Kanonenmütter, Tradwives und ein großer Abschied: So startete der Geierabend 2026

Er ist ein fester Bestandteil des Dortmunder Kulturlebens: der Geierabend. Mit einer ebenso politischen wie pointierten Premiere ist die alternative Karnevalssitzung am 2. Januar 2026 auf Zeche Zollern in die neue Session gestartet. Vor vollem Haus präsentiert das Ensemble noch bis Veilchendienstag ein Programm, das aktuelle Debatten, Ruhrgebietsrealität und bewusst albernen Klamauk gekonnt miteinander verknüpft.

An Themen mangelt es dem Geierabend keinesfalls. Denn alles scheint wiederzukommen, wie Steiger Martin Kaysh zurecht anmerkte – beispielsweise der Wehrdienst. Mit der Szene „Kanonenmütter“ nimmt das Ensemble die Debatte um Wehrpflicht und Aufrüstung ins Visier: Zwei Mütter rücken kurzerhand selbst ein, inklusive olivgrünem Wellness-Programm und militärischem Gebrüll. Auch die 50er-Jahre feiern ein Wiedersehen in Form von „Tradwives“, die ihre Bestimmung im traditionellen Rollenverständnis suchen. Natürlich versucht auch die alleinerziehende Mutter Jessica Schmottke (Sandra Schmitz), davon zu profitieren. Dass auch Trends zu Ende gehen können, erlebten zwei Labubus, die auf dem „Friedhof der Kuscheltiere“ auf Relikte vergangener Tage schauten.

Auch die Situation der Dortmunder SPD wird aufs Korn genommen. Politisch-historisch wird es in „SPD – Der Geist von Godesberg“, wenn die letzten Dortmunder Sozialdemokraten in ihrer Verzweiflung den legendären Parteitag von 1959 heraufbeschwören. Denn früher war die Stadt die „Herzkammer der Sozialdemokratie“, heute regiert ein CDU-Bürgermeister. Der neue OB, Alexander Kalouti, war dabei immer wieder Zielscheibe des Spotts.

Premiere Geierabend auf Zeche Zollern. (Foto: (c) Anja Cord)
Premiere Geierabend auf Zeche Zollern. (Foto: (c) Anja Cord)

Der Ruhrpott-Blick auf gesellschaftliche Trends kommt ebenfalls nicht zu kurz. In „Bottrop statt Botox“ persiflieren „Dr. Dick und Dr. Fick“ die Schönheitschirurgie auf radikal ehrliche Art, während die Nummer „Hobby Horsing und Köttbullar“ den Trendsport aus der IKEA-Betriebssportgruppe Kamen mitten ins Revier holt. Was für spannende Geschichte mag wohl die WAPO Phoenixsee erzählen?

Musikalisch spannen Pele Götzer und seine Band einen weiten Bogen von viralen Popsongs wie „Gangnam Style“ über „Walking on Sunshine“ bis zu aktuellen Chart-Hits wie „APT“. Für den roten Faden sorgt einmal mehr Steiger Martin Kaysh, der mit bissigen Moderationen und Kommentaren zum politischen Tagesgeschehen durch den Abend führt.

Ein besonderer Moment ist in diesem Jahr der Abschied von Geierabend-Präsident Roman Henri Marczewski. Der Mitgründer und langjährige Kopf der Veranstaltung verabschiedet sich nach mehr als drei Jahrzehnten mit einer musikalischen Verneigung vor dem Publikum – ein emotionaler Höhepunkt für eine prägende Figur der Ruhrgebietskultur.

Traditionell gehört zum Geierabend auch die Vergabe des Pannekopp-Ordens, und hier gab es direkt bei der Premiere eine Entscheidung: Den Tagessieg holte sich Bettina Hartmann. Die stellvertretende Bürgermeisterin von Marl, die sich mit Stimmen der AfD hatte wählen lassen, setzte sich damit gegen NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst durch. Wüst war mit seiner Idee der „Leading Losing City Köln“ nominiert worden.

Das Ensemble musste in dieser Session zwei neue Mitglieder integrieren, was über weite Strecken sehr gut gelang. Es liefert eine Bandbreite von Ruhrpottsatire über Medienkritik bis hin zu politischer Satire – Gesangs- und Tanzeinlagen inklusive. Lediglich die Szene mit den beiden „Facharbeitern“, die zuvor von zwei ausgeschiedenen Mitgliedern verkörpert wurde, wirkte etwas routiniert – das Gabelstapler-Thema hat sich inzwischen ein wenig abgenutzt. Dennoch spielte, sang und tanzte das Ensemble insgesamt wie aus einem Guss.

Auch das Publikum war an diesem Abend bestens aufgelegt. Alle Szenen wurden ausgiebig bejubelt, und die Hymne „Dortmund“ durfte als Zugabe nicht fehlen.

Alle Infos zum Geierabend 2026

  • Spielort: Zeche Zollern, Dortmund
  • Termine: Die Session läuft noch bis zum 17. Februar 2026 (Veilchendienstag).
  • Tickets: Karten sind unter geierabend.de erhältlich.
  • Das Ensemble: Roman Marczewski, Sandra Schmitz, Martin Kaysh, Benjamin Werner, Silvia Holzhäuser und Stefan Peters.

















Geierabend 2026 startet in eine kurze, knackige Session

Für die Freunde des kultigen Dortmunder Ruhrpott-Karnevals gibt es gute Nachrichten. Auch im Jahr 2026 wird auf der historischen Zeche Zollern – diesmal für eine ultra-kurze Session (02.01. – 17.02.2026) – wieder der „Geierabend“ zelebriert.

Das rundum neue Programm bietet erneut eine schräge Mischung aus bissigem Humor mit politischen Seitenhieben und viel Lokalkolorit. Musikalisch wird es – so Geierabend-Legende Sandra Schmitz – „laut und rockig“ mit einer bunten Bandbreite von Gangnam Style über Britney Spears bis Richard Wagner. Bandleader Pele Götzer führt als musikalischer Kopf durch den Abend.

Neben den bewährten Kräften Sandra Schmitz, Martin Kaysh (Steiger), Silvia Holzhäuser, Patrick Dollas und dem „Präsi“ Roman Marczewski stoßen mit dem Theater- und Filmschauspieler Benjamin Werner sowie dem gebürtigen Herdecker Stefan Peters zwei „Neue“ dazu.

Das Plakat der Session 2026 des Geierabends. (Foto: Tania Reinicke)
Das Plakat der Session 2026 des Geierabends. (Foto: Tania Reinicke)

Das Ensemble vermählt unter anderem die Erotik von New-Adult-Romanen mit der Resopal-Romantik ruhrpotttypischer Eckkneipen, und die SPD beschwört nach der Kommunalwahl beim Trauerseminar die Geister erfolgreicher Jahre. Außerdem jagt die WaPo Phoenixsee ein Seeungeheuer und vieles mehr. Klassiker wie etwa Publikumsliebling Jessica Schmottke (als mehrfach Alleinerziehende) dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Hinter den Kulissen arbeitet erneut ein Team aus einigen der renommiertesten Satire-Autorinnen und Autoren Deutschlands. Zu nennen wären da Jana Fischer (Autorin: Carolin Kebekus Show), Thomas Rogel (Heute-Show) sowie Markus Henning (ZDF-Magazin Royale).

Auch kulinarisch wird das Publikum wie gewohnt gut versorgt (nicht nur mit der besten Currywurst des Ruhrgebiets). Es empfiehlt sich, sich möglichst schnell Karten zu sichern!

Erhältlich unter www.geierabend.de

Vorstellungen: Donnerstags bis sonntags, in der Karnevalswoche zusätzlich am Mittwoch sowie an Weiberfastnacht.




Eine Feier der inklusiven Kunstpraxis

Das Schauspiel Dortmund lud gemeinsam mit dem mixed-abled Kollektiv „I can be your translator“ vom 12. bis 14.12.2025 zum Festival „Hurra, Theater für Viele!“ ein. Das Team von Ars tremonia besuchte am Samstag, den 13.12.2025, Linda Fisahns „Sommer-nachts-traum“ (Oder was immer dich durch die Nacht bringt) im Institut des Schauspiels.

Nach „Romeo und Julia“ hat sie sich nun mit einem besonderen Fokus auf die Liebe und die Natur Shakespeares Sommernachtstraum angenommen. Auf der Bühne standen Linda Fisahn selbst als Feenkönigin Titania, kongenial begleitet von Anton Berman (Schauspielkomponist am Keyboard) als Elfenkönig Oberon sowie Rose Lohmann (neues Ensemblemitglied im Schauspiel Dortmund) als Dienerin der Feenkönigin. Alle waren dem Anlass entsprechend festlich gekleidet.

Kostmprobe zu "Ein Sommernachtstraum". Foto: (Jonas Fromme)
Kostmprobe zu „Ein Sommernachtstraum“. Foto: (Jonas Fromme)

Emotionen und Stimmungen spielten hier eine wesentliche Rolle. Das wurde dem Publikum schon beim Einlass ins Institut verdeutlicht. Dort wurden von den drei Darstellenden über einen längeren Zeitraum verschiedene Tierstimmen (Schweinegrunzen, Vogelgezwitscher u.a.) des Waldes imitiert. So wurden die Anwesenden atmosphärisch in die zauberhaft-mystische Welt der Elfen, Feen und des Puck entführt. Der besondere Liebeszauber der Blume „love-in-idleness“ kam auch in dieser Inszenierung nicht zu kurz.

Was kann Liebesgefühle besser transportieren als Musik? Mit viel Herzblut sang Titania etwa „Durch den Monsun“ (Tokio Hotel) oder „Dein ist mein ganzes Herz“ (H.R. Kunze). Am Ende wurde getanzt und man konnte sich gut gelaunt mit den drei glücklichen Protagonisten freuen.




Antrag auf Aufenthalt – ein kafkaeskes Schauspiel mit 3D-Animationen

18.12.2025, Theater Fletch Bizzel

Eine Figur in langem Kleid mit Koffer zieht durch eine angedeutete Stadt, vorbei an anderen Personen, an Autos und turmhohen Quadern, die Häuser darstellen. Sie schreitet durch die Straßen und nach und nach zerfällt die Umgebung, die Häuser stürzen ein, Autos und Figuren zerspringen, lösen sich auf. Vor ihr eine karge Landschaft. „Wenn dieser Ort alles war, warum gehen Sie direkt ins Nichts?“

Auf der Bühne selbst links und rechts angedeutete Aktenschränke in einer Fluchtpunktperspektive schräg zulaufend angeordnet. Die 3D-Animationen auf der Leinwand im Hintergrund verlängern den Schauplatz oftmals ins Unendliche.

Eine Frau im langen Rock mit kleinem Koffer betritt die Bühne. Sie weiß nicht so recht, was sie tun soll. Es erscheint ein großer Augapfel an der Decke, der sich bewegt, scheinbar alles im Blick behält. Der Hüter des Gesetzes, ein Hologramm.

Die Befragung beginnt. Warum weg, warum hin, wie angepasst sie sei. Und immer wieder die Ablehnung. Es reicht nicht, es ist nicht genug. Libertad, Freiheit sucht sie. Das Stück ist auf Deutsch und Spanisch von der Gruppe „Dalí Moustache Performing Arts“, deren Gründer*Innen 2015 aus Venezuela nach Dortmund kamen, konzipiert und realisiert. Dem Geschehen kann man in beiden Sprachen sehr gut folgen.

Als Publikum hofft man mit, dass sie die Prüfung übersteht. Als ein deutsches, fehlerfreies Kinderlied gefordert wird, singt sie laut, mutig und einwandfrei „Guten Abend, gute Nacht“. Doch das Gericht meint, einen Akzent wahrgenommen zu haben. Sie darf nur ins Wartezimmer mit einer Nummer nahe an vierhundert. Und die rote Linie, die die Bühne zwischen links und rechts teilt, keinesfalls überschreiten!

Ein Mann betritt die linke Hälfte. Er ist schon so lange in Warteposition, dass er sich kaum mehr erinnern kann, was mal gewesen war, wer er ist. Vielleicht geht es um seine „Remigration“?

Gessliam (Momo) Suárez (rechts) und Rodolfo Parra trennen eine rote Linie. Foto: (c) Martina Bracke)
Gessliam (Momo) Suárez (rechts) und Rodolfo Parra trennen eine rote Linie. Foto: (c) Martina Bracke)

Zudem sind seine Unterlagen zwischen verschiedenen Behörden verloren gegangen. Eine aussichtslose Situation.

Zwischen den beiden Protagonist:innen entwickelt sich eine Gespräch, eine Beziehung. Aber da ist diese rote Linie. Immer wieder greift das Auge ein, erteilt eine Verwarnung wegen unerlaubter Nähe. Und muss der Klatschdienst bedient werden, auch das Publikum ist dabei gefordert.

Die Regisseurin Cynthia Scholz bezieht sich auf Kafkas „Prozess“ und auf „El ruido del Hombre al Quebrarse“ von Greymar Hernández.

Die Schauspieler:innen Gessliam (Momo) Suárez und Rodolfo Parra überzeugen in ihrem Spiel, wandern sprachlich mühelos zwischen Deutsch und Spanisch, sind hörenswert in Gesangseinlagen und auch tänzerisch aktiv.

Er erinnert sich nach und nach; es stellt sich heraus, dass er Schauspieler ist. Zwischendurch vermengt sich die Geschichte des „Antrags auf Aufenthalt“ mit Kritik an der Kulturpolitik. Das wird sicherlich nicht von allen im Publikum verstanden, dazu müsste man mehr Insider sein. Zudem bringt es die Geschichte leicht aus dem Takt.

Das Publikum leidet weiter mit und hofft weniger. Die 3D-Animationen von Chino Monagas spielen gleichwertig mit, sind sehenswert und hervorragend gemacht. Von dem alles überblickenden Auge (gesprochen und gespielt von Sascha von Zambelly) fühlt man sich auch im Publikum verfolgt, aber selbst das hat seine Geschichte, die über die Animation miterzählt wird.

Ein spannender Abend, der gern noch öfter auf Dortmunder Bühnen kommen kann.

Im Theater Fletch Bizzel allerdings in naher Zukunft leider nicht, denn dies war für einige Monate die letzte Abendvorstellung in der Humboldtstraße im Klinikviertel. Im Publikum neben vielen jungen Menschen auch ein paar etwas ältere, einer zum Beispiel, der vor fünfunddreißig Jahren auf der Bühne im Fletch, damals noch eine Etage höher, dort, wo zuletzt das Kursprogramm läuft, seinen ersten Auftritt hatte – Thomas Kemper, mithin Fletch-Urgestein. In „Der Büchsenöffner“ von Victor Lanoux. Wehmut kommt auf. Und „wenn dieser Ort alles war, warum gehen Sie direkt ins Nichts?“

Nun, manchmal sind die Umstände so, da kann man nichts machen. Ins Nichts geht das Theater Fletch Bizzel aber nicht, es richtet sich in den Räumen des Theaters Olpketal neu ein. Wünschen wir ihm und seiner Chefin Rada Radojcic alles Gute. Und hoffentlich erlebt dort das Publikum auch wieder Produktionen von Dalí Moustache, die die Dortmunder Theaterszene bereichern.

 

Mehr unter

www.dalimoustache.de

www.fletch-bizzel.de

 




Schmeckt die Freiheit nach Erdbeeren?

Freiräume – Tanztheater mit zwei Gruppen und einem Thema

Zuerst kommt der Nebel, dann folgen die jungen Darstellerinnen aus dem Kulturrucksackprojekt für 10- bis 14-Jährige. Ihre Requisiten symbolisieren den Wald. Wo finde ich Freiräume? Was ist für mich Freiheit? Ganz verschiedene Antworten gibt bereits die erste Szene. Und ganz selbstbewusst heißt es: „Sei du selbst, alle anderen gibt’s schon.“

Schon im alljährlichen Osterprojekt von vier.D haben sich die Mädchen Gedanken über die Freiheit gemacht und daraus erste (Tanz-)Szenen entwickelt. Ganz konkret wird zum Beispiel die Klassensprecher:innen-Wahl aufgegriffen, bei der ganz unterschiedliche Versprechungen locken. Zählen Visionen? Ein Chill-Tag? Oder Mitspracherecht? Oder ziehen doch eher die Aussicht auf Geschenke wie Süßigkeiten und Pizza? Muss ich in der Gruppe mitlaufen, um anerkannt zu sein? Oder suche ich mir meinen eigenen Weg?

Sprech- und Tanzszenen wechseln sich ab, die Mädchen sind ein eingespieltes Team und machen dem Publikum viel Freude.

Nach der Pause erobern die Älteren die Bühne. Fünfzehn Jugendliche der Jungen Tanzwerkstatt 15+ von vier.D und des Jugendclubs 16Plus des Schauspielhauses Dortmund haben ihre Koffer gepackt und nehmen Kissen und Schlafmaske mit auf die Bühne, Inhaliergerät und Tagebuch, aber auch ihre gute Laune, Unsicherheit und Erinnerungen.

Die Koffer werden im Lauf des Spiels einzeln geöffnet und bieten Anlass genug für Szenen, schön genutzt wird jeweils ein Licht im Koffer, das die Personen von unten beleuchtet. Ein sehr kreativer Einsatz der Requisiten insgesamt.

Nebeliger Beginn von "Freiräume". (Foto: (c) Martina Bracke)
Nebeliger Beginn von „Freiräume“. (Foto: (c) Martina Bracke)

Das Publikum erfährt von Träumen und Erfahrungen und nimmt live teil an einer Wahl zum Jugendwort des Jahres. Die agilen Moderator:Innen der Show interviewen auf der Bühne einige Jugendliche, denen sie allerdings schon beim ersten Ton das Wort abschneiden, aber dennoch ihre Beiträge loben. Vorschläge für Jugendwörter kommen aus dem Publikum, werden aufgegriffen und zur Abstimmung gebracht. Denn – das erfährt man nebenbei – die offizielle Jury, die jedes Jahr das Jugendwort des Jahres wählt, besteht zu mehr als fünfzig Prozent aus – ACHTUNG –  Erwachsenen. Ob sich da die Jugendlichen wiederfinden? Am heutigen Abend fällt die Wahl jedenfalls auf das Wort „Sechssieben“. Da das Publikum per Applaus abgestimmt hat, könnte es sein, dass wieder mehr als fünfzig Prozent Erwachsene entschieden haben. Aber egal, in der nächsten Vorstellung läuft es sicherlich anders, denn dann werden mehrere Schulklassen im Fritz-Henßler-Haus sein.

Für Lacher sorgen noch die beiden weißen Pferde auf der Bühne, die gekonnt eintänzeln. Natürlich keine echten. Im Schlepptau die klischeehaften Prinzen. Aber wer braucht schon schmierige Prinzen auf weißen Pferden?

Jede:r braucht Raum für Wünsche, Träume und Zukunft. Zukunft, die von den Erwachsenen mitgedacht werden muss, für die man aber auch die Jugendlichen selbst einbeziehen sollte. Und jede:r braucht Freiraum, so zu sein, wie man ist.

Schmeckt die Freiheit nach Erdbeeren? Manchmal schmeckt sie auch nach Zimt. Individuell eben. Auf jeden Fall schmeckt sie gut.

Ein kurzweiliger Abend mit einigen Botschaften, die man hören sollte, den das Team von vier.D und dem Schauspielhaus Dortmund unter der Anleitung von Laura Gebauer, Birgit Götz, Helen Greve-Groß, Sarah Jasinszczak & Johanna Menke mit den Jugendlichen auf die Bühne gebracht hat. Verdienter, langanhaltender Applaus belohnt die Mitwirkenden, zum Abschluss gibt es noch eine kleine filmische Zugabe vom Probenwochenende. Dann kann gefeiert werden.

Neben der Schulvorstellung im Fritz-Henßler-Haus gibt es noch eine Aufführung im Studio des Schauspielhauses, die Jugendlichen sind flexibel.

 

Mehr unter:

www.vierD.info

www.theaterdo.de

https://kulturrucksack-dortmund.de




Zwischen Peitschenhieben und Kerzenschein: Ein Abend der Kontraste im Theater im Depot

Am 05.12.2025 präsentierte das Theater im Depot „Things Falling“. Die Produktion ist weit mehr als konventionelles Tanztheater; sie ist eine intensive, körperliche Auseinandersetzung mit der Erinnerung. An der Schnittstelle von queerem Ausdruck und Diversity erforscht das Ensemble unter der Leitung von William Sánchez H., wie sich Konflikte in unsere Körper einschreiben.

Der Abend eröffnete mit einer beinahe sakralen Szenerie. Das Bühnenbild war von Teelichtern und Kerzen geprägt, untermalt von einer ruhigen musikalischen Klangkulisse. Doch diese Stille währte nicht lange. Das Stück verdeutlicht, dass der Terror epochenübergreifend dieselbe Sprache spricht. Es wirft drängende Fragen auf: Was verändert uns? Wie hallt das Weltgeschehen in uns nach?

Plakat zu "Falling Things".
Plakat zu „Things Falling“.

Dementsprechend steigerten sich Musik und Choreographie zunehmend ins Aggressive – bis hin zu knallenden Peitschen, die knapp über die Köpfe der Tanzenden geschwungen wurden. Das Finale bildete einen ruhigen Kontrapunkt: Durch einen Kostümwechsel verwandelten sich die Performer in sphärische Naturgestalten. Bleibt am Ende die Rückbesinnung auf die Natur als Lösung? Ist sie die Heilung für die zugefügten Wunden?

Mit einem starken Ensemble und einer eindrucksvollen visuellen Wandlung gelingt „Things Falling“ der Spagat zwischen Brutalität und Sanftheit.




Antichristie – eine antikolonial-zeitreisende Detektivgeschichte

Der Regisseur Kieran Joel bringt Mithu Sanyals zweiten Roman „Antichristie“ auf die Bühne. Auf der stürmischen, knapp dreistündigen Reise durch die Zeiten trifft das Publikum auf ein Mashup aus Detektivroman, Kolonialdiskurs und Identitätskrise. Die Hauptfigur ist die 50-jährige Drehbuchautorin Durga, gespielt von Maya Alban-Zapata. Sie struggelt mit ihren deutsch-indischen Wurzeln, ebenso wie mit ihren Aufgaben im britischen Produktionshaus „Florin Court Films“. Während sie selbst darum kämpft, in der Medienbranche ernst genommen zu werden – ihr Auftrag ist es, Agatha Christie politisch korrekt neu zu interpretieren – hat ihre biodeutsche, aber frisch verstorbene Mutter Lila als Aktivistin für den indischen Freiheitskampf scheinbar mehr mit ihrer Identität zu schaffen als Durga selbst es zu fühlen vermag. Beziehungsstatus: schwierig!

 

Die Verarbeitung des Todes der Mutter löst einen inneren Prozess bei Durga aus, der sich auf Handlungsebene als Zeitreise, auf Dialogebene als philosophisch-politischer Diskurs und auf Bühnenebene in Form von zirkulierenden Bühnenelementen veräußert. Plötzlich fällt die Protagonistin durch Raum und Zeit und landet im London der 1910er Jahre. Dort begegnet sie einer Gruppe von Revolutionären im „Indian House“, die mit gewaltsamen Methoden gegen die britische Kolonialherrschaft kämpfen.

 

Doch hier wird’s komplex: Denn im Gegensatz zur Literaturvorlage schmeißt Joel die Zuschauenden direkt in die Vergangenheit, wechselt dann zum Jahr 2022 und enthüllt erst nach einem gefühlten Drittel der Inszenierung, dass das parapsychologische Ereignis einer Zeitreise die beiden Handlungsstränge verbindet. Die Schauspieler:innen auf der Bühne erläutern dabei analytisch, warum gerade das nicht-lineare Erzählen politisch widerständig ist und wie es koloniale Narrative unterlaufen kann. Übrigens wechselt die Hauptfigur nicht nur zwischen den Zeiten, sondern auch den Geschlechtern. Denn 1906 findet sich Durga im Körper des männlichen Freiheitskämpfers Sanjeev wieder, der von Viet Anh Alexander Tran gespielt wird und wie ein Kehrbild von Durgas Mutter in der Vergangenheit anmutet.

v.l.n.r.: Linda Elsner, Viet Anh Alexander Tran, Marlene Goksch, Puah Abdellaoui, Roberto RomeoFoto: © Birgit Hupfeld
v.l.n.r.: Linda Elsner, Viet Anh Alexander Tran, Marlene Goksch, Puah Abdellaoui, Roberto Romeo
Foto: © Birgit Hupfeld

Die Bühne besteht aus rollenden Gebäudemodulen, die teils der vergangenen und teils der gegenwärtigen Zeit zugehören, jedoch ästhetische Ähnlichkeiten aufweisen und wechselnd in den Vordergrund rollen oder kombiniert werden. Hinzu kommen Videoprojektionen, die weitere Zeitebenen durch Bilder von historischen Freiheitskämpfen und ihren Akteur:innen einbringen. Durch die ständige Anwesenheit mehrerer Zeitebenen auf der Bühne und rasante Wechsel zwischen ihnen mischt Joel sie auf eine Weise, die den Fokus auf die Parallelen und Bezüge zwischen den Zeiten legt. Die Dramaturgie von „Antichristie“ wird somit zum formalen Exempel für die Verwobenheit kolonialer Strukturen, über die sowohl im „Florin Court Films“-Büro als auch im „Indian House“ heiß debattiert wird. Im Mittelpunkt beider Ebenen stehen Fragen nach politischer Wirksamkeit, nach Pazifismus als Teil eines kolonialen Systems und danach, ob Gewaltausübung eine politisch unterdrückte Gruppe zum politischen Subjekt machen kann. Das schauspielerisch sehr starke Ensemble wird dafür von Mitarbeitenden aus der Maske und Kostüm unterstützt, die ihr Gewand fast im Minutentakt zwischen modernem Dress und morbider schwarz-weiß-Ästhetik changieren lassen.

Joels Inszenierung ist ein wahrlich komplexer Ritt durch Sanyals Roman, der mit dramaturgischer Raffinesse, Witz und inhaltlicher Tiefe überzeugt. Immer wieder begegnen uns hoch politische Diskussionen über dekoloniale Kämpfe, Unterdrückungsmechanismen, Kultur als Machtinstrument, die Frage nach der Möglichkeit des Richtigen im Falschen… und dann kommt auch noch das Detektivgenre hinzu, an dem sich das Stück inhaltlich und formal abarbeitet. 1906 geschieht ein Mord, den es aufzuklären gilt. In 2022 streitet Durga mit ihren Kolleg:innen darüber, ob und wie verstaubte Detektivgeschichten von Christie dekolonisiert werden sollten. 1906 wiederum taucht plötzlich Sherlock Holmes auf, um aufzuzeigen, dass er detektivisch brillant, aber politisch eben von vorgestern ist. So verabschiedet sich „Antichristie“ – spätestens jetzt ergibt der Titel einen Sinn – von der Herrschaft der klassischen Detektive à la Poirot. Es setzt dem Prinzip der Deduktion das nicht-lineare Erzählen entgegen und erklärt die Zeitreise zum metaphorischen Instrument für die Dekolonisierung unserer Gesellschaft. Zum Ende des Stücks ist die Drehbühne in ständiger Bewegung und es scheint nicht mehr relevant, in welcher Zeit wir uns befinden. Denn schließlich bleibt die Erkenntnis, dass nur die Aktion und das gewaltsame Eingreifen in unsere eigenen Geschichten Graustufen zeichnen können, die nicht zwischen die Schwarz-Weiß-Stufen der Kolonial-Logik passen.

 

 

 

 

 

Von und mit

Durga Chatterjee: Maya Alban-Zapata

Sanjeev Chattopadhya: Viet Anh Alexander Tran

Lila Chatterjee: Katharina Dalichau

Godfrey Jeremy Stoddart-West, Kirtikar Elsner und andere: Linda Elsner

Christian Fowler, Vinayak Damodar Savarkar und andere: Luis Quintana

Shazia Bey, Madan Lal Dhingra und andere: Puah Abdellaoui

Carwyn Fardd, William Hutt Curzon Wyllie und andere: Roberto Romeo

Maryam Olando, Asaf Ali und andere: Marlene Goksch

 

Regie: Kieran Joel

Bühne: Justus Saretz

Kostüme :Tanja Maderner

Musik: Lenny Mockridge

Video: Leon Landsberg

Dramaturgie: Sabrina Toyen

Theatervermittlung: Sarah Jasinszczak

Sprechtraining: Sybille Krobs-Rotter

Licht/ Video: Stefan Gimbel, Markus Fuchs

Ton: Jörn Michutta

Regieassistenz: Marleen Seiter und Bayram Umur Yildirim

Bühnenbildassistenz: Slynrya Kongyoo

Kostümassistenz: Elayne Sip

lnspizienz: Christoph Öhl

Soufflage: Klara Brandi




Erschöpfende Reise – Deutsche Erstaufführung von Anna Gschnitzers dramatischen Roadtrip „Capri“ in Dortmund

Capri, die Insel der blauen Grotte war ein Traumreiseziel für die Wirtschaftswunderkinder, ein Ort, in den eine diffuse Sehnsucht nach Freiheit und Entspannung hineinfantasiert wurde. In Anlehnung daran hat die österreichische Autorin Anna Gschnitzer sich die Frage gestellt, warum vor allem Frauen nie genug Erholung kriegen. „Capri“ ist mehr als die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, es ist ein Stück über Fürsorge und Selbstfürsorge. Uraufgeführt wurde es 2024 am Wiener Schauspielhaus, im Studio des Dortmunder Schauspiels Studio hat es jetzt die junge Regisseurin Jasmin Johann inszeniert, und sie präsentiert ein souveränes Regiedebüt, ideenreich, witzig und präzise erarbeitet mit drei hervorragenden Darstellern, die die 90 Minuten ohne Pause in eine Sternstunde des Schauspiels verwandeln.

Die Vorstellung beginnt mit einem Rund-um-Sorglos-Paket. Eingelullt von den Klängen der „Caprifischer“ werden die Besucher auf möglicherweise verstörende Momente der Inszenierung hingewiesen, die lautesten Töne etwa, das hellste Licht, einen platzenden Luftballon. Angesagt wird eine „relaxed Performance“, in der Bewegungen und Geräusche der Zuschauer ausdrücklich willkommen sind und dem Publikum erlaubt ist, die Vorstellung zu verlassen und zurückzukehren. Die Eröffnung ist vielleicht auch ein Hinweis auf den Humor des Abends, der mithilfe geschickt gesetzter Brüche verhindert, dass die Inszenierung ins Mitleidige und Nostalgische abrutscht. An diesem Abend geht niemand raus, zu sehr sind alle gefesselt von der intensiven Inszenierung, der es gelingt, das wichtige Thema Care-Arbeit als sehr persönliche Geschichte auf der Bühne zu etablieren.

Fabienne-Deniz Hammer, Lukas Beeler, Beatrice MasalaFoto© Birgit Hupfeld
Fabienne-Deniz Hammer, Lukas Beeler, Beatrice Masala
Foto© Birgit Hupfeld

Sorgearbeit ist seit jeher hauptsächlich Frauensache. Laut einer aktuellen Studie wird unbezahlte Betreuungstätigkeit im Bereich Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege zu zwei Dritteln von Frauen geleistet. Die Gender-Forscherin Cornelia Klinger weist darauf hin, dass Sorge-Arbeit sehr viel mehr ist als Arbeit. Sie ist ein Habitus, eine Haltung, und die Sorge hört nicht auf, wenn die Arbeit zu Ende ist. Die Folge ist oft Erschöpfung.
Auch die Tochter, eine junge Schriftstellerin, ist erschöpft. Sie hat den Auftrag, einen Roman zu schreiben: über die Reise einer Tochter mit ihrer pensionierten Mutter. Aber eine Schreiblockade plagt die Arme und der Abgabetermin steht kurz bevor. In dieser Situation findet sie ein altes Foto: ihre Mutter als Kind am Strand von Capri. Dann hat sie die Idee: Ein gemeinsamer Urlaub auf der Insel mit der eigenen, gerade in den Ruhestand entlassenen Mutter, einer ehemaligen Krankenpflegerin. Und so beginnt eine Reise, auf der die beiden Frauen beginnen, die weißen Flecken auf der Landkarte ihrer Beziehung zu erforschen. Fragend, streitend, hoffnungsvoll und neugierig fügen sie die Puzzleteile ihrer Leben zusammen, erzählen von ihren Erschöpfungen auf diesem „virtuos-kuriosem Roadtrip“, eine Erzählweise, die Gschnitzer „ideal schien, weil er eine Form von unfreiwilliger Nähe erzeugt: Man kann nicht einfach aussteigen, muss miteinander reden, schweigen, aushalten.“
Obwohl sie auf der Autobahn immer geradeaus fahren, stranden die beiden Frauen auf ihrer Italien-Reise immer wieder an derselben Tankstelle, die Sandra Maria Kania als Bild auf der Bühne installiert hat – ein beinahe steriler Ort im Niemandsland zwischen Abreise und Ankunft, den die Frauen erst verlassen werden, wenn sie sich ihre Geheimnisse offenbart haben.

Johann inszeniert den vielschichtigen, klug und witzig gewebten Text mit allen Mitteln des Theaters, garniert mit einer Fülle von Regieeinfällen. Beinahe comedyhaft anmutende Monologe und manchmal poetische Selbstreflexionen wechseln sich ab mit geschliffenen Dialogen. Es wird zudem (sehr gekonnt!) gesungen und getanzt.
Fabienne-Deniz Hammer als Tochter merkt man ihre chronische Müdigkeit oft gar nicht an. Wie sie witzig und eloquent über den Sommer lästert, wie sie voller Leidenschaft mit der Mutter streitet und lacht, wie sie mit dem Tankwart schäkert und käbbelt, das ist eine Darstellung, die überzeugt und erfrischt.

Den Tankwart Phil und alle erforderlichen Nebenrollen spielt Lukas Beeler wunderbar witzig. Wenn die Tochter zuweilen vom Roadtrip in die halluzinatorische Traumreise gleitet, spielt er auch schon mal eine Eizelle. Er ist Impulsgeber, Ratgeber und Zuhörer. Und er ist der Narr, der dem Abend an genau den richtigen Stellen eine lachende Leichtigkeit schenkt.

Die eigentliche Hauptfigur des Abends aber ist die Mutter. Erst nach eine halben Stunde tritt Beatrice Masala auf und prägt fortan den Abend maßgeblich mit ihrer schauspielerischen Präsenz, ihrer wirklich großartigen Darstellung einer Frau, die vom Job ausgelaugt und sich schwertut zwischen der Sehnsucht nach Ruhe und Erschöpfung und dem Wunsch sich ihrer Tochter zu öffnen. Ihr bei diesem Suchen und Finden zuzusehen und zuzuhören ist einfach ein Genuss.
Stehende Ovationen für großes Theater im kleinen Studio.




Spezielles Erlebnis mit „Orpheus und Eurydike“

In einem Kooperationsprojekt waren am 21.11.2025 Akteur*innen des professionellen mixed-abled MusikTanzTheaters „POUR ENSEMBLE“ aus Wuppertal zu Gast im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT). Unter der Regie von Jakob Fedler interpretierten sie erstmals auf ihre ganz eigene Weise die Oper „Orpheus und Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck (1762).

Das tragische Liebespaar der griechischen Mythologie bietet viel Dramatik um Liebe und Leid. Der berühmte Sänger und Leierspieler Orpheus hat seine geliebte Eurydike nach einem Schlangenbiss an das Totenreich verloren. Amor hat Mitleid und erlaubt ihm, hinabzusteigen, um sie ins Leben zurückzuholen – allerdings unter einer Bedingung: Er darf sie auf dem Weg nicht ansehen. Leichter gedacht als getan …

Die mit einem roten Vorhang umrahmte Bühne, versehen mit kleinen angehefteten Büsten von Göttern und Göttinnen, sowie die fantasievollen Kostüme bildeten einen atmosphärischen Rahmen.

Gunda Gottschalk, Fabian Neubauer und Ute Völker gestalteten mit Akkordeon, Keyboard (Nord Electro 3) und Violine professionell und humorvoll den musikalischen Hintergrund. Mit verschiedenen Blas-, Schlag- und Streichinstrumenten mischten die sieben Ensemblemitglieder Tim Alberti, Dorothea Brandt, Stefan Hellwinkel, Luise, Lea Nitas, Kenji Takagi und Lioba Ullrich engagiert mit – oft auch mit eigenwilligen musikalischen Interventionen.

v.l.n.r.: Lioba Ullrich, Luise Kinner, Stefan Hellwinkel, Kenji Takagi, Leo Nitas und Tim Valerian AlbertiFoto © Birgit Hupfeld
v.l.n.r.: Lioba Ullrich, Luise Kinner, Stefan Hellwinkel, Kenji Takagi, Leo Nitas und Tim Valerian Alberti
Foto © Birgit Hupfeld

Das Besondere an der Aufführung war, dass Orpheus und Eurydike nicht von einzelnen Darsteller*innen verkörpert wurden, sondern in wechselnden personellen Kombinationen. Das Leid des Vermissens, die große Sehnsucht und die Liebe wurden durch wiederholte Ausrufe und intensive Körpersprache bis an die Schmerzgrenze gesteigert und so für das Publikum eindrucksvoll spürbar.

Es wurde kraftvoll gesungen, einfühlsam zur Musik getanzt und bisweilen sogar geschrien. Humor fehlte ebenfalls nicht: So sorgte Tim Alberti (unter anderem als Amor) mit kleinen, witzigen Zaubereinlagen für heitere Momente. Entgegen dem Mythos verleiht Gluck seiner Oper ein versöhnliches Ende – und so sang das gesamte Ensemble zum Schluss ein hymnisches Jubellied auf Amor und die Liebe.

Besonders eindrucksvoll war, wie harmonisch alle Beteiligten – ob mit oder ohne Beeinträchtigung – miteinander agierten und mit spürbarer Freude zusammenarbeiteten.

Weitere Aufführungstermine finden sich unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.




Märchen über Freundschaft, Mut und die Kraft der Liebe

Als traditionelles Familienstück zur Weihnachtszeit hatte in diesem Jahr „Die Schneekönigin“ (ab 6 Jahren) von Bettina Zobel nach Hans Christian Andersen (1805–1875) unter der Regie von Andreas Gruhn (Intendant KJT) am 14.11.2025 im Schauspielhaus Dortmund Premiere.

Neben dem KJT-Ensemble stand David Smith (Nationaltheater Mannheim) als Vertretung für Thomas Ehrlichmann in der Rolle des Kai auf der Bühne. Für die DGS-Verdolmetschung sorgten Christina Kirketerp und Tom Temming.

Die Geschichte entfaltet sich als vielschichtige und zeitlose Erzählung voller Symbolik. Im Mittelpunkt steht Gerda, die ihren vom Teufel in die Irre geführten besten Freund Kai sucht. Dieser wurde von einem bösen Spiegel verzaubert und in das kalte Reich der Schneekönigin entführt. Mit wachsendem Mut und Entschlossenheit meistert Gerda Herausforderungen wie Kälte, Frost und andere Widerstände. Auf ihrer Reise belebt sie nicht nur die Blumen im königlichen Hofgarten – ein sprechender Rabe begleitet sie, und sogar eine Räuberbande schlägt sich auf ihre Seite.

hinten: David Smith und Rainer Kleinespel vorne: Johanna Weißert, Annika Hauffe und Andreas KsienzykFoto: © Birgit Hupfeld
hinten: David Smith und Rainer Kleinespel vorne: Johanna Weißert, Annika Hauffe und Andreas Ksienzyk
Foto: © Birgit Hupfeld

Gerda durchstreift eine Welt, in der die Menschen blind für das Wesentliche geworden sind und viele Blicke vergiftet scheinen. Doch mithilfe von Zuspruch, der Kraft der Liebe und der Freundschaft gibt sie nicht auf, Kai aus den Fängen der Schneekönigin zu befreien.

Nicht nur Annika Hauffe als Gerda und David Smith als Kai füllten ihre Rollen mit viel Spielfreude. Auch dem übrigen Ensemble merkte man deutlich die Freude daran an, in verschiedene Rollen und fantasievolle Kostüme zu schlüpfen. Besonders eindrucksvoll waren Kostüm und Auftreten der Schneekönigin, gespielt von Bianca Lammert. Mit dabei außerdem: Rainer Kleinespel, Andreas Ksienzyk, Sar Adina Scheer, Johanna Weißert und Jan Westphal.

Mit starken Hintergrundprojektionen und abwechslungsreichen Bühnenbildern bot die Inszenierung dem Publikum auch optisch viel. Natürlich wurde auch getanzt und gesungen (Musik: Michael Kessler).

Ein Mut machendes Stück zur Weihnachtszeit – für die ganze Familie.

Weitere Infos zu Aufführungsterminen unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231 / 50 27 222
Für Gruppenbestellungen: Tel.: 0231 / 50 27 680