Der kleine Prinz als fantasievolles Theater mit Poesie

[fruitful_alert type=“alert-success“]Ein bunter und zauberhafter Abend mit dem kleinen Prinzen.[/fruitful_alert]

Im Dortmunder Theater im Depot hatte das junge Ensemble Bubamara der Kulturbrigaden am 16.09.2017 unter der Regie von Rada Radojcic Premiere mit ihrer neuen Inszenierung. Die märchenhafte Erzählung „Der kleine Prinz“ nach Antoine de Saint-Exupéry scheint wie geschaffen für die Kulturbrigaden. Ihre Aufführungen zeichnen sich ja durch eine optisch ansprechende, fantasievolle und sorgfältige Auswahl von bunten Kostümen, Accessoires und Schminke für die Akteure aus.

So hingen auf der Bühne beleuchtbare und unterschiedlich gestaltete Lampenschirme als Planeten von der Decke. Im Hintergrund dienten durchsichtige Vorhänge als geheimnisvoller Hintergrund und Eingang zu den neuen Planeten.

Eine Lernwandprojektion zeigt die Wüste, wo der Pilot (Mika Kuruc) abgestürzt ist und die Geschichte von dem kleinen Prinzen erzählt. Der erscheint ihm in der Wüste.

Der kleine Prinz, sensibel von der elfjährigen Freya Erdmann gespielt, erschien in dezenter Kleidung in Pastellfarben. Nach einem Streit mit seiner geliebten Rose mit dem wunderbaren französischem Akzent (Helen Gierhake) macht er sich auf den Weg zur Erde, um einen Freund zu finden. Auf seiner reise durch das Universum trifft er auf verschiedene skurrile Charaktere. Einem befehlssüchtigen König, den Eitlen Pop-Star, den Geschäftsmann, dem Säufer, den Geographen und einem weisen Fuchs.

Der kleine Prinz stellt mit kindlicher Offenheit unverblümt kritische Fragen, und am Ende lernt er: Man sieht nur mit dem Herzen gut….

Diese Parabel um Freundschaft, Vertrauen, und den wirklich wichtigen Dingen des Lebens, wurde von den jungen Akteuren nicht nur mit Leidenschaft, sondern auch mit Verständnis für die jeweiligen Charaktere dargestellt.

Choreographie (Hilfe: Monica Fotescu-Uta), Lichteinsatz sowie Musik (Dimitrije Radisavljevic) waren als unterstützende Verstärkung effektvoll eingesetzt.

Eine Inszenierung voll Poesie, bunt und zauberhaft.

Wer sich das Erlebnis nicht entgehen lassen will, hat noch Gelegenheit, die Vorstellung am 05.11.2017 um 16:00 zu besuchen.

Karten unter: 0231/ 982 120 oder Email: info@theaterimdepot.de .




Die Verwandlung im KJT

[fruitful_alert type=“alert-success“]Das Ensemble auf einem Bild: (v.l.n.r.) Chris Nonnast, Thorsten Schmidt, Andreas Ksienzyk, Ann-Kathrin Hinz, Rainer Kleinespel. (Foto: © Szekely)[/fruitful_alert]

Das Kinder-und Jugendtheater (KJT) in Dortmund zeigt am Freitag, den 22.09.2017 um 19:00 Uhr als Premiere Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ (ab 14 Jahren) einer neuen Stückfassung von Antje Siebers (Regie).

Diese dramatisierte Form der Geschichte um den Handlungsreisenden Gregor Samsa, der sich nach einer Nacht voll unruhiger Träume als ein „ungeheures Ungeziefer“ verwandelt erwacht, lag so noch nicht als Theaterfassung vor.

Ich habe nicht stark in den ursprünglichen Text eingegriffen“, erklärte Antje Siebers beim Pressegespräch. So erzählen die Personen, außer im direkten Dialog, in der dritten Person. Die Textvorlage wurde von der Regisseurin auf ein Drittel gekürzt und die Musik spielt bei der Inszenierung eine große Rolle. „Das passt“, so Siebers, „gut zur Vermittlung von Kafkas düsteren, der surrealen, dichten Atmosphäre und grotesken Erzählung.“ Diese ist voll Metaphern und starker Symbolkraft. Die Regisseurin verriet , dass Kafka selber nichts davon hielt, sich ein Bild von Gregor Samsa zum Beispiel als „Riesenkäfer“ zu machen.

Die soziale Ausgeschlossenheit Samsas und der Verweigerungshaltung seinem bisherigem Leben gegenüber spiegeln – symbolhaft dargestellt – sicherlich einen Aspekt in der Erzählung dar. Die Verwandlung betrifft aber alle, nicht nur Gregor Samsa, sondern seine ganze Familie. Die Schwester Grete, die ihn erst versorgt, emanzipiert sich genau so wie die Mutter und der Vater.

Das Dienstmädchen wird im Stück eine größere Präsenz bekommen. „Das ermöglicht eine besondere Draufschau auf die Dinge von außen“, so die Regisseurin.

Der Bühnenraum wird eher als abstrakter, und nicht als realistischer ausgerichteter Raum dargestellt. Mehr soll nicht verraten werden.

Für das theaterpädagogische Begleitprogramm am 20.09.2017 um 17:30 Uhr im KJT können sich Lehrer jetzt noch unter eschmidt@theaterdo.de anmelden.

Weitere Informationen wie immer unter www.theaterdo.de .




Kulturbrigaden verzaubern mit zwei Premieren

[fruitful_alert type=“alert-success“]Motive der „Westside Story“ wurden von den Kulturbrigaden für Jugendliche umgesetzt. (Foto: © Rada Radojcic)[/fruitful_alert]

Das Dortmunder Theater im Depot bietet dem Publikum in den nächsten beiden Wochenenden gleich zwei Premieren an.

Das junge Ensemble Bubamara der Kulturbrigaden unter der Regie von Rada Radojcic präsentiert am Samstag, den 16.09.2017 um 20:00 Uhr, „Der kleine Prinz“. Ein Märchen für große & kleine Leute nach Antoine de Saint-Exupéry in der Bühnenfassung von Stefan Schroeder.

Die jüngsten Kulturbrigaden im Alter von 10 bis 12 Jahren setzten sich in den vergangenen Monaten fantasievoll mit der Geschichte und deren verschiedenen Charakteren auseinander.

Der auf einem winzigen Planeten lebende kleine Prinz hat Streit mit seiner geliebten Rose und macht sich auf den Weg zur Erde, um einen Freund zu finden. Auf seiner Reise trifft er auf viele skurrile Charaktere wie den befehlssüchtigen König, den Eitlen, den Geschäftsmann, den Säufer, den Geographen und den weisen Fuchs. Der lehrt ihn: Man sieht nur mit dem Herzen gut…

Die Geschichte um Freundschaft und Liebe und den Werten im Leben wird, wie die Regisseurin erklärte, wieder mit sehr fantasievollen Kostümen und Accessoires, sensiblen musikalischem Hintergrund und Choreografien umgesetzt.

Jeder Charakter wird mit einem eigenen musikalischem Hintergrund unterlegt“, so Radojcic. Das Stück wurde mit dem gesamten Ensemble zusammen erarbeitet.

Weitere Vorstellungen: Sonntag, 17.09.2017 um 16:00 Uhr und am Sonntag, 05.11.2017 ebenfalls um 16:00 Uhr.

Bunt und zauberhaft wird "Der kleine Prinz" auf die Bühne des Theaters im Depot kommen. (Foto: Rada Radojcic)
Bunt und zauberhaft wird „Der kleine Prinz“ auf die Bühne des Theaters im Depot kommen. (Foto: Rada Radojcic)

Die zweite Premiere am Samstag, den 23.09.2017 um 20:00 präsentiert das „Junge Ensemble Kulturbrigaden“ im Alter von 12 bis 23 Jahren ebenfalls unter der Regie von Rada Radojcic. Das Tanztheater mit dem Titel „Königskinder“ (nach der bekannten Ballade) ist eine moderne Fassung nach Motiven der „Westside-Story“, Romeo und Julia oder „Grease“. Es geht natürlich um eine „unmögliche Liebe“. Moderiert wird die Geschichte zwischendurch von Helen Gierhake.

Ort der Handlung ist „Jo‘s Diner“, ein angesagter Treffpunkt in der Stadt. Rock ‘n‘ Roll, Pomade im Haar, Mambo und viel 40-50iger Jahre Flair wird auf die Bühne gezaubert. Die rivalisierenden Gangs sind die „Pink Lady“ und die „Snakes“ mit ihren Anführern Danny und Johnny. Der Konflikt bricht auf , als Danny sich in die jüngere Schwester verliebt. Diese hat einen jüdischen Hintergrund und soll sich nach dem Willen ihres Bruders lieber einen jüdischen Freund suchen…

Mit professionelle Mitwirkung durch die als Primaballerina in Dortmund bestens bekannte Monica Fotescu-Uta wurde eine besondere Choreografie und lebendige Körpersprache für das Stück entwickelt. Beim Stück „Der kleine Prinz“ hat sie auch unterstützend mitgewirkt.

Eine Geschichte um Sehnsüchte, Ängste und jugendlichem Ungestüm.

Weitere Vorstellung: Sonntag, 24.09.2017 um 18:00 Uhr.

Karten unter: 0213/982 120 oder E-mail: info@theaterimdepot.de




Eine wichtige Bildungs-Partnerschaft

[fruitful_alert type=“alert-success“]Oberbürgermeister Ullrich Sierau bei der Übergabe der Patenschaft-Bücher.[/fruitful_alert]

Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 von dreizehn Dortmunder Realschulen nehmen nun schon im siebten Jahr an einem besonderen Bildungsprojekt teil. „TheaterReal“ ist ein gemeinsame Kooperationsprojekt zwischen dem Theater Dortmund und den Realschulen unserer Stadt. Es wurde 2011 auf Initiative des Schauspiel Dortmund gegründet. Schirmherr ist der der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

Ziel der Initiative ist, das im Rahmen der Kooperation alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 Vorstellungen der verschiedenen Sparten des Dortmunder Theaters besuchen und so Gelegenheit haben, auch hinter die Kulissen zu blicken und das Interesse der Kinder an Kultur und Freude am Theater zu entwickeln. Dabei gibt es auch die Möglichkeit, die Schauspieler , Tänzer oder Musiker in die Schulen einzuladen. Beteiligt und hilfreich bei der Umsetzung des Projekts sind neben den Künstlern auch Dramaturgen und Theaterpädagoginnen.

Für die Jahrgangsstufen 7 und 8 wird die „Theaterralley“ angeboten. Hier können sie sich über Ausbildungsberufe am Theater informieren. Die Jahrgangsstufen 9 und 10 können alle theaterpädagogischen Angebote nutzen. Damit alle Kinder das Angebot auch nutzen können, wird das Projekt durch eine „Klassenkasse“ finanziert, gesponsert von den „Dortmunder für ihr Schauspiel e. V.“ und Dr. Schlensker & Team GmbH.

Am 04.09.2017 war wieder so weit. Die Eröffnungsveranstaltung von „TheaterReal“ 2017/18 fand in Anwesenheit des Schirmherren Ullrich Sierau, Leiter oder Dramaturgen der verschiedenen Sparten des Theaters und Theaterpädgoginnen sowie Lehrern und SchuldirektorInnen statt.

Das künstlerische Rahmenprogramm gestalteten der Schulchor der Wilhelm-Busch-Realschule mit „Wincent Weiss „Musik sein“., die Theater AG der Droste-Hülshoff-Realschule sowie das Kinder- und Jugendtheater des Theater Dortmund.

Besonders eine Schülerin mit einer starken Stimme machte bei ihrem Solo-Auftritt mit Klavierbegleitung schon mit sehr viel Talent auf sich aufmerksam.

Bianka Lammert, Schauspielerin vom Kinder- und Jugendtheater Dortmund gab eine Kostprobe aus dem Schulstück „Zuckeralarm“. Das Stück kann von den Schulen gebucht werden.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Übergabe der Patenschaft-Bücher an jeweils eine Schülerin oder Schüler der beteiligten Realschulen und ihre Direktoren.

OB Sierau betonte die Bedeutung von kultureller Bildung in den Schulen für die Gesellschaft. Die Leiter oder Dramaturgen erzählten von den aktuellen Programmen ihrer jeweiligen Sparte, um bei den Kindern Neugierde zu wecken.

Wie sagte es der Ballett-Manager Tobias Ehinger so treffend: „Ihr seid unser Download“. Hier werden die Weichen für eine innovative kulturelle Entwicklung gelegt.




Assoziative Theater-Performance zur „dunklen Seite“

[fruitful_alert type=“alert-success“]Um die dunklen Seite des Menschen dreht sich das Stück „Böse“. (Foto: © Guntram Walter)[/fruitful_alert]

Rolf Dennemanns „artsenico“ konfrontiert uns mit seiner neuesten Kreation „Böse – Dark Side“ humorvoll-ironisch, aber gleichzeitig sensibel assoziativ mit der „dunklen Seite“ in uns. „Böse“ ist nach „Missing Links“ und „Die Messe“ Teil III einer Trilogie um Seelentiefe. Am 02. September 2017 hatte diese besondere Tanz-Theater-Performance Premiere im Theater im Depot. Ars tremonia war bei der zweiten Vorstellung am 03.09.2017 anwesend.

Seine Wirkung entfaltet dieses „Physical Theatre“ durch das wunderbare miteinander und zusammenwirken von Tanz (Paul Hess) , Performance (Elisabeth Pleß, Linus Ebner), den Einsatz von eindrucksvollen Gesichtsmasken und Puppen sowie effektvollem Licht und Geräuscheinsatz mit passendem Musik-Hintergrund. So werden atmosphärisch in die Tiefe gehende Stimmungen erzeugt

Zu Beginn wird das Publikum von einem schwungvoll-optimistischen tanzenden in weiß gekleideten Paul Hess empfangen. Die ebenfalls in weiß gekleideten Elisabeth Pleß und Linus Ebner verbreiten strahlend gut Stimmung. Sie vermitteln all die vielen Dinge, die im Leben „schön sind“. Dabei beziehen sie das Publikum offensiv mit ein. So wird zum Beispiel die Blume auf der Jacke einer Zuschauerin als schön erkannt.

Dann geht auf die zum Leben gehörende „dunkle Seite“ in uns, die genauso dazu gehört.

Böse Gedanken“, Wünsche, oft religiös verstärkte Schuldgefühle werden assoziativ und verfremdet und mit Hilfe von Masken oder Puppen und mit einem „Augenzwinkern“ vermittelt. So spielt Elisabeth Pleß in roten Pumps und die „dominante Frau“, die den „unterwürfigen“ Linus Ebner Befehle erteilt. Bewusst benutzen sie dabei eine Art Kunstsprache, bei der das Publikum nur einzelne (wichtige) Worte versteht. Das „Böse“ wird in einer verfremdeten, teils grotesk-komisch auf die Bühne gebracht.

Dabei wird politische Korrektheit und Humorlosigkeit genauso eine Todsünde wie etwa die aus der Bibel bekannten wie Völlerei oder Habgier gesehen.

Ein gleichsam unterhaltender wie nachwirkender Theaterabend mit wunderbaren Künstlern.

Gelegenheit, sich „Böse“ anzusehen besteht noch am Freitag, den 08. und Samstag, den 09. September 2017 um 20:00 – RÜ Bühne Essen und am Freitag, den 15. Und Samstag den 16. September – Rottstrasse 5 Theater! Bochum.




Die dunkle Seite des Menschen

[fruitful_alert type=“alert-success“]Um die dunklen Seite des Menschen dreht sich das Stück „Böse“. (Foto: © Guntram Walter)[/fruitful_alert]

Nach „Missing Links“ und „Die Messe“ beschäftigt sich Teil III der Trilogie um Seelentiefe „Böse“ (Dark Side) von Regisseur, Schauspieler und Autor Rolf Dennemann mit der oft verborgenen dunklen Seite des Menschen. Am Samstag, den 02.09.2017 hat diese neue Kreation um 20:00 Uhr Premiere im Theater im Depot.

Sie ist wieder skurril, überraschend aber auch durchaus humorvoll komisch konzipiert worden.

Es gibt kein Leben ohne das ‚Böse‘“, so Dennemann.

Die Prämisse „das Leben ist schön“ steht am Anfang des Abends. Von dieser aus wird von den drei Darstellern mit mit einem „Augenzwinkern“ auf das „Böse“, Schuldgefühle und die dunkle Seite in uns sowie der Gesellschaft gesehen.

Elisabeth Pleß (Performance), Paul Hess (Tanz) sind den Besuchern der ersten beiden Teile ja schon in guter Erinnerung . Dieses Mal ist der Schauspieler Linus Ebner (Performance ) als Dritter mit von der Partie.

Um die persönliche Distanz wahren zu können, werden bei der 75-minütigen Performance von den Beteiligten verschiedenen Masken benutzt. Licht, Performance, Tanz und die Musik spielen eine gleichberechtigte Rolle, erklärte Dennemann. Das Wichtige ist dabei das wechselseitige Zusammenwirken aller Elemente. Es werden Bilder geschaffen. Diese sind ebenso deutlich wie subtil assoziativ angelegt. Es geht darum, was hinter dem Offensichtlichen verborgen ist.

Die musikalische Begleitung reicht von klassischer Musik bis hin zu elektronischer Hintergrundmusik.

Wie schon bei den beiden ersten Teilen der Trilogie werden auch bei „Böse“ wieder bewusst Grenzen ausgelotet. Mit einer langen Wortreihen-Kastagnette soll das Konzentrationsvermögen der Zuhörer auf die Probe gestellt werden.

Die Premiere im Depot ist am 02.09.2017 um 20:00 Uhr. Die zweite Vorstellung folgt am Sonntag, den 03.09.2017 um 18:00 Uhr.




Nordstadt-Geschichten

Was ist die Nordstadt? Für die einen eine Art Favela, in die man sich nicht hinein traut, schon gar nicht bei Dunkelheit, für die anderen ist es hippe Mischung zwischen Künstlerbohème und Multikulti. Das Theater im Depot präsentierte das Programm „Sprich mit mir“ als Nachfolgeprojekt von „Schau mich an“. Hier erzählen die Bewohner unter der Regie von André Wülfing des Stadtviertels Geschichten – traurige, lustige und nachdenkliche.

Der Beginn des Stückes erinnerte noch kurz an das Pilotprojekt „Schau mich an“: zwei Menschen sitzen sich gegenüber, schauen sich an, aber sprechen nicht. Aus dieser Wahrnehmung des Anderen ergibt sich der nächste Schritt. Nachdem man sein Gegenüber wahrgenommen hat, möchte man in Kontakt mit ihn oder ihr treten. Die erfolgreichen und erfolglosen Versuche werden in kaleidoskopartigen Szenen aufgeführt.

Untermalt von Geräuschen vom Nordmarkt kommen skurrile oder traurige Geschichten zum Vorschein. Der weibliche Anmachversuch in der Straßenbahn wird vom männlichen Gegenüber irritiert zur Kenntnis genommen, in einer späteren Szene dreht sich das Spiel. Nun ist es der Mann, der die Frau versucht zu überreden, zu ihm zu kommen. Aber ohne Erfolg.

Neben den Geschichten um die multikulturelle Entwicklung der Nordstadt geht es auch um berührende Ereignisse, die im Kopf des Zuschauers haften bleiben. Dazu gehört die Geschichte einer alten Frau, die dem Altersheim entflieht, nur um wieder in ihrer Wohnung in der Nordstadt zu leben und die Erzählung eines Mannes, der bei einem Autounfall seinen Sohn verloren hat.

Versteht man die Nordstadt und ihre Bewohner nach dem Stück jetzt besser? Nein, das nicht. Aber man kommt ihnen ein Stück näher. Zwischen Romantik und Verdammnis blüht etwas im Verborgenen: die Menschlichkeit.




Tanzprojekt-Präsentation auf großer Opernbühne

Das Dortmunder Opernhaus wurde am 09.07.2017 Präsentationsort für ein besonderen Tanzprojekts. Über ein Jahr lang haben sich an die siebzig Jugendliche aus den insgesamt acht beteiligten Tanzgruppen mit Co-TrainerInnen mit dem Stoff und der Choreografie „Faust I-Gewissen“ von Xin Peng Wang auseinander gesetzt.
Beteiligt waren an die siebzig Jugendliche aus insgesamt acht verschiedenen Tanzgruppen & Co-TrainerInnen. Darunter waren unter anderem Schulen wie das Bert Brecht Gymnasium und die Hauptschule am Externberg, oder die „Make Me Move Dance Academy“ und das VMDO- Haus der Vielfalt.
Die künstlerische Gesamtleitung für das Tanzprojekt des Ballett Dortmund in der Spielzeit 2016/2017 übernahm Justo Moret.
Das Ergebnis von „Mit Faust“ konnte sich nicht nur von der Tanz- und Ausdruckskraft der jungen Akteure sehen lassen, sondern war auch atmosphärisch wunderbar ausgearbeitet. Der bekannte Stoff mit Faust-Mephisto-Pakt, dem Wunsch nach ewiger Jugend und Liebe, umfassender Erkenntnis, sowie dem tragischen Ende des junge Gretchens wurde modern und optisch mit klarer Formensprache tänzerisch und gestisch auf die Bühne gebracht.
Die Kleidung für das „Dunkle“ des Mephisto wurde mit der schwarzen Kleidung und einem in der Jacke steckendem roten Tuch der Verführung dargestellt. Die Farbe weiß bei Kleidern und Blusen stand als Symbol für „Unschuld und Reinheit“. Die Verführung durch durch die Leidenschaft und Liebe wurde mit einem geschickt in die Aktionen eingesetzten größeren roten Tuch sichtbar.
Das Ensemble arbeitet mit modernen Mittel des Ausdruckstanzes und baute auch jugendlichen „Breakdance“ ein. Als eine besondere Idee der Produktion zeigte sich, dass Faust, Mephisto oder Gretchen nicht nur einfach als eine Person auftraten, Die anderen TänzerInnen auf der Bühne direkt dahinter dienten als Unterstützung und Potenzierung für die verschiedensten Emotionen . Das verlangte von den Akteuren öfter ein hohes Maß an synchronen Bewegungen. Die dunkle Seite als „Mephisto“ konnte zum Beispiel in Form von zwei männlichen Darstellern und einer weibliche Tänzerin auftreten. Die Versuchung trat in jeweils unterschiedlicher Gestalt auf. Zusammen mit der atmosphärisch einfühlsame minimalistischen Musikauswahl im Hintergrund war diese Aufführung eine gelungene und jugendlich frische Auseinandersetzung „Mit Faust“.




Dennemanns Mixtape

Diejenigen, die die Programme von Rolf Dennemann, dem Kopf von artscenico, bereits länger verfolgen, werden bei seinem neuen Programm „Rosinenblues II“ einige bekannte Geschichten wiederentdecken. Doch Dennemann schafft es, die Texte so vorzutragen, dass sie auch beim zweiten Mal noch spannend und interessant klingen. Dabei halfen ihm die Musiker Thomas Erkelenz und Gregor Hengesbach. Ein Bericht vom 08.07.2017 aus dem Theater im Depot.

Dennmann mixt beim „Rosinenblues II“ Texte aus seinem ersten Rosinenblues-Programm aus dem Jahre 2014 mit seinen Krankenhaus-Geschichten „Unterwegs mit seinem Körper“ von 2015. Auch das Setting ist wie beim ersten „Rosinenblues“: Dennemann erzählt, Erkelenz und Hengesbach spielen dazu, machen Geräusche, die nach Weltmusik oder „Ethno“ klingen und gut zu den ab und an ins surreale abdriftenden Geschichten passen.

Gut ist Dennemann immer, wenn er als akribischer Beobachter die Realität beschreibt und die ist manchmal skurriler als mancher Traum. Denn er bekommt nach eigener Aussage Albträume,wenn er Rosinenbrot mit Käse isst. Daher der Titel.

Mit der lakonischen Gelassenheit eines Ruhrgebietlers beschreibt er die Erlebnisse als Alleinreisender im Restaurant oder den Tag in einem Krankenhaus. Seine gesprochene und gesungene Hommage an seine Geburtsstadt Gelsenkirchen darf natürlich nicht fehlen. Bei Dennemann wird Gelsenkirchen zu „Gelsenkirky“.

Was bleibt vom „Rosinenblues II“? Die, die Dennemann schon länger kennen, würden sich sicher über mehr neue Geschichten freuen, für alle die es noch nicht kennen: Es lohnt sich.




Begegnungskunst im Depot

Als neue Theaterproduktion des Theater im Depot Dortmund im Rahmen der KUNST DER BEGEGNUNG nach „Schau mich an“ (2016) geht die Folgeproduktion „Sprich mit mir – Eine Recherche nach Geschichten aus der Nordstadt“ einen Schritt weiter. Stand im letzten Jahr der Erstkontakt und Beachtung der noch fremden Person im Mittelpunkt, geht es jetzt um die Kommunikation miteinander. Als wichtige Grundlage für ein gesellschaftliche soziales Zusammenleben ist Kommunikation und die Bereitschaft zur offenen Begegnung von existenzieller Bedeutung. Geschichten werden erzählt und es geht um das gegenseitige Zuhören. Das performative Bühnengeschehen steht auf drei Säulen. Der Dialog zwischen den Personen, die erlebten Geschichte von uns oder von anderen, sowie lebendige Bewegungsbilder.

Die Bühne wird zu einer Art Versammlungsstätte, einem öffentlich erlebbaren Live-Ort, der unterschiedlichsten Menschen mit ihrem großen Spektrum an erzählten Geschichten wie in einem Mikrokosmos zusammenführt.

Mit dabei sind einerseits das Ensemble aus Menschen in der Nordstadt, die schon bei der ersten Phase bei der Begegnungskunst teilgenommen haben, sowie neu Hinzugekommende (und noch Hinzukommenden). Es sind Geschichte aus der urbanen Lebensrealität mit ganz persönlichen Erzählungen aus der Vergangenheit, die ihre dunklen Schatten bis in die Gegenwart werfen. Ein kleines direkt erfahrbares Abbild „Wir: Du und Ich, Hier und Jetzt“ des großen Kontextes „Wir: Gesellschaft, Menschheit“-Geschehen. So sollen die Szenen zum Kaleidoskop der Wirklichkeit werden.

Die Premiere der Theaterproduktion „Sprich mit mir – Eine Recherche nach Geschichten der Nordstadt“ unter der Regie von André Wülfing ist am Donnerstag, den 13. Juli 2017 um 20:00 Uhr im Theater im Depot.

Am Freitag, den 14. Juli 2017 um 20:00 Uhr ist ein weiterer Aufführungstermin.

Kartenreservierungen (AK9: Theater im Depot: 0231/ 98 22 336 (AB) oder ticket@theaterimdepot.de .