Familien gegen Nazis – in der Bredouille

Wie politisch korrekt ist unser Verhalten? Wo stehe ich, wo stehen
wir im Einsatz gegen Rechtspopulisten und neonazistische Strömungen
die sich überall ausbreiten? Wie verhält sich der Einzelne wenn
seine eigenen Privilegien bedroht sind? Wie groß ist die eigene
Zivilcourage ausgeprägt?

Mit
diesen und vielen ähnlichen, auch teils bis ins absurde getriebene
Fragestellungen, setzt sich Familie Altmann in der als Gameshow
inszenierten Satire „Familien gegen Nazis“ auseinander. Oft mit
witzigen Dialogen, aber dennoch bleibt einem das Lachen manchmal im
Halse stecken. Die Premiere ist gleichzeitig die Uraufführung des
Stücks. Jedes Familienmitglied spielt für eine Minderheit, wer
gewinnt bekommt eine Million, um seine Minderheitengruppe zu
unterstützen. Es kämpfen Stiefmutter Simone für die Jüdische
Gemeinde, Vater Thomas für das Tierwohl, Luise für die queere
Bewegung, Kevin für Behinderte und Ramona für die Flüchtlinge.
Schauplatz der Handlung ist eine in Bonbonfarben gehaltene Bühne,
auch die Kleidung der Protagonisten changiert in pastelligem Rosa,
Hellblau, Gelb und lindgrün oder auch kräftigem Pink..

In
der ersten Runde wird gebuzzert. Zuvor bekommen die Kontrahenten
unterschiedlich hohes Startkapital zugewiesen. Schon hier zeigt sich
eine perfide Bösartigkeit der Spielleitung für jeden
unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen zu schaffen. So erhält
Simone 5000€ für die in KZs getöteten Menschen mit einem rosa
Winkel. Während Vater Thomas für eine Million getötete
Kriegspferde auch eine Million gutgeschrieben bekommt.Kevin werden
als Vertreter der Behinderten die Arme auf dem Rücken gebunden. Wenn
er buzzern will, und das tut er häufig, muss er seine Stirn
einsetzen.

Hinreißend
sarkastisch führt Lea Annou Reiners als Moderatorin Elisabeth Brock
durch die Show. Keine Fragestellung in den einzelnen Spielrunden ist
ihr zu absurd, als dass Sie nicht eine Antwort erwartete. Was sind 90
Nazis in einer Ecke? Ein rechter Winkel! „Hahaha“. Wortkreationen
wie Nazipan, Heilikopter, Adolfopus sollen herausgefunden werden.
Tochter Ramona beginnt zu rebellieren, da sie eine ernsthafte
Auseinandersetzung mit dem Thema erwartete hatte. Eine hitzige
Diskussion entwickelt sich, in der sich die Familie zerstreitet. Die
Spielrunde ist allerdings beendet, alle kriegen sich wieder ein. Bei
„Wahrheit oder Pflicht“ wird deutlich wie schnell der Einzelne in
ein Dilemma geraten kann. Soll er der Pflicht nachkommen und dafür
Punkte einkassieren oder moralisch richtig handeln und dabei
verlieren? Wer trägt die Schuld wenn Menschen aus Pflichtgefühl
sterben? Der Befehlende/Spielleiter oder die Mitspieler/Mitläufer?
Gebe ich im Zweifelsfall mein Gewissen an der Garderobe ab und ziehe
mich zur Rechtfertigung meiner Taten auf den „Zwang“ zur
Pflichterfüllung zurück?

Verdienter Applaus für die Mitwirkenden von "Familien gegen Nazis". (v.l.n.r.) Berna Celebi, Uwe Rohbeck, Caroline Hanke. Max renft, Alida Bohnen, Annou Reiners, rene und melody von aniYo kore sowie Tobias Hoeft. (Foto: © Anja Cord)
Verdienter Applaus für die Mitwirkenden von „Familien gegen Nazis“. (v.l.n.r.) Berna Celebi, Uwe Rohbeck, Caroline Hanke. Max renft, Alida Bohnen, Annou Reiners, rene und melody von aniYo kore sowie Tobias Hoeft. (Foto: © Anja Cord)

Das
Spiel „Galgenmännchen“ stand Pate bei der nächsten Runde. Alle
sind in Overalls gekleidet, auf denen Klettstreifen auf den
Gliedmaßen angebracht sind. Für jede falsche Antwort wird ein
schwarzes Band aufgeklebt. Assoziationen an den Judenstern könnten
gewollt sein. Die willkürliche Bewertung der Antworten nimmt
Moderatorin Brock vor, schnell ist klar dass sie Ramona nicht
gewinnen lassen will. Brock schwingt eine neongelbe Schlinge als
Drohung für die Verliererin.

In
weiteren Spielszenen gerät die Familie immer wieder an ihre Grenzen.
Zerstreitet sich in egoistischen Entscheidungen, zweifelt an sich,
kämpft mit verschiedenen Wahrheiten und versucht trotz des
Verwirrspiels und der zahlreichen Provokationen, die „richtigen“
Entscheidungen zu treffen und dabei die Familie nicht zu spalten.

Regisseurin
Laura N. Junghanns inszenierte mit „Familien gegen Nazis“ ihre
vierte Regiearbeit am Dortmunder Theater. Es ist die erste in ihrer
Funktion als Leiterin des „Schauspielstudios am Theater Dortmund“
der Kunstuniversität Graz.

In
einem Interview antwortet sie auf die Frage warum die Familie im
Mittelpunkt des Stückes steht: Sich mit Familie zu beschäftigen,
heißt immer auch sich mit dem biologischen und historischen Erbe zu
befassen. Daher steht die Familie sinnbildhaft für die Verantwortung
und vielleicht auch Last, die jede*r Einzelne in dieser Welt zu
tragen hat.

Weitere
Termine: 13. Oktober 18.30h, 27. Oktober, 18.30h, 2.November 20h und
27. November 20h. Mehr Informationen unter www.theaterdo.de




Identität – wie wollen wir Leben?

Kann ein kompletter Reset uns einen Neubeginn verschaffen oder wäre
dies ein vergebliches Unterfangen? In dem Stück „Identität“ von
Sir Gabriel Trafique (Regie und Text: Björn Gabriel) trafen
Lebensentwürfe auf Utopien oder Dystopien. Die Dortmunder Premiere
war am 05. Oktober 2019 im Theater im Depot.

Auf der Bühne stand
ein großer mit Gaze bespannter Würfel. Auf der Vorderseite
erschienen Bilder, die zum Untertitel passten: „Schizoszenarien
unter kalbenden Gletschern“. Die Rahmenhandlung des Stückes
bestand aus einer Produktionscrew. Die Chefin (Anna Marienfeld) und
drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Dominik Hertrich, Mirka Ritter
und Kevin Wilke) wollen eine knallige Show, den „Hamster des
Jahres“ produzieren. Mit der ersten Staffel ist die Chefin noch
unzufrieden. Hier wird angesichts der Klimakatastrophe (sie sind das
apokalyptische Szenario) gezeigt, wie ignorant die Menschen darauf
reagieren. Trotz warnendem Nebelhorn wird Plastik en masse
weggeworfen und die Sprachlosigkeit der älteren Generation wird
angesprochen.

Später wird es
Matrix-haft „Du bist der Auserwählte“ heißt es da und Dominik
Hertrich steht vor der Bühne als Rufer in der Wüste „Was ist
Wahrheit?“, fragt er. Während hinter ihm auf der Leinwand Lippen
projiziert werden, die so aussehen wie Saurons Auge in „Herr der
Ringe“.

Eine "ultramediale" Inszenierung von "identität". (v.l.n.r.) Kevin Wilke, Anna Marienfeld, Dominik Hertrich und Mirka Ritter. Foto: © Solms
Eine „ultramediale“ Inszenierung von „identität“. (v.l.n.r.) Kevin Wilke, Anna Marienfeld, Dominik Hertrich und Mirka Ritter. Foto: © Solms

Im zweiten Teil
startet die Produzententeam den Hackerangriff, denn „nur wir Nerds
können die Welt retten“. Durch den Angriff werden Biografien
gelöscht. Gibt es eine neue Chance oder wird die Restauration
siegen? Die Bilanz sieht eher negativ sein. So sagt einer der
Aktivisten (Kevin Wilke) „Ich rieb mich auf für einen Idealismus,
der mich zerstört. Ich muss mich um meine Bedürfnisse kümmern“.
Hat der Kapitalismus also trotz Hack immer noch überlebt? Bietet er
die besseren Chancen oder ist er einfach verführerischer?

Gegen Ende wird
aufgelöst. Der Hackerangriff war ebenfalls ein Script der
Produktionsfirma. Doch am Ende stellen sich alle die Frage: Was
bleibt?

Gibt es ein
richtiges Leben im falschen? Würde sich durch eine große
Katastrophe etwas ändern? Würde der Kapitalismus auch den
Klimawandel oder einen Hackerangriff überleben und sogar gestärkt
hervorgehen? Sehr berührend war auch das Selbstgespräch des
Aktivisten. Was passiert mit Idealisten? Kann auch ein Zuviel davon
Menschen kaputt machen?

Dominik Hertrich,
Mirka Ritter und Kevin Wilke und Anna Marienfeld sowie das Team von
Sir Gabriel Trafique hatten an dem Abend viel Spaß und eine
großartige Leistung abgeliefert.

Ja, „Identität“
wirft viele Fragen auf. Aber dafür ist Theater da, um Fragen
aufzuwerfen, sonst wäre es ja „Die Sendung mit der Maus“. Die
Antworten müssen wir selber finden. Wie wollen wir Leben und was tun
gegen einen drohenden Klimawandel?

Am 16. November um
20 Uhr im Theater im Depot hat man die Gelegenheit, sich diesen
Fragen zu stellen.




Schimmelpfennigs „Das Reich der Tiere“ mit persönlicher Brisanz

Mit der Premiere von „Das Reich der Tiere“ (Roland
Schimmelpfennig, * 1967 Göttingen) unter der Regie von Thosten
Bihegue startete das Schauspiel Dortmund am 05.10.2019 in die neue
Spielzeit 2019/20. Um es vorweg zu nehmen. Ja, die bissig-ironische
Komödie „Das Reich der Tiere“ bekam natürlich durch den
anstehenden Wechsel der Intendanz im Schauspiel ab der nächsten
Spielzeit auch eine persönliche Note.

Das Schauspielmilieu
mit seinen besonderen Gesetzen und Unsicherheiten für die Ensemble-
Mitgliedern steht ja im Mittelpunkt dieser Parabel. Enthalten ist
zudem eine viel weitergehende gesellschaftliche Kritik und
Offenlegung der Mechanismen des kapitalistischen Systems.

Im Stück führen
sechs Schauspielerinnen und Schauspieler seit sechs Jahren ein
Tier-Musical auf.

Als Löwe (Christian
Freund), Zebra (Ekkehard Freye), Ginsterkatze (Marlena Keil), Marabu
(Frank Genser), Schildkröte (Bettina Lieder) und elegante Antilope
(Alexandra Sinelnikova) erzählen sie vom Reich der Tiere. Hier
regiert zunächst das Zebra, bis ihm der Löwe den Platz als
Herrscher streitig macht. Beide müssen sich in brenzliger Situation
vor einem Brannd und gegen das gefährliche Krokodil helfen und
zusammenhalten. Aber hält der Friede lange an?

Nun soll das Stück
abgesetzt werden, etwas Neues soll her. Die Unsicherheit, Neid und
Missgunst, Vermutungen, eigene Träume und ganz persönliche Ängste
machen sich unter den SchauspielerInnen breit. Jeder versucht, seine
Chancen auszuloten und kämpft für sich. Bitter dabei ist, alle sind
durch ihre langjährige Tierrolle zu namenlosen Darstellern
degradiert, und keiner kennt sie wirklich als Person.

Solidarität oder Alle gegen Alle. Und die Frage: Lässt sich das Darstellerprekariat auf jeden Job ein? "Das Reich der Tiere" mit u.a.  Christian Freund, Alexandra Sinelnikova, Marlena Keil und Frank Genser. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Darstellerprekariat auf jeden Job ein? „Das Reich der Tiere“ mit u.a. Christian Freund, Alexandra Sinelnikova, Marlena Keil und Frank Genser. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Das Zebra,
Schauspieler Frankie, versucht in seiner Wohnung Informationen zum
neue Stück „Garten der Dinge“ von der Regisseurin (wunderbar
gespielt von Bettina Lieder) zu bekommen und Vorteile für sich
erlangen, indem er zur Lesung zu diesem Stück geht. Doch das geht
schief. Ernüchtert spielt er später sogar in einem Werbespot mit

Obwohl eigentlich
niemand (vor allem die Ginsterkatze) bei dem „Garten der Dinge“
mitmachen will, lassen sich am Ende als entpersönlichte „Dinge“
wie etwa eine Ketchupflasche, Toaster, Pfeffermühle oder Spiegelei
in diesem surrealen Stück einsetzen.

Die Inszenierung
stellte das Ensemble neben der schauspielerischen auch wieder einmal
vor physische Herausforderungen. Choreografien und musikalische
Anforderungen, ob punkig-rockig oder leiser, wurden von ihnen
gemeistert. Das dieses Ensemble auch musikalische Qualitäten hat ,
bewies es ja schon öfter. Die verschiedenen Charaktere (Symbolhaft
bei den Tieren) wurden mit großer Intensität und Körperlichkeit
für die ZuschauerInnen auf die Bühne gebracht.

Künstliche Kakteen
und andere Requisiten sorgten auf der Bühne für den passenden
Hintergrund. Auf einer erhöhten Plattform spielen Serge Corteyn und
Manuel Loos Live-Musik zur atmosphärischen Begleitung des Abends.

Die Kostüme waren
sehr fantasievoll von Theresa Mielich gestaltet.

Ein
komödiantisch-ironischer Theaterabend, der das Publikum trotz des
ernsten gesellschaftlichen Hintergrund zum lachen brachte.

Wäre es doch besser
für uns und die Gesellschaft allgemein, sich nicht spalten und
gegeneinander ausspielen zu lassen. Wären Zusammenhalt und
Solidarität gegen das „Krokodil“ eine Möglichkeit?

Informationen über
weitere Aufführungstermin erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de oder Tel..
0231/ 50 27 222.




Verdorbene Liebe

Eigentlich eine Schocksituation: Ein Polizist kommt in die Wohnung von Paula Spencer (Sandra Schmitz) und erklärt, dass ihr Mann tot sei. Erschossen von einem Polizisten während er ein krummes Ding gedreht hat. So beginnt das Solostück „Die Frau, die gegen Türen rannte“ von Roddy Doyle im Fletch Bizzel. Doch bei Paula ist keine große Trauer oder gar Freude anzumerken. Im Laufe des Stückes erfahren die Besucher auch wieso.

Paula erzählt ihre
Lebensgeschichte nicht chronologisch. Sie beginnt mit dem
Kennenlernen ihres Mannes Charlo. Unter den Klängen von „Sugar
baby love“ berichtet sie vom ersten Treffen in einer Diskothek.
Schnell wird ihr klar „ich gehörte ihm“.

Doch Paula hatte es
nicht leicht in ihrem Leben. In der Schule kam sie in die letzte
Klasse, sie bezeichnet sich selbst als „dumm“, träumte aber von
einer Karriere als Model oder Schauspielerin. In der Realität hieß
das „Putzfrau“. Sie benutzte früh ihre Sexualität, um sich
durchzusetzen. „Ich war irgendwie, ohne es zu begreifen und ohne
dass ich was dagegen machen konnte, eine dreckige Schlampe geworden,
an der sich alle aufgeilten“, berichtet Paula.

Paula heiratet
Charlo. Für sie ein wichtiger Schritt, der sie zu etwas besseren
macht. „Ich gehörte jetzt Charlo, und dadurch war ich eine
anständige Frau geworden.“ Zunächst läuft alles glatt, dann
beginnt er sie zu schlagen, immer heftiger. Sie versucht die
Verletzungen zu kaschieren mit den Worten „Ich bin gegen die Tür
gelaufen“. Sie gibt sich eine Mitschuld an seinen
Gewaltausbrüchen. „Er war gereizt. Es war meine Schuld.“ Neben
ihrem gewalttätigen Mann hat Paula noch ein anderes Problem. Sie
trinkt seit sie 16 ist und ist mittlerweile Alkoholikerin, was wie
unumwunden zugibt. „Ich hab nie was dagegen gemacht, hab nie
versucht aufzuhören“, sagt sie. Ein wichtiges Element sind ihre
vier Kinder Nicola, John Paul, Leanne und Jack. Die geben ihr Kraft,
denn endgültig Schluss macht Paula erst, als Charlo ihre gemeinsame
Tochter Nicola „komisch ansah“. Sie schmeißt ihn aus der Wohnung
und sieht in erst kurz vor seinem Tod wieder.

Sandra Schmitz zeige als Paula Spencer eine eindrucksvolle Leistung. (© Standout)

„Die Frau, die
gegen Türen rannte“ ist ein Stück, das betroffen macht an manchen
Stellen sogar fassungslos. Warum bleiben Frauen bei ihren
gewalttätigen Männern? Psychologen sprechen von einem Verhalten wie
bei einer Spielsucht. Die Gewalt wird als Pechsträhne gesehen, die
bald wieder vorbei ist. Wenn dann ein Glücksmoment kommt, kann der
so intensiv und erfüllend seien, dass das Opfer die Pechsträhne
vergisst. Frauen trennen sich mit größerer Wahrscheinlichkeit, wenn
sie herausgefunden hatten, dass auch ihre Kinder Opfer ihres Partners
werden könnten, so wie Paula.

Sandra Schmitz spielte die Paula mit großen Engagement. Es gelang ihr, Paula mit all ihren – auch widersprüchlichen – Facetten darzustellen. Die Kraft, die Energie von Paula, trotz aller Widrigkeiten mit Alkohol und gewalttätigem Mann, zeigte Sandra Schmitz in dem Solo-Programm mit viel Leidenschaft.
Das Bühnenbild spiegelte Paulas Zustand: einfacher Tisch, Stühle, an der Seite ein angedeutetes Kinderzimmer. Dann wurden auch noch Paulas Dämonen hineingerollt. Etliche Flaschen zeugten von Paulas vergebenen Kampf gegen den Alkohol.

Neben Sandra Schmitz
sorgte DJ Joey Porner mit Pop-Songs von den Rubettes bis Rammstein
für einem musikalischen Soundteppich. Im Mittelpunkt standen aber
„Sugar Baby Love“ von den Rubettes und „Vincent“ von Don
McLean, die für Paula eine große Bedeutung hatten.

„Die Frau, die
gegen Türen rannte“ wird noch am 18. und 19. Oktober sowie am 29.
November im Theater Fletch Bizzel gezeigt. Nähere Informationen
unter www.fletch-bizzel.de




Akademisches Jugendtheater aus Rostow am Don mit vier Gastspielen im KJT

Russland ist nicht nur für perfektes klassisches Ballett bekannt,
sondern hat auch eine besondere Theaterlandschaft zu bieten. Im
Rahmen von unserer Stadt unterstützten „Russischen Kulturtage“
(21.09.2019 – 13.10.2019) gastiert das Akademische Jugendtheater
aus unserer Partnerstadt Rostow am Don mit gleich vier
unterschiedlichen Stücken für verschiedene Altersgruppen im KJT
(Kinder- und Jugendtheater) in Dortmund.

Der Leiter des KJT
Andreas Gruhn konnte bei einem Pressegespräch einiges aus seiner
Erfahrung mit einem KJT-Besuch in Rostow am Don über das spezielle
Theater in Russland berichten. Das Theaterensemble ist mit bis zu
vierzig Personen größer üblicher Weise in Deutschland. Sie
beeindrucken durch ihre gewaltige Bildsprache, sind sehr akrobatisch
und Musik spielt eine große Rolle, so Gruhn. Es lohnt sich, die
Chance wahrzunehmen, dieses russische Theater einmal live zu erleben.

Was wird im Kinder-
und Jugendtheater geboten?

Es beginnt am
Freitag, den 11.10.2019 um 11:00 Uhr mit „Eines
Tages.. oder alle Jungs sind blöd!“ (Ksenija Dragunskaja).

Diese
traumhaft-märchenhafte Stück für Kinder ab 4 Jahre spielt mit den
weiblichen und männlichen Anteilen in uns auf eine kindgerechte Art
und bietet auch Lustiges wie eine Kissenschlacht.

Alles kehrt sich um.

Am Samstag, den
12.10.2019
steht um 19:30 Uhr Bumbarasch“ (von Julij Kim und
Wladimir Daschkewitsch) ab 12 Jahre. Es entführt das Publikum in die
Zeit des Ersten Weltkriegs und an deren Ende die Entstehung der
Sowjetunion mit all seinen Wirren, Chaos und bitteren Konsequenzen
gerade auch für die Bauern. Bumbarasch ist eigentlich Bauer, wird
als Soldat in den Krieg berufen. Er und muss sich dann auch durch die
folgende Zeit mit den Bolschewisten auseinander setzen, obwohl er
eigentlich nur seine Ruhe will. Eingebettet in diese politischen
Hintergründe ist eine Liebesgeschichte, und das Stück ist trotz
allem mit viel Musik, akrobatischen Elementen und einer revuehaften
Erzählweise unterhaltsam gestaltet.

"Bumbarasch" erzählt von den Wirren in den Zeiten des Ersten Weltkrieges in Russland. (Foto:© Akademisches Jugendtheater Rostow am Don)
„Bumbarasch“ erzählt von den Wirren in den Zeiten des Ersten Weltkrieges in Russland. (Foto:© Akademisches Jugendtheater Rostow am Don)

Am Sonntag, den
13.10.2019
um 15:00 Uhr wird es mit „Kaschtanka“ – Die
Geschichte eines Hundes (Erzählung nach Anton P. Tschechow) ab 6
Jahre poetisch und bewegend. Die einsame Hündin Kaschtanka hat mit
ihren Erinnerungen an ihr Herrchen, Einsamkeit und Hunger zu kämpfen.

Zum Abschluss
wird am Sonntag, den 13.10.2019 um 18:00 Uhr die preisgekrönte
Inszenierung und sentimentale Komödie „Monsieur Ibrahim und die
Blumen des Koran“ (E.E. Schmitt) für Jugendlichen ab16 Jahre
gespielt. „Monsieur Ibrahim“ ist französisch elegant und auf
orientalische Art Weise, und eine eine geistreiche und berührende
Coming-of-Age Geschichte.

Es ist das größte
Austauschprojekt zwischen den beiden Theatern, und ist sowohl für
russischsprachige wie für deutschsprachige Dortmunderinnen und
Dortmunder interessant. Die beiden Abendveranstaltung werden
deutlich, die Aufführungen für Kinder simultan übersetzt oder
vorab erklärt.

Die Karten kosten
für alle Stücke 7 Euro und 5 Euro für Kinder bis 14 Jahren.

Erhältlich sind
Karten im Kundencenter des Theaters (Platz der alten Synagoge), unter
www.theaterdo.de und Tel.
0231/50 27 222.

Über die Gastspiele
im KJT hinaus finden übrigens im Rahmen der Russischen Kulturtage
überall in Dortmund Veranstaltungen in allen Sparten statt.




Grenzen der Toleranz und was kann politisches Theater bewirken

Im Studio des Schauspiel Dortmund befasst sich ab Sonntag, den
06.10.2019 (Uraufführung) um 18:00 Uhr das Stück „Familien gegen
Nazis“ von Laurence Young unter der Regie von Laura N. Junghanns
mit einem höchst aktuellem und brisanten Thema. Wie umgehen mit dem
wachsenden und zunehmend aggressiver vorgehendem neuen Rechten.

Zum Stück:

Eine Familie, Vater,
Stiefmutter und drei bereits erwachsene Kindern gibt alles im Kampf
gegen Rechte und Rechtspopulisten. Im Rahmen einer Spielshow haben
sie die einmalige Gelegenheit, die 1.000.000 Euro für einen
humanitären Projekt ihrer Wahl zu gewinnen. Es steht ihnen die
Konfrontation mit verschiedenen Spielen wie etwa „Wahrheit oder
Pflicht“, Situationen und Statements bevor. Es geht um eigene
Ängste, Verantwortung und einiges mehr. Sind ihre Taten tatsächlich
von Bedeutung oder doch nur Gewissensberuhigung? „Die Familie kennt
das Format, weiß aber nichts über genaue Inhalte“, verriet die
Regisseurin Junghanns im Pressegespräch mit Ars tremonia.

Das Hauptthema
hinter der Inszenierung ist der fehlende und notwendige Diskurs und
konstruktive Kommunikation in eine gespaltenen Gesellschaft. Das gilt
selbstverständlich auch für das Theater. Eine aktive
Auseinandersetzung mit diesem Thema ohne erhobenen Zeigefinger ist
eine wichtige Zielsetzung..

Die Familie ganz in Bonbon-Farben: (v.l.n.r.) Caroline Hanke, Uwe Rohbeck, Alida Bohnen, Lea Annou, Alida Bohnen, Lea Annou Reiners, Max Ranft und Berna Celebi. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Die Familie ganz in Bonbon-Farben: (v.l.n.r.) Caroline Hanke, Uwe Rohbeck, Alida Bohnen, Lea Annou, Alida Bohnen, Lea Annou Reiners, Max Ranft und Berna Celebi. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Texte (und
Inszenierung) bewegen sich bewusst auf der Grenze des des
Aushaltbaren und loten zudem die Frage aus: „Was darf man auf einer
Bühne zeigen und wo liegen da die Grenzen?“

Atmosphärisch
unterstützt wird die Vorstellung musikalisch live (auch mit eigens
für die Produktion entwickelten Songs) vom Dortmunder Duo AniYo kore
(Melody & Rene). Im letzten Jahr war das Duo schon bei „Orlando“
(ebenfalls Regie Laura N. Junghans) mit von der Partie.

Für Live-Video
Animationen sorgt der im Schauspiel schon bekannte und erfahrene
Tobias Hoeft.

„Es wird eine
Bühnenshow geben, die neben dem, was das Publikum von einer solchen
erwartet, auch Überraschungen bietet“, so Junghanns.

Die Aufführung
dauert ungefähr 1 Stunde und 40 Minuten.

Für die Uraufführung am 06.10.2019 gibt es nur noch wenige Restkarten. Informationen und Karten zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.; 0231/ 50 27 222




Der Kampf um einen neuen Vertrag

Schauspieler und Profifußballer haben eine Gemeinsamkeit: Sie haben
nur befristete Verträge und irgendwann stehen Vertragsverlängerungen
an oder der Trainer resp. Intendant wechselt. Es bleibt die bange
Frage: Was wird aus mir? Werde ich übernommen oder muss ich mir ein
neues Theater oder einen neuen Verein suchen? Tatsächlich steht ja
dem Schauspielhaus Dortmund mit der Spielzeit 20/21 ein Wechsel der
Intendanz bevor. Daher hat die Komödie „Das Reich der Tiere“
durchaus eine aktuelle Komponente. Die Premiere im Schauspielhaus ist
am 05. Oktober 2019 um 19:30 Uhr.

Zum Stück: Fünf
Schauspielerinnen und Schauspieler führen seit sechs Jahren ein
Tier-Musical auf. Als Löwe, Zebra oder Antilope erzählen sie vom
Reich der Tiere. Hier regiert zunächst das Zebra, bis ihm der Löwe
die Herrscherposition streitig macht. Trotz aller Zwistigkeiten: Das
Zebra rettet den Löwen über den Fluss und der Löwe erschlägt das
tödliche Krokodil.

Bei "Das Reich der Tiere" mit von der Partei: (v.l.n.r.) Ekkehard Freye, Marlena Keil, Alexandra Sinelnikova, Frank Genser und Christian Freund. (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Bei „Das Reich der Tiere“ mit von der Partei: (v.l.n.r.) Ekkehard Freye, Marlena Keil, Alexandra Sinelnikova, Frank Genser und Christian Freund. (Foto: ©Birgit Hupfeld)

Doch nun soll das
Stück abgesetzt werden und etwas Neues soll her. Unsicherheit macht
sich unter den Fünfen breit. Wer wird übernommen, wer muss gehen?
Niemand weiß etwas genaues über den Nachfolger „Im Garten der
Dinge“ und die neue Regisseurin. Sind eigene Projekte vielleicht
die Rettung?

Im zweiten Akt
verwandelt sich das Stück in eine Boulevardkomödie, denn dem Zebra
ist es gelungen, die Regisseurin in seine Wohnung zu locken, um
Informationen zum neuen Stück zu bekommen. Doch das geht schief.

Der dritte Akt zeigt
Proben zum „Garten der Dinge“ bei der die Schauspielerinnen und
Schauspieler nur Gegenstände wie beispielsweise einen Toaster in
einem surrealen Stück zu spielen haben. Dennoch machen alle wieder
mit.

Regisseur Thorsten
Bihegue dazu: „Das Stück ist eine Analogie zu einer Arbeitswelt,
in der jeder gegen jeden kämpft.“ Es herrschen Neid und Missgunst,
aber die schlechten Arbeitsbedingungen werden letztlich doch
akzeptiert werden. Obwohl das Stück „Der Garten der Dinge“ der
gemeinsame Feind ist.

Schlimm wird es
dadurch, dass die Schauspieler in ihrem Musical komplett in ihren
Kostümen sind. Das heißt, niemand weiß, wer sie in Wirklichkeit
sind und wie sie aussehen. Sie sind als Darstellerproletariat quasi
unsichtbar.

Mit dabei sind zwei
Live-Musiker: Manuel Loos am Schlagzeug und Serge Corteyn an der
Gitarre und Bass. Sie sind quasi die Show-band des Tier-Musicals. Es
spielen Ekkehard Freye, Christian Freund, Frank Genser, Marlena Keil,
Bettina Lieder und Alexandra Sinelnikova.

Mehr Informationen
unter www.theaterdo.de




Identität – Auf der Suche nach dem Menschsein

Was macht den Menschen aus? Sein Kontostand? Sein Status? Was
passiert, wenn plötzlich durch einen Hacker-Angriff sämtliche Daten
gelöscht werden? Im Stück „Identität“ von Sir Gabriel Trafique
wird sich genau diese Frage gestellt. Doch keine Angst. Es wird nicht
ganz Bierernst. Auch (oder vor allem) im Chaos darf gelacht werden.
Die Dortmund-Premiere ist am 05. Oktober 2019 im Theater im Depot.

Nach Stücken, die eine Literaturvorlage haben wie „Die Räuber“, stehen hier wieder selbstgeschriebene Texte im Mittelpunkt. Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Eine TV-Produktionsfirma will eine „geile Show“ machen und setzt durch einen Cyberangriff alles außer Kraft. Es gibt keine Banken, keine Identitäten. Dann wird dem Hackerkollektiv der Prozess gemacht. Die vier Schauspieler sind gleichzeitig Ankläger, Zeugen und Täter. Oder ist vielleicht alles nur inszeniert?

"Identität": Das Produktionsteam bei der Arbeit. (v.l.n.r.) Anna Marienfeld, Kevin Wilke, Mirka Ritter und Dominik Hertrich. (Foto: © Solms / Sir Gabriel Trafique)
„Identität“: Das Produktionsteam bei der Arbeit. (v.l.n.r.) Anna Marienfeld, Kevin Wilke, Mirka Ritter und Dominik Hertrich. (Foto: © Solms / Sir Gabriel Trafique)

Was würde wohl
passieren, wenn durch eine Katastrophe wie einen Hackerangriff oder
ähnliches das gesellschaftliche Leben in ihren Grundfesten
erschüttert würde? Es gäbe sicher wie nach allen Revolutionen
Gewinner und Verlierer. Welche Utopien können sich durchsetzen oder
werden Dystopien zur Wirklichkeit. Gibt es die Möglichkeit eines
Neuanfangs? Die besucher können sich auf 110 interessante Minuten
freuen.

Mit dabei sind: Dominik Hertrich, Anna Marienfeld, Mirka Ritter und Kevin Wilke. Die Videos stammen von Alexander Huegel, Text und Regie hat Björn Gabriel übernommen.

Die Termine sind 05.
Oktober2019 (20 Uhr), 06. Oktober 2019 (18 Uhr) und 16. November (20
Uhr).




Reminiszenz an das Original Jürgen von Manger

Am Sonntag, dem 29.09.2019 wurden im Dortmunder Theater im Depot mit
einem Tegtmeier-Abend unter dem Motto „Dat is vielleicht ein
Dingen“ (Idee von Schauspieler Carsten Bülow & Sven Söhnchen),
viele Erinnerungen an den vor 25 Jahren verstorbenen Schauspieler,
Kabarettisten und Komiker Jürgen von Manger (*6. März 1923 in
Ehrenbreitstein, gestorben 15. März 1994 in Herne) wach gerufen.
Neben Bülow war die Nichte von Jürgen von Manger, Monika von Manger
mit von der Partie.

Die in den 1960iger
Jahren beliebt gewordene Kultfigur des Ruhrgebiets-Kleinbürgers
Kumpel „Adolf Tegtmeier“ (von Jürgen von Manger kreiert) ,
machte den vielseitigen Schauspieler über Bühnenauftritte,
Fernsehen, Radio und Schallplatten in weiten Kreisen bekannt. Uwe
Lyko („Herbert Knebel“), Didi Hallervorden und viele andere sind
von ihm beeinflusst. Mit seinem bewusst abgebrochenen Sätzen,
speziellen Gedankengänge und der eingebauten gehobene
„Popanz-Sprache“ machten die Besonderheit der Figur aus Seine
Kappe reichte als Wiedererkennung, und ansonsten arbeitete von Manger
viel mit Gestik und Mimik.

Den großen Applaus vom Publikum verdienten sich Carsten Bülow und Monika von Manger bei ihrer Hommage an Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier.

Den Duktus von
Tegtmeier hatte Carsten Bülow sehr gut drauf, obwohl der eher
schlaksige Schauspieler äußerlich sonst eher weniger Ähnlichkeit
mit Tegtmeier hat. Eine ganz persönliche Note bekam der Abend durch
die Beteiligte Monika von Manger. Sie verriet im Gespräch mit Bülow
kleine privaten Geschichten von ihrem berühmten Onkel. So erfuhr das
Publikum etwa, dass dieser mittlere von drei Brüdern „Jü“
genannt wurde. Sein Lebensweg wurde mit eingeblendeten Fotos
dokumentiert, und auch die halbseitige Gesichtslähmung, seine
Werbetätigkeit etwa für die Sparkasse, und der Schlaganfall (1985)
wurden angesprochen.

Monika von Manger
fungiert als Schirmherrin des jährlichen Wettbewerbs „Tegtmeiers
Erben“ in Herne. Als Überraschung spielte sie an diesem Abend noch
in dem Sketch „Der gestohlene Schlüssel“ als die bestohlene
Staatsanwältin mit.

Im Fernsehen war von
Manger mit der Reihe „Tegtmeiers Reisen“ (1972–1980)
erfolgreich. Mit Ironie Witz und Hintergrundinformation unterhielt
(auch mit Co-Moderator Professor Tegtmeier)

Das Publikum konnte
mit Carsten Bülow als Adolf Tegtmeier die Tücken und besonderen
Erlebnisse einer „Mallorca-Reise“ von Tegtmeier mit seinem
Arbeitskollegen miterleben.

Jürgen von Manger
war neben seinen Schauspielerfahrung in Bochum oder Gelsenkirchen
auch an der deutschen Oper am Rhein als „Frosch“ in der Operette
„Die Fledermaus“ tätig.

In den Jahren 1981
bis 1983 gab es 14 Folgen von „Tegtmeier klärt auf“ mit „Enkelin
Roswitha“.

Auf das Ruhrgebiet zugeschnitten, dem er bis zu seinem Lebensende treu verbunden blieb, textete er bekannte Schlager um. So sorgte Bülow auch gesanglich mit „Dat bisken Frühschicht (1978)“, frei nach „Da bisschen Haushalt „ (Johanna von Koczian), „Bottroper Bier“ nach „Griechischer Wein (Udo Jürgens) oder mit der Ruhrpott-Persiflage auf „Die kleine Kneipe“ (Peter Alexander).

Beeindruckend, wie
lebendig Carsten Bülow das Publikum mit der recht langen „Rede an
den Gesangverein Lyra 07 (Schönheit ist heilbar)“ unterhielt.

Ein unterhaltsamer
Abend mit einem liebevollen Blick voller Respekt auf dieses Original.

Wer den
Tegtmeier-Abend live erleben möchte, hat am 20.10.2019 um 20:00 Uhr
im Theater im Depot (Immermannstr. 29, 44147 Dortmund) noch
Gelegenheit dazu.

Reservierungen:
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Festliche Operettengala in der Oper Dortmund

Unter dem Motto „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ kamen die
Freunde der Operette am 28.09.2019 in der Oper Dortmund auf ihre
Kosten.

Die Bühne strahlte
mit einem festlichen Kronleuchter, eine größere barocke
Putten-Figur stand je im Hintergrund der Bühne und an der Seite im
vorderen Bereich. Zwei überdimensionale künstliche Rosen fanden
später ihren Einsatz zum Lied „Schenkt man sich Rosen in Tirol“
(Carl Zeller1842–1898) aus „Der Vogelhändler“.

Die Dortmunder
Philharmoniker im hinteren Bühnenbereich bewies wieder einmal, dass
sie in allen Genre zuhause ist und zeigte erneut ihr Können. Mit
Christoph JK Müller und Sebastian Engel zwei Dirigenten wechselten
sich an diesen Abend ab. Mit Temperament, Einfühlungsvermögen und
Humor übernahmen sie die musikalische Leitung.

Durch den Abend
führte galant und informativ der Opernintendant Heribert
Germeshausen. So erfuhr das Publikum auch etwas über die Ursprünge
des Genre Operette (Singspiel) als eigenständige Kunstform um 1848
in Paris entstand ( Beispiel: Jacques Offenbach). Die weiteren
Hotspots der Operette waren Wien und Berlin, die
bürgerlich-volkstümlich geprägt waren. Man spricht von der
„Goldenen Operettenära“ (z.B. Johannn Strauss jun.), dieser
Zeitabschnitt der Wiener Operette etwa von 1860 bis 1900, und der
Silbernen Operettenära z.B. Franz Lehár
(1900-1940). Viele Beispiel aus diesen Zeitabschnitten konnte
das Publikum hören.

Die Operette "Im weißen Rössl" wird im kommenden Jahr im Originalgewand von 1930 in der Oper Dortmund zu hören sein. (Foto: © Joujou / pixelio.de)
Die Operette „Im weißen Rössl“ wird im kommenden Jahr im Originalgewand von 1930 in der Oper Dortmund zu hören sein. (Foto: © Joujou / pixelio.de)

Die südkoreanische
Sopranistin Anna Sohn begeistert zur Zeit ja schon als „Madama
Butterfly“. Die filigrane Sängerin überzeugte auch hier mit ihrer
starken Stimme und Sensibilität und einer Portion Humor bei „Schenkt
man sich Rosen in Tirol“. Schwierigkeiten mit den Partien auch über
mehrere Oktaven hatte auch die Koloratursopranistin Elena Fink nicht.
Ihr komödiantisches Talent konnte sie vor allem mit ihrem Kollegen,
dem Österreicher Fritz Steinbacher ausleben. Der ist für die
humorvoll-komödiantischen Rollen wie prädestiniert.

Der in Dortmund
aufgewachsene Tenor Mirko Roschkowski bewies seine enormen Stimmkraft
schon bei seinem ersten Auftritt mit „Freunde, das Leben ist
lebenswert“ (aus Franz Lehárs
„Giuditta“) und dann berührend mit dem „Wolgalied des
Zarewitsch“ („Der
Zarewitsch“). Man
darf sich auf seine weiteren Auftritte, etwa als Masaniello in der
Oper „Die Stumme von Portici“ freuen.

Sein
komödiantische Ader zeigte sich bei einer humorvollen Version von
„Lippen schweigen“ (Lustige Witwe) zusammen mit dem Opernchor
Theater Dortmund (Leitung: Fabio Mancini). Tatkräftig
und humorvoll unterstützte der Chor die Solisten während
des Abends.

Einen
Ausblick auf die Premiere
von „Im weißen Rössl“ (Ralph Benatzky 1884-1957, Arr. Matthias
Grimminger) in einer
Fassung, die auf einer
Version aus dem Jahr 1930
beruht, brachte einen
kleinen Vorgeschmack auf die Premiere am 18.01.2020. Im Gegensatz zu
den üblichen
Inszenierungen, die sich
auf die (eher biederen) Version aus dem Jahr 1950 Bezug nehmen, wird
diese Inszenierung in Teilen frivoler und die
Musik jazzige Elemente
enthalten. Das verriet Grimminger in einem kleinen Gespräch mit
Germeshausen.

Am
Sonntag, den 13.10.2019 und am 17.05.2020 ist noch Gelegenheit, diese
Gala zu erleben.

Wie
Intendant Heribert Germeshausen verriet, gibt es nur noch wenige
Karten für diese Aufführungen.

Informationen
erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de
oder Tel.: 0231/ 50 27 222