Die Schneekönigin – Junge Oper um die Kraft der Freundschaft

Als eine Produktion im Rahmen der Kooperation Junge Opern Rhein/Ruhr mit der deutschen Oper am Rhein und dem Theater Bonn hatte die Familienoper „Die Schneekönigin“ von Marius Felix Lange (Libretto vom Komponisten nach dem Märchen von Hans Christian Andersen) in Dortmund am 08.04.2018 seine Premiere.

Die Regie hatte Johannes Schmid und musikalisch begleitet wurde die Oper engagiert von der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Ingo Martin Stadtmüller. Eine gar nicht so einfache Aufgabe, bei der Mischung aus Sprechgesang und schönen Arien. Tatkräftige Unterstützung auf der Bühne gab es durch den Opernchor des Theaters Dortmund unter der Leitung von Manuel Pujol und der Statisterie.

Was dem Publikum ob jung oder alt geboten wurde, war eine opulent schillernde Inszenierung mit wunderschönen Kostümen und einer liebevoll ausgestatteten Bühne durch Tatjana Ivaschina.

Besonders beeindruckend war die Schneekönigin (Marie-Pierre Roy), sowohl als reale Persönlichkeit wie auch als vergrößerte Projektion auf der Leinwand. Viele bekannte KünstlerInnen des aktuellen Dortmunder Oper-Ensembles waren mit von der Partie.

Die Schneekönigin (Marie-Pierre Roy) umgarnt Kay (Marvin Zobel). (Foto:© Junge Oper Dortmund)
Die Schneekönigin (Marie-Pierre Roy) umgarnt Kay (Marvin Zobel). (Foto:© Junge Oper Dortmund)

Kurz zur Geschichte: Gerda (Marie Smolka), die bei ihrer Großmutter lebt, hat einen besten Freund Kay (Marvin Zobel). Sie sind unzertrennlich. Nachdem diesen Splitter eines gewaltigen geheimnisvollen Spiegels ins Auge und Herz gelangt waren, wendet er sich von einem zum anderen Tag von seiner Freundin ab und verschwindet spurlos. Er folgte der Schneekönigin in ihr kaltes Eisreich. Bei ihrer verzweifelten suche nach Kay trifft Gerda auf die Blumenfrau, die Krähe, den Prinzen und die Prinzessin, sie wird vom Räubermädchen eingesperrt und vom Rentier begleitet…

Das Märchen um die Kraft der Freundschaft und Liebe wurde mit viel Humor und sensibel umgesetzt. Besonders Figuren wie die lustig-frechen Tölpeltroll (Julia Amos) und Trotteltroll (Blazej Grek) erdeten die Familienoper, wenn die Gefahr bestand, dass es zu kitschig werden könnte.

In den Rollen der Großmutter/Finnin konnte sich Ileana Mateescu, als Deubeltroll Dong-Won Seo, als Blumenfrau/Räubermädchen die temperamentvolle Almerija Delic, als Krähe Fritz Steinbacher, und als Prinzessin und Prinz Emily Newton und Thomas Paul ihre guten Stimmen sowie ihr komisches Talent zeigen.

Eine gelungene Vorstellung nicht nur für kleine „Märchenfans“.

Weiter Termine und Informationen finden sie unter www.theaterdo.de




Die Schöpfung – eine Inszenierung „Next Generation“

Im Schauspiel Dortmund hatte am Samstag, den 07.04.2018 die „Schöpfung“ nach Joseph Haydn (Text Gottfried van Swieten) unter Verwendung von Szenen aus „Die Ermüdeten“ von Bernhard Studlar, Stanislaw Lem, Goethes Faust, Richard Dawkins, der Bibel u.a. seine Premiere.

Die Regisseurin Claudia Bauer stellte in dieser spannenden Kooperations-Projekt zwischen Oper und Schauspiel dem bekannte Oratorium (Uraufführung 1798 Wien) von Joseph Haydn sozusagen ein existentialistische moderne „Next Generation“-Fassung der Schöpfung gegenüber. Das Oratorium dient als Folie für Gegenwart und Zukunft mit Blick auf die Potentiale und Gefahren einer einer digitalen Schöpfung.

Beteiligt an diesem Projekt waren als Opernsänger Maria Helgath (Sopran) als Engel Gabriel, Ulrich Cordes (Tenor) als Engel Uriel und Robin Grunwald (Bass) als Engel Raphael mit ihren starken Stimmen. Begleitet wurden sie am elektronischen Piano und Cembalo von Petra Riesenweber und mit Live-Musik gestaltet von Tommy Finke (T. D. Finck).

Die sechs Schauspieler des Dortmunder Ensembles (Ekkehard Freye, Björn Gabriel, Frank Genser, Marlena Keil, Bettina Lieder und Uwe Rohbeck) agierten sowohl in den Räumen einer fantastischen Drehbühne, wie auch über eine Bildschirm übertragen und auf der Bühne.

Im Prolog stellten sie sich als Maschine die „Vernunft“, aber keine vernünftige Person ist.

Der gesungenen Schöpfungsgeschichte stellen sie die digitale Schöpfung mit gewaltigen Bildern der sozio-kulturellen Entwicklungsgeschichte gegenüber.

Als Person (Schauspieler) wurden sie durch verschiedene Masken und Kostümierungen verfremdet. Dabei blieben sie eindrucksvoll in ihren maschinelle Bewegungen und ausdrucksstarken Darbieten der Zitate. Dabei wurden auch aktuell diskutierte politische Fragen wie etwa um das bedingungslose Grundeinkommen eingebaut. Der Mensch als defektes Wesen dargestellt, das durch seine individuellen Persönlichkeiten zur Zerstörung und dem Untergang geweiht ist. Die Freiheit ist größer als die Vernunft, mit der die Menschen nicht umgehen können.

Parallel zu Haydns Schöpfung geht es bei der von der Maschine erzählten Geschichte mit dem Chaos am Anfang los, mit der Entstehung des Wetter, dem Phänomen Zivilisation, Entstehung der Arten, Kulturentwicklung, Ideologien und Religion. Der Mensch hat sich schließlich selbst zum „Gott“ gemacht und seine Welt der Zerstörung preis gegeben. Am Ende steht die Entwicklung vernünftiger und unpersönlicher Intelligenz.

Sänger und Schauspieler beim Prolog des Stückes. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Sänger und Schauspieler beim Prolog des Stückes. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Bauer arbeitet nicht nur mit eindringlichen visuellen Bildern, sondern verstärkt ihre Wirkung noch durch Wiederholungen (Loops) und Sprachverzerrung, ähnlich wie zum Beispiel Kay Voges bei seinem „Goldenen Zeitalter“. Dabei geht sie bis zur Schmerzgrenze. Schrill wird da schon mal unverständlich aneinander vorbei geredet, um zu verdeutlichen, dass nur die eigene Persönlichkeit mit ihrer Befindlichkeit im Mittelpunkt steht.

Eindrucksvoll der Dialog gegen Ende von Eva (Bettina Lieder) und Adam (Frank Genser). Eva, eine nach den Maßen von Adams Rippe als und unpersönliche vernünftige Maschine, und Adam geraten vor romantischem Hintergrund in einen Disput. Der entsetzte Adam will keine simulierte, sonder eine nicht planbare geheimnisvolle menschliche Liebe und das Recht aus seinen Kampf um Leben und Tod. Das wird aber laut Eva nicht möglich sein. Der Mensch zerstört seine Biosphäre und nur die Aufgabe der Persönlichkeit kann ihn retten.

Was bleibt dann aber von dem Individuum? Nur der Hunger und die Unersättlichkeit sind der einzige Berührungspunkt zwischen Mensch und „Maschine“.

Die Thematik des abends wurde schon von einigen Autoren und Philosophen behandelt. Zu 80% wurden Zitate aus Werken des polnischen Philosophen und Science-Fiction-Autors Stanislaw Lem (1921-2006). Bedeutend sind dabei vor allem die Zitate aus seinem Buch „Also sprach Golem“. Der Titel spielt auf das Werk „Also sprach Zarathustra“ von Nietzsche an. Der von Menschen gebaute Super-Computer „Golem XIV“ in der Geschichte hat die Intelligenzbarriere durchbrochen und verfügt über eine eigenständige Vernunft. Lem weist hier auf die geistige Beschränktheit des sich als „Krone der Schöpfung“ betrachtenden Menschen hin, die tieferen Gründe der Natur zu erkennen. Der genetische Code hat gegenüber den aus ihm entstandenen Organismen eine evolutionär vorrangige Stellung ein. So heißt es in einem Zitat: „ Der Sinn Boten ist die Botschaft.“ Die Idee des dominanten Gensnahm der britische Biologe und Autor Richard Dawkins (*1941) in seinem Buch „Das egoistische Gen“ (1976) auf und führt die gesamte Entwicklung des Lebens auf die Selektion von Genen zurück.

Die „Schöpfung“ ist kein Oratorium mit Schauspiel und Haydn-Fans werden vielleicht enttäuscht sein, doch den Zuschauer erwartet ein bildgewaltiges, musikalisches Spektakel mit wunderbaren Sängern und engagierten Schauspielern.




Memory Alpha – das fehlbare und manipulierbare Gehirn

Das Gehirn ist die komplexeste Struktur im bekannten Universum. 86 Milliarden Nervenzellen sorgen dafür, dass wir so leben können wie wir es tun, beispielsweise sorgen sie dafür, dass ich gerade diesen Text tippen kann. Für die Verbindung zwischen den Nervenzellen sind Synapsen zuständig. Die Synapsen wiederum sind verantwortlich für unser Gedächtnis. Und unser Gedächtnis ist es, was uns als Menschen ausmacht. Ein Premierenbericht vom 06. April 2018.

Was hat das jetzt alles mit Theater zu tun? Im Stück „Memory Alpha oder die Zeit der Augenzeugen“ dreht sich alles um das Thema Gedächtnis. Das Vergessen von Erinnerungen, das Behalten von Erinnerungen und vor allem das Verändern von Erinnerungen. Wenn das menschliche Gedächtnis fehlbar ist, was ist eigentlich mit dem elektronischen? Vergisst die Cloud? Können elektronische Gedächtnisse manipuliert werden? Die Frage werden sich Menschen in China stellen müssen, denn 2020 will die chinesische Regierung für jeden Chinesen eine Art Scoringsystem einführen. Gute Taten werden mit Pluspunkten belohnt, schlechte Taten zu Punktabzug. Jeder wird auch sehen können, wie viele Punkte sein Nachbar oder Arbeitskollege hat.

Kann man falsche Erinnerungen hervorrufen. Das ist das Thema bei "Memory Alpha". (v.l.n.r.) Friederike Tiefenbacher, Uwe Schmieder, Caroline Hanke und Christian Freund. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Kann man falsche Erinnerungen hervorrufen. Das ist das Thema bei „Memory Alpha“. (v.l.n.r.) Friederike Tiefenbacher, Uwe Schmieder, Caroline Hanke und Christian Freund. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Im Stück dreht sich alles um vier Personen: Dr. Gerd Stein (Uwe Schmieder), Leiter des „Instituts für Digitalität und Erinnerung“, wird in Brüssel von einem Auto zerquetscht, nachdem er vor dem chinesischen Scoringsystem gewarnt hat. Steins Schwester Charlotte (Caroline Hanke) ist eines von wenigen Menschen auf der Erde, die kaum vergessen können. Die Gedächtnisforscherin Prof. Johanna Kleinert (Friederike Tiefenbacher) versucht mit False Memory Experimenten das Gedächtnis ihres Probanden Sebastian Grünfeld (Christian Freund) zu hacken.

Stein lässt sein Gedächtnis die letzten Wochen Revue passieren, um herauszufinden, wer im Auto saß.

Das Stück von Anne-Kathrin Schulz ist kein „Wer-war der Mörder“-Stück, am Ende sind wir genauso ratlos wie Gerd Stein, der blumengeschmückt in das Nichts versinkt. Ed. Hauswirth macht aus dem Stück zwar keine wissenschaftliche Vorlesung, doch während der 90 Minuten lernen die Zuschauer einiges über das menschliche Gehirn. Wie kollektive Erinnerungen entstehen (jeder weiß sicher, wo er sich am 11.09.2001 befand), aber auch wie Erinnerungen durch Experimente gefälscht werden können. Die Bühne ist quasi mit Leinwänden überdacht auf denen Bilder projiziert werden, die vier Schauspielerinnen und Schauspieler tragen dezente Kleidung.

Was bringt die Zukunft? Werden uns gefakte Erinnerungen eingepflanzt wie im Film „Total Recall“ und wir erinnern uns an Dinge, die wir gar nicht getan haben? Werden wir von einem elektronischen Gedächtnis kontrolliert, das sich unsere guten und bösen Taten merkt?

„Memory Alpha“ ist ein gelungenes Stück im besten Sinne des Aufklärungstheaters.




Maxim – Suche nach Glück und Identität

Das Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) zeigt am Freitag, den 13.04.2018 in einer Uraufführung das Stück „Maxim“ von Anne Lepper unter der Regie von Andreas Gruhn (Leiter KJT).

Es ist das erste Kinderstück der 2017 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis geehrten Anne Lepper und wendet sich vor allem an die Altersgruppe zwischen 9 und 12 Jahren. Da beginnen die Kinder ihre Identität zu entwickeln und sich von den anderen abzugrenzen. Es ist auch oft eine Zeit, in der einzelne als „Außenseiter“ deklarierte Kinder in der Schule gemobbt werden. Da setzt die Geschichte an. Wie Andreas Gruhn erklärte, kann das Publikum die Figuren in dieser Inszenierung auf der Reise zwischen Kindheit und Jugend begleiten.

Bei Maxim geht es um folgendes: Max spielt gerne mit Puppen, Mary-Lou ist etwas zu dick. Das macht sie zu Außenseitern und von den Eltern fühlen sie sich wohl unverstanden. Zusammen mit Hund und Bär hauen sie von zu Hause ab und fliegen mit einem Ballon zum Mond. Sie sind von der Sehnsucht nach einem Land getrieben, wo sie einfach so sein können, wie sie sind. Auf dem Mond gibt es keine Regierung, keine Erwachsenen und und keine Gesetze. Alles scheint gut. Wäre da nicht die „Mondpolizei“, die eine Schreckensherrschaft ausübt. So geht die traumhaft und surreal wirkende Reise weiter…

Lepper ist bekannt für ihre vielschichtigen Stücke. Es gibt immer verschiedene Deutungsebenen.

Sie benutzt viele Zitate aus philosophischen und historischen Texten. Die Protagonisten begegnen einigen bekannten Figuren wie etwa „Frau Luna“ oder die Katzen Minz und Mauz aus dem Struwwelpeter (Heinrich Hoffmann).

Neben den Kostümen und Masken spielt auch Musik (teils live) und Tanz eine Rolle bei dieser „traumhaften“ Odyssee.

Das Ensemble des KJT hat viel Spaß bei Maxim: (v.l.n.r.) Philip Pelzer, Bianka Lammert, Bettina Zobel und Johanna Weißert. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble des KJT hat viel Spaß bei Maxim: (v.l.n.r.) Philip Pelzer, Bianka Lammert, Bettina Zobel und Johanna Weißert. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Das gesamte KJT-Ensemble mit sechs SchauspielerInnen ist bei dem Stück beteiligt und schlüpfen außen den Protagonisten Max (Philip Pelzer) und Mary-Lou (Ann-Kathrin Hinz) in verschiedene Rollen.

Es wird neben aufwühlenden auch manch poetische Moment geben, so Gruhn.

Ein Stück zu den wichtigen Themen Identität, Ausgrenzung, Anmaßung, Anpassung und die Suche nach dem Glück.

Für die Premiere am 13.04.2018 um 19:00 Uhr gibt es noch Restkarten.  Weitere Vorstellungstermine: Sonntag, den 15.04.2018 um 16:00 und dann am Mittwoch, den 02.05.2018 um 11:00 Uhr sowie am Sonntag, den 06.05.2018 um 16:30 Uhr.

Karten und Infos unter 0231/ 50 27 222 oder www.theaterdo.de




Die Schöpfung als Dialog mit der Gegenwart

In einem neuen Gewand präsentiert das Schauspiel Dortmund am Samstag, den 07.04.2018 um 19:30 Uhr das populäre konzertante Oratorium „Schöpfung“ (1798) von Joseph Haydn unter der Regie von Claudia Bauer. Inszeniert wird das ganze als ein Genre übergreifendes Projekt, ein spektakulärer Hybrid aus Musik- und Sprechtheater, gemeinsam mit drei Opernsolisten, Musikern und sechs Schauspielern.

Die Regisseurin verriet: „Das Skelett der Inszenierung bilden die sechs Tage der „Schöpfung“, die von den drei Solisten als Erzengel Gabriel (Sopran), Uriel (Tenor) und Raphael (Bass) erzählt werden.“ Die „Schöpfung“ Haydns endet mit Lobpreisungen.

Die sechs Schauspieler verwenden in ihrer Stückentwicklung Szenen aus „Die Ermüdeten“ von Bernhard Studlar und anderen Büchern, somit entsteht eine neue Sichtweise. Aus der Rippe Adams wird hier die künstliche Intelligenz Evas erschaffen.

Der rasante technologische Fortschritt lässt solche Denkspiele durchaus möglich erscheinen.

Die Schöpfung eines „neuen Menschen“ ist da nicht in so weiter Ferne. Neben der biologisch-evolutionären Entwicklung steht hier vor allem die soziokulturelle Entwicklung – beginnend mit der Entstehung des menschlichen Bewusstseins – im Mittelpunkt.

Die Schauspieler führen das Publikum durch verschiedene historische Epochen mit ihren Einflüssen von Religionen und Ideologien. Am Ende stehen nur die Individuen mit ihren persönlichen Bedürfnissen im Mittelpunkt und der Erde droht die Zerstörung. Die künstliche Intelligenz Eva als Repräsentantin der Vernunft outet sich als unpersönliches, nicht menschliches digitales Wesen. Sie sieht die „Persönlichkeit“ als eine Art Defekt, von der sich die Menschen lösen sollten.

Ist die Künstliche Intelligenz Nutzen oder Gefahr für die Menschheit? (Foto: © Edi Szekely)
Ist die Künstliche Intelligenz Nutzen oder Gefahr für die Menschheit? (Foto: © Edi Szekely)

Die Freiheit war immer größer als die Vernunft, so Bauer. Es geht darum, wie wir mit „vernünftigen Erkenntnissen“ umgehen.

Das musikalische Werk wird zur Folie für die Gegenwart und Zukunft, und die Inszenierung beleuchtet die Möglichkeiten und Gefahren einer digitalen Schöpfung.

Es geht um die wichtigen Fragen des Lebens. Wo komme ich her? Wo stehe ich? Wo will ich hin?

Die Bühne ist quasi eine asymmetrischen Fibonacci Spirale (Goldene Spirale). Musikalisch begleitet wird die Vorstellung am Piano (und Cembalo) durch Petra Riesenweber. Der musikalische Leiter des Dortmunder Schauspiels Tommy Finke gibt der klassischen Vorlage ein neues Gewand zwischen dem Original und elektronischer Bearbeitung.

Neben der Premiere am 07.04.2018 gibt es noch diverse weitere Vorstellungstermine.

Informationen und Karten unter : 0231/ 50 27 222 oder www.theaterdo.de




Memory Alpha – das trügerische menschliche Gedächtnis

Ein neues Studio-Stück im Dortmunder Schauspiel hat am Freitag, den 06.04.2018 um 20:00 Uhr seine Uraufführung. „Memory Alpha oder die Zeit der Augenzeugen“ von Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz ist in einer kollektiven Arbeit mit dem Regisseur Ed. Hauswirth und den beteiligten Schauspielern entstanden. Hauswirth ist Gründungsmitglied und künstlerischer Leiter des zeitgenössischen Volkstheaters im Bahnhof (Graz). Am Schauspiel Dortmund wurde er noch im Megastore 2016 mit der hoch gelobten Stückentwicklung „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ bekannt.

„Ich bevorzuge die kollektive Arbeitsweise und sehe die Schauspieler als Mitgestalter eines Projekts,“ so der Regisseur. Die aktuelle Aufführung befasst sich mit dem menschliche Gedächtnis und unseren Erinnerungen. Diese sind keine feste Größe, sondern verändern sich mit der Zeit und sind beeinflussbar. Was bedeutet die Fehleranfälligkeit der menschlichen Erinnerung für unser Gefühl von Identität. Was ist, wenn diese mit den ungeahnten Möglichkeiten von elektronischen Gedächtnissen aufeinander treffen?

Kein Scherz, bereit 2020 will die chinesische Regierung ein landesweites Scoring-System, eine Art Super-SCHUFA, in Betrieb nehmen, das das Verhalten jedes Bürgers in allen Bereichen elektronisch erfasst. Diese Daten sollen analysiert und bewertet werden.

Jede Person in China soll soll dann mit einem Punktestand durchs Leben gehen, der seiner momentanen Reputation entspricht. Der Mensch kann je nach Verhalten Punkte gewinnen oder verlieren. Seine Lebenschancen hängen davon ab.

Auf Grundlage des Buches „Das trügerische Gedächtnis“ der deutsch-kanadischen Rechtspsychologin Julia Shaw ist das Stück entwickelt worden. Sie befasste sich experimentell insbesondere mit Erinnerungen und deren Manipulationen.

Memory Alpha - Wenn das Gedächtnis manipuliert werden kann. (V.l.n.r.) Friederike Tiefenbacher, Uwe Schmieder, Caroline Hanke und Christian Freund. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Memory Alpha – Wenn das Gedächtnis manipuliert werden kann. (v.l.n.r.) Friederike Tiefenbacher,Uwe Schmieder, Caroline Hanke und Christian Freund. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Zum Stück: Der Leiter des „Instituts für Digitalität und Gedächtnis“ Dr. Gerd Stein (Uwe Schmieder), wird auf einer Brüsseler Straße von einem Auto zerquetscht. Kurz zuvor hatte er im Europaparlament öffentlich vor der chinesischen Super-SCHUFA gewarnt. Stein begibt sich auf Spurensuche rückwärts nach dem Täter. Knapp zwei Monate vorher experimentierte seine Frau, die Gedächtnisforscherin Johanna Kleinert (Friederike Tiefenbacher), mit der natürlichen Fehleranfälligkeit des menschlichen Gehirns. Im Rahmen einer Studie hackt Kleinert das Gedächtnis des Probanden Sebastian Grünfeld (Christian Freund). Dieser erinnerte sich danach an ein Erlebnis, was es nie gegeben hatte. Dann ist da noch Steins Schwester Charlotte ( Caroline Hanke). Sie ist eine von nur 57 weltweit bekannten Menschen, die schwer vergessen können…

Das Publikum wird, so Anne-Kathrin Schulz, in ein Gedanken und Gedächtniskosmos mitgenommen. Das Studio wir von allen Seiten und von der Decke mit wechselnden assoziativen Erinnerungs-Fotografien versehen. Sie umfassen sowohl das persönliche als „kollektive“ Gedächtnis. Lucas Pleß sorgt für das passende Engineering (Geräusch-Hintergrund).

Die Premiere am 06.04.2018 ist schon ausverkauft.

Für die nächste Vorstellung am 13.04.2018 um 20:00 Uhr gibt es noch Restkarten.

Weitere Informationen und Termine unter www.theaterdo.de




Die NSU-Monologe – der Kampf der Hinterbliebenen

Der Prozess um die NSU-Morde in München geht so langsam seinen unbefriedigenden Ende entgegen. Höchstwahrscheinlich ohne Antworten auf die dringenden Fragen der betroffenen Angehörigen und der Zivilgesellschaft. Ohne wirkliche Aufklärung.

Am Dienstag, den 10.04.2018 um 19:30 Uhr gastiert das dokumentarische Theater der „Bühne für Menschenrechte“ mit „Die NSU-Monologe – Der Kampf der Hinterbliebenen um die Wahrheit“ im Schauspiel Dortmund. (Buch und Regie: Michael Ruf). Die Texte werden auf deutsch gesprochen und zusätzlich einen türkischen Übertitel haben. Die Monologe erzählen vom jahrelangen Kampf dreier Familien der Opfer des NSU – von Elif Kubaşik. Adile Şimşek und Ismail Yozgat. Sie zeugen von ihrem enormen Mut und Willensstärke.

Bekannt dürfte Elisabeth Pleß einigen im Publikum von ihren eindrucksvollen Performance-Aufführungen im Theater im Depot sein. Neben ihr sind Günfer Cölgecen, Aydin Isik, Doga Güra und Burcin Keskin dabei. Musikalisch begleitet wird die Vorstellung von Michael Edwards und Daniel Brandl.

Diese intimen Einblicke in den verzweifelten Kampf der Angehörigen sind in Zeiten des Erstarkens von Rechtsextremismus von einer besonderen Aktualität.

Die Morde wurden im Zeitraum von 2000 bis 2006 vor allem an Kleinunternehmern mit Migrationshintergrund begangen. Der Dortmunder Kiosk-Besitzer Mehmet Kubaşik wurde am 04.04.2006 getötet.

Gerade die jüngere Generation hat die traurigen Ereignisse von damals, so der Chefdramaturg des Dortmunder Schauspiels Michael Eickhoff, „nicht auf dem (politischen) Schirm“.

Deshalb wird es neben der Schauspiel-Vorstellung am 10.04.2018 am gleichen Tag eine geschlossene Vorstellung um 11:00 Uhr im Immanuel-Kant-Gymnasium und am 11.04.2018 um 11:00 Uhr) in der DASA geben.

Wie Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak erklärte, werden dann auch Schüler anderer Schulen, die interessiert oder schon beteiligt am Netzwerk „Schule gegen Rassismus“ sind, mit dabei sein.

Der EINTRITT für die Vorstellung im Schauspielhaus ist FREI!

Unterstützer und Kooperationspartner:

Neben dem Dortmunder Schauspiel sind viele Kooperationspartner mit von der Partie.

Die Aufführenden der NSU-Monologe. (Foto: © Uli Malende)
Die Aufführenden der NSU-Monologe. (Foto: © Uli Malende)

Gefördert wird unterstützt werden die „NSU-Monologe“ vom Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ – Schule mit Courage“, dem Kulturbüro Dortmund, der Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, dem Multikulturellem Forum e.V. Dortmund, Dortmunder für ihr Schauspiel e.V., VMDO e.V. (Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine Do e.V.), der Alevitischen Gemeinde Dortmund e.V., dem Dietrich-Keuning-Haus, dem Planerladen, der Föderation Demokratischer Arbeitervereine -DIDF und der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Ekincan Genc (DIDF) erklärte, dass der DIDF auch nach dem Prozess-Ende „wieder dem Vergessen“ weiter an der Aufklärung der NSU-Morde und der Problematik des Rechtsextremismus dran bleiben werde. Es gehe darum, wie unsere Zivilgesellschaft mit den Morden, zunehmenden Antisemitismus und Extremismus umgeht.

Die Vorstellung wir etwa um die eine Stunde und 20 Minuten dauern. Danach ist eine Podiumsdiskussion, gefördert im Programm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, realisiert durch den VMDO e.V. vorgesehen.

An der Diskussion werden die Berliner Anwältin Antonia von der Behrens, die die Dortmunder Familie Kubaşik in der Nebenklage im Münchner NSU-Prozess vertritt, teilnehmen.

Weitere Informationen zu weiteren fragen oder Anmeldungen erhalten Sie unter junges-theater@theaterdo.de




Das Tierreich – eine jugendlich frische Inszenierung

Der Jugendclub Theaterpartisanen 16+ (Schauspiel Dortmund) hatte in ihrer zweiten Kooperation mit der Jungen Theaterwerkstatt Vier.D am 17.03.2018 im Studio des hiesigen Schauspielhauses Premiere mit ihrer neuen Produktion „Das Tierreich“ ( Nolte Decar).

Unter der Leitung von Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak und der Choreografin Birgit Götz haben die 16 Jugendlichen und jungen Erwachsenen (15–21 Jahre) das Stück bearbeitet und kurzerhand nach Dortmund-Hörde (Phönix-See und dem ehemaligen Industriegebiet Phönix-West) verlegt.

Die sechs Damen von der Jungen Theaterwerkstatt hatten neben den Tanzchoreografien eine besondere Funktion in der Inszenierung. Sie spielten die Zwillinge Elisabeth und Franziska Fürle, die die verschiedenen Charaktere der Schüler vorstellten und von außen ironisch verfremdend kommentierten. Dabei spielten jeweils drei von ihnen einen der Zwillinge. Zu unterscheiden waren sie nur durch die unterschiedliche Farbe ihrer Perücken und ihrer Shorts mit Blümchenmuster.

Die Kommentierung konnten sie erhöht auf an der Wand stehenden umgedrehten Bierkästen vornehmen. Der Bühnenboden wurde zu einer traumhaft himmelblauen mit Blumen bemalten Ferienkulisse.

Zur Situation: Soeben haben die Sommerferien im Hindenburg-Gymnasium begonnen und die SchülerInnen stürmen in die ersehnte „Ferienzeit“. Wie im richtigen Leben haben noch nicht alle genaue Pläne für ihre Zukunft. Leider müssen sie ihre Ferien zu Hause verbringen. Bei schönem Wettere vergnügen sie sich mit Baden und Federball zu spielen. Auch auf emotionaler Ebene passiert einiges. Das wird in vielen Szenen dargestellt.

So vielfältig und individuell wie die Tiere auf der Erde sind auch die Jugendlichen. Da ist die scheinbar „coole Anführerin“, der sich gesundheitsbewusst gebende Sportliche, der gemobbte Außenseiter, oder das Pärchen mit dem dominanten weiblichen Part. Es geht um den ersten Kuss, buchstäblich wie ein Ballon zerplatzte Liebesträume, Eifersucht oder der Suche nach sexueller Orientierung. Es gibt da auch die „Aktiven“ von der Schüler AG zur Umbenennung des Hindenburg-Gymnasiums. Es steht unter anderem zur Debatte, die Schule doch nach dem Widerstandskämpfer der „Weißen Rose“ Christoph Probst (1919-1943) zu benennen.

Was macht man, wenn man in den Ferien zu Hause bleiben muss? (Ensemble der Theaterpartisanen). (Foto: © Birgit Hupfeld
Was macht man, wenn man in den Ferien zu Hause bleiben muss? (Ensemble der Theaterpartisanen). (Foto: © Birgit Hupfeld

Die Theaterpartisanen wiederum suchen nach dem passenden Stoff für ihre neue Inszenierung, „Hamlet“ oder doch lieber die aktuelle Dortmunder „Borderline Prozession“?

Es gibt auch noch die begeisterte Jugendliche, die mit ihrer Kamera schon am frühen Morgen fotografiert und davon träumt, später mit Filmdokumentationen ihr Geld zu verdienen.

Fehlen darf natürlich nicht eine „Mädchenband“. Ein entführter „Chinchilla“ (oder Wollmaus), sorgt für Aufregung und Verschwörungstheorien. Diese Nagetiere leben ursprünglich in Südamerika und sind wegen ihres begehrten Pelzes bedroht.

Nach einer Motto-Party, bei der alle mit unterschiedlichen Tiermasken auftauchen, kocht die Stimmung hoch. Nur der Außenseiter Vincent wurde nicht über die Party und ihr Motto unterrichtet und fällt durch „unpassender Bekleidung“ auf.

Dann passiert das Unfassbare. Ein Leopard-Kampfpanzer stürzt mit großem Lärm von einer Höhe von zwölf Metern.

Nach einer kurzen Schock-starre müssen sich die SchülerInnen irgendwie dazu verhalten. Einige von ihnen werden politisch aktiviert. Das Stück endet mit den Ferien.

In dieser Inszenierung schreibt die Schülerzeitung einen kritischen Artikel zu den aktuellen Rüstungsexporten in das Gebiet um Nord-Syrien.

Diese Geschichte vom erwachsen werden ist witzig, frisch-frech und die Charaktere von den beteiligten humorvoll dargestellt. Theaterpartisanen und Junge Theaterwerkstatt Vier.D haben gut zusammen gewirkt. Eine schöne Choreografie und passend ausgewählte Musiksequenzen runden das Gesamtbild ab.

Weitere Vorstellungen gibt es am 25.04.2018 (19 Uhr), 10.05.2018 (19 Uhr Theater Duisburg), 06.06.2018 (19 Uhr), und am 10.07.2018 (19 Uhr).

Infos unter www.theaterdo.de 0231/50 27 222 oder www.facebook.de/theaterpartisanen




Das Tierreich – ein Abbild vom Erwachsen werden

Der Jugendclub Theaterpartisanen des Schauspiel Dortmund hat unter der Regie von Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak und in zweiter Kooperation mit der Jungen Tanzwerkstatt vier.D (Choreographie Birgit Götz) ein Stück nach „Das Tierreich“ von Nolte Decar entwickelt.

Dahinter verstecken sich das Autorenduo Jacob Nolte und Michael Decar.

Im Rahmen des Herbstcamps unter dem Motto „COME AS YOU ARE“ im letzten Jahr ist die Idee einer weiteren Zusammenarbeit und dem Stück als Grundlage entstanden.

Worum geht es? Die Sommerferien haben gerade angefangen. Sechzehn Jugendliche freuen sich auf eine schöne Zeit mit Baden, Federball spielen, Flirten und mehr. Sie fahren nicht in den Urlaub, sondern bleiben hier in ihrer Heimatstadt. Vor dem Hintergrund von Sonne, Federball, entfaltet sich ein regelrechtes Panorama des Erwachsenwerdens: Der erste Kuss, philosophische Fragen, romantische Verirrungen und deutsche Widerstandsgeschichte spielen eine Rolle. Als das „Schicksal“ in Form eines auf die Schule abstürzenden Leopard-II-Panzers in die Schule schlägt, ist die Unbeschwertheit gestört und die Jugendlichen müssen sich irgendwie dazu verhalten…

Die sechs jungen Theaterpartisanen (16-21 Jahre) und die sechs Beteiligten Damen (15 -21 Jahre) von der Jungen Tanzwerkstatt vier.D stellten sich die Fragen zum Thema Ferien: Was macht man,und was passiert in dieser Zeit.

Das Geschehen wird in dieser Inszenierung nach Dortmund-Hörde mit dem Phönix-See verortet.

Es werden viele Szenen gespielt, die (auch) durch atmosphärisch passender Hintergrundmusik unterlegt werden. Wie die Theaterpädagogin verriet, wird auch ein eine kleine Amateurband mit Luftgitarre (Federballschläger) mit einer Sängerin in der Gruppe dabei sein.

Die sechs jungen Damen von der Tanzwerkstatt haben neben den Tanzchoreografien eine wichtige Funktion.

Jeweils drei von ihnen verkörpern die beiden Zwillinge Elisabeth und Franziska Fürle. Diese kommentieren schön, böse und ironisch das Geschehen und die Charaktere der dargestellten Figuren. „Sie interagieren mit den Figuren,“ so Jasinszczak. Es ist eine Art „Verfremdung“.

Theaterpartisanen + Tanztheaterwerkstatt vier.D entführen ins "Tierreich". (Foto: ©Schauspiel Dortmund)
Theaterpartisanen + Tanztheaterwerkstatt vier.D entführen ins „Tierreich“. (Foto:
©Schauspiel Dortmund)

Die Figuren entwickeln sich unterschiedlich. Sie werden politisiert oder ziehen sich eventuell zurück. Dann ist da ja noch die Liebe. Am Ende der Ferien haben sich die jungen Menschen verändert. „Es ist ein Abbild vom Erwachsen werden und die Frage: Wie gehe ich mit „Schicksalsschlägen“ um?

Der Titel „Das Tierreich“ hat in mehrfacher Hinsicht seine Bedeutung. So wird auf der einen Seite im Stück ein grüner „Jaguar“ gefahren, der herabstürzende Leopard-II Panzer zu sehen, oder es spielt ein Chinchilla eine Rolle. Genau wie jedes Tier haben die Menschen ihre ganz eigene Individualität.

Für die Premiere am Samstag, den 17. März 2018 um 20:00 Uhr gibt es noch Rest-Karten.

Weitere Termine: Sonntag, der 18. März 2018 um 18:30 U oder am 25. April 2018 um 19:00 Uhr.

Weitere Informationen zu Terminen und Kartenbestellungen erhalten Sie wie immer unter: =231/ 50 27 222 oder unter www.theaterdo.de




Gorillawood – Männer im Affenkostüm

Charles Gemora, Ray Corrigan, Emil Van Horn – Helden einer untergegangenen zeit. Sie und einige andere verdienten ihren Lebensunterhalt als Schauspieler in Gorillakostümen. Jörg Buttgereit lud zum zweiten „Nackt und zerfleischt“ am 09. März im Studio des Dortmunder Schauspiels. Als Gast hatte er Ingo Strecker mitgebracht, der das Buch „Gorilla-Wood“ verfasst hat, das sich den tapferen Männern in den Kostümen annahm.

Da wir uns ja in einem Theater befanden, las Frank Genser das Vorwort zu „Gorilla-Wood“, natürlich stilecht im Affenkostüm. Und Jörg Buttgreit? Hat er auch mal was mit Affen gemacht? Nicht direkt, aber zu Beginn zeigte er das Video zu Klaus Beyers Version von „Shaolin Affen“ der Band Osaka Popstar, zu dem er Regie geführt hat.

Filmanekdoten der besonderen Art. Jörg Buttgereit (links) im Gespräch mit Autor Ingo Strecker.
Filmanekdoten der besonderen Art. Jörg Buttgereit (links) im Gespräch mit Autor Ingo Strecker.

Die Blütezeit der „Gorilla-Männer“ waren die 20er bis 50er Jahre. Danach wurden andere Special Effects verwendet, um wilde Gorillas auf Film zu bannen. Und in der heutigen Zeit regiert das Digitale. Das stand damals nicht zur Verfügung und so mussten sich Germora, Corrigan und Co. auch bei heißen Temperaturen in ihre schweren Kostüme zwängen. Die Kostüme hatten die jeweiligen Schauspieler selber gebaut und ihnen sogar Namen gegeben. Anhand dieses Kostüms konnte der kundige Zuschauer auch erkennen, welcher Schauspieler im Kostüm steckt.

Der 2 ½-stündige Abend wurde durch Fotos und vor allem Filmszenen aufgelockert, die die Helden in den Affenkostümen zeigte. Vom melancholischen Gorilla über den lustigen bis hin zum aggressiven Killer war in den Filmbeispielen alles dabei. Der Abend war eine große Verbeugung vor diesen tapferen Schauspielern.