Umgang mit Isolation als aktuelles Thema im Kinder- und Jugendtheater

Die Stückentwicklung „miss you“ unter der Regie von Antje Siebers im Kinder und Jugendtheater Dortmund (ab 12 Jahren) beschäftigt sich besonders in der Zeit der Corona-Pandemie mit dem Thema des Umgangs mit Isolation und Suche nach Nähe. Wie gehen wir damit um, auf uns selbst zurückgeworfen zu sein?

Nicht nur in diesen Zeiten ein Thema, was uns alle betrifft und wo wir uns wiederfinden können.Die Premiere im KJT unter Corona-Bedingungen war am 18.09.2020,

Fünf Schauspieler*innen des Ensembles (Thomas Ehrlichmann, Ann-Kathrin Hinz, Andreas Ksienzyk, Max Ranft und Bettina Zobel), atmosphärisch begleitet von Musiker Manuel Loos, führten die Zuschauer*innen in die verschärfte Pandemie-Zeit April 2020.Da hatte uns Corona noch stärker als im Augenblick an unseren Wohnungen gebunden.

In Zeiten des Lockdowns gefangen in der engen Wohnung: Szenenbild mit Ann-Kathrin Hinz  und Thomas Ehrlichmann. (Foto: © Birgit Hupfeld)
In Zeiten des Lockdowns gefangen in der engen Wohnung: Szenenbild mit Ann-Kathrin Hinz und Thomas Ehrlichmann. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Bei der Recherche wurden sie zudem von der Klasse 6c des Goethe-Gymnasiums und ihrer Klassenlehrerin unterstützt. Mit ihren Corona-Tagebüchern aus der Zeit der Selbstisolation wurden ihre Wünsche, Ängste, Sehnsüchte u.s.w. in Form von Tonaufnahmen und Videoprojektionen auf die Bühnenleinwand projiziert.

Mit schwarz-gelbem Klebeband wurden die isolierten engen Wohnräume der fünf Schauspieler*innen auf der Bühne anschaulich manifestiert. Jede der Personen geht mit der Situation anders um und versucht, dass Beste daraus zumachen.

Die einen flüchten sich in schöne Träume und Erinnerungen, andere in Sport oder Renovierungsarbeiten. Die Träume und Erinnerungen wurden mit Hilfe einer Kamera und Miniaturpuppen oder Landschaften als Projektion auf der Leinwand sichtbar gemacht. Wenn die Wohnung verlassen wurde, war Abstand halten und Mund-Nasenmaske zum Schutz einzuhalten.

Witzige Tanz- und Bewegungschoreografien mit Tempo wechselten sich mit meditativ-ruhigeren Passagen ab. Eine Prise Humor war auch mit dabei.

Die Schauspieler*innen hatten die Gelegenheit, ihre emotionale Bandbreite von traurig, sentimental, witzig bis aufbrausend ausspielen.

Informationen zu weitere Aufführungsterminen und Karten erhalten Sie:

Tel.: 0231/ 50 27 222 oder unter www.theaterdo.de




Fordlandia – zwischenmenschliches Zauberballett von Lucia Lacarra und Matthew Golding

Der Lockdown und die Grenzsperrungen führten dazu, dass manche Paare für eine lange Zeit getrennt blieben. Besonders dramatisch war diese Zeit für ein Ballettpaar wie Lucia Lacarra und Matthew Golding, die nicht zusammen arbeiten konnten. Die Lehren aus dieser Zeit verarbeiteten beide zu einem emotionalen Programm, das den Titel „Fordlandia“ trägt. Ein Premierenbericht vom 19.09.2020.

Fordlandia ist eine Mischung zwischen Ballettfilm und realer Aktion auf der Bühne. Zunächst werden einige Zeit Bilder von Matthew Golding und Lucia Lacarra auf der großen Leinwand im Hintergrund gezeigt, während die beiden parallel auf der Bühne beinahe synchron die Choreographie „Stillness“von Anna Hop zur Musik von Chopin tanzten. Dieses doppelte Paar tanzen zu sehen, der Kontrast und die Gleichheit mit den Kinobildern war eine spannende neue Sichtweise.

Leider war das folgende Stück „Close“ dem vorangegangenen zu ähnlich. Die gleiche Choreografin und der gleiche Komponist. Glücklicherweise änderte es sich mit „Snow Strom“, das Programm nahm Fahrt auf. Hier begannen Lucia Lacarra und Matthew Golding im Film zwischen Bäumen zu tanzen. Auf der Bühne tanzte Golding ein wenig parodistisch nach der Musik von Georgi Swiridov einen klassisches Pas de deux.

Begeisterten das Publikum mit ihrem Programm "Fortlandia": Lucia Lacarra und Matthew Golding. (Foto: ©  Leszek Januszewski )
Begeisterten das Publikum mit ihrem Programm „Fortlandia“: Lucia Lacarra und Matthew Golding. (Foto: © Leszek Januszewski )

Der Höhepunkt des Abends war mit Sicherheit das Stück „Fordlandia“ nach der Choreographie von Juanjo Arqués. Während die Kinobilder das Meer zeigen und Lucia Lacarra auf einer Klippe, verwandelte sich die Bühne dank eines riesigen Stoffbandes, blauem Licht und Wind zu einem wilden Meer in dem die Beiden tanzten. Sehr beeindruckend für die Zuschauer.

In „Pile of Dust“ ebenfalls von Juanjo Arqués konnten wir weder Meer noch Wald erblicken, sondern die beiden Tänzer erschienen uns in Spektralfarben wie tanzende Geister. Romantisch wurde es am Ende bei „After the Rain“. Bei ruhiger Musik von Arvo Pärt und einem Hintergrundbild mit lila Wolken, zeigen die Lucia Lacarra und Matthew Golding, dass es nach der schweren Zeit auch wieder Zeichen der Hoffnung gibt und das ein neuer Morgen kommt.

Lucia Lacarra und Matthew Golding zeigten ein beeindruckendes Ballettprogramm. Sehr emotional, technisch sehr hochstehend, der Hoffnung macht auf eine Zeit ohne Beschränkungen und Lockdowns.

Der Titel „Fordlandia“ ist nach dem gescheiterten Projekt von Henry Ford benannt. Die Stadt in Brasilien sollte eine große Kautschukplantage beherbergen. Doch ökologische Probleme und kulturelle Unterschiede zwischen US-Amerikanern und Brasilianern führte zum Niedergang. Jetzt leben nur noch 2.000 Einwohner dort.

Mehr Informationen zu Terminen und Karten unter www.theaterdo.de




Internationale Ballettgala XXXI – Höchste Qualität bei kleinerem Format

Auch die Premiere der Internationalen Ballettgala XXXI (Only Solists) am 12.09.2020 im Opernhaus Dortmund wurden von strengen Vorsichtsmaßnahmen wegen der Corona-Pandemie begleitet. Der Intendant des hiesigen Balletts Xin Peng Wang sowie das ganz Organisationsteam waren jedoch glücklich, dass die Internationale Ballettgala überhaupt mit begrenzter Publikumszahl stattfinden konnte.

Froh war auch Kammersänger Hannes Brock, der wie immer mit Humor und Optimismus durch den kürzer als üblichen Abend führte. Internationale Ballettstars, zum Beispiel aus den USA, konnten wegen der momentanen Situation auftreten.

Ein wenig „international“ war jedoch dabei. So etwa die ausdrucksstarke Choreografie „Five Tangos“ mit dem Solisten Artur Shesterikov (et Nationale Ballet), „Passo Continuo“ mit Filip de Castro & Carlos Pinilos (The National Ballet of Portugal) oder „When I am laid in Earth“, eindrucksvoll nach der Musik von Henry Purcell getanzt von Misako Kato und Hector Ferrer (The Royal Ballet of Flanders).

Die Ballettgala brachte - trotz reduziertem Format - erneut tänzerischen Glanz ins Opernhaus. (Foto: © Anja Cord)
Die Ballettgala brachte – trotz reduziertem Format – erneut tänzerischen Glanz ins Opernhaus. (Foto: © Anja Cord)

Los ging es gleich mit einem besonderen Highlight. Einen ausdrucksvollen Ausschnitt ( den Frühling) aus ihrer neuen Produktion „Die vier Jahreszeiten“ zeigte das NRW Juniorballett als Uraufführung. Ein starker Gala-Beginn.

Leider konnte die Uraufführung von „Not in my hands“ nach der Musik von Mozart mit dem Ballettstar Friedemann Vogel dem Publikum wegen einer Verletzung des Tänzers nicht präsentiert werden.

Angetan waren die Anwesenden jedoch von dem zusätzlich ins Programm genommenen Auftritt von Danill Simkin (Staatsballett Berlin) mit „Les bourgeois“ Musik: Jaques Brel, Choreografie: Ben van Cauwenbergh)

Das gleich galt für den Programmpunkt mit der interessanten Bezeichnung „Ssss“ nach der Musik von Fréderic Chopin, einfühlsam getanzt von Matteo Miccini vom Stuttgarter Ballett. (Choreografie Eward Clug).

Die ständigen Gastsolisten Lucia Laccara und Matthew Golding zeigten ihr Können und Sensibilität bei „Finding Light“ (Musik: Antonio Vivaldi). Mehr von den Beiden kann das Publikum bei „Fortlandia“ (Premiere am 19.09.2020 um 19:30 Uhr) erleben.

Für die Freunde des klassischen Ballettzauber stand „Le Corsaire“ (Choreografie Marius Petipa) getanzt von Iana Salenko & Danill Simkin auf dem Programm.

Der Abend wurde mit einem Ausschnitt aus der im nächsten Jahr geplanten Premiere des dritten Teils der Göttlichen Komödie „Paradiso“ (Choreografie Xin Peng Yang, Ballett Dortmund) beendet.

Eine in schwieriger Zeit gelungene Ballettgala wurde vom „reduzierten Publikum“ mit um so lauteren Beifall begleitet.




Wenn eine Giraffe einen Pinguin besucht oder Neugier kann sich lohnen

Mit der Premiere von „Viele Grüße, Deine Giraffe“ in der Bühnenfassung von Nadine Schwitter (nach einem Bilderbuch von Megumi Iwasa) startete am Freitag, dem 11.09.2020 das Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) in die neue Spielzeit 2020/2021.

In Corona-Zeiten galt es, viele Auflagen zu erfüllen. So wurde das Publikum nur einzeln eingelassen und zu den Plätzen geführt. Vorher musste jeder einen Bogen mit persönlichen Daten ausfüllen. Die Anzahl der Zuschauer*innen war reduziert.

Auf der Bühne erwartete das junge (und jung gebliebene) Publikum eine durch eine hellblaue Wand geteilte Drehbühne. Gemalte Wolken und eine Tür am Horizont ließ sich je nach Bedarf öffnen.

Die Giraffe (Bianka Lammert) wird vom Pinguin (Johanna Weißert) herzlich begrüßt. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Die Giraffe (Bianka Lammert) wird vom Pinguin (Johanna Weißert) herzlich begrüßt. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Geschichte ist eine Erzählung (ab 4 Jahre) über eine besondere Begegnung, übers Briefschreiben und darüber, wie aus Langeweile ein Abenteuer werden kann.

Es ist einer Ermutigung, sich mit Mut, Neugier und ohne Ängste auf den oder das Unbekannte einzulassen. Es kann sich lohnen.

Ein Kompliment an die Ausstattung von Eugenia Leis. Die Kostüme waren mit Humor und Liebe zu kleinen Details ausgewählt.

Mit viel Engagement, witzigen Grimassen und Spiellaune füllten die Schauspieler*innen Bianka Lammert (Giraffe), Johanna Weißert (Pinguin), Rainer Kleinespel (Pelikan / Walprofessor) sowie Maria Trautmann (Musikerin / Robbe) ihre Rollen aus.

Die musikalische Livebegleitung mit Posaunenklängen und Einspielungen begleiteten die Geschichte atmosphärisch und zu den jeweiligen Tieren passend.

Ein gelungener Start trotz aller Widrigkeiten.

Karten und Informationen zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie unter:

Tel.: 0231 / 50 27 222 oder www.theaterdo.de




Die Entführung aus dem Serail als märchenhaftes Puppenspiel

Zur Eröffnung der Saison zeigte die Dortmunder Oper eine gekürzte Fassung Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Um den Corona bedingten Auflagen zu genügen, erzählten die Sänger*Innen und Regisseur Nikolaus Habjan die abenteuerliche Geschichte als 80-minütiges Puppenspiel.

Auch der musikalische Leiter Motonori Kobayashi musste sich mit einem elfköpfigen Ensemble der Dortmunder Philharmoniker begnügen. Die Ouverture klang noch ein wenig ungewohnt, aber schon nach kurzer Zeit hatte man sich auf die kleinere Orchestrierung eingestellt.

Die Oper erzählt wie die Spanierin Konstanze (Irina Simmes), ihre Zofe Blonde (Sooyeon Lee) und deren Freund Pedrillo (Fritz Steinbacher) nach einem Piratenüberfall auf einem Sklavenmarkt verkauft werden und so in die Hände des Bassa Selim fallen. Der Verlobte der Konstanze, Belmonte versucht alles um die Geliebte aus den Fängen des Herrschers und seines Aufsehers Osmin (Denis Velev) zu befreien.

Im Zentrum der Inszenierung steht ein Himmelbett mittig auf einer Drehbühne platziert. Dort sitzen Vater und Sohn auf dem Bett und da der Kleine noch mit einer spannenden Geschichte beschäftigt ist und nicht einschlafen will, entwickeln die Beiden die Entführung in Form einer Gute-Nacht-Geschichte. So erzählen und kommentieren sie die Rahmenhandlung der Oper. Regisseur und Puppenspieler Nikolaus Habjan spielt und spricht den Sohn, der verkörpert durch eine große Klappmaulpuppe. Er spielt dies mit großer Hingabe, Witz und ein gewissen Zärtlichkeit. Um das Himmelbett herum sind die Protagonisten als 1 Meter große Tischpuppen arrangiert. Geschickt werden sie durch Habjan immer wieder in die Entwicklung der Geschichte integriert. Im Hintergrund werden die Puppen auch von Manuela Linshalm gespielt.

Regisseur und Puppenspieler Nikolaus Habjan entführte die Zuschauer in eine märchenhafte Atmosphäre. V.l.n.r. Sungho Kim (Belmonte), Irina Simmes (Konstanze), Nikolaus Habjan (Puppenspiel), Sooyeon Kim (Blonde), Fritz Steinbacher (Pedrillo) (Foto: © Björn Hickmann)
Regisseur und Puppenspieler Nikolaus Habjan entführte die Zuschauer in eine märchenhafte Atmosphäre. V.l.n.r. Sungho Kim (Belmonte), Irina Simmes (Konstanze), Nikolaus Habjan (Puppenspiel), Sooyeon Kim (Blonde), Fritz Steinbacher (Pedrillo) (Foto: © Björn Hickmann)

Schwarz gekleidet stehen die Sänger*Innen mit großem Abstand auf den Außenseiten der Bühne, vor oder hinter einem schwarzen Vorhang , wo zum Teil nur die beleuchteten Gesichter zu sehen sind. Mit Livecam Projektionen der Sänger und Puppen gelingt es Handlung und Gesang in Einklang zu bringen und die Geschichte packend zu erzählen.

Einen starken Eindruck hinterläßt Denis Velev mit einem wunderbaren Bass. Er verkörpert den bedrohlichen und etwas tumben Aufseher des Bassas immer auch mit einer gewissen Komik. Sooyeon Lee als Blonde besticht in der Arie „Welche Freude , welche Lust“, als sie erfährt, dass Belmonte zu Ihrer Rettung naht. Eine etwas klarere Artikulation würde den Genuss noch erhöhen. In der Arie „Martern aller Art“, wird der dramatische Ausdruck der Irina Simmes Stimme verschmilzt bei der Arie „Martern aller Art“ mit dem verzweifelten Gesichtsausdruck der Puppe, als Konstanze sich entscheidet, sich nicht dem Bassa Selim zu ergeben.

Zum Ende der gekürzten Fassung scheinen beide Paare, anders als im Original, dem Henker zum Opfer zu fallen.

Weitere Vorstellungstermine sind: 3., 23., 24., 29., 30. Oktober, 1. Und 21. November




Favoriten Festival 2020 – Den Arbeitsbegriff divers betrachtet

Die freie Kunstszene ist in diesem Jahr besonders existentiell von der Corona-Pandemie betroffen. Daher sind Olivia Ebert und Fanti Baum, die beiden künstlerischen Leiterinnen des Favoriten Festival 2020 (Festival für für die Freien Darstellenden Künste in NRW) in Dortmund glücklich, dass dieses Festival unter der Trägerschaft des NRW Landesbüro Freie Darstellenden Künste e.V. und dem Dortmunder Kulturbüro vom 10. bis zum 20. September 2020 stattfinden kann.

Mit dem Thema „ „While we are Working“ setzen die teilnehmenden Künstler*innen, in 22 Beiträgen aus den Bereichen Performance, Theater, Tanz, Lesung, Workshop und einer Gruppenausstellung nicht nur ein starkes Zeichen“We are working!“, sondern erforschen in verschiedenen Positionen die unterschiedlichen Felder des Arbeitens und „Nicht-Arbeit“ in den Künsten und der Gesellschaft.

Da geht es zum Beispiel um Fragen wie „Was verstehen wir unter Produktivität?“ Ist nur die „Lohnarbeit“ Arbeit? Oder im übertragenem Sinn: „Wer ist für die Verständigungsarbeit bei verschiedenen Kulturen in der Gesellschaft verantwortlich?“ Integrations-Paradigmen werden hinterfragt.

Hauptort der Veranstaltungen ist das Dortmunder Theater im Depot. Andere Orte sind etwa das Dietrich-Keuning-Haus, die Ladenzeile neben der Petrikirche oder das Roxy-Kino,

Das Transnationale Ensemble Labsa lädt ins "Schlaflabor" ein.Vom 17.09. bis zum 20.09. 2020 in der Werkhalle des Depots zu sehen. (Foto: © Betty Schiel)
Das Transnationale Ensemble Labsa lädt ins „Schlaflabor“ ein.Vom 17.09. bis zum 20.09. 2020 in der Werkhalle des Depots zu sehen. (Foto: © Betty Schiel)

Los geht es am 10.09.2020 ab 19:00 Uhr im Theater im Depot (Immermannstraße 29, 44147 Dortmund) mit „Everything but Solo“ des Performance-Kollektivs „Swoosh Lieu“, bestehend aus Johanna Castell, Katharina Kellermann und Rosa Wernecke sowie dem Tanzlabor _21, Tanzbasis Frankfurt_Rhein_Main, Projektensemble PET_10. Vier Bühnenarbeiterinnen tanzen. Die wichtige „Zuarbeit“ wird künstlerisch in den Mittelpunkt gestellt. Wie wird man Teil des performativen Prozesses? Die Vorstellung am 10.09.2020 ist schon ausverkauft. Weitere Gelegenheit mit dabei zu sein gibt es am 11.09.2020 um 19:00 Uhr am gleichen Ort.

Das umfangreiche Programm liegt als Flyer an mehreren Kulturorten aus und es gibt einen Katalog. Genau Informiert die Web-Seite des Festivals.

Ticket-Karten für alle Events kosten normal 15,- Euro und ermäßigt 8,- Euro (Schüler, Auszubildende , Studenten). Freier Eintritt für Empfänger*innen von Sozialhilfeleistungen und Dortmund-Pass Inhaber*innen.

Es wird in diesen Corona-Zeiten empfohlen, die Tickets online zu bestellen.

Im Notfall gibt es auch die Möglichkeit, noch (ohne Garantie) an der Abendkasse Karten zu ergattern.

Für weitere Informationen können sich sich an die Internetseite : http://favoriten-festival.de/ wenden




Wenn Künstler Eltern werden

Mit einem Kind verändert sich alles, auch für Künstlerinnen und Künstler. Konnte man/frau sich zu 100 Prozent auf die Kunst konzentrieren, gibt es jetzt einen kleinen Menschen, die Aufmerksamkeit fordert. Und jetzt? Ist die Kunstkarriere vorbei, wird das Kind in die künstlerische Arbeit integriert oder sieht man/frau sich sogar als Künstlerfamilie?

In der Ausstellung „Künstlereltern – von und über“ zeigt das Künstlerhaus Dortmund vom 05. September bis zum 11. Oktober 2020 Positionen von insgesamt achtzehn Künstlerinnen und Künstlern, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Phänomen Elternschaft auseinandergesetzt haben. Kuratiert wurde die Ausstellung von Cornelius Grau und Willeke van Ravenhorst. Am 27.09. und 11.10. 2020 gibt es jeweils um 17 Uhr eine Kuratorenführung.

Das eigene Kind als Motiv zu nehmen, ist sicherlich nicht ungewöhnlich. Sibylle Feucht hat ihre Tochter als riesiges Portrait aus Kunststoffperlen an die Wand des Künstlerhauses gesetzt. Diese Steckperlen schaffen durch ihre besondere Materialität einen Eindruck eines riesigen grob gerasterten Fotos. Doch Feucht ist in ihrer künstlerischen Arbeit nicht auf ihre Tochter fixiert, ihr anderes Werk im Künstlerhaus zeigt ein Auto nach einem Unfall.

Eine Angst, die vermutlich vornehmlich Künstlerinnen befällt, ist die Angst um den künstlerischen Absturz nach der Geburt. Frauen haben es in der Kunstwelt sowieso schwerer und wer nicht mehr in das Klischee „jung und aufstrebend“ fällt, hat scheinbar verloren. Nina Heinzel hat sich in ihren ausgestellten Arbeiten einen fiktiven Karriereplan erarbeitet und zeigt ebenso fiktive Ausstellungsplakate.

Zu sehen im Künstlerhaus Dortmund: Christine Kriegerowski vor ihrer Arbeit "Sandkasten".
Aktuell zu sehen im Künstlerhaus Dortmund: Christine Kriegerowski vor ihrer Arbeit „Sandkasten“.

Mit einem Kind ändert sich auch der Blickwinkel und in den Arbeiten ist auch ein anderer Umgang mit Spielsachen oder Farben zu sehen. So zeigt Christine Kriegerowski ihre Installation „Sandkasten“ von 2001. Dieser Sandkasten ist gefüllt mit unzähligen Gugelhupf-Sandkuchen. Buddeln im Sand ist das, was ja die meisten Eltern bei ihren Kindern erleben.

Inspiriert von seinem Kind dürfte auch die Videoarbeit von Eugen Schilke sein. Hier hat er die Stühle in seinem Atelier in engen Reihen aneinander gestellt und kriecht unten durch. So wie es Kinder gerne machen.

Die Arbeit von Charline Zongos erobert sich spielerisch und farbenfroh den Raum. Die dreidimensionale Malerei ermöglicht es dem Betrachter, die Installation von verschiedenen Seiten zu erleben.

Wenn man Eltern wird, bleibt die Sorge um das Kind nicht aus. Hannah Goldsteins Arbeiten stellen quasi dem Betrachter die Frage: Wo ist mein Kind? Auf den Fotos ist eine Person mit opaker Ölfarbe ausgemalt und wird somit unkenntlich.

Für David Mannstein und Maria Vill bedeutet Elternschaft im Prinzip die Erweiterung des Künstlerpaars zu einer Künstlerfamilie oder einem Familienprojekt. Die Kinder wurden bei ihnen zu Ideenstiftern, Technikberatern, Fotomodell und sogar eigenen Künstlern.

Beeindruckend ist auch die Arbeit von Minka Strickstock mit dem Titel „Dreifaltigkeit“. Hier zeigt sie auf drei PVC-Folien eine durchschnittliche Frauenbiografie, wobei die fruchtbaren Tage mit einem Aktenlocher ausgestanzt wurden. Damit ergibt sich ein Gesamtbild über Zyklen und Fruchtbarkeit im Leben einer Frau.

Darüber hinaus gibt es weitere Arbeiten von Vanessa Gageos, Sandra Krause Gomzes, Christoph Medicus, Svenja Maaß, Birte Svea Metzdorf, Sophia New und Ruby Belasco New, Lisa Weber und Markus Walenzyk.

Die Öffnungszeiten des Künstlerhauses sind Donnerstag bis Sonntags von 16 bis 19 Uhr. Bitte beachten Sie: Es dürfen nur bis maximal 20 Personen gleichzeitig ins Haus, Mund-Nasenschutz ist Pflicht und der Abstand von 1,50 Meter zu anderen Besuchern ist einzuhalten.

Weitere Infos unter www.kh-do.de




Ein Auftakt mit kleinen Schritten

Am Dienstag, dem 01. September 2020 war es soweit: Das Theater Dortmund spielte wieder live. Die Philharmoniker, die Oper und das Ballett präsentierten vor Publikum Musik und Tanz. Gewöhnen muss man sich daran, dass 286 Besucher „ausverkauft“ bedeutet.

Maskenpflicht im Foyer und reichlich Abstand im Saal. Das Theater Dortmund hatte ihr Sicherheitskonzept perfekt umgesetzt. Es war sicherlich ungewöhnlich, so viel Platz zwischen den einzelnen Zuschauern zu erleben, aber es kam am Dienstag schon ein wenig Stimmung auf.

Dafür sorgten die Akteure und die Verantwortlichen. Der geschäftsführende Direktor Tobias Ehinger zeigte seine Erleichterung über den Start ebenso wie Ballettdirektor Xin Peng Wang, Opernintendant Heribert Germeshausen und Generalmusikdirektor Gabriel Feltz.

Das Theater Dortmund öffnet wieder seine Pforten für Besucher. (Foto: © Anja Cord)
Die neue Spielzeit kann beginnen: Das Theater Dortmund öffnet wieder seine Pforten für Besucher. (Foto: © Anja Cord)

Doch das Wichtigste an der Eröffnungsgala waren die SängerInnen, MusikerInnen und TänzerInnen. Zu hören waren Ausschnitte aus kommenden Produktionen wie Mozarts „Entführung aus dem Serail“ mit der neuen Sopranistin Sooyeon Lee, oder einfach nur schöne Musik und Choreografien. Vor allem für Xin Peng Wang und sein Ballett werden die Abstandsregeln zu einer neuen Herausforderung, ebenso wie für die Philharmoniker, die nicht mehr mit „voller Kapelle“ agieren dürfen. So muss das Spielzeit-Programm den Gegebenheiten angepasst werden.

Das Beruhigendste ist aber: Das Theater Dortmund tut alles in seiner Macht stehende, damit die Zuschauer einen sicheren Abend genießen können. Damit kann sich der Vorhang für die kommende Spielzeit wieder öffnen.

Wer Lust hat, die Eröffnungsgala zu erleben, kann sie am 05. September um 16 Uhr und um 20 Uhr genießen.




Neustart in Corona-Zeiten für das Schauspiel Dortmund

Am Freitag, dem 21.08.2020 lud Schauspiel unter der neuen Intendanz von Julia Wissert zur vom Mai 2020 wegen Corona verschobenen Pressekonferenz zum Neustart im Schauspiel Dortmund ein.

Schon da wurde klar, „Safety first“ war das erste Gebot. Die anwesende Presse wurde vor dem Schauspielhaus abgeholt und nach gründlicher Desinfektion der Hände und mit Mund-Nasenschutz vom Foyer auf die Hinterbühne geführt.

Auf bequeme, im Kreis aufgestellte Sitzecken mit viel Möglichkeit zum notwendigen Abstand, saßen neben der neuen Intendantin ihre Stellvertreterin und Chefdramaturgin Sabine Resch sowie das sechsköpfige Dramaturgen-Team, um zunächst einmal das geplante Programm vom 24.09.2020 bis zum 31.10.2020 vorzustellen. Wie Julia Wissert betonte, wurde alles versucht, um ein möglichst interessantes und spannendes Programm anzubieten.

Die Hinterbühne (Schauspiel on stage) wird dabei ein wichtiger Ort für die Begegnung von Publikum und Theaterschaffenden sein. Hier können die Abstandregeln eingehalten und den Anwesenden ein möglichst großes Sicherheitsgefühl vermittelt werden. Es werden jeweils nur bis 50 Personen teilnehmen können.

Am Donnerstag, den 24.09.2020 wird sich das gesamte neue Ensemble mit „7 x 1“ vorstellen und zeigen, wer sie sind und was sie wollen oder mögen. Neben dem Sprechchor sind Marlena Keil und Ekkehard Freye noch vom alten Ensemble mit dabei.

Die neue Schauspielintendantin Julia Wissert (mitte) umgeben von ihren DramaturgInnen. (Foto: © Lisa Bunse)
Die neue Schauspielintendantin Julia Wissert (Mitte) umgeben von ihren DramaturgInnen. (Foto: © Lisa Bunse)

Es gibt drei Vorstellungen um 18:00/20:00/22.00 Uhr um mehreren Menschen die Teilnahme zu ermöglichen.

Die Eröffnungspremiere von Julia Wissert am 25.09.20 unter dem Motto „2170 – Was wird die Stadt gewesen sein, in der wir leben werden?“ stellt Dortmund – seine Geschichte und Zukunft – ins Zentrum. Welche Spuren der Geschichte liegen unter dem Pflaster und welche Erinnerungen nehmen wir mit in die Zukunft? Fünf Autor*innen nehmen uns auf eine Zeitreise an spezielle Orte. Die Reise geht bis zur Nordstadt und endet an der Alten Synagoge (Opernplatz) mit Erinnerungen an die Zerstörung der Synagoge am Hiltropwall mit einer Mischung aus Texten, Hörspiel, Performance und Installation. Es ist ein Schritt in die von der Intendanz gewünschte Anbindung an die Stadtgesellschaft.

Treffpunkt: Immer 19:30 Uhr am Schauspielhaus. Weitere Termine : 29.09. – 03.10.2020

Matinee am 04.10.20 (Sonntag um 11.00 Uhr) : Gepräch mit Julia Wissert und den Autor+innen.

Als Premiere am Mittwoch, 07.10.20 um 19:30 Uhr , findet unter dem Motto „Lust for life“ ein musikalischer Abend mit Selen Kara und Torsten Kindermann unter dem Titel „Schauspielhaus on stage“ statt. Mit dabei: Linda Elsner, Ekehard Freye, Raphael Westermeier. Eine bunter Mischung aus Rock und Pop aus den letzten Jahrzehnten.

Die Lebenslust in dieser Zeit fördern möchte auch Kaloe Sansaa mit ihrem Konzert „Paradise not lost“ im Rahmen der Reihe Futur III am Freitag, den 09.10.20 ab 20:00 (Schauspielhaus on stage9.

Unter dem Titel „Fighting Depression“- so heißt eine neue vierteilige Hörspielserie der Studierendentheatergruppe am Schauspiel Dortmund. Sie verarbeiten darin ihrer Erfahrungen in der Corona-Zeit mit Online-Seminaren und Einsamkeit. Spezielle Beratung gibt es dabei vom Psychologen „Dr. Brunner“ alias Ekkehard Freye.

Premiere ist am 16.10.2020 im Schauspielhaus um 19:30 Uhr im Rahmen der Reihe „Coroniken“. Im Rahmen der Theatervermittlung können die „Coroniken“ danach auch von Schulen gebucht werden.

Am Freitag, den 23.10.2020 findet ab 20:00 Uhr in der Tiefgarage am Opernplatz eine spannende „Ballroom: Garagen Xtravaganza“ zusammen mit der Crew von „Because the Night belongs to Lovers“ statt. Es wird eine queere, inklusive Party- und Gesprächsreihe (zwischen Ballroom, Tanzkurs, Filmabend und Diskussion). Tickets erhältlich für ein Auto mit vier Personen oder Stehplätzen.

Mit der Reihe Faust-Test-Spiele mit Faust-Fragmenten aus den Sparten Oper, KJT und Schauspiel am 24.10.2020 (19:30 Uhr (Schauspiel on stage) soll nicht nur mit Musik und Texten durch das Faust-Universum geführt werden, sondern gerne auch mit dem Publikum ins Gespräch kommen.

Am 25.10.2020 lädt das Schauspiel um 11.00 Uhr (Schauspiel on stage) zu einer morgendliche Hexenbeschwörung (gerne eigene Texte mitbringen) ein.

Am 31.10.2020 folgt um 19:30 Uhr im Schauspielhaus die Premiere von Faust I nach Johann Wolfgang von Goethe in der Regie von Mizgin Bilmen. Ein feministischer Zugang zu dem literarischen Stoff mit Musik und Video-Unterstützung (Tobisa Hoeft).

Ab dem 26.09.2020 startet der Ticket-Verkauf nicht nur für das Schauspiel, sondern auch für das Kinder- und Jugendtheater. KJT: 11.09.2020: „Viele Grüße ,Deine Giraffe“ (ab 4 J.) , 18.09.2020: „Miss You“ (ab 10J.) und 01.10.2020: „All das Schöne“ (ab 14 J.)

Karten gibt es an der Vorverkaufskasse im Kundencenter am Platz der Alten Synagoge, unter 0231/50-27222 und www.theaterdo.de .




Zum Glück zurück: Theatraler Spaziergang am KJT

In vom Coronavirus beeinträchtigten Zeiten bietet das Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) mit seinem gesamten Ensemble für Interessierte einen theatralen Spaziergang unter dem Titel „Zum Glück zurück“ rund um das Haus in natürlicher Umgebung. Ars tremonia war bei der Premiere am 12.06.2020 dabei.

Das Angebot wendet sich vor allem an Kinder. Bewegung, Möglichkeit zum Mitmachen, nachdenkliche aber auch lustige Beiträge der oft als Tiere verkleideten Ensemble-Mitglieder wechselten sich ab.

Die in Kleinstgruppen aufgeteilten TeilnehmerInnen starteten in Abständen von sieben Minuten zu den verschiedenen Standpunkten mit verschiedene Überraschungen.

Bevor es Losging, mussten sie sich zunächst vorschriftsmäßig mit ihren persönlichen Daten in eine Liste eintragen und bekamen eine Papiertüte mit Kugelschreiber , Bonbons und Karten mit Wäscheklammern zum Aufhängen. Dann ging das Abenteuer los.

Bei Ann-Kathrin Hinz konnten die TeilnehmerInnen stilecht eine Flaschenpost aufgeben. (Foto: © Edi Szekely)
Bei Ann-Kathrin Hinz konnten die TeilnehmerInnen stilecht eine Flaschenpost aufgeben. (Foto: © Edi Szekely)

Der Weg wurde mit Kreide aufgezeichneten Pfeilen, Kreisen oder Zahlen mit unterschiedlichen Hinweisschildern geschleust. Bei der ersten Haltestelle ging es gleich zu einem als Schiff angemalten Sehnsuchtsort. Es ging darum, was wir gerade in dieser Zeit vermissen. Am Ende hatten die TeilnehmerInnen Gelegenheit, die auf einem der leeren Zettel aus der Tüte aufgeschriebenen Dinge, die sie vermissen, in aufgehängten kleinen Flaschen zu stecken.

An anderer Stelle des Spaziergangs konnte man seine Wünsche auf einen der Zettel aufreiben und an eine einen Zaun mit den Klammern befestigen.Schön war, das die vorhandene Natur mit einbezogen wurde an unterschiedlichen Kräutern gerieben und gerochen werden konnte.

Die Kinder (aber auch die Erwachsenen) hatten sichtlich ihren Spaß. Am 18., 19. und 21.06.2020 sind, soweit das Wetter mitspielt, weitere theatrale Spaziergänge am KJT vorgesehen. Am 18.06.2020 ist Beginn um 16:00 Uhr, an den anderen Terminen um 18:00 Uhr

Anmeldung unter unter glueck@theaterdo.de

Der Spaziergang wird kostenlos angeboten. Festes Schuhwerk ist von Vorteil.