der Hunde, nicht wegen Lotz.
Kritiker der Sendung werden auch nicht einfach vom Saalschutz abgeführt. Das gibt es bei Moderator Aschenbach nicht, er lässt – wie damals Gottschalk – den Kritiker zu Wort kommen. Oder besser: er lullt ihn mit seinem Geschwafel ein, bis er geht.
Die drei Stunden vergingen fast wie im Flug. Das ist ein großes Verdienst aller Beteiligten und vor allem von Regisseur Kay Voges. Schließlich überzog „Wetten, dass“ auch regelmäßig. Um alle kleinen Feinheiten zu erkennen, sollte man öfter in die „die Show“ gehen. Es lohnt sich vor allem wegen den guten Schauspielern und der tollen Musik. Ein unterhaltsamer, aber auch nachdenklicher Abend. „Die Show“ hat die Messlatte für diese Saison schon ziemlich hoch gesetzt.
Die „Die Show“ ist wieder in Dortmund am 29. August, 13. und 30. September und 12. November 2015.
„Wetten, dass…“ gibt es ja nicht mehr und wem die Chancen auf die Millionen bei Günther Jauch zu gering sind, der kann, wie Kandidat Bernhard Lotz, sechs Tage überstehen und dann das Geld kassieren. Das Problem bei „Die Show“: am sechsten Tag wird der Kandidat von einer Gruppe gejagt, die ihn töten will. Wer jetzt sagt, Moment, das kenne ich vom „Millionenspiel“ von Wolfgang Menge aus dem Jahre 1970, der hat recht. Das Stück „Die Show“ in einer Inszenierung von Kay Voges, Anne-Kathrin Schulz und Alexander Kerlin orientiert sich an dieser Sendung. Die Premiere ist am 23. August 2015.
„Die Show“ ist eine Gemeinschaftsproduktion des Schauspielhauses im wahrsten Sinne des Wortes. Der Aufwand ist gigantisch, nicht nur bei Bühne und Kostümen. Dem Zuschauer wird die perfekte Showbühne mit Steg und Treppe präsentiert und der Hauptmoderator Bodo Aschenbach (Frank Genser) wird entsprechend eingekleidet.
Doch das Aufwändigste waren die Außenaufnahmen, denn mit kurzen Einspielern wird die Geschichte der fünf vorausgegangenen Tage erzählt, das heißt, welche Prüfungen Lotz bereits absolviert hat. Während der Show gibt es aber auch Live-Schalten.
Zu einer echten Samstagabendshow (auch wenn die Premiere am Sonntag ist) gehört natürlich Musik. Der neue musikalische Leiter, Tommy Finke, tritt nicht nur mit einer eigenen Band „Tommy Love and the Smilers“ live auf, sondern hat für die Stargäste (u.a. Baeby Bengg und Brit Bo gespielt und gesungen von Eva Verena Müller) auch die Musik geschrieben. Einen kleinen humorigen Seitenhieb auf die Oper Dortmund und Alexander Klaws gibt es auch. Es tritt nämlich in „Die Show“ ein ehemaliger DSDS-Kandidat auf, der mittlerweile in Musicals singt und der einen großen Erfolg mit einem Jesus-Musical hat: Johannes Rust. Der wird aber von Schauspieler Christoph Jöde gespielt.
Natürlich kommt „Die Show“ – wie in der 70er Jahre Version – mit eine deutliche Medienkritik daher. Schließlich kann man den Titel ja auch englisch aussprechen. Neben der Hoffnung, „dass es den Zuschauern Spaß macht“, wie Regisseur Kay Voges formulierte, geht es um das Dilemma: Während ich mich Wohlfühle, rennt draußen jemand um sein Leben und um seine Chance, ein besseres Leben zu führen. In Zeiten von Flüchtlingsströmen ist „Die Show“ sehr aktuell.
Für die Premiere gibt es noch sehr wenige Restkarten, weitere Termine sind: 29. August, 13. und 30. September, 10. Oktober und 12. November.
Volksfaust beim Microfestival
„Faust III“ vom Theater Antagon stellt die Frage nach der Moral.
Am Samstag, dem 08. August 2015, zeigt das Theater Antagon um 22 Uhr das Stück „Faust III“ im Rahmen des Microfestivals auf dem Friedensplatz. Die freie Bearbeitung stellt die Gretchchenfrage anders: Wie hältst du es mit dem Geld und Profit?
Wer aus Frankfurt kommt, der Stadt der Banken (die Europäische Zentralbank hat dort ebenfalls ihren Sitz), wie das Theater Antagon, dem drängt sich das Thema „Geld“ förmlich auf. Für ihre Version des „Faust“ haben sie Goethes Original kräftig durchgebürstet. „Wir haben uns vom Text verabschiedet, weil wir physisches Theater machen“, so Bernhard Bub, der Dramaturg von Antagon. Es ist zwar kein Originaltext von Goethe enthalten, aber wer kennt nicht Figuren wie Mephisto, Gretchen oder des „Pudels Kern“? Natürlich wird auch die Gretchenfrage gestellt, nur in der aktualisierten Form: Geld oder Menschlichkeit. „Die markanten Szenen aus dem Faust erkennt man wieder“, ist sich Bub sicher.
Ein Straßentheater agiert nicht starr auf einer Bühne wie beim klassischen Theater. Es gibt zwar eine Hauptbühne, doch es werden auch Szenen im Publikum geben, so dass das Publikum unter Umständen auch durchmischt wird und sich einen anderen Blickwinkel wählen muss.
Antagon gibt es seit 25 Jahren. Die freie Bearbeitung von Stoffen ist typisch. „Wir sind kein Theater, die Stücke nachspielt“, so Sebastian Bolitz, der künstlerische Leiter. „Wir wollten aber zeigen, dass wir mit klassischem Stoff gut umgehen können.“
Zu dem Stück gibt es selbstkomponierte Live-Musik aus verschiedenen Stilrichtungen. Gespielt von einem Streicherterzett (Cello, Bratsche, Geige) und Klavier. Insgesamt werden 18 Leute auf der Bühne spielen. Das Theater Antagon passt sehr gut zum multikulturellen Microfestival, denn dort arbeiten Menschen aus 10 verschiedenen Nationen.
Mit dem Stück „Missing Links“ von „artscenico“ zeigte das Theater im Depot kurz vor der Sommerpause ein tiefschwarzen Blick in die menschliche Seele. Elisabeth Pleß, Rolf Dennemann und Tänzer Paul Hess zeigten am 26. und 27. Juni 2015 einen Parforceritt durch weitgehende dunkle Seelenzustände und Ängste.
Es war wohl die eindrucksvollste Szene des Stückes: Pleß klammert sich an Hess und wirkt somit wie ein Alp, den der arme Tänzer mit sich herumschleppen muss. Doch auch andere Szenen hatten viel Kraft, was vor allem an der exzellenten Leitung von Hess lag. Die tänzerischen Bilder, die er entwarf, waren eindringlich und berührend. In einigen Momenten wurde sein Rücken sogar zur Projektionsfläche von kurzen Videoeinspielungen.
Dennemann, der Kopf hinter „artscenico“, arbeitete sich durch die Urängste der Menschheit. Die Angst vor dem „Schwarzen Mann“ oder dem „Butzemann“, die vor allem Kinder plagt, wird aufgegriffen. Neben ziemlich grausamen Grimmschen Märchen wie „Das eigensinnige Kind“ oder „Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben“ steht auch beispielsweise Edgar Allen Poes berühmtestes Gedicht „Der Rabe“ oder Kafkas „Verwandlung“ Mittelpunkt des Stückes.
Die Bühne war karg, bis auf den Lichtkreis, der sich nach bedarf hob und senkte. Musik, unter anderem Mozarts Requiem, unterstützte das Stück. Das Ende von „Missing Links“ war wie der Anfang. Am Ende „stirbt“ der Tänzer durch mehrere Schüsse. Ein neuer Kreislauf beginnt.
Modernes Tanztheater trifft auf Schauspiel trifft auf Musik und Video. Auch wenn man die Rollen von Pleß und Dennemann nicht unterbewerten sollte, aber die tänzerische Leistung von Paul Hess stach einfach heraus. Das Stück ist sicher nicht jedermanns/-fraus Sache, aber wer modernen Tanz liebt und einen Einblick in menschliche Ängste bekommen möchte, sollte auf jeden Fall nach den „Missing Links“ Ausschau halten.
Zickenkrieg im Dschungel
Eine außergewöhnliche Spielbar präsentierten uns Bettina Lieder und Julia Schubert am 19. Juni 2015 im Institut. Die szenische Lesung des Stückes von Wolfram Lotz „In Ewigkeit Ameisen“ wurde gekrönt durch einen amüsanten Zickenkrieg der beiden Schauspielerinnen. Ein Erlebnis!
Zur Geschichte des Stückes „In Ewigkeit Ameisen“: Der Atomkrieg hat begonnen, die Menschheit hat nur noch einen Tag, aber das wichtigste für den Ameisenforscher Professor Schneling-Göbelitz ist es, die blaue Ameise zu entdecken, um unsterblich zu werden. Begleitet wird er von seinem Assistenten Müller.
Lieder und Schubert spielen nicht nur die beiden tragikomischen Figuren mit besonderer Leidenschaft, sondern mischen in den Text auch kleine Kämpfe zwischen Schauspielern, die vermutlich auf jeder Bühne der Welt stattfinden. Die erfolgreichere Schauspielerin, die die Hauptrolle spielt, versucht sofort klarzustellen, wer Herrin auf der Bühne ist. Entweder ist die Nebenfigur nicht naturalistisch genug gespielt oder eben zu naturalistisch, ganz nach Belieben. Ein wenig denkt man an die Wutausbrüche eines Klaus Kinski.
Die beiden Figuren Müller und Schneling-Göbelitz sind in ihrer Absurdität wunderbar gezeichnet. Müller, der bis zur Selbstaufgabe und darüber hinaus seinem Professor zu Diensten ist und Schneling-Göbelitz, ein Forscher „alten Schlages“, der für die Eingeborenen nur Verachtung übrig hat, ist ganz in seinem Wahn verfallen, als Entdecker unsterblich zu werden. Auch wenn die Menschheit kurz danach aussterben wird.
Mehrere kleine Auftritte haben per Video die beliebten Figuren Purl und Lum aus Becketts Stück „Endspiel“. Sie kommentieren als Radioreporter den Weltuntergang. Sehr gut gelungen war auch der absurde Gag mit der Telefonzelle im Dschungel mit einem Riesenhörer. Selbstredend hatte Müller dank Schneling-Göbelitz kein Kleingeld mehr, um seine Frau zu Hause anzurufen.
„In Ewigkeit Ameisen“, der Titel bezieht sich sicher nicht zufällig auf das Ende des Vaterunsers „In Ewigkeit Amen“, wurde dank Lieder und Schubert zu einem unterhaltsamen Trip in die Abgründe menschlichen Daseins.
Die letzte Premiere in der laufenden Spielzeit im Theater im Depot trägt den Titel „Missing links“ und ist ein Tanztheater von artscenico. Rolf Dennemann als Kopf der Produktion steht mit der Schauspielerin Elisabeth Pleß auf der Bühne, während Paul Hess den tänzerischen Teil übernimmt. Die Uraufführung ist am Freitag, den 26. Juni um 20 Uhr, eine weitere Vorstellung findet am 27. Juni 2015 ebenfalls um 20 Uhr statt. Im August gibt es weitere Termine.
„Urängste, Naturgewalten und Kindheitserinnerungen. Was macht das mit den Menschen“, fragte sich Rolf Dennemann und stieg hinab in unser aller Seelenleben, das geprägt ist durch Geschichten, Märchen und Anekdoten, die auch mal ins Grausame abgleiten können.
Um ein passendes Setting für diese Art von Geschichtenerzählung zu schaffen, wird ein Lichtkreis im Zentrum der Bühne stehen. Wie in einem Kaleidoskop werden die Geschichten von Kafka, Poe und weiteren Autoren in Ausschnitten angeleuchtet. „Die Geschichten werden aber nicht aus erzählt“, so Dennemann.
Den tänzerischen Part übernimmt der Essener Tänzer Paul Hess, der bereits in früheren Produktionen von artscenico zu sehen war wie beispielsweise „Feedback“. Denn der Körper kann bestimmte Dinge ausdrücken, die der Sprache fremd bleiben. Auch wenn sich die beiden Schauspieler bewegen werden, gestaltet Hess die tänzerischen Bilder. Dabei will er sich einer Tanzsprache bedienen, die ein reduziertes Bildmaterial benutzt und natürliche Bewegungen fördert. „Es werden Bilder entstehen, die Spaß machen können, aber auch erschrecken“, ist sich Hess sicher.
Multiple Marilyn
Marilyn Monroe – unnahbare Sexgöttin oder Frau mit unterschiedlichen Facetten? Das Stück „Displace Marilyn Monroe“ dargeboten von sieben Darstellern und drei Musikern präsentierte am 17. Juni 2015 im Studio des Schauspielhauses ein inklusives Stück über Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Jeder hat ein Bild von Marilyn Monroe in seinem Kopf: Blond, weiblich, gut aussehend. Eben ein Sexsymbol. Was passiert, wenn auch Brünette und sogar bärtige Männer (nicht Conchita Wurst) von sich behaupten, sie seien Marilyn Monroe? Gelächter? Ein wenig, doch es geht in dem Stück auch nicht darum, einen Marilyn Monroe-Lookalike-Wettbewerb zu veranstalten, sondern um die verschiedenen Facetten der Kultfigur zu beleuchten. Spannend war auch die Frage: Wie weit würde man gehen, um persönlichen Erfolg zu haben? Kleinere Schönheitsoperationen für eine Rolle?
Dabei wurden Stationen ihres Lebens von den sieben Darstellern, von denen manche eine Beeinträchtigung besaßen, szenisch dargestellt. So wurde die berühmte Szene mit dem weißen Kleid, das durch den Wind hochwallte, nachgespielt. Daneben wurden auch die bekannten Songs der Monroe wie „Diamonds are a girl’s best friend“ zum Besten gegeben. Das Geburtstagslied „Happy birthday, Mr. President“wurde von allen Beteiligten gesungen.
Die Musiker und Darsteller schafften mit „Displace Marilyn Monroe“ einerseits eine würdige Hommage an die Schauspielerin, andererseits auch eine nachdenkliche Reflexion darüber, wie wir uns selbst und andere Menschen wahrnehmen. Wahrscheinlich sind wir alle ein Stück Marilyn Monroe.
Alice im farbenfrohen Wunderland
Eine besonders farbenprächtige Version der Geschichte von „Alice im Wunderland“ präsentierte das Theater „Bubamara“ am 19. Juni 2015 im Theater im Depot. Vor allem die atemberaubenden Kostüme der Figuren aus Lewis Carrolls Geschichte faszinierten die jungen und jung gebliebenen Zuschauer. Gespielt wurde das Stück von Kindern und Jugendlichen von 8 bis 22 Jahren.
„Was für’n Trip“, sagt Alice, als sie sich statt auf ihrem 13. Geburtstag plötzlich in einer Parallelwelt mit völlig skurrilen Figuren befindet. Viele bekannte Figuren aus dem Buch tauchen auf: das weiße Kaninchen, der verrückte Hutmacher oder die grausame Herzkönigin.
Die beiden Regisseure Jens Wachholz und Rada Radojcic haben die Sprache des Stückes leicht an die heutige Zeit angepasst („Burn-Out-Syndrom“) und natürlich durfte „Who the fuck is Alice?“ bei der Gerichtsverhandlung am Ende nicht fehlen.
Die aufwändigen Kostüme waren auf alle Fälle ein Hingucker. Angefangen bei den sprechenden Blumen oder der Grinsekatze bis hin zur weißen Herzogin, die ein wenig „gruftimäßig“ geschminkt und gekleidet war. Ein besonderer Höhepunkt war die Teeparty des „verrückten Hutmachers“, der mit seinen Freunden eine kleine Tanzeinlage unterlegt mit Elektroswing hinlegte.
Wachholz und Radojic konzentrierten sich auf bestimmte Szenen und Figuren, die die surreale Welt von Carroll noch einmal unterstrichen. Das machte es für diejenigen, die das Buch (oder die Bearbeitungen) kaum oder gar nicht kannten, etwas schwierig der Geschichte zu folgen.
Dabei hatten viele Figuren in dieser „Coming of age“-Geschichte eine besondere Bedeutung. So symbolisiert das weiße Kaninchen, das bürokratisch ist und ständig auf die Uhr schaut, die Berufswelt der Erwachsenen. Die Teeparty karikiert die stocksteifen Rituale, die Alice irgendwann als Erwachsene ebenfalls über sich ergehen lassen muss.
Insgesamt war die Produktion eine herrlich quitschbunte Variante der Geschichte um Alice mit wunderbaren witzigen Darstellern, behutsam modernisierten Texten (das weiße Kaninchen rezitiert ein Dada-Gedicht bei der Gerichtsverhandlung) und passender Musik (Erik Satie und Elektroswing). Die nächsten Vorstellungen sind am 21. August 2015 um 20 Uhr sowie am 22. August um 18 Uhr im Theater im Depot.
Alice im Theaterwunderland
Bereit zur Premiere:(v.l.n.r.) das weiße Kaninchen (Liane Steinnagel), die Herzkönigin (Ronahi Kahraman) und der Hutmacher (Lina Härmstädt).
„Alice im Wunderland“ von Lewis Caroll ist eines der berühmtesten Kinderbücher. Unzählige Verfilmungen, Bühnenbearbeitungen und selbst Opernfassungen gibt es von diesem Werk, das durch seine skurrilen Figuren wie dem weißen Kaninchen oder dem verrückten Hutmacher Einfluss in die Popkultur gefunden hat. Rada Radojcic und Jens Wachholz von den Kulturbrigaden bringen das Stück unter dem Titel „Alice“ auf die Bühne. Spielen werden es etwa 15 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 19 Jahren. [Premierenbericht hier…]
Es ist sogar in der ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher: „Alice im Wunderland“ hat seit seinem Erscheinen 1865 nichts an seiner Faszination verloren. Das junge Theater Bubamara zeigt in poetischen Bildern und aufwändigen Kostümen die wundersame Welt der kleinen Alice in dieser Welt. Da das Stück von Kindern und Jugendlichen gespielt wird, haben Radojcic und Wachholz eine Bühnenfassung selber erstellt. Aber keine Angst, die Fassung sei sehr nah am Original, versprach Wachholz.
Die Geschichte in Kurzform: Auf der Feier zu ihrem 13. Geburtstag trifft Alice auf ein sprechendes weißes Kaninchen. Alice folgt ihm und landet im Wunderland und trifft dabei auf skurrile Gestalten wie der Grinsekatze, dem Jabbawocky oder dem verrückten Hutmacher.
Ein besonderer Schwerpunkt sind Texte und Musik aus den 20er Jahren. Dadaismus trifft auf Eric Satie. Dazu kommt eine ungewöhnliche Ästhetik mit den prächtigen Kostümen in dieser verrückten Geschichte des Erwachsen werdens.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf den jungen Darstellerinnen und Darstellern. „Es war für mich eine ziemliche Herausforderung“, erklärte Lina Härmstädt, die den „verrückten Hutmacher“ spielt. „Ich hatte zu kämpfen, wurde aber von Rada und Jens unterstützt.“ Dass eine Theaterrolle anders gestaltet werden kann, wie man es vielleicht im Film oder Fernsehen gesehen hat, musste das „weiße Kaninchen“ Liane Steinnagel erkennen: „Ich habe die Rolle anders gesehen, als ich es spielen sollte. Weniger hektisch, mehr bürokratisch.“ Ronahi Kahraman freut sich auf die „Herzkönigin“: „In dieser bösen Rolle kann ich die Wut heraus lassen.“
Für die Premiere am 19. Juni 2015 um 20 Uhr im Theater im Depot gibt es noch Restkarten, weitere Vorstellungen gibt es am 21. August 2015 um 20 Uhr und am 22. August um 18 Uhr, beide im Theater im Depot.
Am 20. Juni 2015, zur Extraschicht, wird eine Kurzversion in der Kokerei Hansa um 18 Uhr aufgeführt.