„Infinity“ – eine mutige Reise

Mit dabei sind Jennifer Ewert, Emilia Haag und Johanna Weißert (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Mit dabei sind Jennifer Ewert, Emilia Haag und Johanna Weißert
(Foto: ©Birgit Hupfeld)

Als Auftragswerk und Koproduktion des Kinder-und Jugendtheater Dortmund mit dem Consol Theater Gelsenkirchen und dem Teatr lolo in Cardiff (Wales) findet am Donnerstag, dem 08.09.2016 um 19:00 Uhr die Uraufführung von „Infinity“, nach der Vorlage von Autor Charles Way (geb. 1955-Südengland) statt. Regie führt Andrea Kramer vom Consol Theater.

Der für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Georg Kentrup vom Consol Theater Gelsenkirchen freut sich über die Koproduktion: „Wir haben mit dem KJT schon seit 2009 bei „pottfiction“ zusammen gearbeitet. Wir suchen immer die Kooperation, um mehr Menschen zu erreichen und Synergieeffekte zu nutzen.“ Bei „Infinity“ gab es nicht nur eine gemeinsame Stückentwicklung, auch die drei weiblichen Personen des Stücks wurden von sowohl von Schauspielerinnen der beiden Theater des Ruhrgebiets besetzt.

Worum geht es? Wir befinden uns im Jahr 2033. Die 12-jährige Eloise (Jennifer Ewert – Consol Theater), lebt mit ihrer Mutter ( Johanna Weißert – KJT) auf einem Bauernhof. Helen ( Emilia Haag – Consol Theater) ist Eloises Tante und Astronautin. Sie wird für eine dreijährige Mission mit der ersten bemannten Rakete (Infinity) ausgewählt. Während Eloise die Notwendigkeit der riskanten Reise sieht und stolz auf ihre Tante ist, hat ihre Mutter gemischte Gefühle und Bedenken. Die Mutter repräsentiert die bodenständige, auf Sicherheit bedachte Seite. Die Schwester ist die neugierige und risikobereite Forscherin. Eloise steht dazwischen. Über die vielen Millionen Kilometer hinweg versuchen sie so gut es geht Kontakt per modernen Skype zu halten. Sie informieren sich gegenseitig über ihr tägliche leben auf dem Bauernhof und im All. Als die „Infinity“ nach zweieinhalb Jahre den Rückweg zur Erde ist, kommt es zu Komplikationen. Kann Helen ihr Versprechen einer glücklichen Heimkehr einlösen?

Zwei Dinge waren für die Regisseurin bei der Stückentwicklung von Bedeutung.

1. Wie stellen wir die gefühlte Distanz im Unterschied zur realen Distanz auf der begrenzten Bühne dar?

So werden die drei Schauspielerinnen je nach ihrer emotionalen Nähe, unabhängig von ihrer realen Distanz, zueinander platziert.

2. Es geht bei diesem Stück um die Frage nach dem Wert von Risiken und der mutigen Gestaltung der Zukunft, sowie der Bereitschaft, Fehler zu machen.

„Infiniy ist auf das jugendliche Publikum so ab 12 Jahren ausgerichtet. In dem Alter fängt die Suche nach der Positionierung der Kinder nach außen an. Sie stellen sich die Frage, wo will ich hin und wie ist meine Position in der Gesellschaft“, so Kentrup.

Nach der Uraufführung findet die Premiere von „Infinity“ im Consol Theater Gelsenkirchen am 18.09.2016 um 18:00 Uhr statt. In Teatr lolo Cardiff wird in einem Jahr die Premiere sein.

Karten für die Uraufführung im KJT gibt es noch unter www.theaterdo.de




Geschichten in Bildern

Welf Schiefer, Die War-Peace-Maschine.
Welf Schiefer, Die War-Peace-Maschine.

Wer bei den Arbeiten von Welf Schiefer an Dix oder Grosz denkt, der liegt nicht ganz verkehrt. Die Personen in Schiefers Zeichnungen sind ähnlich skurril wie die der alten meister. Der Künstler präsentiert in seinen Bildern Geschichten und zeigt einen enormen Detailreichtum. Zu sehen sind rund 30 Werke bis zum 30. September 2016 in der Galerie Art isotope am der Kampstraße 80.

Die Themen seiner Bilder nimmt Schiefer teilweise aus der Grimms Märchenwelt oder der Geschichte von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Dabei kann die Ausführung durchaus blutig oder frivol sein. Eines seiner Kennzeichen ist sein unruhiger Strich beim Zeichnen.

Ausgestellt werden auch Druckgrafiken. Hierbei benutzt Schiefer eine alte Technik, in dem er farbige Papiere in die Drucke einbaut, somit entstehen Unikate.

Seit etwa zwei Jahren beschäftigt sich Schiefer mit einer Mischtechnik zwischen Zeichnung und Collage. Hierbei mischt der Künstler verschiedene Zeichnungen und klebt sie mit einem speziellen Lack auf seine Bilder. Damit ergibt sich ein auf den ersten Blick ein einheitliches Bild, erst beim genaueren Hinsehen, erkennt der Betrachter die Kleberänder.




Künstlerinnen zeigen Präsenz

Keine Frauen zu sehen? Die Ausstellung "präsenz" in der Galerie "der kunstbetrieb"  will auf die prekäre Situation von Frauen in der bildenden Kunst aufmerksam machen.
Keine Frauen zu sehen? Die Ausstellung „präsenz“ in der Galerie „der kunstbetrieb“ will auf die prekäre Situation von Frauen in der bildenden Kunst aufmerksam machen.

Auch 2016 werden Frauen in gesellschaftlich relevanten Bereichen benachteiligt, findet Sabine Spieckermann von der Galerie „der kunstbetrieb“. Das gelte auch für die Kultur und Kunst. Bildende Künstlerinnen haben laut KSK 2014 ein Durchschnittseinkommen von 11.000, während Männer immerhin auf 16.000 kommen. Beides ist natürlich extrem besorgniserregend, die Situation für Frauen scheint noch immer einen Tick schlechter zu sein. Bis zum ersten Oktober 2016 präsentiert die Galerie unter dem Titel „präsenz“ Arbeiten von fünf Frauen.

Almut Rybarsch, Anne Jannick, Anke Droste, Sylvia Reuße und Paola Manzur zeigen in ihren Werken ihre Sichtweisen auf die Gesellschaft und Gegenwart. Dabei nutzen die Künstlerinnen auch unterschiedliche Herangehensweisen: Malerei, Installation, Grafik und Objektkunst ist in der Galerie zu sehen. Ein weiteres interessantes Detail:Die kompletten Räumlichkeiten der Galerie wurden benutzt. So wurden die Wände zu temporären Kunstwerken.

Droste zeigt eine Kombination von Installation und Malerei unter dem Titel „in die ferne, heimwärts“. In ihrem großformatigen Bild thematisiert sie das Thema „Flucht“. Rybarsch zeigt mit der „Büchse der Pandora“ eine ihrer mythisch angehauchten lebensgroßen Figuren. Hier ist Anfassen erlaubt. Bei der Installation von Reuße hingegen nicht, denn ihr Familienkästchen ist gefüllt mit persönlichen Erinnerungen. Der Lebensbaum/Stammbaum an der Wand präsentiert die Wurzeln und die Verbundenheit mit der Geschichte und Gegenwart. Anne Jannick bleibt ihrem Wasserthema treu und erschafft in den Farben gelb, grün und blau fliessende Bewegung. Ihr Objekt wirkt auf den ersten Blick wie ein Wasserfall, doch es entpuppt sich auf den zweiten Blick als Weide. Manzur zeigt ein eindrucksvolles Bild aus der chilenischen Wüste.

Noch mehr Frauen gibt es am 17. September zur Museumsnacht. Denn der Frauenchor belcando wird in der Galerie ein Konzert geben.




Mensch oder Maschine – wer ist hier der Boss?

Aat Dirks im Kampf mit seinem Fahrzeug. (Foto: © Compagnie MOBIL).
Aat Dirks im Kampf mit seinem Fahrzeug. (Foto: © Compagnie MOBIL).

Am Freitag, dem 19. August 2016 hatte Aat Dirks einen doppelten Auftritt beim diesjährigen Mikrofestival. Der Niederländer kämpft in seinem Stück „Sulky M1“ nicht nur mit seinem Fahrzeug, sondern er sucht auch die ideale Frau. Neben der romantischen Seite geht es in dem Stück, das Dirks als „Compagnie Mobil“ auf die Straßen Europas bringt, auch um das aktuelle Thema: Mensch oder Maschine – wer hat die Vorherrschaft? Ars Tremonia sprach vor der Vorstellung mit Dirks.

Ars tremonia: Wie sind Sie zum Straßentheater gekommen?

Aat Dirks: Straßentheater oder Spektakeltheater ist eine alte Liebe von mir, schon als 14/15 jähriger Junge war ich sehr fasziniert über das Visuelle und Physische. Aber ich habe erst etwas technisches studiert und bin eigentlich Ingenieur.

Neben der technischen Ausbildung habe ich noch Kurse für das Sprechtheater gemacht. Aber das war viel zu eng, zu einförmig und für mich gab es zu wenig Möglichkeiten. Ich wollte gerne nach draußen und mit Wasser und Feuer arbeiten.

Dann habe ich bei einer Theatergruppe angefangen, die wirklich Spektakeltheater machte, die Lunatics. Die sind auch regelmäßig in Deutschland aufgetreten. Nach einiger Zeit habe ich mir überlegt, es alleine zu probieren. Mit diesem Stück (Sulky M1) habe ich angefangen und dieses Jahr ein neues Stück entwickelt. Aber mit dem ersten Stück reise ich immer noch, das ist ein Straßentheater mit allem Spektakel.

Ich habe mit diesem Stück an einer Art Wettbewerb in Enschede teilgenommen und gewonnen. Danach gab es eine dritte und vierte Vorstellung und es begann ein Selbstläufer zu werden. Dann habe ich aktiv nach Festivals gesucht, um auftreten zu können und nach zweieinhalb Jahren hatte ich genug Arbeit, um über die Runden zu kommen. Schließlich habe ich das in Vollzeit gemacht. Seit vier Jahren bin ich als Selbstständiger auf der Straße und es gefällt mir sehr gut, weil man ein anderes Publikum hat, auch andere Plätze und Festivals. Auf der Straße hat man den direkten Kontakt mit dem Publikum. Man kann es sehen, im normalen Theater ist es zu dunkel.

Ars tremonia: Das sind die Vorteile eines Straßentheaters, aber gibt es auch Nachteile?

Aat Dirks: Ja, es gibt sicher auch Nachteile. Aber das macht es gerade spannend. Du musst das Publikum für dich gewinnen, es läuft nicht so wie im Theater: Menschen kaufen Karten, sie haben einen Sitzplatz. Die Schauspieler sind auf dem Podium und das Publikum schaut zu.

Es gibt auch andere Herausforderungen beim Straßentheater: Ob eine Kirchenglocke läutet oder ein Hund bellt, das kann enorm ablenken. Aber auf der anderen Seite ist es auch eine Chance, darauf zu reagieren und das Publikum einzufangen.

Ein Problem ist die fehlende Bekanntheit. Die Leute sagen: Oh, das war aber schön, aber wie heißt der Junge oder wie hieß die Gruppe?

Ars tremonia: Gibt es genügend Straßentheaterfestivals in Deutschland?

Aat Dirks: Ich arbeite bewusst ohne Text, so dass ich einfach nach Deutschland kann. Wenn ich nur in den Niederlanden und Belgien arbeiten würde, könnte ich nicht genug Einkommen generieren. Ich finde es sehr schön in Deutschland aufzutreten, weil die Menschen anders als in den Niederlanden reagieren. In Deutschland gibt es ziemlich viele Festivals: Rastatt, Schwerte, Detmold.

Ars tremonia: Wie lange arbeiten Sie an einem Stück? Von der Idee bis zur Ausführung?

Aat Dirks: Die Idee ist sieben Jahre alt. Ich habe zwei Winter gebaut, eine Laufmaschine gemacht, und ein Jahr an dem Spiel geprobt. Zwischen der Idee und der Aufführung liegen mehrere Jahre.

Ich bekomme es nicht in sechs Wochen geprobt wie bei einer großen Gruppe. Ich habe viel Zeit zum ausprobieren nötig, um die Idee köcheln zu lassen. Ich stelle mir die Frage: Warum hatte ich die Idee, was war die Faszination der Idee? Es geht in dem Stück (Sulky M1) um den Kampf zwischen Mensch und Maschine in Zeiten der Automatisierung. Wer ist eigentlich der Boss? Und um einen Mann, der auf der Suche nach der Frau seines Lebens ist.

Ars tremonia: Haben Sie Menschen, die Ihnen helfen?

Aat Dirks: Meine Frau arbeitet sehr viel mit mir zusammen. Dieses Stück, wie auch das Kostüm, habe ich komplett selbst entwickelt. Meine Frau macht die Geräuschaufnahmen. Ich habe keinen Agenten. Ich versuche mit einer kleinstmöglichen Organisation ein größtmögliches Publikum zu erreichen.




Der Friedensplatz wird zum Schmelztiegel der Kulturen

Die Amsterdam Klezmer Band eröffnet das diesjährige MICRO!Festival. (Foto: © Fred van Diem)
Die Amsterdam Klezmer Band eröffnet das diesjährige MICRO!Festival. (Foto: © Fred van Diem)

Die 23. Ausgabe des MICRO!Festival präsentiert vom 19. bis 21. August 2016 Künstlerinnen und Künstler aus 15 Ländern. Ein Schwerpunktthema des Festivals für Straßentheater und Weltmusik ist in diesem Jahr Flucht und Vertreibung.

Musikalisch kann sich Dortmund dieses Jahr auf ein ganz besonderes Ereignis freuen: Die Amsterdam Klezmer Band aus den Niederlanden ist auf Jubiläumstour und wird am 19. August um 17 Uhr auftreten. Daneben gibt es Folkrock mit der finnisch-ukrainischen Band „Svjata Vatra“, finnischen Tango spielen „Uusikuu“ und polyphonen Gesang machen „Laboratorium Pieśni“. Den Abschluss des Festivals am 21. August gebührt der französischen Sängerin Valérie Ekoume mit ihrem Afro-Pop.

Neben Musik hat das MICRO!Festival auch sehr viel Straßentheater im Gepäck. Das „TheaterFragile“ aus Berlin und Detmold beschäftigt sich am 19. August um 19:30 Uhr mit Ängsten und Hoffnungen von Flüchtlingen. Dank einer Tourförderung ist es dem Theater gelungen sieben Laienschauspieler in Dortmund zu präsentieren. Ein Autofahrer sucht seine große Liebe. Dieses Thema wird die niederländische „Campagnie MOBIL“ am 19. August und „MC Fois“ aus Italien am 21. August auf unterschiedliche Weise behandeln. In „Las Polis“ versuchen zwei überaus korrekte Polizistinnen ihren chaotischen Alltag zu meistern.

Der Höhepunkt des Festivals ist die große Straßentheater-Inszenierung am Samstagabend (20. August um 22 Uhr). Neun junge Akrobatik-Künstler von der Staatlichen Artistenschule in Berlin zeigen ihre Talente.

Selbstverständlich gibt es auch in diesem Jahr ein Angebot internationaler Küche sowie einige Souvenirstände.

Das Programmheft gibt es als PDF unter www.microfestival.dortmund.de, sowie gedruckt bei DORTMUNDtourismus und an vielen anderen öffentlichen Stellen.




Romantischer Ballettabend

Die 23. Ballettgala am 25. und 26. Juli 2016 präsentierte in gewohnter Weise erstklassige Tänzerinnen und Tänzer. Neben Gästen aus dem In- und Ausland stand auch das NRW Juniorballett sowie das Dortmunder Ensemble im Blickpunkt. Eine Erkenntnis des Abends: In Dortmund entpuppt sich ein Sofa als Publikumsliebling.

Die Ballettgala dient auch immer dazu, einige Highlights aus der aktuellen oder vergangenen Spielzeit zu präsentieren. Daher wurden zwei Duette aus dem „Zauberberg“ getanzt und das Ende von „Faust I“. Duette standen im Mittelpunkt des Programms. Ob klasssich wie bei „Giselle“ mit Melissa Hamilton und Istvan Simon vom Ballett der Semperoper Dresen, über das tiefromantische „Manon“ mit Dorothée Gilbert und Hugo Marchand (Ballet de l’Opéra de Paris) oder etwas moderner im Stück „Duet“ mit Anna Tsygankova und Jozef Varg von „Het Nationale Ballet“ oder „Regen in deinen dunklen Augen“ mit Risa Teresawa und Dayne Florence vom NRW Juniorballett.

Ein Solostück präsentierte Rainer Krenstetter mit „To whom it may concern“, eine getanzte Reminiszenz an die Kindheit. Für viel Applaus sorgte das Stück „The Sofa“, mittlerweile in Dortmund ein Klassiker.

Natürlich durften auch die Stücke nicht fehlen, bei der mehr als zwei Personen auf der Bühne sind. Das Miami City Ballet tanzte zu zehnt beim klassischen „Allegro Brillante“ nach der Choreografie von George Balanchine und das NRW Juniorballet beendete jeweils die erste und zweite Hälfte des Programms mit dem Stück „Full half turn“ resp. „Versus Standard“, bei letzterem mit Unterstützung des Dortmunder Ensembles




An die Grenzen gehen

Was der Suche nach Grenzen. Die Akteure: Patrick Zajac, Leonie Raulf, Felix Fischer, Lars Gemein, Christin Otto, Tabea Stockbrügger, Saskia Rademacher, Lucia Danieleit, Annalena Lipinski, Robin Frank, Jascha Loos (Foto: ©Oliver Look)
Was der Suche nach Grenzen. Die Akteure: Patrick Zajac, Leonie Raulf, Felix Fischer, Lars Gemein, Christin Otto, Tabea Stockbrügger, Saskia Rademacher, Lucia Danieleit, Annalena Lipinski, Robin Frank, Jascha Loos (Foto:
©Oliver Look)

Mit „Hinter dem Dazwischen | Tag 8“ haben sich 15 Jugendliche und junge Erwachsene (16 – 24 Jahre) unter der Regie von Felix Bürkle & Inga Waizenegger in einer eindrucksvollen Performance mit dem Ausloten ihrer persönlichen Grenzen auseinander gesetzt. Uraufführung war am 24.06.2016 im Dortmunder Kinder-und Jugendtheater. Die pottfiction-Gruppe Dortmund ist Teil eines -städteübergreifenden Jugendtheaterprojekts der Kulturmetropole Ruhr.

Wie ist meine Rolle und Position in der Gruppe? Neugier, Ängste, Mut, Hoffnung und Frustration bei der Suche nach dem individuellen Weg und das Stoßen auf die eigenen Grenzen. Diese sind durch die jeweilige Persönlichkeit , aber auch durch äußere Einflüsse, unter anderem die Gruppendynamik bestimmt.

Dabei spielte die Sprache eine untergeordnete Rolle. Es wurden nur einzelne Begriffe in den Raum geworfen. Die Gruppe wählte die Ausdrucksform der Bewegungschoreografie mit unterschiedlicher musikalischer Untermalung und Verstärker. Das Spektrum ging von Vivaldi bis zu Techno-Beats. So wurden die verschiedenen Emotionen auch musikalisch deutlich.

Eine große Rolle spielte bei der Performance viel Sand, den die Akteure als Begrenzungs-und Ausdrucksmittel benutzten. Beeindruckend schon am Anfang, als die Akteure zwei mit Sand gefüllte weiße Becher mit ausgestreckten Armen fest hielten, bis sie nicht mehr konnten und diese zu Boden fielen.

Es war eine Art Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Personen. Man konnte die Anstrengung gut in ihren Gesichtern ablesen. Jeder ging an seine persönliche Grenze. Im Laufe der Aufführung entwickelte sich eine Gruppendynamik. Da gab es die Außenseiter, Rangeleien aber auch Empathie und Suche nach Schutz und Kraft in der Gruppe. Es fielen Begriffe wie Hilfe, Ehrgeiz, Aufgabe oder Provokation. Jeder schrieb seine Wünsche, Wut und andere Emotionen in den Sand.

Gegen Ende gab es als Begleitung Live-Musik von drei der Beteiligten mit Gitarre, Cello und Geige und es bleibt die Suche nach den Spuren im Sand. Die Performance hatte ihre Stärken in dem überzeugenden und ausdrucksvollem Zusammenwirken von Improvisation, Bewegung und Musik.

An seine Grenzen zu gehen und sie immer wieder neu auszuloten ist schwierig und anstrengend.

Es kann zu Enttäuschungen und Scheitern führen, aber auch selbstbewusst und stark machen und einen neuen Horizont und Möglichkeiten eröffnen.

Alle Beteiligten sind an diesem Abend an ihre persönlichen Grenzen gegangen und mit viel Applaus vom Publikum belohnt worden.




Böse Autoren in der Megabar

Ob Herr Schmieder wohl im "Demask"-Shop war? (Foto:  ©Matthias Seier)
Ob Herr Schmieder wohl im „Demask“-Shop war? (Foto: ©Matthias Seier)

Uwe Schmieder is back – nach seiner Heiner Müller Factory, geht es (möglicherweise) mit einer neuen Factory weiter: Hier sucht das Ensemblemitglied des Dortmunder Schauspielhauses nach der ewigen Frage: was ist das Böse? Wo kommt es her? Die Premiere von „Böse Autoren“ ist am 25. Juni um 19:30 Uhr in der Megabar im Megastore. Vorsicht: Das Stück ist ab 18 Jahren.

Wer eine oder mehrere Heiner Müller Factorys gesehen hat, wird altbekannte Elemente wiederfinden. Es gibt Lesungen – im Mittelpunkt stehen „Die Gesänge von Maldoror“ des französischen Dichters Lautréamont – und der Theaterschamane Dieter Kölsch trommelt dazu. Overheadprojektoren und Videos runden den „Höllentrip tief hinein in die Schwärze der Welt“ ab.

Im Mittelpunkt steht aber nicht so sehr die Personifikation des Bösen, sondern das Warm? Es wird also kein Splatter- oder Pornoabend, sondern das Thema ist beispielsweise die Ästhetik der Hinrichtungsvideos von ISIS. Warum werden sie für westliche Zuschauer so inszeniert?




Die Sprachgewalt des Sportreporters

Mit „Sport“ verwandelt artscenico am 25.06.2016 um 20 Uhr das Theater im Depot in eine Sportreporterkabine. Elisabeth Pleß, Sandra Wickenburg und Matthias Hecht werden live die Kommentare von Sportreportern wiedergeben. Am Live-Mischpult wird Rolf Dennemann sitzen.

Sportkommentatoren haben manchmal ja etwas unfreiwillig komisches, denn sie müssen spontan auf ein plötzliches Ereignis reagieren,wenn beispielsweise ein Tor quasi aus dem Nichts fällt. Diese komplette Unberechenbarkeit hat Dennemann fasziniert und nach monatelanger Fernsehrecherche legt er nun mit seinen Mitstreitern ein Programm vor. „So einen Jux haben wir uns noch nie erlaubt“, erklärte er.

Die Reportagen stammen nicht nur vom Fußball, sondern auch von exotischeren Sportarten wie Sumoringen oder Pferdesport.

Neben der Premiere am 25.06.2016 wird das Stück noch am 17.09. 2016 aufgeführt.




Was gibt es hinter der Grenze?

Teile der Gruppe beim "Ausdauertraining" mit Wasserbechern. (Foto: © Oliver Look)
Teile der Gruppe beim „Ausdauertraining“ mit Wasserbechern. (Foto: © Oliver Look)

Die Dortmunder pottfiction-Gruppe entwickelte mit „Hinter dem Dazwischen | Tag 8“ unter der Leitung von Felix Bürkle und Inga Waizenegger eine Performance über Grenzen und deren Überwindung. Premiere hat das Stück am Freitag, dem 24. Juni 2016 um 19 Uhr im Kinder- und Jugendtheater.

Das Stück dreht sich um Themen Barrieren und Inklusion, aber auch um die konkrete Frage: Wo ist meine persönliche Grenze. Das wird mit Mitteln der Choreografie wie bei einem Tanztheater erforscht. Beispielsweise halten die Akteure in einer Szene jeweils ein Glas Wasser in ihren ausgestreckten Händen und versuchen, es solange wie möglich zu halten. Dadurch entsteht auch eine Art Wettbewerb.

Auch sonst sind sehr wenig Texte in dem Stück zu hören, es ist choreografisch aufgebaut und wird mit Improvisationen gefüllt.

Auf der Bühne werden die unterschiedlichen Räume mit Sand markiert. Neben Musik vom Band (u.a Vivaldi, Techno, Prodigy) gibt es Live-Musik mit Cello, Violine und Gitarre.

Das große pottfiction Sommercamp findet vom 09. bis 17. Juli 2016 in Hagen statt. Hier wird es am 09. Juli 2016 um 18 Uhr im LUTZ noch eine weitere Vorstellung geben. Zudem gibt es eine weitere Vorstellung im KJT am 25. Juni um 19 Uhr.