Ein Sommernachtstraum nach William Shakespeare

Eine Aphrodisische Verwechslungskomödie des Theater Phoebus im Fletch Bizzel … Das von angeblich einem gewissen Handschuhmacher verfasste Stück, durch den Fleischwolf gedreht, eingekocht und die Essenz a point humorvoll und respektlos dargebracht.



Ein unterhaltsames fasst rokokohaftes Stück Weltliteratur, aus der englischen Renaissance in dem zwei Schauspieler*innen, Josefine Schönbrodt und Jan Maria Meissner, in verschiedenste Rollen schlüpfen, minimalistisch „dekoriert“ und interpretieren Shakespeare, den Handschuhmacher, neu. Sicher und elegant wandeln sie dabei zwischen Comedy und magischer Verzauberung durch die Parallelwelt der Elfen.

Nicht nur einmal wird der Zuschauer, ganz im Sinne der ursprünglichen Aufführungsform, u.a. im Globe, London, mit einbezogen. So auch bei der nicht nur einmal gestellten Frage oder besser Überlegung ob denn nun Herr Shakespeare das Stück (und andere verfasst habe) … William aus Stratford-upon-Avon hinterließ keine Silbe zu Tantiemen, Stücken und ähnlichem in seinem Testament … wo er doch ein so erfolgreicher Theaterautor und Sonettenschreiber war …

Alleine sein Stück über die Liebe und Leidenschaft, mit einhergehender Blindheit, an sich Romeo und Julia, eine 13 jährige verliebt sich in einen 17 jährigen überwachsenen Heißsporn … hätte profunde Ortskenntnisse von Verona und den dort herrschenden Gepflogenheiten vorausgesetzt … durch Ortsanwesenheit … nur William verließ nicht einmal die Insel. Belegbar aus den Elisabethanischen Geheimdienstpapieren … Madame ließen ihr Volk strengstens überwachen.

So beginnt denn auch das Stück mit dem respektlosen Kauderwelschen des Namens des Autors … was an einen gewissen Big Brother „Insassen“ erinnerte, der unter Shakespeare ein Bier zum Schütteln verstand: Schüttelbier, was er nicht kannte … RTL …

Das Elfenkönigspaar Oberon und Titania liegt aufgrund ihrer beidseitigen Untreue im Streit. Oberon ersinnt einen süßen Racheplan, der Kobold Puck soll ihm die Zauberblume bringen, die einst von Amors Pfeil getroffen wurde und Liebesrasereien bewirkt. Über die Augen eines Schlafenden gestrichen, verliebt sich der Betreffende beim Erwachen in die nächste lebende Kreatur „Erwache erst, wenn ein Scheusal in Deiner Nähe ist“- mit diesen Worten bestreicht er die Augen der schlafenden Titania … Wem die Zauberblume sonst noch die Sinne betört und welche Verwechslungen daraus entstehen, das führte zu zahlreichen Lachern und klirrenden, zerspringenden Gläsern, in diesem Shakespearischen Welttheater.

Interessant waren dabei die subtil verarbeiteten Männlichkeiten, oder wie sagte dazu meine Grandmère immer: Männekens. Lysander, Hermia liebend, Demetrius, von Helena nicht begeistert, sehr toxischer Macho und Oberon, gekonnt gespielt und treffend überhöht durch Jan Maria Meissner. Wobei der Oberon sehr gut zur Diskussion von hegemonialer Männlichkeit passt … sich alle Freiheiten herausnehmen, während das Weib gefälligst züchtig zu Hause am Herd zu stehen hat.

Hermia, Lysander liebend, Helena, Demetrius liebend, Titania und Puck werden durch Josefine Schönbrodt fast absurd üb3rhöht charakterisiert. Dabei ist die leicht verliebt, verblödete Helena ein Lacher in sich. Ihre Verliebtheit in den Esel … schlüpfrig schön.

Das Stück ist ein respektloser und auf die Spitze getriebener Parforceritt durch den Sommernachtstraum des Handschuhmachers aus Stadford-ipon-Avon. Oder war es vielleicht doch eher Phillip Marlow?

Die Aphrodisische Verwechslungskomödie des Theater Phoebus ist in jedem Fall ein Genuss und ein Muss für jeden Fan des Midsummer Dreame, egal wer das Stück letztendlich verfasst hatte.




Bildet Banden?! – Die Gerächten

Was passiert, wenn sich die marginalisierte Gruppe der Migranten plötzlich anfängt zu wehren und plant, Rechtextremisten zu jagen und zu töten? Eine Art postmigrantische RAF. Regisseur und Autor Murat Dikenci nimmt das Buch „Die Gerechten“ von Albert Camus als Vorbild für sein Stück „Die Gerächten“. Camus‘ Buch erschien 1950 und beschriebt die moralischen und ethischen Dilemmata einer revolutionären Gruppe im zaristischen Russland.



Bei Dikenci haben die drei Protagonisten bereits sehr negative Erlebnisse mit Rechtsextremen hinter sich, am schlimmsten hat es Pitbull (Tamer Arslan) getroffen, der seine Tochter bei einem Anschlag verloren hat. Doch auch Sol (Akasha Daley) und Fistik (Viet Anh Alexander Tran) haben diskriminierende Erlebnisse gehabt. Doch sind Mord und Anschläge auf Rechtsextremisten die richtige, moralische Antwort?

Viet Anh Alexander Tran, Tamer Arslan, Akasha Daley, Publikum
Foto: (c) Florian Dürkopp
Viet Anh Alexander Tran, Tamer Arslan, Akasha Daley, Publikum
Foto: (c) Florian Dürkopp

„Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“. Das Zitat von Esther Bejarano, einer Ausschwitz-Überlebenden, ist aktuell wie nie. „Die, die uns beschützen sollten, erschießen uns oder sperren uns ein“, sagt Sol einmal und nimmt Bezug auf Migranten, die durch die Polizei zu Tode kamen wie der Jugendliche Mouhammed in Dortmund vor einiger Zeit.

Wir haben doch die Antifa, werden nun einige sagen, doch die Kritik an der Antifa folgt. „Die Antifa sieht ihr Hauptziel bei der Polizei und lenkt die Aufmerksamkeit somit auf sich, damit sie einen Grund haben sich wehren zu dürfen“, erklärt Fistik. Und migrantische Widerstandsgruppen wurden kriminalisiert.

Das Plädoyer am Ende macht noch einmal deutlich, dass der Riss nicht zwischen Migranten und Einheimischen geht, sondern alle marginalisierten Menschen betrifft. „Wir sind es leid, das Übel was ein einzelner Mensch zu erleiden hat, als eine kollektive Pest über uns ergehen zu lassen.“

Das Stück ruft auf zur Aktion, zur Solidarität. „Wir wünschen uns ein vollständig entnazifiziertes Deutschland und nicht die Heuchelei von einem „Nie wieder!“

„Die Gerächten“ ist sehr politisch, und die drei Schauspieler*innen lassen die Verzweiflung und die Wut deutlich zu Tage treten. Hinzu kommt die Enge des Studios und der Tatsache, dass die Zuschauenden stehen müssen (es gibt aber die Möglichkeit, einen Stuhl zu bekommen). Das sorgt für eine beklemmende Atmosphäre. Mehr Infos unter www.theaterdo.de




Puccinis La Bohème als kontrastreiches Erlebnis

Zu Beginn der neuen Spielzeit stand im Dortmunder Opernhaus am 02.09.2023 als Premiere Giacomo Puccinis (1858 – 1924) Oper in vier Bildern „La Bohème“ (Libretto: Luigi Illica und Giuseppe Giacosa) unter der Regie von Gil Mehnert auf dem Programm. Mehmert ist schon für seine besonderen und opulenten Musical-Inszenierungen bekannt.



Begleitet wurde der Abend von der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Gabriel Feltz.


Noch ist Zeit für Party. Das dicke Ende kommt noch... Mandla Mndebele, Denis Velev, Rinnat Moriah, Statisterie, Morgan Moody. Foto:
(c) Björn Hickmann
Noch ist Zeit für Party. Das dicke Ende kommt noch… Mandla Mndebele, Denis Velev, Rinnat Moriah, Statisterie, Morgan Moody. Foto:
(c) Björn Hickmann

Die Geschichte von „La Bohème“ über Einsamkeit, Freundschaft, Liebe, Treue und Tod im Dunstkreis einer Künstlergruppe in Paris. Deren Behausung der Bohèmiens verortet die Inszenierung auf das das Dach eines Bürgerhauses. Die zugige Dachmansarde ist Zeugnis ihres „erhöhten“ Lebens außerhalb der kleinbürgerlichen gesellschaftlichen Zwänge.

Doch sind die vier Künstler nicht wirklich frei, sondern sind gezwungen, ihr Leben irgendwie zu finanzieren. Sie changieren zwischen den Augenblick exzessiv zu leben um dann wieder in Melancholie und depressiver Stimmung zu verfallen.

Puccini benutzt einen erzählerischen episodenhaften Stil in „Modulen“ oder eben Bilder mit einer ausgeprägten Kontrastdramaturgie zwischen Komik und Pathos. Das entspricht den unterschiedlichen Befindlichkeiten der handelnden Personen. Die Hebebühnenkonstruktion bei der Inszenierung geschickt  eingesetzt.

Das tragische Paar Rodolfo, ein Dichter und die todkranke Stickerin Mimi durchläuft ein Wechselbad der Gefühle. Mit ihren starken Stimmen und Ausdruckskraft bringen Sungho Kim (Rodolfo) und Anna Sohn (Mimi) diese emphatisch auf die Bühne.

Dem Maler Marcello, wunderbar gesungen und dargestellt von Mandla Mndebele und seiner (Ex) Giebten Musetta (Rinnat Moriah) geht es ähnlich. Ihn quält unter anderem die Eifersucht.

Das Morgan Moody nicht nur mit seiner Stimme, sondern auch mit einer gehörigen Portion Humor glänzen kann, hat er auch hier als Musiker Schaunard wieder einmal bewiesen. Denis Velev als kluger Philosoph Colline konnte das wie seine Mitkolleg*innen besonders bei der ausgelassenen Feier im vierten Bild zeigen.

Der Opernchor Theater Dortmund, der Opern Kinder und Knabenchor der Chorakademie Dortmund (Choreinstudierung Fabio Mancini), die Statisterie Theater Dortmund sowie die Darstellenden in den Nebenrollen rundeten das Opernerlebnis ab.

Weitere Informationen zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/50 27 222




Kaffeemaschine Stina will hoch hinaus

Tja, so ist das. Wirst du als Kaffeemaschine geboren, sorry, hergestellt, dann ist dein Lebensweg vorgezeichnet. Aber die kleine Kaffeemaschine Stina will unbedingt Polizistin werden, wo sie doch gar nicht so aussieht wie ein typischer Robocop.



In „Stina und der Tentakelarmverkäufer“ präsentierte Yvonne Dicketmüller am 02. September 2023 ein weiteres Werk aus der RoboTheater.  Mit „Strom – Eine Robotergeschichte“ war sie vor einiger Zeit im Fletch Bizzel zu Gast.

Yvonne Dicketmüller zeigte eine Besonderheit im Fletch, nämlich ein Crankie. Ein Crankie ist eine kleine, mobile Erzähltheaterbühne, die wie eine manuelle Filmrolle gedreht wird und so die Bilder zeigt, die zur Geschichte gehören. Natürlich gehörten liebevoll selbstgebastelte Figuren wie Stina oder der Polizeichef zu den Requisiten.

Die Handlung von „Stina und der Tentakelarmverkäufer“ kurz erzählt. Stina will Polizistin werden und wird sogar überraschend angenommen, aber nur um als Kaffeemaschine „missbraucht“ zu werden. Als in Robocity plötzlich einige Roboter durchdrehen, findet Stina eine Spur durch den merkwürdigen Tentakelarmverkäufer, der keine Tentakelarme verkauft, sondern Kaffeeöl, die Robotervariante von Kaffeesahne.  Doch mit dem Stoff scheint was nicht zu stimmen…

Das Stück war ein großer Kontrast zu dem „Regenbogenfisch“ von gestern. Statt bunt, war die Roboterwelt schwarz-weiß und statt 30 Minuten, dauerte „Stina“ etwa 70 Minuten. Zu viel für einige Kinder, die irgendwann müde und quengelig wurden. Verstärkt wurde das Ganze durch die Dunkelheit im Saal und dadurch, dass manche Bilder des Crankies hinten schlecht lesbar waren.

Eine Straffung der Geschichte hätte gutgetan und ich denke, auch Roboter können Farben erkennen, den richtigen Chip vorausgesetzt.

Mehr Mitmachoptionen für die jüngsten Zuschauer*innen würde das Ganze ebenfalls auflockern. Abschließen bleibt mir zu sagen, dass so ein Crankie auch etwas Faszinierendes hat und ich könnte mir gut vorstellen, so etwas für ein älteres Publikum, lies: Erwachsene, in Aktion zu sehen.    




Der Regenbogenfisch – Hinein in die bunte Unterwasserwelt

Ein Glückfall erlebte das Fletch Bizzel mit der Inszenierung von „der Regenbogenfisch“ am 01. September 2023 zum Auftakt des „KIDZ IM BIZZ“-Festivals. Die Kulturbrigaden unter der Leitung von Rada Radojcic präsentierten in 35 Minuten ein kurzweiliges Stück über Freundschaft und Teilen.



„Der Regenbogenfisch“ ist ein Bilderbuch von Marcus Pfister. Es erzählt die Geschichte eines glänzenden Fisches, der seine schillernden Schuppen teilt, um Freundschaft und Großzügigkeit zu zeigen und dadurch wahre Freunde findet. Es ist eine fesselnde Geschichte über die Bedeutung von Teilen und Mitgefühl.

Wer ist der schönste Fisch im Ozean? Der Regenbogenfisch (Dzaki Radojcic) natürlich. (Foto: (c) Kulturbrigaden)
Wer ist der schönste Fisch im Ozean? Der Regenbogenfisch (Dzaki Radojcic) natürlich. (Foto: (c) Kulturbrigaden)

Es wurde eine bunte Veranstaltung mit Mitmachelementen, die nicht nur die Kinder animierten, sondern auch die Eltern. Die Kunst, ein sehr junges Publikum (ab 3 Jahren) bei der Stange zu halten, beherrschten die Kulturbrigaden ohne Probleme.

Das ist auch ein Verdienst der beiden Schauspielerinnen auf der Bühne. Die Hauptrolle spielte Dzaki Radojcic, Hanna Christgen war in der Rolle von Frau Koralle und der Weisen Krake zu sehen.  Die atmosphärische Unterwasserwelt-Musik und das Lied zum Tanzen stammten von Dixon Ra.

Alles in allem eine gelungene Umsetzung des Bilderbuchklassikers für Groß und Klein.

Weitere Termine unter www.fletch-bizzel.de




Der Regenbogenfisch oder wenn Teilen Freundschaften schafft

Vor über 30 Jahren erschien das Bilderbuch „Der Regenbogenfisch“ von Marcus Pfister.  Der wunderschön schillernde, aber eingebildete Regenbogenfisch wird von allen anderen bewundert. Doch sein Egoismus verhindert, dass er Freundschaften schließt. So gibt ihm die weise Krake den Tipp, doch seine Schuppen zu teilen.



Das etwa 40-minütige Stück für Kinder ab 3 Jahren wird im bewährten Stil der Kulturbrigaden aufgeführt. Es wird also bunt, fröhlich und es wird für die Kinder auch etwas zum Mitmachen geben.

Ob der Regenbogenfisch eines seiner Glitzerschuppen abgibt? (Foto: (c) Kulturbrigaden)

Die Hauptrolle spielt Dzaki Radojcic, Hanna Christgen spielt Frau Koralle und die Weise Krake, die Regie und das Konzept stammt von Rada R. Radojčić. Die Musik zu dem Stück hat Dixon Ra komponiert und es soll sich sphärisch zur Unterwasserwelt anpassen. Die Kostüme sind von Anna Hörling, während sich Dzaki Radojcic selbst um ihr Regenbogenfischkostüm gekümmert hat.

Daneben beginnt im Fletch Bizzel das KIDZ IM BIZZ MINI Festival. Am 02.September 2023 ist um 14 Uhr Zeit für „Stina und der Tentakelarmverkäufer“ (ab 5 Jahren) und am 03. September 2023 hat um 11 Uhr „Der große Muck“ seinen Auftritt (ab 3 Jahren).

Weitere Informationen unter www.fletch-bizzel.de




Parabel „Der kleine schwarze Fisch“ als Schattentheater

Als Thema der Bürger*innen-Oper in Dortmund wurde das iranische Märchen von Samad Behranghi „Der kleine schwarze Fisch“ schon vor der Sommerpause für die Opernbühne bearbeitet.



Am 18./19. August.2023 wurde die im Jahr 1967 veröffentlichte Parabel (die unter der Zensur des damaligen Schah-Regimes fiel) dem Publikum im Fletch Bizzel (Dortmund) vom Performance-Kollektiv Sepidar Theater als Schattentheater nahegebracht. Das 2016 von den Theaterwissenschafts-Studierenden Bahareh Sadafi und Maarnadoo Mehrnejad gegründete Kollektiv besteht aus darstellendem Künstler*innen mit verschiedenem kulturellem Hintergrund.

Die Geschichte vom kleinen schwarzen Fisch, der mutig, stark, hoffnungsvoll und neugierig über die Grenzen der Enge seines kleinen Heimatbaches hinaus strebt und andere Lebewesen kennenlernen will hat nichts an Aktualität und Brisanz verloren. Gerade auch in der Situation der Mädchen und Frauen im Iran 2023.

Ermutigt durch eine (weise) Schnecke, nimmt der kleine schwarze Fisch den langen Weg ins unbekannte weite Meer auf sich und muss sich mit verschiedenen gefährlichen Tieren oder misstrauischen anderen Fischen auseinandersetzen. Die reagieren unterschiedlich auf den „Fremdling“.

Klar wird im Märchen die Bedeutung von Zusammenhalt, Mut, Beharrlichkeit und kreativer Ideen gegenüber den Bedrohungen durch Pelikan, Kormoran oder Säbelfisch.

Den vier Mitgliedern des Sepidar Theaters gelang es, das Publikum mit eindringlichem Spiel mit Licht und Schattenfiguren, der Situation angepassten Geräuschen und Musik mit unterschiedlichsten Instrumenten sowie sensiblen Bewegungsabläufen in die Parabel hineinzuziehen.

Die uns Menschen bekannten Ängste und Misstrauen gegenüber den „Fremden“, aber auch Offenheit und Willkommenskultur finden sich in der Geschichte wieder.

Am Ende steht die Hoffnung, dass auch nach dem Tod des kleinen schwarzen Fisches ein anderer (roter) Fisch stark und selbstbewusst gegen Widerstände seinen individuellen Weg über Grenzen hinaus geht.




Buntes Programm beim Jubiläums-MICROFESTIVAL

In der Dortmunder Innenstadt findet am 11./12.08.2023 schon zum dreißigsten Mal (draußen und umsonst) das MICROFESTIVAL statt. In den letzten zwei Jahren nur als begrenztere Cube-Edition durchgeführt werden. Pünktlich zum Jubiläum wird wieder voll durchgestartet.



Die Besucher*innen erwartet an zwei Tagen ein vielfältiges Programm mit 30 Acts plus einige Specials aus der ganzen Welt. Es gibt mit dem Cube Alter Markt, dem Cube Kleppingstraße, der Theaterfläche St. Reinoldi (am Paradiesgarten) drei offiziellen Spielorte. Die würfelförmigen, an den Seiten offenen Festivalbühnen (Cubes) werden wegen ihrer gut angekommenen Nähe zum Publikum beibehalten.

Festivalleiterin Katrin Gellermann präsentierte ein buntes Programm für das Microfestival 2023.
Festivalleiterin Katrin Gellermann präsentierte ein buntes Programm für das Microfestival 2023.

Ensembles, Künstler*innen und Bands aus zwölf verschiedenen Ländern spielen Weltmusik mit diversen Anleihen aus den jeweiligen Herkunftsländern, angereichert durch moderne Einflüsse. Es darf getanzt werden!

An den drei Spielorten und drum herum können Interessierte an beiden Festtagen eindrucksvolle Akrobatik, Theaterperformances, Musik für Jung und Alt sowie besondere interaktive Specials (Walk Arts) erleben.

Das Angebot an Sitzgelegenheiten, Gastronomie und Toiletten ist vergrößert, verriet Katrin Gellermann von der Festivalleitung.

Los geht es am Freitag, den 11.08.2023 um 15:00 Uhr mit der Band „ANEWAL“ (Deutsch/Niger) auf dem Cube an der Kleppingstraße. Freunde des „Desert Blues“ kommen bei dieser Musik voll hypnotisierender Rhythmen und Trance Beats, Bass-groove und Blues auf ihre Kosten.

Es ist schwer, bei diesem umfangreichen und diversen Festivalprogramm Highlights herauszustellen. Hier möchte man die Menschen mitreißen, sondern ist auch sonst selbstverständlich auf der Höhe der Zeit. So führen QR-Codes  direkt zum digitalen Programm.

Es gibt natürlich daneben wie üblich die allgemeinen Programm- Flyer und zusätzliche Aufsteller mit dem jeweiligen Bühnenprogramm zum Mitnehmen.

Mehr Informationen finden Sie online unter microfestival.dortmund.de




Archipel – Inseln zwischen Ebbe und Flut

Mit dem Stück „Archipel – ein Kaleidoskop menschlicher Beziehungen“ präsentierte das ensemble 17 am 09. und 10. Juni 2023 im Theater im Depot ein tiefsinniges Stück über unterschiedliche Gefühllagen.



Das Bühnenbild von Matthias Schubert zeigte eine Landschaft zwischen Wohnzimmer und Strand. Ein Bild an der Wand, fliegende Möwen und andere Gegenstände komplettierten die Ausstattung.

Der Mensch als Insel. Das kann verschieden Interpretiert werden. Individualität und Einzigartigkeit: Jeder Mensch ist auf seine Weise einzigartig und unterscheidet sich von anderen. Isolation und Selbstständigkeit: Jeder Mensch hat seine eigenen Bedürfnisse, Ziele und Verantwortlichkeiten und muss lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Einsamkeit und Abgrenzung: Jeder Mensch hat eine innere Welt, die für andere Menschen nicht vollständig zugänglich ist, was zu einem Gefühl der Isolation führen kann. Unabhängigkeit und Autonomie: Jeder Mensch hat die Fähigkeit und die Verantwortung, Entscheidungen unabhängig zu treffen und sein eigenes Leben zu gestalten, ohne von anderen abhängig zu sein.

Ähnlich war das Theaterstück aufgebaut. Als Szenencollage  mit Fremdtexten und eigenen Texten erarbeiteten sich Philipp Böddecker, Jeanette Kindas, Klara Noack, Anastasia Papoutsoglou, Anke Pidun, Katharina Stillger und Bettina zeuch unter der Leitung von Barabara Müller verschiedene Szenen, die komische, nachdenkliche, aber auch traurige Elemente beinhaltete. Vor allem das Thema Einsamkeit versus Lust auf Menschen wurde häufiger thematisiert („Ich bin kein wir“). Das ensemble 17 ist aus der damaligen Theaterwerkstatt im Depot entsatnden, die vor Corona in aller Regelmäßigkeit Stücke im Depot aufgeführt hat. Schön zu sehen, dass es jetzt weitergeht. Das „Archipel“ lässt auf alle Fälle hoffen, dass es in Zukunft weitere Stücke zu sehen gibt.  




Tanztheater – mittendrin statt nur dabei

Mit dem Stück „Sitzen ist eine gute Idee“ präsentierte Antje Pfundtner im Theater im Depot ein Stück um das Thema „wofür würdest du aufstehen?“ Dabei kombinierte die Choreografin verschiedene Elemente zu einem Programm, dass das Publikum integrierte.



Wer kennt es nicht, die „Reise nach Jerusalem“? Antje Pfundtner eröffnete damit ihr Stück. Die einzelnen Menschen mussten auf Aufforderung ihren Platz wechseln, doch keine Angst, niemand musste stehen. So unterhaltsam ging es weiter. Statt von weitem auf eine Bühne zuschauen, wurden wir Teil ihrer Performance und ob sie uns direkt berührte oder einen Ball durch die Reihen schoss, es wurde nie langweilig.

Das ist eben das Schöne, was Live-Kunst ausmacht, mal eben ein Teil der Inszenierung zu werden und nicht etwas passiv über den Bildschirm zu konsumieren.

Aber was ist mit dem Gegensatz von Sitzen und Aufstehen? Ist Aufstehen immer etwas Aktives und sitzen passiv? Ist Sitzen „für den Arsch“ wie es Fußballfans deklamieren, die lieber auf ihrer Stehplatztribühne stehen.

Und zum Schluss die spannende Frage: Wann stehen wir – das Publikum – auf? Wann wissen wir, wann das Stück zu ende ist? Klar, nach dem Schlussapplaus. Aber wenn der nicht kommt? Haben wir den Mut, aufzustehen und zu gehen?

„Sitzen ist eine gute Idee“ zeigt uns auf unterhaltsame Weise den Unterschied zwischen Sitzen und Aufstehen. Wobei ja es ja auch mit dem Aufstehen nicht getan ist…Was folgt danach?

Antje Pfundtner war nicht allein, sie kam „in Gesellschaft“, das heißt zusammen mit ihrem Team, mit dem sie gemeinsam Theaterstücke entwickelt.