Humanismus auf Augenhöhe

"Doc" Martin Müller bei der Arbeit. (Foto: © Andreas Hub)
„Doc“ Martin Müller bei der Arbeit. (Foto: © Andreas Hub)

Sicher, es gibt Götter in Weiß. Aber es gibt auch Ärzte wie Martin Müller. Von 2008 bis 2014 leistete der Arzt „Doc“ Müller in der Nordstadt Hilfe: kostenlos, ohne Ansehen der Person und ohne Wertung. Auf Augenhöhe mit seinen Patienten. Nach drei Jahren Tätigkeit kam er auf die Idee seine Patienten mit deren Einverständnis zu fotografieren. Gegen Ende kam noch Reportagefotograf Andreas Hub hinzu, der mit seinen Farbfotos die schwarz-weißen Werke von Müller ergänzte und der Texte schrieb. Bis zum 23. August 2015 ist die Fotoausstellung „Martin Müller: Auf Augenhöhe – Andreas Hub: Hier geht´s zum Doc“ mit über 75 Bildern im Kulturort Depot zu sehen.

Hinter jedem Bild steckt eine Geschichte. Eine gute oder schlechte. Meistens bricht sie irgendwann abrupt ab wie bei dem jungen Rumänen, der kein Deutsch sprach und im Winter nur mit T-Shirt und Jeans bekleidet in Dortmund auftauchte. Er arbeitete wahrscheinlich als Stricher. Andreas Hub über ihn: „ Der Junge träumte davon, Model zu werden. Er hat mir in seinem Smartphone immer irgendwelche Modelagenturen in Paris gezeigt, ob ich die kennen würde, ich wäre doch Fotograf. Er tauchte mehrere Wochenlang immer auf und plötzlich war der von einem auf den anderen Tag verschwunden.“ Ging die Geschichte gut aus? Niemand weiß es. Doch das Leben auf der Straße ist hart. Müller: „Von den 44 Personen auf den Schwarzweiß-Portraits sind mindestens sieben schon unter der Erde.“ Doch es gibt auch positive Beispiele vom Menschen, die sich wieder gefangen haben.

Wie kommt es eigentlich dazu, dass in Deutschland mehr als 100.000 Menschen leben, die keine Krankenversicherung haben? Müller dazu: „80% der deutschen Klientel bekam Hartz IV. Kommt man seinen Pflichten gegenüber dem Amt nicht nach, geht es ratz-fatz und man ist draußen. Wenn man dann nicht alles im Griff hat, dann passiert das nochmal so schnell. Wenn der Leistungsbezug endet, endet auch der Krankenversicherungsschutz. Mit einer gewissen Anstrengung ist das umkehrbar, aber alleine haben es viele nicht geschafft.“

An zehn Orten in der Dortmunder Nordstadt behandelte Müller seine Patienten: im Café Berta, in der Beratungsstelle für Wohnungslose, in der Methadon-Ambulanz, im Nordmarkt-Kiosk, in der Suppenküche, der Männerübernachtungsstelle Unionstraße oder im Streetwork-Café Leopoldstraße.„Es gab wenig Vorbehalte, Fotografiert zu werden“, erinnert er sich. „ Ich habe auch erst, nachdem ich drei Jahre in Arbeit war, angefangen zu fotografieren. Ich wollte sie besser im Gedächtnis haben, vielleicht habe ich unbewusst im Hinterkopf schon die Idee gehabt, da könnte man vielleicht etwas daraus machen.“

Andreas Hub kam hinzu, nachdem er eine Reportage über den Arzt in der Zeitung gelesen hatte. Er begleitete „Doc“ Müller im letzten Jahr vor dessen Ruhestand. Die Reportage wurde in der TAZ und im Straßenmagazin BODO veröffentlicht und ins „Pixelprojekt_Ruhrgebiet“ aufgenommen. Aber um sie in der Öffentlichkeit wie im Depot zu zeigen, braucht man Geld. „Ich habe Sponsoren gesucht, denn so eine Ausstellung ist natürlich wahnsinnig teuer und dann bin ich an die Zukunftsstiftung Bildung der GLS-Bank in Bochum gegangen und die waren von dem Konzept so begeistert, dass sie die gesamte Ausstellung gesponsert haben.

Auch wenn viele Bilder vielleicht einen anderen Eindruck machen. Es war wohl nicht ganz so trist. „Es gab auch manchmal Augenblicke, wo es lustig war und wo man gelacht hat“, erinnert sich Hub. „Die gab es öfter. Sonst hätte ich das nie ausgehalten“, ergänzt Müller.




Abstrakte Landschaftsmalerei im Kunstraum

Refika Düx zeigt ihre neuesten Werk im Kunstraum in Jankas Lokal.
Refika Düx zeigt ihre neuesten Werke im Kunstraum in Jankas Lokal.

In einem besonderen Ambiente präsentiert die Künstlerin Refika Düx ihre Bilder vom 15. August bis zum 15. November 2015: Der Kunstraum im Jankas Lokal im Langen August ist der Ort, an dem ihre pastöse Farbfeldmalerei gezeigt werden.

Die junge Künstlerin, die in Enschede und in Münster studiert hat, malt ihre ungewöhnlichen Landschaftsbilder in Öl, benutzt aber auch japanische Tusche sowie Papierfetzen, die weniger collagenhaften Charakter haben, sondern als Farbfläche dienen.

Die Landschaftsbilder sind nicht nur durch ihre stark abstrahierte Bildsprache ungewöhnlich, Düx benutzt vorwiegend das Hochformat. Ein Forma, was selten bei Landschaftsbildern benutzt wird. Doch für Düx ideal, „denn so kann ich am besten malen“.

Die Künstlerin achtet in ihren Bildern sehr stark auf die Farbkomposition und ein ausgewogenes Farbspiel. Wichtig ist ihr dabei ein positives Gefühl. „Es muss fröhlich sein“, so Düx über die Farben, die sie in ihren Bildern verwendet.

Die meisten ihrer Bilder stammen aus dem Jahre 2015. Düx malt ihre Bilder zwar nicht seriell, aber arbeitet ständig an mehreren parallel.

Kunstraum Dortmund

Jankas Lokal

im Kulturverein Langer August

Braunschweiger Str.22

44145 Dortmund

0231 / 84 04 606

www.jankas-lokal.de/kunstraum.html

Öffnungszeiten:

Dienstag – Samstag

18.00 bis 23.00 Uhr




Enthüllt die Kunst!

Erst den "Wasserfall" beseite schieben, dann... (Foto: © Anke Droste)
Erst den „Wasserfall“ beiseite schieben, dann… (Foto: © Anke Droste)

Bilder in einer Galerie oder in einem Museum hängen normalerweise frei und für jeden sichtbar. Doch die Ausstellung „enter“ in der Galerie „der kunstbetrieb“ auf der Gneisenaustraße 30, verhüllt die Werke. An die Besucher geht die Aufforderung: „erntert“ die Arbeiten, schaut hinter Vorhängen und Kästen und entdeckt die Kunst.

Es hat schon ein etwas von Geburtstag oder Weihnachten. Die Geschenke sind da, man muss sie nur noch auspacken. Die Werke die in der Ausstellung gezeigt werden, sind ähnlich wie Geschenke verhüllt oder verschlossen und der Besucher muss aktiv werden, um sie zu sehen.

Am Anfang der Planungen zur Ausstellung stand die Frage „Was ist mit den Bildern, wenn niemand in der Galerie ist?“, so Galeriebesitzerin Sabine Spieckermann. Daraus entstand die Idee zu „enter“.

Die Exponate stammen von Künstlerinnen und Künstlern die schon Ausstellungen im „kunstbetrieb“ hatten oder noch haben werden. „Die Künstler haben gut auf die Idee angesprochen“, freut sich Spieckermann. Aus den „Verpackungen“ ist beinahe ein eigenes Kunstwerk geworden. Sehr schön gelungen ist beispielsweise „August“ von Anne Jannick, die vor ihrem Seebild eine Art Wasserfall aus Plastikverpackung geschaffen hat. Der Betrachter muss also durch diesen „Wasserfall“ hindurch, um einem Blick auf den gemalten See werfen zu können.

Eine Symbiose von Verpackung und Kunstwerk schafft auch Almut Rybarsch-Tarry, die ihre Plastik „Past Beauty“ in einen Schrein platziert und das Gesamtwerk „Shrine for past beauty“ nennt. Um Kirians „Blick aus dem Fenster“ in seiner ganzen Pracht zu sehen, muss man erst einen Bretterverschlag fest haken.

Wer den Mut hat, ein Vorspiel für alle Arbeiten zu vollziehen, wird mit Installationen, Malerei, Grafik, Fotografie, Objektkunst und Skulpturen belohnt. Zum Entern ihrer Kunst fordern auf: Anke Droste, M.T. Ghorbanali, Anne Jannick, Kirian, Thomas Paul, Klaus Pfeiffer, Sylvia Reuße, Almut Rybarsch-Tarry, Mathes Schweinberger, Udo Unkel, Laura Velasco, Vanessa von Wendt und A. A. Wojtczak.

Die Ausstellung dauert vom 15.8. bis zum 29.8.15.

Die Vernissage findet am 15.8.15 um 18.00 Uhr statt.

Der Kunstbetrieb

Gneisenaustr. 30

44147 Dortmund
info@derkunstbetrieb.de

www.derkunstbetrieb.de

erkennt man das Bild "August" von Anne Jannick. (Foto: © Anke Droste)
erkennt man das Bild „August“ von Anne Jannick. (Foto: © Anke Droste)




Mit einander umgehen

boxes
Sandra Wiesner (links) und Susanne Schütz treten mit den Besuchern in eine stille Interaktion.

Die Performance „Boxes“ des Künstlerduos „Echonea“, bestehend aus Susanne Schütz und Sandra Wiesner, sucht am 08. August 2015 um 19 Uhr im Depot in der Dortmunder Nordstadt das Positive in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Zwei Stunden lang haben die Besucher die Gelegenheit durch fünf verschiedene Boxen einen anderen Blick auf die Mitmenschen zu bekommen.

Zuerst wird es schlimm. Denn die erste Box zeigt ein Video von einigen Minuten Länge. Hier wird das Schlechte im Menschen präsentiert. „Von der Schulhofschlägerei bis hin zur Folter im Nahen Osten wird gezeigt, wozu der Mensch fähig ist“, so Wiesner. Nach diesem Tiefschlag kann die Katharsis beginnen. Denn in der zweiten Box kann der Besucher auf die Fragen „Welche guten Eigenschaften besitzt der Mensch?“ versuchen eine Antwort zu finden.

Die Box Nummer 3 und 4 sind besondere Stationen: Denn in Box 3 wird Susanne Schütz den Besucher auffordern, für die Dauer von drei Minuten Blickkontakt zu halten. Dabei wird nicht gesprochen. In Box 4 wird der Kontakt intensiviert. Denn bei Sandra Wiesners Box soll der Besucher mit der Künstlerin nonverbalen Körperkontakt halten. Sei es per Händedruck, sei es per Umarmung.

In der fünften Box, der „Ruhe-Box“, kann der Besucher ein wenig reflektieren. Hier sind wiederum Karten mit Fragen vorhanden wie „Was macht dich glücklich?“. Die Antworten der Karten werden am Ende der Performance von den Künstlerinnen vorgelesen.

Die Boxen 2 bis 5 werden doppelt vorhanden sein, auch die beiden persönlichen Boxen. Zwei „Aushilfskräfte“, unter anderem der Dortmunder Künstler Garrett Williams, werden Schütz und Wiesner unterstützen.

Somit sollen rund 100 Leute innerhalb der zwei Stunden durch die Performance geführt werden, deren Absolvieren rund 15 Minuten dauert. Ein Gong soll anzeigen, wenn die drei Minuten pro Box um sind.

„Es wird eine Herausforderung sein, ruhig zu bleiben“, so Schütz über die zwei Stunden in der Box. „Wir brauchen Stärke, zumal wir auch mit Emotionen rechnen müssen, was aber auch eine gute Sache ist.“

Nach der Performance gibt es eine Aftershowparty mit DJ und Getränken.




Dem Konsum Altar opfern oder abdanken?

Der Konsum Altar von NEDE wurde am 31. Juli 2015 mit einer Zeremonie feierlich eingeweiht.
Der Konsum Altar von NEDE wurde am 31. Juli 2015 mit einer Zeremonie feierlich eingeweiht.

Zu einem Konsumtempel gehört eigentlich auch ein Konsumaltar, doch in den Warenhäusern ist für so etwas scheinbar kein Platz. Die Galerie 103 präsentiert nun den „Konsum Altar“ des Darmstädter Künstlers Peter Debusi alias NEDE. Der Altar besteht aus Verpackungsmüll und symbolisiert so unsere Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft. Zu sehen ist Altar neben anderen Arbeiten bis zum 28. August.

Seit ungefähr drei Jahren beschäftigt sich Debusi mit dem Überbleibseln unserer Konsumgesellschaft. Wenn wir so viele Konsumtempel haben, brauchen wir auch einen Konsum-Altar. „Es geht darum, dass man heutzutage die falschen Götter anbetet. Es wird der Konsum gepredigt“, so Debusi. „Wir versuchen nicht nur unsere materiellen Bedürfnisse zu stillen, sondern auch unsere Gefühle und zwischenmenschlichen Beziehungen. Wer keine Marke trägt, gehört nicht mehr dazu.“ Doch wem das alles vielleicht zu religiös ist, wird vom Künstler beruhigt: „Die religiöse Konnotation soll nicht ganz ernst genommen werden“.

Ich konsumiere, also bin ich. Und um zu beweisen, dass man existiert, gibt es „Selfies“. Die sind zwar kein ganz neues Phänomen. Schon als die Fotografie noch ein ganz junges Medium war, wurden die ersten Selfies geschossen. NEDE setzt sich mit Selfies kritisch auseinander. Sein siebenteiliger Kreuzweg zeigt Gesichter, die sich hinter Masken aus Verpackungsmüll verbergen. Auf den ersten Blick erinnern diese Bilder an Fotos von mexikanischen Wrestlern beim „Lucha Libre“.

Wie kam der Künstler zum Abfall? Debusi: „Es ergibt sich meist aus der Arbeit heraus. Andere Arbeiten sind so konstruiert, dass man speziell den Müll dafür sammelt und sortiert. In diesem Fall war es doch eher so, dass der Zufall entscheidet, da man nie so genau weiß, was passiert, wenn man in eine andere Stadt kommt. Es gehört zum Konzept, dass man überrascht wird.“

Der Müll unterschiedet sich nicht sehr regional, sondern eher nach Gesellschaftsschicht, hat Debusi festgestellt: „Wir reden zunächst von günstigen Marken wie „Ja“ usw., der nächste Level sind die Qualitätsmarken, die man nicht bei Lidl oder Aldi bekommt und darüber gibt es noch die Premiummarken, das ist eigentlich was sich unterscheidet von Region zu Region.“

Bis zum 28. August kann Nachbarn und Besucher der Galerie 103 noch dem Konsum huldigen oder abdanken durch das Darbringen eigener Opfergaben auf dem “Konsum Altar”.




Blick zurück auf das Internet der 90er Jahre

"Under construction" - im Aufbau. Manche Seiten sind über den "Aufbau-Status" nicht hinausgekommen.
„Under construction“ – im Aufbau. Manche Seiten sind über den „Aufbau-Status“ nicht hinausgekommen.

Ist Ihnen „Geocities“ noch ein Begriff? Wenn ja, erinnern sie sich sicher an chaotisch blinkende Home- oder Fanpages mit vielen „animated gifs“, quäkender Midisound aus den Boxen und „under construction“-Grafiken in unterschiedlichen Formen. Der Hartware Medienkunstverein im Dortmunder U erinnert in seiner Ausstellung „Digitale Folklore“ vom 25. Juli bis zum 27. September an die ersten Gehversuche der breiten Masse im Internet ohne ausgefeiltes Webdesign und Suchmaschinenoptimierung.

Was heute „Facebook“ ist, war in den 90er Jahren „Geocities“. Der Dienst stellte ab 1993 (gegen Werbeeinblendungen) ein wenig Speicherplatz zur Verfügung sowie einen Webbaukasten, damit die Nutzer sofort anfangen konnten, ihre Internetpräsenz zu bauen. Um den Stadtcharakter des Dienstes ein wenig zu betonen, konnten die Nutzer wählen, in welches „Stadtviertel“ sie gehen möchten. Auf dem Höhepunkt des Erfolges kaufte „Yahoo“ den Dienst 1999 für etwa 3,5 Milliarden Dollar. Doch nach dem Platzen der Dotcom-Blase ging es bergab. 2009 wurde „Geocities“, bis auf die japanische Version, gelöscht.

Doch das Archiv-Projekt „One Terabyte of Kilobyte Age“ konnte noch kapp 400.000 Geocities-Homepages vor dem digitalen Auslöschen bewahren. Die beiden Kuratoren Olia Lialina und Dragan Espenschied haben sich durch die Unmengen an Daten gewühlt und besondere „Folklore“ entdeckt und für die Ausstellung aufbereitet.

So gibt es Elemente, die häufiger auf den Homepages auftauchen. Beispielsweise ein kleines blaues Flugzeug, das über die Homepage fliegt und „Welcome“ in wolkigen Buchstaben schreibt. Ein eher negatives Element ist der „Peeman“, mit dem die Nutzer ihren Unwillen gegenüber einer Person, einem Unternehmen oder einem Sportverein zeigen konnten. Der „Peeman“ pinkelte als animierte Grafik dann auf ein Foto oder ein Symbol.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und die eigene Internetpräsenz meist auch nicht. Was tun, wenn Inhalte erst später hinzugefügt wurden? Entweder man schrieb (möglichst groß): „Hier entsteht die Webpräsenz von XY“, aber noch beliebter waren Baustellenschilder in allen Variationen, zumeist mit einem emsig arbeiteten Bauarbeiter und der Nachricht „Under construction“.

Nach „Jetzt helfe ich mir selbst“ beschäftigt sich der HMKV nun zum zweiten Mal mit der Netzkultur. Standen bei der ersten Ausstellung die selbst gedrehten Tutorials auf Youtube im Mittelpunkt, geht es hier um die erste größere Massenbewegung im Netz, als es nicht nur für Computerexperten möglich war, sich im Internet bekannt zu machen. Aus der heutigen Sicht erinnern manche dieser Homepages aus den 90ern mit ihren blinkenden und drehenden Grafiken eher an Geldspielautomaten, aber sie waren ein Ausdruck amateurhafter und fast schon anarchischer Liebe an Gestaltung.

Schön wäre es noch gewesen, wenn ein Webbaukasten von „Geocitites“ auf einigen Rechnern installiert wäre, denn dann hätten die Besucher selber etwas kreieren können in Stil der 90er.

Wer den Trip in die digitale Vergangenheit wagen möchte, der kann dies von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr und Donnerstag und Freitag von 11 bis 20 Uhr tun. Der Eintritt ist frei.

Ein kleines Video, das eine mit Animationen überladene Seite zeigt (auch wenn es wohl eine künstlerische Bearbeitung ist).




Kleine Dinge ganz nah

"Versponnen - vernetzt" von Michael Jaspert besteht aus 625 einzelnen Klötzen.
„Versponnen – vernetzt“ von Michael Jaspert besteht aus 625 einzelnen Klötzen.

Die Ausstellung „Ganz nah dran!“ in der Galerie Dieter Fischer im Depot (Immermannstraße 29) zeigt vom 24.07. bis zum 23. 08. 2015 Werke der beiden Künstler Michael Jaspert und Andreas Knäbel. Beide Künstler präsentieren altbekannte Dinge in neuen Ansichten und Perspektiven.

Die wohl zentrale Arbeit von Michael Jaspert aus Dortmund liegt auf dem Boden und besteht aus 625 einzelnen Buchenholzklötzchen unterschiedlicher Höhe. Erst wenn der Betrachter von oben auf das Kunstwerk schaut, erkennt er die Bedeutung: Eine Spinne in ihrem Netz. Daher lautet auch der Titel „Versponnen-vernetzt“. Jaspert zu seiner Faszination für Spinnen und Insekten: „Ich möchte zeigen, was in der Natur und beim Menschen für Verbindungen und Ähnlichkeiten herrschen. Die Spinne braucht ein Netz zum Überleben und um Futter zu fangen. Der Mensch braucht Netzwerke heutzutage ebenfalls: Stromnetze, Computernetzwerke und soziale Netzwerke.“

Daneben zeigt Jaspert auch einige Makrofotografien von Spinnen und Insekten. Die Nahaufnahmen könnten für einige Menschen, die Angst vor Spinnen haben, eventuell Furcht einflößend sein. „Ich habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht“, so der Künstler. „Es gibt Leute, die sagen: So kann ich mir die mal angucken ohne Angst zu haben, die können mir nichts tun. Es gibt andere Leute, die schmeißen sich gleich in die Ecke, weil sie Spinnen nicht sehen können.“

Zudem präsentiert Jaspert auch einige Radierungen. „Irgendwann habe ich mal die Idee gehabt, alte Techniken wie den Kupferstich mit moderner Fototechnik zu verbinden. Das Motiv wird nicht mit einer Nadel auf die Platte gestochen, sondern mittels Fototechnik.“ Die Auflage seiner Radierungen beträgt maximal 10 Stück pro Motiv.

Ein ganz anderen Bezug zum Titel der Ausstellung hat der Berliner Künstler Andreas Knäbel, denn er versucht in seinen Werken politisch und inhaltlich „Ganz nah dran“ zu sein. In seinen Collagen benutzte er den vor einigen Jahren herausgegebenen Warenkatalog des Kaufhauses KADEWE zum 100jährigen Jubiläum. „Den habe ich in die Hände bekommen und fand die Aufnahmen von diesen aufgetakelten und geschniegelten Kindern in Anzügen und Lackschuhen. Ich musste irgendetwas dazu machen. Ich wollte es nicht komplett zerstören, aber ich musste etwas anderes machen und habe die Aufnahmen dann konterkariert mit Zeitungsanzeigen aus Illustrierten aus meinem Geburtsjahr 1961. Dann entstehen halt ganz neue Bezüge. Jeder kann sich einen neuen Weg dazu suchen: Was passiert denn da“, erzählt Knäbel.

In den älteren ausgestellten Arbeiten benutzt Knäbel Bildmaterial aus früheren Zeiten. Vorzugsweise sind es Abbildungen aus alten Lexikas, Warenhaus- oder Spielzeugkatalogen, die von ihrer Strichzeichenoptik ein wenig an den Cartoonisten Christian Groß (kriki) erinnern, der ebenfalls diese Abbildungen benutzt. „Die Motive stelle ich neu zusammen und mach daraus was Neues. Mein Ausgangspunkt ist, erst einmal malerisch die Grundfläche zu schaffen und dann schaue ich, welche Motive dazu passen, was will dahin. Es findet sich immer irgendwie. Wenn es sich nicht findet, kann man es eigentlich wegwerfen.“

Die Vernissage ist am 24. Juni von 19 bis 21 Uhr. Die Finissage am 23. August von 15 bis 18 Uhr mit Künstlergespräch.

Die Öffnungszeiten der Galerie Dieter Fischer: Donnerstag, Samstag und Sonntag von 17 bis 20 Uhr.




Fantasiereise nach Bilderbü

So sieht eines der Fahrzeug in Groß aus. Fotografiert bei den Herstellungsarbeiten.
So sieht eines der Fahrzeug in Groß aus. Fotografiert bei den Herstellungsarbeiten.

Vom 05. bis 26. Juli 2015 zeigt das Torhaus Rombergpark die Ausstellung „Auf nach Bilderbü“ von Claudia Terlunen, Sabine Held und Silvia Liebig. Ihre imposanten Fahrzeuge aus Pappe laden die Besucher auf eine fantasievolle Reise ein.

Der Titel „Auf nach Bilderbü“ erinnert sofort an die Kinderbücher „Wir Kinder aus Bullerbü“ von Astrid Lindgren. Hier skizziert die schwedische Autorin eine fast schon naiv-romantische Sicht von Gesellschaft und Natur.

In diese zivilisationsferne und glückliche Gesellschaft gelangt man mit den Fahrwerken, die aus Pappe, Karton und anderen zerbrechlichen Materialien konstruiert wurden. Sie sind größer als ein Modell und erreichen imposante Ausmaße.

Doch fahrtüchtig sind sie nicht. Sie sind genauso weit von der Funktionalität entfernt wie „Bullerbü“ von der Realität. Daher sind die Fahrzeuge nur in der Fantasie benutzbar wie eben Bullerbu nur als Utopie existiert.

Ebenfalls am 05. Juli 2015 wird ein besonderer Kunstrundgang im Rombergpark eröffnet: „De la Somme au Ruisseau Rouge“ 19 Künstler aus Amiens und Dortmund präsentieren zusammen 44 Werke. Statt in einer Galerie können Sie die wetterfesten Farbdrucke auf einem ca. 1 km langen Rundweg vom Roten Bach zur Lindenallee bewundern.

Eröffnung der Ausstellung:

Sonntag, 05. Juli 2015, 11.00 Uhr

Öffnungszeiten:

dienstags bis samstags: 14.00 – 18.00 Uhr

sonn- und feiertags: 10.00 – 18.00 Uhr

Eintritt frei




Künstlerische Vorstellung in der Nordstadt

Was tun, wenn man als Künstler in der Nordstadt neu ist? Man stellt sich vor, am besten durch eine Ausstellung. Das haben Susanne Schütz und Viktor Sternemann getan und präsentieren ihre Portraits im 103, einem ehemaligen Ladenlokal an der Oesterholzstraße 103.

Schütz hat im Depot ihr Atelier, während Sternemann in der Nähe des Borsigplatzes arbeitet. Beide stellen das menschliche Portrait in den Mittelpunkt. Schütz arbeitet sehr realistisch, während Sternemann eher expressiv und skizzenhaft malt.

Beide haben sich gegenseitig in ihrem Stil gemalt, was einen künstlerischen Vergleich möglich macht.

Die Ausstellung läuft nach bis zum 24. Juli 2015. Die Öffnungszeiten des Lokals „103“ sind werktags von 14 bis 18 Uhr.




Verbindungen in Gegensätzen

verbindungen
Auch eine Verbindung: Joep Struyk (links) und Walter Hellenthal kennen sich seit mehreren Jahren.

Eine Ausstellung mit zwei Bildhauern. Da erwartet der Besucher Skulpturen und Installationen, doch in der Ausstellung „Connection“ vom 19. Juni bis 19. Juli 2015 in der Galerie Dieter Fischer im Depot sind auch zweidimensionale Arbeiten zu sehen: Walter Hellenthal präsentiert Arbeiten auf Papier. Joep Struyk hingegen präsentiert seien Skulpturen.

Hellenthal präsentiert in der Ausstellung Arbeiten aus seinen Werkzyklen „Gebärde der Natur“, „Vom Ursprung“ und „Befindlichkeiten“. Der Künstler sucht die Verbindungen zwischen organisch und anorganisch, streng geometrisch und willkürlich natürlich. Diese Polarität ist das Kernmerkmal seiner ausgestellten Arbeiten. Auch wenn die Zeichnungen keine Vorbilder für Skulpturen sind, ist dieser Antagonismus in seinen späteren dreidimensionalen Werke wieder erkennbar. Beispielsweise wenn ein Teil einer Skulptur aus Eisenmineralien (quasi dem Naturprodukt) besteht, der andere Teil aus dem Endprodukt Stahl.

Der niederländische Bildhauer Struyk besinnt sich in seinen Arbeiten auf eine alte italienische Sage, die die Entstehung des weißen Marmors in Carrara behandelt: Er ist eine Träne Gottes. Daher trägt seine Serie den lateinischen Namen „Lacrima“, Tränen. Seine Tränen thematisieren die Verletzlichkeit des jungen Lebens („Il semenzale“, Der Keim), aber auch die Umweltzerstörung durch den Abbau des Marmors. Besonders spannend ist ein Werk mit dem Namen „Senza peso“: Hier befindet sich die Träne geschützt in einem Tabernakel. Der Besucher muss, um sie zu sehen, erst die Tür öffnen. Auffällig ist „La lacrima negra“, die schwarze Träne, die auf einer Art Holzscheit steht. Ist sie das „schwarze Schaf“ unter den Tränen oder steht sie als Symbol für Dinge wie Hexenverbrennungen?

Die Vernissage ist am 19. Juni 2015 von 19 bis 22 Uhr.

Öffnungszeiten der Galerie Dieter Fischer sind donnerstags von 17 bis 20 Uhr und nach Vereinabrung.

Galerie Dieter Fischer

Immermannstraße 29

44147 Dortmund

www.galerie-dieter-fischer.de