43. Ballettgala in Dortmund: Ein Abend voll Poesie und moderner Fantasie

Am 26. September 2026 startete die Oper Dortmund mit der 43. Ballettgala in die neue Spielzeit. Traditionsgemäß führte Kammersänger Hannes Brock wieder mit spürbarem Herzblut durch das Programm.



Den Auftakt bildete eine exklusive Vorschau auf die kommende Dortmunder Eigenproduktion „Dracula“ in der Choreografie von Krzysztof Pastor. Als internationale Gäste überzeugten unter anderem Thomas Martino und Daniel Domenech vom Ballet de l’Opéra Nice Côte d’Azur.

Dr. Gerd Bollermann (1. Vorsitzender Ballettfreunde Dortmund e. V.), Sae Tamura; Auszeichnung „Tänzerin des Jahres 2026“ an Sae Tamura Foto: (c) Leszek Januszewski
Dr. Gerd Bollermann (1. Vorsitzender Ballettfreunde Dortmund e. V.), Sae Tamura; Auszeichnung „Tänzerin des Jahres 2026“ an Sae Tamura Foto: (c) Leszek Januszewski

Statt klassischem Spitzentanz und bravourösen Sprungfolgen setzten die meisten Stücke auf moderne Ausdrucksformen und experimentelle Klänge: Das Publikum erlebte eine dichte Abfolge poetischer Pas de deux und berührender Soli. Da die Compagnie „Les Ballets de Monte-Carlo“ ihren Auftritt kurzfristig absagen musste, sprangen hochkarätige Gäste aus Spanien sowie vom Bayerischen Staatsballett ein.

Besondere Akzente setzten zwei Tänzerinnen: Filipa de Castro (Companhia Nacional de Bailado) faszinierte sowohl mit „Horizon of Fado“ als auch mit einer feinsinnigen Interpretation zu Franz Schuberts „Du bist die Ruh’“. Zarina Stahnke glänzte mit der Uraufführung von „Sylphe“.

Ein feierlicher Höhepunkt war die Auszeichnung von Sae Tamura als „Tänzerin des Jahres 2026“. Der von den Ballettfreunden Dortmund initiierte Preis umfasst neben einer Urkunde und 5.000 Euro Preisgeld (gestiftet von der Sparkasse Dortmund) eine Skulptur, die an die Tänzerin auf der Dortmunder Opernkuppel angelehnt ist.

Zum furiosen Finale zog das Tempo noch einmal an: Mit einem energiegeladenen Auszug aus „Radio & Juliet“ zu den Klängen von Radiohead entließ das Ensemble die Zuschauer begeistert in die neue Spielzeit.




Die Rückkehr der Schwirrlinge: „Dronetale“ im Theater im Depot

Der Aufbruch in ein abgeriegeltes Areal gehört zu den eindringlichsten Motiven der spekulativen Fiktion: eine Sperrzone, in der die vertrauten Gesetze der Zivilisation außer Kraft gesetzt sind. Während moderne Werke wie Alex Garlands Annihilation dieses Sujet als schillernd-mutierenden Eco-Horror inszenieren, schlägt das transdisziplinäre Projekt Dronetale des Kollektivs Sticky Fragments eine Brücke, die im Kern viel spürbarer an Andrei Tarkowskis Meisterwerk Stalker erinnert.

Hier wie dort ist die Reise keine rein technische Expedition, sondern ein existenzieller Grenzgang. Vier Menschen verlassen die entseelten, sterilen Megastädte, um ein unberechenbares Sperrgebiet zu durchqueren – auf der Suche nach „Schwirrlingen“, jenen fliegenden Insekten, die der technokratischen Moderne abhandengekommen sind. Genau wie Tarkowskis Suchende durch eine von der Natur zurückeroberte Trümmerlandschaft ziehen, bewegen sich die Figuren in Dronetale durch schlummernde Halden und postindustrielle Habitate. Die Zone ist kein reiner Todesort, sondern ein mythisch aufgeladener Resonanzraum für die Sehnsucht nach Leben, Koexistenz und einer Neuausrichtung zwischen Mensch, Natur und Technologie.

Digitale Collage aus Archivbildern der Sticky Fragments, Stock Footage, Zeichnungen von König und Schwerdfeger und Deeplearning Text-zu-Bild-Generator (KI-gestützt)
Digitale Collage aus Archivbildern der Sticky Fragments, Stock Footage, Zeichnungen von König und Schwerdfeger und Deeplearning Text-zu-Bild-Generator (KI-gestützt)

Die reale Krise hinter der Dystopie

Was auf der Bühne als Fabel über vertriebene, verfemte und ausgerottete „Schwirrlinge“ verhandelt wird, spiegelt eine der drängendsten ökologischen Krisen der Gegenwart: das reale, dramatische Insektensterben. Durch intensive Landwirtschaft, Pestizideinsatz, Lichtverschmutzung und fortschreitende Versiegelung natürlicher Räume gehen weltweit Biomasse und Artenvielfalt in erschreckendem Tempo verloren. Insekten sind keine lästigen Schädlinge, sondern das unsichtbare Fundament stabiler Ökosysteme – unersetzlich als Bestäuber, Bodenverbesserer und Nahrungsgrundlage. Ihr schleichendes Verschwinden gefährdet die biologischen Lebensgrundlagen der Menschheit im Kern.

Raum, Körper und taktile Begegnung

Das Ensemble – Victoria Stellpflug, Valentin Schwerdfeger, Meret König und Sandro Hähnel – verleiht dieser Expedition eine bemerkenswerte physische Präsenz. Getragen von präzisen, sehr schönen Choreografien schlagen die Darstellenden eine Brücke zwischen Physical Theatre und erzählerischer Fabel.

Das Raumkonzept bricht die Trennung zwischen Bühne und Saal konsequent auf: Das Publikum sitzt im Kreis auf Stühlen, und die vier Spielenden bewegen sich nicht nur quer durch den Raum, sondern mischen sich immer wieder direkt unter die Zuschauenden, nehmen neben ihnen Platz und lassen die Distanz völlig schmelzen. Ein zentraler „Infoturm“ ragt wie ein technologischer Monolith empor – Schnittstelle, Relikt der Megastadt und Vermittler in die Wildnis zugleich.

Dazu kommt eine berührende taktile Ebene: Im Lauf des Abends werden detailreiche Insektenmodelle aus dem 3D-Drucker im Kreis herumgereicht. Das Verlorene und Bedrohte wird dadurch buchstäblich greifbar – die Insekten sind keine abstrakte Idee, sondern liegen als feingliedrige Körper in den Händen des Publikums.

Die Stationen der Zone

Die Handlung nimmt ihren Lauf, als die vier Protagonisten einen verletzten Schwirrling finden und mitnehmen. Dieser Fund zwingt sie zum Aufbruch. Die Reise führt sie durch ein dichtes Stationendrama:

  • Ins Ödland: die karge Schwelle jenseits der abgeriegelten Stadträume.
  • Zum Haus der Großmutter von „Träumer“: ein intimer, melancholischer Erinnerungsort inmitten des Wandels.
  • An einen Fluss und in eine riesige Bibliothek: eine archäologische Grabung in den Untergrund, hinab zu den verschütteten Wissensschichten menschlicher Kultur.
  • In einen Wald mit pausenlos tanzenden Menschen: eine pointierte Zivilisationskritik an kollektiver Betäubung und Eskapismus – das rastlose Feiern als Verdrängungsmechanismus, um sich der drohenden Realität nicht stellen zu müssen.

Entscheidung und Demut

Schließlich gelangt die Gruppe zur Gottesanbeterin (Mantis), die den verloren geglaubten Schwirrling hütet. An diesem Punkt spitzt die Inszenierung ihre partizipative Haltung vollends zu: Per Publikumsentscheid wird bestimmt, dass der Schwirrling – ein Glühwürmchen – in die Freiheit entlassen wird. Die Verantwortung für das Überleben der Spezies wird unmittelbar in den Zuschauerraum verlagert.

Das Stück schließt mit einem eindringlichen Lied, das dem anthropozentrischen Blick eine heilsame Demut entgegensetzt. Es erinnert daran, dass Insekten Hunderte Millionen Jahre vor dem ersten Menschen existierten – und diesen Planeten aller Wahrscheinlichkeit nach auch dann noch bewohnen werden, wenn die letzte menschliche Megastadt längst vergangen ist.




Those were the days oder wie man eine Axt archiviert

Im altehrwürdigen Schulte-Witten-Haus mit seinen holzvertäfelten Wänden ist eine Axt vielleicht eine potenzielle Gefahr. Hier ruht sie an diesem Abend, mehr schlecht als recht, in einem standardisierten Archivkarton und wirft Fragen auf.



Die Theaterinstitution ohne Haus – artscenico e. V. performing arts – hat eingeladen zu einem Performance-Abend, der die repräsentativen Räume im Erdgeschoss des Schulte-Witten-Hauses bespielt. Das Publikum wird in den ersten Raum geführt und erhält einen Einblick in das gesammelte Material des prägenden Kopfes von artscenico, des 2024 verstorbenen Rolf Dennemann, der 1991 diesen Verein mitgründete, neben den Produktionen auch für diverse Festivals verantwortlich zeichnete, z. B. den Theaterzwang, heute „favoriten“, und bis zu seinem Tod der künstlerische Leiter war.

Fotos, an die Wand projiziert, zeigen einen überfüllten Lagerraum. Im Kontrast dazu die säurefreien Archivkartons, von denen es im Fritz-Hüser-Institut vierundachtzig Stück mit Material von artscenico gibt. Einen Einblick in die Archivarbeit vermittelt Anna-Luise Binder. Wie archiviert man eine Axt? Wie hält man mehr als einhundert Produktionen für die Nachwelt fest? Und bei welcher hat die Axt denn nun mitgespielt?

Performance-Abend über artscenico: Wie archiviert man eine Axt? Foto von Martina Bracke.
Performance-Abend über artscenico: Wie archiviert man eine Axt? Foto von Martina Bracke.

artscenico ist immer noch artscenico. Und so geht die nächste Station filmisch über die Leinwand. Erst im dritten Raum wird es theatral, wenn Matthias Hecht und Sascha von Zambelly Poetisches aus der Loseblattsammlung von Rolf Dennemann vortragen. Endlos könnte man lauschen, was alles „schön“ ist. Vieles. Ein Bergsee mit nur einer einzigen Forelle im Mondlicht beispielsweise. Schön kann es überall sein, schön kann fast alles sein, man muss es nur sehen können. Oder sich so schön vortragen lassen von zwei Schauspielern. Wie auch das Manuskript für einen Kurzfilm, der noch zu drehen wäre.

Aber bei den Performances von artscenico wurde auch immer getanzt. Folgerichtig erwartet das Publikum im nächsten Saal eine Tanzepisode: Elisa Marschall hüllt sich kunstvoll in Bandagen ein.

Im schönsten Raum des Hauses, dem blaugekachelten Salon, folgen ein paar Anekdoten mit einer über neunzigjährigen Ikone aus Wuppertal: Lore Duwe-Scherwart, die für artscenico auf Brachen in „Strawberry Fields“ spielte oder mit nach Łódź reiste, dort unverhofft deutsche Volkslieder vortrug und die Herzen des polnischen Publikums damit gewann. Zum Glück sind noch Protagonisten da, die Fragen der Wissenschaftler*innen beantworten können – wie Berthold Meyer, der durch den Abend führt.

Das ganze Ausmaß des internationalen Engagements von artscenico und Rolf Dennemann wird wieder streng wissenschaftlich sichtbar. Material aus den echten Archivkartons zeigt plakativ eine illustre Sammlung von Festivalbändchen oder auch Urkunden für Inszenierungen in anderen Ländern, einiges auch aus Ungarn, gern aus Dortmunder Partnerstädten, denn die freie Szene ist oft zur Stelle, wenn es um den partnerschaftlichen Städteaustausch geht. Lebendig, zum Greifen nah ist das Material. Aber ab jetzt bitte nur mit Baumwollhandschuhen anzufassen.

Während die Protagonisten ihre Schonhandschuhe wieder ausziehen, streift auch die Tänzerin im Hof des Hauses rund um den Brunnen ihre Bandagen kunstvoll wieder ab.

Ein informativer Abend, ein performativer Abend, ein Abend für Insider und alle, die einen Blick darauf erhaschen wollten, was die freie Theaterszene im Ruhrgebiet so bieten kann. Mit oder ohne Haus. Auf jeden Fall mit technischer Unterstützung aus einem Haus, dem Theater im Depot. In einem wirklich schönen Schulte-Witten-Haus.

Nur die Axt wandert leise und still zurück ins Fritz-Hüser-Institut und gibt vorläufig weiterhin Rätsel auf.

www.artscenico.de – Performing Arts

www.dortmund.de/fhi – Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt

www.theaterimdepot.de

www.favoriten-festival.de – wieder im Oktober 2026




Tierischer Saisonauftakt im Theater im Depot: Die Katze Eleonore

Miau! Wer hat sich nicht schon einmal vorgestellt, wie das Leben als Katze wäre? Auf dem Ofen liegen oder auf dem Sofa, sich der Fellpflege widmen, sich ab und zu recken und strecken und auf das Essen warten. Zumindest alle, die mit einer Katze leben, kennen das.



Für die Katze Eleonore ist es keine Vorstellung mehr: Die Immobilienmaklerin fühlt, dass sie eine Katze ist. Aber ganz so einfach ist das Finden der neuen Identität und die Verwandlung in eine Katze nicht. Es wächst nicht plötzlich über Nacht ein Katzenfell. Eleonore versucht sich zu behelfen. Beim Essen klappt es auch ganz gut. Aber natürlich nimmt die menschliche Umgebung das nicht so ohne Weiteres hin. Wo käme man denn hin, wenn jede*r die eigene Identität entdecken und konsequent verfolgen würde? Anfangs gibt es Konflikte mit der Mutter, später auch im Beruf, den Eleonore mehr und mehr vernachlässigt. Und relativ schnell schickt man sie zu einem Psychiater, der sich interessiert alles anhört, aber letztlich die Verwandlung nicht nachvollziehen und auch nicht stoppen kann.

Die Katze Eleonore. (Foto: Oliver Stroemer)
Die Katze Eleonore. (Foto: Oliver Stroemer)

„Wie geht es Ihnen denn ohne Arbeit, Frau Garazzo?“ „Ach Wildbruch, ich bin eine Katze, wie soll es mir gehen – gut.“

Eleonore hat insofern Glück, als dass sie sich ihr neues Leben leisten kann. Sie ist auf die Menschen nicht angewiesen, sie kann sich ganz und gar ihrem Katzendasein widmen und häutet sich vor den Augen des Publikums. Mehr und mehr fallen die menschlichen Hüllen, und in geschmeidigen Bewegungen erkundet die Katze Eleonore ihr neues Leben. S. Rudat inszenierte das Stück von Caren Jeß, das 2022 seine Uraufführung in Dresden erlebte, und spielt selbst. Die Mutter und der Psychiater werden gleichermaßen auf der Bühne lebendig; Rudat stellt sie mit kleinen Gesten und entsprechender Stimme überzeugend dar. Nur Eleonore folgt ihrem eigenen Weg und lässt sich kaum beirren. Sie findet in ihre Identität, füllt nicht nur den Platz auf der Chaiselongue, sondern den gesamten Theaterraum mit ihrer Präsenz. Wie es die Sicht einer Katze ist, gehört ihr an diesem Abend alles. Das Physical Theatre von Rudat lässt das Publikum aufmerksam, fasziniert und nachdenklich zurück. Das Stück markiert den Start des Theaterfestivals „Physical Fest 2026“, das das Physical Theatre Netzwerk NRW in Dortmund, Bochum und Essen veranstaltet. In diesem Jahr widmet sich das Festival der Reduzierung von Barrieren. Die Aufführung eignet sich daher ebenso für sehbehinderte/blinde und schwerhörige/gehörlose Menschen. Wer sie noch einmal sehen will, muss nun dafür allerdings nach Köln reisen. Die Inszenierung, die für den Kölner Theaterpreis 2026 nominiert ist, wird im Freien Werkstatt Theater in der Kölner Südstadt gezeigt. Gleichzeitig ist es der Saisonauftakt im Theater im Depot unter neuer Teamleitung – nach fünf Jahren mit Jens Heitjohann als künstlerischem Leiter. Ihm dankte Christoph Rodatz, der Vorsitzende des Trägervereins, vor der Vorstellung für seine Arbeit, die er als modern, politisch und international würdigte. Aus dem jetzigen Leitungsteam ergriff Johannes Bergmann das Wort und vermittelte, dass man ein Theater der Toleranz und Vielfalt, ein Theater mit offenen Türen sein wolle. Dazu passt die zweite Performance des Abends, die zeitgleich auf dem Nordmarkt mit Menschen aus der Nordstadt stattfand.

Man darf den Start als geglückt bezeichnen. Und man darf gespannt sein auf mehrere Premieren und das „favoriten-Festival“ in der nächsten Zeit. Mehr unter www.theaterimdepot.de

„Die Katze Eleonore“ kann Ende September wieder in Köln im Freien Werkstatt Theater besucht werden. www.fwt-koeln.de Das „Physical Fest 2026“ läuft weiter bis zum 27.09. noch in Bochum. Physical Fest 2026 | PTN




Liebe, Intrigen und Tod – Der große Gatsby auf der Bühne im Fletch Bizzel

„Ein kleines Geheimnis kann alles verändern.“ Viele kleine und große Geheimnisse entfalten sich auf der Bühne des Theaters Fletch Bizzel an diesem Sonntagabend. Die Jugendtheatergruppe der Academy of Theatre, Music and Dance (ATMD) zeigt eine Gesellschaft sich amüsierender Alt- und Neureicher, dazwischen ein Automechaniker und Tankstellenbesitzer und seine Frau.



Man vergnügt sich bei Partys, unterhält Affären, intrigiert und rätselt über Gatsby, den Mann, der rauschende Feste veranstaltet, selbst aber kaum auftaucht und über dessen Herkunft und vor allem die Ursprünge seines Reichtums niemand etwas weiß. Sehr schnell ist das Publikum inmitten der Ränkespiele. Eine Erzählerin, Nicky, die in psychologischer Behandlung das Erlebte aufarbeitet, bietet elegante Überleitungen und zusätzliche Informationen, sodass dem Geschehen gut gefolgt werden kann.

Der große Gatsby: Was tun mit der Leiche? Ensemble vom ATMD (Foto: Martina Bracke)
Der große Gatsby: Was tun mit der Leiche? Ensemble vom ATMD (Foto: Martina Bracke)

In sehr schönen und passenden Kostümen (Jilan Nomat-Gashi und Luscha Shala, Make-up) spielt und tanzt das Ensemble die Geschichte des großen Gatsby aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts, der alles darauf ausrichtet, seine Jugendliebe Daisy zurückzugewinnen, die inzwischen verheiratet ist. Mit einem Mann, der sie mit der Frau des Tankstellenbetreibers betrügt.

Das junge Ensemble, angeleitet von Dustin Gashi und Patrick Drann, die auch selbst auf der Bühne agieren, überspielt die im Vorfeld nötig gewordenen Umbesetzungen sehr gut und zeichnet die einzelnen Figuren anschaulich. Liebesschwüre, heimliche Absprachen, Langeweile in der Gesellschaft und Lügen werden mit wenigen Requisiten glaubwürdig auf die Bühne gebracht, und das Drama nimmt seinen Lauf.

Am Ende sind drei Tote zu beklagen, die Liebe hat nicht gehalten, was sie versprochen hat, und der alte Geldadel ist wieder mehr oder weniger unter sich. F. Scott Fitzgerald seziert 1925 den American Dream und lässt hinter die Fassade blicken. Auch einhundert Jahre später zeigt sich der Roman auf der Bühne aktuell. Mit Geld lässt sich vieles regeln, die Moral bleibt auf der Strecke. Wer will, kann durchaus Parallelen zur heutigen Zeit ziehen. Insofern verrät das Stück nicht nur kleine, sondern auch große Geheimnisse. Ob sich im Großen etwas verändert, bleibt dahingestellt. Diese nun wirklich letzte Premiere auf der alten Bühne im Theater Fletch Bizzel bringt noch einmal ein volles Haus mit Publikum, das von der Spielfreude des Ensembles der Academy of Theatre, Music and Dance begeistert ist. Auf die nächste Produktion kann man also gespannt sein. Dann vielleicht auf der neuen Bühne des Fletch im Theater Olpketal, die das Theater Fletch Bizzel voraussichtlich ab Herbst bespielt.

ATMD auf Instagram @atmd.dortmund www.fletch-bizzel.de




Große Oper im kleinen Studio

Neufassung von „Salomé“ am Schauspiel Dortmund

 Oscar Wilde verfasste seinen Einakter „Salomé“ 1891 in Paris, wo er fünf Jahre später auch uraufgeführt wurde. In England fiel der skandalumwitterte Text unter die Zensur – ein Drama voller Sex, Blasphemie und abgründiger Begierden war einfach zu viel für die prüden Viktorianer. Richtig bekannt wurde der Stoff erst durch die Oper von Richard Strauss, der damit „Salomé“ die Pforten zur Hochkultur öffnete. Einar Schleef nannte das Stück eine „Sauerei“ und inszenierte seine eigene Version 100 Jahre nach der Uraufführung 1997 in Düsseldorf. Diese Fassung hat die junge Regisseurin Madita Scülfort noch einmal bearbeitet für ihre zweite Regiearbeit am Haus, die Inszenierung im Studio des Dortmunder Schauspiels ist bildgewaltig, ambitioniert, bisweilen angestrengt theatral und sie verlangt dem Zuschauer einiges an Aufmerksamkeit ab. Wer sich darauf einlassen kann, der darf den Abend genießen, neunzig emotionsgeladene Minuten der besonderen Art. Das Lebensgefühl gegen Ende des 19. Jahrhunderts war für viele Zeitgenossen geprägt von Melancholie, Weltschmerz und gesellschaftlichem Verfall. Für manche ist auch über hundert Jahre später dieses Gefühl wieder gegenwärtig. Die Menschen damals erwarteten das neue Jahrhundert hin- und hergerissen zwischen Euphorie und Zukunftsangst. In der Kunst spiegelte sich diese Endzeitstimmung des „Fin de Siècle“.



In vielen Werken dieser Zeit ging es um Sexualität, Träume und um Vergänglichkeit. So auch im symbolistischen Einakter „Salomé“.

Entsprechend traumhaft wirkt das düstere und doch auch bunt gemalte Bühnenbild von Slynrya Kongyoo. Alles erscheint metaphorisch, die Ornamente auf den Kulissen, das grüne Moos, das an vielen Stellen hervorquillt, der knorrige Baum im Hintergrund, ein Baum mit Augen, die im Verlauf des Abends immer wieder auf alle Kulissen projiziert werden.

Der Plot des Dramas ist schnell erzählt. Am Hof von Herodes, einem Vasallen Roms, wird ein Fest gefeiert. Herodes ist besessen von seiner Stieftochter Salomé und will, dass sie für ihn tanzt. Salomé aber liebt den Propheten Johannes, der als Gefangener im Kerker sitzt, ein apokalyptischer Welterklärer. Der weist das Mädchen zurück, woraufhin Salomé als Preis für den Tanz von Herodes den Kopf des Johannes fordert und auch erhält. Am Ende dieser dramatischen Spirale aus Liebe, Begehren und Begierde sind beide tot. Scülfort konzentriert ihre Inszenierung auf Salomé, die hier weder als Femme fatale oder Heilige interpretiert wird, sondern als junge Frau, die sich mit radikaler Zuneigung wehrt, die dafür kämpft, gesehen zu werden und dafür konsequent die Grenzen der Konventionen sprengt. Gegen sich selbst und stellvertretend für die Welt.

Aus der Rückschau erzählt Salomés Mutter Herodias die Ereignisse dieser verhängnisvollen Nacht, in der eine brüchige Welt plötzlich endgültig zusammenzubrechen scheint. Damit rückt auch das Wort als zentrales Mittel der Erzählung unmittelbar in das Zentrum der Inszenierung. Fast jeder Satz hört sich an wie ein gemeißeltes Relief, fast jedes Wort ist aufgeladen mit Bedeutung, bedeutsam wird auch gespielt und gesprochen, große Worte mit großen Gesten untermalt. Das wirkt oft übertrieben theatral, opernhaft beinahe, entwickelt aber auch einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Wie gesagt, wenn man sich darauf einlässt. Drei SchauspielerInnen bewältigen diesen emotionalen Marathon mit Bravour. Ein besonderer Kunstgriff der Regisseurin ist der fliegende Rollenwechsel. So spielt Sarah Quarshie die Tochter als auch die Mutter, Viet Anh Alexander Tran Salomé und Johannes. Auch Luis Quintana spielt zwei Figuren. Ein bisschen verwirrend ist das schon, sich die Teile dieses dramatischen Puzzles zusammenzufügen. Aber es ist die Mühe wert und zeigt anschaulich die radikale, kräftezehrende Identitätssuche der Protagonistin.

Salome: Sarah Quarshie, Viet Anh Alexander Tran (Foto: (c) Birgit Hupfeld)
Salome: Sarah Quarshie, Viet Anh Alexander Tran (Foto: (c) Birgit Hupfeld)

Das Zusammenspiel des Trios ist betont körperlich, intensiv und leidenschaftlich, die Wortgefechte werden zudem untermalt von mal hämmernden, mal sphärischen Sounds (Karl Neukauf) und ergänzt von ausdrucksstarken Choreografien (Beatrice Masala), die das Drama jeweils auf ganz eigene Weise rhythmisieren und übersetzen auf eine andere Ebene.

Wer nicht bereit ist, diesem emotionalen Wechselspiel zu folgen, dem geht es vielleicht ähnlich wie dem Paar neben mir. Nach eher verhaltenem Schlussapplaus fragt sie ihn: „Hast du es verstanden?“ Worauf der Mann kurz überlegt und dann nur mit den Schultern zuckt.

Für alle anderen ist diese „Salomé“ eine hochtemperierte, spannende Theaterreise.




Befreiung aus langem Schatten: Das Musical „Rebecca“ triumphiert im Opernhaus Dortmund

In Koproduktion mit den Vereinigten Bühnen Wien präsentierte die Oper Dortmund am 19. September 2026 die mit Spannung erwartete Neuinszenierung des Musical-Welterfolgs „Rebecca“. Regie-Routinier Gil Mehmert setzt das Erfolgsstück von Michael Kunze (Buch/Liedtexte) und Sylvester Levay (Musik/Orchestrierung) als bildgewaltigen Psychothriller in Szene. Für das orchestrale Fundament im Graben sorgen die Dortmunder Philharmoniker, die unter der feinfühligen Leitung von Carlos Vázquez die düster-romantische Partitur packend zum Leuchten bringen.



Die Vorlage lieferte Daphne du Mauriers berühmter Roman aus dem Jahr 1938: Eine mittellose, namenslose Gesellschafterin („Ich“) begegnet an der Côte d’Azur dem wohlhabenden Witwer Maxim de Winter. Die beiden heiraten überstürzt und ziehen auf seinen legendären Landsitz Manderley. Doch das herrschaftliche Anwesen wird vom Geist der verstorbenen Rebecca beherrscht. Allen voran lässt die verbitterte Haushälterin Mrs. Danvers die junge Nachfolgerin spüren, dass sie Rebeccas makellosem Mythos niemals das Wasser reichen kann. Während Maxim unter der Last finsterer Erinnerungen zerbricht, droht das tödliche Geheimnis um Rebeccas Tod auch die neue Ehe zu vernichten.

Das Ensemble von "Rebecca". Foto: (c) Björn Hickmann
Das Ensemble von „Rebecca“. Foto: (c) Björn Hickmann

Atmosphärisch dichte, wandelbare Bühnenbilder und opulente Kostüme tragen die psychologische Spannung bis zum dramatischen Finale samt spektakulärem Feuereffekt. Getragen wird der Abend von einer hochkarätigen Besetzung: Antonia Kalinowski überzeugt auf ganzer Linie und vollzieht die Wandlung von der unsicheren, scheinbar unbedeutenden jungen Frau zur selbstbestimmten Retterin ihres Mannes mit stimmlicher Finesse und dramaturgischer Reife. Mark Seibert verleiht Maxim de Winter die nötige Tragik eines zerrissenen, schuldgeplagten Aristokraten.

Als darstellerische Urgewalt erweist sich Bettina Mönch in der Paraderolle der Mrs. Danvers: Mit bedrohlicher Präsenz zelebriert sie ihren manischen Totenkult und spinnt im Verbund mit dem herrlich zwielichtigen Jack Favell (glänzend besetzt mit David Jakobs) ihre bösen Fäden. Für willkommene humoristische Akzente in dieser beklemmenden Atmosphäre sorgt Amani Robinson als geschwätzige Mrs. van Hopper.

Ein packender Abend, den das Publikum mit tosendem Premierenapplaus und Standing Ovations feierte. Viele der kommenden Vorstellungen sind bereits restlos ausverkauft – wer Manderleys Untergang noch miterleben möchte, sollte sich sputen.

Tickets und Vorverkauf: www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.




Tiere an die Macht: Gelungene Uraufführung von „Miau!“ im KJT Dortmund

Mit dem Auftragswerk „Miau!“ der renommierten Dramatikerin Anne Lepper (ab 8 Jahren) feierte das Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) am 18. September 2026 eine fulminante Uraufführung. Ensemble-Mitglied Sar Adina Scheer gab dabei ein rundum überzeugendes Regiedebüt.



Frei nach Erich Kästners Klassiker „Konferenz der Tiere“ verwandelt sich die KJT-Bühne in den Tagungsort der „Vereinigten Tier- und Pflanzenkonferenz“ (VTUPFK) – und das junge Publikum wird kurzerhand zu stimmberechtigten Seepferdchen-Delegierten ernannt. Die Szenerie besticht durch fantasievolle Grün- und Rosatöne, ergänzt durch einen runden, multifunktionalen Bildschirm, über den sich bedrohte Tierarten aus aller Welt mit ihren Nöten live zuschalten.

Der Ernst der Lage ist greifbar: Angesichts von Umweltzerstörung, Klimakrise und Ausbeutung natürlicher Ressourcen scheint der Fall für die Delegierten unter Leitung des geschäftigen Hamsters (Fabi ten Thije) klar: Die Erde muss vor dem Menschen gerettet werden. Gemeinsam mit der pessimistischen Giraffe (Bianca Lammert), dem Löwen (Rainer Kleinespel) und einer sprechenden Pflanze beschließen die Tiere drastische Maßnahmen. Doch kurz vor dem Beschluss kriecht eine bedächtige Schnecke (Sonja Glade) ins Geschehen – im Schlepptau ein „Kindchen“ (Andreas Ksienzyk), für das sie ein Gnadengesuch einreicht: Der Junge soll stellvertretend beweisen, dass die Menschheit lernfähig ist. Scheitert er, setzt sich eine unerbittliche Maschinerie in Gang.

Miau!: v.l.n.r.: Sonia Glade, Fabi ten Thije, Rainer Kleinespel, Andreas Ksienzyk
Foto: © Birgit Hupfeld
Miau!: v.l.n.r.: Sonia Glade, Fabi ten Thije, Rainer Kleinespel, Andreas Ksienzyk
Foto: © Birgit Hupfeld

Bühne, Maske und Kostüme begeistern mit enormem Detailreichtum und treffsicherem Witz. Das spielfreudige Ensemble geht mit viel Humor in seinen Rollen auf, wobei Bianca Lammert als Giraffe auch gesanglich starke Akzente setzt. Besonders charmant gelingt die wiederholte Einbindung des Publikums: Dass die Kinder im Saal ganz konkret als Helfende gebraucht werden, demonstriert spielerisch den Wert von Gemeinschaft und Zusammenhalt.

So verhandelt „Miau!“ auf kindgerechte, aber niemals naive Weise existenzielle Fragen: Es geht um Verantwortung und Widerstand, vor allem aber um die Selbstbestimmung junger Generationen auf einem krisengeschüttelten Planeten.

Weitere Termine und Karten unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.




Oma Monika und das Kuddelmuddel im Kopf

Das Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) ist am 4. September mit Milan Gathers feinfühligem Stück „Oma Monika – Was war?“ in die neue Spielzeit gestartet. Unter der Regie von Antje Siebers widmen sich Johanna Weißert (Oma Monika) und David Smith (Enkel Balthasar) einem schweren, aber zutiefst menschlichen Thema: Demenz.



Balthasar und seine Oma sind ein eingespieltes Team. Regelmäßig verbringen die beiden heitere Nachmittage bei Kuchen und Kreuzworträtseln in der Küche – wo mittlerweile auffällig viele Gedächtnisstützen und Zettel die Wände säumen. Doch als der Enkel einmal bei ihr übernachtet, lässt sich die Realität nicht mehr überspielen: Oma verwechselt Worte, sucht nach Begriffen, vergisst Dinge. Mit bewundernswerter Geduld begegnet Balthasar ihren Aussetzern. Gemeinsam reisen sie zurück in Monikas Vergangenheit: Wer war diese Frau, bevor das Vergessen ihren Alltag bestimmte?

„Oma Monika – Was war“ – David Smith und Johanna Weißert © Birgit Hupfeld

Johanna Weißert und David Smith füllen ihre Rollen mit enormem Feingefühl aus. Die Inszenierung balanciert gekonnt zwischen Situationskomik und leisen, nachdenklichen Momenten voller Zärtlichkeit. Besonders berührend: die gemeinsamen Lieder, stimmig arrangiert von Michael Kessler.

Ein wichtiges, sensibel erzähltes Stück für Kinder ab acht Jahren über ein Phänomen, das in unserer Gesellschaft immer präsenter wird – warmherzig, ohne pädagogischen Zeigefinger.

Termine & Tickets: Tel. 0231 / 50 27 222 oder unter theaterdo.de.




„Dein Ernst? Is‘ nich‘ wahr“ – Oscar Wilde mit Augenzwinkern

Ein paar weiße Handschuhe, eine Schürze, ein Gehstock, eine Melone und ein Diadem. Und Gurkensandwiches. Es braucht nicht viel, um ein Theaterpublikum in eine andere Welt zu versetzen. In seiner mittlerweile sechsten Produktion widmet sich der Schauspieltreff des Vereins Halte-Stelle Oscar Wilde und seiner Komödie „Bunbury – The Importance of Being Earnest“.

Gleich zwei Gentlemen sind „Bunburianer“. Sie erfinden Freunde oder Verwandte – der eine, um in die Stadt zu kommen, der andere, um ab und an seiner Tante entfliehen und ungehindert ausgehen zu können. „In der Stadt amüsiert man sich, auf dem Land amüsiert man die anderen“, lautet ein Motto.

Das geht gut, bis sich der erste verliebt. Unter dem falschen Namen Ernest. Den seine Angebetete aber ganz wunderbar findet. Einen Mann mit einem anderen Namen will sie auf keinen Fall heiraten! 

"Dein Ernst? Is' nich' wahr" im Theater im Depot. (Foto: (c) Martina Bracke)
„Dein Ernst? Is‘ nich‘ wahr“ im Theater im Depot. (Foto: (c) Martina Bracke)

Verwicklungen und Verwirrungen sind also vorprogrammiert. Man leidet mit Ernest alias Jack. Man hofft, dass die Angebetete „Ja“ sagt. Sein Freund versucht ihm alles auszureden. Und dann sind da auch noch diese wunderbaren Schwiegereltern, die den Bewerber ganz genau unter die Lupe nehmen und von der Wahl der Tochter gar nicht „amused“ sind. Ganz herrlich das Paar auf Sofa und Sessel beim „Verhör“.

Überhaupt sind die Figuren von der Theatergruppe skurril gezeichnet, man merkt allen die Spielfreude an, freut sich an den kleinen Gesten, z. B. wie etwa Ernest/Jack seinen Hut, eine Melone, knetet, an dem theatralischen Heiratsantrag und den vielen liebevollen Kleinigkeiten, die auch auf der großen Bühne im Theater im Depot gut rüberkommen.

Im Foyer erhielt das Publikum bereits eine kurze Einführung, sodass man vorbereitet in den Theatersaal geht – mit Gitarrenbegleitung. Denn ganz nach der reinen Lehre hat die Gruppe das Stück nicht inszeniert.

So werden immer wieder auch eigene Gedichte und Lieder eingebaut, es geht um Liebe und die Gesellschaft und unser Miteinander. Sehr treffend auch im Programmzettel formuliert: „ Wer liebt wen? Und warum? Und ist das überhaupt eine gute Idee? Was macht Liebe mit uns – und was stellen wir im Gegenzug mit ihr an? Oder auch: Warum gibt es in unserer modernen Gesellschaft immer noch Menschen, die glauben, sie dürften über andere urteilen?“

Die Darstellerinnen und Darsteller wechseln mühelos von Oscar Wilde zu eigenen Texten. Zeigen viel Humor, z. B. wenn der spätjugendliche Bewerber sein Alter auf neunundzwanzig plus datiert. Lacher gibt es viele in den kurzweiligen anderthalb Stunden.

Der ein oder andere Hänger des „Theaters Normal Gibt’s Schon“, wie das Ensemble sich nennt, wird charmant überspielt, das muss man auch erst einmal können. Da sind sie bei Ekkehard Freye, der das Projekt als Schauspieler (im Hauptberuf beim Schauspiel Dortmund engagiert) professionell anleitet, durch eine gute Schule gegangen. Viel Sicherheit gibt ihnen aber auch die Gemeinschaft, die sie selbst „als Familie“ empfinden. Und Halt durch die weitere Begleitung des Vereins, der in der Blücherstraße ansässig ist, mit Anna Becker und Anna Helmsorig.

Oscar Wilde schrieb diese Komödie, um Geld zu verdienen. Auch wenn das Stück im Theater im Depot mit dem Titel „Dein Ernst? Is‘ nich‘ wahr“ Eintritt kostet, für Geld spielen die Darstellerinnen und Darsteller der Halte-Stelle nicht, aber für Spaß und Freude und für Applaus, den es zum Schluss reichlich und verdient gibt. Ein Theatervergnügen mit wenig Brimborium, viel Herzblut und einigen Herzensanliegen, die als Botschaften mit nach Hause genommen werden können: Z. B. „Ein Lächeln kostet gar kein Geld, es wärmt die kalte, graue Welt.“

In diesem Sinne verabschiedet sich das Publikum in einen tatsächlich eher durchwachsenen Junitag und trägt vermutlich ein Lächeln auf den Lippen und bestimmt viel Wärme im Herzen.

www.theaterimdepot.de

www.halte-stelle.de