Wundersame Reinigung im Netz

[fruitful_alert type=“alert-success“]Die Mitglieder des Sprechchores sind als Gärtner ebenfalls dabei. (Foto: © Birgit Hupfeld) [/fruitful_alert]

Im Megastore hat am 03.06.2017 um 19:30 Uhr das Theaterstück „Nach Manila“ der Gruppe Laokoon (nach dem trojanischen Priester) unter der Regie von Moritz Riesewieck seine Uraufführung.

In jahrelanger Recherche in Manila auf den Philippinen hatte sich die Gruppe mit den sogenannten „Click-Arbeitern“ oder modern „Content Moderators“ beschäftigt. Diese meist jungen Menschen arbeiten streng geheim in sogenannten Outsourcingfirmen, die im Auftrag von einem großen amerikanischen Konzern für wenig Geld in den sozialen Medien Foto und Videos schauen. Ihre Aufgabe: Bei Gewalt, Terror, sexuellen Missbrauch und anderes in den sozialen Medien wie Instagram, Tinder, Facebook diese zu sichten und nach einem Kriterienkatalog zu entfernen. Strengste Geheimhaltung wird von ihnen gefordert. Die Philippinen, durch westliche Kolonisation und streng katholisch geprägt, dient als vermeintlich genialer Standort für diese psychisch äußerst belastende Arbeit. Sie nehmen die „Sünden der Welt“ wie Christus auf sich und sind, laut Riesewieck, durchaus selbstbewusst.

Was da passiert, ist eine Auslagerung unserer Sünden,“ so der Regisseur. Die Click-Arbeiter werden mit unfassbarem Leiden konfrontiert und werden psychisch und physisch oft krank. „Sie bekommen keine Trauma-Therapie,“ so Riesewieck.  Viele von ihnen haben als einzige Hilfs-Krücke ihren katholischen Glauben. Indem sie die „Sünden“ auf sich nehmen und von uns fern halten, haben sie eine Art „Ablass“ für das Jenseits.

Die Gruppe stellt sich die Fragen hinter dem Unfassbaren. Was macht diese Arbeit mit den „Content Moderators“. Lässt sich das „Böse“ einfach auslagern und ist da überhaupt immer sinnvoll? Wer bestimmt, was durch junge Stellvertreter gelöscht wird und was nicht? Ist ein Regelwerk sinnvoll, dass die sozialen Netzwerke penibel wie einen Garten sauber hält? Was ist mit einer notwendigen demokratischen Auseinandersetzung? Ist die Konfrontation mit der bösen Realität, die zum menschlichen Leben gehört nicht notwendig?

Bewusst wurde sich gegen Dokumentartheater und für eine fiktive Geschichte mit vielen assoziativen Bildsprache die durch die Erzählung ihre Wirkung entfaltet. An drei Schicksalen werden die verschiedenen Motive und Umgangsformen der „Click-Arbeiter“ in Manila von drei Schauspielern dargestellt, die von einer Autorin aus dem Westen besucht werden.

Die Bühne wird zu einem Garten mit echten Pflanzen umgebaut werden und die Musik kommt von verschiedenen Standorten,“ so der Bühnenbildner der Gruppe Christian Maith. Die Zuschauer haben nicht nur verschiedene Blickwinkel auf die Pflanzen, sondern hören je nach Standort auch unterschiedliche Musik. Die Trennung von Zuschauerraum und Bühne soll aufgelöst werden.

Eingebunden in die Aufführung sind der Sprechchor als Gärtner und die Theaterpartisanen.

Karten gibt es noch für die Aufführungen am 02. und 09. Juli 2017.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.theaterdo.de




Ein Plädoyer für die Vielfalt

[fruitful_alert type=“alert-success“]Nein, das ist nicht Madrurodam: Joshua Whitener (Gulliver) wacht in Lilliput auf. (Foto: ©Thomas Jauk, Stage Picture)[/fruitful_alert]

Viele Menschen können sich sicher noch an Gullivers Reisen von Jonathan Swift aus ihrem Englisch-Unterricht in der Schule erinnern.

In einer Kooperationsarbeit der Jungen Oper Rhein/Ruhr steht in der Oper Dortmund zur Zeit die Uraufführung von „Gullivers Reise“ von Gerald Resch (Libretto von John von Düffel) auf dem Programm.

Bei der Familienoper unter der Regie von Marcelo Diaz stehen die Reiseabenteuer des jungen Gulliver auf der fiktiven Insel Liliput im Mittelpunkt. Musikalisch begleitet wird das Abenteuer von der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Ingo Martin Stahlmüller. Der Chor des und die Statisterie des Theaters Dortmund spielten eine große Rolle als Volksvertreter und wie etwa in lustigen „Hühnerkostümen“ auch humorvolle Auftritte. Die Familienoper hat viele lustige und skurrile Momente und bot den beteiligten Sängerinnen und Sängern ausreichend Gelegenheit, auch ihr komisches Talent zu beweisen.

Auf der Insel Liliput ist alles klein und die Sprache hat oft eine eigene lustige Endung. Der eigentlich gutmütige König (Oliver Weidinger) steht unter der Fuchtel seiner verwöhnten und selbstsüchtigen Tochter Rosalila (Ashley Thouret) und dem intriganten „bösen“ Admiral Skyresch (Luke Stoker). Als der für die Bewohner riesige und fremde Gulliver (Joshua Whitener) auf der Insel strandet, will der Admiral die vermeintliche Bedrohung durch den „Riesen“ beseitigen und Gulliver ermorden. Nur um selbst als starker Held da zu stehen und König zu werden. Rosalila hat es einzig auf den roten Rubinring von Gulliver abgesehen. Der König und das Volk sind unsicher und hin und her gerissen. Nur die mutige und Kluge Vaniliput (Almerija Delic) geht unvoreingenommen auf Gulliver zu und merkt, das dieser Liliput bei der Abwehr einer feindlichen Flotte behilflich sein kann. Zusammen wirken sie auf eine friedliche Lösung der Konflikte hin und kommen sich trotz aller Unterschiede näher..

Auf der Bühne sind die Bewohner von Liliput die „normal Großen“, und eine riesige Hand oder ein überdimensionaler Kopf aus Pappmasche stellen den „Riesen“ Gulliver dar. Auf der rechten Seite der Bühne ist Gulliver vor einen kleinen Häuserfront wie durch einer Art Gucklochperspektive zu sehen. Eine interessante Verschiebung der Perspektiven von „riesig“ uns „winzig“.

Ein humorvoll-satirische Familienoper, die zum Nachdenken über Vorurteile gegenüber dem Fremden unbekannten anregt. Es zeigt auch, wie wichtig eigens kritisches Hinterfrage von Machtinteressen einzelner und deren Manipulationsversuche ist.

Wie sagt es die kluge Vaniliput so schön: Erst einmal sehen, ob jemand Fremdes gute oder böse Absichten hat.

Informationen und weiter Aufführungstermine erhalten Sie unter: www.theaterdo.de




Sehnsucht, Seemansgarn und Wirklichkeit

[fruitful_alert type=“alert-success“]Was passierte mit dem Kreuzfahrtkapitän? Die Erzählerin (Bianka Lammert) bringt im Laufe des Abends verschiedene Versionen zur Sprache. [/fruitful_alert]

Im Theater Fletch Bizzel in der Dortmunder Humboldtstraße 45 hatte das Solo-Programm „Seine Braut war das Meer und sie verschlang ihn“ von Andreas Marber mit der vom Kinder-und Jugendtheater unserer Stadt bekannten Schauspielerin Bianka Lammert am 19.05.2017 seine Premiere. Wie schon bei ihrem ersten Solo-Programm „Das halbseibene Mädchen“ (2011) führte wieder Hans-Peter Krüger Regie und für die musikalische Begleitung sorgte Oleg Bordo am Piano.

Die Bühne wurde zu einer Art Dachgarten mit maroden Klappstuhl, Tisch und verschiedenen Topfpflanzen umfunktioniert. An der Seite war eine kleine offene Fensterluke zu sehen, die als Durchgang oder als Fenster zum hinaus sehen genutzt werden konnte. Im Hintergrund an die Wand eine Landschaft im Sonnenuntergang projiziert und davor eine leicht schräge schmale Ballestrade.

Noch vor der eigentlichen Vorstellung wurde das Publikum Zeuge der Vorbereitungen einer Festlichkeit. Eine Frau (Bianka Lammert) bläst in aller Ruhe Luftballons auf, kümmert sich um die Pflanzen und sorgt mit Sorgfalt dafür, dass der Sekt und alles andere vorbereitet ist. Erst dann wendet sie sich an das Publikum und erzählt, dass sie den Todestag ihres Geliebten, eines Kreuzfahrtschiffskapitäns, der gleichzeitig sein Geburtstag sei feierlich begehen will.

Doch mit der Zeit spürt der Zuschauer, dass etwas nicht stimmen kann. Die gemeinsamen Erlebnisse mit „ihrem Kapitän“ scheinen aus schlechten Liebesromanen zu stammen, viele Kreuzfahrtklischees werden lebendig. Kann das alles so stimmen? Im Laufe des Abend erhält ihre Geschichte mit jedem Glas Sekt immer mehr Wendungen und auch die Erzählerin verändert sich. Was ist Wunschtraum aus einer Kreuzfahrtbroschüre, was ist Realität?

Die Geschichte wird passend mit vielen Seemanns-Liedern wie etwa „Nimm mich mit Kapitän auf die Reise“, „Beim ersten Mal tut‘s noch weh“ oder melancholischen Stücken aufgelockert und sensibel begleitet. Mit viel Temperament und Einfühlungsvermögen wurden die live gesungenen Lieder von Lammert interpretiert.

Mal wendet sie sich an das Publikum, mal je nach Situation auch an den Pianisten.

Lammert überzeugt mit lebendigen Spiel und der Darstellung einer Frau, die in ihrer eigenen Realität mit der großen Sehnsucht nach Geborgenheit, Liebe und einem „sicheren Hafen im Leben“ lebt. Ein heller Strickpullover, das festliche blaue Kleid und andere Gegenstände werden von ihr geschickt zur Verdeutlichung ihrer Gefühle eingesetzt.

Ein unterhaltsames, dabei kurzweiliges und auch zum „nach-denken“ anregendes Solo-Programm.

Weitere Aufführungstermine: 20.05.2017 oder 2. und 3. Juni 2017 jeweils um 20:00 Uhr im Fletch Bizzel.

Nähere Infos unter www.fletch-bizzel.de




Spannende Theaterspielzeit 2017/18

[fruitful_alert type=“alert-success“]Nicht die „Drei von der Punkstelle“, sondern (v.l.n.r.) Andreas Gruhn (Leiter KJT), Schauspielintendant Kay Voges und Generalmusikdirektor Gabriel Feltz.[/fruitful_alert]

Das Theater Dortmund hat am 17.05.2017 im Foyer des Opernhauses das neue Programm für die Spielzeit 2017/18 vorgestellt. Zunächst blickte die scheidende Geschäftsführerin Bettina Pesch zufrieden auf die jetzige Spielzeit mit einer Auslastung von 80 % zurück. Aber es heißt auch Abschied nehmen: Für Jens-Daniel Herzog ist es die letzte Spielzeit als Opernintendant in Dortmund.
Am 24.09.2017 hat die lyrische Komödie „Arabella“ von Richard Strauss unter seiner Regie Premiere. Auch für Kammersänger Hannes Brock ist es seine letzte Saison. Aber davor zeigt er sein großes Können noch einmal beim Musical „Haispray“ (21.10.2017) und bei der Revue-Operette „Frau Luna“ von Paul Lincke (13.01.2018).
Interessant sind sicher auch die lyrischen Szenen „Eugen Onegin“ von Peter Tschaikowsky. Besonders freuen können sich Opernfans sicherlich auf Verdis „Nabucco“ (10-03.2018) unter der Regie von Herzog oder die „Schneekönigin“ als Familienoper von Felix Lange. Mit zwei Galas wird gebührend von Jens-Daniel Herzog und K.s. Hannes Brock Abschied genommen.
Ballettdirektor Xin Peng Wang ließ sich vom 8. Philharmonischen Konzert (wir berichteten) inspirieren und setzt sich mit seinem Ballett mit dem 3. Klavierkonzert von Rachmaninow und Tschaikowskys 6.Sinfonie auseinander. (11.11.2017).
Fantasievoll geht es bei der Choreografie von Mauro Bigonzettis „Alice“ nach „Alice im Wunderland“ zu. (10.02.2017). Zudem werden wieder zwei Internationale Ballettgalas geboten und das NRW Juniorballett zeigt sein Können auf einer „Trans Europa Express“ Tanzreise.
Der Schwerpunkt der Dortmunder Philharmoniker liegt aber in der neuen Spielzeit nach Aussage des GMD Gabriel Feltz auf Werken von Gustav Mahler, darunter die 4. und die 8. Sinfonie. Die bekannten Reihen wie die Wiener Klassik, Konzerte für junge Leute, Kammerkonzerte, Babykonzerte oder das Stummfilm-Konzert („Modern Times“ von Charly Chaplin) werden weitergeführt. Der Jahresbeginn wird mit dem Neujahrskonzert 2018 mit der „Ode an die Freude“ aus Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie gebührend im Opernhaus gefeiert. Am 1.September 2017 können sich Fans der italienischen Oper auf italienisches Flair bei der Sommernacht der Oper : Nessun dorma auf dem Friedensplatz freuen. Ein auch für das jüngere Publikum interessantes Projekt steht am 11.06.2018 mit „Video Game Music in Concert – Synphonic Selections“ auf dem Programm.

Neues aus Ballett und Oper präsentierten Xing Peng Wang (Leiter des Balletts) und Opernintendant Jens-Daniel Herzog.
Neues aus Ballett und Oper präsentierten Xin Peng Wang (Leiter des Balletts) und Opernintendant Jens-Daniel Herzog.

Das Schauspiel Dortmund freut sich mit mit seinem Intendanten Kay Voges, ab dem 16. 12.2017 mit einer Doppel-Premiere Biedermann und Brandstifter (Max Frisch) und Fahrenheit 451 (Ray Bradbury) unter der Regie von Gordon Kämmerer wieder an altbekannter Stelle im Schauspielhaus loslegen zu können. Direkt einen Tag später geht es österreichisch derb mit Werner Schwabs „Übergewicht, unwichtig: Unform“ im Studio weiter. Des weiteren stehen zum Beispiel Anton Tschechows Komödie „Kirschgarten“ (Regie: Sascha Hawemann) auf dem Programm des Studios. Bei der Künstlerkomödie „Der Theatermacher“ von Thomas Bernhard (30.12.17) führt Kay Voges Regie.  Gespannt sein darf man auf „Das Internat“ von Ersan Mondtag  und Alexander Kerlin.  Weitere Stücke befassen sich mit der Gender-Problematik (Orlando) oder den Ursachen trügerischen Erinnerungen bei „Memory Alpha oder die Zeit der Augenzeugen“.
Die renommierte Regisseurin Claudia Bauer setzt sich am 07.04.2017 auf eine neue moderne Weise mit der „Schöpfung“ (nach Joseph Haydn) auseinander.
Freunde der Bochumer Punk-Band „Die Kassierer“ dürfen sich am 26.05.2017 auf deren Punk-Operette „Die Drei von der Punkstelle“ nach Franz Schulz und Paul Frank auf deren Auftritt freuen.
Der Dortmunder Sprechchor ist mit dem Stück „After Life“ vertreten. Projekte wie das „Mundorgelprojekt“ von Tommy Finke werden weiter geführt.
Sehr am Herzen liegt Voges die Schaffung einer Akademie, die sich mit der  Forschung und Entwicklung von Verbindungsmöglichkeiten zwischen Darstellender Kunst und der digitalen Welt befasst. Zu diesem Thema wird auch ein Kongress in Dortmund stattfinden.
Das Kinder-und Jugendtheater befasst sich in  der neuen Spielzeit mit der Identitätsfindung Kinder und Jugendlicher sowie dem übergroßen gesellschaftlichen Druck auf sie in unserer Zeit.
Am 22.09.2017 steht als erstes die „Verwandlung“ nach Franz Kafka unter der Regie von Antje Siebers auf dem Programm. Für die kleinen Kinder ist „Ein König zu viel“  (Gertrud Pigor) auf dem Programm. Als Weihnachtmärchen wird ab dem 10.11.2017 „Der gestiefelte Kater“ aufgeführt. Die Inszenierung „Wertvoll oder Mensch, oder mach was aus dir!“ beschäftigt sich mit der Frage, was den Wert eines Menschen ausmacht.
Jugendclubproduktionen im Rahmen von pottfiction oder Projekte mit Geflüchteten werden laut Andreas Gruhn, dem Direktor des KJT, weiter geführt.

Das umfangreiche Programm der neuen Spielzeit erhalten Sie ab sofort im Dortmunder Opernhaus. Abonnentenkarten gibt es ab dem 26.06.2017.




Wilde Fahrt über den Ozean der Gefühle

[fruitful_alert type=“alert-success“]Am Geburtstag ihres verstorbenen Mannes kommen die Gefühle der Witwe (Bianka Lammert) wieder hoch.[/fruitful_alert]

Die Produktion „Seine Braut war das Meer und sie umschlang ihn“ (Andreas Marber) ist nach „Das kunstseidene Mädchen“ (2011) das zweite Solo-Programm mit der vor allem vom Kinder- und Jugendtheater (KJT) in Dortmund bekannten Schauspielerin Bianka Lammert im Theater Fletch Bizzel. Die Premiere ist am Freitag, den 19.05.2017 um 20.00 Uhr und Regie führt wieder Hans-Peter Krüger.

Horst Hanke-Lindemann, Leiter des Fletch Bizzel, wies auf die schon lange andauernde Zusammenarbeit mit der Schauspielerin hin und zeigte sich auch zufrieden mit der guten Kooperation zwischen seinem Haus und dem KJT.

Worum geht es bei dieser Produktion? Eine Frau (Bianka Lammert) feiert mit Sekt und festlich gekleidet auf dem Dachgarten eines Kreuzschiffes den Geburtstag ihres verstorbenen Mannes. Er war ehemaliger Kapitän des Kreuzschiffes, bevor er ausgerechnet an seinem Geburtstag tödlich verunglückte. Seine Witwe zelebriert nun diesen Tag jedes Jahr mit ausgiebigem Gedenken an gemeinsame Erlebnisse. Dabei ist die Gefahr groß, dass sie sich in einer wilden Fahrt über den Ozean der Gefühle in einer Geschichte verliert….

Diese Geschichte hat einige Schräglagen und bietet überraschende Wendungen,“ erklärte Krüger. Regisseur und Schauspielerin haben den Text des Stückes oft gelesen zusammen lange an den Feinheiten gearbeitet und gefeilt. Das Solo-Programm bietet Raum für die verschiedensten Facetten des Schauspiels.

Musikalisch begleitet wird Bianka Lammert wie schon bei ihrer ersten Solo-Produktion wieder von Oleg Bordo am Piano. Acht bis neun Lieder werden live gesungen. „Das gibt die Möglichkeit, den Gefühlen auch auf einer zweiten Ebene Ausdruck zu verleihen,“ so Lammert.

Die Bühne des Fletch Bizzel wird zu einem provisorischen Dachgarten mit seiner besonderen Sicht von oben.

Karten für die Premiere am 19.05.02017 gibt es unter karten@fletch-bizzel.de oder telefonisch unter 0231 142525

Weitere Aufführungstermine sind der 2. und 3. Juni 2017, jeweils um 20.00 Uhr.




Das Leben findet im Hinterhof statt

[fruitful_alert type=“alert-success“]Gruppenbild der Laiendarsteller mit Gartenzwerg.[/fruitful_alert]

Die Nordstadt hat eine Vielzahl von interessanten Hinterhöfen mit alten Gebäuden, die seit Jahrzehnten darauf warten, wach geküsst zu werden. Für Rolf Dennemann, dem Kopf von artscenico, sind Hinterhöfe auch ein Ort der Kommunikation. In seinem Stück „Tal der fliegenden Messer (Tohuwabohu)“ präsentiert er mit Laien und Profi-Schauspielern im Hinterhof an der Missundestraße 10 das raue Leben. Ars tremonia war bei der Premiere am 06. Mai dabei.

Skurrile Typen gibt es in dem Stück genug und dennoch scheinen sie auf dem realen Leben der Nordstadt herausgegriffen zu sein. Die Oma, die Mitarbeiterin vom Pflegedienst, die Nachbarn, die neu Hinzugezogenen oder die Schnorrerin. Bei der hat die Inflation gnadenlos zugeschlagen, denn mit Kleingeld gibt sie nicht nicht zufrieden, ein Zehner sollte es schon sein.

Nicht nur die Typen sind skurril, auch die Geschichte, die uns Dennemann präsentiert, ist ein wenig „strange“. Kalla und Walla haben der Rentenkasse den Tod ihrer Mutter verheimlicht und kassieren ihre Rente. Natürlich wissen die Nachbarn Bescheid und verlangen Schweigegeld. Nachdem das zu viel wird, versucht sich Walla als erfolgloser Heiratsschwindler.

Daneben geht das Leben im Hinterhof seinen Gang, kleine Gärten werden gepflegt, der Grill wird an geschmissen und ein spanisches Paar hat es sich als Obdachlose auf einem Sofa bequem gemacht.

Das Stück lebt hauptsächlich von seiner sehr ungewohnten Freiluftatmosphäre. Das Setting in einem Hinterhof war zunächst ungewöhnlich, doch man gewöhnte sich daran. Auch dass Nachbarn ab und zu aus dem Fenster schauten, um zu erfahren, was los ist oder eine Katze sich vom Dach das Stück näher ansah.

Der zweite Teil spielte im hinteren Bereich des Hinterhofes, wo mehrere schöne alte Garagen auf den Besuch der Zuschauer warteten. Die Zeit wurde unterdessen genutzt, um vorne alles für die Gartenparty vorzubereiten, womit das Stück auch beendet wurde.

Das Stück ist ideal für alle diejenigen, die das Nordstadtflair lieben und gerne neue Orte entdecken. Dazu zeigt Dennemann ein Kaleidoskop an Nordstadt-Typen und Nordstadt-Leben, das sich deutlich vom Leben in einer Reihenhaus-Siedlung am Stadtrand unterscheidet. Hinzu kommt auch die gelungene Melange von Laien und Profis zu einem einheitlichen Stück.

Mit dabei sind unter anderem: Matthias Hecht, Thomas Kemper, Elisabeth Pleß, Linus Ebner, Denise Rech, Rezan Kanat, Anna Hauke und Jürgen Dilling, Cynthia Teresa Scholz-Tovar, Ismael José Monagas Caraballo, Baran Drbas, Heike Hundeiker, Uwe Lagoda, Taher Güliesstan, Gerlinde Albers, Hans Eckert, Werner Rosenberg.

Musiker gab es natürlich auch. Gregor Hengesbach und Volker Wendland spielten Gitarre.

Weitere Aufführungen gibt es am 13. und 14. Mai 2017 – jeweils ab 19.30 Uhr. Infos und Karten unter orga@artscenico.de. Eintritt 12,00/ermäßigt 7,00€




Muss Einer immer der Erste sein?

[fruitful_alert type=“alert-success“]Einer (Andreas Ksienzyk) und Zweier (Bianka Lammert) möchten gerne Vögel sein. Da diese angeblich nicht zählen können. Dreier (Rainer Kleinespel) auf der Stange schaut belustigt zu. (Foto: © Birgit Hupfeld)[/fruitful_alert]

Carsten Brandau hat mit seinem Theaterstück für ALLE (ab 4 Jahre) „Dreier steht Kopf“ ein einfach verdichtetes, aber auch philosophisch komplexen Theaterstück für ALLE (ab 4 Jahre) entwickelt.

Unter der Regie von Regisseurin Johanna Weißert hatte das Stück am Freitag, den 05.05.2017 Premiere im Kinder-und Jugendtheater Dortmund. Die drei handelnden Personen Einer (Andreas Ksienzyk), Zweier (Bianka Lammert) und Dreier (Rainer Kleinespel) werden von der Regisseurin in das Obdachlosen-Milieu platziert.

Worum geht es: Einer ist bei allem was passiert, immer der Erste. Das ist so , war so, und wird so bleiben. Wer zählen kann, weiß doch – Eins kommt vor Zwei und so weiter. An dieser Ordnung hält Einer pedantisch fest. Als Zweier, eher ängstlich und unterwürfig, einmal Erster ist, scheint das fast ungeheuerlich und peinlich. Heimlich träumen beide aber davon, aus dem festgefahrenen Schema auszubrechen und wie die Vögel scheinbar frei von einer festen, reglementierenden Ordnung zu leben. Die können ja nicht zählen. Erst als als der rebellische Dreier zu ihnen stößt und sich den Regeln widersetzt, kommt etwas in Bewegung und die Welt steht auf den Kopf. Was nun….

Mit seiner humorvollen, reduzierten Kunstsprache lässt Brandau in seinem Text viel Raum für neue Gedankenspiele. Widersprüche werden deutlich. Es ist amüsant zu erleben, wie sich Einer und Zweier oft krampfhaft bemühen, ihre feste Ordnung aufrecht zu erhalten.

Auf der Bühne waren neben einem Mülleimer an der Seite , einigen Gegenständen auf dem Boden, einem großen rotem Klettergerüst mit drei weißen großen Wolken darüber, einem Fahrrad auch ein umgedrehter kleiner Baumstrauch an einem Band zu sehen. Der Regisseurin gelang es mit Hilfe von an den Seiten befestigten bunten Kabel, die Welt per Flaschenzug auch sichtbar auf den Kopf zu stellen.

Dieses quasi philosophische Stück legt subtil die Mechanismen von festgefügten Ordnungen offen. Diese machen unfrei, grenzen aus und bevormunden die Menschen. Außerdem sind sie hinderlich für die menschliche Weiterentwicklung und wecken zumeist Widerstand. Weiter werden hier auch Fragen der Identität aufgeworfen. Wer bin ich und wer will ich sein?

Die drei SchauspielerInnen mit ihrem lebendigen spiel, die eingespielte Musik und Geräusche und das schöne Ende mit dem extra konzipierten Video sorgten für ein unterhaltsamen und zum nachdenken anregenden Theaterabend im KJT.

Weitere Informationen und Vorstellungstermine erhalten Sie unter www.theaterdo.de




Zweiter Tag der Inklusionstage 2017 – Auf Heimatsuche

Die Kompanie Windspiel, ein Tanztheater mit bis zu 21 DarstellerInnen mit und ohne Handicap, verfolgt mit ihrem Projekt „Heimatspuren“ ihre verschiedene Herkunftsgeschichten und Heimatempfindungen und setzt sie durch Bewegungstheater und Tanz auf der Bühne um. Sie drücken sie ihre persönlichen Empfindungen zu „Heimat“ auch mit Begriffen wie Liebe, Hoffnung, Sehnsucht, Kälte und Erde aus. Das Ruhrgebiet mit „Currywurst“, Fußball und Bergbau spielt bei der Aufführung eine zentrale Rolle. Dann geht es auch in ferne Herkunftsländer wie Italien, Portugal oder der asiatische Raum. Mit schönen Kostümen und jeweils passender musikalischen oder rhythmischen Untermalung boten sie ein vielfältiges und abgerundetes Programm. Ob mit oder ohne Handicap spielte keine Rolle. Alle Darsteller fügten sich gut in das gesamte Gefüge und Miteinander ein. Ein visuell und emotionales Tanztheater-Erlebnis.




Inklusionstage im Depot – So ein Theater

Erster Tag: Erinnerungen“ mit dem Gehörlosentheater Dortmund – ein Stück von Moritz Brandner unter der Regie von Peter Feuerbaum.

In dieser Tragikomödie stapeln sich nicht nur teils lustige, sondern auch traurig wehmütige Erinnerungen in vielen Kartons in der Wohnung der gehörlosen fast hundertjährigen Agnes (Gabi Wienzek) und ihrer über siebzigjährigen Tochter Margarete (Brigitte Piering). Die Tochter will endlich aufräumen und Platz schaffen. Die Kartons beinhalten eine Inventur des ab-gelebten Lebens und der enttäuschten Erwartungen. Die Mutter wollte ihre Tochter vor Beziehungen mit nicht gehörlosen Menschen und vor allem Männern bewahren. Für sie passen gehörlose und nicht gehörlose im Leben nicht zusammen. Margaretes großer Wunsch im Leben, Pilotin zu werden und deren unerfüllte Liebe zu einem amerikanischen Fliegerpiloten lehnt sie ab. Die Tochter möchte unbedingt wissen, ob dieser Pilot sie damals wirklich geliebt hatte. Er kam nach einem Korea-Einsatz nicht mehr wieder zurück. Als der Neffe (Armin Reddig) von Agnes zunächst immer nicht gehörlose Frauen (alle von der temperamentvollen Alexandra Madej gespielt) vorstellt, sind Mutter und Tochter skeptisch. Kann das gut gehen? Die Situation zwischen den beiden Frauen spitzt sich zu….

Für die nicht gehörlosen Menschen im Publikum wurde die Geschichte aus der Sicht des Neffen von Schauspieler Markus Veith erzählt und zeitversetzt eingespielt.

Das Stück hatte einige komische Momente, besonders wenn zum Beispiel die nicht gehörlose Freundin des Neffen misstrauisch denkt, Mutter und Tochter würden über sie lästern.

Es war interessant aber ungewohnt, dass Erzählte auf der Bühne mit den starken Gesten und Gebärdensprache der engagierten SchauspielerInnen zu erleben. Es gibt noch viel zu tun, um das gegenseitige Verständnis von gehörlosen und nicht gehörlosen Personen zu verbessern.




Wenn Dreier Kopf steht

[fruitful_alert type=“alert-success“]Andreas Ksienzyk, Rainer Kleinespel und Bianka Lammert bringen die Geschichte auf die Bühne. (Foto: © Birgit Hupfeld)[/fruitful_alert]

Mit „Dreier steht Kopf“ (ab 4 Jahre) von Carsten Brandau hat am 05. Mai 2017 um 19:00 Uhr ein „Theaterstück für alle“ im Kinder- und Jugendtheater seine Premiere.

Die öfter für das KJT arbeitende Regisseurin Johanna Weißert erklärte beim Pressegespräch: „Das Stück ist ein einfach gehalten , hat aber auch einen komplexen Inhalt mit einem zutiefst menschlichem Thema. Es betrifft uns alle bis hoch in die Chefetage.“ Weißert liebt solche ambivalenten Geschichten.

Inhaltlich geht es in darum , dass Einer (Andreas Ksienzyk) bei allem ständig der Erste ist. Das war, ist und wird für ihn immer so sein. Schließlich weiß doch jedes Kind, was Zählen ist. Eins kommt vor zwei und so weiter. Aber was wäre, wenn das Ungeheuerliche passiert und diese Ordnung durcheinander gebracht wird? Das können doch eigentlich nur Vögel, die scheinbar wild durcheinander fliegen. Als Zweier (Bianka Lammert) aus Versehen einmal vor Einer ankommt und dann auch noch Dreier (Rainer Kleinespel) dazu stößt, wird die Ordnung auf den Kopf gestellt…

Für diese Geschichte hat der Autor Carsten Brandau extra eine Kunstsprache erfunden. Es ist eine Art Lückensprache, bei der zum Beispiel Verben weg gelassen werden. Das wirkt teilweise lustig und lässt dem Publikum Raum zum ausfüllen. Das Stück spielt mit den verschiedenen Sichtweisen der dargestellten Personen. Wer und was bin ich? Welches Rollenverständnis habe ich und welche Position nehme ich im gesellschaftlichen Gefüge ein? Ist das für immer festgelegt und unumstößlich? Viele Fragen werden hier aufgeworfen.

Da es im Stück Momente gibt, wo die Welt auf den Kopf gestellt wird, liegt der Regisseurin am Herzen, dies auch auf der Bühne sichtbar zu machen. „Das war kein leichte Unterfangen,“ verriet Weißert. Mehr wurde vorab nicht verraten.

Peter Kirschke ist verantwortlich für Musikeinspielungen und ein extra für diese Geschichte entwickeltes Video am Ende der Vorstellung.

Die Premiere am 05.05.2017 ist schon ausverkauft.

Informationen über weiter Vorstellungstermine erhalten Sie unter www.theaterdo.de