Irritierende Innenansichten

Küchenszene  mit Hummer und Pizzastücken von Dorothea Schüle (Ankunft im Schlaraffenland, 2011, 115x150, Öl auf Nessel).
Küchenszene mit Hummer und Pizzastücken von Dorothea Schüle (Ankunft im Schlaraffenland, 2011, 115×150, Öl auf Nessel).

Premiere in Dortmund: Die Galerie „ART isotope“ zeigt vom 24. August bis zum 19. September 2014 eine Einzelausstellung von Dorothea Schüle unter dem Titel „Intérieurs“. Die ausgewählten Werke zeigen überwiegend Innenansichten von Räumen und verblüffen durch Farbgestaltung und Perspektive.

 

Ein Blick auf das Bild „Sinn und Sinnlichkeit“ irritiert. Aus welcher Perspektive hat die Malerin denn das Bild gemalt? Antwort: aus verschiedenen. Während die Dinge auf dem Tisch von einer schrägen Position gemalt wurden, erscheinen die Stühle aus einer Perspektive von oben. Schüle benutzt also die Perspektiven, um damit zu spielen. Dann zu den Farben: Die Künstlerin benutzt einerseits eine reduzierte Farbpalette (bei „Sinn und Sinnlichkeit“ sind es überwiegend Blautöne), die sie aber mit expressionistischen Farben wie beispielsweise Rosa für das Licht mischt. „Dorotea Schüle hat bei Professor Kuhna studiert, der seinen Schülern ihre Freiheiten ließ, aber sehr auf den korrekten Umgang mit Farbe geachtet hat“, so Axel Schöber, Galerist von „ART isotope“.

 

Schüles Bilder sind gegenständlich, aber sie geht frei mit der Fegenständlichkeit um. Es sind keine fotorealistischen Abbildungen, Schüle reduziert behutsam und lässt die Linien in ihren Bildern stärker hervortreten. Ein weiteres Merkmal ihrer Bilder ist die Üppigkeit. Auf den Tischen stehen Sektflaschen, in der Küche gibt es Hummer und das Klavier steht vermutlich in einer Lounge eines exklusiven Hotels.

Macht Lust auf einen Besuch in einer Eisdiele (Tuttifrutti, 2014, 30x25, Öl auf Nessel von Dorothea Schüle)
Macht Lust auf einen Besuch in einer Eisdiele (Tuttifrutti, 2014, 30×25, Öl auf Nessel von Dorothea Schüle)

Eine weitere Besonderheit von Dorothea Schüle ist ihr Arbeitsmaterial. Sie malt ihre Ölbilder auf Nessel. Nessel ist ein grober Leinwandstoff, der ursprünglich aus Brennnesselfasern hergestellt wurde. Für die Künstlerin ist diese grobe Struktur aber kein Makel.

 

Dorothea Schüle „Intérieurs“

vom 24. August bis zum 19. September 2014

ART isotope

Wilhelmstraße 38

Öffnungszeiten: Sonntag, Montag und Freitag von 14.30 bis 19:30 Uhr

www.art-isotope.de

 




Dortmund in Öl

Claudia Hiddemann-Holthoff neben ihrem Bild "RWE Nachtimpressionen"
Claudia Hiddemann-Holthoff neben ihrem Bild „RWE Nachtimpressionen“

Die Artothek der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund zeigt vom 22. August bis zum 30. September Werke der Künstlerin Claudia Hiddemann-Holthoff. Sie zeigt Ansichten aus Dortmund in Öl, die aber einen besonderen Touch haben. Ein besonderer Blick auf Gebäude und Wahrzeichen.

 

Das alte Stadthaus ist deutlich zu erkennen, doch irgendetwas stimmt nicht. Das Bild wirkt so, als hätte es jemand mit einem Fischaugenobjektiv aufgenommen: Das Stadthaus ist in der Mitte stark gewölbt. Doch das Bild ist die Arbeit von Hiddemann-Holthoff, die ihren Malstil als modifizierten abstrakten Realismus bezeichnet. Mit diesem Bild möchte die Künstlerin auch ein klein wenig Kritik an der Stadtverwaltung verbinden.

 

Mit diesen und anderen Arten von Veränderungen der Realität arbeitet die Künstlerin. Besonders gerne malt sie in ihre Bilder einen „Drop“, verschiedene Kreise, die einen Verzerrungseffekt in der Bildmitte verursachen. So wird ein bekanntes Motiv deutlich sichtbar verändert, ohne dass der Wiedererkennungswert leidet.

 

Neben Gebäuden malt Hiddemann-Holthoff Bilder aus dem Themenbereich Sport. Auch wenn zwei Bilder deutliche Bezugspunkte zu Borussia Dortmund haben (Stadion, Spielertraube), andere Sportarten wie Radfahren wecken ebenfalls ihr Interesse. Darüber hinaus ist sie von Musik fasziniert und hat einige Künstler in einer reduzierten Farbpalette porträtiert. Momentan arbeitet sie an einer Reihe über Vivaldis „Vier Jahreszeiten“.

 

Für ihre Bilder braucht die Künstlerin einiges an Zeit: „Wenn es sehr viele Details gibt, dauert ein Bild mindestens ein halbes Jahr. Vor allen Dingen bei den ‚drops‘ brauche ich eine Pause“, so Hiddemann-Holthoff.

 

Die Liebe für Details merkt man der Künstlerin an. Sie malt seit den 90er Jahren in Öl, genauer gesagt mit Leinöl und produziert ihre Werkstoffe alle selber. „Ich möchte die Kontrolle über die Intensität der Farben behalten“, erzählte Hiddemann-Holthoff. Die Künstlerin ist Autodidaktin. Sie malt seit ihrer Kindheit. „Ich habe viel gelesen und mir Sachen angeschaut“, so Hiddemann-Holthoff.

 

Die Öffnungszeiten der Artothek: dienstags und freitags von 10 bis 19 Uhr.




Retrospektive einer Künstlerin und Galeristin

Gerda Türke gemalt von ihrem Sohn Franco Camue.
Gerda Türke gemalt von ihrem Sohn Franco Camue.

Mit dem Tod von Gerda Türke im Jahre 2012 verlor Dortmund nicht nur eine Galeristin, eine engagierte Friedensaktivistin, sondern auch eine sehr vielfältige Künstlerin. Die Galerie Dieter Fischer im Depot zeigt vom 01. August bis zum 07. September 2014 eine kleine Auswahl ihrer Werke. Franco Camue, Gerda Türkes Sohn und der Künstler Hanfried Brenner haben die Ausstellung kuratiert.

 

„Es ist nur ein Bruchteil der Werke meine Mutter zu sehen“, erklärte Camue und verwies auf den geringen Platz in der Galerie. „Es ist nicht einfach, aus den Konvoluten eine repräsentative Auswahl zu treffen.“ Zusammen mit Brenner hat er sich daran gemacht, die Arbeiten seiner Mutter in Themenblöcke aufzuteilen. „Begonnen hat sie schon in den 60er Jahren mit Zeichnungen, aber richtig los ging es in den 80ern“, so Camue.

 

Die rund 50 gezeigten Bilder lassen sich in verschiedene Themen aufteilen: Informelle Werke, freie Aquarelle, Thema Friedensmarsch, Rostbilder und naturalistische Zeichnungen, darunter auch Aktzeichnungen. „Aktzeichnungen hat sie sehr gemocht“, erzählte Camue.

 

Ein besonderes Werk hängt ebenfalls in der Ausstellung. Franco Camue hat seine Mutter ein kleines Denkmal gesetzt, indem er sie in typischer Weise gemalt hat. Lesend vor ihrer riesigen Wand aus Kunstbüchern. „Sie war eine leidenschaftliche Galeristin und eine leidenschaftliche Künstlerin“, so Brenner.

 

Die Vernissage ist am 01. August von 19 bis 21 Uhr.

Gerda Türke – Galeristin und Künstlerin

vom 01. August bis zum 07. September

 

Galerie Dieter Fischer

Depot Dortmund

Immermannstraße 29

44147 Dortmund

 

Öffnungszeiten Sonntag und Donnerstag von 15 bis 18 Uhr.




Ein Universum der Dinge

 

Christian Psyk und Gudrun Kattke zeigen ihre gemeinsame Arbeit im Torhaus Rombergpark.
Christian Psyk und Gudrun Kattke zeigen ihre gemeinsame Arbeit im Torhaus Rombergpark.

Nicht nur der Titel „(die) Magic hazard Butter Trippings“ klingt verwirrend, auch die Ausstellung von Gudrun Kattke und Christian Psyk. Vom 27. Juli bis zum 17. August im Torhaus Rombergpark wirkt auf den ersten Blick etwas befremdlich, doch im Laufe der Zeit wird der Besucher von der Struktur und von der Fülle an unterschiedlichen Dingen fasziniert.

 

„Magic hazard Butter Trippings“. Was könnte das bloß bedeuten? „Tripping hazard“ ist übersetzt eine Stolperfalle. Also eine „Magische Butter Stolperfalle“? Der Begriff Stolperfalle bringt uns aber der Sache vielleicht etwas näher, denn der größte Teil des Bodens des Torhauses ist übersät mit kleinen Puzzleteilchen. Für den Besucher heißt es: Drauf treten oder drumherum tänzeln?

 

Jedenfalls wirkt der erste Eindruck der gemeinsamen Arbeit von Kattke und Psyk wie ein Besuch in einem Antiquitätenladen. Auf dem Boden liegen unzählige Dinge, teilweise verdichtet , teilweise in lockerer Zusammenstellung. In diesem Universum der Dinge bilden die „Bunkerbelüftungsschächte“ von Psyk eine Art Rastersystem, die wie Eckpunkte Ordnung in die Installation bringt.

 

Die unzähligen Sachen, die Kattke wie eine Malerin über die Rasterpunkte von Psyk komponiert hat, bilden teilweise Cluster wie die Kuchengitter und Murmeln, die wie Planetensysteme wirken. In einer anderen Ecke haben sich Teile von Spielen konzentriert. Doch jedes Ding hat seinen Platz und jedes Ding erzählt auch seine Geschichte, allein oder in Interaktion mit anderen Gegenständen.

 

Doch nicht nur der Boden ist bespielt, an der Wand hängt ein großes Bild von Psyk mit seinen „technologischen Putten“. In einer Nische sitzt eine fünfköpfige Gestalt, die außerirdische Züge besitzt.

 

Für den Besuch der Ausstellung empfehle ich Zeit und Fantasie. Dann könnten Ihnen die Gegenstände vielleicht auch eine Geschichte erzählen.

Gudrun Kattke & Christian Psyk

(die) Magic hazard Butter Trippings

Torhaus Rombergpark

27.07. bis zum 17.08. 2014

 




Honigernte am Dortmunder U

Monatelang schwirrten die Bienen rund ums U, um Nektar und Pollen zu sammeln. (Foto:  © Dortmunder U)
Monatelang schwirrten die Bienen rund ums U, um Nektar und Pollen zu sammeln. (Foto: © Dortmunder U)

Seit dem 05. Mai steht unter einem alten Baum am Dortmunder U das „Frankfurter Bienenhaus“ der Künstlergruppe finger (Florian Haas und Andreas Wolf). Seit diesem Tag fliegen Bienen ein und aus und sammeln Nektar und Pollen. Am 18. Juli war es dann soweit: Mit Hilfe von zwei Imkern wurde der erste „MO-Honig“ geerntet. Sie zeigten auch sehr anschaulich für alle Besucher, welche Schritte und Prozesse ablaufen müssen, damit der Honig ins Glas kommt.

 

Das „Frankfurter Bienenhaus“ kündigt die kommende Ausstellung „ARCHE NOAH. Über Tier und Mensch in der Kunst“ (15. November 2014 – 12. April 2015) des Museums Ostwall im Dortmunder U an. Die Ausstellung widmet sich der Darstellung des Tieres in der Kunst vom Expressionismus bis heute. Das Verhältnis von Mensch und Tier in den Städten bildet einen Schwerpunkt. Das »Frankfurter Bienenhaus« beherbergt vier Bienenvölker, die von dem Dortmunder Imker Carsten Krause betreut werden.

Auch wenn die Bienen ihre Nahrungssuche eingestellt haben und der Honig geerntet ist, wird das »Frankfurter Bienenhaus« bis Oktober vor dem Dortmunder U zu sehen sein. Danach wird es in der Ausstellung ARCHE NOAH des Museums Ostwall gezeigt.

 

Der frisch geerntete Honig wird vor Ort in Gläser abgefüllt, deren Etikett die Künstlergruppe finger gestaltete. Als MO-Honig ist er käuflich zu erwerben.

 

Hier eine kleine Fotodokumentation der Honigernte.




Das neue Bildungsfernsehen?

Einen kleinen Einblick in den Ausstellungsraum.
Einen kleinen Einblick in den Ausstellungsraum.

Früher, ja früher gab es Bücher, wie man sein Auto repariert oder auf den Dritten Programmen erzählten Menschen wie man auf Italienisch zählt oder wie man Bier braut. Einer der bekanntesten dürfte sicher Jean Pütz mit seiner Hobbythek sein. In unserer neuen Internetwelt hat dies Youtube übernommen. Auf der Video-Plattform zeigen unzählige Menschen sogenannte Tutorials, in denen der Zuschauer lernen kann, wie man Wasser kocht, Regenwürmer züchtet oder sich richtig schminkt. 100 ausgewählte Videos zeigt der Hartware Medienkunstverein im Dortmunder U vom 05. Juli bis zum 31. August unter dem Titel „Jetzt helfe ich mir selbst“ auf der dritten Etage.

 

Wer die Ausstellung betritt, hat zunächst das Gefühl er ist in eine Verkaufsabteilung für Fernseher gelandet. Unterschiedliche Bildschirme, mit Röhre oder flach, spulen ununterbrochen die Lehr-Videos der ausgewählten Youtube-Beiträge. Wer etwas hören möchte, nimmt sich einen Kopfhörer und schließt ihn an eine Buchse an und schon kann er erfahren, ob man einen „Kotflügel bördeln kann ohne Bördelgerät“ (Video Nr. 69) oder wie man Papst wird (Video Nr. 40).

 

Auch die Künstlerische Leiterin des HMKV, Inke Arns, hat sich schon einmal privat ein Tutorial auf Youtube angesehen. „Ich hatte ein Hardwareproblem und konnte es nach Betrachtung des Videos lösen. Demnächst schaue ich mir an, wie ich einen Fahrradschlauch wechseln kann.“

 

Die Ausstellung ist entstanden in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Kulturreflexion der Universität Witten/Herdecke. Es geht auch um die Frage: Warum machen die Leute das?

 

Die Antwort fällt sicher unterschiedlich aus. Zum einen der Spaß am reinen Wissensvermitteln, aber bei anderen Videos steht die Selbstinszenierung sicherlich im Mittelpunkt. Hier wird versucht, sich selbst als „Youtube-Star“ zu inszenieren. Bei manchen hat dies auch funktioniert. Es sind beispielsweise Videos dabei, die über 20 Millionen Aufrufe generiert haben. Videos mit so einer großen Besucherzahl sind natürlich ein gefundenes Fressen für Produkthersteller.

 

Sind jetzt Personen wie Tori Locklear oder Howcast die legitimen Nachfolger von Jean Pütz oder dem Fernsehmaler Bob Ross? Prof. Dr. Christian Grüny von der Uni Witten/Herdecke sieht dies nicht so. „Pütz und Ross sendeten aus der Position der Autorität“; so Grüny, denn sie agierten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Heute kann jeder ein Tutorial-Video ins Netz stellen, aber wer überprüft, ob das richtig ist, was mir erzählt wird.

 

Eine Besonderheit von Youtube-Filmen im Gegensatz zum Fernsehen ist die direkte Kommunikation mit dem Betrachter. Musste man, um Pütz zu kontaktieren, einen Brief an den WDR schreiben, geht das mit der Kommentarfunktion auf Youtube direkter. Das hat natürlich den Nachteil, dass auch negative Kritik bis hin zu Hass-Mails ungefiltert auf den Ersteller des Videos einprasseln können.

 

Insgesamt hatte sich das Team rund 1.400 Tutorial-Videos angesehen, um daraus 100 auszuwählen. Den Untertitel „Die 100 besten Video-Tutorials aus dem Netz“ sollte mit ein wenig Augenzwinkern aufgenommen werden.

 

Die Ausstellung macht neugierig auf das neuentstandene Netzphänomen der Tutorials. Wer weiß, wenn sie wissen wollen, wie man Zwiebeln schneidet, ohne zu weinen, schauen sie sich einfach mal auf Youtube um (oder in der Austtellung Video Nr. 83). Der Eintritt ist frei.

 

„Jetzt helfe ich mir selbst“

HMKV im Dortmunder U, Ebene 3

5. Juli bis 31. August 2014




Spiel mit den vier Elementen

Dorsa A. G neben einem Bild, dass die Manifestierung des Elementes Feuer zeigt.
Dorsa A. G neben einem Bild, dass die Manifestierung des Elementes Feuer zeigt.

Die Theorie, dass unsere Welt aus genau vier Elementen bestehen würde, ist sehr alt und geht auf antike griechische Philosophen zurück. Unter dem Titel „Elementar“ zeigt die im Iran geborene Künstlerin Dora A.G vom 29. Juni bis zum 20. Juli ihre Werke in der Galerie Torhaus Rombergpark.

Feuer, Wasser, Luft und Erde. Diese mythologischen Stoffe stehen im Zentrum von Dorsas Kunst. „Für mich sind die vier Elemente ein Symbol für Existenz“, so die Künstlerin. „Ich wollte das zum Thema meiner ersten Einzelausstellung machen.“

Dorsas Elemente sind farblich deutlich zu unterscheiden. Rot steht für Feuer, Blau für das Wasser, silber-grau für die Luft und braun-schwarz für die Erde. Doch es gibt noch eine weitere Besonderheit in ihren Bildern. Es ist mindestens eine Frau zu sehen. „Die Frau ist die Seele des Elements“, erklärte die Künstlerin.

Dorsa ist fasziniert von Farbe, der Leichtigkeit und den Bewegungen in der Form. Ihre Bilder sind soweit abstrahiert, dass dem Betrachter noch genügend Raum für eigene Gedanken bleibt.

Ein Kunstwerk sticht aus den Acryl-, Tusche- und Kreidebildern heraus: Ein Relief. Die Liebe zu Reliefs hat sich die Künstlerin aus ihrer iranischen Heimat bewahrt. Das gezeigte Fliesenrelief „Gewandt“ besticht aus Erhebungen und Vertiefungen und zeigt ein galoppierendes Pferd. „Das Pferd ist für mich ein Symbol für Mut und Freiheit“, erklärte Dorsa ihre Motivwahl.




Perlen der Karikatur-Geschichte

Vor einer Karikatur über Freud und Mahler  stehen (v.l.n.r.) Museumsdirektor Wolfganf E. Weick, Dr. Gisela Vetter-Liebenow, Direktorin des Wilhelm-Busch Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst und der Gestalter der Ausstellung, Prof. Jürg Steiner.
Vor einer Karikatur über Freud und Mahler stehen (v.l.n.r.) Museumsdirektor Wolfgang E. Weick, Dr. Gisela Vetter-Liebenow, Direktorin des Wilhelm-Busch Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst und der Gestalter der Ausstellung, Prof. Jürg Steiner.

In Kooperation mit dem Museum Wilhelm Busch-Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover zeigt das Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund vom 29. Juni bis 31. August 2014 unter dem Titel „Karikatur und Zeichenkunst: Von Goya bis Wilhelm Busch“, Glanzstücke aus der Sammlung des Museum Wilhelm Busch.

 

Aus Anlass des 75. Jubiläums präsentierte das Museum Wilhelm Busch in Hannover mit über 200 Werken ein imposanten und international bedeutenden Bestand historischer und zeitgenössischer Karikaturen. Nun haben auch die Menschen im Dortmunder Umfeld die Gelegenheit, diese mit genauer Beobachtungsgabe und zeichnerischer Präzision auf Papier gebrachten politischen Zeugnissen der Zeitgeschichte zu bewundern.

 

„Es war eine große Herausforderung, die 235 Stücke zu präsentieren. Wir haben uns für eine lineare Hängung entschieden“, verriet der scheidende Museumsdirektor Wolfgang E. Weick. Dr. Gisela Vetter-Liebenow, Direktorin des Wilhelm-Busch Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, erläuterte: „Mit der Karikatur als politische Waffe begann mein Weg ins Museum. Diese Ausstellung ist praktisch eine Art Leistungsschau durch die Geschichte der Karikatur. Dabei wurden die Karikaturisten oft nicht als Künstler wahrgenommen. Unsere Sammlung beweist aber, welche politische Sprengkraft sie mit ihrer „spitzen Feder“, zeichnerischer Präzision und guter Beobachtungsgabe auf Papier gebracht haben.“

 

„Die Anfänge der Karikatur reichen bis in die Renaissance ds16. Jahrhunderts mit Künstlern wie Annibale Carracci mit ihren als Typen charakterisierten „Gruppe von Musikern“, oder etwa William Hogarth. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich in England die „Karikatur als politische Waffe und Gesellschaftssatire“ mit Künstlern wie James Gillray, Thomas Rowlandson oder Francisco de Goya. Zwischen Restauration und Revolution im 19. Jahrhundert war Frankreich mit Künstlern wie etwa Honoré Daumier Zentrum der Karikatur. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland mit dem „Simplicissimus“ einen gewaltigen Karikaturschub“, so Vetter-Liebenow.

 

Weiter zu sehen sind international wegweisende Karikaturen vor und nach 1945 mit Arbeiten von A. Paul Weber, oder eine der wenigen politischen Karikaturistinnen wie Marie Marcks, und von Erich Sokol. Unter den internationalen Künstlern des 20. Jahrhunderts sind vor allem Zeichner der amerikanischen Wochenzeitschrift The New Yorker und Klassiker wie Tomi Ungerer und Ronald Searle vertreten.

 

Dem „Urvater des modernen Comic“, Wilhelm Busch, mit seinen prägnanten Bildgeschichten, ist natürlich ein großer Raum in der Ausstellung gewidmet. Seinen Zeichnungen zeigen neben einer besondere Naturverbundenheit, wie man mit wenigen Zeichenstrichen ungeheure Ausdruckskraft entfalten kann. Neben den Karikaturen von Busch sind zum Abschluss auch drei Bilder von Loriot und Werke von Ernst Kahl in der Ausstellung zu sehen.

 

Der Gestalter der Ausstellung, Prof. Jürg Steiner, Berlin/Wuppertal erklärte: „Die Schwierigkeit bei der Gestaltung lag unter anderem bei der Lichtempfindlichkeit des Materials. Wir konnten nur eine schwache Beleuchtung benutzen. Für das Publikum bieten wir an neun Stationen gemütliche Sitzgelegenheiten aus verschiedenen Epochen.“ Ein Tipp: Nehmen sie sich viel Zeit für die Karikatur-Geschichten.

 

Die Ausstellung wird am Sonntag, den 29. Juni 2014 um 11.30 Uhr in der Rotunde des MKK durch Museumsdirektor Wolfgang E. Weick und einer Einführung durch Dr. Gisela Vetter-Liebenow eröffnet. Für die musikalische Umrahmung sorgt Michael Hönes vom Theater Dortmund.

 

Ausstellungsdauer:

 

29.Juni 2014 bis 31.August 2014
Katalog: Karikatur & Zeichenkunst. Hirmer Verlag, München 2012, 288 Seiten mit 250 meist farbigen Abbildungen: 39,90 €

 

Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, So 10 bis 17 Uhr

Do 10 bis 20 Uhr

Sa 12 bis 17 Uhr

 

Eintrittspreise: Erwachsene sechs Euro,

ermäßigt drei Euro

 

 




Wenn Prachtstücke auf Ornamente treffen

Ein "Prachtstück" von Andrea Maria Bresson.
Ein „Prachtstück“ von Andrea Maria Bresson.

Bunt und farbenfroh ist die aktuelle Ausstellung in der Galerie Dieter Fischer im Depot. Unter dem Titel „Prachtstücke/Ornamente“ zeigen AndreaMaria Bresson und Mo Hadjimir vom 13.06. bis zum 20.07.2014 ihre Kunst. Als Gast dabei ist der junge iranische Künstler Oham, der Graffiti Kunst präsentiert.

Kennen Sie die Venus von Willendorf? So ähnlich gebaut wirken auch die „Prachtstücke“ von Andrea Maria Bresson. Aber Bressons Frauenbilder sind farbenfroher, sie enthalten eine Vielzahl an Symbolik und Mystik. Beinahe ist der Betrachter geneigt, jedem Prachtstück ein Volks zuzuordnen. Passt die Frau mit dem Elchgeweih vielleicht in den hohen Norden?

Wer die Arbeiten des persischen Künstlers Mo Hadjimir sieht, begreift, warum die Kunst der Ornamentik aus dem arabischen Raum zur hohen Kunst getrieben wurde. Daher stammt auch der Begriff Arabeske. Hadjimir Benutzen florale Ornamente und arabische Schriftzeichen, um seine Bilder zu einem Kunstwerk werden zu lassen. Seine Farbgebung wechselt von dezent, über knallige Farben bis hin zu schwarzen mystischen Arbeiten.

Sind Tags von Graffiti-Künstlern die neue Ornamentik? Bei den Arbeiten von Ohan könnte man drauf schließen. Seine Graffiti-Art ist ebenso farbenreich.

Galerie Dieter Fischer
Im Depot Dortmund
Immermannstraße 29
44147 Dortmund

Öffnungszeiten: donnerstags von 16 bis 20 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 0171 / 264 7972 (Kurator Hartmut Gloger)

Weitere Öffnungszeiten: zur ExtraSchicht, 28.06.2014 von 18 bis 24 Uhr

Eintritt:frei




Eindrucksvolle Pressefotos im Depot Dortmund

Vom 12. Juni bis zum 02. Juli zeigt das Depot in der Dortmunder Nordstadt die Ausstellung „World Press Photo 14“ mit rund 140 preisgekrönten Photos von Pressefotografen. Die Auswahl ist vielfältig: Von Portraits, Sport, tägliches Leben bis hin Nachrichten reichten die Kategorien. Die Jury musste dieses Jahr aus über 98.000 Fotos von über 5.500 Fotografen auswählen.

 

Kein Blut, keine Gewalt. Das „Foto des Jahres“ 2014 zeigt eine Gruppe von Afrikanern, die ihr Handy in die Luft halten und auf besseren Empfang hoffen. Für manchen Betrachter könnte es so aussehen, als ob die Leute den Mond fotografieren. Die Menschen, sie sind Flüchtlinge, wollen aber eine bessere Zukunft.

 

Es gibt weitere Photos, die mit dieser Doppeldeutigkeit arbeiten. So zeigt ein Foto in der Kategorie „News“ eine Prozession auf den Philippinen. Es sieht so aus wie ein Trauermarsch, aber die Menschen freuen sich darüber, dass ihr Dorf verschont wurde. In der Kategorie der „Nachrichten“ ist die Gewalt natürlich präsent. Fotos vom Anschlag auf das Einkaufszentrum werden ebenso gezeigt wie vom Anschlag auf den Boston-Marathon.

 

Friedlicher geht es in den Naturbildern zu. Hier hat der Deutsche Christian Ziegler unsere „unbekannten Cousins“, die Bonobos, fotografiert. Er gehört neben Markus Schreiber und Julius Schrank zu den drei Deutschen, die dieses Jahr prämiert wurden.

 

Die Ausstellung im Kulturort Depot ist täglich geöffnet und wird durch ein Begleitprogramm ergänzt. Für die 07. bis 10. Jahrgangsstufen der Schulen gibt es zur Vorbereitung einführendes Begleitmaterial und Arbeitsmaterialien für den Besuch der Ausstellung.

In Zusammenarbeit mit dem Kino „SweetSixteen“ im Depot können sich Schulklassen den Film „SchussWechsel“ ansehen. Der Film erzählt von einem Fotografenteam im Gazastreifen während der zweiten Intifada. Das besondere dabei: Das Team besteht aus israelischen und palästinensischen Fotografen. In der Zeit vom 23.06. bis zum 02.07. 2014 wird der Film werktags um 11 Uhr. Nach Vereinbarung sind auch andere Zeiten möglich.

 

Weitere Informationen unter www.depotdortmund.de oder www.worldpressphoto.org

 

Kulturort Depot

Immermannstraße 29

44147 Dortmund

 

Öffnungszeiten:

 

Montags, Dienstag und Mittwoch von 11 bis 19 Uhr

Donnerstag von 11 bis 20 Uhr

Freitag und Samstag von 11 bis 22 Uhr

Sonntag von 11 bis 19 Uhr

 

Eintritt:

6,00 € / 4,00 ermäßigt

3,50 € (Schulklassen / pro Schüler) 5,50 € Kombipreis Ausstellung und Kinobesuch

40 € Führung durch einen Fotografen (für Schüler/Studenten) zuzüglich Eintrittspreis.