Tragischer Held im Zentrum der Götterdämmerung

Wenn sich die Oper selbst auf die Bühne hebt, wird der Mythos greifbar. In Richard Wagners Götterdämmerung – dem letzten Teil seines monumentalen Ring des Nibelungen – verschränkt Bühnenbildner Bert Neumann das Spiel mit einer Bühne auf der Bühne. Die Dortmunder Premiere fand am 18. Mai 2025 statt.

Nichts ist größer als die Natur. Der Raub des Rheingolds – das aus dem Rhein geborgene Gold – bringt das Gleichgewicht der Welt aus dem Lot. Die Entfremdung von der Natur zeigt sich in der unstillbaren Gier nach Macht und technischer Beherrschung. Doch die Natur ist mehr als Kulisse: Sie ist Richterin. Sie straft jene, die sie ausbeuten, und eröffnet am Ende die Möglichkeit eines Neubeginns. Auch Wotan, der oberste Gott, bleibt davon nicht verschont. Sein Speer, Symbol seiner Herrschaft, wird durch Siegfried zerbrochen, und mit ihm die in ihn eingeritzten Runen, die einst die Ordnung der Welt festschrieben. Obwohl Wotan in der Götterdämmerung selbst nicht erscheint, ist sein Sturz im vierten Teil vollzogen. Die Saat der Machtgier geht auf.

Konwitschnys Siegfried: Naiv, getrieben, tragisch

In Peter Konwitschnys Inszenierung liegt der Fokus ganz auf Siegfried (Daniel Frank). Der Regisseur rückt weniger den göttlichen Weltenbrand in den Mittelpunkt als das private Drama eines naiven Helden. Siegfrieds Weg vom liebenden Idealisten bis zum ahnungslosen Verräter zeigt eine Figur, die an ihrer Unschuld ebenso zugrunde geht wie an der Welt, die ihn formt. Der Gedächtnisverlust durch einen Zaubertrank und der Verrat an Brünnhilde stehen exemplarisch für einen moralischen Verfall, der am Ende alle betrifft, Menschen wie Götter.

Ein Bild aus frühreren, glücklichen Tagen. Brünnhilde (Stéphanie Müther ) udn Siegfried (Daniel Frank). (Foto: (c)  Thomas M. Jauk)
Ein Bild aus frühreren, glücklichen Tagen. Brünnhilde (Stéphanie Müther ) udn Siegfried (Daniel Frank). (Foto: (c)
Thomas M. Jauk)

Konwitschnys Siegfried ist kein übermenschlicher Held, sondern ein tragischer Irrläufer in einer verlogenen Welt. In einer Szene taucht er in einer Art Asterix-Kostüm auf, was zum Glück ein seltener Ausflug ins Alberne bleibt. Die Kostüme insgesamt sind zeitgenössisch und unprätentiös gehalten.

Brünnhilde ist der emotionale Kern des Abends. Der Verlust von Siegfrieds Liebe ist für sie mehr als eine Kränkung, es ist der Zusammenbruch ihrer Wirklichkeit. Stéphanie Müther bringt diese Brüche stimmlich wie darstellerisch eindrucksvoll zum Ausdruck. Ihre Brünnhilde vereint Wut, Trauer und letztlich Erlösungskraft in einer vielschichtigen Interpretation.

Auch die übrigen Rollen sind hervorragend besetzt: Barbara Senator überzeugt als naive, leicht lenkbare Gutrune; Samuel Youn gestaltet den manipulativ-kalten Hagen mit beeindruckender Präsenz, und Joachim Goltz gibt dem schwankenden König Gunther eine tragische Tiefe.

Die Dortmunder Philharmoniker unter Generalmusikdirektor Gabriel Feltz liefern ein klanglich detailreiches und dramatisch dichtes Fundament, das der Inszenierung Kraft und Tiefe verleiht.

Am Ende gab es einige vereinzelte Buhrufe für die Regie – doch der überwältigende Applaus für Sänger:innen, Orchester und Ensemble machte deutlich: Diese Götterdämmerung war keine Apokalypse, sondern eine durchdachte theatrale Reflexion – über Macht, Irrtum, Liebe und den letzten Klang der Welt.

 




Eine kulinarische Lesung – Erdbeereis und Kichererbsen

Essen und Literatur – zwei zentrale kulturelle Ausdrucksformen, die sich seit jeher gegenseitig würzen. In Romanen, Erzählungen oder Gedichten ist das Mahl mehr als bloße Nahrungsaufnahme: Es wird zur Bühne für Begegnungen, zur Metapher für Beziehungen, zum Symbol für Macht, Begehren oder Verlust – serviert zwischen den Zeilen, garniert mit Emotionen.

Von Marcel Prousts berühmter Madeleine, die ganze Erinnerungskaskaden auslöst, bis zu den liebevoll beschriebenen Nudelschüsseln und Whiskygläsern in Haruki Murakamis Romanen – literarisches Essen ist stets sinnstiftend und bedeutungstragend. Auch in der deutschsprachigen Literatur ist das Motiv weit verbreitet: In Thomas Manns Buddenbrooks spiegeln üppige Tafeln den gesellschaftlichen Status wider, während bei Siegfried Lenz oft das einfache Brot mehr sagt als viele Worte.

Am 17. Mai 2025 servierte das ensemble 17 – bestehend aus Christine Ates, Barbara Müller und Katharina Stillger – im Raum 17 ein literarisches Menü vom Frühstück bis zur Nachspeise. Die ausgesuchten Kurzgeschichten von unter anderem Doris Dörrie, Pablo Neruda, Donna Leon und Steven Paul wurden so wohlschmeckend vorgetragen, dass der literarische Appetit der Zuhörenden reichlich gestillt wurde.

Zwischen Müsli und Buchdeckel: Wenn Worte munden

Und dann war da noch das Erdbeereis mit Kichererbsen – zwei Zutaten, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen wie Öl und Wasser. Doch im tiefen Netz der Rezeptideen fand sich die raffinierte Verbindung: Veganes Erdbeereis mit „Aquafaba“, dem Sud gekochter Kichererbsen. Ein kulinarischer Aha-Moment – man lernt nie aus.

Katharina Stillger, Barbara Müller und Christine Ates präsentierten eine poetische Lesung über Essen. (Foto: (c) Ralf Rottmann)
Katharina Stillger, Barbara Müller und Christine Ates präsentierten eine poetische Lesung über Essen. (Foto: (c) Ralf Rottmann)

Auch wenn mit einem Text über Currywurst bereits ein würziger Akzent gesetzt wurde – ein wenig mehr Pfeffer hätte dem Programm nicht geschadet. Ein Text von Wiglaf Droste vielleicht, scharfzüngig wie eine gut gewürzte Chorizo. Doch das ist Meckern auf Sterne-Niveau – der Abend war rundum gelungen.

Ates, Müller und Stillger kredenzten ein abwechslungsreiches Menü erzählerischer Leckerbissen – von literarischen Brotresten (die im Ruhrgebiet natürlich Knapp heißen) bis hin zu einer raffinierten spanischen Kichererbsensuppe, die mit Worten wie mit Safran verfeinert war.

Wer nun Appetit bekommen hat, kann sich am 5. und 6. Juli 2025 um 20 Uhr erneut im Mönchengang 9 einfinden – und selbst auf den Geschmack kommen.




Musical über Mobbing und religiösen Fanatismus

Als neues partizipatorisches Projekt der Jungen Oper Dortmund (ab 16 Jahren) präsentierten die OpernYoungsters und YoungSymphonics am 17.05.2025 im Operntreff des Dortmunder Theaters die Inszenierung Carrie – Das Musical, basierend auf dem Buch von Lawrence D. Cohen und dem gleichnamigen Roman von Stephen King. Regie führte Alexander Becker, die musikalische Leitung der Projektband übernahm Andreas Reukauf. Die Songtexte stammen von Dean Pitchford, die Musik von Michael Gore. Die deutsche Textfassung wurde von Martin Wessels-Behrens und Judith Behrens erstellt.

Zwischen innerer Zerrissenheit und gesellschaftlichem Grauen

Carrie ist ein Klassiker des Horrorgenres, der die verheerenden Folgen von Mobbing und Ausgrenzung an amerikanischen Highschools thematisiert – und dabei nichts an Aktualität eingebüßt hat. Zwar spielen übernatürliche und paranoide Elemente eine zentrale Rolle, doch liegt der Fokus dieser Inszenierung deutlich auf den emotionalen Innenwelten der Hauptfiguren. Die jungen Darsteller*innen vermittelten diese mit großer Offenheit und spürbarer Empathie – stets nah am Publikum.

Schon vor Beginn der Aufführung deuteten weiße, blutbefleckte Tücher auf dem Boden, unter denen sich Körper verbergen, das erste Horrorelement an. Die Handlung wird rückblickend erzählt.

Tabitha Affeldt 8und die OpernYoungsters. (Foto: (C) Björn Hickmann)
Tabitha Affeldt 8und die OpernYoungsters. (Foto: (C) Björn Hickmann)

Ein fragiler Abend – und sein zerstörerisches Ende

Im Mittelpunkt steht die 16-jährige Außenseiterin Carrie White – im Musical zusätzlich als übergewichtig dargestellt –, die von Tabitha Affeldt beeindruckend verkörpert wurde. Carrie wächst isoliert und unter der Kontrolle ihrer fanatisch religiösen Mutter Margaret White auf. Das Bühnenbild ist entsprechend düster und karg gehalten. Susanna Panzner (ehemaliges Ensemblemitglied der Oper Dortmund) zeichnete ein intensives Porträt dieser von Angst und Wahnvorstellungen geprägten Mutterfigur.

Carolin Bernhard als engagierte Sportlehrerin Miss Gardner versucht, den Schikanen der beiden Hauptmobber Chris Hargensen (Jule Giesenkirchen) und Billy Nolan (Jan Kamischke) entgegenzuwirken, indem sie die beiden vom Abschlussball ausschließt. Die beiden Unruhestifter suchen daraufhin in Carrie ein neues Opfer.

Im Gegensatz dazu zeigt sich Carries Mitschülerin Sue Snell (Selma Kirketerp) reumütig. Von Schuldgefühlen geplagt, bittet sie ihren sensiblen Freund Tommy Ross (Lennart Pannek), Carrie an ihrer Stelle zum Abschlussball zu begleiten. Was als versöhnlicher Abend beginnt, endet schließlich in einer dramatischen Katastrophe …

Die Inszenierung überzeugte durch ihre eindringliche Erzählweise und die stimmige musikalische Begleitung – eine kraftvolle Mischung aus dramatischen Rock- und Popsongs sowie gefühlvollen Balladen.

Weitere Informationen zu Aufführungsterminen finden Sie unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.




Ein Familienstück über das „Anderssein“

Am Sonntag, den 18.05.2025, feierte im Rahmen des Kinder- und Familienprogramms der Kulturbrigaden unter der Regie von Rada Radojčić das Stück Irgendwie Anders im Dortmunder Theater Fletch Bizzel seine Premiere. Die Inszenierung richtet sich an Kinder ab vier Jahren und basiert auf dem bekannten Kinderbuch Something Else von Kathryn Cave mit den ausdrucksstarken Illustrationen von Chris Riddell.

Von Ausgrenzung und Begegnung

Die Bühnenausstattung – etwa ein gemütlicher Ohrensessel – und die fantasievollen Kostüme orientierten sich eng an der Buchvorlage. Im Zentrum der Geschichte steht ein kleines Wesen, das allein in einem Haus auf einem Berg lebt und sich in vielerlei Hinsicht von den Dorfbewohnern (wie einem Maler oder tierischen Figuren) im Tal unterscheidet. Trotz aller Bemühungen wird es ausgeschlossen und fühlt sich oft einsam. Eines Tages jedoch klopft ein temperamentvolles und lautes „Etwas“ an seine Tür …

Sandra Schmitz verkörperte die Figur „Irgendwie Anders“ und sprach das junge Publikum direkt und emotional an. Vielen dürfte sie aus dem Ensemble des Geierabends bekannt sein. Schauspielerin Christiane Wilke überzeugte mit Spielfreude und Energie nicht nur als quirliges „Etwas“, sondern auch in den Rollen der verschiedenen Wesen im Tal. Mit viel Humor wurde getanzt, gesprungen und gesungen. Die Kinder im Publikum reagierten begeistert, beteiligten sich aktiv und wurden durch gezielte Ansprache geschickt in das Geschehen eingebunden.

Sandra Schmitz (links) und Christiane Wilke in "Irgendwie anders". (Foto;: (c) Kulturbrigaden)
Sandra Schmitz (links) und Christiane Wilke in „Irgendwie anders“. (Foto;: (c) Kulturbrigaden)

Ein wichtiger Bestandteil des Gesamt­erlebnisses war auch die stimmige und situationsbezogene musikalische Begleitung. Es hat sich aus organisatorischen Gründen ergeben, dass am kommenden Donnerstag, den 22. Mai um 10 Uhr NICHT „ZWEI MONSTER“ gespielt wird, sondern eine weitere Vorstellung von „IRGENDWIE ANDERS“.

Weitere Informationen unter: www.fletch-bizzel.de




Jedes Wesen ist besonders und anders

Im Rahmen des Kinder- und Familientheaterprogramms KIDZ IM BIZZ feiert am Sonntag, den 18. Mai 2025, um 15:00 Uhr das Stück „Irgendwie Anders“ (empfohlen ab 4 Jahren) im Theater Fletch Bizzel Dortmund Premiere.

Als Vorlage dient das englische Kinderbuch Something Else (1998) von Kathryn Cave mit Illustrationen von Chris Riddell, das in deutscher Sprache im Friedrich Oetinger Verlag erschienen ist. Die Bühnenfassung bringt die Geschichte liebevoll für junges Publikum auf die Bühne.

Erzählt wird die Geschichte eines kleinen Wesens, das abgeschieden in einem Häuschen auf einem Berg lebt. Es unterscheidet sich deutlich von den anderen Bewohner:innen des Dorfes – und wird trotz aller Bemühungen, dazuzugehören, ausgegrenzt. Eines Tages jedoch klopft ein seltsam quirliges Etwas an die Tür und behauptet, ihm ähnlich zu sein…

Dzaklin Radojčić (links) und Christiane Wilke bei der Probe zu "Irgendwie anders". (Foto: (C) Bianca Breuer)
Dzaklin Radojčić (links) und Christiane Wilke bei der Probe zu „Irgendwie anders“. (Foto: (C) Bianca Breuer)

Es ist ein berührendes Abenteuer über Akzeptanz, Freundschaft und die Botschaft, dass wir alle auf unsere eigene Weise besonders sind.

Christiane Wilke übernimmt die Rolle der Dorfbewohner:innen sowie des „anderen Etwas“, während Sandra Schmitz (bekannt vom Geierabend) das Wesen „Irgendwie Anders“ spielt. Bei der Schülergruppen-Vorstellung am Dienstag, den 20. Mai 2025, um 10:00 Uhr, wird Dzaklin Radojčić diese Rolle übernehmen.

Die beiden Hauptfiguren erscheinen übrigens auch als liebevoll gestaltete Puppen auf der Bühne. Für die Kostüme zeichnet Anna Hörling verantwortlich. Das Bühnenbild orientiert sich eng an der Bildsprache des Kinderbuches.

Das Stück enthält fünf eigens komponierte Lieder – zum Abschluss ist sogar ein gemeinsames Singen geplant. Darüber hinaus ist die Produktion einer speziellen Musik-Kassette zum Stück in Planung.

Weitere Informationen unter: www.fletch-bizzel.de

 




Neun Anti-Heldinnen reißen das Theater Dortmund ab

Am 10. Mai feiert die Gruppe „i can be your translator“ Premiere auf der Bühne des Theater Dortmund. Anlässlich des geplanten Umzugs des Theaters in eine andere Spielstätte zum Ende des Sommers, lädt die seit zwei Jahren am Haus gastierende Gruppe das Publikum zu einem „Abriss!“.

Gemeinsam mit dem Publikum finden sich die Performenden auf der Bühne selbst ein, um die Frage zu verhandeln, was eigentlich genau abgerissen werden soll. Dafür treten sie eine klassische Held:innen-Reise an, die ziemlich unklassisch endet. Doch bevor es losgeht, werden die Besucher:innen erstmal gebrieft. Es handele sich um eine Relaxed-Performance, bei der Geräusche und bei Bedarf das Verlassen und Betreten des Raumes erlaubt seien. Außerdem werden die lauteste, hellste und dunkelste Stelle im Stück vorangekündigt. Hier äußert sich der erste Abriss klassischer Theaterformen: Statt das Publikum chronologisch in die Illusion der Geschichte einzuführen, wird der Ablauf und das zu erwartende Ende transparent gemacht und somit auf diverse neurodivergente Voraussetzungen im Publikum eingegangen.

In einer humoristischen Kurz-Zusammenfassung fächert das mixed-abled Ensemble dem Publikum zunächst eine Bandbreite von Held:innen-Geschichten auf: Pippi Langstrumpf, Indiana Jones, Rapunzel, Harry Potter, Tiger & Bär, Dune, Käpt’n Blaubär… und so weiter und so fort. Schnell wird klar, dass sie alle nach ähnlichem Muster funktionieren. Also muss eine neue Geschichte her! Dazu werden die neuen Held:innen gerufen und in einer Art Initiationsritual begrüßt. Der Performer Christian Schöttelndreier aka Schotti tritt mit einer leuchtenden Neon-Röhre auf, die an etwas zwischen Laserschwert und futuristischem Brennstab erinnert. Aufwändig und mit größter Sorgfalt wird die Röhre in eine von vier großen Säulen à la Atommülleimer (Bühne: Birk-André Hildebrandt) eingesetzt und schon geht es los: Eine Dreh-Plattform transformiert sich zur Bühne auf der Bühne und die Performer:innen formieren sich zu einer Band. Begleitet vom Musiker Christian Fleck, der an einem massiv verkabelten Musiktisch thront, und verschiedenen Instrumenten – darunter die für die Gruppe charakteristischen (diesmal neonfarbigen) Blockflöten – spielen sie „I need a hero“ von Bonnie Tyler.

Das Ensemble von "Abriss". (Foto: (c) Birgit Hupfeld)
Das Ensemble von „Abriss“. (Foto: (c) Birgit Hupfeld)

Mit viel Witz und Leichtigkeit nähern sich die Performenden nun ihrem eigenen Held:innentum. In futuristischen Kutten (Kostüm: Renè Neumann) durchlaufen sie ein Reenactment des populären Heldenepos „Herr der Ringe“. Dabei führt die Zuordnung der Rollen die vermeintlich ehrbaren Eigenschaften der Figuren liebevoll ad absurdum. Während die größte Performerin den Zwerg Gimli mimt, präsentiert Schotti dem Publikum als Legolas seinen pfeilschnellen Bogenschuss in gefühlten 10 Minuten. Das Spiel mit Asynchronitäten und ungewohnten Geschwindigkeiten kommt an diesem Abend nicht nur ein Mal zum Einsatz und führt dem Publikum mit einem Augenzwinkern vor, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von Zeit sein kann.

Auf der weiteren Reise changieren die Erzählungen des Ensembles zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, wenn sie von Ungerechtigkeiten, Defiziten, Gewalt, Diskriminierung und Barrieren erzählen. Die Performerin Anna Reizbikh tritt mit ihrem Rollstuhl den beschwerlichen Weg an von der Bühne, über den Hinterausgang raus, um das Gebäude herum, hinein in das Foyer des Theaters, mit dem Aufzug hinauf und rein in den Publikumsraum. In dieser Szene trifft die Bitterkeit der Realität von Menschen, die solche Barrieren tagtäglich überwinden müssen, auf schwarzen Humor. Die persönliche „Reise zum Mond“ wird abgerundet mit einer Gesangseinlage und weiteren Geschichten rund um grundlegende Probleme in unserer Gesellschaft: von der Unterversorgung im Gesundheitswesen, struktureller Diskriminierung und alltäglichen Gewalterfahrungen enden „i can be your translator“ bei der Erkenntnis, dass es all diese Probleme abzureißen gilt, um die Welt besser zu machen!

Symbolträchtig beschließen sie das Theater in seinen Grundfesten zu erschüttern und es mit einem Hammer und einem Dynamitzünder zu zerstören. Stellvertretend für das marode Schulsystem, den zu früh abfahrenden Zug, das Ehegattensplitting, die Prokrastination, zahllose Treppen und ständigen Harndrang hält der Bühnenboden für die Zerstörungslust der Gruppe her. Dabei wird Linda Fisahn mit einem chorischen „Wir bitten dich, zerstöre es!“ ekstatisch angefeuert. Nach diesem euphorischen Ritus, der Funken von Pyrotechnik und ein Loch im Bühnenboden hervorbringt, steht das Theater zwar immer noch in seinen Grundfesten, doch der Akt hat eine befreiende Wirkung.

Jetzt sind der Phantasie keine Grenzen mehr gesetzt, wie die Geschichten sich ändern müssten, damit sie die Welt verbessern, statt ihre Probleme zu verschärfen. Dabei bleibt eine Traurigkeit über den Abschied von einst geliebten Epen und Heroen (Stichwort: Darth Vader als faschistischer Massenmörder) nicht aus. Außerdem herrscht Uneinigkeit im Held:innenkollektiv darüber, wie genau die Wirkkraft der Geschichten umgekehrt werden kann. Brauchen unsere Geschichten mehr Tiefe, mehr Fokus auf das Individuum oder doch einfach nur mehrstimmige Lieder? Die Frage bleibt unbeantwortet und ein letzter Wunsch steht im Raum: Dass am Ende dieser Geschichte ein Zaubertrick steht. Doch wie der genau aussieht? Wer weiß…

 

 

Mit: Lis-Marie Diehl, Linda Fisahn, Christian Fleck , Ekkehard Freye, Julia Hülsken, Marlena Keil, Anna Reizbikh, Christoph Rodatz, Christian Schöttelndreier, Laurens Wältken




TOMORROW KIOSK – Ein Raum für Erinnerungen, Visionen und Begegnung

Was passiert mit einer Theatergruppe, wenn sie ihren Theaterraum verliert? Sie schafft sich einen neuen. Der TOMORROW KIOSK ist das neue Zuhause des Transnationalen Ensemble Labsa. Am 10. Mai 2025 bezog Labsa symbolisch diesen Raum im Theater im Depot.

Der Umgang mit Verlust ist den Ensemblemitgliedern vertraut. Doch statt sich zurückzuziehen, kommen sie zusammen – um Erinnerung, Gegenwart und Zukunft in kollektiver Präsenz lebendig werden zu lassen. Im TOMORROW KIOSK entstand so ein Ort der Begegnung, gefüllt mit Essen und Trinken, Performance, Musik und Tanz.

Der "Tommorow Kiosk" von Labsa öffnete für einen Abend im Theater im Depot. (Foto: (c) Labsa)
Der „Tommorow Kiosk“ von Labsa öffnete für einen Abend im Theater im Depot. (Foto: (c) Labsa)

Da Labsa zur Eröffnung der aktuellen Ausstellung „Am Tisch“ im Museum Ostwall eine Performance beigesteuert hatte, stand auch an diesem Abend das Thema Essen im Mittelpunkt. In verschiedenen Szenen wurde dieses Thema kreativ aufgegriffen: mit überdimensionalen Löffeln, einer Prise Zirkusatmosphäre (inklusive einer „zersägten Jungfrau“) und tänzerischen Einlagen – sogar ein chinesischer (?) Drache tanzte mit. Den Abschluss bildete ein gemeinsames Essen, das den Abend sinnlich und gemeinschaftlich abrundete.




Viele Möglichkeiten und Potenziale durch Vernichtung genommen

Der 8. Mai 2025 ist ein denkwürdiges Datum: Zum 80. Mal jährt sich an diesem Tag das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft mit ihrer grausamen Vernichtungsmaschinerie – gegen jüdische Mitmenschen ebenso wie gegen all jene, die als Gegner*innen oder „lebensunwert“ galten.

Anlässlich dieses historischen Tages feierte das Stück Ohne Titel (194418) (ab 16 Jahren) von den israelischen Autorinnen Elinor Milchan und Sharon Burstein Bichachi seine Uraufführung im Kinder- und Jugendtheater Dortmund (KJT). Regie führte KJT-Intendant Andreas Gruhn. Das Stück zeigt eindrücklich, wie durch die Ermordung von Millionen jüdischer Künstlerinnen – ebenso wie von Intellektuellen und Wissenschaftlerinnen – nicht nur individuelle Lebensentwürfe ausgelöscht, sondern auch menschliche Potenziale unwiederbringlich vernichtet wurden.

Erinnerung in eindrucksvollen Bildern

Die Bühne war mit bronzefarbenen, stelenartigen Konstruktionen gestaltet, in deren Mitte ein flacher Sockel platziert war – eine Anspielung auf das Holocaust-Mahnmal. Die rückseitige Wand, mit fensterrahmenähnlichen Elementen versehen, diente als Projektionsfläche für jeweils passende Hintergrundbilder, die Szenen visuell einbetteten.

Beatrice Sclicon, Annika Hauffe, Jan Westphal
(c) Birgit Hupfeld

Im Zentrum des Geschehens steht die junge Künstlerin Nelly – beeindruckend dargestellt von Annika Hauffe. Als 18-jährige Jüdin wird sie 1944 im Ghetto Theresienstadt festgehalten. In episodenhaften Zeitsprüngen über mehrere Jahrzehnte entfaltet sich eine Geschichte, die nur fiktiv sein kann – denn das tatsächliche Leben wurde Nelly verwehrt. Menschen, Erinnerungen, Geräusche – all das webt sich in die Erzählung ein. Über der Projektionsfläche werden jeweils Jahreszahlen und Orte eingeblendet. Doch immer wieder bricht die Realität, der Nelly zu entfliehen versucht, gewaltsam über sie herein. Eine zentrale Rolle übernimmt das „Mädchen“ – ihr stummes Alter Ego, eindrucksvoll verkörpert von Paula Wegener.

Zu Beginn betritt Annika Hauffe als über 90-jährige Nelly die Bühne, um den Preis für ihr Lebenswerk entgegenzunehmen – ein berührender Einstieg. Auch das übrige Ensemble (Jan Westphal, Rainer Kleinespel, Thomas Ehrlichmann und Sar Adina Scheer) überzeugte durch starke schauspielerische Präsenz und große Wandlungsfähigkeit in den verschiedenen Rollen.

Musik und Sounddesign von Manuel Loos unterstreichen atmosphärisch die dramatischen Szenen, ohne sie zu überfrachten – ein fein abgestimmter akustischer Rahmen.

Kunst als Widerstand – und als Erinnerung

Nelly steht stellvertretend für viele jüdische Künstler*innen, die selbst in der Gefangenschaft weiter schöpferisch tätig waren – oft im Verborgenen, als mutiger Akt des Widerstands. Ob sie überlebten oder nicht, bleibt in vielen Fällen offen. Das Stück verneigt sich vor diesen Menschen und ihrem unbeugsamen Geist.

Trotz der ernsten Thematik verliert die Inszenierung nicht den Blick für Menschlichkeit und Überlebenswillen – gelegentlich blitzen sogar humorvoll-ironische Momente auf.

Für Schulklassen und interessierte Besucher*innen gibt es weitere Vorstellungen. Informationen zu den Terminen sind wie immer unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222 erhältlich.




„Under Pressure – Die Zukunft war gestern“ im Schauspielhaus Dortmund

Wölfe heulen – und sie sind niemals schwach. Manchmal ist das Leben zum Heulen. Und nicht besonders einfach. Und was bringt die Zukunft? „Life is shit and then you die“? Zehn Jugendliche begeben sich auf eine Forschungsreise – durch ein Portal in eine ungewisse, andere Welt.

Drei zunächst graue Objekte und zwei Zelte bilden das Bühnenbild, die Darstellenden tragen graue Kostüme. Einheitlich und einförmig – und doch individuell durch farbig geschminkte Gesichtspartien. Die grauen Elemente dienen als Auf- und Abgänge, sind aber auch große Projektionsflächen für bewegte Bilder. Immer wieder wird eine Nachrichtensendung eingeblendet.

Individuelle Westen ergänzen bald die Kostüme. Keine homogene Masse. (Bühne und Kostüme: Slynrya Kongyoo.)

Gedanken zur Zukunft zwischen Krise und Hoffnung

Auf ihrer Forschungsreise führen sie Tagebuch, machen sich Gedanken um ihre persönliche Zukunft – und das große Ganze. Sie sind gesellschaftlich und politisch, lokal und global hochaktuell. Das Dortmunder Weihnachtsbaum-Szenario aus dem Jahr 2024 findet Erwähnung, vor allem jedoch das Klima und andere Krisen.

Das ensemble vom Jugendclub 16Plus. (Foto: (c) Lena liedmann)
Das Ensemble vom Jugendclub 16Plus. (Foto: (c) Lena Liedmann)

Eine Fülle von Themen, mit denen sich die Jugendlichen des Jugendclubs 16Plus des Schauspielhauses Dortmund in der neuesten Ausgabe unter der Leitung von Sarah Jasinszczak seit Beginn der Spielzeit auseinandergesetzt haben. Sie haben eigene Texte und Songs verfasst, die nun auf der Bühne gespielt, gesungen und vertanzt (Choreografie: Birgit Götz) werden.

Eine Begegnung mit Aliens. Putin, Musk und Trump ziehen mit Einkaufswagen auf Shoppingtour und kaufen sich eine neue Welt, die sie „great“ machen wollen. Auch immer wieder: persönliche Gefühle. Wie ist es in der Zukunft? Man verlässt Trampelpfade, geht durch unberührten Schnee oder fährt mit einem Zug ins Neue, ins Ungewisse. Angst? Sicherlich. Aber auch freudige Erwartung.

Sehr amüsant ist die Drucker-Szene – eine schöne Wortspielerei. Und wenn man ins Publikum horcht, kommen vor allem die Gesangs- und Tanzszenen besonders gut an. Auch wenn die Spielfläche dafür gern ein wenig größer hätte sein dürfen.

Zum Abschluss ein an James Krüss und seine „sonderbare Stadt Tempone“ erinnernder Text, in dem es von der Gegenwart rückwärts geht. So können einige Fehlentwicklungen quasi rückgängig gemacht werden – doch es bedeutet auch: „Die Zeit läuft und läuft, bis wir plötzlich nicht mehr da sind.“

Ein ausgefüllter Theaterabend mit gut aufgelegten Darstellenden, mit poetischen, persönlichen, nachdenklichen und humorvollen Texten. Zum Abschluss gab es jede Menge verdienten Applaus für eine starke Leistung.

Weitere Termine:

14.05.2025, 20 Uhr, Studio des Schauspielhauses Dortmund
Das Stück läuft zudem beim „UnruhR-Festival“ der Jugendclubs in Duisburg im Juni.

Für die neue Spielzeit ist wieder ein Stück zu einem selbst gewählten Thema geplant. Infos folgen.




Bitte Gummistiefel mitbringen – eine Ausstellung über Wasser, Wandel und Witz

Wasser ist überall: als Urlaubstraum am Meer, als Eiswürfel im Getränk, als H₂O in der Chemie oder als Dihydrogenmonoxid (was übrigens einfach nur Wasser ist – klingt nur gefährlicher). Es ist die Quelle allen Lebens und gleichzeitig eine ständige Bedrohung: Steigende Meeresspiegel, Tsunamis, Dürre. Die Ausstellung Please Bring Rubber Boots im Künstlerhaus Dortmund lädt noch bis zum 18. Mai 2025 dazu ein, genau diesem Spannungsfeld zu begegnen – mal poetisch, mal spielerisch, mal kritisch. Und manchmal mit nassen Füßen. Die Kuratorin ist Janna Banning.

Musik aus Luftverschmutzung: Iceberg 1410

Alfredo Ardia verwandelt ein altes, freigelegtes Klavier in ein atmosphärisches Klangkunstwerk. Über ein verborgenes elektromagnetisches System, das von einem Computer gesteuert wird, wird das Instrument mit Echtzeitdaten zur Luftqualität aus Dortmund gefüttert. Diese Daten erzeugen Töne, indem die Tasten bewegt und die Saiten zum Schwingen gebracht werden. So wird Umweltverschmutzung zu Musik – oder zu einem klanglichen Mahnmal.

Haus mit Motor: Motor Home

Willem de Haan hat für das Watersnoodmuseum in den Niederlanden ein halbes Haus entworfen, das langsam untergeht – sich aber dank eines Außenbordmotors munter durch das Wasser bewegt. Was zuerst absurd und humorvoll wirkt, entpuppt sich als bitterernste Auseinandersetzung mit dem Klimawandel. Die dazugehörige Videodokumentation wird im tief liegenden Keller des Künstlerhauses gezeigt – ein Ort, der nicht nur früher Zugang zu einem Kohleschacht war, sondern heute regelmäßig vom Hochwasser heimgesucht wird. Eine Ausstellung, die buchstäblich unter die Oberfläche geht.

Zwischen Poesie und Pfütze: Krzysztof Gruse

Krzysztof Gruse ist Maler und Poet. Seine Werke schwanken zwischen Nähe und Distanz, zwischen Melancholie und feinem Humor – ein innerer Monolog in Farbe. Besonders eindrücklich ist, wie Gruse das Gefühl des Alleinseins ohne Einsamkeit (und umgekehrt) in seinen Arbeiten spürbar macht. Seine Bilder sagen: „Warte mal kurz – fühlst du das auch?“ Ja, man fühlt es. Und man bleibt einen Moment länger stehen.

Sandburgen mit Tiefgang: Jaap Scheeren

„Reich mir die Hand, ich bau dir ein Schloss aus Sand“, sang Nena. Und Jaap Scheeren tut genau das – aber mit Kamera. Seine riesigen Sandschlossfotos hängen auf Stoff gedruckt im Raum und wecken Kindheitserinnerungen. Doch auch hier liegt der Ernst unter der Oberfläche: Die Bauwerke aus Sand stehen für Vergänglichkeit und den ewigen Kreislauf von Aufbauen und Wegspülen.

Scheeren fotografiert mit einem neugierigen, fast kindlichen Blick – ehrlich, direkt und mit einem charmanten Hang zur Absurdität. Und gerade das macht seine Arbeiten so zugänglich und gleichzeitig tiefgründig.

Nasse Füße als Diagramm: Time To Get Wet Feet

In ihrer Fotoserie zeigen die Künstlerinnen Maartje & Merel, wie zwei Füße langsam vom Wasser verschluckt werden. Die Serie visualisiert den erwarteten Meeresspiegelanstieg bis 2050 – etwa 17 cm höher als heute. Ihre Botschaft ist klar: Wenn wir nicht bald handeln, stehen wir wortwörtlich im Wasser. Und zwar alle.

Zur Ausstellung "Please bring rubber boots" im Künstlerhaus gibt es auch Merch wie diese Socken hier.
Zur Ausstellung „Please bring rubber boots“ im Künstlerhaus gibt es auch Merch wie diese Socken hier.

PET-Flaschen und Marmor: Helmut Smits

Helmut Smits bringt gleich zwei starke Arbeiten mit: eine Installation aus durchsichtigen PET-Flaschen, die im Licht funkeln wie ein Supermarktregal für Mineralwasser – und gleichzeitig eine Kritik an Konsum und Klimawandel darstellen.

Und dann liegt da noch ein kleiner Schneeball – aus edlem Carrara-Marmor – unter einer Glashaube. Wie ein Museumsobjekt aus einer Zeit, in der es noch Schnee gab. Schön, kühl, ein bisschen traurig. Und vielleicht der letzte seiner Art.

Wasserlandschaften im Inneren: Once we were river

Maud van den Beuken führt uns in das Herz einer Wasserpumpstation in der niederländischen Deltalandschaft. Mit ruhiger Stimme und filmischer Präzision wird der Zuschauer Teil der Beziehung zwischen Land, Mensch und Wasser. Der Film zeigt, wie sehr wir unsere Umwelt gestalten – und wie fragil dieses Gleichgewicht ist. Deiche, Dämme, Schleusen: Alles Menschenwerk, alles Versuch, das Wasser in den Griff zu bekommen. Doch wer kontrolliert hier eigentlich wen?

Ein Eis gegen den Klimawandel: The Ice Shop

Je wärmer es wird, desto schneller schmilzt das Eis – sei es am Stiel oder an den Polkappen. Nur: Während ein geschmolzenes Erdbeereis nur klebrige Hände hinterlässt, bedeutet das Schmelzen der Pole überflutete Städte und zerstörte Lebensräume.

Künstlerin Merel Witteman nimmt diese Tatsache zum Ausgangspunkt für The Ice Shop: eine Installation, in der man ein Eis schlecken kann, das symbolisch den gefrorenen Meeresspiegelanstieg darstellt. Die Frage, die sich dabei stellt: Wollen wir wirklich versuchen, das Meer wieder einzufrieren – oder sollten wir nicht lieber unsere Emissionen auf Eis legen?

Schönheit am Abgrund: Thomas Wrede

Thomas Wrede zeigt Fotografien der mit Folien verhüllten Eisgrotte des Rhonegletschers in der Schweiz. Die Plastikplanen, ausgelegt zum Schutz vor der Sonne, erinnern in ihren Falten an barocke Gewänder – eine irritierend schöne Ästhetik.

Doch diese Schönheit trügt: Hinter den Bildern steckt ein verzweifelter Versuch, das Schmelzen der Gletscher aufzuhalten. Die Fotografien zeigen eine stille Tragödie – und fordern auf, genau hinzusehen.

Fazit: Kunst mit Tiefgang (und manchmal Gummistiefeln)

Please Bring Rubber Boots ist mehr als eine Kunstausstellung – es ist ein Rundgang durch emotionale, gesellschaftliche und ökologische Wasserwelten. Mit Humor, Ernst, Poesie und Experimentierfreude zeigen die Künstler:innen, wie nah Schönheit und Katastrophe beieinanderliegen können. Und wie wichtig es ist, beides nicht zu übersehen – selbst wenn man dabei nasse Füße bekommt.