Schönheit des Augenblicks und die Vergänglichkeit

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Stück. Zu sehen sind v.l.n.r. Marcel Schaar (Fotograf), Bettina Lieder und Marlena Keil. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Stückentwicklung „hell / ein Augenblick“ von Schauspielintendant Kay Voges und seinem Team ist ein weiteres Theater-Abenteuer nach „Das Goldene Zeitalter“ und „Die Borderline Prozession“. Es schließt sich künstlerisch als Fortsetzung an.

Während bei der „Borderline Prozession“ die Gleichzeitigkeit von Ereignissen und deren sinnliche Darstellung im Theater mit einer Bilderflut verdeutlicht wurde, geht es bei „hell / ein Augenblick“ um Reduktion und Entschleunigung.

Der berühmte Satz „Werd‘ ich zum Augenblicke sagen, verweile doch du bist so schön…“ von Goethes Faust war Inspiration für das neue Stück unter Voges Regie.

Können wir den Augenblick , den Moment für die Ewigkeit festhalten?

Die Fotografie versucht das seit 200 Jahren.

Der Regisseur und das gesamte Ensemble versuchen mit einer neuen Theaterform, sich mit der Fotografie zu verbünden. Ein Grenzgang des Theaters zur Kunst der Fotografie. Vier Dramaturgen sind an der Aufgabe beteiligt. Für den musikalischen Soundtrack ist wieder Tommy Finke verantwortlich.

Der Hauptakteur an diesem Abend ist aber der Kunstfotograf Marcel Schaar. An diesem Abend tauschen Helligkeit und Dunkelheit die Plätze. Er wird als Live-Fotograf auf der dunklen Bühne als Meister des Augenblicks mit dem Blitzlicht seiner Kamera ein Motiv ablichten, das dann direkt auf eine große Leinwand in den Zuschauerraum projiziert wird. Für 1/50 Sekunde Licht lässt dann vor den Augen der Zuschauer als Abbild auf der Netzhaut Bilder entstehen und wieder vergehen. Es entstehen Fragen dem Verhältnis von Bild, Abbild, Raum und Zeit und der Flüchtigkeit des Moments. Insgesamt werden bei der Vorstellung 100 Momente aufgefangen. Mit dieser Reduktion umzugehen, verlangt ein mutiges Ensemble.

Das ist eine Reflexion über die Vergänglichkeit und die Schönheit des Augenblicks. Es wird ein sinnlicher und vielleicht archaischer Abend,“ so Voges.

Inhaltlich passend werden die Schauspieler Textzitate aus verschiedenen Jahrhunderten von der jüdischen Kabbala bis Charles Bukowski , Goethe, Nietzsche oder Baudelaire u.a. verwenden. Dabei spielen die Themen Vergänglichkeit,, Erinnerung, Vergessen und der Zauber des Augenblicks natürlich die wesentliche Rolle.

Auf der Bühne werden zwei große Leinwände an den Seiten als Projektionsfläche dienen. Ein weißer Kasten für bietet ganz spezielle Beleuchtungsmöglichkeiten.

Die Vorstellung wird zirka zwei Stunden ohne Pause dauern.

Die Premiere von „Hell /ein Augenblick“ im Megastore um 19.30 Uhr am 11.02.2017 ist schon ausverkauft. Nachfragen lohnt sich aber immer! Manchmal werden auch Karten kurzfristig zurückgegeben.

Weitere Informationen erhalten sie unter www.theaterdo.de

Das Schauspielhaus rät: Menschen mit Dunkelangst, akuten Herzproblemen, einer Neigung zu Migräneanfällen und/oder Epilepsie wird dringend von einem Besuch der Vorstellung abgeraten.




Die Scheußlichkeit der schönen Momente!

Die Kreuzfahrt kann beginnen. (Foto: © Theater im Depot)

Das ist der Titel des neuen Tanztheaterprojekts der Tanzwerkstatt KOBIseminare in einer Kooperation mit dem Theater im Depot in Dortmund.

Das am Tanz interessierte Ensemble sind Erwachsene , die sich unter Leitung und Choreografie von Birgit Götz gemeinsam das Projektthema entwickeln und es auf humorvoll sinnliche Weise mit Tanz, Sprache und Performance umsetzen. Jeder wird nach seinen tänzerischen Fähigkeiten eingesetzt.

Die Grundsituation stellt sich so dar: 14 Freunde, die sich lange nicht mehr gesehen haben, planen eine gemeinsame Kreuzfahrt. Die Vorfreude und die Erwartungen sind riesig groß. Alles soll schön werden. Die unterschiedlichen Vorstellungen werden auf dem Schiff im engen Miteinander schnell klar. Die Enge auf dem Schiff bringt alle einander näher. Oder eben nicht…

Die 14 Akteure zeigen mit ihrem Tanz, Sprach und Humor, was für scheußlich-schöne Momente sich zwischen Menschen ergeben, die nichts anderes zu tun haben, als sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Es wird der Frage der zu hohen Erwartungen nachgegangen und hinterfragt, was eigentlich einen schönen und glücklichen Moment ausmacht.

Die Premiere ist am SA 11.02.2017 um 20:00 Uhr.

Weitere Termine: SO 12.02.2017 um 18:00 Uhr

sowie am Mi 15.02.2017 und am DO 16.02.2017 um 20:00 Uhr.

Kartenreservierung (AK): Theater im Depot: 0231 / 98 22 336 (AB) oder ticket@theaterimdepot.de

Kartenvorverkauf (VVK): DORTMUNDticket,  Max-von-der-Grün-Platz 5-6, 0231 / 18999-444, ticket@dortmund-tourismus.de




Wenn Politik das Private durchdringt

Auf dem Amt: SA-Mann (Frank Genser, 2.v.l.) will den arbeitslosen Bruder (Carlos Lobo 1.v.l.) der Köchin (Uwe Schmider, 4.v.l.) reinlegen. Noch im Bild sind: Bettina Lieder und Alexander Xell Dafov. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Nach dem großen Ensemblestück „Eine Familie (August: Osage County)“ hat Regisseur Sascha Hawemann in dieser Spielzeit Bertholt Brechts Szenencollage „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ (Zeitraum 1933 – 1938) im Megastore auf die Bühne gebracht. Hawemann sind dabei aktuelle Bezüge zu unserer Problemen mit zunehmen den Einfluss rechtspopulistischer und fundamental islamistischen Gruppierungen im In-und Ausland von großer Bedeutung. Das zeigt sich nicht nur die Beteiligung des 2015 aus Syrien geflohenen Schauspielers Raafat Daboul. Er steht für die vielen, vor der Gewalt in Syrien geflohenen Menschen. Ars Tremonia war am 05.012.2017 bei einer Aufführung anwesend.

Das Publikum wurde durch einen Graben voll Koffer und losen Textblättern von den Schauspielern räumlich weit getrennt. Dieser Graben stand symbolisch für alle Menschen, die als Juden und aus politischen oder anderen Gründen auf „gepackten Koffern“ saßen und und versuchten (so sie konnten) rechtzeitig zu fliehen.

Friederike Tiefenbacher spielt als jüdische Gattin eines deutschen Arztes (Andreas Beck) ein berührendes Beispiel für diese Flüchtlinge. Sie und ihr Mann versuchen verzweifelt, ihren Fluchtversuch als „kurze Reise nach Amsterdam“ zu erklären. Dem Paar und seine Freunden ist die bittere Wahrheit jedoch schon längst klar.

Durch die elf ausgewählten Szenen führte Uwe Schmieder als Bertolt Brecht engagiert. Neben Videobildern von im Hintergrund erfuhr das Publikums von Brechts „Epischen Theater“ und dem V-Effekt (Verfremdung). Er ist der Überzeugung, dass die Menschen sich aktiv für eine gerechtere, angst freie Gesellschaft einsetzen und kämpfen müssen und können. Brecht hat seine Szenen kaleidoskopisch angelegt, Hawemann versucht ein Band zwischen den Szenen zu finden, indem er Figuren öfter auftreten lässt wie beispielsweise das Dienstmädchen Marie. Dazu lässt er Figuren auftreten wie einen an Gustav Gründgens erinnernden „Mesphisto“ auftreten.

Die Auswirkung des Politischen auf das Privatleben sind allen Szenen gemeinsam. Nur ein paar Beispiele dafür: Frank Genser als brutal-zynischer SA-Mann Theo, der seine Lebensgefährtin Marie, gespielt von Bettina Lieder, jeden kleinsten Widerspruch austreibt. Er provoziert zudem seinen seinen arbeitslosen Nachbarn, gespielt von Carlos Lobo, im Spiel um ihn aufs Glatteis zu führen und zu denunzieren. Das Elternpaar (Merle Wasmuth und Carlos Lobo), das sich ausmalt, wie ihr für kurze Zeit verschwundener Sohn (Raafat Daboul) etwas System kritisches gehört haben könnte und sie eventuell denunziert. Andreas Beck spielt einen Amtsrichter, der zu jeder Rechtsbeugung bereit ist, um sich vor unliebsamen Konsequenzen für sich selber zu schützen. Das stellt sich als gar nicht so einfach da.

Die Szenen wurden zwischendurch musikalisch sensibel live und mit verschiedenen Instrumenten von Alexander Xell Dafov untermalt.

Sprachlos und nachdenklich machten gegen Ende das Paar Marie (Bettina Lieder) die Dienstmädchen und Theo (Frank Genser) der SA-Mann. Während ihrer in festlicher Kleidung zelebrierten Hochzeit erzählen die Beiden ohne jegliche Spur von Empathie in allen Einzelheiten von den grausamen Massenexekutionen in der Ukraine durch die deutsche Wehrmacht und ihren ukrainischen. Einen krasseren Gegensatz kann es nicht geben.

Ein Klima der Angst wird von interessierten Kreisen auch in der Gegenwart wieder geschürt. Wird gehen wir damit um?

Weitere Infos und Termine unter www.theaterdo.de




Der Briefroman wird digital

Wird die virtuelle Nähe durch die reale Nähe durchbrochen oder nicht? Katja Heinrich (Emmi) und Harald Schwaiger (Leo) (Foto: © Mario Perricone)

Die E-Mail hat den Briefverkehr revolutioniert. Zumindest was die Wartezeiten angeht. Dauerte beispielsweise eine Schachpartie zwischen einem Deutschen und jemanden aus Australien mehrere Jahre, ist die Zeit zwischen den Antworten deutlich kürzer geworden. So kann ein moderner Briefroman wie „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer auf die langwierigen Zustellzeiten verzichten. Doch eines bleibt damals wie heute aktuell: Wann schreibt er/sie mir endlich wieder. Zudem variiert Glattauer auch das schöne Thema: Zwei Menschen wollen zusammenkommen, aber irgendetwas passiert immer, dass es nicht klappt. Diese beiden „Königskinder“ werden gespielt von Katja Heinrich und Harald Schwaiger. Ars tremonia war bei der zweiten Vorstellung am 04. Februar 2017 im Theater im Dortmunder U dabei.

„Ever fallen in love with someone you shouldn‘t fallen in love with“ sagen die „Buzzcocks“ 1978. Auf Deutsch: Hast du dich schon mal in jemanden verliebt, in den du dich nicht verlieben solltest? Genau das passiert langsam aber sich den beiden Protagonisten in „Gut gegen Nordwind“.

Das Bühnenbild ist deutlich erkennbar in einen weiblichen und einen männlichen Bereich für die Protagonisten aufgeteilt.

Durch ein Tippfehler sendet Emmi Rothner eine E-Mail an Leo Leike statt an die Zeitschrift „Like“. Daraus entspinnt sich ein Briefwechsel zwischen den beiden, der anfänglich von Distanz geprägt wird, aber sich schnell in Vertrautheit wandelt. Doch so einfach ist es nicht: Leo hat eine kaputte Beziehung hinter sich und Emmi ist verheiratet. So wechselt Anziehung und Distanzierung hin und her.

Wie schnell die technische Entwicklung voranschreitet, sieht man an Glattauers Stück. Waren Briefe jahrhundertelang das A und O der schriftlichen Kommunikation, wurden sie von der E-Mail abgelöst. Doch 2017 wirkt das 2006 erschienene Buch, auf dem die Bühnenfassung von Glattauer und Ulrike Zemme fußt, bereits ein wenig antiquiert. Facebook, Instagram und WhatsApp scheinen für die Kommunikationsprofis – Emmi macht was mit Webseiten und Leo ist Kommunikationsberater und Uni-Assistent für Sprachpsychologie – komplettes Neuland zu sein.

Für die kleinen Unstimmigkeiten in der Vorlage können die beiden Schauspieler nichts. Sie überspielen die aus dem Ruder laufende E-Mail-Kommunikation mit großer Lust und Leidenschaft. In jeder Sekunde bangt man mit Emmi und Leo mit und hofft auf ein positives Ergebnis oder verzweifelt, weil irgendeine Kleinigkeit wieder einen Kompromiss verhindert hat. Heinrich spielt eine Emmi, die zunächst souverän agiert, aber sich immer mehr in ihre E-Mail-Freundschaft verliert. Schwaiger präsentiert einen kühlen, abgeklärten Leo, der ebenfalls wie Emmi, schnell eine Coolness verliert.

Was wäre wohl passiert, wenn Lotte und Werther schon über E-Mails verfügen könnten? Leo geht nicht den Weg von Werther, so viel sei verraten. Doch das Stück hat viele Überraschungen und sehr viel Tiefgang zu bieten. Und was gegen Nordwind hilft, erfahren Sie im Stück.

Zu austropott: 2012 taten sich zum ersten Mal Schauspieler aus Österreich und dem Ruhrgebiet zusammen, um gemeinsam eine Inszenierung auf die Bühne zu bringen – austroPott war geboren. Nach den Inszenierungen Kunst, Indien, Der Kontrabass und Die Wunderübung ist Gut gegen Nordwind die fünfte Produktion der Gruppe.

Infos über weitere Termine und Karten gibt es unter www.austropott.de




Say it loud – Die Fortsetzung folgt

Nach dem ersten Theaterprojekt mit Flüchtlingen „Say it loud- Storys from the brave new world“ unter der Leitung von Andreas Wrosch im Kinder- und Jugendtheater in Dortmund gibt es nun mit „Say it loud II“ eine Fortsetzung.

Im letzten Jahr ging es um die Beweggründe, Erlebnisse, Ängste,Träume, Hoffnungen und Enttäuschungen der Jugendlichen und Erwachsenen aus verschiedenen Fluchtländern. Die Spielfreude und die Dankbarkeit darüber, in Deutschland Schutz gefunden zu haben. Wer beim ersten Teil dabei war, wird einige bekannte Gesichter wieder erkennen.

In der Stückentwicklung zu „Say it loud II“ erzählen die elf jungen Frauen und Männer auf der Bühne nichts mehr über ihr persönliches Leben, sondern arbeiteten in einem Workshop zusammen mit Regisseur Wrosch die Geschichte von „Hänsel und Gretel“ als eine allgemeine Flüchtlingsgeschichte mit komischen und ironischen Elementen um. Aufgelockert wird die Erzählung durch Gesang, Musik und Tanzchoreografie.

Wie das Publikum am 03.02.2017 im Café des KJT schon einmal sehen und hören konnte, wurde das Stück durch den Beitrag eines jugendlichen Stand-up-Comedian mit albanischen Wurzeln mit viel Selbstironie bereichert. Vorurteile und Schubladendenken werden von ihm aufs Korn genommen. Unterstützt wurde das Team zusätzlich tatkräftig durch den kleinen Paul, ein Kind aus dem Umfeld der hiesigen Theaterszene.

Bei den Flüchtlingen blickt Dankbarkeit gegenüber Deutschland und der der Wunsch nach etwas Geduld (zum Beispiel etwa Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache) bei der Bevölkerung durch. Das durch internationale Gäste aus Frankreich, Portugal und Schweden bereicherte Publikum war von der Vorab-Darbietung angetan und spendeten viel Beifall. Die Premiere des Stücks findet am 11.06.2017 um 18:00 Uhr im KJT statt. Weitere Informationen unter : www.theaterdo.de




Neuigkeiten vom Dortmunder Schauspiel

Der MEGASTORE in Hörde war eigentlich nur für kürzere Zeit als Ausweich-Spielstätte des hiesige Schauspielhauses gedacht. Die notwendigen Renovierungsarbeiten der Werkstätten machte den Standortwechsel unausweichlich. Wegen unter anderem der bekannten Asbestproblematik kam es jedoch zu Verzögerung im Zeitplan. Nach inzwischen anderthalb Jahren unter schwierigen Bedingungen (Betonboden,wenig Toiletten, mangelnde Lagerkapazitäten u.a.) sind die Grenzen der Belastungen für das gesamte Schauspielensemble und ihre Techniker erreicht.

Das Interesse der Presse war groß, als Kulturdezernent Jörg Stüdemann am 27.01.2017 im MEGASTORE über den Stand der aktuellen Planungen informierte.Nachdem er sich bei Schauspieldirektor Kay Voges und seinem Ensemble bedankt hatte für die innovativen Produktionen unter problematischen Bedingungen, klärte er über den aktuellen Stand der Dinge auf.

Ein weiterer längerer Spielbetrieb im MEGASTORE scheidet wegen der hohen Kosten nicht unter 1,6 Millionen Euro aus. So entschied man sich gemeinsam für eine Kompromiss-Lösung. Der Standort MEGASTORE wird bis zum 18. Februar 2018 als Standort erhalten. Die letzte Premiere wird dort am 22.10.2017 zu sehen sein. Dringende kleinere Renovierungen wie vier zusätzlich WCs und Duschen je für Damen und Herren werden vorgenommen. Währenddessen werden notwendige Instandsetzungen und Umbauten am alten Schauspielhaus beschleunigt fortgesetzt. Dazu ist ein Masterplan notwendig. Schrittweise werden mit Hilfe zusätzlicher Umzugsteams und Techniker die wichtigen Instandsetzungen in Angriff genommen. Die Umzug des Schauspiels in das „neue Schauspiel“ am alten Standort geht dann nach und nach ab dem 8. August 2017 vonstatten. Ab dem 16.12.2017 kann sich das Publikum dort auf die erste Premiere eines noch nicht bekannten Stückes freuen.

Kay Voges erklärte zu dem Kompromiss: „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Endlich habe ich eine gewisse Planungssicherheit.“ Die Aussicht auf weitere Kompromisse unter Bedingungen, die einer Großstadt unwürdig sind, wäre ja auch keine Option. Längere Zeit benötigen die größeren Ausbauplanungen mit dem Frauenhofer-Institut. Ein Architektur-Wettbewerb wird bis zum Herbst 2017 für die Gestaltung der Räumlichkeiten für die „Junge Bühne“ ausgelobt. Das KJT muss sich wohl bis mindestens zum Jahr 2020 mit einem Umzug gedulden.




Feminismus zwischen Uni und Theater

Vorsicht! Die „Bitches“ sind im Kampfmodus. (Foto: © Christine Köck)

Am Freitag, den 27.01.2017 um 20:00 Uhr hat das Stück „B.A.-Bitches des professionellen freien Theaterkollektivs KomplottLegal unter der Regie von Isabel Stahl Premiere im Dortmunder Theater im Depot.

Den Rahmen der Handlung bildet das Leben der beiden Studentinnen Fatima (Fatima Talalini) und Lio (Lioba Sombetzki) auf dem Weg zum Bachelor of Arts (B.A.). Sie präsentieren ihre erste Performance und erzählen von ihrem schwierigen streng regulierten und strukturierten B.A.-Unileben zwischen Studium und Beruf. Zur Sprache kommt natürlich auch das schöne aber harte Leben im Off-Theater. Die freien Theater müssen immer um finanzielle Unterstützung (durch Sponsoren) für ihrer Projekte kämpfen und sind gleichzeitig um ihre Unabhängigkeit bemüht.

In Form von Collagen setzen sich die beiden Frauen mit existenziellen Fragen und der Bedeutung von Feminismus in unserer heutigen Zeit auseinander. Das sind Fragen wie: Wie soll mein Leben verlaufen? Was ist Erfolg? Wie bekommt man Erfolg? Gibt es ein Recht auf persönliche Erfüllung? Was ist eine „Bitch“ im feministischen Sinn? Wie kann eine sinnvolle politische Auseinandersetzung aussehen?

Dabei spielen die Texte aus Nadja Tolokonnikowas „Anleitung für eine Revolution“ eine wichtige Rolle“, so Stahl. Tolokonnikowa ist Teil der durch ihre spektakulären politischen Aktionen weit über Russland bekannt gewordenen feministischen Punkrock-Band „Pussy Riots“. Daraus stammt unter anderem der Satz: „Ein Wort wie „Bitch“ oder „Miststück“ handeln von Macht“. Frauen müssen immer noch in vielen Bereichen gegen Diskriminierung kämpfen.

Es geht darum , das negativ besetzte Wort „Bitch“ (Schlampe, rücksichtsloses Miststück) neu feministisch zu erobern, positiv zu besetzen und die Rechte von Frauen auf Selbstverwirklichung zu stärken, betonten die Beteiligten an der Produktion. Es wird aber kein belehrendes Stück mit erhobenen Zeigefinger.

Video wird bei dieser Produktion keine Rolle spielen. Musik und eine Kampfchoreografie wird aber von Bedeutung sein.

Die weiteren Vorstellungen von „B.A.-Bitches“ sind am 28.01., 24.02. und 09.03. jeweils um 20 Uhr im Depot Dortmund. Kartenvorbestellung unter 0231 9822336 oder ticket@theaterimdepot.de




Hommage an Paul Abraham

Die Operette spielt viel mit Exotik. Die „Blume von Hawaii“ wird erkoren. (Foto: © Björn Hickmann, Stage Picture)

Nach dem Erfolg mit „Roxy und ihr Wunderteam“ von Paul Abraham (1892 -1960) wagte sich Regisseur Thomas Enzinger nun an eine weitere Operette des jüdischen Komponisten. „Die Blume von Hawaii“ aus dem Jahr 1931 mit dem Text von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda. Premiere war am 21.01.2017 im Opernhaus Dortmund.

Gleich zu Beginn überrascht uns Regisseur Enzinger mit einer berührenden Szene. Abraham (Mark Wiegel) dirigiert ein unsichtbares Orchester. Das tat der Komponist im echten Leben 1946 in New York mitten auf der Straße und wurde wegen dieser Wahnvorstellung in die Psychiatrie eingeliefert. Zusammen mit seinem Arzt (Gaines Hall), der sich im weiteren Verlauf in die Figur des „Jim Boy“ verwandelt, erleben beide das Stück. Quasi als Stück in Stück durchbrechen beide Personen die Handlung kurz, weil Abraham einige Dinge erklärt.

Die Verbindung von romantischen Operettenmelodien, Jazz und exotischen Hawaii-Klänge entsprach der Sehnsucht der Menschen nach exotischer Fremde.

Indem Enzinger die Figur des Komponisten Paul Abraham in die Inszenierung integriert, wird gleichzeitig die tragische Lebensgeschichte Abrahams lebendig vor Augen geführt. Als Jude musste der Komponist Deutschland 1933 verlassen und konnte in seiner neuen Heimat in den USA musikalisch nicht mehr richtig Fuß fassen. So ist dies am Ende mit Bildern aus seinem Leben an die Bühnenwand Persönlichkeit auch eine Hommage an den Komponisten und an all die vielen jüdischen Künstler, die der Terror des Nationalsozialismus zwang, ihr Land zu verlassen oder ermordet wurden.

Die Blume von Hawaii“ ist ein Kind ihrer Zeit und sicherlich nicht politisch korrekt. Die Figur des „Jim Boy“, eines Weißen, der sein Gesicht schwarz anmalt („Blackfacing“) wäre heute sehr problematisch. Doch Enzinger verknüpft den Alltagsrassismus gegenüber Schwarzen in den USA in dem Lied Bin nur ein Jonny, zieh durch die Welt“ mit der Situation der Juden in Deutschland nach 1933. Abraham berichtet, wie er von allen angestarrt und ausgegrenzt wurde, „nur weil ich beschnitten bin“. Ein Satz von ihm passt sehr gut zur heutigen Situation: Niemand weiß, wie sich ein Flüchtling fühlt, der nicht selbst fliehen musste“

Zur Operetten-Story:

Die Einheimischen Hawaiis wollen die verhasste amerikanische Fremdherrschaft abschütteln. Da trifft es sich gut, das die rechtmäßigen Herrscher Prinzessin Laya und Prinz Lilo-Taro in Honolulu auftauchen. Es entspinnt sich eine wahnwitzige rasante Handlung um politische Interessen und Liebes-Verwirrungen. Wer mit wem anbändelt, liiert ist oder verkuppelt werden soll, ist ein herrlicher effektvoller Operettenwahnsinn. Nicht immer politisch korrekt und logisch in der Handlung.

Vor einer bunten und opulenten „hawaiianischen Kulisse“ und in wunderbaren Kostümen wird dem gesamten Ensemble alles abverlangt.

Wie bei einem Musical sind neben Gesang auch Spiel-und Tanzkunst auf hohem Niveau gefordert. Emily Newton musste gleich in eine Doppelrolle spielen. Als Prinzessin Laya und in der Rolle der Jazz-Sängerin Suzanne Provence. Das gelingt der vielseitigen Künstlerin mühelos. Jens Janke als Sekretär John Buffy und Karen Müller als Bessie Worthington waren hauptsächlich für das komödiantische Element in der Operette verantwortlich. Die übrigen Figuren waren gut besetzt und sorgten mit dem ausgezeichneten Tanzensemble für gute Stimmung. Da wurde gesteppt und getanzt, das es eine Freude war. Der Chor des Theaters Dortmund unter Leitung von Manuel Pujol überzeugte auch dieses Mal wieder.

Die Dortmunder Phiharmoniker unter der Leitung des erfahrenen Kapellmeister Philipp Armbruster sorgten mit dem passenden musikalischen Arrangement für den passende Background.

Informationen zu weiteren Terminen finden sie unter : www.theaterdo.de




Gastspiel im Megastore: „Letzte Lockerung“

Die Dadainen fragen: Was ist DADA? (Foto:©Stephan Schulz)

Die Dadainen“ sind wieder da! Nach ihrer Gründung vor einem Jahr zum 100jährigen Jubiläum der Dada-Bewegung und einer Lesereise durch das Ruhrgebiet ist die vierköpfige Gruppe zum ersten Mal im Megastore zu erleben und präsentiert am Sonntag, 26. Februar, um 18 Uhr ihr 75-minütiges Programm mit Textschnipseln, Tagebucheinträgen, Manifesten, Lautgedichten, Dialogen und Liedern. In der szenischen Lesung geht es um Leben und Sterben, Liebe, Politik, Religion, Geld und Macht, um Zahlen und Zufall, das Nichts und die Wurst. 100 Jahre nach Dada versuchen „Die Dadainen“, eine verrückte Welt mit nichts zu verändern. Die vier Mitglieder der Gruppe, Regine Anacker, Katrin Osbelt, Anette Struck und Birgit Rumpel, sind seit 2010 Mitglieder des Sprechchors am Schauspiel Dortmund. Mit „Letzte Lockerung“ begeben sie sich auf Spurensuche: Was ist Dada? Und wie dada ist unsere Gegenwart. Karten für 5,- Euro gibt es ab sofort an der Vorverkaufskasse im Opernhaus, unter www.theaterdo.de oder 0231/50-27222.




Zauberhaft sinnliches Wintermärchen

Kay im Banne der Schneekönigin (Foto: © Kulturbrigaden)

Nach langer Vorbereitungszeit unter der Regie von Rada Radojcic war es für das junge Ensemble Kulturbrigaden endlich so weit. Sie hatten am Samstag, den 14.01.2017 im Theater im Depot mit ihrem neuen Stück „Die Schneekönigin“ nach Motiven des gleichnamigen Märchens von Hans Christian Andersen.

Die Geschichte handelt von Gerda und Kay, deren große Freundschaft von der „eiskalten“ Schneekönigin gehörig auf die Probe gestellt wird. Mit Hilfe ihres teuflischen Hofzauberers versucht sie, den Jungen an sich zu binden und in ihre Welt zu locken. Durch einen Splitter eines Zauberspiegels wird ins Auge getroffen und er kann so Gutes nur Böse sehen. Seine Seele wird kalt. Verzweifelt verspricht Gerda ihrer Großmutter, ihn zurück zu holen und seine Seele zu retten. Dabei begibt sie sich auf einen gefährlichen Weg voller Gefahren. Gelingt es ihr, ihren Freund zu retten?

In diesem Märchen geht es um den Wert von Liebe, Freundschaft und Vertrauen gerade in harten, eisigen Zeiten. Wie groß ist deren Bedeutung für die Menschen in unserer schnelllebigen Zeit?

Wie immer in ihren Produktionen gingen die jungen Kulturbrigaden auch dieses Stück mit ihrer besonderen Ästhetik, musikalischem Hintergrund und rasanten Choreografien an. Die elf erst 9 bis 14-jährigen Kinder und Jugendlichen zeigten dabei nicht nur eine Menge Spielfreude sondern auch auch noch sprachliche Professionalität.

Was zeichnet den besonderen Stil aus? Wunderbare Kostüme und Masken sowie der gezielter Einsatz von Licht, Geräuschen und Musik. Die Bühnenausstattung ist dabei minimalistisch. Das Schloss der Schneekönigin erstrahlt erst durch die entsprechende Lichtbeleuchtung und Stofffäden als solches.

Ob Wind, Sturm oder Bedrohung, für alles findet sich jeweils ein passender Geräuschhintergrund. Neben sphärischen musikalischen Klängen wird dem jungen Publikum aber zum Beispiel auch eine moderner Rap des „mutigen und furchtlosen“ Kay geboten. Modern ist auch der Einsatz von Requisiten wie Rollerskates.

Ein wunderschönes Stück dieses jungen Ensembles und ihrer engagierten Regisseurin. Weitere Termine und Informationen finden sie unter: inf@theaterimdepot.de oder aber unter Tel: 0231/982 120

 

Gerda in den Fängen der Räuberbande (Foto: © Kulturbrigaden)