Schatten und Schnitte

Seit Sonntag, dem 15. Februar 2015 zeigt die Künstlerin Jessica Maria Toliver in der städtischen Galerie Torhaus Rombergpark ihre Werke unter dem Titel „In Gegenden, die uns ähnlich erscheinen“. Neben Scherenschnitte sind auch einige Fotoschnitte zu bewundern. Die Ausstellung geht bis zum 08. März 2015.

Die ausgestellten Werke von Toliver haben alle etwas Weiches an sich. Die Fotoarbeiten wirken wie mit einem Weichzeichner bearbeitet und entfalten ihre Wirkung, wenn man ein wenig weiter weg steht. Ihre Scherenschnitte hingegen wirken weich, weil die Zeichnungen mit dem Kohlenstift etwas Malerisches an sich haben.

Bleiben wir bei den Scherenschnitten. In ihren früheren Arbeiten hat Toliver ihre Scherenschnitte noch filigraner ausgeführt, so dass es aussah, als ob sie Schriftarten ausgeschnitten hätte. Die späteren Schnitte lassen mehr Fläche übrig. Die Künstlerin hat die Scherenschnitte aber nicht einfach auf ein Blatt geklebt, sondern mit Abstandshaltern versehen. Somit entsteht ein dreidimensionaler Effekt und dieser gibt ihren Bildern eine Körperlichkeit.

Chirurgisches Werkzeug benutzt Toliver bei ihren Fotoschnitten. Die großformatigen Werke werden mit einem Skalpell in verschiedene Teile geschnitten und wieder zusammengesetzt. Dadurch wird die Geschichte, die das Bild erzählt, unterbrochen und der Betrachter muss sie neu zusammensetzen. Mit dem Bild „give him eyes“ regt die Künstlerin den Betrachter durch den Titel sogar explizit an, über das Sichtbare weiter zu denken. Denn auf dem Bild sind die Augen nicht zu sehen, sie müssen imaginiert werden.

Eine Ausstellung, die vom Besucher Zeit fordert. Denn schnell von einem Bild zum anderen zu huschen, wäre den Arbeiten von Toliver nicht angemessen. Ihre Werke erfordern vom Betrachter Zeit, denn je nach Betrachtungswinkel verändert sich das Bild. Schatten und Schnitte haben ihre Eigenarten.




Authentisch oder Inszeniert?

Schon 2012 zeigte Sven Piayda in der galerie 143 seine Bilder und Installationen, die sich mit der Frage auseinandersetzten, was ist Realität und was ist inszeniert. In seiner neuen Ausstellung „new pictures from outer rim“ am gleichen Ort, stellt er sich erneut dieser Frage. Zu sehen sind seine Werke bis zum 28. März.

Vier Bilder zeigen den Redwood-Nationalpark in den USA. Eigentlich ganz normale Naturfotografien, doch wenn man weiß, dass dies auch der Ort war, wo die Szenen für den Waldmond Endor in der Episode VI von Star Wars gedreht wurden, entwickeln die Bilder eine weitere Dimension. Das Reale und das Fiktionale beginnen sich zu überlappen.

Der Weltraum und seine unendlichen Weiten haben Piayda in dieser Ausstellung offenbar inspiriert. Mondlandschaften, eine Weltraumsonde und ein fiktionaler Planet sind untereinander angeordnet. Während die Sonde die Zukunft symbolisiert, steht die Mondlandschaft für die Gegenwart. Da wir das Licht der Sterne aus der Vergangenheit empfangen, ist der abgebildete Plante ein Symbol der Vergangenheit.

Ebenso wie in seiner vorherigen Ausstellung benutzt Piayda oft Schwarz-Weiß Bilder, um damit eine Authentizität vorzugeben, die nicht vorhanden ist.

galerie143
Simone Czech (M.A.)
Rheinische Straße 143
44147 Dortmund
Tel.: 0163 7847743
E-Mail:info@galerie143.de
URL: galerie143.de




Goethe neu betrachtet

Um ihn geht es in der Ausstellung: Goethe. (Leonie Antonia Jahn, Portrait II)
Um ihn geht es in der Ausstellung: Goethe. (Leonie Antonia Jahn, Portrait II)

Goethe war wohl nie in Dortmund. Wahrscheinlich hat er um das damalige westfälische Ackerbürgerstädtchen einen großen Bogen gemacht. Doch was wäre, wenn? Etwa 60 Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasium beschäftigten sich auf künstlerische Weise mit großen Gelehrten. Zusammen mit dem Kooperationspartner, der UZWEI, der Etage für kulturelle Bildung im Dortmunder U, präsentieren die jungen Künstlerinnen und Künstler bis zum 01. März ihre Arbeiten unter dem Titel „U and Goethe“.

Johann Wolfgang von Goethe galt zu seiner Zeit als Universalgenie. Neben seinen literarischen Werken hat er sich auch mit Naturwissenschaften beschäftigt, eine Farbenlehre entwickelt und vieles mehr. Es gab also genug Material, mit denen sich die Beteiligten auseinandersetzen konnten.

Rund ein Jahr haben sich die Schülerinnen und Schüler mit Goethe intensiv auseinandergesetzt. Auf dem Goethe-Gymnasium wurde beispielsweise überlegt, was Goethe denn für das jeweilige Fach geleistet hat und sein Geburtstag wurde gefeiert. Daneben gab es Workshops in der Schule, die sich mit Malerei und Film beschäftigt haben.
Auch auf der UZWEI gab es einen Workshop, geleitet wurde er von der Künstlerin Dagmar Lippok. Lippok hat auch die dazugehörige Ausstellung kuratiert.

Die Ausstellung zeigt, dass die jungen Künstlerinnen und Künstler die Person Goethe gegen den Strich gebürstet haben, ohne dabei respektlos zu sein. Altes und neues wurden gemischt, so sind Möbel und Bücher aus der Goethes Zeit zu sehen und auf der anderen Seite wird die Goethes Facebook-Seite präsentiert.
Einige Arbeiten beschäftigten sich mit der Farbenlehre von Goethe, während ein anderes Kunstwerk Gedichte des Autors im modernen „to go“ Design darbot. Auf alle Fälle zeigt die Ausstellung, dass junge Menschen durchaus kreativ mit „alten“ Themen umgehen können und präsentiert ein großes Spektrum an Formen darstellender Kunst.
Doch das ist nicht alles: Einige Schülerinnen und Schüler haben ein kleines Theaterstück geschrieben. Hier kommt der junge Goethe durch den faustischen Teufelspakt ins moderne Dortmund. Was wird er wohl zuerst tun? Natürlich „seine“ Ausstellung im Dortmunder U besuchen.




Beziehungen zwischen Fläche und Körper

Birgit Feike webt Kleider aus Absperrbändern.
Birgit Feike webt Kleider aus Absperrbändern.

Vom 23. Januar bis zum 22. Februar 2015 zeigt die Galerie Dieter Fischer im Depot Dortmund an der Immermannstraße eine gemeinsame Ausstellung von Alesha Klein und Birigt Feike unter dem Titel „Körper-Fläche / Fläche-Körper“. Zu sehen sind Zeichnungen, Skulpturen, Bilder und Objekte.

Zweidimensionales wird dreidimensional und umgekehrt. Das ist die Verbindung zwischen beiden Künstlerinnen, die eine ganz unterschiedliche Herangehensweise an ihre Kunst haben.

Ein wesentlicher Bestandteil in der Kunst von Alesha Klein (Dortmund/Düsseldorf) sind Gesichter. Begonnen hatte es dadurch, dass sie Köpfe aus Modelliermasse gefertigt und mit Sprühfarbe gemalt hatte. „Umso mehr ich gemacht habe, desto leichter ging es von der Hand“, erzählt sie. Die Gesichter zeigen Emotionen, sind aber so abstrakt gehalten, dass sie keine bestimmte Person zeigen. „Das Bild ist eine Art Spiegel“, so Klein.

Gesichter stehen im Mittelpunkt der Arbeiten von Alesha Klein.
Gesichter stehen im Mittelpunkt der Arbeiten von Alesha Klein.

Mit einem interessanten Material arbeitet Birgit Feike (Schwerte): Plastik. „Plastik ist das Material der Jetztzeit“, erklärt die Künstlerin. „Es hat Gips, Holz, Leinwand ersetzt.“ Für Feike ist das Material ideal: es ist flexibel und extrem verformbar. Ihre Arbeiten werden klassisch auf einem Webstuhl hergestellt. Dafür wird das Plastik erst zu Fäden gesponnen und dann zu Objekten gewebt. Beeindruckend sind ihre Kleider, die Feike aus den rot-weißen Absperrbänden gewebt hat. Auch sehr spannend ist ein Objekt, das eine Form wie ein Bienenkorb hat. Zunächst könnte man den Eindruck bekommen, es sei aus vielen goldenen Bonbonpapieren zusammengesetzt, doch es besteht aus goldbedampfter Aluminiumfolie. Durch einen Spiegel am Boden kann der Betrachter selbst Teil des Objektes werden.

Die Vernissage ist am 23. Januar 2015 um 19 Uhr. Die Öffnungszeiten der Galerie Dieter Fischer ist donnerstags von 17 bis 20 Uhr.




Einblicke zeigt breites Spektrum an angekaufter Kunst

Das große Objekt stammt von Mischa Kloss. (Foto: © Anja Cord)
Das große Objekt stammt von Mischa Kloss. (Foto: © Anja Cord)

Unter dem Titel „einblicke“ präsentiert das Kulturbüro in der städtischen Galerie Torhaus Rombergpark die angekauften Kunstwerke aus dem Jahr 2014 vom 18. Januar bis zum 8. Februar.

Zu sehen sind Skulpturen, Malerei, Fotografie, Grafik, Radierungen von über 30 Künstlerinnen und Künstlern.

Seit fast 60 Jahren kauft das Kulturbüro der Stadt Dortmund Werke heimischer Künstlerinnen und Künstler an, sorgt für die Archivierung und für die Ausleihe an Institutionen und Dienststellen der Stadt Dortmund. In erster Linie ist der Kunstankauf jedoch eine Maßnahme der Künstlerförderung. Gleichzeitig dokumentiert er die heimische Kunstszene.




Zwischen Kuscheltier und Nutzvieh

Sebastian Meschenmoser zeigt in seinen Arbeiten eine fiktive Welt, in der Krieg zwischen Menschen und Tieren herrscht.
Sebastian Meschenmoser zeigt in seinen Arbeiten eine fiktive Welt, in der Krieg zwischen Menschen und Tieren herrscht.

Nicht nur das Museum Ostwall mit ihrer „Arche Noah“ Ausstellung, auch das Künstlerhaus Dortmund stellt mit „I wanna be your dog“ die Beziehung zwischen Mensch und Tier in der Kunst in den Mittelpunkt. Die Ausstellung läuft vom 17. Januar bis zum 22. Februar 2015 und wurde kuratiert von Barbara Koch und Marco Wittkowski.

Der Song „ I wanna be your dog“ von den „Stooges“ besingt die Entfremdung von Mensch und Arbeitswelt. In vielen Positionen der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler geht es es um die Entfremdung zwischen Mensch und Tier, die entweder als Kuscheltier überhöht werden oder als Nutztier massenhaft in den Schlachthöfen verenden oder in Tierversuchen ihr Leben lassen müssen.

Mit utopischen Sujets arbeiten Hartmut Kiewert und Sebastian Meschenmoser. In ihrer Utopie haben sich die Tiere zu eigenständigen Individuen entwickelt. Bei Meschenmoser führen sie – ähnlich wie bei „Planet der Affen“ – sogar Krieg gegen die Menschen. Meschenmosers Bilder haben eine kitschig-romantische Anmutung eines Karl Mays Buches, während es bei Kiewerts Bildern eher um die Individualisierung des ehemaligen Nutztieres geht.

Dass das Verhältnis Mensch-Tier nicht immer spannungsbehaftet sein muss, zeigen beispielsweise die Arbeiten von Etta Gerdes. Ihre Fotografien zeigen Pferde in einer arkadischen Landschaft. Durch die Ausschnitte die sie wählt, scheint das Leben in der unendlichen Weite für die Tiere wie ein Paradies zu sein.

Auch auf eine ästhetische Weise geht Arno Schidlowski mit dem Thema „Mensch-Tier“ um, seine analogen Fotografien von Tieren sind überwiegend mit Restlicht gemacht und geben so ein schemenhaftes Bild von Tier und Landschaft.

Auch Yvonne Diefenbach arbeitet analog, aber ihre Arbeiten sind sogenannte Chemografien. Sie benutzt Fotopapier und Chemikalien, doch um ihre Bilder entstehen zu lassen, benutzt sie Stempel. Dadurch entstehen oft surreale Kompositionen, die durch die Chemikalien verändert wurden.

Dóra Zambó präsentiert Tiere aus Stoff ins Lebensgröße, die wie tot auf dem Boden liegen. Hier wird wieder auf die Extreme Kuscheltier und Nutztier hingewiesen. Ihre Stoffhühner sehen kuschelig aus wie Steiff-Tiere, sind aber durch ihre Position erkennbar „schlachtfertig“ aufgereiht.

Afke Golsteijn und Floris Bakker benutzen tierische Materialien, die sie vom Präparator bekommen. Ihre Objekte benutzen das Memento Mori- Motiv und zeigen die Beziehung von Tod und Leben. Beeindruckend ist vor allem ihr Objekt im ersten Stock des Künstlerhauses: Ein Kalb wird in einen Strudel von Kuhfellen gezogen. Es scheint sich verzweifelt zu wehren, kann aber dem Schicksal nicht entkommen.

Insgesamt sind elf Positionen von 14 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Mit dabei sind: Karin Brosa, Yvonne Diefenbach, Etta Gerdes, Afke Golsteijn/Floris Bakker, Dietmar Hippler, Anne-Louise Hoffmann, Hartmut Kiewert, Sebastian Meschenmoser, Arno Schidlowski, Martin G. Schmid und Dóra Zambó.

Das Künstlerhaus (Sunderweg 1) ist von Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr geöffnet.




Teppiche, die an Wänden hängen

Harry Fränkel, Tapisserie "Violett", 271 x 382 cm, 1965
Harry Fränkel, Tapisserie „Violett“, 271 x 382 cm, 1965

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt vom 29. November 2014 bis zum 22. März 2015 die Ausstellung „Textil. Bild. Kunst“ Wandteppiche aus der Textilkunst-Sammlung des MKK sowie Exponate aus verschiedenen Museen. Ein besonderes Highlight sind fünf Dortmunder Wandteppiche, die bis 2008 im Opernfoyer hingen.

Die Ausstellung beschäftigt sich thematisch mit dem textilem Wandbild nach 1945. Vor allem die 60er Jahre waren eine Blüte des Wandteppiches. „Beton und Stahl verlangten nach einem textilen Wandkleid. Sie dämpften den Schall und weckten ein warmes Gefühl“, erklärte Gisela Framke Projektleiterin und kommissarische Direktorin des MKK.

Von daher war es nicht verwunderlich, dass im Foyer des neueröffneten Opernhauses Wandteppiche aufgehängt wurden. Den Ideenwettbewerb gewannen Hubert Berke, Harry Fränkel und Elisabeth Kadow, die jeweils zwei Teppiche entwarfen. Die Herstellungskosten inklusive Künstlerhonorare kosteten die Stadt Dortmund 147.150 DM. Pünktlich zur Eröffnung 1966 zierten die Teppiche das Foyer. Gefertigt wurden die Teppiche in der Nürnberger Gobelin-Manufaktur, dessen Leiterin Irma Goecke war. Elisabeth Kadow war ihre Schülerin in einer Textilfachklasse.

Von den ursprünglich sechs Teppichen haben sich fünf erhalten und werden wieder der Öffentlichkeit präsentiert.

Eine weitere starke Tradition der Textilkunst war Frankreich mit dem Zentrum Aubusson. Hier war der der Maler Jean Lurçat maßgeblich beteiligt, der die Tapisseriekunst erneuerte. Auch von ihm sind Werke in der Ausstellung zu sehen.

Zu der Ausstellung gibt es Begleitprogramm mit Führungen und einem Programm für weiterführende Schulen. Hier können Klassen in einem Workshop mit Stoffresten ein Wandbild kreieren. Anmeldungen bitte unter info.mkk@stadtdo.de




Materialität der Architektur

Sebastian Freytag stellt im Dortmunder Kunstverein aus. (Foto: © Anja Cord).
Sebastian Freytag stellt im Dortmunder Kunstverein aus. (Foto: © Anja Cord).

Vom 22. November bis zum 25. Januar zeigt der Dortmunder Kunstverein die Ausstellung „Werkstein“ von Sebastian Freytag. Der Künstler benutzt die klassischen Werkstoffe der Architektur und formt sie neu um. Seine Arbeit umfassen nicht nur den Ausstellungsraum, sondern ragen auch in den innerstädtischen Raum hinein.

Eine moderne Stadt besteht aus Steinen unterschiedlicher Art. Im Laufe ihrer Geschichte ist ein Mix an unterschiedlichen Architekturen entstanden, die ihr Gesamtbild prägen. Das ist mit Dortmund nicht anders. Der mittelalterliche Sandstein, der Naturstein waren die Grundlage für Häuser, Kirchen und andere Gebäude.

Früher kamen die Materialien aus der Umgebung, nämlich aus den Dortmunder Steinbrüchen. Daher hat Freytag die Wände des Kunstvereins mit seiner Arbeit in einen Steinbruch verwandelt. Der Steinbruch an sich hat schon Maler früherer Zeiten inspiriert wie beispielsweise im

Werk von Paul Cezanne oder Max Slevogt. Obwohl noch gegenständlich, ist bereits der Beginn der Abstraktion in die Fläche deutlich zu erkennen.

Die Ausstellung wird flankiert von einem Parcours durch das Stadtgebiet sowie einer Arbeit im Steinbruch Oberste in Dortmund.




Tier und Mensch in der zeitgenössischen Kunst

Pablo Picasso Le crapaud, 1949 Lithografie auf Büttenpapier 49,5 x 65,5 cm Museum Ostwall © VG Bild-Kunst, Bonn 2014,  Foto: Jürgen Spiler
Pablo Picasso, Le crapaud, 1949, Lithografie auf Büttenpapier, 49,5 x 65,5 cm,Museum Ostwall,© VG Bild-Kunst, Bonn 2014, Foto: Jürgen Spiler

Das Genre Tiermalerei ist nicht jung. Wenn wir die Höhlenmalereien dazu zählen, kommen wir auf eine Geschichte von 30.000 Jahren. Doch in der Ausstellung „Arche Noah – Über Tier und Mensch in der Kunst“ im Museum Ostwall im Dortmunder U geht es trotz des biblischen Titels um die Auseinandersetzung mit dem Tier von der Moderne wie Macke bis zur zeitgenössischen Kunst. Die Ausstellung ist bereits eröffnet und geht bis zum 12. April 2015.

„Die Ausstellung ist etwas für Kunst- und Tierfreunde“, erklärte Museumsdirektor Kurt Wettengl. Die Spannbreite der Themen reicht von idyllischen Betrachtungen bis hin zu ethischen Fragen wie: Was tun wir dem Tier an? Wie gehen wir mit Tieren um? Naturzerstörung, wissenschaftliche Forschung und das Ausstellen von Tieren wurde von Künstlerinnen und Künstlern thematisiert und in dieser Ausstellung gezeigt. Natürlich spielt auch die Rolle des Tieres als Nutztier oder konkret als Schlachttier eine Rolle in der Ausstellung. Besonders eindrucksvoll hat dies Jörg Knoefel in seiner Installation „Schlachthaus Berlin“ (1986/88) gemacht. In diesem Labyrinth gibt es nur einen Weg. An den Wänden hängen Fotos aus dem Berliner Schlachthaus, das zeigt, welches Schicksal den Tieren am Ende des Weges erwartet.

Das gleiche Thema bearbeitet Deborah Sengl in ihrer „Vita Dolorosa“ (2012). Der Leidensweg des Tieres wird mit dem Leidensweg Christi auf den Kreuzwegstationen gleichgesetzt. Statt Jesus Christus erscheint auf den Bildern ein Huhn. Der Abschluss bildet ein gekreuzigtes Huhn mit der Aufschrift KFC statt INRI.

Für die Ausstellung „Arche Noah“ wurden viele Kunstwerke von außerhalb ausgeliehen. „Rund ein Drittel stammt aus unserer Sammlung, der Rest kommt aus Museen in Deutschland“, so Wettengl. Ebenfalls entstanden für die Ausstellung ortsbezogene Projekten. Während Mark Dion die abenteuerliche Installation The Dark Museum mit Objekten des Museums für Naturkunde Dortmund schuf, beschäftigte sich die Dortmunder Künstlerin Anett Frontzek mit der Tierwelt am Dortmunder Phoenix-See. Die Künstlergruppe finger konzipierte das Frankfurter Bienenhaus und ermöglichte so die Einbeziehung lebender Tiere in das Ausstellungsprojekt. Im Zoo Dortmund sind neben den dort lebenden Tieren, Tierplastiken von Bernhard Hoetger aus der Sammlung des Museums Ostwall zu sehen.

Die bunte künstlerische Sicht auf das Verhältnis von Mensch und Tier findet sich auch in der vorliegenden Publikation und ihrer Anmutung zwischen Kunst- und Tiermagazin wieder. Der Katalog enthält Beiträge von Dr. Frank Brandstätter, Direktor des Zoos Dortmund; Dr. Dr. Elke Möllmann und dem Biowissenschaftler Dr. Oliver Adrian, beide Museum für Naturkunde Dortmund; der freien Journalistin und Buchautorin Hilal Sezgin und dem Biologen, Stadtökologen und Buchautor Bernhard Kegel. Während Bernhard Kegel über das Verhältnis von Mensch und Tier in Städten nachdenkt, wirft Hilal Sezgin tierethische Fragen auf. Beide Themen ziehen sich wie ein roter Faden auch durch die Ausstellung.

Die Beiträge der Kuratoren Katja Knicker und Kurt Wettengl stellen die Themen der Ausstellung und einzelne Werke vor.

Arche Noah Spezial und die Kleine Arche bieten Unterhaltung für Erwachsene (Kreuzworträtsel, Rezepte, Literaturtipps) und Kinder (Tiermaske zum Ausschneiden etc.).
Katalog: 144 Seiten, Farbe. Preis: 12 Euro an der Museumskasse.




Photographie im Raum

Noch bis zum 06. Dezember zeigt der Projektraum Fotografie in der Huckarder Straße die Ausstellung „Building Pictures“ mit Arbeiten von Oliver Boberg, Christine Erhard, Tamara Lorenz und Christian Rätsch.

Fotografie ist im Allgemeinen zwei dimensional. Durch geschickte Wahl der Perspektive oder durch bildhauerische Ideen kann ein räumlicher Effekt erzeugt werden. Die vier Künstlerinnen und Künstler spielen mit diesen Möglichkeiten und erlauben uns einen einen Einblick in räumliche Dimension.

Bei den Bildern von Tamara Lorenz kann der Betrachter durchaus auf die Idee kommen, dass Kandinsky, der Maler des russischen Konstruktivismus Pate gestanden haben muss, denn die geometrischen Formen, die Holzstäbe und die Schatten bilden eine eigene Komposition.

Christine Erhard arbeitet mit dem Kamerastandpunkt, um den Raum in Szene zu setzen. in ihrem Fall die Fakultät für Architektur und Urbanistik. ihre Bilder bearbeitet Erhard durch Falzen und Knicken, bis eine eigene Komposition entstanden ist.

Christian Rätsch konstruiert schwerelose Installationen, die er dann fotografiert. Durch die Möglichkeit bei der Fotografie eine bestimmte Perspektive zu wählen, kann Rätsch störende Elemente aus seinem Bild fernhalte . so bleibt dem Betrachter nur das Staunen über seine Installationen.

Oliver Boberg baut in seinem Atelier Miniaturmodelle für die Fotografie. Der Raum als Modell. So spielt der Fotograf mit uns, denn auf den ersten Blick scheint der fotografierte Raum real zu sein, erst mit dem genauen Hinsehen erkennt der Betrachter, dass es sich um ein Modell handeln muss.

Öffnungszeiten donnerstags , 16 bis 20 Uhr.

Projektraum Fotografie
Huckarder Straße 8-12
44147 Dortmund