Bildgewaltig und klangsinnlich: Ein Konzerterlebnis der Dortmunder Philharmoniker

Die Dortmunder Philharmoniker luden am 17. und 18.03.2026 unter der lebendigen Leitung von GMD Jordan de Souza zum 6. Philharmonischen Konzert in das Konzerthaus Dortmund ein. Klangsinnlichkeit und Bildhaftigkeit prägten das Programm mit Werken von Claude Debussy (1862–1918), Thierry Escaich (*1965) sowie Modest Mussorgski (1839–1881) in der Orchestrierung von Maurice Ravel (1875–1937).



Den stimmungsvollen Auftakt bildete Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“. Künstlerische Individualität, souveräne Gestaltung und harmonische Freiheit prägen dieses Werk, dem ein Gedicht von Stéphane Mallarmé aus dem Jahr 1876 zugrunde liegt. Es thematisiert Begehren und Sinnlichkeit, projiziert auf einen mythologischen Faun – ein Mischwesen aus Mensch und Tier. Besonders die Flöten, Streicher und Harfen ließen die traumhafte Atmosphäre dieses Schlüsselwerks des Impressionismus lebendig werden.

Komponist und Organist Thierry Escaich. (Foto: (c) Marie Rolland)
Komponist und Organist Thierry Escaich. (Foto: (c) Marie Rolland)

Als besonderer Gast trat anschließend der französische Komponist und Organist Thierry Escaich (Titularorganist an Notre-Dame de Paris) auf. Als Solist interpretierte er sein Orgelkonzert Nr. 3: „Quatre Visages du temps“. Escaich, ein Meister der Klangfarben, entwarf in diesem groß angelegten, viersätzigen Werk einen Gang durch die Musikgeschichte. Die Komposition führt in freier Gestaltung von der barocken Passacaglia bis hin zu Disco-Beats und Jazzelementen. Souverän leitete er das Publikum durch den vielschichtigen Ablauf – von träumerischen Passagen bis hin zu aufbrausenden Dissonanzen. Die Energie schien gegen Ende fast zu versiegen, bevor das Werk mit einer heftigen, auffahrenden Geste schloss. Als Überraschung gab es eine virtuose Orgel-Improvisation über die BVB-Hymne „Leuchte auf, mein Stern Borussia“.

Nach der Pause stand Mussorgskis berühmter Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ in der glanzvollen Orchesterfassung von Maurice Ravel auf dem Programm. Das Werk entstand 1874 unter dem Eindruck einer Gedächtnisausstellung für den verstorbenen Maler Viktor Hartmann, einen engen Freund Mussorgskis. Der als Rundgang konzipierte Zyklus umfasst elf musikalische Charakterstudien – mal quirlig-verspielt, mal abgründig tief –, die durch wiederkehrende Zwischenmusiken (Promenaden) miteinander verbunden sind. Das Konzert endete furios mit dem majestätischen „Großen Tor von Kiew“.

Begleitend zum Konzert ließen sich Teilnehmende eines Volkshochschulkurses im Alter von 15 bis 65 Jahren von der Musik zu eigenen Bildern inspirieren. Die Ergebnisse dieser kreativen Auseinandersetzung sind derzeit im Foyer des Konzerthauses zu bewundern. Ravels Instrumentation versinnbildlicht dabei nicht nur seine Bewunderung für Mussorgski, sondern steht stellvertretend für den großen Einfluss der russischen Musik auf die französische Moderne nach 1900.