Premiere von Blutmond unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Am Freitag, den 20.03.2020 um 20:00 Uhr sollte die Premiere „Blutmond“ (About fear and fun, love and loss) von artscenico e.V. im Dortmunder Theater im Depot unter der Regie von Rolf Dennemann „normal“ mit Publikum stattfinden. Der Coronavirus macht einen Strich durch die Rechnung.

Beim Pressegespräch verkündeten die Organisatoren nun, dass die Premiere wie geplant zum Termin unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt werden soll.

Vorgesehen sind eine Videoaufzeichnung und eventuell ein Streaming in den sozialen Medien.

Blutmond (Blue Moon) ist im englischen Sprachgebrauch die Bezeichnung für einen zweiten Vollmond innerhalb eines Monats im gregorianischen Kalender und ein seltenes Ereignis. Eine Metapher für Sehnsüchte. Die Performance spielt assoziativ mit den Themen Angst, Verlust, Unsicherheit aber auch mit Liebe und Spaß. Es geht um Transformationen, Träume und das Leben. Es sollen kleine Bilder im Kopf der Zuschauenden entstehen.

Mit "Blutmond" probiert artscenico andere Wege: Die Premiere wird gestreamt. gespannt sind (v.l.n.r.) Elisabeth Pleß (Performerin), Rolf Dennemann (arscenico), Regieassistentin Maya Porat und Joanna Stanecka (Performerin).
Mit „Blutmond“ probiert artscenico andere Wege: Die Premiere wird gestreamt. gespannt sind (v.l.n.r.) Elisabeth Pleß (Performerin), Rolf Dennemann (arscenico), Regieassistentin Maya Porat und Joanna Stanecka (Performerin).

Die „organisch surreal“ anmutenden Inszenierungen von artscenico passen gut in diese Zeit. Unsere Realität wirkt gerade jetzt surreal unwirklich. Die Inszenierung enthält Elemente aus Tanz, Performance, Video und Musik und fügt sie zu einem Gesamtkonzept zusammen.

Beteiligt sind drei Performerinnen (Elsa Marschall, Elisabeth Pleß, Joanna Scanecka) eine Live-Band (2 Gitarren, Kontrabass, Sängerin) mit Swing und Gypsy-Sol Musik (zum Beispiel „Fly me to the moon). Dazwischen wird es als Kontrast auch brachiale Musik und kurze Texte (etwa von Stanislaw Lem) eingebaut.

Zu spüren ist die Unsicherheit der Situation für alle Beteiligten. Genaue Planungen sind nicht möglich. Positiv ist das Gefühl des Zusammenhalts der Künstler*innen, sowie der Wille von allen, die Widrigkeiten zu meistern und ihre Arbeit zu einem guten Ende zu führen.

Achten Sie auf aktuelle Informationen in den (sozialen) Medien!




Die Stumme von Portici in den Fängen des Coronavirus

Die Premiere von Daniel-Franҫois-Esprit Aubers (1782 – 1871) „Die Stumme von Portici“ (Libretto: Augustin Eugène Scribe und Germain Delavigne) in deutscher und französischer Sprache mit deutschen Untertiteln (Bettina Bartz) in der Inszenierung von Peter Konwitschny sollte am 13.03.2020 im Opernhaus Dortmund stattfinden. Doch der Coronavirus machte einen Strich durch die Rechnung.

An diesem Termin wurde aber eine Generalprobe II mit 26 Journalistinnen und Journalisten als Zuschauer durchgeführt. Es war eine „Premiere“ unter besonderen Umständen und besonderer Atmosphäre. Ars tremonia war auch mit dabei.

Sara Wilken hatte die schwere Aufgabe, die Rolle der stummen Fischertochter Fenella (aus Portici bei Neapel) übernommen. Der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Motonori Kobayashi verliehen ihren „nicht gesungenen Worten“ sensibel musikalisch Ausdruck. Wilken spielte ihre Rolle eindrucksvoll mit Gesten oder den Einsatz von Requisiten (etwa einen Schal).

Die Grand opéra ist strukturiert und wie ein Baukastensystem mit „Schaufenstern“ in fünf kleinen Akten systematisch aufgebaut. Regie, Orchester, Chor, Statisterie und Kinderstatisterie, Bühne, Kostüme. Sänger*innen bilden ein ganzheitliches Gefüge. Die Musik ist mal anrührend, dann wieder aufrührerisch aufregend.

Es geht hoch her bei der "Stummen von Portici". Mirko Roschkowski (Masaniello), Mandla Mndebele (Pietro), Sarah Willken (Fenella), Anna Sohn (Elvire), Sunnyboy Dladla (Alphonse). Foto: ©Thomas Jauk, Stage Picture
Es geht hoch her bei der „Stummen von Portici“. Mirko Roschkowski (Masaniello), Mandla Mndebele (Pietro), Sarah Willken (Fenella), Anna Sohn (Elvire), Sunnyboy Dladla (Alphonse). Foto: ©Thomas Jauk, Stage Picture

Die Geschichte spielt zur Zeit der Besatzung durch die Spanier. Der Sohn des Vizekönigs Alphonse (Sunnyboy Dladla) hatte die arme stumme Fischertochter (Fenella) verführt und dann verlassen. Während die Hochzeit mit der „standesgemäßen“ Elvire (Anna Sohn) ansteht, platzt die aus ihrer Gefangenschaft durch den Vizekönig geflohene Fenella hinein und sucht Schutz. Das Verhältnis von Alphonse mit ihr wird öffentlich. Die enttäuschte Elvire zeigt Empathie und Frauensolidarität gegenüber der Stummen und verzeiht ihrem Bräutigam. Als Fenellas Bruder Masaniello (Mirko Roschkowski) von deren Situation erfährt, wird aus der schon politisch aufgeheizten Atmosphäre unter den armen Fischern Neapels durch den Wunsch nach persönlicher Rache der Anfang eines revolutionären Aufstands gegen die Besatzer. Die Gewalt ist nicht mehr unter Kontrolle und Masaniello versucht verzweifelt, dem Morden Einhalt zu gebieten. Er bietet Alphonse und Elvire seinen Schutz, wird dann aber selbst als „Verräter“ von den eigenen Leuten verfolgt. Als auch noch der Vesuv ausbricht, gibt es kein „Happy End“ …

Der Graben zwischen spanischen Besatzern und armer Bevölkerung wird nicht nur durch die Kleidung, auch durch die Sprache demonstriert. Die gesungene Sprache der Herrscher ist Französisch, die des Volkes deutsch. Der berechtigte Unmut der Bevölkerung wird ebenso gezeigt, wie der nicht zu kontrollierende Spirale der Gewalt. Auch die Gefahr der Instrumentalisierung der Unzufriedenheit und eines übersteigerten Nationalismus werden deutlich. Eine Oper mit zeitloser Brisanz. Nicht umsonst hat die Oper tatkräftig zur Entstehungsgeschichte Belgiens beigetragen. Das überwiegend katholische Land befand sich seit 1815 unter der Herrschaft der meist protestantischen Niederlande. 1830 kam es in Brüssel bei der Aufführung der Oper zu Tumulten, die sich in einem Aufstand entluden und am Ende Belgien als unabhängigen Staat schufen.

Die Sängerinnen und Sänger überzeugten mit ihren Stimmen und der Darstellung der Personen. Auch der Opernchor Theater Dortmund sowie die Statisterie und Kinderstatisterie (Theater Dortmund) oder natürlich die Dortmunder Philharmoniker trugen zu einem gelungenen Gesamtbild bei.

Die ausgefallene Premiere ist nun für den 08.05.2020 angesetzt.

Informationen erhalten Sie wie immer unter 0231/5027222 oder https://www.theaterdo.de/detail/event/20694/




Bier, Außerirdische und die Kassierer – ein Punk-Abend im Schauspielhaus

„Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“, lautet eines der bekanntesten Lieder der Kassierer aus Wattenscheid. Das Stück „Die Drei von der Punkstelle“ trägt den Song im Herzen, wobei genaugenommen das Bier nicht alle ist, sondern von einem Monopolisten zu einer Plörre verwandelt wird. Herzlich Willkommen zu einer musikalischen Punk-Operette, die Motive des bekannten Films „Die Drei von der Tankstelle“ von 1930 erkennen lässt. Wenn man den Film kennt und viel Fantasie hat.

Zur Geschichte: Der Sänger der Kassierer Wolfgang „Wölfi“ Wendland ist seit einem Jahr verschwunden, seine Bandkollegen, zu denen auch Schmuwe (Uwe Schmider) und Peggy (Andreas Beck) gehören, machen sich Sorgen. Um über die Runden zu kommen, haben sie dem schmierigen Konsul (Ekkehard Freye) den Song „Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“ verkauft.Plötzlich taucht Wölfi wieder auf, er wurde von der Außerirdischen L.A.I.K.A. (Caroline Hanke) entführt und hat wieder den Kurs Richtung Erde genommen.

Als alle wieder vereint sind, hecken Wölfi, Schmuwe und Peggy den Plan aus, ihr eigenes Bier zu brauen. Natürlich bekommt der Konsul Wind davon und schickt seinen Schlagersüchtigen Sohn Jens-Guildo (Christian Freund), um die Sache zu klären. L.A.I.K.A. dagegen ist von dem Plan Wölfi zu entführen abgekommen und versucht, Schmuwe an sich zu binden und die Freundschaft der Drei von der Punkstelle zu sabotieren. Doch als L.A.I.K.A. dann Jens kennenlernt, verlieben sich beide ineinander. Somit wird irgendwie alles wieder gut. Alles verstanden?

Die Drei von der Punkstelle sehen so aus, als ob das Bier alle ist. (v.l.n.r.) Uwe Schmieder, Wolfgang Wendland und Andreas Beck. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Die Drei von der Punkstelle sehen so aus, als ob das Bier alle ist. (v.l.n.r.) Uwe Schmieder, Wolfgang Wendland und Andreas Beck. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Egal, denn manche Besucher wollten sowieso nur die Musik der Kassierer hören und so litt das Stück an dem Dilemma, dass es anscheinend für die Hardcore-Fraktion zu viel Text gab, was sie mit lauten Zwischenrufen und Zwischengesängen quittierte. Diejenigen, die sich auf eine Art Parodie des Films eingestellt hatten, waren vielleicht etwas enttäuscht, dass es wenig Handlung gab. Vor sechs Jahren bei „Häuptling Abendwind“ war das Verhältnis Musik und Handlung noch in Ordnung. Auch hier hatte Wolfgang Wendland eine tragende Rolle. Dennoch, die Besucher konnten einiges über das Brauen von Bier lernen, es war quasi eine Operette für Craft-Bier.

Wer seine bildungsbürgerliche Attitüde zu Hause lässt, wird 90 Minuten seinen Spaß haben. Denn die Musik fetzt, Andreas Beck spielt einen herrlich ökigen Hippie, der an den „Martin“ von Dieter Krebs erinnert, Carolin Hanke zeigt mit ihrer L.A.I.K.A., wie man einen Sangeswettstreit mit Wölfi gewinnt, Christian Freund lässt Jens-Guildo als fleischgewordene 70er-Jahre Schlagerikone auferstehen und Ekkehard Freye spielt den bösen Biermagnat mit wahrer Freude.

Also das Motto heißt: Zurücklehnen, Musik genießen, Bier nicht vergessen und nicht so viel Nachdenken. Ein Extra-Lob gibt, es als L.A.I.K.A. am Ende noch die Bühne mit grünen „Tribbles“ (bekannt aus der alten Raumschiff Enterprise Serie mit Captain Kirk) flutete.

Mehr Infos und weitere Termine unter: https://www.theaterdo.de/detail/event/20843/




Persönliche Seelenbilder im Kunstraum

Der Kunstraum im langen August in der Braunschweiger Straße 22 zeigt vom 08.03. bis zum 30.04.2020 Arbeiten von Birgitta Schmitt. Sie malt vor allem sehr abstrahierte Bilder, die an Landschaften erinnern. Dabei sind keine konkreten Landschaften, sondern die Formen und Farben lassen an Wüsten denken oder an kleine vorgelagerte Inseln im Mittelmeer. Sie sind eher „Bilder der Seele“ wie der Titel der Ausstellung lautet.

Birgitta Schmitt vor einem ihrer abstakten Landschaftsbilder.
Birgitta Schmitt vor einem ihrer abstakten Landschaftsbilder.

Für ihre persönlichen Seelenbilder unternahm die Künstlerin Reisen nach Spanien, Griechenland und Frankreich. Die unterschiedlichen Landschaftstypen lassen sich vielleicht noch an den Farben und Formen erkennen. Doch mit der Abstraktion von Birgitta Schmitt schafft die Künstlerin eher einen Sehnsuchtsort als einen konkreten Ort. Sie sagt von sich selbst: „Ich bin ein verträumter Mensch“. Die Verträumtheit ist in ihren Bildern klar zu erkennen.

Das besondere an den Bildern der Künstlerin sind die Farben: Sie arbeitet mit Airbrushfarben, die den Vorteil haben, dass sie sehr feine Pigmente haben. Darüber hinaus benutzt sie noch Acrylfarben, um eine bestimmte Materialkomposition zu erreichen.

Die siebzehn ausgestellten Werke sind in unterschiedlichen Formate, von 15×15 cm bis hin zu großen Formaten. Doch die Künstlerin hat eine Vorliebe: „Am liebsten lasse ich mich auf große Formate ein“




Das Auerhaus und die schwierige Lebensbewältigung

Die neue Jugendclubproduktion „Auerhaus“ unter der Regie, Choreografie und Dramaturgie von Milena Kowalski & Lioba Sombetzki hatte am 29.02.2020 im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) seine von allen Beteiligten mit Spannung erwartete Premiere. Grundlage für die Stückentwicklung war der gleichnamige Roman von Bov Bjerg (Stückfassung von Robert Koall). Akteure auf der Bühne waren sechs junge Schauspieler*innen des Jugendclubs.

Zum Stück: Der achtzehnjährige Frieder (Anis Alfakhouri) landet nach einem misslungenen Suizidversuch mit den Tabletten seiner Mutter zunächst in der Psychiatrie. Damit er nach seiner Entlassung nicht alleine lebt, wohnt er mit zunächst mit Höppner (Lea Zimmermann), der mahnenden Vera (Julia Kubensky) und Cäcilia (Mareike Stötzel) im „Auerhaus“ (nach „Our house“ von Madness).

Der Einkaufswagen wurde bei "Auerhaus" nicht nur zum Einkaufen benutzt. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Der Einkaufswagen wurde bei „Auerhaus“ nicht nur zum Einkaufen benutzt. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Später ziehen auch noch die Pyromanin Pauline (Gianna Pellarin) und der etwas flippige Harry (Sadoun Alsinou) ein. Dort leben sie ein richtiges Leben mit Aufstehen, Frühstücken, Einkaufen (oder auch Klauen), Kochen und Aufpassen auf den selbstmordgefährdeten Frieder. Es geht um Party feiern, Freundschaft, Liebe, Eifersucht, Einsamkeit und Tod. Wie geht Leben, was bleibt am Ende? Nach dramatischen Ereignissen gerät die Lage außer Kontrolle und das gemeinsame Leben im „Auerhaus“ findet ein Ende. Welche Lebensperspektiven erfüllen sich für die Jungen Leute kurz vor dem Abitur?…

Die Kleidung und Musik waren stark an die 80er und 90er Jahre angelehnt. Stühle, Kartons, Discokugeln in verschiedenen Größen, Schwämmchen, silberne Pompons oder ein Einkaufswagen wurden geschickt multifunktional genutzt,

Einfallsreiche Tanzchoreografien zum Beispiel am Anfang zu „Our house“, oder später nach „Tom‘s Diner“ (Suzanne Vega) und „Barbie Girl“ (Aqua) sorgten für gute Stimmung.

Die jungen Schauspieler*innen überzeugten durch einer besonderen Leichtigkeit in ihrem Spiel. Dabei beeindruckten sie sowohl in den ernsten Momenten mit tiefgehenden Gesprächen, wie auch beim WG- und Party-Spaß. Im „Auerhaus“ sind sie füreinander da. Jedoch um eins klarzustellen: Bei diesem Stück gibt es kein Hollywood-Ende.

Lea Zimmermann hatte mit der Rolle den jungen Erwachsenen Höppner als Frau die besondere Herausforderung, sich nicht nur in einen Mann hinein zu versetzen, sondern auch glaubhaft auf der Bühne darzustellen. Sie meisterte diese Aufgabe mit Lockerheit.

Die verschiedenen Charaktere wurden von den Schauspieler*innen gut verkörpert.

Die nächste Gelegenheit das Stück für Jugendliche ab 14 Jahren zu erleben, gibt es am 07.03.2020 (20:00 Uhr).

Infos erhalten Sie wie immer unter https://www.theaterdo.de/detail/event/auerhaus/ und Tel.: 0231/ 50-27222.




Leben lernen

Am 29. Februar 2019 präsentiert das Kinder- und Jugendtheater (KJT) eine neue Produktion des Jugendclubs. Auf die Bühne kommt das Stück „Auerhaus“ nach dem Roman von Bov Bjerg. Die Stückfassung besorgte Robert Koall.

Die Geschichte dreht sich um den Jugendlichen Frieder, der nach einem gescheiterten Selbstmordversuch quasi zur Therapie, in einem x-beliebigen Kaff in Deutschland auf dem alten Hof seines Großvaters lebt. Um nicht alleine mit seinem Opa zu leben, kommen weitere Menschen hinzu: Höppner, Vera, Cäcilia, Harry und Pauline. Die Jugendlichen machen den Hof zu ihrem „Auerhaus“ – nach dem bekannten Song „Our House“ von Madness aus dem Jahre 1983. Das Stück selbst spielt in den 90er Jahren, die Kostüme und die Musik werden aus dieser Epoche sein.

Die sechs Mitglieder des Jugendclubs bei der Probe zu "Auerhaus". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Die sechs Mitglieder des Jugendclubs bei der Probe zu „Auerhaus“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Trotz der harten Story geht es in dem Stück auch um die Frage, wie gehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen damit um, zum ersten Mal auf eigenen Füßen zu stehen, sich zu arrangieren oder aber auch Blödsinn zu machen. Oder kurz gesagt: Wie geht Leben?

Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind sechs Mitglieder des Jugendclubs. Sie sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. „In den Stück ist viel von den jungen Erwachsenen eingeflossen“, so Milena Kowalski und Lioba Sombetzki vom KJT, die für die Regie, Dramaturgie und Choreografie verantwortlich sind. Ab Oktober wurde einmal wöchentlich geprobt, dazu gab es ein Intensivwochenende. „Das Stück ist ein vollwertiger Teil des Spielplans“, betonte Sombetzki. Es wird an sechs Terminen gezeigt und ist am 21. Mai 2020 im Rahmen des Festivals Unruhr zu sehen.

Für die Premiere sind noch Restkarten vorhanden. Die weiteren Termine sind unter https://www.theaterdo.de/detail/event/auerhaus/ zu finden.




Geierabend freut sich über große Zuschauerresonanz

Die Session für den alternativen Ruhr-Karneval Geierabend 2020 neigt sich dem offiziellen Ende zu. Am Dienstag, den 25.02.2020 findet die letzte Vorstellung auf Zeche Zollern statt. Der Geierabend-Veranstalter Horst Hanke-Lindemann freute sich mit dem gesamten Ensemble über 36 so gut wie immer ausverkaufte Vorstellungen mit 15.000 Besucherinnen und Besuchern.

Bei der Pressekonferenz berichtete Kabarettist Murat Kayi rückblickend über Innovationen wie starke Videosequenzen, üppig Absurdes, aktuelle Themen und Inhalte.

Von den politischen Ereignisse der letzten Tage und Wochen blieb auch der Geierabend und sei Programm nicht unberührt. Schnell musste die Szene mit Annegret Kramp-Karrenbauer nach dem Erfurter Demokratiedebakel komplett erneuert werden, der Programmpunkt mit den „Kriminellen Clans und Shisha-Bars unter besonderer Polizeibewachung“ musste letztendlich gestrichen werden, nachdem ein psychisch kranker rechter Rassist (das ist ja nicht unbedingt ein Widerspruch) in zwei Shisha-Bars in Haunau neun Menschen ermordet und sich dann sich selbst erschossen hatte.

Die kostenlosen Grußkarten des Geierabends für die Zuschauer wurden kurzerhand zu einer Protestaktion an die Thüringer FDP umfunktioniert und an sie adressiert.

Der Geierabend musste aufgrund aktueller Ereignisse sein Programm an manchen Stellen umändern. (vorne Martin Kaysh und Murat Kayi, im Hintergrund (v.r.n.l.) Horst Hanke-Lindemann, Roman Marczewski und Sandra Schmitz)
Der Geierabend musste aufgrund aktueller Ereignisse sein Programm an manchen Stellen umändern. (vorne Martin Kaysh und Murat Kayi, im Hintergrund (v.r.n.l.) Horst Hanke-Lindemann, Roman Marczewski und Sandra Schmitz)

Sandra Schmitz berichtete über die Schwierigkeit mit der Toleranz des Dortmunder Publikums in Bezug auf die Partnerstadt des Geierabends 2020 Gelsenkirchen. Die Rivalität zwischen Dortmund „BVB 09“ und „Schalke 04“ sei doch sehr groß. Der Anspruch des Geierabend ist es aber, nicht nur für Dortmund, sondern für das gesamte Ruhrgebiet satirisch zu sprechen. An der Verlosung für „Schalke-Freikarten“ fand trotzdem einen regen Zuspruch.

Leider heißt es nun Abschied nehmen von den langjährigen Ensemblemitgliedern „Franzi“ Mense-Moritz und Hans-Peter Krüger als Erzkomiker und Publikumslieblinge. Vor allem Mense-Moritz wird als Seele des Geierabends fehlen. Wenn es nicht so abgedroschen klingen würde, könnte man sagen: In jedem Ende liegt ein neuer Anfang.

Murat Kayi verkündete für die Zukunft sei man mit 3-5 Personen als Zuwachs für das Bühnenteam in guten Gesprächen. Gewartet wird mit Konkretem aber bis zum Ende der „Transferliste“.

Am 25.02.2020 wird im Rahmen der letzten Vorstellung der „Pannekopp-Orden 2020“ für „besondere“ Verdienste ums Ruhrgebiet vergeben. Er geht, wie der Steiger verriet, mit 35:0 Veranstaltungsstimmen an den Schalker Ehrenrat als Eskimo des Rassismus. Begründung: Wegen seiner laschen „Bestrafung“ von Schalke-Boss Clemens Tönnies hat sich der Schalker Ehrentat diesen „Orden“ redlich verdient.

Die Schalker antirassistische Fan-Initiative hat angekündigt, personell bei der letzten Vorstellung und somit der Ordensverleihung vertreten zu sein.




Sensibles Melodrama um Enoch Arden

Im Studio des Schauspiels Dortmund hatte „Enoch Arden“ (nach dem Versepos von Alfred Tennyson aus dem Jahre 1864) in der Inszenierung von Bjarne Gedrath am 23.02.2020 seine Premiere. Die Vertonung von Richard Strauss (1897) wurde von Oliver Siegel mit seinen musikalischen Arrangements frei adaptiert und als atmosphärische Begleitung auf die Bühne gebracht.

Viele kleine Deckenlampen wurden der Stimmung angepasst und jeweils ein oder ausgeschaltet. Auf der Bühne wurde ein mit etwas Wasser gefülltes niedriges schwarzes Wasserbassin angelegt. Auf einer Pritsche lag Enoch Arden (gespielt von Uwe Rohbeck). Das Wasser im Bassin stand symbolhaft für das Leben des Seemanns Enoch Arden.

Kurz vor seinem Tod zieht das Leben vom Seemann und Fischer Enoch Arden noch einmal an ihm vorbei. Seine Geschichte ist nicht nur tragisch für ihn, sondern sie betrifft auch in einem großen Maße seine große Liebe Annie (gespielt von Marlena Keil) und seine Kinder. Beide kannten sich schon seit Kindestagen und waren gut befreundet mit Philipp, den Sohn eines Müllers. Im Kampf um die Zuneigung und Liebe zieht der schüchterne Philipp den kürzeren. Enoch Arden und Annie heiraten und bekommen drei Kinder. Nach einem Unfall fürchtet der Protagonist, seine Familie nicht mehr genügend finanziell unterstützen zu können. Seine Kinder sollen es doch einmal besser haben. Er beschließt, mit einem Handelsschiff auf eine längere Reise in ferne Länder zu schippern und so viel Geld zu verdienen. Seine Frau kommt mehr schlecht als recht über die Runden.Ihr kaufmännisches Geschick, die Hoffnung, dass er schnell heimkehrt zerschlägt sich, als er auf einer Insel im Nirgendwo strandet und allein überlebt. Ganze zehn Jahre ist er verschollen. Die Stimmung der verzweifelte Annie wechselt zwischen Hoffen und Bangen. Das dritte kränkelnde Kind stirbt. Der finanziell gut stehende Philipp bietet an, die Schulbildung der Kinder von Annie zu finanzieren. Nach langen Zögern gibt Annie dem Liebesdrängen von Philipp nach und heiratet ihn schließlich. Die beiden bekommen auch noch einen Sohn. Doch dann kehrt Enoch Arden in seine alte Heimat zurück und muss eine schwere Entscheidung treffen…

Enoch Arden (Uwe Rohbeck) möchte sich seiner Annie (Marlena Keil) nicht offenbaren. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Enoch Arden (Uwe Rohbeck) möchte sich seiner Annie (Marlena Keil) nicht offenbaren. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Marlena Keil und Uwe Rohbeck gelang es wunderbar, die Gefühlslagen von Annie und Enoch gegenüber zu stellen. Die tiefe Einsamkeit, Liebe, Hoffnung und Verzweiflung aus beider Sichtweisen und Erlebnissen prallen aufeinander. Arden wollte das Beste für seine Familie und glaubte daran, schnell zu ihr zurück zu kommen. Sie hatte über viele Jahre die Ungewissheit über das Schicksal ihres Mannes und die Verantwortung für ihre Kinder zu tragen. So ähnlich erging es wohl den Frauen nach den Kriegen, wenn sie nicht wussten, ob ihre Männer noch lebten und jemals nach Hause kommen würden.

Die Text aus dem 19. Jahrhundert waren von eindringlicher Kraft und wurden oft vom Textblättern, die aus einer alten Schreibmaschine gezogen wurden, vorgelesen (und im Wasser versenkt). Trotz seines gebrochenem Herzen war Enoch am Ende das Glück von Annie wichtiger als sein eigenes.

Gelegenheit, dieses Stück im Studio zu erleben, gibt es noch am 28.02.2020 und am 06.03.2020 jeweils um 20:00 Uhr.

Infos gibt es wie immer unter www.theaterdo.de oder tel.. 0231/50 27 222




Helios-Theater zeigt Kinderstück über unterschiedliche Perspektiven

Am Sonntag, 8. März 2020 um 16:00 Uhr feiert im HELIOS Theater in Hamm eine neue Produktion Premiere: „Der Elefant im dunklen Haus“. Das Stück richtet sich an alle ab 6 Jahren.

„Was ist ein Elefant?“ – In der alten Geschichte von Rumi stellt ein König diese Frage an fünf gelehrte Männer. Keiner kann sie beantworten, weil jeder nur einen Teil des Ganzen erfasst.

In „Der Elefant im dunklen Haus“ erzählen Regisseurin Barbara Kölling und die Ensemblemitglieder Bahareh Sadafi und Mamadoo Mehrnejad von einer Dorfgemeinschaft. Ein Haus ist laut, das andere leise, das dritte eckig, das vierte dreckig. Es gibt Streit – oder eisige Stille…

Eines Tages kommt eine alte Frau aus ihrem Haus und fragt die anderen: „Was ist ein Elefant?“ Alle machen sich über die Frage lustig – und beginnen darüber zu streiten, welcher Teil des Elefanten der beste und wichtigste, der essentiellste sei…

Bahar Sadafi und Mamadoo Mehrnejad spielen mit Licht und Schatten. (Foto: © A.-S. Zimniak)
Bahar Sadafi und Mamadoo Mehrnejad spielen mit Licht und Schatten. (Foto: © A.-S. Zimniak)

Erzählt wird mit Licht und Schatten. Humorvoll und präzise zeichnen Bahareh Sadafi und Mamadoo Mehrnejad die verschiedenen Charaktere. Auf Leinwänden lassen sie Farben und Formen tanzen, die sich assoziativ zu Bildern vom Dorf, seinen Häusern und Menschen zusammensetzen. Ob die Teile des „Elefanten“ am Ende ein Ganzes werden? Beide sind in Dortmund gut bekannt durch ihre Produktion „Die Geworfenen“ im Roto Theater.

Weitere Aufführungen gibt es am 10. und 11. März jeweils um 10:00 Uhr sowie im Mai: für Familien am Sonntag, 17.05. um 16:00 Uhr und für Schulklassen und ältere Kindergartengruppen vom 18.-20. Mai jeweils um 10:00 Uhr. Karten zu 5,50 € pro Person (für Gruppen: 5,00 € je Kind, bis zu 4 erwachsene Begleitpersonen kostenlos) gibt es unter Tel. 02381 926837 oder per Mail an post@helios-theater.de.




Noch mal die „Sonne“ – oder auf der Suche nach der Alraune des Führers im Teutoburger Wald

Kein gewöhnlicher Theaterabend. Aber das war bereits bei dem Titel „Lolita (R)evolution (Rufschädigendst) – ihr alle seid die Lolita eurer selbst“ nicht zu vermuten. Und dann war da auch noch Regisseur Jonathan Meese, der auch auf der Bühne stand. Ein Theaterexperiment auf 2 ½ Stunden. Ars tremonia war am 15. Februar 2020 dabei.

Der Abend begann außergewöhnlich, aber unterhaltsam. Zunächst wurde dem Kunstlied gefrönt und danach gab es auf einer Leinwand eine kurze Zusammenfassung des Buches „Lolita“ von Vladimir Nakokov. Doch als der Vorhang endgültig aufging, changierte das Stück zwischen Theater und Kunstperformance. Hin und wieder hatte der Abend etwas von Erwachsenen, die ihren 5. Geburtstag nachfeiern wollen und auf dem Dachboden alte Klamotten gefunden haben, die sie nach Herzenslust anziehen. Besonders fasziniert ist Jonathan Meese von Nazi-Uniformen und er muss natürlich beinahe permanent den rechten Arm zum Hitlergruß heben. Wie provokant. Doch irgendwann wird die Provokation zur Pose und angesichts der Tatsache, dass beispielsweise in Dortmund mit der Partei „Die Rechte“ echte Nazis im Stadtrat sitzen und der Coup der AfD in Thüringen noch frisch im Gedächtnis ist.

Der Beginn der Kunstperformance war sehr vielversprechend. Auf einem überdimensionalem Bleistift saßen die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler in einer Art Musketier-Verkleidung und warfen sich Schlagworte zu. Davon war noch „es muss ein Riss durch Deutschland gehen“ – nach der berühmten Herzog-Rede – noch ein witziger Bezug. Danach ergoss sich ein Schlagwortgewitter, in dem unter anderem die Alraune des Führers im Teutoburger Wald gesucht werden sollte. Später sollte die Alraune des deutschen Theaters gezüchtet werden.

Die Lolitas sind bereit für die Dikatatur der Kunst. (v.l.n.r.) Maximilian Brauer, Uwe Schmieder, Bernhard Schütz, Lilith Stangenberg and Anke Zillich. (Foto: © 020 © PHOTOGRAPHY JAN BAUER . NET / COURTESY JONATHAN MEESE . COM)
Die Lolitas sind bereit für die Dikatatur der Kunst. (v.l.n.r.) Maximilian Brauer, Uwe Schmieder, Bernhard Schütz, Lilith Stangenberg and Anke Zillich. (Foto: © 020 © PHOTOGRAPHY JAN BAUER . NET / COURTESY JONATHAN MEESE . COM)

Im weiteren Verlauf wurde unter anderem die Meuterei auf der Bounty aufs Korn genommen. Vor allem Fletcher Christian, der Anführer der Meuterer, bekam sein Fett weg. Denn schließlich ist die Seefahrt keine Demokratie. Der Seewolf und Ahab würden das bestätigen. Irgendeiner hat das Kommando.

Und ebenso ist das „Theater der Zukunft“, das Meese in seinem beigelegten Manifest beschreibt, keine Demokratie, auch keine Unterhaltung und paktiert nicht mit dem Publikum. Das ist ihm bei „Lolita“ ziemlich gut gelungen. Es hat auch niemand gesagt, dass die Diktatur der Kunst immer angenehm sein muss.

Das Bühnenbild war sehr beeindruckend. Einige Werke von Jonathan Meese („ich bin nicht ateliertauglich“) hingen in überdimensionaler Größe an der Decke und wurden hoch- oder runter gezogen. Links und rechts standen Telefonzellen, eine rote englische und eine gelbe deutsche, auf denen zwei Bildschirme standen. Die englische Telefonzelle zeigt den Film „Zardoz“ (1974) mit Sean Connery, auf den sich auch ein Bild von Jonathan Meese bezog und auf dem anderen „The Wicker Man“ (1973).

Musikalisch war es breit gefächert: Neben der Kunstmusik zu Beginn, gab es ein Poplied zu Deutschland und eine alte Schnulze von Peter Maffay. „Josey“ besingt ja gerade das gute alte Lolitathema.

Einen Knaller hatte Jonathan Meese noch gegen Ende, als er „Sonne“ von Rammstein quasi in Endlosschleife abspielen ließ. Doch nicht nur das, er sang im Refrain immer „Hier kommt die Mutter“ statt „Hier kommt die Sonne“. Wobei Rammstein auch ein schönes Lied mit dem Titel „Mutter“ hat, aber gut.

Am Ende kam tatsächlich (seine) Mutter auf die Bühne, bekam wie beim Kindergeburtstag auch ein Stück Küchen und durfte sich an den „Tisch der Erkenntnis“ setzen. Ihre Stimme aus dem Off war immer wieder wie ein kleiner Ordnungsruf an die Beteiligten.

Und jetzt das Fazit? „Lolita“ ist kein klassisches oder modernes Theaterstück, es bricht mit vielen Konventionen, aber es ist bunt, laut und schrill. Wer Loops liebt, der wird sich an den permanenten Wiederholungen erfreuen. Jonathan Meese, Maxililian Brauer, Henning Nass, Uwe Schmieder, Bernhard Schütz, Lilith Stangenberg und Anke Zillich performen bis an die Schmerzgrenze. Nur wer bereit ist, sich der totalen Dikatur der Kunst zu unterwerfen, wird einen tollen Abend genießen und mit „Sonne“ einen neuen Ohrwurm mit nach Hause nehmen.

Die weiteren Möglichkeiten, sich dem Diktat der Kunst unterzuordnen, bestehen am 21. März 2020, 03. April 2020, 25. April 2020 und am 16. Mai 2020. Alle Termine beginnen um 19:30 Uhr.