Positives Resümee für Geierabend 2019

Einen erfolgreichen
Abschluss seiner 28. Session mit dem Programm „Zechen und Wunder“
und der Rekordzahl von 16.500 Zuschauern feiert der Geierabend samt.
Organisatoren und beteiligten KünstlerInnen. Als neues Regie-Duo
hatten Heinz-Peter Lengkeit und Till Beckmann die schwierige Aufgabe
übernommen, wieder ein frech-schräges Programm zwischen
Ruhrpott-Klamauk. Musik und bissiger politischer Satire zusammen mit
seinem engagiertem Ensemble auf die Beine zu stellen. Das gelang
ihnen allen Widrigkeiten zum Trotz erstaunlich gut.

Neben den
altbewährten Ensemble-Recken sorgte Andreas „Obel“ Obering als
der „Neue“ für frischen Wind und passte gut in das Gesamtgefüge.

Wie Kollegin
Franziska Mense-Moritz bei der Abschluss-Pressekonferenz erklärte,
sorgte er für gute Stimmung im Team und war ein Kollege „der alles
konnte“. Er bewies vor allem, dass er sich in vielen
Dialekt-Sprachen unseres Landes bestens einfühlen kann. Gut
arbeitete man mit dem neuen Regie-Duo zusammen.

Schwierig war, das
Thema BVB neu zu bearbeiten. Nach dem Abschied von Hans Martin
Eichmann und damit dem Aus für die „Zwei vonne Südtribüne“
musste man sich etwas Neues einfallen lassen.

Sandra Schmitz und
Franziska Mense-Moritz gaben letztendlich umjubelt das weibliche
(prollige) BVB Fan-Duo, und Fußball wurde zu einer Art Frauendomäne.

Vermutlich wird die DB Netz AG ebenfalls nicht den "Pannekopp-Orden" in Empfang nehmen. da kann sich "Steiger" Martin Kaysh noch so ins Zeug legen.
Vermutlich wird die DB Netz AG ebenfalls nicht den „Pannekopp-Orden“ in Empfang nehmen. da kann sich „Steiger“ Martin Kaysh noch so ins Zeug legen.

Bei der letzten
Vorstellung auf Zeche Zollern am Dienstag, den 05.03.2019
(Veilchendienstag), wird nun endlich auch der 28,5 kg schwere
„Pannekopp-Orden“ nun schon zum 17. Mal verliehen. Dieser schwere
Stahlschrott-Orden wird in jedem Jahr für „besondere“ Verdienste
um das Ruhrgebiet ausgelobt.

Während jeder
Vorstellung der Session hatten das Publikum Gelegenheit, zwischen
zwei vorgeschlagenen Kandidaten zu wählen.

1. NRW
Ministerpräsident Armin Laschet wegen seines Wahlversprechens, die
„A40 ohne Stau“ und

2. DB Netz AG für die „ungebremste Förderung der Stadt Herten“. Sie ist „die
größte Stadt Festlandeuropas ohne eigenen Bahnhof“, obwohl eine
S-Bahn auf einer alten Güterbahnstrecke ab Ende 2019 durch die Stadt
rollt, aber an keinem Bahnhof dort halten wird.

Es war ein knappes Rennen. Nach der Publikums-Meinung per Applaus lagen die beiden Vorschläge für den Orden am Ende Kopf an Kopf (fast) gleich auf. Entscheidend war
letztlich das Votum der Abstimmung per Internet auf der
Geierabend-Website.

Der Gewinner ist:
die DB Netz AG!

Es darf wie in jedem Jahr bezweifelt werden, dass der „Pannekopp-Orden“ auch angenommen und abgeholt wird. Das mag neben vielen Gründen auch an den harten Auflagen liegen. Der Preisträger
verpflichtet sich unter anderem, diesen schweren Orden während der
gesamten Fastenzeit um den Hals zu tragen, und außerdem anzustreben,
keine weiteren Verdienste ums Ruhrgebiet zu erwerben.

Wer von den „Geiern“
nicht genug bekommen kann, hat übrigens in diesem Jahr wieder
Gelegenheit, sie während des Festivals „Ruhrhochdeutsch“ mit
einem „Best of“- Programm zu erleben.




Theaterstück um Leistungs- und Konkurrenzdruck unter Abiturienten

Unter dem
vieldeutigen Titel „Klatschen“ findet am Samstag, den 09.03.2019
die Uraufführung des gemeinsam mit SchülerInnen entwickelte
gleichnamigen Textbuchs von Tina Müller und Corinne Maier auf der
Bühne des Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) statt.

Diese Vorlage haben
sich elf Jugendliche und Erwachsene zwischen 16 und 24 Jahren, mit
unterschiedlicher Herkunft und Hintergrund als Jugendclubproduktion
unter der Regie von Isabel Stahl & Lioba Sombetzki in den letzten
Monaten vorgenommen.

Die Grundsituation ist folgende: Elf SchülerInnen eines Gymnasiums in der aufgeladenen Situation kurz vor dem Abitur. Jeder von ihnen ist interessiert, seine Chancen auf einen lukrativen, prestigeträchtigen Job mit besten Noten zu bewahren. Jeder ist sich selbst der Nächste, der Druck steigt ins Unermessliche und aus Freunden werden Feinde. Ein Vorgeschmack auf die Zukunft in einer kapitalistischen Gesellschaft. Verweigern oder anpassen?

Es gibt keine
stringente Handlung, sondern es werden wie in einzelnen
Blitzlicht-Momentaufnahmen nach der Vorlage SchülerInnen in
verschiedenen Konstellationen beleuchtet.

Ähnlich wie auf
einem Schulhof, wechseln die Blickwinkel. Da wird wie im echten Leben
geklatscht und diskutiert. Die Bühne wird zu einem abstrakten
Transitort, wo alle „Wartende“, die irgendwo hin wollen sind.

Gemeinschaft oder Alle gegen Alle? Die Mitglieder des Jugendclubs bei der Probe von "Klatschen". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Gemeinschaft oder Alle gegen Alle? Die Mitglieder des Jugendclubs bei der Probe von „Klatschen“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Geschichte im
Vorfeld wird erst durch die Gespräche der SchülerInnen deutlich.
Sie hatten in einer Kunststunde rebelliert (Schweigestunde), und die
überforderte Lehrerin drohte ihnen mit einer schlechten Note für
alle. Daraufhin eskalierte die Situation, und die Kunstlehrerin wurde
von allen gemeinsam zwischen Tür und Wand „geklatscht“ und
schwer verletzt. Das erhöht die Aufregung und bietet noch mehr
Zündstoff und Diskussionsbedarf.

Wie vorab verraten
wurde, wird bei der Inszenierung auch mit Wiederholungen von
bestimmten, bei jugendlichen häufig vorkommenden Sprachbegriffen
gearbeitet. Außerdem wurde zusammen mit den jungen
Amateur-SchauspielerInnen viele Tanzchoreografien ein geübt. Musik
aus der Konserve wird den passenden atmosphärischen Hintergrund
bilden.

Die Kostüme sind
einheitlich uniform. Das zeigt ihre kollektive Konformität, hinter
der sich ihr individueller Charakter verbirgt.

Erschwerend für die
gemeinsame Arbeit an der Jugendproduktion war die unterschiedlichen
Voraussetzungen der teilnehmenden jungen Akteure. Eine davon steht
selbst mitten im Abiturstress, andere studieren schon, oder der
Jüngste ist mit 16 Jahren noch etwas vom Abitur entfernt. Zudem gab
es da ja auch noch die kulturellen Unterschiede bei den Beteiligten.
Einige hatten schon Schauspielerfahrungen, andere nicht. Außerdem
gab es zwischendurch auch eine gewisse Fluktuation unter den
Teilnehmern der Produktion. Einige waren durch ihre anstehende
Abiturprüfung so eingespannt, dass sie frühzeitig ausgestiegen
sind.

Die verbliebenen
haben sich letztendlich gut zusammen gerauft, so die beiden
Regisseurinnen.

Die intensive
Aufführung wird etwa eine Stunde dauern.

Uraufführung:
09.03.2019 um 19:00 Uhr im KJT Sckellstraße

Karten & Infos
zur Premiere und weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer
unter www.theaterdo.de oder
Tel.: 0231/ 50 27 222




Struwwelpeter kräftig durchgebürstet

Fast jeder kennt das Buch „Struwwelpeter“ aus dem Jahre 1844 von Heinrich Hoffmann. Der „Suppenkasper“ oder „Hans-guck-in-die-Luft“ sind sprichwörtlich geworden. Das Buch ist weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt geworden, so dass es in England unter dem Titel „Shockheaded Peter“ erschienen ist. Die Dark-Cabaret-Gruppe „The Tiger Lillies“ machte aus dem Stoff 1998 ein Musical. Die Kulturbrigaden unter der Leitung von Rada Radojcic setzten noch einen drauf und brachten das Stück als Grusical in das Theater im Depot. Die Premiere war am 22. Februar 2019, auch wenn das Stück bereits seine Vorpremiere Silvester 2018 hatte.

Die „Tiger Lillies“ haben die Geschichte etwas umgeschrieben. Zunächst das Wichtigste: Während im Original nur einige Kinder sterben, so kommen bei „Shockheaded Peter“ konsequent alle Kinder um. Zudem gibt es eine kleine Rahmenhandlung: Ein Paar sehnt sich vergeblich nach einem Kind, aber als es endlich da ist, ist es ein „Struwwelpeter“, so dass es in den Keller gesperrt wird. Darüber werden die Eltern langsam, aber sicher wahnsinnig.

Phantasievolle Kostüme sind ein Markenzeichen von Rada Radojcic. Auf bei "Shockheaded Peter" zu bewundern. (Foto: © Wulf Erdmann)
Phantasievolle Kostüme sind ein Markenzeichen von Rada Radojcic. Auf bei „Shockheaded Peter“ zu bewundern. (Foto: © Wulf Erdmann)

Durch die Handlung führte ein Conferencier, der eindrucksvoll von Christiane Wilke gespielt wird. Sie war neben Birgit Götze der einzige Profi in einer sehr gut eingespieltes Truppe der Kulturbrigaden. Die fantasievollen Kostüme – nicht nur des Conferenciers – wurden wie gewohnt von Rada Radojcic gefertigt. Überhaupt Radojcic: Sie hatte in dieser Aufführung weitere Aufgaben. Sie führte nicht nur Regie, sondern sang auch die meisten Songs. Sie wurde begleitet durch eine kleine Band, angeführt vom musikalischen Leiter der Produktion Dixon Ra und dem Schlagzeuger Lennart Rybica. Dabei wurde die Musik der „Tiger Lillies“ als Inspirationsquelle benutzt. Da sowieso niemand den Falsett-Gesang von Martyn Jaques kopieren konnte, interpretierte das Trio die Lieder wieder neu und brachte auch eine größere musikalische Bandbreite zu Gehör.

Von den
Kulturbrigaden machen Amelia Braun, Annika Czaia, Solveig Erdmann,
Helen Gierhake und Mika Kuruc mit. Die die einzelnen Geschichten
stumm spielten, da der Conferencier ja in die Szenen einführten.

Die einzelnen Szenen sind den Meisten ja aus dem Kinderbuch bekannt. Wie erwähnt, im Gegensatz zum Buch sterben alle Kinder. (und werden in der Inszenierung ab und zu von einem Gruselclown abgeholt). Kleiner Wermutstropfen: Leider hat Interpretation der Tiger Lillies die (leider immer noch) aktuelle Geschichte aus dem Struwwelpeter verwässert: Die Geschichte vom schwarzen Buben. Im Original ärgern drei Kinder einen Farbigen wegen seiner Hautfarbe und werden zur Strafe in ein Tintenfaß gesteckt, so dass sie schwärzer werden als der „Mohr“. Bei „Shockheaded Peter“ sind die drei Kinder Schläger, die einen Mann tyrannisieren und vom Nachbarn erschossen werden. Da haben sich die Autoren bei der Neubearbeitung etwas zu sehr von „Clockwork Orange“ inspirieren lassen. Auch wenn die Kulturbrigaden die Szene gut rüber bringen, etwas schade ist es dennoch.

„Shockheaded
Peter“ ist seit ihrer Uraufführung ein beliebtes Stück auch auf
den städtischen Bühnen. Angesichts der Tatsache, dass diese
städtischen Bühnen weitaus mehr Mittel haben, dieses Stück auf die
Bühne zu bringen, bleibt festzuhalten, mit wie viel Liebe und
Herzblut Radojcic an diese Aufgabe herangeht. In jeder Szene ist die
Fantasie und Hingabe zu spüren und alle Beteiligten stecken viel
Leidenschaft in „Shockheaded Peter“.

Es gint im April
zwei Termine, diese Inszenierung von „Shockheaded Peter“ zu
sehen: am 12..04. und am 13.04.2019 jeweils um 20 Uhr. Ich kann das
Stück jedem nur empfehlen.

Karten unter
0231/982 120 oder info@theaterimdepot.de




Schräge Ruhrpottkomödie mit Musik und „Omma“

Laut Wikipedia ist Popcornkino eine wenig gehaltvolle Filmproduktion
mit vornehmlichen Unterhaltungscharakter. Unterhaltungscharakter ja,
aber über das „wenig gehaltvolle“ kann man streiten, denn
Unterhaltung kann sehr wohl gehaltvoll sein. Wie komme ich von der
Premiere von „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ am
16. Februar 2019 zum Popcornkino? Weil das Stück im besten Sinne
Unterhaltungstheater ist, quasi Popcorntheater.

Aus der Vorlage des
gleichnamigen Buches von Anna Basener machte die Regisseurin Gerburg
Jahnke eine leicht bekömmliche Theaterkomödie mit Musik. Die
Hauptfigur, die „Omma“, wurde von Anke Zillich gespielt. Vor
allem zu Beginn interagierte sie sehr aktiv mit dem Publikum und
erläuterte erst einmal das Geheimnis eines „Samtkragen“. Das ist
ein Getränk aus drei Teilen Korn und einen Teil Boonekamp. Wobei der
Boonekamp sachte auf den Korn geschüttet wird. Die Zuschauer spüren
sofort, dass Anke Zillich die Omma mit Herz und Leidenschaft spielt.

Die Omma ist auch
Dreh- und Angelpunkt des Stückes. Als Hauswirtschafterin in einem
Bordell wird sie schnell zur guten Seele für die Huren. Vor allem
für Mitzi. Nachdem sie sich den brutalen Zuhälter Herbert entledigt
hatten, bauen Mitzi und Omma das Bordell in eine Pension um. Doch
Mitzi kann ihr altes Gewerbe nicht vergessen. Dummerweise lacht sie
sich den noch brutaleren Blazek an. Jetzt ist guter Rat teuer. Mitzi
und Omma täuschen Mitzis Tod vor. Auf der Beerdigung lernt Ommas
Enkelin Bianca den Polizisten Bernhard kennen.

Freundinnen fürs Leben: "Omma" (Anke Zillich) und rechts die Hure Mitzi (Frederike Tiefenbacher). Foto: © Birgit Hupfeld
Freundinnen fürs Leben: „Omma“ (Anke Zillich) und rechts die Hure Mitzi (Frederike Tiefenbacher). Foto: © Birgit Hupfeld

Dann überschlagen
sich die Ereignisse: Omma verschwindet zu ihrer in Berlin wohnenden
Tochter Bianca. Diese entdeckt, dass Mitzis Grab leer ist und
plötzlich tauchen Bernhard, die tot geglaubte Mitzi und der brutale
Blazek auch in Berlin auf.

Das Stück ist eine
Reminiszenz an das Ruhrgebiet und seine Einwohner. Die Omma trägt
das Herz immer auf dem richtigen Fleck und geht dabei auch resolut
vor. So vertreibt sie Louise, die „über korrekte“ Mitbewohnerin
von Bianca, nach einem kurzen, aber heftigen Wortgefecht. Auch
Zuhälter Herbert räumt sie aus dem Weg.

Hingegen ist Bianca
noch eine Frau, die ihren Weg sucht. Sie versucht sich bisher
erfolglos in der Berliner Kreativszene durch das Designen von
Unterwäsche. Durch ein Missverständnis gibt ihr Bernhard für Sex
Geld, was Bianca völlig verwirrt. Ist sie etwa auch eine
Prostituierte? Caroline Hanke spielt die Bianca in ihrer
Zerrissenheit sehr schön, gut zu sehen bei der Autofahrt zu Mitzis
Grab. Mitzi wird dargestellt durch Friederike Tiefenbacher, die erst
im zweiten Teil „leibhaftig“ dazukommt. Ihr fataler Hang nach
(älteren) starken Männern bringt die Handlung in dramatische
Fahrwasser. Alle anderen Schauspieler (Mario Lopatta, Jens Kipper,
Andreas Beck, Louise Kinner, Kevin Wilke, Ralf Kubik) spielen
meistens mehrere Rollen. So werden die drei Prostituierten Ulla,
Maria und Schantall durch Männer gespielt.

Das Stück ist eine
musikalische Komödie, daher gab es auch einige Songs, die von
einzelnen oder mehreren Darstellern zu Gehör gebracht wurden. Die
Texte stammen von der Autorin des Buches, Anna Basener, die Musik von
Tommy Finke. Die Lieder waren gelungen und abwechslungsreich
(Schlager, Rock bis hin zum schwermütigen polnischen Walzer).
Basener gelang es (vor allem beim Abschlusssong) eine wichtige
Botschaft unterzubringen, den Respekt vor den Frauen, die im ältesten
Gewerbe der Welt arbeiten: „Du sollst nicht die Damen reizen, die
für dich die Beine spreizen.“

Somit komme ich zum
Fazit: „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ ist
Popcorntheater im allerbesten Sinne. Gut gemachte Unterhaltung, tolle
Schauspieler, viel Musik und gute Laune. Kritiker mögen bemängeln,
dass der „Slang“ der Omma zuviel Ruhrpottklischee widerspiegelt,
doch Originale bleiben Originale. Es ist eher schade, dass sie mit
der Zeit aussterben.

Weitere Infos zu
Karten und Termine unter www.theaterdo.de




Wortgefechte und skurrile Figuren

Es hatte ein wenig von Loriot oder von Monty Python, wenn die beiden Schauspieler Thomas Kemper und Jörg Hentschel im „HERRENspezial“ in den Sketchen mit Worten und Begrifflichkeiten duellierten. Ars tremonia war am zweiten Abend am 10. Februar 2019 im Theater Fletch Bizzel dabei.

Keine Angst. Bei „HERRENspezial“ geht es nicht um die berühmt-berüchtigten Herrenwitze von Fips Asmussen und Co, auch wenn das Outfit der beiden Herren und der Wackeldackel durchaus in die Zeit passen könnten. Doch die Texte von Hentschel zielen bei weitem nicht unter die Gürtelline, obwohl bei einem Sketch das leidige Thema „Nicht-Wasserlassen-können“ per Video präsentiert wurde. Durchaus eben in der Tradition eines Loriots, aber immer mit einer skurrilen Note. Viele Sketche scheinen gegen Ende fast ins Surreale abzugleiten.

Ein gutes Beispiel
ist die Nummer in der Fleischerei, bei der es zunächst um Fleisch
für ein Rezept geht, nach einigen Missverständnissen und
Wortklaubereien, dreht sich das Gespräch um die intime Beziehung der
eingeladenen Freunde des Kunden. Dieses Feuerwerk an absurden
Dialogen war das Markenzeichen des Abends.

Showlesen mit Kaktus präsentieren Thomas Kemper und Jörg Hentschel im Programm "HERRENspezial" im Theater Fletch Bizzel.
Showlesen mit Kaktus präsentieren Thomas Kemper und Jörg Hentschel im Programm „HERRENspezial“ im Theater Fletch Bizzel.

Diese Dialoge um
„des Kaisers Bart“ waren natürlich eine Verbeugung vor den
berühmten Komikerduos der Geschichte. Angefangen von Stan Laurel und
Oliver Hardy über Karl Valentin und Lils Karlstadt bis hin zu Lorot
und Evelyn Hamann.

Es gab nicht nur
geistreiches auf der Bühne: Wenn der Abend „Herren-Spezial“
heißt, dann war es auch logisch, dass Hentschel und Kemper diesen
Kräuterschnaps aus dem Münsterland dem Publikum kredenzten.

Das Herrenpaar
Hentschel und Kemper ist noch am 06. und 07. April im Fletch Bizzel
erleben. Es lohnt sich – nicht nur wegen des Kräuterschnapses.

Karten unter 0231 14
25 25 oder www.fletch-bizzel.de




Die dunkle Seiten der Märchen

Märchen haben eine
dunkle Seite, auch wenn sie durch die Zeiten als Kinderliteratur
verniedlicht wurden. So manche Märchen der Gebrüder Grimm sind
düster wie „Der Gevatter Tod“ oder „Der Grabhügel“. Die
Kulturbrigaden loten im Theater Fletch Bizzel in „Freaks“ diese
dunkle Seiten aus.

Wer die Produktion
von Rada Radojcic kennt, der wird von den „Freaks“ nicht
enttäuscht sein. Die Regisseurin packte die sechs Schauspielerinnen
und Schauspieler wieder in fantasievolle Kostüme. Die jungen Mimen
zeigten eine ebenso fantasievolle Variante verschiedener Märchen.
Natürlich gehörte „Hänsel und Gretel“ ebenso dazu wie etwa
„Dornröschen“, auch „Gevatter Tod“ wurden verarbeitet. Von
Hans Christian Andersen wurden ebenfalls Stoffe auf die Bühne
gebracht. Dabei durfte sein bekanntestes Märchen, „Die kleine
Meerjungfrau“, natürlich nicht fehlen. Weniger bekannt sind „Die
roten Schuhe“, in dem ein Mädchen rote Tanzschuhe tragen muss die
sie nicht mehr ausgezogen bekommt.

Die "Freaks" luden zur Märchenstunde der dunklen Art ein. (Foto: © Wulf Erdmann)
Die „Freaks“ luden zur Märchenstunde der dunklen Art ein. (Foto: © Wulf Erdmann)

In dem kurzweiligen
Stück mit viel Musik – unter anderem der Walzer von Tschaikowsky aus
„Dornröschen“) oder „Tanz mit Laibach“ von der gleichnamigen
Gruppe – wurde besonders auf Choreografien geachtet, was ein
Verdienst der langjährigen Primaballerina des Dortmunder Balletts,
Monica Fotescu-Uta, zu verdanken ist. Dazu kommen witzige Videos im
Hintergrund von Hänsel und Gretel auf dem Dortmunder
Weihnachtsmarkt. Aber auch aktuelle Themen wie Missbrauch oder die
Rolle der Frau in der Gesellschaft werden in dem Stück thematisiert.

Ein wirklich schönes
atmosphärisches Stück der „Freaks“. Es zeigt sich wieder, dass
Radojcic ein gutes Händchen für Stoffe und immer spielfreudige
Akteure findet. Hinzu kommt, dass Dixon Ra ein gutes Gespür bei der
Musikauswahl hat, sodass aus dem Theaterstück ein gelungenes
Gesamtwerk wird.

Es bleibt zu hoffen,
dass es noch den einen oder anderen Aufführungstermin 2019 gibt.




Im Rausch der Formen und Farben

2015 präsentierte
das „Theater der Klänge“ im Theater im Depot das „Triadische
Ballett“ von Oskar Schlemmer. Vier Jahre später kehren sie an den
selben Ort zurück und zeigen mit dem „Lackballett“ in der
Inszenierung von Jörg U. Lensing eine weitere Hommage an Oskar
Schlemmer. Wieder verwandelt sich die Bühne in einen Dreiklang
zwischen Farbe, Form und Musik. Ars tremonia war am 31.01.2019 dabei.

Der Maler, Bildhauer
und Bühnenbildner Oskar Schlemmer (1888-1943) war mehrere Jahre lang
als Lehrer im Bauhaus tätig. Nach der Machtergreifung der
Nationalsozialisten wurde seine Farbpalette traurig und düster.
Zudem hatte er als „entarteter Künstler“ mit finanziellen
Problemen zu kämpfen. 1940 kam Schlemmer nach Wuppertal, wo er im
Wuppertaler Arbeitskreis des Lackfabrikanten Kurt Herberts
Möglichkeiten fand, seine künstlerische Arbeiten weiterzuführen.

Hier entstand 1941
zum 75. Jubiläum der Firma das „Lackballett“. Ähnlich dem
Triadischen Ballett treten sogenannte Figurinen auf. Das Ballett
tanzte zur Musik von Händel und das Stück dauerte nur vier Minuten.
Das „Theater der Klänge“ versuchte keine Rekonstruktion des
„Lackballetts“, die auch wegen der spärlichen Unterlagen
unmöglich wäre, sondern produzierte eine Hommage an den Künstler.

Eine der farbenfrohen Figurinen aus dem "Lackballett" von Oskar Schlemmer. (Foto: © Theater der Klänge)
Eine der farbenfrohen Figurinen aus dem „Lackballett“ von Oskar Schlemmer. (Foto: © Theater der Klänge)

Schon beim
„Triadischen Ballett“ faszinierten die Formen und Farben der
einzelnen Figurienen. Beim „Lackballett“ ist es ähnlich. Ob nun
die Segelfigurine mit ihren geschwungenen „Segeln“ in Rot, Blau,
Gelb und Grün oder die Kugelnfigurine mit ihren silbernen Kugeln,
die Kostüme fantasiereich gestaltet. Die Choreografie haben die
Tänzerinnen und Tänzer selbst entwickelt.

Begonnen wurde mit
Tüchern. Jeder der Tänzer und Tänzerinnen hatte ein farbiges Tuch
bei sich, aus denen sich teilweise kunstvolle Gebilde formen ließen.
Die tänzerischen Bewegungen wurden ebenso wie die Farben und Formen
live und online in bewegte Bilder umgesetzt. Zusätzlich zu den
elektronischen Klängen entstand eine Mischung zwischen digitaler
Malerei, Tanz und Musik, das sich zu einem Gesamtkunstwerk vereinte.
Das machte die fast psychedelische Kraft der Performance aus.
Zwischendurch kam Miriam Gronau (die auch die Kugelnfigurine tanzte)
auf die Bühne und erzählte aus dem Leben von Oskar Schlemmer.

Ein großes Lob gilt
den Tänzern und Tänzerinnen, die die einzelnen Figurinen in ihren
prächtigen Kostümen zur Geltung brachten. Zunächst zeigten sich
die Selgelfigurine, die Fächerfigurine, die Scheibenfigurine, die
Blütenfigurine, die Kugelnfigurine und die Draht-Lichtfigurine
einzeln, bis sie dann zur Musik von Händel alle auf der Bühne
standen.

Die beiden Termine
im Theater im Depot waren sehr schnell ausverkauft. Daher bleibt zu
hoffen, dass es vielleicht weitere Vorstellungen in Dortmund gibt.




Die Parallelwelt – Eine Simultanaufführung zwischen zwei Theatern

Intendant Kay Voges und sein Team eröffnen die Spielzeit 2018/2019 am Schauspiel Dortmund mit einem völlig neuen und spannenden Projekt in Koproduktion mit dem Berliner Ensemble.

Hier werden wieder einmal die Möglichkeiten, welche die Digitalisierung dem Theater bietet ausgelotet.

Zusammen mit dem Dramaturgen Alexander Kerlin und der Schauspielerin Eva Verena Müller entwickelte er das Stück „Die Parallelwelt“ als Simultan-Uraufführung, die zeitgleich in Berlin (Berliner Ensemble) und hier im Haus in Dortmund stattfindet. Dazwischen liegen 420,62 km Luftlinie, die mit Hilfe einer extra reservierten „Daten-Autobahn“ über Glasfaserkabel verbunden sind und miteinander interagieren.

Das Ensemble bei den Proben für die "Parallelwelt". (Foto: Birgit Hupfeld)
Das Ensemble bei den Proben für die „Parallelwelt“. (Foto: Birgit Hupfeld)

Schon bei der Pressekonferenz am 12.009.2018 bekamen die eingeladenen Journalisten schon einen kleinen Eindruck von den technischen Herausforderungen und Möglichkeiten des ambitionierten Projekts. Bei Live-Schaltung über Glasfaserkabel begrüßte Voges sie aus dem Berliner Ensemble von der zweigeteilten Leinwand. Im oberen Bereich konnten alle Anwesenden im Schauspiel Dortmund sehen, der untere Teil zeigten die im Gegenzug die entsprechende Gruppe von Interessierten im Berliner Ensemble. Dort sind die Gegebenheiten zum Beispiel mit ähnlichen roten Klappsesseln und Größe mit denen in Dortmund vergleichbar. Dann gab es auch eine virtuellen Rundgang in die angrenzenden Bereiche. Ein aufwendiges Organisation-Management war es, möglichst exakt gleiche Bühnenbilder oder Kostüme für die SchauspielerInnen zu erstellen.

Die beiden Ensembles hatten sich für einige Wochen zum genauen Kennenlernen und Besprechungen in Berlin getroffen. Die letzte zweieinhalb Wochen haben sie dann wieder an ihren Heimatorten gearbeitet. Der Kontakt musste virtuell gehalten werden und viel Kommunikation war unabdingbar. Regisseur Kay Voges musste mit der Bahn mehrmals in der Woche von Dortmund nach Berlin hin und her fahren. Wie er zugab, ging ihm wohl die Orientierung in letzter Zeit dadurch etwas verloren.

Das Stück geht von folgender spannenden Frage aus: Was wäre, wenn die uns bekannte Welt irgendwo im Universum ein zweites Mal identisch existierte? Die moderne Quantenphysik revolutioniert die wissenschaftlichen Erkenntnisse nach Newton. Der ging davon aus : „Real existent ist, was messbar ist“. Die Quantenphysik geht davon aus, das Teilchen oder Objekte sich an mehreren Stellen zugleich befinden können. Für den gesunden Menschenverstand zunächst schwer zu begreifen.

„Die Parallelwelt“ erzählt die Geschichte eines Lebens (der Person „Fred“), das sich selbst begegnet in existenziell und emotional wesentlichen sieben Lebensabschnitten. Zeitgleich wird sie in beiden Theatern erzählt.

Die Erzählung beginnt im Berliner Ensemble mit der Geburt, Kindheit, erste Liebe , Hochzeit, Trennung , Alter bis hin zum Tod.Im Schauspiel Dortmund beginnt die Erzählung entgegengesetzt mit dem Tod bis hin zur Geburt. Jeder der sieben SchauspielerInnen aus Dortmund hat eine „Zwillings-Schauspielerin und Schauspieler“ im Berliner Ensemble.Nicht umsonst heißt der Untertitel: „Eine Simultanaufführung über die Gleichzeitigkeit der Ungleichzeitigkeit“. Interessanterweise kreuzen sich die beiden Erzählweisen bei der Hochzeit von Fred. Das sorgt nicht nur für Verwirrung, sondern eben auch für die Erweiterung der Wahrnehmungsräume und Entgrenzung. Raum und Zeit sind relative Größen.

Der Theaterabend ist auch ein philosophischen Diskurs über unsere „Einzigartigkeit“.

Eva Verena Müller, die sich wohl auch gut in Quantenphysik auskennt, hat nicht einen wichtigen Beitrag für die Stückentwicklung geleistet, sondern hat auch noch eine wichtige Funktion mit ihrem Auftritt als „blinder Engel“ Semiel, der böse und satanisch ist und laut der Schriften aus der Zeit um Christ Geburt zusammen mit Satan gegen Gott revoltierte und den Menschen schaden will.

Für die Musik zeigt wieder einmal Musiker, Sänger und Komponist T.D. Finck von Finckenstein verantwortlich.

Die Premiere findet am 15.09.2018 um 19:30 Uhr im Dortmunder Schauspielhaus am Hiltropwall (12,- bis 33,- Euro) statt.

Informationen zu weiteren Terminen und Karten erhalten Sie unter: www.theaterdo.de oder unter 0231/ 50 27 222




Giallo-Slasherfilm-Hommage im Studio des Schauspiels Dortmund

Arthouse-Horrorspezialist Jörg Buttgereit (mit Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz) entführt das Publikum in seinem sechstem Stück „Im Studio hört dich niemand schreien“ am 16.09.2018 um 18:00 Uhr im Studio des Dortmunder Schauspiels in die ganz eigene Welt des italienischen Giallo-Slasherfilms der 1970iger Jahre. Grundlage für die Inszenierung bildet das Stück „Berberian Sound Studio“ aus dem Jahr 1976 vom Regisseur Peter Strickland und freien Anleihen nach Filmen des Genre-Regisseurs Dario Argento. Typisch für Argentos Arbeiten sind vor allem formal stilistisch extravagante Inszenierung mit -Traum- ähnlichen , surrealem Charakter des Plots.

Buttgereit nimmt mit seiner Inszenierung die Zuschauer und Zuhörer nicht nur in das Making-of eines Giallo-Genre-Films mit, sondern sie erfahren darüber hinaus auch etwas über die Familie Argento. Einiges erinnert an eine italienische Oper, so der Regisseur.

Wie indem Film „Berberian Sound Studio“ wird der Bühnenraum des Studios im Schauspielhaus durch Susanne Priebs (Bühne und Kostüme) in ein Tonstudio der 1970iger Jahre gestaltet. Dabei stammen alle Requisiten bis hin zum Aufnahmegerät in spannender und aufwendiger Suche aus dem Fundus der 70iger Jahre. Wie Priebs beim Pressegespräch erklärte, war die etwas knifflige Aufgabe, bei der Gestaltung des Bühnenbilds und der Kostüme die 1970iger Jahre und die italienische Komponente zu berücksichtigen. So werden von ihr etwa Säulen und Art déco -Elemente eingefügt. Wichtig für die atmosphärische Spannung ist insbesondere das Sounddesign (Frank Behnke) und das spezielle Licht.

Maximilian Schall (Uwe Rohbeck) beim Vertonen des Films: (v.l.n.r.) Christian Freund, Uwe Rohbeck, Alexandra Sinelnikova, Marlena Keil, Caroline Hanke und Ekkehard Freye. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Maximilian Schall (Uwe Rohbeck) beim Vertonen des Films: (v.l.n.r.) Christian Freund, Uwe Rohbeck, Alexandra Sinelnikova, Marlena Keil, Caroline Hanke und
Ekkehard Freye. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Zum Plot: Maximilian Schall (Uwe Rohbeck), der sensible Geräuschemacher für Tierfilm-Nachvertonungen, bekommt von dem visionären Schmuddelfilmer Dario Winestone (Ekkehard Freye) den Auftrag, dessen frisches abgedrehtes Filmmaterial nach zu vertonen. Die Katastrophe für Schall. Winestone zeigt – auf einem ästhetisch höchsten Niveau – Menschen, die foltern, töten und grauenvoll sterben.

Um einen blutigen Mord klanglich zum Höhepunkt zu treiben, wird schon mal herzhaft ein Messer in einen Kohlkopf gebohrt. Ihm zur Seite stehen sechs sechs SchauspielerInnen (teils Familie) für die Synchronstimmen. Diese haben mehr oder weniger Erfahrungen in dem Giallo-Horror-Genre. Daraus entsteht eine reizvolle Spannung, wie die Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz erklärte.

Die Kunst und schwierige Aufgabe ist“, so Frank Behnke, „Klangwelten mittels Tönen entstehen zu lassen und Gedankenräume zu öffnen.“ Das Publikum blickt sozusagen „in den Kopf“ des Geräuschmachers Schall.

Nicht nur für Horrorfilm-Experten mit interessanten Einblicken. Die Aufführungsdauer liegt bei ca. zwei Stunden. Zur eigenen Absicherung wurde die Altersempfehlung auf ab 18 Jahren gesetzt.

Die Premiere am 16.09.2018 ist schon ausverkauft.

Für die weiteren Aufführungstermine am 20.09.2018 (20.00 Uhr), 06.10.2019 (20:00 Uhr) und den 28.10.2018 (20:00 Uhr) gibt es noch (Rest)-Karten.

Informationen und Karten unter: 02317 50 27 222 oder www.theaterdo.de




Politisch, aber mit Ästhetik – das Theaterfestival Favoriten 2018

18 Produktionen präsentiert das Theaterfestival Favoriten 2018 vom 06. bis 16. September 2018. Das künstlerische Zentrum ist das Theater im Depot, doch auch weitere Orte in der Nordstadt werden bespielt. So etwa das Dietrich-Keuning-Haus oder der Rekorder in der Gneisenaustraße. Auch im Union Gewerbehof, der Alten Schmiede in Huckarde oder in der Zeche Friedlicher Nachbar in Bochum gibt es Aufführungen.

Beim Festival der freien Szene geht es nicht nur um das Theater, sondern es werden die Künste Tanz, Performance oder Musik integriert. Das Motto der künstlerischen Leitung lautet: Wie kann Kunst politisch agieren, aber ästhetisch. Die Besucherinnen und Besucher haben in den nächsten Tagen die Gelegenheit, diesen Anspruch unter die Lupe zu nehmen.

Wenn es ein Genre gibt, das Theater, Musik, Tanz und Performance vereinen kann, dann ist es die Oper. Erstaunlicherweise kommt man der Oper bei manchen Produktionen entgegen, aber nicht in der klassischen Form. Den Anfang macht „Ingolf wohnt“ von Daniel Kötter und Hannes Seidl in der Mittelhalle des Depots. Hier wird die Oper ins Alltägliche verortet. Eine interessante Kombination zwischen Film und begehbaren Objekt (die Wohnung von Hobby-Bastler Ingolf Haedicke im Zustand von ca. 1985).

Manche kennen das Pauschenpferd noch vom Turnunterricht, in der Produktion „Surround“ in der Alten Schmiede in Huckarde am 07.09.18 steht so ein Turngerät im Mittelpunkt des Geschehens. Hier verbinden sich Tanz und Elemente aus dem Zirkus zu einer ästhetischen Diskussion um Demokratie. Wen schließt die Demokratie ein und wen aus? Wer hängt an der Macht?

Szenenbild aus "Sourround" von Tim Behren. Zu sehen in der Alten Schmiede am 07.09. um 19 Uhr. (Foto: © Ingo Solms)
Szenenbild aus „Sourround“ von Tim Behren. Zu sehen in der Alten Schmiede am 07.09. um 19 Uhr. (Foto: © Ingo Solms)

Um das große Thema Kommunikation drehen sich drei Produktionen. „Unlikely creatures (II) – we dance for you“ von Verena Billinger und Sebastian Schulz beschäftigen sich um Gesellschaft und Öffentlichkeit. Popmusik, Satzfetzen aus Talkshows und Textfragmente prasseln auf die Zuschauer und Tänzer ein, die sehr gut die Überforderung des Einzelnen im immer mehr anschwellenden Informationsflut darlegt. So sehen am 08.09. um 21 Uhr in der Mittelhalle des Depots.

Um private Kommunikation geht es in „Wir fangen nochmal an“ von Anna-Lena Klapdor am 15.09. um 19 Uhr im Theater im Depot. Hier werden Feldpostbriefe und zeitgenössische SMS-Nachrichten miteinander verknüpft, in Dauerschleife gesetzt und in Dauerschleife von einem Chor rezitiert.

Wer am 08.09. schon im Depot ist, kann sich bereits um 19 Uhr die Produktion „Sonderbare Irre“ von SE Struck und Alexandra Knieps anschauen.Hier geht es um die neuen Medien, vor allem um die sozialen Medien, die den Typus des Selbstdarstellers befördert hat. Hier werden Posen von Instagram in tänzerisches Material umgewandelt. Das Smartphone kann als virtuelles Opernglas benutzt werden.

Auf Konzerte der besonderen Art können sich die Besucher ebenfalls freuen. Beispielsweise bei „Within“ von Tarek Atoui. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie hören eigentlich gehörlose Menschen Musik? Herbert Grönemeyer hat zwar schon eine Antwort: „Sie hört Musik nur wenn sie laut ist“, aber bei „Within“ am 16.09.18 werden wir um 17 Uhr in der Mittelhalle des Depots Musik mit allen Sinnen genießen können. Dabei wird extra ein für Dortmund entwickeltes Instrument ertönen.

Mit „Poems of the daily madness“ kommen wir in die Nachbarstadt Bochum. Claudia Bosse präsentiert am 13.09. um 21 Uhr in der Zeche Friedlicher Nachbar eine begehbare Oper. Es treten die allegorischen Figuren Poems, Hate crime, Madness und Terror auf. Die Frage, die im Raum steht, lautet angesichts der Schreckensmeldungen in den Nachrichten: Bewegen wir uns oder werden wir bewegt?

Wenn es eine Künstlerin im arabischen Raum gab, deren Ruhm einer Callas vergleichbar war, dann war es die ägyptische Sängerin Oum Kaltoum. Ihr wird beim Konzert am 12.09. um 20 Uhr im Theater im Depot gedacht. Interpretiert werden ihre Lieder von der Opernsängerin Ruth Rosenfeld , dem Gastsänger Abdulrahman Afar und dem NRWedding Orchestra for Middle Eastern Music unter der Leitung von Ariel Efraim Ashbel.

Das gesamte Programm und weitere Information zu Karten und Preise finden Sie unter: http://favoriten-festival.de/