Jugendtheaterstück um die Mechanismen und Folgen von Cybermobbing

Die Premiere der neuen Produktion des jungen Ensembles Kulturbrigaden
unter der Leitung von Rada Radojcic „Alle außer das Einhorn“
(Kirsten Fuchs) befasste sich am 27.09.2019 im Theater im Depot
(Dortmund) eindringlich mit den Mechanismen und Folgen von
Cybermobbing.

Erzählt wird die
Geschichte von der Schülerin Netti (genannt das Einhorn), die von
einer Mädchen-Gang um die neue in der Klasse „Fever“ (eigentlich
Gesine) auf das Übelste gemobbt und gedemütigt wird. Die die von
Fever gegründete Chatgruppe nennt sich bezeichnenderweise „Alle
außer das Einhorn“. Selbst ihr bester Freund Julius wird zum
Mitläufer und lässt sie im Stich. Lügen, Hasskommentare,
Beleidigungen und Drohungen werden in dem anonymen Chatraum im Netz
immer dreister. Kontrolle ist nicht mehr möglich. Die Eltern, Lehrer
oder der Busfahrer sind hilflos, denn Netti öffnet sich nicht
wirklich mit ihrem Problem.

Gerade wurde mit der
Klasse eine Projektwoche zum Thema „Mobbing“ durchgeführt. Die
Ergebnisvorstellung und ein Kostümfest soll das Projekt beenden. Als
die besorgte Mutter von Netti die Hasskommentare im Handy ihrer
Tochter entdeckt, stellt die Lehrerin die SchülerInnen zur Rede.

Das Einhorn wird Opfer von Cybermobbing. Das eindringliche Stück der Kulturbrigaden zeigt die Folgen. (Foto: © Kulturbrigaden/Rada Radojcic)
Das Einhorn wird Opfer von Cybermobbing. Das eindringliche Stück der Kulturbrigaden zeigt die Folgen. (Foto: © Kulturbrigaden/Rada Radojcic)

Sie lässt sich aber
zu gerne von den Schülern erzählen, dass die Mobbing-Attacken auf
Netti nur ein Experiment waren.

Der Name „Netti“
(Janette) kann hier als Synonym für lieb und nett gesehen werden.
Netti will nur ein Teil der Gemeinschaft sein. Im Laufe des Abends
gewinnt sie jedoch, wohl auch weil ihr alter Freund Julius wieder zu
ihr hält, an Stärke und Widerstandskraft. So ändert sich alles am
Tag des Kostümfests. Eigentlich soll „das Einhorn“ dann endlich
mal so richtig auf das Horn kriegen, dann steckt aber jemand anderes
in Nettis Kostüm…

Die sechs
SchauspielerInnen plus Rada Radojcic als Nettis Mutter spielten ihre
Rollen intensiv und glaubhaft. Das Publikum konnte auf einem Monitor
immer die eingehenden Hassbotschaften verfolgen. Die wurde oft von
den SchauspielerInnen dann auch noch einmal gesprochen.

Die Mädchen-Gang um
Fever stachelten sich immer wieder in einer Gewaltspirale an, um sich
um so stärker zu fühlen. Julis machte lange Zeit mit schlechtem
Gewissen mit.

Deutlich wurde bei
Fever, dass frühere Opfer oft selbst zum Täter werden. Sie haben
eine große Angst davor, wieder zu einem „verletzlichen Einhorn“
zu werden. Die Opfer schweigen oft aus Scham, zweifeln im schlimmsten
Fall an sich selbst, und vertrauen nicht auf die Hilfe von Lehrern,
Eltern oder Polizei und anderen. Wie wichtig ein Freund ist, zeigt
diese Geschichte.

Die Unsicherheit der
Lehrerin und die Verzweiflung der überforderten Mutter kamen durch
die Schauspielerinnen gut rüber.

Eine transparente
Trennwand symbolisierte den Abstand zwischen Tochter und Mutter
treffend. Trotz großer Anstrengungen schafft es die Mutter nicht,
mit ihrer Tochter in ein konstruktives Gespräch zu führen und
eventuell Hilfe von professioneller Seite zu suchen und zu finden.

Die Inszenierung
wurde mit eingespielten Pop oder auch Rap-Songs aufgelockert. Eine
schöne Choreografie und unterschiedliche Tiermasken sorgten für den
Showdown.

Am Ende wird noch
wird noch per Monitor Hilfsadressen für betroffene von Cybermobbing
eingeblendet.

Ein hochbrisantes
und aktuelles Thema, deren Folgen sogar schon Menschen in den Tod
getrieben hat.

Wäre zu wünschen,
das dieses Stück an vielen Schulen gezeigt würde!

Weitere
Informationen zum Programm des Theaters im Depot unter
0231/ 9822336 oder
aus dem Programmheft vor Ort in der Immerma
nnstr.
29 in Dortmund.




Sophie Scholl und die Gewissensentscheidung

Im kleinen intimen Bühnenraum Sckelly des Dortmunder Kinder- und
Jugendtheaters (KJT) hatte am 26.09.2019 mit „Name: Sophie Scholl“
von Rike Reiniger (ab 14 Jahre) unter der Regie von Annette Müller
ein besonderes Solo-Stück seine Premiere. Für die
KIT-Schauspielerin Ann-Kathrin Hinz war ihre erst Solorolle eine
große Herausforderung.

Worum geht es: Die
junge Jura-Studentin Sophie Scholl hat gerade ihre wichtige
Examens-Abschlussarbeit absolviert und abgegeben. Nun steht sie vor
der schweren Entscheidung, ihren korrupten Professor durch eine Lüge
als Zeugin vor Gericht zu schützen und ihre Karriere zu gefährden,
oder die Wahrheit zu sagen und die angeklagte Sekretärin der Uni mit
ihrer Aussage zu entlasten. Dass sie den Namen der
Widerstandskämpferin Sophie Scholl (1921–1943) die wegen ihrer
klaren Gewissensentscheidung gegen das Nazi-Regime ermordet wurde,
macht ihr die moralische Entscheidung nicht leichter….

Der Bühnenraum wird
zu einem Assoziationsraum, dicht mit verschieden großen
Druckbuchstaben beschriebenen Wandtafeln versehen. Auf den Wandtafeln
stehen einzelne Worte wie „Heimat“, „No Future“, prägnante
Artikel aus dem Grundgesetz, besonders groß „Freiheit“ und viele
anderen Begriffe.

Die beiden
Persönlichkeiten werden von Ann-Kathrin Hinz abwechselnd
gegenübergestellt. Sie schlüpft aber nicht nur in die beiden
Rollen, sondern auch in die der verschiedenen Wegbegleiter. Außerdem
bewältigt sie einen rasanten Wechsel in verschiedene Zeitebenen.

Mal ist sie das am
Anfang naiv begeisterte BDM-Mädchen Sophie Scholl, dann die
lebensfrohe junge verliebte Frau oder am Ende die bis zu ihrem Ende
standhaft-klare Persönlichkeit. Dann stellt sie wieder glaubhaft die
in ihrem moralischen Dilemma verzweifelte Jura-Studentin mit all
ihren Facetten dar.

Ein großes
Kompliment für diese Leistung. Die Schauspielerin war ein Glücksfall
für diese anspruchsvolle Aufgabe. Sie konnte ihre vielseitigen
Talente, wie etwa Schauspiel oder Gesang, hier voll zur Geltung
bringen.

Mit ihrer
Körperlichkeit und dem geschickten Einsatz der Stimme, leise oder
verzagt, mal wütender, mal laut, zog sie das Publikum in den Bann.
Wie die beiden Schicksale erst nebeneinander stehen, dann plötzlich
auf einander prallen, erzeugte eine Spannung und berührte die
Anwesenden.

Ann-Kathrin Hinz brachte durch ihr körperliches Spiel die Zerrissenheit der Figur Sophie Scholl gut zum Tragen. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Ann-Kathrin Hinz brachte durch ihr körperliches Spiel die Zerrissenheit der Figur Sophie Scholl gut zum Tragen. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Entscheidung,
sich für humanistisch-moralische gesellschaftliche Werte einzusetzen
und nicht durch allgegenwärtige Instrumentalisierung von Ängsten
lähmen zu lassen, ist gerade in der heutigen Zeit (wieder) von
Bedeutung.

Welchen Wert hat die
Wahrheit, Loyalität? Welche persönliche Verantwortung trägt der
Einzelne? Lässt sich das Private vom Politischen trennen?

Der Heute-Bezug
wurde besonders klar, als die Schauspielerin zunächst als Sophie
Scholl ein Lied der Hitlerjugend sang, und später eine fetzige
YouTube-taugliche Version darbot. Wie verführbar sind wir heute
durch solche dumpf-nationalistischen Liedtexte im modernen Gewand?

Atmosphärisch stark
begleitet wurde die Vorstellung durch die intensiven Sounds von
Michael Lohmann. Er sorgte für die leisen wie lauten stimmungsvolle
Melodien und Songs, ob als Begleitung oder im Vordergrund. Mit
relativ wenigen Requisiten wurde die passende Stimmung geschaffen.

Eine eindrucksvolle
Inszenierung, die mit Standing-Ovations belohnt wurde.

Karten und Infos
über weiteren Aufführungen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de oder Tel.:
0231/ 50 27 222.




Verrückt nach Liebe

Intensives Solostück mit Sandra Schmitz im Fletch Bizzel

Diese Frau hat einiges durchgemacht. Paula Spencer war schon mit zwölf für alle die Schlampe. Jetzt ist sie 39, fünffache Mutter, vom Leben gezeichnet durch die Übergriffe des Vaters, abgestumpfte Lehrer, verrohte Mitschüler, ein Prügel-Opfer der verkorksten Verhältnisse und ihres brutalen Ehemanns Charlo. Paula ist „Die Frau, die gegen Türen rannte“, ihre Geschichte ist ausführlich nachzulesen in einem Roman des irischen Booker-Preisträgers Roddy Doyle. Der brisante Stoff wurde von Oliver Reese für die Bühne bearbeitet, der packende Monolog wurde seitdem von zahlreichen Bühnen sehr erfolgreich nachgespielt. Ab dem 4. Oktober ist das Stück in Dortmund im Theater Fletch Bizzel zu sehen. In einer Inszenierung von Hans-Peter Krüger spielt Sandra Schmitz die Paula Spencer als innerlich zerrissene Frau, die dennoch nie aufgibt und sich am Ende als bärenstarke Kämpferin in Stellung bringt.

Sandra Schmitz spielt die Figur der Paula Spencer in "Die Frau, die gegen Türen rannte" im Fletch Bizzel. (Foto: © Standout)
Sandra Schmitz spielt die Figur der Paula Spencer in „Die Frau, die gegen Türen rannte“ im Fletch Bizzel. (Foto: © Standout)

Auf
verstörende Weise ist Paula fasziniert, von dem Mann, der sie grün
und blau prügelt. Im Krankenhaus erklärt sie ihre Verletzungen
stets damit, sie sei gegen eine Tür gelaufen. Nun ist Charlo tot,
ein Opfer seiner kriminellen Seitensprünge, und seine Witwe beginnt
zu sprechen. Auf der Probe geht es mitunter
laut zu, weil DJ Joey Porner das dramatische Geschehen mit Pop-Songs
von den Rubettes bis Rammstein mit einem musikalischen Soundteppich
unterlegt, den er je nach der Situation durch verschiedene Effekte
verfremdet. Dabei agiert er mit seinen Geräten live auf offener
Bühne und ist auf diese Weise ein sprachloser und doch nicht stummer
Dialogpartner von Paula Spencer. Zwischendurch wird er deshalb von
ihr auch schon mal angeschnauzt, muss Requisiten anreichen und dient
ihr so des Öfteren als kongenialer Punching-Ball. „Ich habe nicht
geheiratet, um meinem Vater eins auszuwischen. Und ich war auch nicht
schwanger. Es war Liebe“ , schreit Paula im Stück, „wir liebten
uns. Ich war verrückt nach ihm, er war verrückt nach mir!“ Und
der Sound korrespondiert mit diesem Wutausbruch, indem er der Frau
auf irritierende Weise einen Loop des Rubettes-Hits „Sugar baby
love“ immer wieder auf die Ohren knallt. So wird das
Geschehen eben nicht nur untermalt, sondern geradezu kommentiert,
wodurch, so die Idee des Regisseurs, eine zweite spannende
Erzähl-Ebene entsteht.

Der
Text ist pures Schauspielerfutter, er lotet alle emotionalen Höhen
und Tiefen einer Frau wie Paula Spencer aus, einer Alkoholikerin, die
inmitten der Trümmer ihres Lebens aufbegehrt und sich verrückt nach
Liebe ihre Qual von der schwer verletzten Seele redet.

Termine:
4. Oktober (Premiere),

5., 18. Und 19. Oktober

29. November

Weitere Infos und Karten unter www.fletchbizzel.de




Eine besondere Ballettgala mit russischem Flair

Einen grandiosen Tanzgenuss erlebten
die Gäste der 30. Internationalen Ballettgala im Dortmunder
Opernhaus. Im Rahmen der Russischen Kulturtage zeigten die Stars des
St. Petersburger Mariinsky-Theaters und des Bolshoi-Theaters aus
Moskau ihre in Perfektion getanzten Choreografien. Die Ballettschulen
in St. Petersburg und Moskau stehen in einer langen Tradition des
klassischen Balletts.
Die Bürger verehren ihre TänzerInnen regelrecht und begeistern sich
für den puristischen Ansatz der Aufführungen.

Im
April 2019 trat die Dortmunder Ballett Compagnie in St. Petersburg
auf und wurde vom begeisterten Publikum mit Standing Ovations
belohnt. Auf Wunsch und mit Unterstützung des russischen
Kulturministeriums kamen die Dortmunder nun am 21. und 22. September
2019 in den Genuss dieses Gegenbesuchs der russischen Kompanien.

Diese
besondere Ballettgala widmete sich ausschließlich der russischen
Ballettkunst und steht damit einmalig in der erfolgreichen Historie
der Internationalen Ballettgalas des Balletts Dortmund.

Die
Aufführung stand in dieser klassischen Tradition mit hochkarätigem
Spitzentanz und sprunggewaltigen Tanzeinlagen, zeigte aber auch
mitreißende Choreografien in zeitgenössischem Stil. Die technische
Perfektion mit kurzen Schrittfolgen, kraftvollen Sprüngen und
zahlreichen Pirouetten war sehr beeindruckend. Großformatige
Fotografien mit wechselnden Motiven aus St. Petersburg, griechischen
Tempeln, Wiener Ballsälen und einem wunderbaren Blick über Paris
unterstützten die jeweiligen Choreografien.

Im
Pas de deux ließen die weiten Sprünge der Irina Perren in die Arme
von Marat Shemiunov dem Publikum fast den Atem stocken. Unglaublich
mit welcher federhaften Leichtigkeit die Solistin diese
Höchstleistung darbot. Dieses Vertrauen auf den Tanzpartner zeigte
sich auch in vielen weiteren Pas de deuxs.

Das
Dortmunder Ballett von Xing Peng Wang tanzte überwiegend im Stil des
Modern Dance, blieb aber mit Musik von Astor Piazolla, Peter
Tschaikowsky und Carl Maria von Weber dem klassischen Gesamtkonzept
treu. Der adaptierte argentinische Tango von Piazolla, getanzt von
Anna Tsygankova und Constantine Allen war ein mitreißendes Plädoyer
für einen leidenschaftlichen Tanzstil.

Zu
Begeisterungsstürmen führte auch der zweite Tanz von Irina Perren
und Marat Shemiunov, die zur Melodie „Je suis malade“ von Alice
Dona eine leidenschaftliche Beziehungskrise verkörperten. Die
Spannung und Emotionalität der Auseinandersetzung war mit Händen zu
greifen.

Beim
Grand Pas de deux aus „Don Quichotte“ brillierte Elena Evseeva
mit enormer Geschwindigkeit und Ausdauer bei den Pirouetten.

Das
Publikum war begeistert von der gelungenen Aufführung und belohnte
die Compangien mit langem Applaus und stehenden Ovationen.

Im
Frühjahr 2020 eröffnet das Dortmunder Ballett mit dem
Sommernachtstraum das Tanzfestival in in St. Petersburg.




Name: Sophie Scholl – Wir sind selbst unser Gegner!

In dem Solostück „Name: Sophie Scholl“ beleuchtet Regisseurin
Annette Müller die Folgen des immer Stärker werdenden
Leistungsdrucks in der Gesellschaft. Was ist die Protagonisten bereit
dafür zu tun, und hat ihre berühmte Namensvetterin vielleicht doch
einen Einfluss auf ihre Entscheidung? Die Premiere des Stückes
findet am 26. September 2019 um 19 Uhr im intimen Raum des Sckelly
statt.

Annette Müller
präsentiert uns eine Sophie Scholl, die durch die ständigen
Vergleiche mit der historischen Sophie Scholl ziemlich neurotisch
geworden ist. Zumal sie nur durch die erneute Heirat ihrer Mutter dem
Namen trägt. „Das werde ich sowieso nicht erreichen“, ist ihre
Konsequenz aus den ständigen Vergleichen.

In dem Stück hat
Sophie (Ann-Kathrin Hinz) ein Problem: Sie muss als Zeugin aussagen.
Was sie aussagt, hat Konsequenzen. Entweder wird eine Unschuldige
wegen Betruges verurteilt oder der wahre Täter wird ihre Karriere
als angehende Juristin zerstören. Eine schwere Entscheidung, denn
der Preis der Wahrheit ist hoch. Hier verknüpft sich wieder die
Frage, vor der auch die historische Sophie Scholl stand: Schweigen
oder Reden.

Sophie Scholl (Ann-Kathrin Hinz) ist in der Klemme: Wahrheit oder Karriere. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Ann-Kathrin HinzSophie Scholl (Ann-Kathrin Hinz) ist in der Klemme: Wahrheit oder Karriere. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Natürlich sind die
Konsequenzen, die die historische Sophie Scholz zu spüren bekam,
nicht annähernd so gravierend wie der modernen. Dennoch mussten sich
beide den Fragen nach Loyalität und Korrumpierbarkeit stellen. Wie
weit bin ich bereit zu gehen und wann ist die rote Linie
überschritten. Kam der Druck in der NS-Zeit noch von außen, sind
wir in unserer heutigen Zeit selbst der Gegner. Wenn du scheiterst,
ist es deine eigene Schuld. Selbstoptimierung ist die neue Religion
geworden.

Regisseurin Annette
Müller ist gelernte Schauspielerin und hat lange in Wiesbaden und
Marburg gearbeitet. In den letzten Jahren inszenierte sie
Tanztheater, wodurch auch diese Inszenierung sehr körperlich sein
wird. So wird Ann-Kathrin Hinz sehr aktiv agieren. Für Müller ist
dies Stück ein „ästhetischer Geschichtsunterricht“.

Auf der Bühne
werden „beschriebene Wände“ zu sehen sein, da die historische
Sophie Scholl an die „Macht des Wortes glaubte, denn sie war sehr
gebildet und belesen“, so Annette Müller. Ebenso wird die Musik
uns in die Zeit der historischen Sophie Scholl zurückführen.

Weitere
Informationen unter: www.theaterdo.de




Kulturbrigaden-Produktion zum brisanten Thema Cybermobbing

Am Freitag, dem 27.09.2019 um 20:00 Uhr hat die neueste Produktion
der jungen Theatergruppe der Kulturbrigaden unter der engagierten
Leitung von Rada Radojcic „Alle ausser das Einhorn“ (ab 10 Jahre)
von Kirsten Fuchs im Theater im Depot (Dortmund) seine Premiere.

Die bisher gezeigten
Aufführungen früherer Produktionen der Kulturbrigaden zeichneten
sich immer auch durch besonders eindrucksvolle Kostüme und Masken
sowie Choreografien aus.

Das neue Stück ist
etwas naturalistischer gehalten. Aber keine Sorge, beim Kostümfest
gegen Ende kommen die Freundinnen und Freunde der schönen Masken und
Kostüme auf ihre Kosten.

„Das Problem
„Cybermobbing“ in seinen extremen Auswirkungen, die oft außer
Kontrolle geraten können“, so Rada Radojcic, nimmt leider immer
mehr zu. So wurde das Thema von den beteiligten jungen
Schauspielerinnen und Schauspielern ausgewählt. Auch wenn es schon
früher Mobbing in den Schulen (oder im Beruf) gab, sind die
Dimensionen und Folgen durch die große Verbreitung über Social
Media weitaus schwerwiegender.

Sieben
Schauspieler*innen sind diesmal mit von der Partie. Die Hauptrolle
der Netti (genannt „Das Einhorn“) spielt die Jugendliche Mary
Schilkmann.

Das Einhorn wird gemobbt. Die "Kulturbrigaden" sprechen das dringende Thema "Cybermobbing" in ihrem neuen Stück "Alle ausser das Einhorn" an. (Foto: © Kulturbrigaden / Rada Radojcic)
Das Einhorn wird gemobbt. Die „Kulturbrigaden“ sprechen das dringende Thema „Cybermobbing“ in ihrem neuen Stück „Alle ausser das Einhorn“ an. (Foto: © Kulturbrigaden / Rada Radojcic)

Zum Stück: „Alle
ausser das Einhorn“ heißt auch die Chatgruppe der Klasse von
Netti. Sie darf nicht mitmachen, sondern muss hilflos zusehen, wie
immer mehr Lügen, Hasskommentare und Drohungen auf ihrem
Handydisplay landen. Die neue Mitschülerin Fever hat nun das Sagen,
und selbst Nettis bester Freund Julius hält nicht mehr zu ihr.
Ironischerweise findet das Mobbing von Netti gerade auch während
einer Projektwoche zu dem Thema statt. Eltern und Lehrer sind
überfordert. Beim abschließendem Kostümfest soll „das Einhorn“
endlich richtig aufs Horn kriegen. – doch dann passiert unerwartetes…

Per Videoprojektion
werden entsprechende „Hassmails“ nicht nur zu sehen sein, und auf
Musik und Tanzchoreografien wird nicht ganz verzichtet.

Geplant (und
wichtig) ist, mit dieser Produktion auch an die Schulen zu gehen.

Am Samstag, dem
28.09.2019 gibt es ebenfalls um 20:00 Uhr eine weitere Aufführung
des Stücks.

Karten unter:
ticket@theaterimdepot.de
oder 0231/ 9822336

Ort: Theater im
Depot / Immermannstraße 29 in Dortmund




Ein besonderer Pinguin auf der Suche nach Freundschaft und Glück

Im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) hatte am Freitag, den
20.09.2019, das Stück „Ginpuin“ (ab 4 Jahre) Premiere. Die durch
viele schöne Produktionen bekannte KJT-Regisseurin Antje Siebers hat
die Bühnenfassung von Winnie Karnofka nach einem Bilderbuch (Barbara
van den Speulhof und Henrike Wilson) fantasievoll und mit viel Humor
inszeniert. Es ist eine Geschichte vom anders ein und dem starken
Wunsch nach Akzeptanz, Zugehörigkeit, Freundschaft.

In einer arktischen
Landschaft mit Eisschollen und Eisberg (dargestellt mit beleuchteten
hellen Holzplatten) auf der Südhalbkugel unseres Planeten erscheint
ein neuer Pinguin. Er ist anders als die anderen Pinguin, obwohl er
äußerlich genauso aussieht. „Ginpuin“ verdreht die Buchstaben.
Aus „dankeschön“ wird so etwa „schankedön“. Die anderen
Pinguine lachen (zunächst) über ihn und geben ihn seinen
Spitznamen. Traurig macht sich Ginpuin auf eine lange Reise bis zum
anderen Ende der Welt, um sein Glück zu finden und ein Held zu
werden. Er begegnet anderen Tieren und einer freundlichen Fischerin,
die ihn mitnimmt. Auf einer grünen Insel wird er sogar sehr
glücklich. Das ist aber noch nicht das Ende der Geschichte…

Ein großes
Kompliment für die wunderbaren humorvoll-fantasievollen Kostüme und
Ausstattung von Julia Schiller. Für die atmosphärischen
Videoprojektionen im Hintergrund mit zum Beispiel einem schönen
Nachthimmel oder Sonnenuntergang sorgte Peter Kirschke. Mit Humor,
Spielfreude, kleinen Tanz- sowie Gesangseinlagen überzeugten die
KJT-Schauspieler: Bianka Lammert als cooler, sprechender „Eisberg“
und relaxt-entspannte, an die Hippie-Zeit erinnernde „grüne
Insel“.

Auf einer grünen Insel wird Ginpuin (Bettina Zobel, rechts) glücklich. Mit auf dem Bild: Die Ensemblemitglieder Thorsten Schmidt; Jan Westphal und Bianka Lammert  (v.l.n.r.). Foto: © Edi Szekely)
Auf einer grünen Insel wird Ginpuin (Bettina Zobel, rechts) glücklich. Mit auf dem Bild: Die Ensemblemitglieder Thorsten Schmidt; Jan Westphal und Bianka Lammert (v.l.n.r.). Foto: © Edi Szekely)

Mit viel Spaß an
der Verwandlung schlüpften auch Thorsten Schmidt und Jan Westphal
gleich in mehrere Rollen als Pinguine und andere Tiere. Bettina Zobel
hatte in ihrer Rolle als Ginpuin die große Herausforderung, die
Sprachverdrehungen unfallfrei vorzutragen. Sie tat es mit einer
lockeren Selbstverständlichkeit.

Neben den vier
Schauspielern stand auch noch die Musikerin Maria Trautmann. Mit
passenden Hintergrundklängen und Songs sorgte sie nicht nur live auf
der Bühne mit verschiedenen Instrumenten (z.B. Posaune oder
Synthesizer) für eine besondere Stimmung, sondern überzeugte auch
als Fischerin.

Am Ende kommt auch
die drohende Eisschmelze durch den Klimawandel zur Sprache.

Rührend und etwas
naiv, wie am Ende alle gemeinsam versuchen, durch das Aussprechen von
Begriffen, die Kälte assoziieren („Eis am Stil“ u.a.) das
drohende Schmelzen des Eisbergs zu verhindern.

Informationen zu
weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de oder Tel:
0231/ 50 27 222.




Joel Roters ist der DEW21 Kunstpreisträger 2019

Mit seinem experimentellen Umgang mit Form und Materialität hat Joel
Roters
die Jury überzeugt. Seine kleinformatigen Werke
beschäftigen sich mit Form, Textur, Oberfläche und Material. Der
Künstler kann sich auf den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Preis
freuen. Er setzt sich zusammen aus 2.500 Euro Preisgeld und 7.500
Euro für eine Einzelausstellung mit Katalog im kommenden Jahr. Auch
ein Förderpreis wurde verliehen: In diesem Jahr kann sich Catherina
Cramer
über den Preis freuen, der mit 2.500 Euro dotiert ist und
der der Unterstützung von Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern
dient. Darüber hinaus zeigt das Museum Ostwall bis zum 24. November
2019 Arbeiten der anderen zwölf Nominierten.

Die
Einzelausstellung gehört der letztjährigen Preisträgerin Lena
von Goedecke
. Sie erkundet mit „FULL FANTHOM FIVE“ die Welt
der Arktis in Installationen, Fotografien und Papierschnitten. In
diesen unwirtlichen Räumen kommen wir Menschen an unsere Grenzen.
Die Welt der Gletscher und Berge gehört zu den extremen
Landschaftserfahrungen.

Zwischen Zeichnung, Relief und Malerei wirken die Arbeiten von Joel Roters.
Zwischen Zeichnung, Relief und Malerei wirken die Arbeiten von Joel Roters.

Was gibt es in der
Ausstellung im Museum Ostwall noch zu sehen: Mit von Goedecke war
auch die Künstlerin Anne Kristin Kristiansen auf dem
Forschungsschiff in der Artkis. Sie bringt in ihren Arbeiten den
Sound der Arktis ins Museum Ostwall.

Einen sehr persönlichen Film präsentiert Florian Andreas Dedek. „Dann muss es ja ein weiss ich was gutes geben“ setzt sich mit der Geschichte seiner Eltern auseinander, die in den 80er Jahren als angebliche RAF-Unterstützer acht Jahre im Gefängnis saßen.Ein bedrückendes Kapitel beschriebt Cornelia Suhan in ihren Werken „Stumme Zeugen“. Suhan hat Orte in Bosnien fotografiert, wo Frauen im Bosnienkrieg Vergewaltigungen zum Opfer fielen.

Spannende Malerei
zeigt Markus Willeke, die sich mal mit Alltagsgegenständen
beschäftigen oder in denen er mit Hell-Dunkel-Kontrasten arbeitet.

Tim Cierpiszewski
interessiert sich sehr für die Kunst umgebende Architektur. Er
bezieht den architektonischen Kontext bewusst in seine Kunst ein.

Colin Penno
bemalt riesige Plastiken, mit mit vielen Farbschichten versehen sind.
Sie wirken wie zufällig, sind vom Künstler jedoch am Computer
vorkonzipiert.

In den Arbeiten von
Denise Werth entstehen Bilder, die zwischen Abstraktion und
konkreten Bilden mäandern. Die Basis der Bilder von Sebastian
Bartel
sind bildgebende Verfahren aus der Wissenschaft. Aus
seinen Arbeiten entsteht ein begehbares Bild mit im Raum platzierten
Malereien, Objekten und Collagen.

Im Film „A boxed
rebellion“ von Catherina Cramer geht es um Menschen, die
sich in den sogenannten Aufbewahrungsboxen befinden. Statt
Gegenstände zu lagern, leben sie dort wie in einer Art WG. Das Ende
ist offen gehalten.

Barbara Deblitz
zeigt ihre Materialinstallationen, die in einem intuitiv-assoziativen
Prozess entstehen. Schritt für Schritt werden Videos, Objekte,
Fotografien und Alltagsgegenstände kombiniert.

Die postindustrielle
Umgebung des Ruhrgebiets fasziniert Nils Bleibtreu. Er
randaliert regelrecht in seinen Bildern, die auch mal mit
Spannbändern zusammengehalten werden. Bleibtreu benutzt
Baumaterialien wie Bitumen, Staub, Sand oder Autolacke.

Ivonne Thein
hinterfragt den Wandel des zeitgenössischen Körperbildes und den
Status des Künstlers auf dem Kunstmarkt. Hierfür benutzt sie Medien
wie Fotografie, Video, Skulptur und Installationen.




„Madame Butterfly“ und die Tragik einer Desillusionierung

Im Dortmunder Opernhaus hatte am 15. September 2019 die tragische
Oper „Madame Butterfly“ von Giacomo Puccini (1858 – 1924) in
drei Akten mit dem Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
seine vom Publikum gefeierte Premiere.

Die emotional
bewegende Musik von Puccini wurde durch die Dortmunder Philharmoniker
unter der engagierten Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz.
Unterstützt wurden die Sängerinnen und Sänger zudem vom Opernchor
Theater Dortmund (Leitung: Fabio Mancini) sowie der Statisterie und
Kinderstatisterie (Theater Dortmund).

Beeinflusst war
Puccini für seine Oper zum einen von der der Tragödie „Madame
Butterfly“ (David Belasco) wie auch von der gleichnamigen
Kurzgeschichte des Autors John Luther Long. Musikalischen flossen in
diese italienische Oper nicht nur rein japanische Motive in das Werk
ein, sondern als Ideengeber diente zudem eine in der Schweiz
hergestellte Spieluhr mit chinesischer Folkloristik.

Die moderne
Inszenierung von Regisseur Tomo Sugao spielte bewusst mit gängigen
Japan-Amerika-Klischees, mit traditionellen (Kimono, Samurai-Krieger)
wie modernen Elementen (Projektion, Handy oder von japanischen Mangas
oder Schuluniformen beeinflussten Kleidungsfragmenten). Alles in den
amerikanischen Farben blau, weiß und rot gehalten.

Entsprechend der
Perspektive (Brille) des amerikanischen Marineoffiziers Pinkerton
(stark Andrea Shin) wurde die Hochzeitsgesellschaft entsprechend
gekleidet. Die Bühne war komplett mit japanischen Schiebetüren und
Raumteilern (Shoji-Stil) ausgestattet, die sich wunderbar flexibel je
nach Bedarf einsetzen ließen und mit denen gespielt werden konnte.

In der Handlung
benutzt Marineoffizier Pinkerton das vom etwas
schleimig-anbiederischen Vermittler Goro (humorvoll-ironisch
dargestellt von Fritz Steinbacher) erworbene Haus in Nagasaki samt
Geisha Cio-Cio-San und Dienerschaft als amüsantes Spielzeug. Er will
die exotisch reizvolle junge Sio-Cio-San, von ihm „Butterfly“
(Schmetterling) genannt, pro forma heiraten. Nach geltendem Recht
kann er die Ehe jederzeit auflösen lassen, um später eine passende
Amerikanerin zu heiraten.

Madame Butterfly (Cio-Cio-San), sehr sensibel interpretiert und großartig gesungen von Anna Sohn, gibt alles für ihren „amerikanische Traum“ als die Ehefrau von Pinkerton auf. Sie gibt ihre Familie auf, die sie – angeführt von Onkel Bonzo (kraftvoll Denis Velev) – verstößt, als sie den katholischen Glauben ihres Mannes annimmt. Außerdem wartet sie drei Jahre geduldig mit ihrem inzwischen geborenen kleinen Sohn auf die Rückkehr ihres Ehemannes.

Frank Philipp
Schlößmann schafft mit seinem Bühnenbild Raum für
Sehnsuchtsbilder, die die Hoffnung und Erwartungs-Illusionen von
Butterfly verdeutlichen. So kreisen im Hintergrund Projektionen der
Freiheitsstatue oder es ist eine große amerikanische Flagge zu
sehen, die am Ende desillusioniert heruntergefahren wird.
Atmosphärisch wird das Licht eingesetzt, und zwei gegeneinander
fahrbare Ebenen mit Lichtrahmen sorgen für immer neue Bildeindrücke
und -ausschnitte.

Zentral ist die
Brautthematik im Stück. Zunächst ist Butterfly in einem japanischen
Brautkimono gehüllt, beim Liebesduett trägt sie ein westliches
Brautkleid. Als Traum- und Spiegelbild wird ihr schon da die
„amerikanische Rivalin“ Kate Pinkerton (Penny Sofroniadou),
ebenso gekleidet gegenübergestellt.

Ihr treu zur Seite
steht immer die Dienerin Suzuki (Hyona Kim). Der Konsul Sharpless
(Mandla Mndebele) hat zwar Mitleid, kann aber auch nicht wirklich
helfen.

Als B.F. Pinkerton
nach drei Jahr mit seiner neuen Frau Kate zurück kommt, um den
kleinen Sohn nach Amerika mitzunehmen, bleibt der desillusionierten
Butterfly nur der Weg in den gemeinsamen Tod mit ihrem Sohn. Hier
nimmt der Regisseur eine kleine Änderung vor, denn in der
Ursprungsfassung überlebt das Kind.

Informationen zu
weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de




Zu Besuch in der stillen Stadt

Nach Bochum kam die „Silent City“, die neue Produktion von
artscenico, nach Dortmund ins Theater im Depot. Die Besucher hatten
am 06. und 07. September die Gelegenheit, eine Tour durch die
unterschiedlichen Ausformungen von Stille zu bekommen und unbekannte
Orte des Depots in der nördlichen Innenstadt Dortmunds zu erkunden.
Letztlich war nicht alle Still, denn Stille hat unterschiedliche
Ausprägungen.

Zu Stille passte
nicht eine große laute Menschenmenge, daher bildeten maximal sechs
Personen eine Gruppe, die dank eines Führers durch die
unterschiedlichen Räume und Situationen geleitet werden.

Der Barraum des
Theaters war der Startpunkt und die Gruppen wurden stündlich
durchgeführt. Im ersten Raum konnten wir eine Miniaturstadt
bewundern, deren Häuser aus Zubehör für Modelleisenbahnen kamen.
Stille war angesagt, ebenso wie beim Zeichner Joāo Garcia Miguel,
dem unsere Gruppe schweigend bei seiner Arbeit zusah.

Durch einen der
beiden regulären Eingänge des Theaters kamen wir zum „Labyrinth“
von Rita Costa. Wohl basierend auf einer Geschichte über eine
unsichtbaren Stadt, dessen Bewohner ihre Beziehungen mit einem roten
Faden markieren, bis es zu unübersichtlich wird und sie die Stadt
verlassen.

Beeindruckend bei "Silent City" war unter anderem Chino Monegas als Indio-Schamane. (Foto: © Guntram Walter)
Beeindruckend bei „Silent City“ war unter anderem Chino Monegas als Indio-Schamane. (Foto: © Guntram Walter)

Auch die Künstlerin
spann sich in einem roten Faden ein und befreite sich indem sie ihre
Oberbekleidung auszog.

Danach ging es mit
ungewöhnlichen Erfahrungen weiter, denn nicht die Lautlosigkeit
stand im Mittelpunkt, sondern die Blindheit. Wie eine Gruppe Blinde
im Mittelalter wurden wir vom Depot zum nebenliegenden Bunker
geführt. Die Räumlichkeiten gehören sicher zu den eindrucksvollen
orten. Die Sprüche, noch aus dem Zweiten Weltkrieg, lassen erahnen,
welche Schrecken die Menschen damals in den Bombennächten erleiden
mussten. Dazu passte die Performance „Burkas to the West“ (Rute
Alegria). „Mein Blut ist kein Abfall“ stand auf Slipeinlagen und
„Mein Körper ist rein“ war bei arabischer Musik zu lesen.
Frauen, die ihre Tage haben, gelten in verschiedenen Religionen als
„unrein“. Alegria präsentierte ein beeindruckendes Plädoyer
gegen diese Missachtung von Frauen.

Nach einem weiteren
Raum im Bunker kamen wir wieder ins Theater zurück und kamen zu
einem raum mit einem Waschbecken in der Mitte. Dort spielte Elisabeth
Pleß ihren Monolog „Gib’s auf!“ über eine Person, die
langsam, aber sicher in den Wahnsinn zu driften scheint. Am Ende
öffnete sie die Tür für die Performance von Roger Madueira „Not
even in your mother womb“.

Die Reise in den
gegenüberliegenden Gebäudeteil begann mit einer Tanzperformance von
Greta Garcia und Laura Morales. Die beiden spanischsprachigen
Künstlerinnen überzeugten nicht nur mit ihrer Darbietung, sondern
auch durch ihre Mimik und ihren Gesang.

Nachdem wir einen
Raum mit „toten Instrumenten“ durchquert haben. Gelangten wir an
einen länglichen mit Brotkrumen bedeckten Tisch. Hier fand
„Dinnervoice“ statt (Anna Hauke, Jose Francisco Veira). Viera
sang zu einem Gedicht einer österreichischen Autorei mit einer
selbsterarbeiteten Melodie, die an Kunstlieder von Schubert oder
Brahms erinnerte.

Danach gelangten wir
in den „Garten des emotionalen Gleichgewichts“. Hier begegneten
wir Cynthia Scholz, Rodolfo und Salma Parra sowie Chino Monagas. In
verschiedenen Rollen. Waren Rodolfo und Salma Parra die Hüter des
Zen-Gartens und der rituellen Handwaschung, v erzauberten Cynthia
Scholz als Voodoo-Priesterin und Chino Monegas als Indio-Schamane.

Der Abschluss war
bedrückend. Beim „Bettsitzer“ (Hans Eckert, Jürgen Dilling) saß
man einzeln am Bett eines Sterbenden. Eine sehr emotionale Begegnung
mit dem Tod als „endgültige Stille“.

Insgesamt war die
Tour durch die „stille Stadt“ eine beeindruckende Erfahrung. Vor
allem die stillen Momente im Bunker waren teilweise sehr berührend
und verstörend zugleich. Stille muss man aushalten können, jeder
muss selbst nach dem eigenen „Sound of silence“ forschen.

Aber auch die
Stationen mit „Ton“ waren beeindruckend. Es ist nahezu unmöglich,
irgendjemand herauszuheben, da alle Künstlerinnen und Künstler
wirklich klasse Leistungen gezeigt haben. Mir persönlich haben Rute
Alegria im Bunker und Hans Eckert, Jürgen Dilling einen Tick besser
gefallen, da es sehr emotional war. Die eine mit einem
gesellschaftlichen Statement, die anderen mit der Begebung mit einem
Sterbenden.