Mit Musik die Geschichte erklären

Die musikalisch-literarische Reise durch das letzte Jahrhundert nach der Vorlage des Buch-Bestseller „The Rest is Noise“ (Alex Ross) als Kooperation der Ruhrtriennale mit sechs regionalen Theatern ist ein ambitioniertes Unterfangen. Mit den Dramaturgen der Theater erarbeitet Regisseur Johan Simons sechs Varianten seiner erfolgreichen Lesereihe.

Die sechs Etappen der Reise: Das Schauspiel Essen (05.11.2015), Schlosstheater Moers (03.12.2015), Schauspiel Dortmund (21.01.2016), Theater Oberhausen (04.02.2016), Theater an der Ruhr (17.03.2016) und zum Schuss das Schauspielhaus Bochum (07.04.2016). Unterstützt werden sie dabei musikalisch durch die Bochumer Symphoniker.

Die erste Etappe konnte das Publikum am 05. November 2015 im Schauspiel Essen mit dem „Goldenen Zeitalter“ um die Jahrhundertwende (Strauss, Mahler u.s.w.) erleben. Weiter ging es am 03.12.2015 im Schlosstheater Moers (Komponisten – Zwanziger Jahre in Berlin, unsichtbare amerikanische Komponisten von Ives bis Ellington, Schönberg und die Atonalität). Das Schauspiel Dortmund diente als Ort für die dritten Etappe, die sich im ersten Teil mit der Kunst der Angst – Musik in Stalins Sowjetunion beschäftigte. Im zweiten Teil ging es um Musik im Amerika Franklin D. Roosevelts.

Friederike Tiefenbacher, Ensemblemitglied des Dortmunder Schauspielhauses, übernahm die Rolle des Autors Alex Ross und führte in die Lesung ein. Die anderen Schauspieler wie Bettina Lieder, Carlos Lobo, Andreas Beck, Frank Genser, Uwe Schmieder und Julia Schubert übernahmen bei ihrer Lesung verschiedene Rollen und Persönlichkeiten der Zeit, wie zum Beispiel Maxim Gorki. Es gelang ihnen mit Eindringlichkeit und Einfühlungsvermögen, die Stimmungslagen der Personen über die Texte dem Publikum näher zu bringen. So führt etwa Frank Genser die Verzweiflung von Dimtri Schostakowitsch nach einer vernichtenden „Formalismuskritik“ durch Stalin in einem Artikel in der Prawda (1936) und seine Trauer um die Opfer jeglicher Gewaltherrschaft und Diktatur, ob von Hitler oder eben Stalin, mit seiner Lesung aus dessen Memoiren dem Publikum deutlich vor Augen. Verstärkt wurde das Gehörte durch die folgende musikalische Darbietung der fünf Sätze aus Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 c-moll, op. 110. Beeindruckend intensiv dar gebracht vom Streichquartett der Bochumer Symphoniker.

Kurz vor der Pause zeigte Sachiko Hara ihr Können und Virtuosität am Piano mit „Chaconne“ von Sofia Gubaidulina, einer von Schostakowitsch geförderten russischen Komponistin. Sie wurde von elektronischer sowie von Improvisationsmusik beeinflusst.

Nach der Pause stand die Musik im Amerika Franklin D. Roosevelts im Mittelpunkt. Viele der von den Nazis oder dem sowjetischen Machtsystem bedrohten, verfolgten und beeinträchtigten Komponisten, Schauspieler, Produzenten u.s.w. emigrierten vor und nach Kriegsende in die USA. So etwa der für seine proletarischen Arbeiterlieder bekannte Hanns Eisler.

Das Dortmunder Schauspielensemble gab, begleitet von Sachiko Hara am Piano, mit „Into the Streets May First“ von Aaron Copland/Alfred Hayes eine kraftvolle Gesangsprobe ab. Zuvor beeindruckte Hara mit ihrer Darbietung von Sergei Rachmaninows (ebenfalls ausgewandert) Etudes-Tableaux, op. 33,Nr. 1, Nr. 2.

Das Publikum erfuhr bei der Lesung aber auch, dass die Zuwanderer zwar beachtet wurden, aber ihnen oft mit Misstrauen begegnet wurde. Eleonore Roosevelt, die Präsidentengattin, setzte sich vehement und beharrlich für die Komponisten und Künstler ein, wie Julia Schubert mit ihrer Lesung zeigte.

Der Komponist Igor Stravinsky, dessen moderne und progressive Musik aus „Sacre du printemps“ von Walt Disney für seinen Film „Fantasia“ benutzt wurde, war auch einer Emigranten. Die atonale Zwölftonmusik von Arnold Schönberg wurde im Animationsfilme wie etwa Tom und Jerry „Putin‘ On The Dog“ eingesetzt. Auf einer Leinwand wurde ein Film-Ausschnitt davon gezeigt. Ein Ausschnitt aus „Modern Times“ mit Charly Chaplin beendete die Veranstaltung.




Die Reise zum Sehnsuchtsort

Endstation Sehnsucht für Wenja (Uwe Rohbeck)?! (Foto: © Birgit Hupfeld)
Endstation Sehnsucht für Wenja (Uwe Rohbeck)?! (Foto: © Birgit Hupfeld)

Moskau-Petuschki. eigentlich eine Reise von zwei Stunden mit der Bahn, doch für den Säufer Wenedikt (Wenja) Jerofejew wird es keine einfache Tour. Das Buch des gleichnamigen Autors wurde in der Fassung von Stephen Mulrine von Regisseurin Katrin Lindner als ein-Personen-Stück konzipiert. „Die Reise nach Petuschki“ hatte am 16. Januar 2016 im Studio Premiere und bot einen Uwe Rohbeck in Höchstform.

Die Geschichte in Kürze: Wenja besteigt am Kursker Bahnhof den Zug Richtung Petuschki. Auf der Fahrt hat er skurrile Erlebnisse.

Das Buch von Jerofejew wird mit „der hochprozentigsten Sauftour der Weltliteratur“ beworben. Doch wer denkt, dass sei eine Art Erlebnisbericht vom feucht-fröhlichen Samba-Zug, der irrt. Denn unterm Strich ist das Buch tieftraurig. Es handelt nämlich vom Scheitern und letztlich dem Tod des Trinkers Wenja. Alles, was im Buch passiert, ist das Ergebnis des Deliriums der Hauptperson. Damit ist Wenja einer anderen Hauptfigur nicht unähnlich, dem Trinker Andreas aus „Die Legende des heiligen Trinkers“ von Joseph Roth. Ähnlich wie Andreas hat auch Wenja eine Sehnsucht. Wenja will nach Petuschki, wo seine Freundin und sein Sohn auf ihn warten. Auch hat der belesene Autor Jorofejew einige religiöse Bezüge in sein Werk eingebaut.

Regisseurin Lindner konzentriert sich hauptsächlich auf die Figur des Wenja. Die systemkritischen Bezüge auf das Sojwetsystem fallen fast komplett raus. Auch die Bühne ist karg. Eine kleine Bank und ein großes Plakat des sowjetischen Tourismusministeriums für den Oblast Wladimir, in dem Petuschki liegt. Das reicht.

Uwe Rohbeck macht einen sehr guten Job als Wenja. Es gibt kein Herumtorkeln, kein Gelalle, überhaupt wird in dem Stück nur einmal kurz getrunken. Zwar gibt es durch die surrealen Erinnerungen von Wenja einige Lacher, aber das Stück bleibt tiefernst. Dazu kommt, dass Rohbeck ein Meister im Darstellen von Außenseitern ist. Das hat er vor allem in den Produktionen mit Jörg Buttgereit („Der Elefantenmensch“ oder „Kannibale und Liebe“) unter Beweis gestellt. Auch Wenja spielt Rohbeck mit Würde und Stolz. Für diese besondere Zugfahrt sollte man auf jeden Fall eine Fahrkarte kaufen.

Mehr Informationen finden Sie unter www.theaterdo.de

Für alle, die wissen möchten, wie es so in Petuschki aussieht, hier ein Bild von Google Streetmap: In der Nähe des Bahnhofs von Petuschki

 




Emotionale Achterbahn in der neutralen Zone

Rinaldo (Ileana Mateescu) zwischen Almirena (Tamara Weimerich links) und Armida (Eleonore Marguerre rechts). Foto: ©Thomas M. Jauk / Stage Picture
Rinaldo (Ileana Mateescu) zwischen Almirena (Tamara Weimerich links) und Armida (Eleonore Marguerre rechts). Foto: ©Thomas M. Jauk / Stage Picture

Mit der Übernahme seiner erfolgreichen Produktion in der Oper Zürich in Kooperation mit dem Theater Bonn von Georg Friedrich Händels „Rinaldo“ brachte Opernintendant Jens-Daniel Herzog und das Dortmunder Ensemble am 09.01.2016 (Premiere) eine weitere Barockoper auf die heimische Bühne. Ein wenig Lokalkolorit spielte mit, denn „Rinaldo“ besitzt auch Bezüge zu Ritter Rinaldo (Reinoldus) von Montauban, dem Schutzpatron unserer Stadt, aus den Heldensagen von Kaiser Karl den Großen kommen.

Herzog transferierte das Geschehen der Geschichte, basierend auf der Legende über die Schlacht um Jerusalem (1099) in moderne Transit-Räume, einem Flughafen und einer Hotellobby. In dieser neutralen Zone treffen sich die beiden Parteien: Die christliche Fraktion um Goffredo und seinem Bruder Eustazio und die islamischen Fraktion um Argante und der Zauberin Armida. Um den Sieg zu erringen, benötigt Goffredo unbedingt die Hilfe von Rinaldo. Der leidet aber an einem „Burn-out“ und will eigentlich nur mit Goffredos Tochter Almirena ein ruhiges Leben führen. Doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Die Gegenseite entdeckt den schwachen Punkt bei Rinaldo und entführt Almirena und Armida bekommt auch Rinaldo in ihre Fänge. Selber eher an ihrem persönlichen Glück interessiert, verliebt sich Armida aber in den schönen Rinaldo und kann ihn nicht töten. Argante wiederum ist emotional zu der sanften Almirena hingezogen. Das bleibt vor der rach-und eifersüchtigen Armida nicht verborgen. Nachdem Almirena und Rinaldo von Goffredo und Eustazio mit Hilf eines Magiers befreien können, raufen sich auch Argante und Almirena wieder für den Kampf um Jerusalem zusammen. Nachdem die christlichen Kreuzritter die entscheidende Schlacht gewinnen, arrangieren sich alle Parteien notgedrungen.

„Eine Hauptfigur hasst zu Beginn eine andere und stellt erst später fest, dass sie ihn liebt.“ Allein darüber haben spätere Komponisten ganze Opern verfasst. In der Zeit von Händel ging das alles noch schnell. Keine Psychologisierungen, kein langsamer Gefühlswandel über vier Arien, von „Ich werde dich töten“ zu „Ach, ist der hübsch. Ich bin verliebt“ dauert es bei Armida nur wenige Sekunden. Ebenso schnell wird der „Beziehungsstreit“ zwischen Argante und Armida beendet.

Dabei half Herzog auch die geniale Bühne von Christian Schmidt. Die geschickt ausgewählte drehbare Bühnenvorrichtung mit ihren verschiedenen Ebene bot eine geniale Spielwiese für spezielle Effekte und die Möglichkeit, verschieden emotionale Zustände wie Wut, Eifersucht, Liebe und Traurigkeit aber auch humorvolle Ironie auf die Bühne zu zaubern. Rinaldos (Ileana Mateescu) Verzweiflung wird zum Beispiel noch deutlicher, dass sich die Personen um ihn herum in Zeitlupe bewegen. Ein im Schockzustand bekanntes Phänomen. Der Höhepunkt war die Arie von Rinaldo „Venti, turbini, prestate“ kurz vor Ende des ersten Aktes, als Rinaldo die Kraft des Windes beschwor und sich alle dem Sturm beugen mussten. Vom Winde verweht auf die komischste Art.

Die Barockoper stellt besondere Anforderungen an die Stimmlagen der Sänger/innen. So sind bei „Ronaldo“ auch die Männerrollen zumeist von Frauen oder besetzt. Sozusagen Frauen-Power.
Als Rinaldo bewies die in „Hosenrollen“ (zum Beispiel „Rosenkavalier“) erfahrene Ileana Mateescu wieder einmal mehr ihr gesangliches und darstellerisches Können. Das gleich gilt für Eleonore Marguerre als Armida in all ihren Facetten. Mal erotisch-frivol, mal wütend eifersüchtig voller Rache. Tamara Weimerich als liebreizende Almirena begeisterte vor allem bei der schönsten und bekanntesten Arie der Oper „Lascia ch’io pianga“. Gelungen war auch ihr erster Auftritt als Art weiblicher James Bond. Als Gast aus Bonn gefiel Kathrin Leidig als Goffredo. Obwohl er am Anfang mit der Lautstärke zu kämpfen hatte, machte Jakob Huppmann als Eustazio die besondere Faszinazion einer Kauntertenor-Stimme deutlich, zudem hatte er es beim Publikum nicht leicht, nachdem er in der ersten Szene die Zukunft aus einer frischen Katzenleber lesen musste. Tierfreunde brauchen jedoch keine Panik zu bekommen, es wurde alles nur gespielt. Ist schließlich auch eine Oper. Mit viel Humor und Stimmgewalt füllte Gerardo Garciacano seine Rolle als Argante.

Das Tanzensemble bereicherte die Inszenierung mit schönen Choreografien, denn sie waren weit mehr als nur Statisten. Ihre Tanzeinlagen passten wunderbar zur Inszenierung, mit Aktenkoffer und Business-Anzug, als Unterhändler, die mehr mit den Akten als mit dem Schwert kämpften.

Die Inszenierung war bis in die Nebenrollen gut besetzt. Sei es die verführerischen Sirenen (im Stewardessen-Look) oder der Magier (Maria Hiefinger) als Reinigungskraft.

Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Motonori Kobayashi waren passend in Barockorchester-Stärke zu hören. Dafür waren sie etwas erhöht, so dass sie für das Publikum als sichtbarer Teil der Inszenierung zu erkennen waren. Das musikalische Fazit: Sie können auch Barockmusik.

Es war ein begeisternder Barockopern-Abend. Wo so viel auf verschiedenen Ebenen passiert, ist es schwer, all die vielen Details mit zu bekommen. Da hilft nur, noch mal ansehen und anhören. Denn die Inszenierung kennt keine Langeweile, ist ist mit viel Augenzwinkern gemacht worden, ohne die Sängerinnen und Sänger in irgendeiner Form bloß zustellen. Die Beziehung zwischen Christen und Muslimen steht nicht im Mittelpunkt, sie ist noch nicht einmal ein Randthema. Es geht in dieser Inszenierung nicht um Religion, sondern um die Wirren und Fallen der Liebe.




Über die Farce eines Prozesses

Bettina Lieder (im Vordergrund) erzählte gegen Ende des Stück noch etwas über das Dortmudner Opfer Mehmet Kubasik. (Foto: Birgit Hupfeld)
Bettina Lieder (im Vordergrund) erzählte gegen Ende des Stück noch etwas über das Dortmunder Opfer Mehmet Kubaşık. (Foto: Birgit Hupfeld)

Welche Rolle spielte Beate Zschäpe bei der NSU? Nachdem sie vor Gericht jahrelang geschwiegen hatte, ließ sie vor einigen Tagen ihre Rechtsanwälte eine lange Erklärung vorlesen. Müsste die Premiere am 11. Dezember 2015 von „Das schweigende Mädchen“ nach dem Text von Elfriede Jelinek jetzt abgesagt werden, weil sie ja nicht mehr schweigt? Keine Sorge, etwas vorlesen zu lassen, ist noch nicht „sprechen“ und Jelinek hat frisch für die Premiere noch etwas Text hinzugefügt. So konnte die neue Zwischenspielstätte im ehemaligen BVB-Megastore gebührend eingeweiht werden.

Regisseur Michael Simon hat die über 300 Seiten der Vorlage selbstverständlich nicht 1:1 umgesetzt, sondern hat den Text sehr stark eingedampft, beziehungsweise sich auf den Anfang konzentriert. Positiv ist auch, dass Simon sich nicht auf das „schweigende Mädchen“, sprich Zschäpe, einschießt, denn diese Popularisierung hat sie nicht verdient. Im Mittelpunkt steht für Simon, die Beziehung der Deutschen zu der Mordserie, die ja durch die Bezeichnung „Dönermorde“ ins Lächerliche gezogen wurde. Darüber hinaus wurde sehr stark auf die Rolle des Verfassungsschutzes hingewiesen, der einerseits nichts wusste, aber andererseits mit Geld die militante Neonazi-Szene unterstützt.

Die Entscheidung, die erste Premiere in den neuen Räumen mit dem „schweigende Mädchen“ zu beginnen, ist eine sehr gute. Denn die Inszenierung nimmt den Raum, die große Halle, bewusst auf uns spielt optimal mit ihren Möglichkeiten. Zu Beginn sind die sechs Schauspieler an verschiedenen Orten und sprechen wie auf ein geheimes Kommando alle zugleich. Da sich der Text wiederholt, kann der Zuschauer verschiedenen „Engeln“ zuhören.

Im Raum ist ein zerstörtes Polizeiauto zu sehen, in Anlehnung an den Fall Kiesewetter, die die NSU ermordete, aber auch eine Silhouette des Wohnwagen, in dem sich Mundlos und Böhnhardt umgebracht haben. Auf einer Seite sind die Namen der Opfer samt Todesdatum eingetragen. Mitten im Stück wird von den Schauspielern auch das Bild „Die Kreuzigung Christi“ von Matthias Grünewald nachgestellt. Später dürfen die Zuschauer auch auf einer kleinen Tribüne Platz nehmen.

Das Stück hat den Charakter einer typischen Stückentwicklung, bei der verschiedene Texte zu einem Werk verschmelzen. Unter der Regie von Simon gibt es klar definierte Teile wie beispielsweise die grosteke Gerichtsverhandlung, bei der Uwe Schmieder den Richter gibt. Hier werden neue Texte benutzt, die Jelinek extra geschrieben hatte. Hier tauchen albtraumartige Geschöpfe auf, die den Richter quälen.

„Das schweigende Mädchen“ ist ein sehr emotionales Stück, weil Simon hauptsächlich auf die Rolle des Verfassungsschutzes und die Frage, wie die Mehrheitsgesellschaft mit den Taten umgegangen ist und noch umgeht. Nach all den Jahren bleibt immer noch Fassungslosigkeit über die Morde und deren Aufarbeitung samt jahrelangen Prozess. Es ist gut, dass Zschäpe nicht in den Mittelpunkt rückt.

Neben den Schauspielern Frank Genser, Marlena Keil, Bettina Lieder, Uwe Schmieder, Friederike Tiefenbacher und Merle Wasmuth spielte der Dortmunder Sprechchor eine beeindruckende Rolle in dem Stück. Wer die neue Örtlichkeit des Dortmunder Schauspiel kennenlernen möchte, kann die neuen Möglichkeiten in „Das schweigende Mädchen“ erleben.

Infos und Karten unter www.theaterdo.de




Ein katholisches Roadmovie

Entsetzen bei den Ministranten. Der neue Pfarrer war ein Automat. (v.l.n.r.) Erika (Finnja Loddenkemper), Egon  (Thorsten Bihegue) und Lutz (Leon Müller). (Foto: © Birgit Hupfeld)
Entsetzen bei den Ministranten. Der neue Pfarrer war ein Automat. (v.l.n.r.) Erika (Finnja Loddenkemper), Egon
(Thorsten Bihegue) und Lutz (Leon Müller). (Foto: © Birgit Hupfeld)

Absurd und wahnwitzig. Auch die zweite Produktion, „Das Maschinengewehr Gottes“, von Wenzel Storch lässt seinen Besucher Tränen lachen. Dennoch schafft es Storch wie bei „Komm in meinen Wigwam“ seine Figuren nicht bloß zustellen. Die Premiere am 10. Dezember 2015 war ein Riesenerfolg.

Storch machte bei der Besetzung keine Experimente. Die meisten waren schon beim „Wigwam“ dabei, nur Andreas Beck und Julia Schubert ergänzten das Ensemble. Nach dem „traditionellen“ Beginn: Die Zuschauer sind quasi Gemeindemitglieder, die an einem bunten Abend vom Gemeindereferenten (Ekkehard Freye) und Herrn Baldrian (Thorsten Bihegue) über die katholische Abenteuerliteratur aufgeklärt werden. Es gab sie tatsächlich. Ministranten, die Kriminalfälle aufklärten und ähnliches im Groschenheftformat für den echten Katholiken.

Auch die Grundidee des „Maschinengewehr Gottes“ könnte aus der Feder eines der katholischen Krimiautoren sein. Worum geht es? Kaplan Buffo (Heinrich Fischer) verliert seine Kirche in Nesselrode beim Pokern an Bauer Hümpel (Andreas Beck). Die Ministranten Egon (Thorsten Bihegue), Erika (Finnja Loddenkämper) und Lutz (Leon Müller) sind quasi heimatlos und bestellen beim „Christlichen Versandhandel“ einen Pfarrer. Das „Maschinengewehr Gottes“ (Andreas Beck) hat aber eine Fehlfunktion und stellt sich als Automat heraus. Die drei Ministranten unter der Leitung von Oberministrant Egon stellen fest, dass der Automat in Oberschlesien in einem Nonnenkloster gefertigt wurde und begeben sich über das Rote-Beete-Massiv zum Kloster. Hier kommen sie mit Hilfe von Schwester Adelheid (Julia Schubert) hinter dem Geheimnis der Domina (wie die Äbtissin eines Klosters auch genannt wird).

Was wie ein skurriler Traum eines Messdieners klingt, ist von Wenzel Storch liebevoll und mit viel katholischem Hintergrundwissen inszeniert. Die vorökumenische Distanz zwischen Katholiken und Protestanten (das Stück spielt nach dem 2. Vatikanischen Konzil) ist ein Running Gag („Ihr Katholiken dürft ja keine Kohlensäure trinken!“) des Stückes, aber auch kleine Wortspiele wie der „Hostinettenbär“ sorgen dafür, dass dem Publikum die Tränen vor Lachen kommen. Garniert wird das ganze mit christlicher Musik während den kurzen Umbaupausen wie beispielsweise „Morning has broken“ in einer deutschen Version.

Im Stück gibt es verschiedene Anspielungen auf Pater Leppich. Er bekam, an Billy Graham angelehnt, den Titel des „Maschinengewehr Gottes“. Der Automat im Stück spult pausenlos Aussagen aus Leppichs Reden und die Reise der drei Ministranten führt nach Oberschlesien, der Heimat von Pater Leppich.

Natürlich ist es hilfreich, ebenso wie Storch, aus dem katholischen Milieu zu kommen, aber die Spielfreude aller Teilnehmer macht das Stück auch für Evangelen, Juden, Moslems oder Atheisten sehenswert. Um alle die kleinen Gags wirklich zu erleben, sollte man „Das Maschinengewehr Gottes“ auf jeden Fall öfter besuchen. Ein deutliches und lautes „Halleluja“!

Mehr Infos und Termine unter www.theaterdo.de




Ausflug in die katholische Abenteuerliteratur

Die drei Messdiener auf dem Weg durch das Rote-Beete-Gebirge (v.l.n.r.) Leon Müller, Finnja Loddenkämper und Thorsten Bihegue). Foto: ©Edi Szekely.
Die drei Messdiener auf dem Weg durch das Rote-Beete-Gebirge (v.l.n.r.) Leon Müller,
Finnja Loddenkämper und Thorsten Bihegue). Foto: ©Edi Szekely.

Nach dem großen Erfolg von „Komm in meinen Wigwam“ präsentiert Wenzel Storch in dieser Spielzeit mit „Das Maschinengewehr Gottes“ eine Art Road-Movie für das Theater. Die Krimi-Burlesque hat am 10. Dezember um 20 Uhr Premiere.

War der „Wigwam“ noch sehr stark von der katholischen Aufklärungsliteratur und der Figur von Pater Lappan geprägt, ist das „Maschinengewehr Gottes“ eine bizarre, wenn auch vergnügliche Reise durch die katholische Abenteuerliteratur.

Die Geschichte: Kaplan Buffo verliert seine Kirche beim Pokern an Bauer Hümpel, der die Kirche den Erdboden gleichmacht. Im alten Pfarrhaus leben die Ministranten Lutz, Erika und Egon. Die Messdiener bestellen sich im Christlichen Kaufhaus einen neuen Priester. Der Priester ist aber ein um sich schießender Automat, der kurze Zeit später explodiert. In seinem Inneren finden die Ministranten auf einen Orden in Schlesien. Die drei machen sich also Richtung Osten auf. Die dortigen Nonnen vom Orden der barmherzigen Seepferdchen verehren die Meerjungfrau Maria. Haben sie den Automaten gebaut? Steckt Kaplan Buffo dahinter?

Wie schon beim „Wigwam“ spielt Storch sehr stark mit der Begrifflichkeiten der katholischen Lebenskultur, jedoch ohne sie lächerlich zu machen. Das Stück ist wie eine Art „katholisches Groschenheft“, so nennt es Wenzel. Ein wenig inspiriert von einem typischen Bauerntheater, können sich Bühne und Kostüme richtig austoben.

Der größte Teil der Besetzung von „Wigwam“ ist wieder da, ergänzt durch Julia Schubert und Andreas Beck. Hinzu kommen wieder Mitglieder des Jugendclubs „Theaterpartisanen“ und des Sprechchores.

Die Premiere ist ausverkauft, für die zweite Vorstellung am Freitag, dem 11. Dezember gibt es aber noch Restkarten. Weitere Termine und Infos finden Sie unter www.theaterdo.de




Berührendes Melodrama in der Oper

Keine Chance für die Zukunft haben Violetta  (Eleonore Marguerre) und Alfredo (Ovidiu Purcel). Foto: © Thomas Jauk.
Keine Chance für die Zukunft haben Violetta (Eleonore Marguerre) und Alfredo (Ovidiu Purcel). Foto: © Thomas Jauk.

Am 28. November 2015 war Premiere von Giuseppe Verdis berühmten „La Traviata“ (Die vom Weg Abgekommene) nach der „Kameliendame“ „Alexandre Dumas fils) in der Oper Dortmund.

Die junge Regisseurin Tina Lanik legte den Schwerpunkt ihrer Inszenierung auf die Darstellung der Pariser Edelprostituierten Violetta Valéry als Einsame, oberflächlich lebende aber sensiblen Frau mit weichem Herz, die alles was sie macht, radikal bis zum Ende durchzieht. Die tödliche Krankheit Tuberkulose liegt dabei immer wie ein Schatten über ihr Leben.

Violetta lässt sich von den Liebesbekundungen Alfredo Germont, seinem hartnäckigen Werben berühren und wagt eine radikale Änderung ihres bisherigen Lebenswandels. Sie zieht mit Alfredo in ein Landhaus und erlebt ein kurzes Glück als dessen treue Lebensgefährtin. Diese scheinbare Idylle wird jedoch abrupt durch Alfredos Vater, dem Geschäftsmann Giorgio Germont, gestört. Der herrische Patriarch der aufkommenden Bourgeoisie verlangt von ihr, sich von seinem Sohn zu trennen, um die „Ehre“ seiner Familie wieder herzustellen. Überrascht erkennt Giorgio, dass Violetta so gar nicht in die Schablone der „ausgebufften Betrügerin und raffgierigen Prostituierten“ entspricht, sondern eine liebende Frau ist, die für den gemeinsamen Lebensunterhalt selber aufkommt. Trotz seiner Zuneigung für Violetta, setzt Alfredos Vater gnadenlos seine Interessen durch. Nun beginnt die nächste Wandlung der Violetta, zu einer Verzichtenden. Nach anfänglichen Zögern willigt sie ein, sich radikal von Alfredo zu trennen, wenn sein Vater ihm nur nach ihrem Tod von ihrem großen Opfer aus Liebe erzählt. Sie macht Alfredo vor, einen anderen zu lieben. Der ist voll rasender Eifersucht und wie ein trotziges Kind wirft ihr das beim Spiel gewonnen Geld vor die Füße verschwindet später ins Ausland. Kurz vor ihrem Tod erfährt er die ganze Wahrheit über Violettas Verzicht, kommt zu ihr und möchte krampfhaft an eine gemeinsame Zukunft glauben. Es ist aber zu spät. Wie sein herbeigeeilter Vater, die treue Freundin und Haushälterin Annina und der Doktor können sie nur zusehen, wie sie stirbt.

Eleonore Marguerre, bekannt aus verschiedenen Produktionen (wie beispielsweise Don Giovanni), überzeugte nicht nur bei der Bewältigung der hohen gesanglichen Herausforderung, sondern auch durch ihre intensive und sensiblen Darstellung der Violetta Valéry in ihrer Verzweiflung, Sehnsüchten, Radikalität und Einsamkeit. Drastisch zum Beispiel, als sie ihre blonde Perücke und Kleidung als Zeichen für das Ende ihres Leben als Edelprostituierte ablegt. Als Vertretung für den erkrankten Tenor Lucian Krasznec sprang Ovidiu Purcel von der Rheinoper als Alfredo Germont. Mit weichem Timbre und viel Emotionen stellte er www.theaterdo.desowohl den verliebten als auch eifersüchtig-beleidigten Alfredo dar. Mit großer Bariton-Stimme und Präsenz auf der Bühne begeisterte Sangmin Lee als Giorgio Germont.

Ein großes Kompliment dem Opernchor des Theaters Dortmund unter der Leitung von Manel Pujol. Die Damen und Herren hatten ihren großen Auftritt im zweiten Akt als „Zigeunerinnen“ und „Matadore“. Zusammen mit Natascha Valentin als Flora Bervoix und Morgan Moody als Marquis d’Obigny sorgten sie für ordentlich Feierstimmung. Die weiteren Nebenrollen in „La Traviata“ fügten sich mit ihren Leistungen in das gelungene Gesamtbild ein.

Die Kostüme waren zeitgenössisch, raffiniert und bei der Farbauswahl mit Bedacht ausgewählt.

Die Bühnenausstattung war mit wenigen, stimmungsvollen Elementen wie zum Beispiel ein loderndes Feuer dezent ausgewählt.

Die Dortmunder Philharmoniker begleiteten das Geschehen musikalisch unter der Leitung von Motonori Kobayashi mit Sicherheit und Gespür für die jeweilige Stimmungslage. Die Inszenierung zeigte nicht nur das Schablonendenken der sogenannten „besseren Gesellschaft“, die Violetta keine Chance gibt, auf, sondern entlarvt auch deren gnadenlose Heuchelei und verbreiteten Voyeurismus. Ein leider immer (noch) aktuelles Thema.

Ein gelungener und begeistert gefeierte Abend für alle Opernfans.

Infos und Termine unter www.theaterdo.de

 




Zusammenhänge gesucht

Das „Glitzern der Welt“ von kainkollektiv ist ein exklusives Vergnügen, denn pro Vorstellung können nur maximal sechs Personen teilnehmen. Das Spannende daran: Das Theater ist die Stadt. Das heißt, der Theaterbesucher muss sich bewegen oder wird bewegt. Bei der Pressevorführung des zweigeteilten Stückes bleibt mir ein Gefühl, als ob ich die erste Halbzeit bei einem Fußballspiel verbracht hätte und die zweite Halbzeit beim Billard.

Konsum, Flüchtlinge, Rassismus. Eigentlich Themen, über die eigene Stücke verfasst werden können (und auch verfasst wurden). Die drei Themen haben sicherlich auch eine Klammer, denn die Frage, warum dürfen Waren frei über die Grenzen, Menschen aber nicht, ist ständig präsent. Dennoch wird man aus der Verquickung nicht ganz glücklich.

Der erste Teil findet im öffentlichen Raum statt und ist der spannendste. Mit einem mp3-player und einem Kopfhörer verlässt man das Theater und lässt sich von einer Stimme führen. Man sei ein „Auserwählter“ und zur „Ausreise“ müsse man einen Weg absolvieren, der einem durch die Stadt führt.

Für den zweiten Teil wurde man mit einem Auto (mit schwarz verkleideten Fenstern) abgeholt und wurde in den Hafen gefahren, während ein Film auf dem Monitor lief. Hier wurde die Sechsergruppe von David Guy Kono aus Kamerun in Empfang genommen. Nach seinen Ausführungen über seine Heimat, in der sich auch ein Umschlagshafen für weltliche Waren befindet und die allgemeine Situation der Flüchtlinge, ging es, nach etwas Voodoo für die Toten, zum gemeinsamen Palmwein trinken. Für ein gemeinsames Essen und eine angeregte Diskussion blieb leider nicht soviel Zeit, aber spätere Besucher werden vermutlich in den Genuss einer Mahlzeit kommen. Danach ging es wieder zurück zum Schauspielhaus.

War der erste Teil wirklich bemerkenswert, da man sehr konzentriert durch die Gegend lief und immer darauf achtete, den Anweisungen der Stimme zu folgen, fand ich den zweiten Teil im Hafen etwas inkonsistent. Irgendwie passten beide nicht zusammen. Doch vielleicht sind meine Kritikpunkte für jemand anderen gerade die besonders spannenden Dinge.

Die genauen Termine finden Sie unter www.theaterdo.de




Tradition trifft Moderne

Noch ist das Gespenst Sir Simon (Rainer Kleinespel) guter Dinge. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Noch ist das Gespenst Sir Simon (Rainer Kleinespel) guter Dinge. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Wie jedes Jahr gastiert das Ensemble des Kinder-und Jugendtheaters auch 2015 mit einem Weihnachtsmärchen für die ganze Familie im Schauspiel Dortmund. Diesmal hat sich der Leiter des KJT, Andreas Gruhn, das „Gespenst von Canterville“ nach einer Erzählung von Oscar Wilde (1856 -1900) vorgenommen und bearbeitet. Am 26.11.2015 war die Premiere im Schauspielhaus.

Zur Geschichte: In den 60iger Jahren kauft der New Yorker Geschäftsmann Hiram Otis das englische Schloss Canterville. Als er dort mit seiner Frau Lucretia (Lucy) Otis, seinen jugendlichen Söhnen Washington und Buddy sowie der elfjährigen Virginia ankommt, erwartet sie die Verwalterin Mrs. Umney und warnt vor dem Geist von Sir Simon von Canterville, der dort nach seinem Tod vor 350 Jahren sein Unwesen treibt. Doch die rationalen, von der Fortschrittlichkeit ihrer Nation und materialistisch denkenden Amerikaner reagieren anders als erwartet. Ohne Angst bieten sie dem Geist die „Errungenschaften der neuen Zeit“ an, um zum Beispiel seine quietschenden Ketten mit einem speziellen Öl zu schmieren. Die Söhne attackieren ihn mit Wasserpistolen.

Mr. Otis plant, das alte Schloss und das Gespenst in einer Art „Disneyland“ zu verwandeln und zu vermarkten. Das Gespenst, versteht nicht, warum diese Menschen keine Angst vor ihm haben.

Nur die elfjährige Virginia begegnet ihm mit Empathie und kindlicher Offenheit. Ihr verrät er seinen sehnlichen Wunsch, nur zu „schlafen“ und in den „Garten des Todes“ hinüber zu gehen. Das kann er aber nur mit Hilfe des Mädchens…

Die Bühnenausstattung von Oliver Kostecka bot all das, wie sich viele Zuschauer/innen ein altes englisches Schloss vorstellen. Kronleuchter, dunkle Fassaden, alte Wendeltreppe, eine Ritterrüstung und einen ausgestopften Eisbären mit um Mitternacht rot funkelnden Augen. An der linken Seite eine schwarze Truhe. Nebel und Donnereffekte sorgten für eine schaurige Atmosphäre.

Mrs. Omney war bieder hochgeschlossen angezogen, während die Familie Otis in bunten Outfit der 60iger Jahre auftrat. Lustige Idee, dass alle in den gleichen leuchtend blauen Pyjama mit Aufdrucken auf die Bühne kamen.

Das Gespenst war weiß geschminkt und trug Halskrause und Pluderhosen aus der Renaissance-Zeit.

Es erinnerte ein wenig an den Poltergeist „Beetlejuice“ (Betelgeuse) aus dem gleichnamigen Film (1988) mit einer ähnlichen Thematik.

Wie bei einem Musical gab es eine Mischung aus Musik (Songs: unter anderem Swing, Rock und aus der Renaissance), Tanz und Schauspiel mit Slapstikelementen.

Im Stück prallen zwei Welten aufeinander. Die britisch-konservative, mit einer fast paranoiden Panik vor übernatürlichen Phänomene und dem materialistischen, rationalen Fortschrittsglaubens des amerikanischen Kapitalismus der 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts. Oscar Wilde hat beides in seiner Erzählung ironisch Charakterisiert.

Die Schauspieler brachten die verschiedenen Typen sehr plastisch und gelungen auf die Bühne.

Bettina Zobel als spröde Mrs. Umney, die bei der kleinsten Störung in Ohnmacht fällt, aber dann kurz „auftaut“ und ein flottes Tänzchen mit Mr. Otis und den anderen auf der Bühne wagt. Joeri Burger (bekannt aus einem früheren Weihnachtsmärchen als „Pinocchio“) steuerte für das Stück einige schöne Choreographien bei. Johanna Weißert und Andreas Ksienzyk als Mr. Und Mrs. Otis spielen die fortschrittsgläubigen, geschäftstüchtigen Amerikaner mit großer Lust und Engagement. Mit Akribie preisen sie die Produkte der neuen Welt wie Fleckenentferner,Tropfen gegen Verdauungsprobleme oder gar Coca-Cola bei Ohnmacht an.

Die beiden Söhne Washington (Thosten Schmidt) und Buddy (Philip Pelzer) sind typische „New Yorker Boys“ ihrer Zeit. Sie spielen gerne Rockabilly-Musik und lieben die Annehmlichkeiten ihrer Zeit. Talisa Lara spielte die die Tochter Virginia, die mit ihren elf Jahren noch ein Kind ist und als einzige sensibel, offen und ohne Vorbehalte auf das Gespenst zugeht und ihm hilft. In der Sorge um ihr Kind, überdenken die Eltern ihre Pläne schließlich noch einmal. Talisa Lara meisterte die schwierige Aufgabe, eine Elfjährige zu spielen mit viel Einfühlungsvermögen.

Rainer Kleinespel spielt das Gespenst von Canterville in all seinen komischen und tragischen Facetten.

Ob das Stück für kleine Kinder zu gruselig ist? Ich denke nicht, denn Kleinespel bringt trotz unheimlicher Montur immer ein gewisses Augenzwinkern mit, selbst beim fürchterlichsten Kettenrasseln. Wer hat eigentlich Angst vor wem? Schnell bekommen die Zuschauer Mitleid mit Sir Simon, denn er will eigentlich nur seine Ruhe.

Fazit: Ein Besuch auf Schloss Canterville lohnt sich auf jeden Fall.

Karten und weitere Infos  unter www.theaterdo.de

 




Wenn der „Schalxit“ droht

Eine kleine Reminiszenz des Geierabends an ein sehr berühmtes Album-Cover. (Foto: © StandOut)
Eine kleine Reminiszenz des Geierabends an ein sehr berühmtes Album-Cover. (Foto: © StandOut)

Am 29. Dezember 2015 startet wieder der Geierabend in den karnevalistischen Frohsinn. Auf der Zeche Zollern heißt es in dieser Session „Komm wiesse bis“. Die zwanglose Aufforderung entstammt dem Song „Come as you are“ von Nirvana, die damit vor rund 25 Jahren die Charts stürmte. Zur selben Zeit wurde in Dortmund der Geierabend gegründet.

Seit einiger Zeit greift der Geierabend stärker politische Themen auf. Auch in dieser Session gibt es Beiträge über die Flüchtlingsdebatte oder die Griechenlandkrise. Hier sinnieren „Die Zwei vonne Südtribühne“ über einen möglichen Austritt Schalkes aus der Bundesliga, dem „Schalxit“, schließlich haben Griechenland und Schalke die gleichen Farben.

Filmfreunde dürfen die ersten Szenen aus „Star Wars“ bewundern und das neue DFB-Fußball-Museum wird natürlich auf die Schippe genommen, es wird ganz besondere Schuhe beim Geierabend zu bewundern geben.

Ein Wiedersehen mit altbekannten Figuren darf beim Geierabend natürlich nicht fehlen. Der Sauerländer Joachim Schlendersack und die Brüder Wemser und Missgeburt sind wieder mit von der Partie. Ein Internetphänomen bekommt ebenfalls sein Fett ab. Als Antwort auf die ganzen Youtube-Stars schickt der Geierabend die härteste Youtuberin ins Rennen.

Seinen festen Platz hat der Geierabend im Karnevalsprogramm des WDR: Höhepunkte der Show werden im Hörfunk auf WDR5 gesendet. Zudem gibt es die Show ab Weiberfastnacht in voller Länge als kostenlosen Videostream unter comedy.wdr.de. Als Auftakt für einen humorvollen Jahreswechsel gehen die Geier erstmals auch am Silvesternachmittag auf die Bühne. Die Extravorstellung startet um 15.30 Uhr und endet um ca. 19 Uhr. Eine anschließende Party auf Zeche ist jedoch nicht geplant.

Karten sind erhältlich ab 35 Euro (ermäßigt 20,90 Euro) im Theater Fletch Bizzel in Dortmund, in allen Leserläden der WAZ/Funke-Mediengruppe und LeserServices mit Ticketverkauf sowie online auf der Geierabend-Homepage – erstmals auch im „print at home“-Format zum selber Ausdrucken. Mit der Karte kann jeweils ab 17 Uhr auch das LWL Industriemuseum Zeche Zollern besucht

werden (außer 29. und 30.12.). Sonntags werden zusätzlich 20-minütige Kurzführungen angeboten. Veranstaltet wird der Geierabend vom Kulturbüro der Stadt Dortmund und dem Theater Fletch Bizzel. Präsentator ist die Sparkasse Dortmund. Auch Brinkhoff’s No. 1, DOGEWO21 und die Fachhochschule Dortmund unterstützen den Ruhrpott-Karneval. Für das leibliche Wohl sorgt

wieder die Gastronomie Tante Amanda.

Alle Infos unter: www.geierabend.de.
Daten: vom 29.12.2015 – 09.02.2016 / insgesamt 36 Vorstellungen im LWL Industriemuseum Zeche Zollern II/IV, Dortmund

Zeiten: Einlass ins LWL Industriemuseum: 17 Uhr
Einlass: 18.30 Uhr (sonntags: 17.30 Uhr)
Beginn: 19.30 Uhr (sonntags: 18.30 Uhr)
Silvester: Einlass: 14.30 Uhr, Beginn: 15.30 Uhr, (Ende ca. 19.00 Uhr) Eine Aftershow-Party findet nicht statt.

Ort:LWL Industriemuseum, Zeche Zollern II/IV,Grubenweg 5, Dortmund-Bövinghausen
(Der Museumsbesuch ab 17.00 Uhr ist im Eintritt enthalten. Immer Sonntags finden zudem 20-minütige Kurzführungen statt.)