Schauspielhaus trump(f)t auf

Aus aktuellem politischen Anlass erweitert das Schauspiel Dortmund seinen Spielplan um ein neues Stück: „Trump“ von Mike Daisey, das am Freitag, 3. März, im Megastore (Felicitasstr. 2, Dortmund-Hörde) Premiere haben wird. Mike Daisey, von dem in Dortmund bereits „Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“ zu sehen war, erforscht in seinem neusten Theaterstück den Aufstieg Donald Trumps und die politische Selbstvergiftung des wichtigsten europäischen Bündnispartners. In Amerika feierte Daiseys neues Stück im vergangenen Jahr große Erfolge. Am Schauspiel Dortmund ist nun die Deutschsprachige Erstaufführung zu sehen. Regie führt Marcus Lobbes, auf der Bühne stehen Andreas Beck und Bettina Lieder. Karten gibt es ab sofort an der Vorverkaufskasse im Opernhaus, unter www.theaterdo.de oder 0231/50-27222.




Wintermärchen im Depot

Das Junge Ensemble „Kulturbrigaden“ führt nach einem halben Jahr Vorbereitung ab dem 14.01.2017 unter der Regie von Rada Radojcic ihr neues Stück „Die Schneekönigin“ nach dem Märchen von Hans Christian Andersen im Theater im Depot in Dortmund auf.

Die 9 bis 14-jährigen Nachwuchsschauspieler/innen des freien Kinder-und Jugendtheaters haben das Stück gemeinsam mit der Regisseurin erarbeitet und mitgestaltet.

Es geht um die Bedeutung von Freundschaft, Liebe und Vertrauen gerade in kaltherzigen Zeiten.

Die Freundschaft von Gerda und Kay wird auf eine harte Probe gestellt. Durch den Splitter eines Zauberspiegels wird Kay mitten ins Herz getroffen und gerät in die Gewalt der Schneekönigin.

Seine Seele wird darauf hin kalt und böse. Gelingt es Gerda, Kays Seele zu retten und was für gefährliche Situationen muss sie bestehen?

„Es geht darum, wie wichtig und wertvoll Freundschaft für uns ist und wie weit wir bereit sind für sie zu gehen.,“ so Radojcic. Wie immer kennzeichnet die Kulturbrigaden ein besondere Ästhetik. Es wird viel Wert auf auf auffallende Kostüme und Schminke zur Untermalung und Verstärkung der Handlungsaussage gelegt. Musik und Bewegung spielen in dieser rasanten und modernen Inszenierung ebenfalls eine große Rolle.

Die Premiere ist am Samstag, den 14.01. 2017 um 20:00 Uhr-

Weiter Termine und Informationen finden sie unter : Tel. 0231/982 120 oder info@theaterimdepot.de .




Disney im Zauberflötenland

Tamara Weimerich (Papagena) und Morgan Moody (Papageno). (Foto: © Theater Dortmund)
Tamara Weimerich (Papagena) und Morgan Moody (Papageno). (Foto: © Theater Dortmund)

Die Interpretationen zu Mozarts „Zauberflöte“ sind Legion. Mal steht Sarastro für die Aufklärung, mal für die Fürstenmacht, mal für die Vernunft oder auch für eine zweifelhafte Persönlichkeit. Für Regisseur Stefan Huber ist Sarastro Walt Disney und er lässt Karl-Heinz Lehner im goldfarbenen Anzug Disneys Wunderwelten erkunden. Von den drei kleinen Schweinchen (die drei Knaben) über Papageno, der ein wenig Donald Duck ähnelte, bis hin zu Monostatos mit seinen Mickey-Maus-Ohren. Passend dazu kam Tamino in einem Pfadfinder-Outfit, als wäre er Mitglied im Fähnlein Fieselschweif. Ein Premierenbericht vom 26. November 2016.

Die Handlung in aller Kürze: Tamino soll im Auftrag der Königin der Nacht ihre Tochter Pamina aus den Händen von Sarastro befreien. Jedoch wird unser Held durch die Güte von Sarastro überzeugt und lässt sich in die Mysterien einweihen und bekommt am Ende seine geliebte Pamina. Auch Taminos Begleiter Pagageno findet am Ende seine Papagena.

So weit, so gut, der Text von Emanuel Schikaneder vereint drei Elemente: Freimaurertum, die französischer Revolution und die altägyptische Exotik, die damals in Wien Mode war. O Isis und Osiris. Heute würde man ergänzen, dass der Text nicht ganz politisch korrekt ist. Vor allem Sarastros patricharchalische Welt duldet keine Frauen: „Ein Weib tut wenig, plaudert viel“. Seinem schwarzen Diener Monostatos geht es ähnlich. Nichts ist mehr von „Menschenliebe“ zu spüren, wenn ihn Sarastro mit 77 Sohlenhieben bestraft, nur weil er seine Pflicht erfüllt hat und Pamina zurückbringt.

Unbeeindruckt von allen Interpretationen bleibt Mozarts Musik und der wahrscheinlich ungewöhnlichste Beginn einer Oper: Der heldenhafte Tenor flieht vor einem Untier und muss von drei Frauen gerettet werden. Mozarts Musik wurde meisterhaft dargeboten von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Gabriel Feltz.

Auch die Sänger machten einen guten Job: Joshua Whitener bot als Tamino ebenso eine Klasse Vorstellung wie Lehner (Sarastro), Marie-Pierre Roy (Königin der Nacht), Morgan Moody (Pagageno) oder Hannes Brock (Monostatos). Wobei Moody seine schauspielerischen Fähigkeiten immer wieder aufblitzen ließ. Auch die Nebenrollen waren sehr stark besetzt, für die drei Kaben (Jushua Krahnefeld, Vincent Schwierts und Nick Esser) gab es verdientermaßen großen Applaus. Chor und Statisterie ergänzten auf positive Weise das Gesamtbild.

Vielleicht ist die Kostümierung für den einen oder anderen zu schrill, doch dem Dortmunder Publikum hat es zumeist gefallen. Auch das Bühnenbild mit den europäisch-westlichen Wahrzeichen (u.a. Brandenburger Tor, Schiefer Turm von Pisa, Freiheitsstatue) passte zur Inszenierung.

„Die Zauberflöte“ ist in der Dortmunder Inszenierung von Huber ein schönes buntes Stück geworden zusammen mit der unsterblichen Musik von Mozart.

Weitere Infos unter www.theaterdo.de




Aschenbrödel in der Tanke

Das Beste waren die Tauben? Nein, ganz bestimmt nicht. Das gesamte Stück „Aschenbrödel – Nuss mit Lustig“ von Stefan Keim nach dem tschechischen Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ machte gute Laune, sorgte für vorweihnachtliche Stimmung im Theater im Depot und hat definitiv das Zeug zu einem Klassiker. Ok, die Tauben waren schon echt Klasse. Ein Premierenbericht vom 18. November 2016.

Der Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ orientiert sich stark an das Märchen von „Aschenputtel“, so dass ich mir die Inhaltsangabe mal erspare. Keims „Nuss mit Lustig“ ist ein Stück im Stück, denn es spielt einerseits in einer Dortmunder Tankstelle am Heiligabend und andererseits nimmt es Bezug zum Film. In aller Kürze: Drei Menschen treffen sich in einer Tankstelle und stellen fest, dass sie eine Gemeinsamkeit haben, sie alle kennen den Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Sie beschließen also, die wichtigsten Szenen des Films nachzuspielen.

Cordula Hein als Angestellte der Tankstelle, Thorsten Strunk als besserwisserischer Familienvater und Sandra Wickenburg als tschechische Truckerin sorgen schon von Beginn an für gute Stimmung unter den Zuschauern. Denn das Besondere von Keims Inszenierung ist, dass alle Requisiten quasi aus dem Fundus der Tankstelle entnommen wurden. Zwei Scheibenwischer verwandeln sich in eine Armbrust und Autoreifen werden zu Pferden. Glücklicherweise hat Libuše, die tschechische Truckerin, einige Altkleider geladen, die prima zum Nachspielen geeignet sind. Auch Libušes Weihnachtsgeschenk an ihre Tochter, ein Erdmännchen aus Plüsch, wird als Akteur verpflichtet.

Das Schöne an dem Stück ist, dass der Humor durchaus unterschiedlicher Art ist. Lokalkolorit (Nä?/Woll?) und Kmamauk haben ebenso ihren Platz wie feinsinnige Bemerkungen. Dazu kommt die große Spielfreude der drei Akteure auf der Bühne, die sich auch auf das Publikum überträgt. Ein ganz besonderer Abend.

Ob es zum Klassiker reicht wie bei der „Weihnachtsgeschichte“ von Dickens? Das wird die Zukunft zeigen, aber Stefan Keim und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben schon einmal gut vorgelegt. Jetzt muss das Publikum entscheiden.




Theaterabenteuer im Klassenzimmer

Agentin Emma Stern (Bianka Lammert) recherchiert, wo alles Zucker drin ist. (Foto: Birgit Hupfeld(
Agentin Emma Stern (Bianka Lammert) recherchiert, wo alles Zucker drin ist. (Foto: Birgit Hupfeld)

Mit der Premiere von „Zuckeralarm“ (für die Klassen 2 bis 5) von Ulrike Willberg am 02.12.2016 um 18:00 Uhr im ehemaligen Robert-Schumann-Berufskolleg startet das Dortmunder Kinder- und Jugendtheater ihr neues Theaterstück fürs Klassenzimmer, die Schulküche und andere Einraumwohnungen.

Neben den Sondervorstellungen in den Kollegräumen können Schulen dieses Stück auch mobil buchen. Regisseurin Isabel Stahl erklärte vorab, worum es geht: „Wir wollen mit diesem Stück auf eine lustige „unpädagogische“ Art einfach darauf aufmerksam machen, wo überall Zucker versteckt ist. Das ist uns oft gar nicht so bewusst.“ „Es geht uns nicht darum, Zucker zu verteufeln“, fügte Dramaturgin Lioba Sombetzki hinzu.

Zum Stück: Emma Stern, gespielt von Bianka Lammert vom KJT-Ensemble, ist Agentin der Agentur für Weltverbesserungspläne aus der Sektion „lecker“. Sie möchte den Menschen nach einem Zuckerschock in ihrem Leben Appetit auf gesundes Essen machen und der „Zuckermafia“ den Kampf ansagen und aufklären. Diese Mafia verfolgt sie und ist ihr auf den Fersen. Die Zeit ist also knapp.Es bleiben ihr nur ungefähr 45 Minuten, um etwas leckeres zu kochen und Co-Agenten für ihr Anliegen zu gewinnen. „Dabei spielt ein Koffer (Kochplatte) sozusagen die zweite Hauptrolle“, verriet Stahl.

Das Stück ist als rasantes und humorvolles Abenteuer konzipiert. Emma erzählt aus ihrem Leben, ist in Bewegung und am Ende entsteht auch noch etwas leckeres zum Essen.

Mobile Buchungen für Schulkassen unter: www.theaterdo.de

Die Vorstellungstermine im ehemaligen Robert-Schuhmann-Berufskolleg:

So, 22.01.2017, 16:00 Uhr

So, 26.02.2017, 16:00 Uhr

So, 05.03.2017, 16:00 Uhr

So, 26.0302017, 16:00 Uhr

Die Premiere am 02.12.2016 ist schon so gut wie ausverkauft.

Informationen unter www.theaterdo.de




Neuer Weihnachtsklassiker im Theater im Depot

Das Ensemble mit Regisseur. (v.l.n.r.) Thorsten Strunk, Stefan Keim, Sandra Wickenburg und Cordula Hein
Das Ensemble mit Regisseur. (v.l.n.r.) Thorsten Strunk, Stefan Keim, Sandra Wickenburg und Cordula Hein

So wie Charles Dickens Weihnachtsgeschichte zum Fest gehört, ist auch der tschechische Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oft ein fester Bestandteil zu Weihnachten. Ein guter Grund für das Theater im Depot neben „A Christmas Carol“ jetzt auch „Aschenbrödel“ ins Programm zu nehmen. Kulturjournalist und Kabarettist Stefan Keim hat aber eine besondere Version entwickelt. Bei ihm ist „Nuss mit Lustig“ und hat Premiere am Freitag, dem 18. November um 20 Uhr.

„Aschenbrödel – Nuss mit Lustig“ ist quasi ein Stück im Stück. Es spielt an einer Dortmunder Tankstelle. Eine, die 24 Stunden auf hat, auch an Heiligabend. So muss die Angestellte die Stellung halten. Zwei Gäste schneien herein: Ein besserwisserischer Familienvater, den seine Ehefrau raus geschmissen hat und eine tschechische Truckerin, die es leider nicht mehr nach Hause schaffen wird. Was die drei Personen zusammenschweißt ist, dass sie den Film „Aschenbrödel“ kennen, also spielen sie zwischen Kaffeeautomaten, Süßigkeiten und Autoreifen die Geschichte nach. Da werden die Autoreifen zu Pferden oder Scheibenwischer zu Armbrüsten. Selbstverständlich spielen die Schauspieler Cordula Hein, Thorsten Strunk und Sandra Wickenburg viele verschiedene Rollen und so wird jede(r) einmal Aschenbrödel sein.

Das Stück ist familientauglich wie Regisseur und Autor Stefan Keim verspricht. Kinder ab acht Jahren könne man problemlos mitnehmen. Inhaltlich gibt es keine Unterschiede zwischen den Nachmittags- und den Abendvorstellungen.

Passend zum Stück gibt es eine kleine Musikdramaturgie aus etwa 30 Stücken. Angefangen vom Italo-Western über Musikkomponisten Danny Elfman bis hin zur klassischen Aschenbrödel-Musik aus dem Film.

Eines war Keim besonders wichtig zu erwähnen: „Es ist keine Persiflage des Films“. Kenner des Films werden die gespielten Szenen mit Sicherheit wiedererkennen.

Neben der Premiere am 18. November 2016 um 20 Uhr gibt es weitere Termine:

Samstag, den 19. November um 20 Uhr,

Sonntag, den 27. Nove,ber um 16 Uhr,

Sonntag, den 04. Dezember um 16 Uhr und

Freitag, den 30. Dezember um 20 Uhr.




Das Baukunstarchiv wird DADA

Freuen sich auf ein DADA-Wochenende im Baukunstarchiv: (v.l.n.r.) Richard Ortmann, Dieter Gawohl und Anette Göke.
Freuen sich auf ein DADA-Wochenende im Baukunstarchiv: (v.l.n.r.) Richard Ortmann, Dieter Gawohl und Anette Göke.

Am 19. und 20. November 2016 verwandelt sich das Baukunstarchiv (ehemaliges Museum am Ostwall) in ein DADA-Festival. Unter dem Titel „Ab/sind“ gibt es hochprozentige Kunst unterschiedlichster Art von unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern. Der Eintritt ist kostenlos.

Die beiden „DADAdäys“ im November haben eine Vorgeschichte: Vom 21. April bis zum 29. Juli 2016 wurde der 100jährige Geburtstag von DADA innerhalb von 100 Tagen mit 25 Veranstaltungen gefeiert. An den beiden Novembertagen gibt es Neues und Altes aus dem Reich des Dadaismus, ein Wiedersehen mit bekannten Akteuren und die Erwartung auf neue Künstler.

Der Samstag (19.11.16) beginnt um 17 Uhr mit einem Flashmob vom Westenhellweg zum Baukunstarchiv. Lyriker und Musiker werden die Passanten mit ihrer Kunst konfrontieren und versuchen, Formen und Strukturen aufzubrechen. Mit dabei sind wieder die DADAinen, die die „Letzte Lockerung“ vorführen.

Der Höhepunkt des Tages dürfte das DADAerotische Lustspiel „ADDA et ONNO“ von Christiane Köhne und A. Diéga sein, das um 21 Uhr beginnt. Es ist frei ab 18 Jahre.

Der darauf folgende Sonntag (20.11.16) gehört eher den Literaten. Den Anfang machen Thomas Kade und Reinhard Lampe um 13 Uhr, Paul Dorn erzählt über die DADA Bewegung in Zürich (14 Uhr) und es gibt eine Lesung über Richard Huelsenbeck und Jürgen Wiersch (16 Uhr).

Daneben gibt es im Baukunstarchiv verteilt weitere Kunstaktionen, Ausstellungen und den „Vorurteilszertrümmerer“. Die Künstlerin Ulrike Fischer gibt den Besuchern die Möglichkeit ihre Vorurteile (symbolisiert durch Haselnüsse) aufzubrechen.

Programm für die zwei Tage im Baukunstarchiv Dortmund

Vorläufiges P R O G R A M M  Stand 09.11.2016

Samstag, 19.11.2016 von 18.00h bis 22.30h Sonntag, 20. 11.2016 von 11.00 bis 18.00h
17.00h DADAFläshMob vom Westenhellweg zum BKA 11.30h Wir vermachen Dir das Huelsenherz
18.00h Eröffnung 12.00h Die DADA-Braut, ein Film von Paul Dorn u.a.
18.15h Aschegeister 13.00h Thomas Kade, Reinhard Lampe
19.00h Die DADAinen – Letzte Lockerung 14.00h Paul Dorn (Zürich)
20.15h Sabine Küster (Berlin) 15.00h Marika Bergmann – Fensterbilder
21.00h ADDA et ONNO – DADAerotisches Lustspiel 16.00h Lesung – R. Huelsenbeck, Jürgen Wiersch
22.00h Trio Randale – Schwitters Szenen 17.00h Radikal Audio Lab. & Scarlett Schauerte
im Haus Intermezzi: Das Schwarze Einhorn, Paul Dorn im Haus Intermezzi: Das Schwarze Einhorn, Paul Dorn
  und Ausstellung/Aktionen der Künstler   und Ausstellung/Aktionen der Künstler



Orientalische Märchenwelt

Die Sultanin (Bettina Zobel) ist nicht überzeugt, dass "Omar" (Philip Pelzer) der richtige Sohn ist. Im Gegensatz zum Sultan (Andreas Ksienzyk). Foto: © Birgit Hupfeld)
Die Sultanin (Bettina Zobel) ist nicht überzeugt, dass „Omar“ (Philip Pelzer) der richtige Sohn ist. Im Gegensatz zum Sultan (Andreas Ksienzyk). Foto: © Birgit Hupfeld)

In diesem Jahr entführte der Leiter des Dortmunder Kinder-und Jugendtheaters Andreas Gruhn und sein Ensemble mit seinem neuen Weihnachtsmärchen „Der falsche Prinz“ nach Wilhelm Hauff für die ganze Familie (ab 6 Jahre) in eine fremde, geheimnisvolle orientalische Welt. Die Premiere war am 11. November 2016.

Das Schauspielhaus fiel diesmal als Ort für das beliebte Weihnachtsmärchen aus den bekannten Gründen aus und so wurde das KJT nach vielen Jahren wieder einmal zum Aufführungsort.

Da passen zwar weniger Menschen hinein, aber die Besucher/innen sind auch ganz nah am Geschehen. Es wird sozusagen noch besser in die Handlung hineingezogen.

Nicht nur frontal sondern auch von der Seite konnte das Publikum in nächster Nähe verfolgen.

Der Aufführungsraum verbreitete mit orientalischen Wandteppichen behangen ein Ambiente wie aus 1000 und eine Nacht. Die Besucher hatten das Gefühl, in einem Beduinenzelt zu sein. Die schönen orientalischen Kostüme wurden von Oliver Kostecka mit viel Sorgfalt ausgesucht.

Das Märchen spielt im arabischen Raum in Ägypten. Es ist die Geschichte von zwei jungen Männern. Omar, ein geborener Prinz, der wegen eines bedrohlichen Orakels zweiundzwanzig Jahre außerhalb des elterlichen Palastes aufwuchs. Auf der anderen Seite der junge Schneider und Träumer Labakan, der sich genauso gut wie ein Prinz fühlt. Mit mit einer prächtigen von ihm geschneiderten Kleidung verschwindet er und sucht sein Glück. Die Wege der beiden jungen Männer kreuzen sich und Labakan nimmt eine Chance wahr, die Identität des „wahren Prinzen“ anzunehmen. Fällt der Schwindel auf? Zumindest das Mutterherz der Sultanin zweifelt, besonders als der wahre Prinz kurze Zeit später vor ihr steht. Um Sicherheit zu gewinnen, wer der rechtmäßige Prinz ist, werden beide auf die Probe gestellt. Zudem spielen Machtintrigen und die Liebe auch noch eine Rolle. Gibt es Vergebung und finden beide jungen Männer ihr Glück…?

Der Humor kam nicht zu kurz bei diesem Weihnachtsmärchen. So zum Beispiel, wenn Prinz Omar (Thorsten Schmidt) und Labakan (Philip Pelzer) mit einer Kordel in der Hand einen Ritt durch die Wüste auf Pferden sehr komisch simulieren. Die kleinen Zuschauer/innen waren auch besonders von der Kampfchoreographie (Klaus Lassert) zwischen zwei Räubern und den beiden jungen Männern angetan.

Auch wenn Labakan, der Sohn eines Lastenträgers, immerhin den ehrenwerten Beruf eines Schneiders lernt, stößt die Moral des Märchens ein wenig auf. In den Niederlanden gibt es den Spruch „Als je als dubbeltje geboren bent word je nooit een kwartje“. Übersetzt: Wenn du als 10-Cent-Münze geboren bist, wirst du niemals eine 25-Cent-Münze. In Deutschland ist das wenig märchenhafte Realität. Du bleibst, was du bist. Die soziale Herkunft entschiedet sehr stark, welche Chancen man später hat.

Alles in allem ist „Der falsche Prinz“ ein gelungenes Weihnachtsmärchen mit gut aufgelegten Schauspielerinnen und Schauspielern, vor allem Thorsten Schmidt als „Omar“ und Philip Pelzer als „Labakan“ glänzen in ihren Rollen. Kinder ab sechs Jahren werden einen Riesenspaß bei der Reise in den Orient haben.

Weitere Termine finden Sie unter www.theaterdo.de




Mensch oder Uhrwerk?

Es gehört schon eine gewisse Portion Mut dazu, „A clockwork Orange“ als Jugendstück aufzuführen. Für Rada Radojcic und ihre Kulturbrigade hat es sich aber gelohnt. Die Premiere am 05. November 2016 im Theater im Depot war ein gelungenes Beispiel jugendgerechter Umsetzung eines schwierigen Stoffes.

Die Geschichte in Kürze: Alex und die Mitglieder seiner Bande, die Droogs, terrorisieren des Nachts aufgeputscht durch Drogen ihre Umgebung. Sie verprügeln, stehlen und vergewaltigen. Doch einmal geht Alex zu weit und tötet jemanden. Seine Mitstreiter, unzufrieden mit seinen Führungsmethoden, lassen ihn fallen und die Polizei schnappt ihn. Im Gefängnis bekommt er die Chance an einem Regierungsprogramm teilzunehmen. Er soll Übelkeit bekommen, wenn er Gewalt ausüben will. Dadurch sofort wieder aus dem Gefängnis entlassen, kommt er draußen nicht zurecht, denn er bekommt die Gewalt am eigenen Leib zu spüren. Alex bittet ausgerechnet bei dem Schriftsteller um Hilfe, dessen Frau seien Bande vergewaltigt hat. In Folge dessen hat sie sich umgebracht. Vor dem aufgebrachten Schriftsteller springt Alex aus dem Fenster und kommt ins Krankenhaus, wo seine Konditionierung aufgehört hat zu wirken.

Radojcic und ihre Truppe zeigen diese Gewalt in einer sehr choreographierten Form. Hinzu kommt Musik als unterstützendes Element hinzu. Die Regisseurin setzt mehr auf Mimik und Symbolik als auf die realistische Gewaltdarstellen. Zwar ist das Stück erst ab 12 Jahren, aber Jugendliche (und ihre Eltern) brauchen keine Angst zu haben.

Wer Produktionen von den Kulturbrigaden bereits gesehen hat (beispielsweise Alice oder Carmen) erkennt die typische Handschrift von Radojcic wieder. Sehr ausgefeilte Kostüme sind ihr Markenzeichen. So tragen die Droogs Bomberjacken und DocMartins, die typische Melone und karottenorangene Perücken. Bei ihren Gewaltexzessen setzen sie noch eine Maske auf, wie sie der Killer in „Freitag, der 13“ trägt. Dagegen ist das Bühnenbild spärlich. Vier Klappstühle bilden die Milchbar, in der sich Alex und seine Kumpane treffen.

Gewalt ist männlich, oder nicht? Radojcic bürstet auch hier gegen den Strich, denn Alex ist in ihrer Inszenierung weiblich, wie auch zwei Mitglieder der Droogs. Im Zeitalter von Mobbing und Cybergewalt scheinen die Grenzen zwischen den Geschlechtern zu verschwimmen.

Positiv ist auch, dass die Inszenierung komische Elemente bereit hält. Als Alex aus dem Gefängnis zurück nach Hause kommen möchte, stellt sie fest, dass ihr Zimmer von einer Untermieterin belegt ist. Ihre Mutter vergiesst Krokodilstränen („Es tut mir so leid“), ist aber sichtlich erleichtert, als Alex weg ist.

Eine wichtige Rolle in der Inszenierung ist die Musik. Der Musiker Dixon Ra ist live auf der Bühne und unterstützt mitsaxophon und vor allem Schlagzeug die Emotionen der Beteiligten. Natürlich darf Ludwig van Beethoven und seine Neunte Sinfonie nicht fehlen, die per Einspieler zu hören ist.

Darf man einem Menschen mittels Medikation seine Entscheidungsfähigkeit berauben? Bei Burgess ging es noch um das Thema Gewalt und Jugendkriminalität. Doch die Frage ist und bleibt hochaktuell, beispielsweise bei Sexualstraftätern. Soll man einem Pädophilen seinen Trieb durch Medikamente austreiben? Bleibt derjenige noch ein Mensch oder entwickelt er sich zum reinen Uhrwerk (clockwork)? Andererseits: Was ist, wenn die Treibunterdrückung versagt? Diese ethischen Fragen stehen immer noch zur Diskussion und daher bleibt „A clockwork orange“ immer noch aktuell.




Freiheit zu Entscheiden?

Musiker Dixon Ra und Ronahi Kahraman als "Alex". (Foto: © Kulturbrigaden)
Musiker Dixon Ra und Ronahi Kahraman als „Alex“. (Foto: © Kulturbrigaden)

„A clockwork orange“ als Jugendstück? Wer den Film von 1971 von Stanley Kubrick und seine Kontroverse um Gewaltverherrlichung kennt, wird vielleicht die Stirn runzeln. Doch Rada Radojcic, die künstlerische Leiterin und Regisseurin der Kulturbrigaden, die das Stück auf die Bühne bringen, beruhigt. Es wird nach einer Theaterfassung konzipiert, die für Jugendliche geeignet ist. „Zudem ist der Film sehr kunstvoll gemacht. Ich finde ihn weniger brutal, die Gewalt ist eher choreografisch.“ Das kommende Theaterstück ist ab 12 Jahre. Die Premiere ist am 5. November 2016 um 20 Uhr im Theater im Depot.

Das Erstaunliche ist dabei, dass die Jugendlichen der Kulturbrigaden sich diesen Stoff gewünscht haben. Die Figur des Protagonisten Alex mit seiner Kleidung hat es in die Popkultur geschafft. Die Bekanntheit des Films von Kubrik überstrahlt ein wenig das Buch von Anthony Burgess. In Deutschland ist auch die CD/LP „Ein kleines bisschen Horrorschau“ von den „Toten Hosen“ bekannt, vor allem das Lied „Hier kommt Alex“. Das Stück basiert aber weitgehend auf den Film von Kubrick.

Alex, ein Teenager erzählt seine Geschichte selbst: Aus Spaß an der Gewalt verbringen er und seine drei Freunde ihre Zeit damit, wahllos wehrlose Opfer brutal zusammenzuschlagen, auszurauben und, sofern diese Frauen sind, zu vergewaltigen. Alex‘ Freunde lassen ihn aber nach Unstimmigkeiten im Stich. Alex wird wegen Mordes angeklagt und zu 14 Jahren Haft verurteilt. Dort nimmt er an einem neuartigen Experiment teil, bei dem er so konditioniert wird, dass ihm beim Gedanken an Gewalt sofort übel wird. Dummerweise trifft er auf einige seiner Opfer, die die günstige Gelegenheit ausnutzen wollen.

„Gruppen bilden, Mobbing, andere Leute dissen, damit werden die Jugendlichen konfrontiert“, erklärt Radojcic die Aktualität des Stoffes. Es gehe auch um die Frage, was ist das Reizvolle an einer Gang? Und wie schafft man es, da wieder herauszukommen?

Für die Inszenierung hat sich die Regisseurin etwas besonderes einfallen lassen: Alex ist ein Mädchen, gespielt von Ronahi Kahraman. Wichtig war Radojcic, dass die Gewaltszenen für die Jugendlichen auf der Bühne und auch im Zuschauerraum kompatibel sind. „Wir benutzen stark stilisierte Mittel. Die Aggression wird über die Musik erzeugt. Die Schauspieler müssen Hass, Unzufriedenheit über ihre Mimik zum Ausdruck bringen“, so Radojcic.

Musik spielt natürlich auch eine große Rolle. Neben Livemusik von Dixon Ra (Schlagzeug, Saxophon und Klavier) wird natürlich Musik von Beethovens Neunter eingespielt.

Auf die Kostüme kann man – wie bei allen Produktionen der Kulturbrigaden – sehr gespannt sein. Die Droogs (Die Gang von Alex) beispielsweise werden mit Bomberjacken und DocMartens auftreten.

Bei „A Clockwork Orange“ spielen neun Mitglieder der Kulturbrigaden im Alter von 14 bis 24 Jahren mit. Insgesamt sind bei den Kulturbrigaden rund 30 Kinder und Jugendliche aktiv, die sich in zwei Gruppen aufteilen: bis 14 Jahre und über 14 Jahre. Die nächste Produktion wird etwas märchenhafter: „Die Schneekönigin“ und hat wird am 14. und 15. Januar 2017 im Depot zu sehen sein. Mehr Infos über die Arbeit und Theaterkurse der Kulturbrigaden unter www.kulturbrigaden.com