Pia Bohr (links) und Sabine Held im Dialog der Künste.
Mit dem Begriff „Paragone“ verbindet man in der Kunstgeschichte einen künstlerischen Wettstreit innerhalb der bildenden Künste. In der Galerie Torhaus Rombergpark treten die Malerei (vertreten durch Sabine Held) und die Bildhauerei (vertreten durch Pia Bohr) gegeneinander an. Wer gewinnt? Oder geht es in der Ausstellung „Paragone“ vom 25. September bis zum 16. Oktober 2016 gar nicht ums Gewinnen, sondern eher um den Dialog zwischen den Künsten.
Die Frage der Künstler in der Renaissance und im Barock war: Welche Kunst bildet die Wirklichkeit besser ab? Bildhauerei, Malerei? Doch was ist mit der abstrakten Malerei, die überhaupt nicht den Anspruch hat, die Wirklichkeit abzubilden. Denn Bohr und Held arbeiten beide abstrakt.
So passiert durch den Aufbau der Ausstellung etwas anderes. „Es entsteht ganz viel Kommunikation zwischen den Arbeiten“, erklärt Pia Bohr. Die Bilder von Held hängen an der Wand und viele der Arbeiten von Bohr sind im Raum verteilt. Aber sie stehen dadurch immer in Beziehung zueinander.
Bei soviel Harmonie – was sind denn die Vorteile der jeweiligen Kunst? Für Pia Bohr hat die Bildhauerei drei wesentliche Pluspunkte: Die Haptik, die Dreidimensionalität und das prozesshafte Arbeiten mit dem Material. Für die Malerei führt Sabine Held folgende Argumente ins Feld: Die Farbigkeit, die Farbe frei vom Objekt zu gestalten und die Möglichkeit Geschichten zu erzählen, was allerdings nur für die realistische Malerei gilt.
Wie dem auch sei, einen Sieger wird es nicht geben, es gibt auch keine Medaillen zu gewinnen wie bei den Olympischen Spielen zwischen 1912 und 1948, die beiden Künste teilen sich das Torhaus schiedlich friedlich.
Zur Eröffnung am Sonntag, dem 25. September 2016 wird es einen performativen Dialog durch die Schauspieler Uta und Axel Holst geben.
Immerhin geht es trotz Krise den Friseuren anscheinend prima, zumindest in der Inszenierung von „Kasimir und Karoline“ in der Regie von Gordon Kämmerer, die am 18. September im Megastore Premiere hatte. Die Kostüme und Frisuren wirkten leicht skurril und hatten einen leichten Comic-Touch. Hinzu kamen choreografische Elemente, die aus dem tragikomischen Stück eine flotte Unterhaltungspartie machte. Eben wie auf dem Rummel, Glück und Elend liegen eng beieinander und manchmal ist der Partner auf dem Nachhauseweg ein anderer als auf dem Hinweg.
„Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horváth spielt in den Jahren der Weltwirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts. Aber das Stück kann problemlos in die Jetztzeit verlegt werden, denn Wirtschaftskrise ist immer noch aktuell. Passend zur Jahreszeit spielt das Stück auf dem Oktoberfest. Kämmerer verzichtete – anders als die Düsseldorfer beim Theatertreffen 2014 – auf eine Verortung in heimische Gefilde.
Kämmerer beginnt mit einer Szene aus einem anderen Stück von von Horváth nämlich „GlaubeLiebeHoffnung“, in der eine Frau ihren Körper an die Anatomie verkaufen möchte. Diese Idee ist nicht neu, denn Jette Steckel hat es 2015 im Thalia Theater ähnlich gemacht. Glücklicherweise geht Kämmerer direkt danach straff zum eigentlich Stück über: Kasimir (Ekkehard Freye) und Karoline (Julia Schubert) möchten einen Abend auf dem Oktoberfest verbringen. Die Stimmung ist getrübt, denn Kasimir hat vor einem Tag seinen Job verloren. Kasimirs depressive Stimmung vertreibt Karoline, die mit dem Zuschneider Schürzinger (Frank Genser) eine passende Begleitung kennenlernt. Kasimir hingegen trifft seinen kriminell gewordenen Freund Merkl Franz (Christoph Jöde) mit seiner Freundin Erna (Bettina Lieder). Doch auch das aufkeimende Glück von Karoline wird gestört, als zwei Herren der gehobenen Gesellschaft, Kommerzienrat Rauch (Carlos Lobo) und Landgerichtsdirektor Speer (Max Thommes) ein Auge auf Karoline werfen.
Trotz der leicht schrillen Inszenierung (Jugendlichen wird‘s vermutlich gefallen), strahlt dieses Stück eine melancholische Stimmung aus. Kasimir, auch wenn er am Schluss mit Erna möglicherweise sein Glück und seine Bestimmung findet, muss den Verlust seiner Liebe Karoline verwinden. Karoline ist in gewisser Weise berechnend, denn sie will auf gesellschaftlicher Ebene aufsteigen und schafft es mit Schürzinger. Denn auch Schürzinger tauscht Liebe für Karriere, er überlässt Karoline seinem Chef Rauch für eine Beförderung. So gesehen passen beide gut zusammen.
Kämmerer inszeniert sein Stück passend für einen Rummelplatz. Schrill, laut, rasant (die umgebauten Carts sind ein Hingucker) und strafft den Horváth. So lässt er beispielsweise die menschlichen Kuriositäten wegfallen. Zwar ist der Beginn aus „GlaubeLiebeHoffnung“ in meinen Augen etwas merkwürdig, der zweite eingebaute Text von Horváth, der kleine Monolog „Die Wiesenbraut“ über die Rolle von manchen Mädchen auf dem Oktoberfest, ist aber sehr passend.
Das Ensemble macht einen guten Job, es harmonisiert sehr und es macht Spaß, ihnen beim der Handlung durch das Festzelt mit den riesigen Weißwürsten zu folgen. Musik gibt es in zwei Varianten: Hauptsächlich durch den Elektronik-Musiker Max Thommes, der passende Rummelplatz-Musik einstreut und dem Fanfaren-Corps 1974 Dortmund-Wickede, der für die entsprechende Bierzelt-Atmosphäre sorgt.
Auf dem Rummelplatz sind alle gleich, sagt Kommerzienrat Rauch einmal. Auf den ersten Blick vielleicht, aber es macht schon einen Unterschied, ob man einmal die teure Achterbahn fahren kann oder öfters. Das Stück und die Inszenierung ist eine absolute Empfehlung, vor allem für junges Publikum.
Die Französische Revolution ist die Geburtsstunde des modernen Europas. Das Bürgertum emanzipiert sich gegenüber dem Adel und wird endgültig politische Kraft. Die Ideale „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ verbreiten sich über ganz Europa. Den ersten Schritt zur Revolution machten die Generalstände, die sich 1789 zur Nationalversammlung erklärten, mit dem Ziel Frankreich eine Verfassung zu geben. Mit dem Erwachen des Volkes erwachte auch der Volkszorn. In „Triumph der Freiheit #1“ nach dem ausgezeichneten Theaterstück „Ça ira (1) Fin de Louis (La Revolution #1)“ von Joel Pommerat geht es um die ersten Schritte der bürgerlichen Gesellschaft im Kampf um politische Macht. Ein Premierenbericht vom 16. September 2016.
Dass das Stück von Pommerat 2015 viele Preise in Frankreich abgeräumt hat, ist wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass die Französische Revolution in den Genen der Franzosen verankert ist. Bei uns hier ist das eher ein Thema im Geschichtsunterricht. Je nach Aufmerksamkeit erinnert man sich noch an Namen wie Robespierre oder Danton und die Guillotine. Doch wie hat alles angefangen? Regisseur Ed. Hauswirth und Dramaturg Alexander Kerlin zeigen in ihrer Bearbeitung einen kleinen Politkrimi mit Intrigen, Finten und einem König, der vom Schachspieler zur Schachfigur mutiert. In der Inszenierung steht dabei nicht die historische Exaktheit im Mittelpunkt, sondern die Referenzen auf die Jetztzeit. Und davon gibt es mehr als uns lieb sein kann.
Bereits der Beginn ist hochaktuell: Frankreich ist 1789 so gut wie pleite. Staatsbankrott droht. Der Premierminister (gespielt von Andreas Beck) hat einen revolutionären Plan: Alle sollen sich gleichermaßen an den Staatsfinanzen beteiligen. Das kommt bei den privilegierten Ständen von Klerus und Adel gar nicht gut an. Eine Reichensteuer? Unvorstellbar! Daher verlangt der Adel die Einberufung des Generalstände, die seit über 150 Jahren nicht mehr getagt haben. Die einzelnen Stände sollen fein säuberlich getrennt tagen. Schnell ist den Abgeordneten des dritten Standes (Bürgertum) klar, dass sie nur Staffage sind und keinerlei politische Macht bekommen sollen. Die Unzufriedenheit wächst. Aus die Versammlung der Generalstände wird zur Nationalversammlung erklärt. Auf der Seite des Königs wie auch auf der Seite des Volkes wächst die Radikalität.
Ein Historienstoff im modernen Kostüm. Auch wenn das barocke Element in Kleidung oder Haartracht aufgenommen wurde, es wurde oft mit Ereignissen aus der Jetztzeit kombiniert. Der König (Uwe Rohbeck) wird per Videokonferenz zugeschaltet, bei der Berichterstattung über die Pariser Krawalle läuft ein Nachrichtenticker wie bei N24, die Ansprache des Königs auf dem Smartphone ist eine Reminiszenz auf eine ähnliches Ereignis nach dem Putsch in der Türkei.
Doch im Mittelpunkt des Stückes stehen die Diskussionen bei den Vertretern des Dritten Standes. Schon bald macht sich eine Radikalisierung und Aufspaltung in verschiedene Fraktionen breit, deren Gräben immer tiefer werden. Lefranc (Marlena Keil), ist eine radikale Politikerin, die die
Unzufriedenheit des Volkes schürt und mit geheimen Todeslisten arbeitet. Dem Vertreter Carray (Sebastian Kuschmann) wird Verrat an den Zielen des Volkes vorgeworfen. Er bekommt, auch eine kleine Anspielung, eine Torte ins Gesicht. Der Kampf zwischen Gemäßigten wie Gigart (Uwe Schmieder) und Boberlé (Caroline Hanke) und den radikalen Vertretern verläuft nicht immer starr. Es gibt Koalitionen und Zerwüfnisse je nach Entwicklung der Ereignisse.
Ein weiteres Thema in dem Stück spielt die Flüchtlingsproblematik. Hier sind sie keine Bootsflüchtlinge, sondern ausländische Soldaten, die für die Staatsmacht das aufständische Volk bekämpfen. Die Aufstände werden unter dem bekannten Schlachtruf „Wir sind das Volk“ begleitet. Hier verliert die junge Demokratiebewegung auch ihre Unschuld, indem sie gefangene Soldaten töten lässt.
Ein gelungenes Element im Stück war die Bühne. Sie stand in der Mitte des Raumes und war wie eine riesige rechteckige Wippe. Auf großen Federn gelegen zeigte sie die Fragilität der Demokratiebewegung, der Schritt ließ die Bühne in eine andere Richtung kippen.
Die Schauspieler inklusive des Dortmunder Sprechchors zeigten eine sehr kompakte Vorstellung. Herauszuheben ist Uwe Rohbeck als König, der vom mutmaßlichen Entscheider zum Getriebenen wird und trotz des Mantras „Wir schaffen das schon“ am Ende allein da steht. Ein bitteres Bild zum Schluss, als sich alle Figuren von ihm wegdrehen.
„Triumph der Freiheit“ ist mit Sicherheit mehr politisches Theater als historisches. Historische Genauigkeit stand nicht im Zentrum des Stückes, sondern die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und die haben manchmal erschreckende Parallelen zum Heute. Es lohnt sich, dieses Stück anzusehen, denn es wird nicht nur gezeigt, was passiert, wenn die Büchse der Pandora (Volkszorn) geöffnet wird, sondern auch wie Politik in den Hinterzimmern funktioniert.
Die Premiere von Charles Gounods (1818-1893) „Faust (Margarethe) nach J.W. Goethe unter der Regie von John Fulljames hatte in der Oper Dortmund am 17.09.2016 keinen leichten Stand.
Am gleichen Tag lockte ja zum Beispiel die Museumsnacht viele Menschen zu anderen Orten hin.
Wer sich dennoch ins Opernhaus begab, erlebte eine bewegende Inszenierung mit erstklassigen Sängern und einem beeindruckenden Gast-Schauspieler. Das Geschehen auf der Bühne wurde von emotionale romantische Musik von Gounod durch die Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Motonori Kobayashi sensibel begleitet.
Fulljames hatte sich einen Kniff ausgedacht. Der alte Faust (Schauspieler David Koch) lässt sein Leben kurz vor seinem Tod Revue passieren. Natürlich spielt die Episode mit Margarethe eine wichtige Rolle. Von Gewissensbissen geplagt muss er alles noch einmal erleben.Auch wenn der alte Faust fast gar nicht sprach, war es beachtlich, wie dieser durch Gesten und Bewegungen die unterschiedlichsten Gefühle, wie zum Beispiel Begierde und Verzweiflung transportieren konnte.
Die karge leere Bühne mit nur einer großen Öffnung von der Decke und zwei Luken an der Seite bildete den düsteren Rahmen für den alten Dr. Faust. Lebensmüde hängt er am Tropf grämt sich, das er sein Leben hauptsächlich der Wissenschaft gewidmet hat. In seiner Verzweiflung ruft Faust den Teufel um Hilfe. Diese erscheint in Gestalt seiner Krankenschwester. Karl-Heinz Lehner spielt einen wahrhaft diabolisch-zynischer Méphistophélès überzeugend und mit komödiantischem Talent. Mit seiner prägnanten Stimme ist er eine Idealbesetzung für den Teufel.
Als dieser dem Faust in einer Vision das Bildnis seiner Jugendliebe Marguerite vor Augen führt, will der alte Mann nur noch eins, wieder jung sein. Er verspricht dem Teufel im Gegenzug seine Seele. In seinen jungen Jahren hatte Faust ein Verhältnis mit der Marguerite, die er dann schwanger im Stich ließ. Das Gewissen plagt ihn vor allem so kurz vor dem Lebensende. Nun erlebt er das damals Geschehen ohne wirklich eingreifen zu können.
Mit intensiven Spiel und starken Stimmen beeindrucken Eleonore Marguerre als Marguerite und Lucian Kraznec als junger Faust. Ein umgekehrt von der Decke hängender Baum dient als Symbol des Lebens und der Natur. Wichtige Nebenrollen spielen Gerado Garciacano als Marguerites Bruder Valentin und Ileana Mateescu als Verehrer Siébel.
Valentin, Soldat und Beschützer seiner Schwester, wendet sich von ihr ab, als sie die „Ehre“ der Familie nach seiner Ansicht beschmutzt. Noch im Sterben verflucht er Marguerite und bleibt in seinen starren, archaischen Weltbild verhaftet.
Sein Freund Sibél, ein sensibler junger Mann, ist aufrichtig in Marguerite verliebt. Diese fühlt sich jedoch durch den von Faust durch den Teufel in einer Kiste geschenktem teuren Kleid und Schmuck geschmeichelt und in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt.
Die große Rolle des Mammons und die Lebensgier-und Lust in der Gesellschaft wird beim „Tanz um das goldene Kalb“ und durch den Opern- und Extrachor und der Statisterie des Theaters Dortmund unter der Leitung von Manuel Pujol gut und plastisch dargestellt. Diese Gesellschaft wendet sich gnadenlos und heuchlerisch von Marguerite ab, als die unverheiratete Frau schwanger sitzen gelassen wird. In der letzten Konsequenz wird sie dazu getrieben, sogar ihr Kind zu töten.
Das Gounod nicht nur ein Komponist, sondern auch ein Geistlicher war, ist der Oper vor allem bei dem religiös-pathetischen Finale anzumerken.
Musikalisch sind die Einflüsse von Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Wagner deutlich zu spüren.Insgesamt ein gelungener Opernabend, der vom Publikum gebührend mit viel Applaus bedacht wurde. Weitere Informationen und Termine finden sie unter www.theaterdo.de
Oder auch nicht. In Ödön von Horváths Drama „Kasimir und Karoline“ geht es für die Protagonisten um die Frage, welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen und ob die Liebe die Unterschiede ausgleichen kann. Premiere des Stückes in der Regie von Gordon Kämmerer ist am 18. September 2016 um 18 Uhr im Megastore.
Kasimir hat seinen Job als Chauffeur verloren, aber seine Verlobte Karoline möchte gerne auf den Rummelplatz, um für einen Abend die Sorgen des Alltags zu vergessen. Doch geht das überhaupt? Der Rummelplatz ist zwar ein Ort, bei dem die Standesunterschiede verwischen, ähnlich vielleicht wie im Fußballstadion, aber ganz verschwinden sie nicht.
Von Horváth hat das Stück kurz nach der Weltwirtschaftskrise geschrieben, es wurde 1932 aufgeführt. Doch von seiner Aktualität hat es bis heute nichts verloren.
Freuen können sich die Zuschauer auf den Musiker Max Thommes, der auch eine Rolle im Stück übernimmt und den Fanfaren-Corps 1974 Dortmund-Wickede, der für die entsprechende Rummelplatz-Musik sorgen wird.
Neben der Premiere am 18. September gibt es weitere Vorstellungen am 25. September, 01., 15. und 26. Oktober, 03., 11. und 18. November, 08. Januar 2017, 26. Februar 2017 und 05. Mai 2017. mehr Informationen unter www.theaterdo.de
Mit „Ça ira (19 Fin de Louis (La Révolution #1)“ hat Joël Pommerat das Stück des Jahres 2015 in Frankreich geschaffen. Das Schauspiel Dortmund zeigt eine Bearbeitung unter dem Titel „Triumph der Freiheit #1“, die am 16. September 2016 im Megastore um 19:30 Uhr Premiere feiert. Im Mittelpunkt stehen die Anfänge der französischen Revolution, die die Geburtsstunde des modernen Europas sind. Regie führt Ed. Hauswirth.
Mit einer Schuldenkrise fängt das Stück an. Nein, nicht Griechenland, 1788 ist der französische Staat zahlungsunfähig. Der König versucht nun, die Generalstände einzuberufen und den Adel sowie den Klerus davon zu überzeugen, sich an den Kosten des Staates zu beteiligen. Doch die privilegierten Stände lehnen ab und sorgen somit für politischen Zündstoff. Der dritte Stand, Bürger und Bauern, radikalisiert sich zusehends.
„Es wird kein historischen Kostümtheater“, verspricht Dramaturg Alexander Kerlin. Die Atmosphäre wird vielmehr der Serie „House of Cards“ ähneln, so Kerlin. Also wird der Zuschauer in die Hinterzimmer schauen können. „‘Triumph der Freiheit‘ ist politisches Theater, aber unterhaltsam“, fasst der Dramaturg den Charakter des Stückes zusammen.
Neben zehn Schauspielern des Ensembles sind drei Videokünstler, der musikalische Leiter Tommy Finke und der Dortmunder Sprechchor mit dabei.
Die ersten beiden Aufführungen sind bereits ausverkauft, für die dritte Vorstellung am 09. Oktober sind bereits die Hälfte der Karten verkauft. Weitere Vorstellungen sind am 27. Oktober sowie am 04. und 12. November 2016. weitere Informationen unter www.theaterdo.de
Eigentlich war geplant, dass das Schauspiel Dortmund im Dezember 2016 aus dem Provisorium „Megastore“ wieder zurück ins Schauspielhaus kommt. Aber wie so oft, die Umbauarbeiten verzögern sich und so muss das Schauspiel bis zum Ende der Spielzeit 2016/17 im Megastore bleiben. Dadurch verändert sich aber auch einiges im Spielplan.
Zunächst das Positive: Die als „beste Inszenierung“ ausgezeichnete Produktion „Die Borderline Prozession“ wird bis auf weiteres im Spielplan bleiben.
Unverändert blieben auch die ersten Premieren: Triumpf der Freiheit #1 (16.09.16), Kasimir und Karoline (19.09.16), die Simulanten (23.09.16) und Truck Tracks Ruhr #4 – Album Dortmund (06.10.16).
Das geplante Theaterfestival „Teatre 54“ entfällt, dafür gibt es am Wochenende vom 21.10. bis 23.10.16 drei Premieren. Den Anfang machen „Das Interview“ (21.10.16, 19:30 Uhr) und „Heimliche Helden“ (21.10.2016, 21 Uhr). Am 23.10.16 feiert „Die schwarze Flotte“ Premiere.
Da das Schauspielhaus und das Studio noch nicht wieder bespielbar sind finden die Premieren von „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ (10.12.16) und „Furcht und Hoffnung in Deutschland: ich bin das Volk“ (17.12.16) im Megastore statt.
Für alle diejenigen, die sich Silvester schon auf die „Die Show“ gefreut haben, müssen enttäuscht werden, dafür wird die Produktion „Geächtet“ in der Regie von Kay Voges gezeigt. Der Intendant muss auch noch Ersatz für den gecancelten „Faust“ schaffen. Eine Stückentwicklung ist bereits in Arbeit.
Weitere Premieren, die ins Megastore umziehen müssen sind: „Über das Unerwartete“ (11.03.2017), „Flammende Köpfe“ (25.03.2017), „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ (08.04.2017), „Mr. Vertigo“ (27.05.2017) und „Nach Manila. Ein Passionsspiel nach Ermittlungen auf den Philippinen“ (03.06.2017).
Enttäuschung für Punkfans, denn die Punkstelle mit den „Kassierern“ muss auf die Spielzeit 2017/18 verschoben werden.
Dafür werden die Studio-Produktionen „Endspiel“ und „4.48 Psychose“ in den Megastore übernommen. Die Reihen „The Mundorgel Project“, „Blackbox“ und „Spielbar“ werden ebenfalls dort fortgesetzt.
Abonnenten melden sich bei Fragen beim Aboservice unter 0231/50 22 442. bereits gekaufte Karten können an der jeweiligen Vorverkaufskasse zurückgegeben oder umgetauscht werden.
In diesem Jahr geht der Kartenvorverkauf für das neue Weihnachtsmärchen „Der falsche Prinz“ nach Wilhelm Hauff unter der Regie von Andreas Gruhn (Direktor des Dortmunder Kinder-und Jugendtheater Dortmund) schon jetzt los. Den Grund hierfür erklärte Gruhn : „In diesem Jahr fällt das Schauspielhaus als Austragungsort aus den bekannten Gründen aus. Wir haben uns entschlossen, nach über 11 Jahren das Weihnachtsmärchen wieder im KJT aufzuführen.“
Da das KJT im Gegensatz zum Schauspielhaus deutlich weniger Personen Platz bietet, wird es schwieriger für alle Interessierten, sich das das beliebte jährliche Weihnachtsmärchen auch ansehen zu können. „Schon jetzt sind die Hälfte der Karten, vor allem die Schüleraufführungen, verkauft“, so Gruhn.
Wer das Weihnachtsmärchen um den „falschen Prinzen“, um Schein und Sein miterleben will, sollte sich also möglichst beim Kartenkauf sputen. Trotz dieses Nachteils bietet das KJT auch Vorteile. Zunächst für die Anfahrt. Familien können kostenlos am nahe gelegenen geräumigen Parkplatz ihr Auto parken. Weitere Vorteile für die Aufführung im KJT sind räumliche Dichte und Nähe des Publikums am Geschehen. Es ist jedoch ein doppelter Ausstattungsetat im Vergleich zu Schauspielhaus notwendig, wie Gruhn verriet.
Die Premiere von „Der falsche Prinz“ wird übrigens am 11.111.2016 sein. Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt darüber berichten.
Ein Trost für alle, die keine Karten für eine der Aufführungen des Weihnachtsmärchens mehr bekommen können: Ab 30.09.2016 ist im Programm des KJT „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ nach Andreas Steinhöfel, und am 02.12.2016 gibt es als mobiles Klassenzimmerstück „Zuckeralarm“ von Ulrike Willberg im Robert-Schuhmann-Berufskolleg.
Jeder hat ein bestimmtes Bild von der Volksgruppe der Roma im Kopf. Häufig wird dieses Bild von Armut und weiteren negativen Eigenschaft assoziiert. Doch die Kultur der Roma ist genauso vielfältig wie die ihrer Herkunftsländer. Im Rahmen des Festivals „Djelem Djelem“ präsentiert das Depot in Zusammenarbeit mit den Fotografen von Freelens die Fotoausstellung „Roma“, die vom 08. bis zum 18. September 2016 zu sehen ist.
In Deutschland leben Roma schon eine längere Zeit, manche von ihnen sind auch als Gastarbeiter oder als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Daher sind die Facetten ihrer Herkunftskulturen auch so unterschiedlich. Neun Fotografinnen und Fotografen des Berufsverbandes Freelens haben sich mit den unterschiedlichen Varianten der Romakultur auseinandergesetzt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa.
In Serbien leben Roma auch heute in großer Armut und werden von der Mehrheitsbevölkerung diskriminiert. Uwe Jesiorkowski zeigt das (Über)leben der dortigen Roma. Magdalena Stengel hatte einen ähnlichen Ansatz und untersuchte die verschiedenen Romakulturen in Europa.
Andere Fotoserien zeigen die Farbigkeit und die Verschiedenheit der Romakultur. Von einem schwulen Roma, der gegen Homophobie und Rassismus kämpft bis hin zu einer adventistischen Romafamilie, die sehr auf Traditionen achtet.
Für die beteiligten Fotografinnen und Fotografen ist es wichtig zu zeigen, dass das gängige Klischee von Roma, das von den Medien propagiert wird, zur Stigmatisierung der Volksgruppe beiträgt. Es ist für Roma sogar schwierig geworden, außerhalb dieser Klischees wahrgenommen zu werden. Ein Roma, der studiert? Für manche unvorstellbar. Die Fixierung auf Armut und Diebstahl hat die Roma vorsichtig werden lassen. So sind sie sehr darauf bedacht, was mit ihren Bildern passiert.
Gefährliche Mission – Infinity
Ein seltener Moment emotionaler Nähe. Sarah (Johanna Weißert), Helen (Jennifer Ewert) und Eloise (Emilia Haag). (Foto: Birgit Hupfeld)
Am Donnerstag, den 08.09.2016 war im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater die Uraufführung für die Auftragsarbeit (Charles Way) in Kooperation mit dem Consol Theater Gelsenkirchen und dem Theatr IoIo (Cardiff). Im drei Personen Stück unter der Regie von Andrea Kramer (Consol Theater) stellen Johanna Weißert vom KJT die Mutter Sarah, Jennifer Ewert (Consol Theater) ihre Zwillingsschwester Helen und Emilia Haag (Consol Theater) Eloise, die 12-jährige Tochter von Sarah dar.
Der Weltraum. Unendliche Weiten. Aber auch unendliche Gefahren. Filme und Bücher über Unglücksfälle und Probleme während einer Raummission sind nicht selten. Wer erinnert sich nicht an den Ausspruch „Houston, wir haben ein Problem“ aus „Apollo 13“ oder an die Probleme des allein gelassenen „Marsianers“ aus dem Jahre 2015. Um den Mars dreht sich das Theaterstück auch: Wir befinden uns im Jahr 2033: Die rationale, neugierige Astronautin Helen wird für eine 3-jährige Marsmission auserwählt. Ihre Zwillingsschwester Sarah, eine vorsichtige, bodenständige Frau, lebt mit ihrer Tochter Eloise auf dem elterlichen Bauernhof. Während ihre Mutter der Mission skeptisch gegenüber steht, ist Eloise Stolz auf ihre mutige Tante. Sie halten so gut das geht über moderne Kommunikationssysteme Kontakt. Ängste, Konflikte und Emotionen brechen sich Bahn. Auf der Rückreise gibt es Komplikationen am Raumschiff. Kann Helen ihr Versprechen, wieder gesund heim zu kommen einlösen…?
Die Bühne war mit 12 weißen Medizinbällen und einer Leiter, Eimer vor einer blauen Wand bestückt. Ein Traktor hing seitlich links hinter der blauen Wand von der Decke. Die Regisseurin löste das Problem der großen räumlichen Distanz, indem sie nicht die reale, sondern die jeweilige emotionalen Distanz der Personen zu vermitteln suchte. Ein gelungener Kniff war dabei der multifunktionale Einsatz der weißen Bälle und der Leiter. Mit der Nutzung der Medizinbälle konnten die drei Schauspielerinnen zum Beispiel wunderbar ihre Emotionen, wie Wut, Ängste und Zuneigung ausdrücken.
Die Typen wurden einfach und prägnant dargestellt. Helen in einem weißen Ganzkörper-Anzug, die Mutter von Eloise zünftig mit Holzfäller-Hemd und Eloise als frecher Teenager. Das Stück verlangte den Schauspielerinnen nicht nur hohes Maß an Sensibilität für die Gemütszustände ihrer Figuren ab, sondern war auch choreografisch anspruchsvoll. Sie brachten brachten Gefühle wie Eifersucht, Wut, Angst, Enttäuschung oder Freude und Stolz glaubhaft auf die Bühne. Die Musik unterstützte das Geschehen im Hintergrund. Effektvoll der hinter der blauen Leinwand projizierten Raketenstart und gelungen der gezielte Einsatz der Beleuchtung.
Das Stück stellt sich der existenziellen Frage: Welche Risiken sind wir bereit mutig für eine lebenswerte Zukunft ein zu gehen? Welche Risiken sind es wert, dass wir sie eingehen? Nicht nur für junge Menschen in der Pubertät von Bedeutung.