Inklusionstage im Depot 2017

[fruitful_alert type=“alert-success“]Koordinator Marek Kot, Schauspielerin Alexandra Madej und Regisseur Peter Feuerbaum freuen sich auf interessante Inklusionstage 2017 im Depot.[/fruitful_alert]

Seit dem Jahr 2015 werden die Inklusionstage im Dortmunder Theater im Depot durchgeführt. Ziel dabei ist es nicht nur, auf das große Potential von „Menschen mit mit Behinderungen“ in Kultur und Gesellschaft hinzuweisen, sondern das sie auch die Gelegenheit bekommen, sich aktiv kulturell und gesellschaftlich zu einzubringen und zu engagieren.

Für Berthold Meyer, dem Leiter des Theaters im Depot und Marek Kot, dem Koordinator des Projekts, ist es ein emotionales und wichtiges Anliegen, die inklusive Zusammenarbeit auch im Bereich Theater zwischen Menschen „mit und ohne Behinderungen“ voran zu bringen. Das Depot bietet dafür einen Raum. Frei nach dem Motto: „Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert.“ In diesem Jahr wird ein etwas verkleinertes, aber feines Programm durchgeführt.

Am Samstag den 29.04.2017 findet um 16:00 Uhr die Premiere der Tragikomödie „Erinnerungen“ des Gehörlosentheater Dortmund unter der Regie von Peter Feuerbaum statt. Hier spielen Gehörlose und nicht-gehörlose Amateur-SchauspielerInnen zusammen auf der Bühne. In diesem vier Personen Stück hat eine fast hundertjährige Mutter und ihre über siebzig jährige Tochter ihr gesamtes Leben in ihrem Haus in vielen Kartons verpackt. Die Tochter will nun endlich aufräumen. Die Sichtung der Kartons rufen nicht nur alte Erinnerungen hervor, sondern veranschaulichen auch verpasste Lebenschancen. Am Ende steht auch die in gegenseitiger Abhängigkeit gefesselte Mutter-Tochter Beziehung auf dem Prüfstand…

Die Vorstellung dauert zirka 90 Minuten und zum besseren Verständnis für die nicht gehörlosen Personen im Publikum fungiert der Schauspieler Markus Veith als Erzähler im Hintergrund. Sicherlich ein spannendes Abenteuer für das Publikum, wenn es sich nur darauf einlässt.

Am Sonntag, den 30.04.2017 kann das Publikum das Ergebnis des Projekts „Heimatspuren“ der Kompanie Windspiel im Theater im Depot erleben. Verschiedene Herkunftsgeschichten und Heimatempfindungen von Mitgliedern der Kompanie, die aktuell aus 21 Darstellerinnen und Darstellern mit unterschiedlichen Fähigkeitenprofilen besteht, wurden verfolgt und künstlerisch verarbeitet. Auf der Grundlage von Gesprächen und Assoziationen erfolgte eine Umsetzung in Tanz, Bewegungstheater und Performance. Anregungen bekam die Kompanie durch Beschäftigung und Auseinandersetzung mit ihrer Kultur, Herkunft und ihrem persönlichem Heimatgefühl.

Weitere Informationen zu den Inklusionstagen und Ticketpreisen erhalten Sie unter: http://www.depotdortmund.de/theater-im-depot




Im Sog von Licht und Musik

[fruitful_alert type=“alert-success“]Psychologische Farbenlehre als Teil des Loops. (Andreas Beck im Affenkostüm, Damen und Herren des ChorWerk Ruhr, Raafat Daboul (Hirn)
©Thomas Jauk, Stage Picture.[/fruitful_alert]

„Einstein on the beach“ von Philip Glass ist mehr eine Meditation als eine Oper, wie wir sie gewohnt sind. Wenn noch Kay Voges als Regisseur hinzukommt, bekommt man eine 3 ½-stündige Reise voller akustischer und visueller Eindrücke geschenkt. Ein Geschenk, auf das man sich einlassen muss. Ein Premierenbericht vom 23.04.17.

Philip Glass mit seiner minimal music ist wie geschaffen für Schauspielintendant Kay Voges, der in Vergangenheit und Gegenwart sich ebenfalls mit wiederkehrenden, aber minimal veränderten Loops beschäftigt hat, man denke nur an das „Goldene Zeitalter“. Und wo kann Voges seine Leidenschaft für Videokunst besser zur Geltung bringen, als eben bei dieser Oper. Denn Heldentenöre suchte man vergeblich, auch eine durchgehende Handlung ist schwerlich auszumachen. So lässt man sich am besten fallen, lässt sich von der Musik treiben und genießt die Optik. Zwar war die Bühne zweckmäßig und minimalistisch, dafür boten die Kostüme der Akteure (Schauspieler, Sängerinnen und Chor) einiges fürs Auge: Außerirdische oder eine Sängerin mit „Gehirnfrisur“.

Die „Gehirnfrisur“ erinnerte an die Marsianer aus dem Film „Mars attack! Und auch sonst scheint sich Voges bei seinem Spacetrip bei einigen Science-fiction-Filmen inspiriert zu haben. So wirkt der Chor gleich zu Beginn optisch wie die Kinder aus dem „Dorf der Verdammten“. Vielleicht war auch Schauspieler Andreas Beck, in seinem Affenkostüm, eine kleine Reminiszenz an „Planet der Affen“.

Auch sonst gab es viel zu sehen, eine Videoinstallation vom bekannten Team um Lars Ullrich und Mario Simon vom Schauspiel zauberte meditative Bilder auf die Leinwand. Die Oberbekleidung des Chores war multifunktional, denn sie konnte auch per LED-Lampen den gesang optisch unterstützen.

Einstein selbst tauchte in dem Stück auch auf: Einerseits als Violinist (klasse Önder Baloglu) und im Rollstuhl sitzend (verkörpert durch Kammersänger Hannes Brock). Seine Relativitätstheorie von Raum und Zeit ist ein wichtige Bestandteil der Oper.

Für die Beteiligten war diese Oper kein leichtes Unterfangen. Denn wenn es auch nicht gesanglich anspruchsvoll wie eine Wagner-Oper war, brauchten alle höchste Konzentration bei den winzigen Variationen der sich immer wiederholenden Texte. Die Texte bestanden größtenteils aus Zahlen (one, two, three, four, five, six) oder italienischen Notennamen (do, re, mi). Der Loop, die Wiederholung war der zentrale Kern.

Den größten Teil der Arbeit hatten neben den Musikern der Chor des ChorWerk Ruhr, die auch in verschiedenste Kostüme schlüpfen mussten. Es war grandios, ihre Spielfreude trotz der hohen Konzentration zu erleben. Auch die Sängerinnen und Sänger Hasti Molavian, Ileana Mateescu und eben Hannes Brock führten den schwierigen Job bravourös aus. Da die Oper auch eine Kooperation mit dem Schauspielhaus war, übernahmen die Schauspielerinnen und Schauspieler Bettina Lieder, Eva Verena Müller, Andreas Beck und Raafat Daboul dank ihrer Bühnenpräsenz wichtige Funktionen in der Oper. Das bekam der musikalische Leiter Florian Helgath gut in den Griff.

Wie gesagt, man muss sich auf dieses Stück einlassen. „Einstein on the beach“ ist keine Mozart-Oper. Es ist halt etwas anders. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Möglichkeit besteht, während des Stückes hinaus- und wieder hineinzugehen. Ein kleiner Teil nutzte die Gelegenheit, um nicht mehr wiederzukommen. Die, die geblieben sind, belohnten den Mut der Oper Dortmund mit einem donnernden Applaus.

Weitere Informationen unter www.theaterdo.de




Blick hinter die Schauspielfassade

[fruitful_alert type=“alert-success“]Glanz und Elend der Schauspielkunst präsentiert Markus Veith. (Illustration © Christian Turk)[/fruitful_alert]

Mit seinem Kabarett-Theaterstück „Lampenfieber – Jetzt mal in echt“ hat der Dortmunder Schauspieler und Schriftsteller Markus Veith am 22.04.2017 im hiesigen Theater im Depot einen humorvollen und nachdenklichen Einblick in die die skurril-verrückte Welt hinter der Fassade des Theater- und Filmbusiness gegeben.

In diesem Solostück wurde die Bühne für das Publikum zu einer Theater-Garderobe. Die ZuschauerInnen bekommen akustisch das Ende der Aufführung von „Lampenfieber“. Inhalt dieses Stückes waren der harte Kampf des jungen aufstrebenden Schauspieltalents, die Phase des großen Erfolgs und langsamen Abstiegs des alternden Stars. In einem fiktiven „meet and greet“ nach der Vorstellung erzählt der Schauspieler in der Garderobe nicht nur amüsante-skurrile Anekdoten aus dem Leben bekannte Schauspielgrößen aus der Filmgeschichte wie Heinz Erhard, Hans Albers, Hans Moser , Zahrah Leander und viele andere, sondern räumt auch humorvoll mit gängigen Vorurteilen auf. Sind Filmschauspieler etwa besser als Theaterschauspieler und haben es „zu etwas gebracht“, nur weil sie im Fernsehen einem Millionenpublikum bekannt sind? Ist Schauspieler ein richtiger Beruf oder eine „brotlose Kunst“?

Markus Veith schlüpft gekonnt mit wenigen Requisiten in die Rolle diverser Kollegen. Mit Sprache und Gestik schafft er es, die Personen lebendig auf die Bühne zu bringen. Es war interessant zu beobachten, wie die anfängliche leichte Distanz durch das unbekannte Publikum immer mehr schmolz. Nach kürzerer Zeit entstand eine entspannte und familiäre Atmosphäre. Emotional wurde es, als Veith aus seinem eigenen Erfahrungsschatz plauderte. Mit teilweise autobiografischen Anekdoten erfuhren die Zuhörer einiges über seine Erlebnisse mit KollegInnen und Regisseuren und seinem persönlichen Mentor. Höchst amüsant waren die Geschichten aus seiner langjährigen Arbeit im Bereich Kindertheater mit seinem ganz besonderen Publikum.

Die kleinen Schwächen, Macken und Eigenheiten seiner Schauspielkollegen wurden mit Respekt und Nachsicht, aber mit der notwendigen Bissigkeit auf der Bühne dargestellt.

Ein sehr amüsanter und aufschlussreicher Abend über das harten und schönen Seiten des Show-Business.

Die nächste Vorstellung im Depot ist am Samstag, den 20.05.2017 um 20:00 Uhr.

Nähere Informationen erhalten sie unter redaktion@depotdortmund.de

 




Abschlusspräsentation der Kinder- und Jugendclubs

[fruitful_alert type=“alert-success“]Alle Mitwirkenden der „Skellynauten“ nach dem Abschlussapplaus. [/fruitful_alert]

Im Kinder- und Jugendtheater Dortmund konnte das anwesende Publikum am 21.04.2017 gleich zwei Abschlusspräsentationen der Kinder- und Jugendclubs des Theaters erleben. Um 12:00 präsentierten die 7 bis 10 Jahre alten Skellynauten als jüngste Gruppe ihr unter der theaterpädagogischen Leitung von Erika Schmidt-Sulaimon entwickeltes Stück „Lollipop“. Um 16:00 Uhr am gleichen Tag präsentierten dann noch die Theaterstilisten (10-14-Jahre) ihr Stück „Wenn die Bingotrommel sich dreht“. Ars tremonia sah sich das Stück der Skellynauten an.

Im letzten halben Jahr setzten sich die Kinder, inspiriert vom Schulstück des KJT „Zuckeralarm“ mit der Thematik versteckter Zucker, Zuckersucht und der Zuckerindustrie auseinander. Fantasievoll und anschaulich informierten die Skellynauten (vier Mädchen und vier Jungen) auch mit Hilfe von weißen Kartons über den Zuckergehalt von Pizza, Limonade und anderen Artikeln. In einzelnen Szenen zeigten sie, wie sich zum Beispiel ein Kind an einer Ladenkasse auf den Boden schmeißt und nach Süßigkeiten brüllt. Welche Eltern kennen diese Situation aus eigener Erfahrung nicht? Eingebaut wurde auch ein witziger Informationsfilm im Zeichentrick-Format. Eingegangen wurde auf das Suchtpotenzial und die „Zuckermafia“, die diese Sucht für ihre Zwecke ausnutzt. Die Kinder kämpfen als „Agenten“ gegen die Zuckerindustrie. Untermalt wurde ihr Agententätigkeit mit der Musik aus „James Bond 007“ und „Kobra übernehmen sie“. Die acht Nachwuchs-Schauspieler agierten mit viel Spielfreude und Spielwitz.

Aufklärung über verstecktem Zucker zum Beispiel in Wurst, Fertigsaucen und Fertiggerichten und den Schaden für die Gesundheit ist sicher wichtig und gut. Eine dogmatische Verteufelung von Zucker und ein Nachdenken über Verbote ist nicht besonders hilfreich. Wie wir aus Erfahrungen mit anderen Suchtmittel wissen, bringen Verbote bei Genussmitteln nicht viel. Der Wunsch nach Genuss im Leben lässt sich nicht so einfach reglementieren. Da muss jeder Mensch seinen eigenen Weg finden.




DADA – Freie Kunst heute

Die Dortmunder DADADO-Gruppe hat sich zum Ziel gemacht, die 1916 in Zürich gegründete Kunst- und Kultur-Bewegung DADA wieder bekannt und lebendig zu machen. So organisierten sie – zusammen mit dem Kulturbüro unserer Stadt, der Kulturmeile Nordstadt und anderen 2016 eine Prozession zum Grab von Richard Huelsenbeck und machten einige Veranstaltungen zum 100-jährigen Jubiläum von DADA. Diese Bewegung entstand mitten in den Kriegswirren des Ersten Weltkrieges und arbeitet mit Wortspielen und überraschenden Aktionen und Fisimatenten.

In diesem Jahr soll der 125. Geburtstag des einzigen deutschen Gründungsmitglieds von DADA in Zürich, der in Dortmund bei seinen Großeltern in Dortmund aufgewachsene Richard Huelsenbeck gedacht werden. Seine Urne wurde 1974 auf dem Dortmunder Südfriedhof beigesetzt. Dem Dadaisten Jürgen „Kalle“ Wiersch ist es zu verdanken, dass die Grabstätte noch heute erhalten ist. Er hatte auch speziell ein Gedicht verfasst: „Wir vermachen dir unser Huelsenherz“. Dieses „Herz“ ist noch erhalten und soll am 23.04.2017 um 15:00 Uhr erneut feierlich mit Musik und DADA-Texten reanimiert werden. Alle sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen. Mit der Unterstützung von Ensemble-Mitgliedern von schwarz/rot Atemgold 09 paradiert die TrauerLustGemeinde zum Grab des Künstlers.

In Kooperation mit dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte wird dann um 18:00 Uhr in der Rotunde des MKK eine Gedenkfeier zum 125. Geburtstag des Künstlers mit leckeren Vanilinem HuelsenG‘bäck, „wierschen“ Worten und dem Huelsenherz stattfinden.

Dieter Gawol (Kunstdomäne) von DADADO erklärte beim Pressegespräch: „DADA ist vor allem eine Bewegung, die besonders in schwierigen und bedrohlichen Zeiten den Menschen Auszeiten und Spaß bieten will.“

DADA ist aber nicht nur „spaßig“, sondern auch durchaus eine politisch gegen gesellschaftliche Konventionen gerichtete „Anti-Bewegung“. Gawol verriet, dass im nächsten Jahr diese politische Komponente mit einer Veranstaltung „DADA und Krieg“ Rechnung getragen werden soll. In heutigen Zeiten, wo viele Menschen das Gefühl haben, auf einem Pulverfass zu sitzen, ein sicherlich notwendiges Statement.

Weiter Informationen zum Sonntag, dem 23.04.2017 und anderen Veranstaltungen erhalten Sie unter dadado@gmx.eu




Kabarett-Theaterstück um Schauspielszene

[fruitful_alert type=“alert-success“]Wie Schauspieler mit Lampenfieber und anderen kleinen Schwächen umgehen, erzählt Markus Veith. (Foto: © Heiner Schäfer).[/fruitful_alert]

Schauspieler und Schriftsteller Markus Veith hat das Publikum schon mit einige Solo-Stücken, darunter etwa eines über „Wilhelm Busch“, im Dortmunder Theater im Depot unterhalten. Dabei wurde natürlich viel in Reimen gesprochen. Mit seinem neuen Kabarett-Theaterstück „Lampenfieber – Jetzt mal in echt“ lässt er das Publikum hinter die Kulissen dieses besonderen, skurril-verrückten Theatervolks blicken.

Das Stück fängt nach Beendigung der Premiere von „Lampenfieber“ an und führt das Publikum in die Theater-Garderobe zu einen privatem Einblick und Plauderei ein. Veith schlüpft dabei in viele verschiedene Rollen bekannter Schauspielgrößen wie etwa Heinz Rühmann, Marylin Monroe, Gerd Fröbe, Zarah Leander, Peter Ustinov und andere. Mit raschen Szenenwechsel erzählt er dabei amüsant-skurrile Anekdoten, die wahr oder nicht wahr sein können. Die ZuschauerInnen erfahren etwas über Pleiten und Pannen, Schein und Sein oder Texthängern. Wie orientiert sich zum Beispiel eine stark kurzsichtige Schauspielerin ohne Sehhilfe auf der Bühne?

Vielleicht sieht das Publikum die Promis später in einem anderen Licht,“ so Markus Veith. Es wird eine humorvoll-bissige, aber auch respektvolle Beleuchtung des Show-Business. Regie beim zweistündigen Theaterstück führt der Amerikaner Tony Glaser.„Durch ihn wurde ich Schauspieler,“ verriet Veith.

Premiere ist Samstag, den 22.04.2017 um 20:00 Uhr im Theater im Depot.

Nächste Vorstellung: Samstag, 20.05.2017 um 20:00 Uhr.

Weitere Informationen unter http://www.depotdortmund.de/theater-im-depot




Die Unmöglichkeit trotz unbegrenzter Möglichkeiten

[fruitful_alert type=“alert-success“]Von diesem Tisch gehen die meisten Episoden aus. (Foto: © Birgit Hupfeld)[/fruitful_alert]

Was ist die Liebe in Zeiten von „alles kann – nichts muss“? Joël Pommerat zeigt uns in „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ die Schwierigkeiten von Menschen, sich aufeinander einzulassen, ihre Lebensentwürfe in Einklang zu bringen und ehrlich zu anderen zu sein. Die Premiere des Stückes unter der Regie von Paolo Magelli war am 08. April 2017 im Megastore.

er die Liebe. Doch keine Angst, der französische Autor hat keinen großen Eimer Zuckerguss parat, um ihn über das Publikum zu gießen. Kein triefender Kitsch á la „Tatsächlich… Liebe“, bei Pommerat geht es ums Eingemachte in den Beziehungen. Und die können durchaus komisch sein, wie bei einer geplanten Hochzeit, der bei die Braut kurz vorher feststellt, dass ihr Bräutigam doch auch ein Techtelmechtel mit jeder ihrer Schwestern hatte. Mehr ins Genre Horror/Psychodrama geht die Episode einer Babysitterin, die auf die nichtexistierenden Kinder eines Paares aufpassen muss. Natürlich machen sie die Babysitterin für das vermeintliche Verschwinden ihrer Kinder verantwortlich und dem Zuschauer ist es nicht deutlich: Ist das ein perfides Spiel, was die beiden treiben oder nicht.

Die Liebe hat bei Pommerat auch schmerzhafte Facetten: Einer Patientin einer Psychiatrie-Einrichtung soll überzeugt werden, ihr Kind abzutreiben, das sie mit einem anderen Patienten gezeugt hat und die Liebe eines Priesters zu einer Prostituierten steht unter einer harten Belastungsprobe.

In dem Stück stehen die Schauspieler im Mittelpunkt: Besonders wenn alle mehrere Rollen spielen. Die Premiere war auch die Premiere für Christian Freund, der ab der Spielzeit 2017/18 dem Ensemble angehören wird. Zusammen mit Ekkehard Freye, Frank Genser, Caroline Hanke, Marlena Keil, Sebastian Kuschmann, Uwe Schmieder, Julia Schubert, Friederike Tiefenbacher und Merle Wasmuth fügte sich Freund in das gut funktionierende Team ein, das neben Tempokomödie auch die leisen romantischen Töne traf.

Ein großes Lob gebührt dem Bühnenbildner Christoph Ernst. Der Anfang und das Ende war eine Reminiszenz an da Vincis Gemälde „Das letzte Abendmahl“ und der Tisch war ein zentraler Punkt in dem Stück. Rechts und links waren Treppen zu einer Balustrade und ein vergittertes „Dachgeschoss“ zu sehen. Styroporplatten mit sichtbaren Leimspuren und Plastikflaschen als Baluste erzeugten die Anmutung eines Rohbaus. Vielleicht ein Symbol für die Liebe, die immer Veränderungen unterworfen ist. Vielleicht ist es auch unmöglich, der Liebe eine bestimmte, dauerhafte Gestalt zu geben, ebenso unmöglich wie die Wiedervereinigung der beiden Koreas.

Weitere Termine und Karten unter www.theaterdo.de

 




Szenisches Kaleidoskop der Leidenschaften

[fruitful_alert type=“alert-success“]Kampf um einen Mann: (v.l.nr.) Marlena Keil, Ekkehard Freye, Caroline Hanke, Merle Wasmuth, Sebastian Kuschmann und
Julia Schubert). Foto: © Birgit Hupfeld[/fruitful_alert]

Am Samstag, den 08. April 2017 um 19:30 Uhr im Megastore ist Premiere für Joël Pommerats großes Ensemblestück „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ (Deutsch von Isabelle Rivoal) unter der Regie von Paolo Magelli. Der Regisseur ist ist schon durch „Leonce und Lena“ oder zuletzt „Elektra“ in der Dortmunder Theaterszene gut bekannt.

Anders als der Titel vermuten lässt, geht es in diesem Stück nicht um die politische Situation in Korea. Es ist hier ein Synonym für die Unmöglichkeit, beispielsweise die „wahre Liebe“ für die Ewigkeit zu halten. „Das Ziel ist der Weg, und das Ende ist immer eine Niederlage,“ so Magelli. „Das letzte Ende ist der Tod. Unsere Existenz ist Endlich und Leben, Liebe und Leidenschaft auf eine irdische Zeit begrenzt.“

Statt einer geschlossenen Dramaturgie erlebt das Publikum 19 Szenen mit wechselnden Personal. Sie bieten genügend Stoff für zahlreiche große Rollen, die von der Liebe in allen möglichen und unmöglichen Konstellationen handeln,“ erklärte Dramaturg Dirk Baumann. Diese werden in 20 Szenen und über 50 verschiedene Rollen für 10 Schauspieler beleuchtet. Eine große Herausforderungen für das Dortmunder Schauspiel-Ensemble. Erstmals dabei ist das neue Ensemble-Mitglied Christian Freund.

Die Musik für dieses Stück wurde extra vom Musikalischen Leiter des Dortmunder Schauspiels, T.D. Finck von Finckenstein alias Tommy Fincke komponiert.

Pommerat hat das Stück für die große Bühne konzipiert. Das Geschehen auf der Bühne wird nah am Publikum sein. „Auf einer existentialistischen Ebene ist dieses Stück durchaus politisch,“ erläuterte Magelli. Es steht in eine guten Tradition des existentialistischen französischen Theaters und erinnert in den Szenen an große Theaterautoren wie Horváth oder etwa Beckett. Es wechselt die Genres von absurder Komödie mit Leichtigkeit zu einer tief berührender Tragödie.

Die Vorstellung dauert ungefähr 2 Stunden (ohne Pause).

Die Premiere am 08. April 2017 ist schon ausverkauft.

Informationen über weitere Termine erhalten Sie über www.theaterdo.de




Von Nipstern und Wutbürgern

[fruitful_alert type=“alert-success“]Arne Vogelgesang präsentiert die virtuellen Stammtische auf YouTube. (Foto: © Birgit Hupfeld)[/fruitful_alert]

Vergessen Sie Ihre Vorstellungen von glatzköpfigen Nazis in Springerstiefel und Bomberjacke, die bis auf „Ausländer raus“ keinen geraden Satz sagen können.Die neue Rechte ist deutlich eloquenter geworden. Sie kopiert Methoden der Linken und tut auf den ersten Blick, als ob sie „nur“ besorgt seien. Was Arne Vogelgesang auf seiner „Video-Lecture“ mit dem Titel „Flammende Köpfe“ am 01. April im Megastore präsentierte, zeigte eine bunte Mischung rechtsorientierter Menschen, die unterschiedliche Rollen besetzen, aber dennoch im ein klares Ziel haben: Die Deutungshoheit über bestimmte Begriffe wie „Einzelfall“ zu kommen. Ihre Bühne ist das Internet. Hier vor allem YouTube, das sich als ideale Plattform erweist.

Die Reste der gewaltbereiten Nazis findet man vielleicht noch bei de „Hooligans gegen Salafisten“, kurz HoGeSa genannt. Die moderne Rechte hat aber mittlerweile gelernt, dass eine prügelnde SA schlecht für die PR ist und die ist in dieser Zeit besonders wichtig. Gewalt ist nur noch verbal zu hören, daher verstecken sich die Akteure gerne hinter eine Kunstfigur, um zur Not behaupten zu können: „Das habe ich nicht gesagt, das war nur meine Kunstfigur.“ Im Laufe des Abends stellt uns Vogelgesang unterschiedliche Akteure dieses rechten You-Tube-Kosmos vor. Sie alle nehmen eine bestimmte Theaterrolle ein wie die „strenge Haushälterin“ oder die „zu beschützende Jungfrau“ bis hin zum wackeren „veganen Germanen“. Übrigens „vegan“. Dieser Lifestyle ist nicht nur in linken Kreisen beliebt, auch in der rechten Szene ist vegan in. Schamlos werden Aktionen kopiert, die man eher aus dem linken Spektrum kannte, wie Kunstperformances und ähnliches. Statt Glatze und Springerstiefel trägt der hippe Nazis (Nipster) halt Hornbrille und schreibt seine Texte auf einem Mac.

Vogelgesang führt die Zuschauer Schritt für Schritt in die Welt der rechten Szene ein und stellt uns bestimmte Protagonisten vor, die dann später als Avatar auf einer kleinen Projektionswand auftauchen. Er karikiert sie nicht, sondern stellt sie erst einmal in ihrer eigenen Welt vor und präsentiert den Wahnsinn, den sie von sich geben.

Nach diesem Abend hat man die bittere Erkenntnis, dass die Rechten im 21. Jahrhundert angekommen sind. Sie sind hip, benutzen geschickt die neuen Medien und arbeiten genauso wie Linke mit Theaterelementen oder Performances. Es bleibt nichts anderes übrig, als immer genauer hin zuschauen.

Weitere Infos unter www.theaterdo.de

 




Die Tragik des Otello

[fruitful_alert type=“alert-success“]Langsam geht die Saat des Zweifels auf. Lance Ryan (Otello), Sangmin Lee (Jago). Foto: ©Thomas Jauk, Stage Picture[/fruitful_alert]

Giuseppe Verdis (1813 -1901) „Otello“ nach dem Melodrama von William Shakespeare, in einer modernen Inszenierung vom scheidenden Opernintendant Jens-Daniel Herzog, hatte am 26.03.2017 im Dortmunder Opernhaus Dortmund seine Premiere. Für die musikalische Begleitung war die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung des GMD Gabriel Feltz verantwortlich. Den unterschiedlichen Emotionen auf der Bühne einen entsprechenden musikalischen Hintergrund zu geben, gelang ihnen sensibel und kraftvoll.

Eine wichtige Rolle spielte wieder einmal der Chor-und Extrachor des Dortmunder Theaters unter der Leitung von Manuel Pujol und die Statisterie des Theaters.

Nach am Anfang auf einer Leinwand durch eine Videoprojektion im Hintergrund einen Blick wie quasi aus einem U-Boot auf gefahrvolle Kämpfe und tosenden Meereswellen zur dramatischen Musik werfen konnten, empfängt das Volk (Chor) kurz danach enthusiastisch ihren siegreichen Helden Admiral Otello auf dem von Venedig besetzten Zypern. Er hatte die Türken besiegt und die venezianische Flotte heil durch das schweres Unwetter geführt.

Selbsthaß und Selbstzweifel

Das Otello (Lance Ryan) ein starker und wenn nötig grausamer Admiral ist, wird auf der Bühne durch seinen blutige Trophäe, ein Wolfskopf, deutlich symbolisiert. Vielleicht ein kleiner Seitenhieb auf die „grauen Wölfe“ eine sehr nationalistische Gruppierung in der Türkei. Stark ist Otello aber nur als Soldat. Auf seine schöne Frau Desdemona (Emily Newton) ist er rasend Eifersüchtig. Er ist gefangen in Selbstzweifeln, Selbstmitleid und und einem Hang zur Selbstzerstörung. Er kann und will sich überhaupt nicht vorstellen, dass eine so schöne Frau wie Desdemona „einem Mann wie ihm“ treu ist. Herzog wählt dabei nicht wie im Original das Motiv des „andersfarbigen“ Menschen, sondern stellt der jungen Desdemona einen älteren Otello an die Seite.

Wie die zweite Seite einer Medaille ist da der ihn hassende Fähnrich Jago (Sangmin Lee). Er würde selbst gerne mindestens Hauptmann werden und versucht unerbittlich, Otello zu schaden. Das tragische an der Situation ist, dass beide sich gegenseitig brauchen. Otello möchte unbedingt den Beweis für die von ihm eigentlich schon als feststehend angenommene Untreue seiner Frau. Jago seinerseits will ihn vernichten und bietet dem Feldherrn und Gouverneur von Venedig durch Intrigen den vermeintlichen Beweis für das Fremdgehen von Desdemona. Alle weiteren Personen der Handlung sind nur Statisten in diesem Intrigenspiel. So zum Beispiel der bedauernswerte Hauptmann Cassio (Marc Horus), der als vermeintlicher Geliebter instrumentalisiert wird. Jago schreckt nicht einmal davor zurück, seine eigene Frau Emilia (Almrija Delic) für seine Zwecke einzuspannen.

Die Idee, den Bühnenraum in vier Zimmer einzuteilen, ermöglichte,es dem Publikum, parallel die Reaktion der verschieden Beteiligten zu erleben. Ein guter Schachzug.

If you want blood…

Das Melodrama geht zwangsläufig auf sein tragisches Ende zu. Otello ersticht Desdemona (zum Glück nicht im Bett). Als er von Emilia erfährt, dass Desdemonas Beteuerungen ihrer Unschuld stimmen, richtet er sich selber. Es fließt an diesem Abend viel Theaterblut und das Sterben dauert, wie es sich bei einer Oper gehört, ziemlich lange.

Bei Otello wird das fragwürdige Frauenbild der Zeit Shakespeares deutlich. Desdemona beteuert zwar ihre Unschuld, ergibt sich dann aber doch recht unterwürfig ihrem Schicksal. Warum klärt Emilia nicht früher die Intrige ihres Ehemannes auf? Ist die Frau etwa dem Manne zum Gehorsam verpflichtet?

Bei der Klasse der SängerInnen fällt es schwer, speziell jemanden heraus zu heben.

Sangmin Lee spielte die Rolle des grausamen und wirklich Bösen hinterlistigen Jago jedoch wirklich besonders glaubwürdig. Auch Emily Newton singt eine betörende Desdemona als Quell aller Unschuld, die völlig ratlos in die Mühlen von Jagos Intrigen gerät. Das wird im Stück schön von Herzog auf den Punkt gebracht mit einem Bild von Desdemona mit einem Heiligenschein.

Letztlich sind Desdemona und Otello beide blind. Sie vor Liebe und Unschuld, er vor Eifersucht und Selbstzweifeln. Jago braucht die meiste Zeit gar nichts zu tun, außer ein paar Nadelstiche zu setzen.

Weitere Termine und Karten unter www.theaterdo.de