Die Bullemänner – Humorvoll-direkt und sympathisch „PLEM“

Am 22.04.2022 hatten die Bullemänner aus dem westfälischen Münsterland, seit den frühen Geierabend-Zeiten auch hier in Dortmund gut bekannt, mit ihrem neuen Programm „PLEM“ im hiesigen Theater Fletch Bizzel ihre Premiere.

Zu Team gehört neben Heinz Weißenberg und Augustin Upmann die temperamentvolle Svetlana Svoroba (mit ukrainischen Wurzeln) am Piano. Der Krieg Putin Russlands in der Ukraine bekam durch ukrainische „Tastenfachkraft“ eine aktuelle Brisanz und spezielle Note.

Die Bullemänner (v.l.n.r.) Augustin Upmann, Svetlana Svoroba und Heinz Weißenberg, überzeugten mit westfälischem Humor. (Foto: © Bullemänner)
Die Bullemänner (v.l.n.r.) Augustin Upmann, Svetlana Svoroba und Heinz Weißenberg, überzeugten mit westfälischem Humor. (Foto: © Bullemänner)

Die humorvoll-nachdenkliche und teilweise poetische Mischung aus Kabarett, Comedy und Quatsch sowie Musik (oft um-getextete bekannte Songs) nahm Themen wie Pandemie, Putin, Frauen, Männer, Klimaveränderung, Fremdenfeindlichkeit westfälisch-philosophisch unter die Lupe. Auch mit Themen wie Altern und Tod wurde mit Münsterländer Offenheit umgegangen. Das ganze gewürzt mit einer Portion liebevollen Lokalkolorit und diesen ganz eigenen trockenen Humor.

Für die Politikerinnen und Politiker der neuen Bundesregierung gab es gut gemeinte Tipps aus einer Getränkeabteilung.

Nicht nur ihrer Stimme, sondern vor allem auch mit ihrer Körpersprache überzeugten die „Bullemänner“.

An verschiedenen Instrumenten (unter anderem Banjo, Gitarre) brachte Augustin Upmann musikalisch Stimmung in den Saal. Sensibel begleitet Svetlana Svoroba das Geschehen auf der Bühne. Weißenberg und Upmann bewiesen wieder einmal, dass sie ein kongeniales Duo sind.

Die beiden spielten sich die „humoristischen Bälle“ gekonnt zu.

Ein Abend, der nicht nur die Älteren im Publikum ansprach und das Publikum mit Lachen, aber auch nachdenklich nach Hause entließ.

Eine zweite Aufführung findet noch am 23.04.2022 im Theater Fletch Bizzel um 20.00 Uhr statt.




Fernand Cortez – eine politische Oper

Am 07. April 2022 hatte die Oper „Fernand Cortez oder die Eroberung von Mexiko“ von Gaspare Spontini Premiere im Opernhaus Dortmund. Regisseurin Eva-Maria Höckmayr stellte in ihrer Inszenierung die Figur der Amazily, gesungen von Melody Louledjian, in den Vordergrund.

Die Oper dreht sich zwar um Cortez und seinen Mexikofeldzug (1519-1521), doch der Komponist Spontini hatte etwas anderes im Sinn. Napoleon wollte seinen Spanienfeldzug propagandistisch vorbereiten und sollte in der Figur des Cortez repräsentiert werden, während die Azteken die Spanier waren, die sich nach heldenhaften Kampf von Franzosen besiegt werden sollten.

Fernand Cortez wird in Mexiko sehr zwiespältig gesehen. Das hängt mit dem Erbe der Azteken zusammen, denen sich die Mexikaner durchaus verbunden fühlen. Zumal vor allem durch eingeschleppte Krankheiten etwa 15 Millionen Ureinwohner ums Leben kamen. Doch die Azteken selbst waren wegen ihrer Blutopfer bei den anderen indigenen Völkern weniger beliebt, Stichwort Blumenkriege. Ohne die Unterstützung der anderen indigenen Völker, hätte Cortez es vermutlich nicht geschafft.

Cortez ist obenauf. Mirko Roschkowski (Fernand Cortez), James Lee (Télasco), Morgan Moody (Moralès), Ensemble. (Foto: (c) Björn Hickmann, Stage Picture)
Cortez ist obenauf. Mirko Roschkowski (Fernand Cortez), James Lee (Télasco), Morgan Moody (Moralès), Ensemble. (Foto: (c) Björn Hickmann, Stage Picture)

Wie schon erwähnt, eigentlich sollte die Oper „Amazily“ heißen, nicht nur für Höckmayr ist sie die eigentliche Hauptfigur, denn sie singt vier Arien, Cortez dagegen nur eine. Amazily (eigentlich Maniche oder Doña Marina), die mexikanische Pocahontas, steht zwischen Montezuma und Cortez, den sie liebt. Hin- und hergerissen zwischen ihrem Volk und ihrer Liebe zu den Fremden. Cortez (Mirko Roschewsky) wirkt als guter Motivator für seine Leute, aber er wird von den Ereignissen eher mitgerissen, als sie aktiv zu gestalten. Bezeichnend, dass er im dritten Akt auf dem Boden liegt.

Spontinis Musik kombiniert italienische Melodik mit französischem Pathos. Kein Wunder, ist der Komponist (1774-1851) doch in Italien geboren und hat lange in Frankreich gearbeitet. Das Bühnenbild von Ralph Zeger bestand aus einen großen goldenen Raum, der den Reichtum der Azteken symbolisieren sollte, aber auch die Gier nach dem Edelmetall der Spanier.

Verständlich, dass Louledjian verdientermaßen den größten Applaus bekam, aber auch Roschewsky machte eine gute Figur. Positiv war, dass die Oper bis in die kleineren Rollen gut besetzt war. In der Premiere sangen noch Sungho Kim (Alvar, Bruder von Cortez), Mandla Mndebele (Montezuma), James Lee (Télasco, Bruder von Amazily), Morgan Moody (Moralès, Vertrauter von Cortez) und Denis Velev als böser Oberpriester der Azteken.

Weitere Infos zur Oper unter www.theaterdo.de




Wenn eine Gans aus der Reihe tanzt

Am 31.03.2022 konnte „Die kleine Gans, die aus der Reihe tanzt“, eine Kooperation des Dortmunder Kinder und Jugendtheaters mit der hiesigen Jungen Oper endlich seine Premiere im KJT feiern.

Das Musiktheaterstück (ab 4 Jahren) nach dem Bilderbuch von Jean-Franҫois Dumont wurde mit der Spielfassung von Johannes Gaudet und Musik von Michael Kessler für das KJT bearbeitet. Die Regie übernahmen der Leiter des Theaters, Andreas Gruhn, zusammen mit Johannes Gaudet.

Mit Johannes Büker (Klarinette), Maik Hester (Akkordeon) und Norbert Gögh (Fagott) zeigten drei Musiker nicht nur ihr Können an den jeweiligen Instrumenten, sondern auch viel Spielspaß in ihren Tierkostümen (Schein, Schaf).

Sängerin, Schauspieler und Musiker von "Die kleine Gans": Anna Lucia Struck, Jonathan Büker, Rainer Kleinespel, Norbert Gögh und Maik Hester (Foto: © Birgit Hupfeld)
Sängerin, Schauspieler und Musiker von „Die kleine Gans“: Anna Lucia Struck, Jonathan Büker, Rainer Kleinespel, Norbert Gögh und Maik Hester (Foto: © Birgit Hupfeld)

Anna Lucia Struck (bekannt aus Produktionen der Jungen Oper Dortmund) als kleine Gans Zita mit starker Stimme und Rainer Kleinespel vom KJT-Ensemble als strenger Marsch-freudiger (Ganter) Igor standen ihnen in nichts nach.

Das Publikum wurde schon vor Anfang in der Eingangshalle rhythmisch musikalisch von Zita und der nun neuen Swinging-Animal-Band empfangen. Da dieses Stück auf einem Bauernhof spielt, gibt es dort verschiedene Tiere. Für die Vorstellung wurden die Anwesenden (ob klein oder groß) auf ihre Unterstützung mit diversen Tiergeräuschen und Tanzbewegungen vorbereitet.

Dann ging es in den Vorstellungsraum. Die Story spielt auf einem Bauernhof, wunderbar ausgestaltet mit Wäscheleine, Wegweisern, Töpfen und vieles mehr.

Der Ganter Igor führt alle Tiere morgens mit Marschrhythmus (Eins und zwei) hinaus. Die kleine Gans Zita hat jedoch Schwierigkeiten damit kann nur ihrer „eigenen Melodie“ folgen. Igor verdonnert sie dazu, alleine zu laufen. Zunächst traurig, merkt Zita, dass die anderen Tiere ihre Melodie gut gefällt und nach und nach entwickelt sich ein gemeinsamer Rhythmus. Auch Igor wird letztendlich mit in die „Jamsession“ hineingezogen.

Eine schöne musikalische Geschichte über das Anderssein, Gemeinschaft und Selbstbewusstsein. Nebenbei erleben auch die jüngeren Kinder die drei Instrumente einmal ganz aus der Nähe.

Karten und Informationen zu weiteren Vorstellungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel. 0231/ 50 27 222




Die Stühle von Eugène Ionesco im Fletch Bizzel

Zwei Schauspieler, eine Bühne, ein Saal mit leeren Stühlen, Abstand und ein ganz großes Maß an Absurdität … Das Fletch Bizzel und der französische Dramatiker Eugène Ionesco. Dessen bedeutendstes Stück passt eigentlich gut zu Corona wie der Deckel aufs Marmeladenglas, zumindest was die Bühne anbelangt … so wie wir in den Zeiten der Pandemie mit Shutdown und Social Distancing leben mussten. Zwei Menschen und jede Menge leerer Stühle.

Probenfoto: Christiane Wilke als Semiramis, Guido Fischer als Poppet. (Foto :© Kulturbrigaden)
Probenfoto: Christiane Wilke als Semiramis, Guido Fischer als Poppet. (Foto :© Kulturbrigaden)

Poppet schaut aus dem offenen Fenster auf das Meer vor ihrer Insel. Semiramis fordert ihn auf es zu schließen, da es kalt und dunkel sei und er nichts sehen könnte. Exemplarisch für die Inszenierung des absurden Stückes von Ionesco. Eine Wahrheit oder Aussage wird im nächsten Moment zerpflückt und ins Gegenteil verkehrt.

Ein älteres Ehepaar, Semiramis und Poppet, das nicht so alt, aber sehr vertraut und verspielt zugleich wirkt, erwartet die Ankunft einer Vielzahl bedeutender Persönlichkeiten, die zu dem Ehepaar auf die Insel kommen wollen oder sollen. In seiner eigenen Welt treibend, beschließt der alte Mann, der sich als Hausmarschall definiert, dass er am Ende seines Lebens der Nachwelt eine wichtige Botschaft hinterlassen möchte, nein muss. Der Mann, ein kleiner Pförtner, hat angeblich als Summe seines Lebens, der ganzen Menschheit etwas höchst Bedeutungsvolles mitzuteilen. Da er von sich glaubt, kein guter Redner zu sein, hat er einen Berufsredner bestellt, der seine Botschaft verkünden soll. Zusammen mit Semiramis, seiner Frau, die Poppet in allem eifrig unterstützt, bereitet er die Ankunft einer illustren Schar von Gästen vor, die Zeuge dieses Ereignisses sein werden.

Die Gäste treffen nach und nach durch Schiffsirenen und Türklingeln ein. Man hört und sieht sie nicht, aber die beiden Alten, pantomimenhaft, begrüßen sie und halten Smalltalk mit ihnen und schleppen dabei immer mehr Stühle heran. Die Unterhaltungen sind angeregt, besonders die von Poppet und der Schönheit. Während Semiramis leicht irritiert sich von Begleiter der Schönheit offen umgarnen lässt … Immer mehr Gäste kommen, bis die Bühne mit sichtbaren Stühlen, Stühle und immer mehr Stühle, und unsichtbaren Gästen vollgestopft ist. Alles ist bereit, inklusive der Presse, selbst der Kaiser ist eingetroffen und alle erwartet die Botschaft. Auf humorvoller Weise verwischt die Grenze zwischen Fantasie und Halluzination und Farce, während das Spiel des Paares zu Ihrer Realität wird. Es ist eine Quelle abgetrennter menschlicher Emotionen, Sentimentalitäten, Illusionen, Trauer, Liebe, Herrschsucht, Wut, Verzweiflung, stets in wundervoll farcenhafter Überzeichnung. Es könnte traurig sein und ist es auch.

Christiane Wilke als Semiramis, Guido Fischer als Poppet spielen, nein: tänzeln in der Regie von Thomas Hollaender das alte Paar, das seine Gäste empfängt in einer Welt, in der Paris nur noch eine ferne Erinnerung ist und die Pyrenäen untergegangen sind. Anna Hörling hat ihnen ein spartanisches Bühnenbild gebaut, das an Theaterinszenierungen aus den 60er Jahren erinnert, wie Gründgens Sturm im Wasserglas, bei dem der Farce entsprechend Türen Fenster und Fenster Türen.
In dieser Inszenierung treffen Marcel Marceau und Tanz auf Ionesco. Sie arbeitet mit pantomimischen Techniken und mit dem spezifischen Reiz des.

Sehenswert!

Es spielen: Christiane Wilke als Semiramis, Guido Fischer als Poppet, Mike Kuruc als der Redner
Regie: Thomas Hollaender
Musikalische Leitung: Dixon Ra
Kostüm und Bühne: Anna Hörling

Fr. 01.04 20.00 Uhr
Sa. 02.04 20.00 Uhr
Fr. 13.05 20.00 Uhr
Sa. 14.05 20.00 Uhr

Karte, pro Person 17,— €, ermäßigt 8,— €




Der Riss durch die Gesellschaft – Kinderkriegen 4.0

Wenn es einen Riss durch die Gesellschaft gibt, dann ist es die Aufteilung in Eltern und Kinderlose. Wenn Freund*Innen irgendwann Eltern werden, dann verändert sich viel. Das Kind erfordert Aufmerksamkeit, gemeinsame Treffen werden komplizierter und die Gesprächsthemen drehen sich mehr und mehr um die Kinder. Eltern lernen andere Eltern kennen somit bilden sich neue Freundeskreise. Aber Eltern sind weiteren Problemen ausgesetzt: Wie erziehe ich die Kinder? Von antiautoritär bis Helikopter-Eltern, die Bandbreite ist riesig und immer wieder ein Streitpunkt.

Diese Themen wurden im Stück „Kinderkriegen 4.0“ von Kathrin Röggla unter der Regie von Schauspielintendantin Julia Wissert am 19. März 2022 angesprochen. Ein Premierenbericht.

Martina Eitner-Acheampong, Linda Elsner, Bettina Engelhardt, Ekkehard Freye, Christopher Heisler, Nika Mišković, Adi Hrustemović sowie der Dortmunder Sprechchor auf der Leinwand.(Foto: © Birgit Hupfeld)
Martina Eitner-Acheampong, Linda Elsner, Bettina Engelhardt, Ekkehard Freye, Christopher Heisler, Nika Mišković, Adi Hrustemović sowie der Dortmunder Sprechchor auf der Leinwand.(Foto: © Birgit Hupfeld)

Schon die Charaktere, die Röggla mit- und gegeneinander auftreten lässt, zeigen die Richtung, in die es gehen soll. Da sind die späten Eltern (Ekkehard Freye und Bettina Engelhardt), die natürlich versuchen mit der Reife ihres Alters zu punkten. „Wir haben unsere eigenen Ideen wie wir Kinder großziehen. Also Prinzipien.“ Dazu kommt eine Figur, die als „Rabenmutter“ bezeichnet wird (gespielt von Nika Mišković). Ihre Kinderzahl ist unbekannt und sie wird von ihrem Umfeld wegen des Umgangs mit ihren Kindern kritisiert. („Wildfremde Menschen ermahnen mich, bei meinem Kind zu bleiben!“). Dazu kommt die Oma (Martina Eitner-Acheampong). Sie ist in den 60er und 70er Jahren sozialisiert worden, ihre Tochter scheint diese Art von Feminismus aber nicht mehr zu interessieren. Oma lässt sich als Kindermädchen für ihre vier Enkel einspannen, wenn auch nur widerwillig. Die Kinderlose (Linda Elsner) fühlt sich naturgemäß ausgeschlossen. („Ich würde gerne hier mitreden, aber darf man ja nur mit einem Kind oder zwei“). Der Bundestagsabgeordnete (Adi Hrustemović) hat eine zwiespältige Rolle. Man weiß nicht, ob er Kinder hat oder nur sagt, dass er welche hätte, um sich beliebt zu machen. Christopher Heisler spielt den engagierten Vater von Henry, der zwar nicht zu sehen, aber anscheinend immer dabei ist. Heislers Kostüm ist übersät von Teddybären und er scheint engagiert zu sein, wenn nicht sogar überengagiert („Sollen wir in dieser Wellnessbude lieber in die Sauna oder ins Kinderkino“).

Das Stück ist eine gute Satire und die Dialoge zwischen den Charakteren sind pointiert. Klar, es ist klischeehaft, aber was soll‘s, denn die Personen könnten einem im wirklichen Leben begegnen. Die Frage nach dem Kinderkriegen (dürfen wir in diese Welt noch Kinder setzen) und der richtigen Erziehungsmethode (Prinzipien!) sorgt für stetigen Output im Ratgebersegment.

Die Bühne wird effektiv genutzt, die rampenähnlichen Bauteile können so schnell zu einem ICE-Abteil oder zu einem Wellnesshotel umfunktioniert werden. Hinzu kommt die digitale Welt auf die Leinwand. Hier sind der Dortmunder Sprechchor und Marlena Keil zu sehen.

Am Ende sind wir nicht schlauer, eine Handlungsempfehlung kann es auch schlecht geben, aber wir haben uns gut unterhalten über die Nöte und Sorgen von Menschen mit und ohne Kinder.




HIP TAP PROJECT – Ein Theater in Bewegung

Es tut sich was im Fletch Bizzel! Einige Premieren konnten schon stattfinden und jetzt stand sogar ein Mini-Festival auf dem Programm.

Das Theater Fletch Bizzel, in Kooperation mit der Kulturwerkstatt Fletch Bizzel, den Kulturbrigaden und dem Kulturrucksack Dortmund hat ein ‚bewegtes‘ Wochenende erleben können. Im ausverkauften Haus klatschten, stampften, tanzten, steppten und strahlten die internationalen Künstler:innen des „HIP TAP PROJECT“ von Freitag bis Sonntag im ganzen Haus.

Daniel Luka, der vielseitiger Performer und Choreograf, der mit hochkarätigen Künstler:innen der internationalen Tanz-und Musikszene zusammenarbeitet, war mit der international renommierten Pariser Companie ‚Hip Tap Project‘ zum ersten Mal zu Gast in Dortmund.

Tap Dance auf höchsten Niveau gab es im Fletch Bizzel. (Foto: © Kulturbrigaden)
Tap Dance auf höchsten Niveau gab es im Fletch Bizzel. (Foto: © Kulturbrigaden)

Es war das Ergebnis einer Begegnung im Netz zwischen der neuen Leiterin des Hauses und dem Tänzer. Rada Radojcic suchte während des Lockdowns einen guten, online unterrichtenden Stepplehrer.

Herausgekommen ist dabei ein Live Programm für das Theater Fletch Bizzel. „BOOM TCHAK!“ heißt das Ganze und Tap Dance, Hip Hop, Body Percussion, Schlagzeug und Kontrabass verschmolzen zu einer f Performance auf der Grenze zwischen Bühnen-Show und Konzert.

Das Publikum war begeistert und sie klatschten, klopften und summten so ausgelassen mit, dass man die aktuellen Krisenmeldungen für einen kurzen Moment hinter sich lassen konnte.

Leela Petronio, Daniel Luka, Jep Meléndez, Ludovic Tronché und Bruno Rousselet boten eine wunderbar professionelle Show, die trotzdem große Publikumsnähe und eine heitere Intimität zuließ. Das Fletch Bizzel wurde zu einem kleinen, bunten und friedvollen Tanzort. Die Kurse am Sonntag wurden gut angenommen – und Beine wurden geschüttelt, Körper geklopft und konzentriert geklatscht, was das Zeug hielt.

Noch zu erwähnen ist die besondere Gelegenheit die sich für auch für Kinder und Jugendliche bot und eine große Resonanz hatte. Bei KIDZ UND TEENS konnten, Dank der Förderung des Kulturrucksacks der Stadt Dortmund, alle Kinder am Samstag an den kostenlosen Körper- & Tanz-Workshop „Booster your Body“ teilnehmen.

Text von Theodor Freima




Die fantastische Reise der Kinder des Sultans

Am 20.03.2022 war es endlich so weit. Die wegen einer Corona-Erkrankung verschobene Uraufführung von „Die Kinder des Sultans“ (Fantastische Oper in neun Szenen) von Avner Dorman (Libretto Ingeborg von Zadow) konnte in der Oper Dortmund stattfinden.

Es handelt sich um ein Auftragswerk der hiesigen Oper im Rahmen einer Kooperation der Jungen Oper Rhein-Ruhr. Die musikalische Leitung hatte Christoph JK Müller.

Die bekannten Sänger*innen der Dortmunder Oper brachten neben ihren starken Stimmen eine gehörige Portion Spielfreude mit, obwohl durch die Erkrankung von Hyona Kim (Tante, Kamel) Ruth Katharina Peeck (Junge Oper) helfend einspringen musste.

Zum Schluss gibt es ein großes Fest: (v.l.n.r.) Youngbin Park (Wasserverkäufer), Morgan Moody (Onkel), Denis Velev (Sultan), Sooyeon Lee (Fadeya), Santiago Sánchez (Taseh), Natascha Valentin (Wahrsagerin) Foto: (c) Anke Sundermeier, Stage Picture
Zum Schluss gibt es ein großes Fest: (v.l.n.r.) Youngbin Park (Wasserverkäufer), Morgan Moody (Onkel), Denis Velev (Sultan), Sooyeon Lee (Fadeya), Santiago Sánchez (Taseh), Natascha Valentin (Wahrsagerin) Foto: (c) Anke Sundermeier, Stage Picture

Die Geschichte: Die Zwillinge Fadeya (Sooyeon Lee) und Taseh (Fritz Steinbacher), bisher mit ihrer Mutter Constanze in einer modernen westlichen Welt aufgewachsen, machen sich auf eine große Reise. Sie wollen endlich ihren Vater, den Sultan von Sultanien kennenlernen und viele Fragen stellen. Auf ihren abenteuerlichen Weg müssen sie sich nicht nur fremdem Gebräuchen und Menschen stellen, sondern begegnen auch Dämonen in Form einer hungrigen Riesenschlange, einem reißenden Fluss sowie einer scheinbar unüberwindbaren Wand. Hilfe und Unterstützung bekommen sie vor allem von einem Kamel (verwandelte Tante). Während ihr neidischer und intriganter Onkel (mit viel Spaß gesungen und gespielt von Morgan Moody) verhindern will, dass sie zum Palast zu ihrem traurigen und einsamen Vater (Denis Velev) gelangen. Begleitet wird das Geschehen von einer Wahrsagerin (Natascha Valentin) und dem Wasserverkäufer (Youngbin Park).

Ein großes Kompliment an Tatjana Ivschina für die bunten und fantasievolle Kostüme sowie eindrucksvolle Bühnenbilder und Effekte. Die Musik war abwechslungsreich, rhythmisch mit orientalischen anmutenden Elementen und eindrucksvollen Klangwelten.

Hoffnungsvoll optimistisch im Fall des „Kamel-Songs“ (Wer ein Kamel als Freund hat)

Das „Lied der Eltern“ (Aus zwei Welten kommen wir) ist ein Statement für mutige Offenheit gegenüber „dem Fremden“ und Zusammenhalt.

Außerdem zeigt diese Oper (ab 8 Jahre), wie wichtig es ist, Freunde zu finden und auch in schwierigen Situationen nicht aufzugeben.

Der Dortmunder der Opernchor unter Leitung von Fabio Mancini spielte wieder einmal eine bedeutende Rolle als „Volkschor“ oder zur Darstellung des reißenden Flusses.

Informationen zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder 02321/50 27 222




Silber Tripel oder Mathildes Tauchgang in die Welt der Zahlen

Mathilde, wunderbar gespielt von Ann-Kathrin Hinz, die Heroine des Silber Tripel, unternimmt eine Zeitreise in die Geschichte der Mathematik. Ein amüsantes Stück von Anna Siegrot.

Junge Erwachsene ab 10 erleben im KJT (Kinder- und Jugendtheater) in der Sckellstraße eine unterhaltsame, teilweise herrlich überzeichnete Mathematik Geschichtslehrstunde … Mathematik in den Läufen der Geschichte.

Von Isaacars-tremo Newton, dem ein Apfel, der Erkenntnis?, auf den Kopf fällt, zu mittelalterlichen Mathematikern im Banne eines Allgegenwärtigen, den Römern und ihrem Pragmatismus, den Griechen und ihrem Pytagoras, das ist der mit dem a² plus b² gleich c² … zu den Ägyptern und ihren Pyramiden und einem simplen Seiltrick hin zu den Babyloniern, die immer nur bis 60 zählten … darum auch die 60 Minuten und die 12 Stunden, usw.

Im Bann der Zahlen: Ann-Kathrin Hinz, Bianka Lammert, Max Ranft und Thomas Ehrlichmann (Foto: Birgit Hupfeld)
Im Bann der Zahlen: Ann-Kathrin Hinz, Bianka Lammert, Max Ranft und Thomas Ehrlichmann (Foto: Birgit Hupfeld)

So erfährt man am Ende dann auch warum „1-4=9“richtig ist. Mathematik kann unterhaltsam sein, und es bedarf nicht unbedingt eines Balles von 1,2 kg der Mathilde auf den Kopf fällt, während sie sich für ihr Seepferdchen vorbereitet. Victoria, gespielt von Bianka Lammert, die sich auf ihr Sportabzeichen vorbereitet und die Klassenkameraden, Max Ranft und Thomas Ehrlichmann, wovon einem der Ball vom Dreimeterturm aus der Hand fällt und Mathilde im Becken am Kopf trifft. Wir lernen im Stück, warum das von Bedeutung ist, bei Herrn Newton, der mit dem Apfel.

Mathilde taucht nun buchstäblich in die Welt der von ihr so verabscheuten und körperlich abgeblockten, Mathematik ein … Und das Publikum erlebt die Zeitreise, wie in einer TV Spielshow des BungaBunga Televisionista, in die Zivilisations- und Mathematikgeschichte der Menschheit.

Der Tauchgang von Mathilde endet naturgemäß und man findet sich im Klassenzimmer wieder ein, der Lehrer wie immer etwas vergesslich, gespielt von Rainer Kleyefeldt, wird, nachdem mit den vergessenen Unterlagen wieder im Klassenzimmer, von Mathilde darauf aufmerksam gemacht, dass Viktoria ihr Abzeichen aber doch geschafft habe, weil … und nun kommt der ägyptische Seiltrick und der Herr Pytargoras, der Mönch Stifel und die anderen ins Spiel … Mathilde beweist ihre Behauptung mit Pytargoras zum Erstaunen, des Lehrers, Viktoria und den Klassenkameraden …

Mathematik muss nicht zu Spastiken führen, wie vor dem Mathildeschen Tauchgang in die Welt der Zahlen, sondern kann unterhaltsam sein und im KJT Dortmund recht lehrsam … oder war es jetzt leersam???

Die Premiere war ein „stomping“ Erfolg … die Zuschauer brachten die Sitzreihen zum Tanzen, wie der Popometer feststellte so mitreißend, kurzweilig, und hervorragend gespielt war das Stück. Und es begeisterte auch die jungen Erwachsenen. Wie sagte mir einmal Bianka Lammert in einem Interview: „Kinder sind das schwierigste Publikum!“ Nun das Ensemble der KJT Mathematiktauchreise hat sie alle mitgerissen.

Sie sollten sich das Stück im KJT nei nächster Gelegenheit unbedingt ansehen!

Regie – Johanna Weißert

Ausstattung – Anna Siegrot

Video – Pter Kirschke

Dramaturgie – Milena Noemi Kowalski

Regieassistenz – Alina Baranowski




Lasst uns tanzen

Niemand konnte ahnen, dass nach der – vermeintlich überstandenen – Corona-Pandemie der Krieg in der Ukraine ausbrach. Die Zeiten für Ekstase scheinen wieder in weiter Ferne gerückt. Doch Tanzen ist für den Menschen eine wichtige Erfahrung. Der Dancefloor wird zu dem Ort, an dem wir gemeinsam Schweiß verlieren. Ein Premierenbericht von „Und ihr wollt tanzen, also tanzt“ vom 03. März 2022.

Der Abend begann intensiv. Vier Tanzende, Alexander Darkow, Marie Popall, Antje Prust (auch Regie) und Mervan Ürkmez tobten sich auf dem Dancefloor zu einem treibenden Techno-Beat auf. Die große Bühne wurde so zu einem Club und die Zuschauer standen am Rand. Doch nicht lange, die vier versuchten die Anwesenden zu animieren, sich zu beteiligen. Mitgetanzt wurde aber sehr wenig. Anscheinend war die Bereitschaft aus sich herauszugehen noch nicht sehr groß oder die feierliche Atmosphäre einer Premiere war hinderlich.

Tanzen besitzt auch etwas mythisches: Mervan Ürkmez, Alexander Darkow, Marie Popall und Antje Prust (Foto: © Florian Dürkopp)
Tanzen besitzt auch etwas mythisches: Mervan Ürkmez, Alexander Darkow, Marie Popall und Antje Prust (Foto: © Florian Dürkopp)

Zu einer exzessiven Feierkultur gehörte in der Vergangenheit auch ein ordentlicher Rave. So machten sich die TänzerInnen mitsamt den Besuchern zu einem kleinen Umzug auf. Vom Hintereingang der Bühne zum Vorplatz, ein paarmal um die drei Kugeln und dann wieder zurück. Doch nicht ohne ein besonderes Zeichen zu bekommen, wie man es aus Diskothekenbesuchen kennt: Den Stempel, damit belegt wird, dass man bezahlt hat. Doch dieses Mal gab es statt eines Stempels aus Tinte ein temporäres Tattoo.

Der Rückweg weckte Erinnerungen. Ein Türsteher, eine lange, enge Treppe in den Keller, Jacke abgeben und wieder zurück auf die Tanzfläche. Am Ende des Abends stand ein Sandwichmaker.

Das Stück verfügt über den gewissen Charme einer Aufführung der freien Szene, die vier Spielenden versuchten auch sehr engagiert, die Besucherinnen und Besucher zu animieren. Vielleicht hätte die Idee eines Clubbesuchs weiter intensiviert werden sollen, die Bilder am Anfang waren nicht so eindeutig.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die Clubs dürfen ab dem 04.03.22 wieder öffnen. Von daher: Und ihr wollt tanzen, also tanzt.




Ein Abend im Design-Möbelhaus

Andere Zeiten verlangen andere Herangehensweisen. So wie bei der Tanz-Theater-Video-Performance des Kollektivs „wichtigemenschen“, die vor dem Schaufenster des dott.werks ihr Stück „Wie willst du leben“ am 26.02.22 um 18 Uhr präsentierten.

Der Raum hinter dem Schaufenster des dott.werks verwandelte sich der Raum zunächst in ein exklusives Möbelgeschäft. Teure „Design“Möbel wie der Hocker „Kayna Wills“ für 3.423,55 € standen im Hintergrund.

Das Ensemble von "wichtigemenschen" (Foto: © Birgit Götz)
Das Ensemble von „wichtigemenschen“ (Foto: © Birgit Götz)

Die Performance hatte zum Ziel zwischenmenschliche Beziehungen zu thematisieren, die sich durch die Pandemie verändert hatte. Digitalität ist zugleich eine Einschränkung wie auch eine Bereicherung. Neue Formate fordern heraus, andere Wege zu finden, um Beziehungen zu Menschen aufzubauen und zu vertiefen.

Sehr humorvoll wurde ein Sessel in „Shabby shick“ vorgestellt. Es gab Gesangsnummern und Tanzchoreografien vor dem Schaufenster zu bestaunen, glücklicherweise gab es für die Zuschauenden warme Getränke.

Darsteller: Antonio Di Nauta, Anna Schroer, Celine Becker, Katharina Kelm, Katharina Roth, Laura Gebauer, Maike Landmann, Mathis Pollmann, Neo Dokka, Sina Rumpke

Team: Birgit Götz, Cordula Hein, Sören Meffert, Frithjof Richard, Nilüfer Kemper