Die Galerie in der Oesterholzstraße 103 zeigt unter dem Titel „1000 Fenster“ vom 11. September bis 09. Oktober 2015 zehn Bilder von Kai Eickler. Zu den Besonderheiten dieser Bilder gehört ihr ausgeprägter Detailreichtum. In der Ausstellung soll ein Gemeinschaftsbild entstehen. Eickler malt ein Haus und lädt Besucher ein dort zu wohnen. Man muss nur ein Foto (2×3 cm) mitbringen.
Ein Jahr lang malt Eickler an einem Bild. Denn er leidet an einer Nervenkrankheit und sitzt im Rollstuhl. Laufen kann er nicht mehr, aber er kann noch malen. Und das mit beeindruckender Präzision und Liebe zum Detail. Zu seinen Lieblingsmotiven gehört neben der Stadt Dortmund und dem Westfalenstadion die Stadt New York mit ihrer Architektur und der Skyline im Mittelpunkt.
Die Anschläge vom 11. September 2001 haben den New York-Fan schockiert. In seinen Bildern tauchen die Türme daher immer wieder auf, in den Anfangsjahren sogar mit surrealistisch anmutenden Farbspiel.
Eickler hat sich in den letzten Jahren immer stärker von Farbbildern gelöst und malt seine Acrylbilder überwiegend in Schwarz-Weiß, setzt aber hin und wieder einzelne Farbtupfer wie beispielsweise eine amerikanische Flagge oder das typische Geld der Pylonen des Westfalenstadions.
Einen besonders starken Effekt hat die schwarz-weiß Malerei des Künstlers in seinem Bild von Köln aus dem Jahre 2011. Aus etwas weiterer Entfernung sieht das Bild aus wie eine Zeichnung oder ein Druck und besticht durch sein Wechselspiel von Licht und Schatten.
Wer also zu Eicklers Hausbewohnern gehören möchte, der schickt ein Foto (2×3 cm) seines beleuchteten Fensters an info@borsig11.de
Fragil und Vergänglich
Das „Green Monster“ von Udo Unkel.
Die Galerie „der kunstbetrieb“ zeigt vom 05. September bis zum 03. Oktober 2015 die Ausstellung „Menschenfreund“ mit Werken von Udo Unkel. Im Mittelpunkt stehen seine Figuren aus Stahlblech und die „Monster“. Daneben zeigt er Videos und weitere Objekte. Zur Museumsnacht ist eine besondere Aktion mit dem Künstler geplant.
Zart und fragil, so wirken die Figuren, obwohl sie aus dem harten Material Stahl sind. Angefangen hat er mit vollen Figuren, doch „ich konnte das, was ich ausdrücken wollte, damit nicht erreichen“, stellte Unkel irgendwann fest und arbeitet seit drei Jahren mit seinen Figuren. Dass sie sehr zerbrechlich sein können, musste Unkel beim Pressegespräch feststellen, als er seine Figur „Kapitän“ vom Luftballon stieß. Die Figur zerbrach in mehrere Teile und muss von Künstler wieder neu geschweißt werden.
Diese Vergänglichkeit steht im Mittelpunkt seiner Figuren. Sie wirken extrem verletzlich, wie von Motten zerfressen oder dem Verfall preisgegeben. Dennoch behalten sie alle immer ihre innere Würde. Die Figuren bestehen aus unzähligen Stahlplatten, die von Unkel in aufwändiger Arbeit zusammengeschweißt werden, eine Art dreidimensionales Puzzle. Vor und nach dem Lackieren werden sie mit Sandstrahl behandelt und zum Schluss gewachst. Seit einiger Zeit arbeitet Unkel die Gesichter seiner Figuren detaillierter aus und gibt ihnen so mehr Persönlichkeit.
Auch die „Monster“, kleine mechanische Apparate, haben das Thema „Vergänglichkeit“. Sie bestehen aus unterschiedlichsten Materialien wie Tierschädel, Draht, Holz. „Ich integriere Dinge, die Geschichten erzählen. Beispielsweise hatte Oma eine Blechdose mit Geld drin“, erzählt der Künstler. So werden diese Sachen künstlerisch recycelt. „Bei den Geräten mag ich das Provisorische“, ergänzt Unkel. Hier müssen die Besucher selber aktiv werden und Knöpfe drücken, damit etwas passiert.
Als kleinen Kontrast benutzt er häufiger die Farbe Rosa. „Rosa ist die Farbe für einen Klein-Mädchentraum, für die Wünsche, die jemand hat. Das setze ich der Vergänglichkeit gegenüber“, erklärt er.
Die Arbeit „Mi Ballon Dog“ ironisiert das Werk von Jeff Koons, dessen „Ballon Dog“ über 58 Millionen Dollar gekostet hat. Nur ist der Hund von Unkel aus Schweinedarm und ihm geht langsam die Pressluft aus. „Es zeigt den vergänglichen Wert der Kunst“, so Unkel.
Für die Museumsnacht hat sich Udo Unkel das Projekt „Wireworld“ ausgedacht. Die Besucher werden hinter einer weißen Plexiglasscheibe gefilmt. „Dieses Schemenhafte werde ich dann zu einem Film gestalten mit Samples und wiederkehrenden Elementen. Das wird dann ins Internet gestellt“, erklärte der Künstler. Wer also Lust hat, kann am 19. September zwischen 17 und 20 Uhr in die Galerie kommen.
Galerie der kunstbetrieb
Gneisenaustraße 30
montags bis freitags 11 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr
Wie zerbrechlich seine Kunstwerke sind, musste Udo Unkel selbst feststellen. Hier der zerbrochenen „Kapitän“.
Eine Ausstellung mit allen Sinnen erfassen
Am Kaugummiautomaten können die Besucher sich Gerüche ziehen.
Die Ausstellung „Über Sinne“ in der zweiten Etage des Dortmunder U beschäftigt sich nicht mit Geistern oder anderem Übersinnlichem. Hier geht es um das Begreifen, das Zuhören, das Zuhesen, Riechen, Schmecken. Denn konzipiert und erarbeitet haben dies 60 blinde und sehbehinderte Kinder der Martin-Bartels-Schule in Dortmund im Alter von 6 und 16 Jahren mit Unterstützung von Künstlern. Zu erleben ist diese Ausstellung vom 04. September bis 01. November 2015.
„Über Sinne“ ist keine Ausstellung über Blindheit. Auch wenn es einen kleinen Dunkelraum gibt, in dem eine Schulsituation nachgespielt wird, geht es nicht um das Nicht-Sehen, sondern wie es Dr. Birgit Drolshagen vom Fachbereich Rehabilitationswissenschaften an der TU Dortmund beschrieb, um Kinder mit anderen Merkmalen. Die genauso Träume und Hoffnungen haben wie andere Kinder auch.
Für Blinde und Sehbehinderte stehen andere Sinneseindrücke im Vordergrund. Geräusche sind sehr wichtig, ebenso wie Gerüche oder die Haptik von Gegenständen. So entstanden Soundcollagen, es gibt eine Ausgrabungsstätte, einen Kaugummiautomaten mit Gerüchen, aber auch Filme und Fotografie.
Zehn freie Künstlerinnen und Künstler erarbeiteten im Rahmen eines Workshops mit den Schülerinnen und Schülern die jeweiligen Kunstobjekte. „Für die Schüler war es toll, mit den Künstlern und deren technische Instrumente zu arbeiten“, erzählte Ulrike Witte, Schulleiterin der Martin-Bartels-Schule.
Für die Ausstellung wird es ein Leitsystem für Blinde geben sowie ein Audiogästebuch.
Über Sinne – Eine Ausstellung über das Sehen hinaus
04. September bis 01. November 2015
UZWEI im Dortmunder U
Öffnungszeiten:
Dienstag und Mittwoch 11 bis 18 Uhr
Donnerstag und Freitag 11 bis 20 Uhr
Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr
feiertags von 11 bis 18 Uhr
Eintritt frei
Hier können Formen von unterschiedlichen Zitursfrüchten erkundet werden.
Auf dem rieselnden Sand sollen Bilder projiziert werden.
Bilder, die Geschichten erzählen
Ulla Kallert neben ihrem Bild „Wintertage in der Nordstadt“
Fotos erzählen Geschichten. Familienfotos erzählen Familiengeschichten, sie zeigen aber auch den Zeitgeist der Zeit, in der sie aufgenommen wurden. Die Künstlerin Ulla Kallert ist einen Schritt weiter gegangen und hat einige Familienfotos malerisch neu interpretiert. Es sind keine 1:1 Kopien, sondern Sichtweisen der Malerin. Die Ausstellung „212 Schritte hinter’m Bahnhof“ im Torhaus Rombergpark ist vom 30. August bis zum 20. September 2015 zu sehen.
Wohin kommt man, wenn man 212 Schritte hinter’m Bahnhof geht? In die Lessingstraße 76. Nicht nur das Geburtshaus von Ulla Kallert, sondern auch ihres Vaters. Doch die Inspiration, eine Serie mit Bildern von Familienfotos zu machen, stammt von ganz woanders her. Von einem Horrorfilm. „Angefangen hat es mit dem Film „Die Vögel“ von Hitchcock. Die Spannung in den Szenen hat mich dermaßen angekickt, dass ich vor dem Fernseher fotografiert habe. Die ersten drei Bilder sind nach dem Film entstanden. Bei einem Bild habe ich gedacht: Das ist wie in einem Familienbild von mir. Und dann habe ich mir meine Familienfotos angesehen“, erzählt die Künstlerin.
Die Bilder zeigen überwiegend Familienszenen aus den 60er Jahren, nur eins ist älter und erzählt eine besondere Geschichte: Das Kommunionsbild von Kallerts Vater mit dem Titel „Das Oberhaupt war auch mal klein.“ Dieses Bild berührt die Künstlerin sehr: „Ich war sehr betroffen, als ich das Foto jetzt nochmal betrachtet habe, weil ich gesehen habe, was für liebe Züge in dem Jungengesicht sind. Mein Vater war im Weltkrieg in russischer Gefangenschaft und der Krieg hat ihn so verändert, dass die ganze Familie darunter zu leiden hatte. Er war natürlich schwer traumatisiert.“
Fotos aus dieser Zeit sind in der Regel Schwarz-Weiß. Doch Kallerts Bilder haben leuchtende Farben. „Das ist für mich überhaupt kein Problem, da ich seit 25 Jahren eher Farbmalerin bin. Ich mache auch Ausflüge ins Figürliche, aber mein Schwerpunkt war immer Farbe, Komposition und Farbstimmung“, so die Künstlerin über ihre Arbeitsweise. Zudem ist für Kallert die Atmosphäre eines Bildes wichtiger als die originalgetreue Wiedergabe. „Da habe ich manchmal ein wenig gemogelt. Beispielsweise in einem Bild, auf der meine Schwester mit ihren Freundinnen zu sehen ist, habe ich meiner Schwester Ernst ein-gehaucht. Auf dem Foto lacht sie wie die anderen, aber es war mir nicht möglich sie so zu malen. Das wäre für mich nicht stimmig gewesen“, verdeutlicht Kallert.
Zwei Jahre hat die Künstlerin an dieser Serie gearbeitet, von denen 16 Werke in der Ausstellung zu sehen sind. Dadurch, dass die Gesichter nicht fotografisch genau ausgemalt sind, sind die Personen auf den Bildern nicht mehr allein Familienmitglieder, sondern erzählen vom Zeitgeist der 60er Jahre wie den ersten Urlauben oder Familienfesten.
Ulla Kallert
212 Schritte hinter’m Bahnhof
30. August bis 20. September 2015
Torhaus Rombergpark
Öffnungszeiten;
dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr
sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr
Ausweglose Situationen im Künstlerhaus
Eine Arbeit von Christian Loenhoff.
Ein Schwitzkasten ist einerseits ein Holzkasten für Schwitzbäder, andererseits aber auch ein Würgegriff. Schwitzkasten steht für eine ausweglose Situation, aus der man nicht mehr hinauskommt. Zehn Künstlerinnen und Künstler zeigen vom 29. August bis zum 05. Oktober 2015 im Künstlerhaus Dortmund ihre Arbeiten zu diesem Thema. Kuratiert hat die Ausstellung Jörg Daniel mit Barbara Koch und Marco Wittkowski.
Zwangslage, Notlage, Gefängnis, Folter, Guantanamo. Das amerikanische Gefängnis in Kuba hat vor allem zwei Künstler zu ihren Arbeiten inspiriert. Die Installation von Frank Klöttgen heißt auch „Guantanamo“. Klöttgen hat das Gefängnis mit 1001 Büchern nachgebaut. Dazu benutzte er aber Exemplare seiner eigenen Werke.
Ein Problem in Guantanamo ist Folter. Kurt Fleckenstein hat sich künstlerisch damit auseinandergesetzt. In seiner Installation wird eine Person nackt hinter einer Glaswand anderthalb Stunden eingeklemmt. Durch die Aktion „No exit“ soll auf die Erniedrigung von Menschen hingewiesen werden. Jeden Sonntag findet eine Livepräsentation der Arbeit „No Exit“ statt.
Kate hers RHEE arbeitet in ihrer Performance, die per Video zu sehen ist, mit einer Maske, die im S/M-Bereich zu Hause ist. In dem Video dominiert ein schwarzer Darsteller seine asiatische Darstellerin und scheint ihr die Maske aufzunötigen und verlangt von ihr 10 Küsse. Der Künstlerin geht es hier und das Spiel mit Identitäten und wie Minderheiten gegeneinander ausgespielt werden.
Margund Smolka zeigt in ihrem Videoobjekt „Funnel“ (dt. Trichter) wie eine Bilderflut endlos in den Kopf hinein dringen. Dieser Bilderflut, die man nicht steuern kann, ist man hilflos ausgeliefert.
Fasziniert von Tanz und Theater ist Ilona Ottenbreit. In ihren teils großformatigen Arbeiten zeigt sie Bewegungsabläufe von Tänzern. Sie möchte in ihren Bildern zeigen wie Menschen sich verteilen, sich verschmelzen oder sich auf Zwangslagen lösen.
Hildegard Skowasch ist eines der Gründungsmitglieder des Dortmunder Künstlerhauses, lebt und arbeitet aber schon länger in Berlin. Sie zeigt figurative und abstrakte Elemente in ihren Installationen und anderen Arbeiten. Eine Faszination scheinen Münder auf die Künstlerin auszuüben. „Zähne sind natürliche Waffen“, so Skowasch. „Beim Lachen zeigt man die Zähne.“ Vielleicht kann man sich auch mit Zähnen aus so mancher Zwangslage befreien.
Mit der Spannung zwischen der Innen- und Außenwelt beschäftigt sich die Videoinstallation „Come to your Senses“ von Karin Kerkmann. Die Sinnesorgane sind in vier verschiedenen Monitoren zu sehen und alle in ungewöhnlicher Nahaufnahme.
Die Kunst der Augentäuscherei beherrscht die Pariser Künstlerin Dominique Ghesquiere. In ihrer Arbeit „Bios dormant“ (dt. Der schlafende Wald) präsentiert sie eine echte Efeupflanze. Doch der Efeu ist nicht mehr wiederzuerkennen. Er ist in seinem Wachstum gehemmt und wächst blattlos über zwei Etagen hinweg wie „im Schwitzkasten“.
Trotz seines Verstandes bringt sich der Mensch immer noch durch seine Entscheidungen in „Schwitzkästen“. Sei es im privaten Bereich oder auf globaler Ebene. Diese Widersprüchlichkeit behandelt Christian Loenhoff in seinen Arbeiten.
Die Videoarbeit „Outside Projection“ von Funda Özgünaydin behandelt das Thema Gentrifizierung. Das Video zeigt die Sprengung des Gebäudeturms der Goethe-Universität, die die Fachbereiche Pädagogik, Sozialwissenschaften und Psychologie beheimatete. Der Thinktank der „Frankfurter Schule“ musste einem Bau des Kapitalismus weichen.
Schwitzkästen – Ausweglosigkeiten und andere Zwangslagen
Künstlerhaus Dortmund
Sunderweg 1
Öffnungszeiten Donnerstag bis Sonntag 16 bis 19 Uhr
Ausschnitt aus dem Video „And then there wre none“, 2014 von kate hers RHEE
Das Lächeln ist die schönste Art, Zähne zu zeigen. Münder von Hildegard Skowasch.
„Lichtspalt“, Acryl auf Leinwand, 160×140 cm, 2011 von Ilona Ottenbreit
Ausschnitt aus der Installation „Guantanamo“ von Frank Klötgen.
Holz in Beziehung gesetzt
Waltraud Schroll hinter ihren beiden Schweben.
Bei ihren Holzskulpturen zeigt die Hagener Künstlerin Waltraud Schroll wie vielfältig das Material das Thema „Verbindungen“ umsetzen kann. Die Galerie Dieter Fischer im Depot zeigt eine Auswahl ihrer Skulpturen sowie einige Zeichnungen.
Schroll arbeitet sowohl figürlich als auch abstrakt. Ihre Paare sind zwar reduziert, das heißt man erkennt beispielsweise keine Gesichter, doch sind die beiden zusammenhängenden Figuren sind als zwei Personen zu erkennen. Durch die Natürlichkeit des Materials Holz entstehen auch Risse. Das macht die Skulptur noch spannender, denn es gibt wohl in jeder Paarbeziehung den einen oder anderen Riss im Laufe der Zeit.
Auch in ihren abstrakten Skulpturen ist eine deutliche Verbindung zu erkennen, die anders in Beziehung gesetzt wird als bei den Paaren. „Verbindung kann man auf viele Felder übertragen“, so die Künstlerin. Beim Objekt „ST -1 /14“ sieht es sogar so aus, als wenn die beiden Enden auseinander streben und irgendwann die Verbindung dahin ist.
Neu sind die sogenannten „Schweben“. Sie sehen ein klein wenig aus wie Bumerangs und bewegen sich beim Windhauch. Schroll dazu: „Man denkt, dass sie aneinander gearbeitet oder geklebt sind, aber sie sind eine lockere Verbindung.“
„Normalerweise arbeite ich in einem Stück, da ist nicht geleimt oder geklebt“, beschreibt die Künstlerin ihre Arbeitsweise. Doch bei zwei Skulpturen hat sie eine Ausnahme gemacht, denn hier bestehen die Verbindungen aus unterschiedlichen Hölzern, so dass ein interessanter Farbeffekt entsteht.
Die Künstlerin arbeitet ausschließlich mit einheimischen Hölzern, gerne mit Obsthölzern wie Birne, Pflaume oder Wildkirsche.
Zu den Holzobjekten sind noch einige Zeichnungen zu sehen. „Das sind im Grunde ausgearbeitete Skizzen. Zu meinen Objekten mache ich erst ganz viel Skizzen bevor ich anfange. Die habe ich mal etwas sortiert und aufgehübscht“, erklärte die Künstlerin.
Waltraud Schroll „Beziehungen“
Galerie Dieter Fischer im Depot
Immermannstraße 29
Öffnungszeiten: Donnerstag von 16 bis 20 Uhr.
Drei kleinere Paarskulpturen von Waltraud Schroll.
Das Objekt „ST-1/14“ (Eiche/123 cm, 2014) von Waltraud Schroll.)
Triptychen in der Galerie Anschnitt
Der Maler und Illustrator Michael Becker arbeitet gerne mit dem Sujet des Triptychons wie bei den „Die Sieger“ (Collage, Acryl auf Leinwand) zu sehen.
Bis zum 19. September zeigt das Anschnitt_Atelier in Dortmund-Hombruch die Ausstellung „Mensch, Mensch!“ des Künstlers Michael Becker aus Ostfriesland. Die Öffnungszeiten sind dienstags von 15 bis 20 Uhr und Sonntags von 11 bis 13 Uhr.
Anschnitt_Atelier
Hombrucher Straße 59
44225 Dortmund
Sicher, es gibt Götter in Weiß. Aber es gibt auch Ärzte wie Martin Müller. Von 2008 bis 2014 leistete der Arzt „Doc“ Müller in der Nordstadt Hilfe: kostenlos, ohne Ansehen der Person und ohne Wertung. Auf Augenhöhe mit seinen Patienten. Nach drei Jahren Tätigkeit kam er auf die Idee seine Patienten mit deren Einverständnis zu fotografieren. Gegen Ende kam noch Reportagefotograf Andreas Hub hinzu, der mit seinen Farbfotos die schwarz-weißen Werke von Müller ergänzte und der Texte schrieb. Bis zum 23. August 2015 ist die Fotoausstellung „Martin Müller: Auf Augenhöhe – Andreas Hub: Hier geht´s zum Doc“mit über 75 Bildernim Kulturort Depot zu sehen.
Hinter jedem Bild steckt eine Geschichte. Eine gute oder schlechte. Meistens bricht sie irgendwann abrupt ab wie bei dem jungen Rumänen, der kein Deutsch sprach und im Winter nur mit T-Shirt und Jeans bekleidet in Dortmund auftauchte. Er arbeitete wahrscheinlich als Stricher. Andreas Hub über ihn: „ Der Junge träumte davon, Model zu werden. Er hat mir in seinem Smartphone immer irgendwelche Modelagenturen in Paris gezeigt, ob ich die kennen würde, ich wäre doch Fotograf. Er tauchte mehrere Wochenlang immer auf und plötzlich war der von einem auf den anderen Tag verschwunden.“ Ging die Geschichte gut aus? Niemand weiß es. Doch das Leben auf der Straße ist hart. Müller: „Von den 44 Personen auf den Schwarzweiß-Portraits sind mindestens sieben schon unter der Erde.“ Doch es gibt auch positive Beispiele vom Menschen, die sich wieder gefangen haben.
Wie kommt es eigentlich dazu, dass in Deutschland mehr als 100.000 Menschen leben, die keine Krankenversicherung haben? Müller dazu: „80% der deutschen Klientel bekam Hartz IV. Kommt man seinen Pflichten gegenüber dem Amt nicht nach, geht es ratz-fatz und man ist draußen. Wenn man dann nicht alles im Griff hat, dann passiert das nochmal so schnell. Wenn der Leistungsbezug endet, endet auch der Krankenversicherungsschutz. Mit einer gewissen Anstrengung ist das umkehrbar, aber alleine haben es viele nicht geschafft.“
An zehn Orten in der Dortmunder Nordstadt behandelte Müller seine Patienten: im Café Berta, in der Beratungsstelle für Wohnungslose, in der Methadon-Ambulanz, im Nordmarkt-Kiosk, in der Suppenküche, der Männerübernachtungsstelle Unionstraße oder im Streetwork-Café Leopoldstraße.„Es gab wenig Vorbehalte, Fotografiert zu werden“, erinnert er sich. „ Ich habe auch erst, nachdem ich drei Jahre in Arbeit war, angefangen zu fotografieren. Ich wollte sie besser im Gedächtnis haben, vielleicht habe ich unbewusst im Hinterkopf schon die Idee gehabt, da könnte man vielleicht etwas daraus machen.“
Andreas Hub kam hinzu, nachdem er eine Reportage über den Arzt in der Zeitung gelesen hatte. Er begleitete „Doc“ Müller im letzten Jahr vor dessen Ruhestand. Die Reportage wurde in der TAZ und im Straßenmagazin BODO veröffentlicht und ins „Pixelprojekt_Ruhrgebiet“ aufgenommen. Aber um sie in der Öffentlichkeit wie im Depot zu zeigen, braucht man Geld. „Ich habe Sponsoren gesucht, denn so eine Ausstellung ist natürlich wahnsinnig teuer und dann bin ich an die Zukunftsstiftung Bildung der GLS-Bank in Bochum gegangen und die waren von dem Konzept so begeistert, dass sie die gesamte Ausstellung gesponsert haben.
Auch wenn viele Bilder vielleicht einen anderen Eindruck machen. Es war wohl nicht ganz so trist. „Es gab auch manchmal Augenblicke, wo es lustig war und wo man gelacht hat“, erinnert sich Hub. „Die gab es öfter. Sonst hätte ich das nie ausgehalten“, ergänzt Müller.
Abstrakte Landschaftsmalerei im Kunstraum
Refika Düx zeigt ihre neuesten Werke im Kunstraum in Jankas Lokal.
In einem besonderen Ambiente präsentiert die Künstlerin Refika Düx ihre Bilder vom 15. August bis zum 15. November 2015: Der Kunstraum im Jankas Lokal im Langen August ist der Ort, an dem ihre pastöse Farbfeldmalerei gezeigt werden.
Die junge Künstlerin, die in Enschede und in Münster studiert hat, malt ihre ungewöhnlichen Landschaftsbilder in Öl, benutzt aber auch japanische Tusche sowie Papierfetzen, die weniger collagenhaften Charakter haben, sondern als Farbfläche dienen.
Die Landschaftsbilder sind nicht nur durch ihre stark abstrahierte Bildsprache ungewöhnlich, Düx benutzt vorwiegend das Hochformat. Ein Forma, was selten bei Landschaftsbildern benutzt wird. Doch für Düx ideal, „denn so kann ich am besten malen“.
Die Künstlerin achtet in ihren Bildern sehr stark auf die Farbkomposition und ein ausgewogenes Farbspiel. Wichtig ist ihr dabei ein positives Gefühl. „Es muss fröhlich sein“, so Düx über die Farben, die sie in ihren Bildern verwendet.
Die meisten ihrer Bilder stammen aus dem Jahre 2015. Düx malt ihre Bilder zwar nicht seriell, aber arbeitet ständig an mehreren parallel.
Bilder in einer Galerie oder in einem Museum hängen normalerweise frei und für jeden sichtbar. Doch die Ausstellung „enter“ in der Galerie „der kunstbetrieb“ auf der Gneisenaustraße 30, verhüllt die Werke. An die Besucher geht die Aufforderung: „erntert“ die Arbeiten, schaut hinter Vorhängen und Kästen und entdeckt die Kunst.
Es hat schon ein etwas von Geburtstag oder Weihnachten. Die Geschenke sind da, man muss sie nur noch auspacken. Die Werke die in der Ausstellung gezeigt werden, sind ähnlich wie Geschenke verhüllt oder verschlossen und der Besucher muss aktiv werden, um sie zu sehen.
Am Anfang der Planungen zur Ausstellung stand die Frage „Was ist mit den Bildern, wenn niemand in der Galerie ist?“, so Galeriebesitzerin Sabine Spieckermann. Daraus entstand die Idee zu „enter“.
Die Exponate stammen von Künstlerinnen und Künstlern die schon Ausstellungen im „kunstbetrieb“ hatten oder noch haben werden. „Die Künstler haben gut auf die Idee angesprochen“, freut sich Spieckermann. Aus den „Verpackungen“ ist beinahe ein eigenes Kunstwerk geworden. Sehr schön gelungen ist beispielsweise „August“ von Anne Jannick, die vor ihrem Seebild eine Art Wasserfall aus Plastikverpackung geschaffen hat. Der Betrachter muss also durch diesen „Wasserfall“ hindurch, um einem Blick auf den gemalten See werfen zu können.
Eine Symbiose von Verpackung und Kunstwerk schafft auch Almut Rybarsch-Tarry, die ihre Plastik „Past Beauty“ in einen Schrein platziert und das Gesamtwerk „Shrine for past beauty“ nennt. Um Kirians „Blick aus dem Fenster“ in seiner ganzen Pracht zu sehen, muss man erst einen Bretterverschlag fest haken.
Wer den Mut hat, ein Vorspiel für alle Arbeiten zu vollziehen, wird mit Installationen, Malerei, Grafik, Fotografie, Objektkunst und Skulpturen belohnt. Zum Entern ihrer Kunst fordern auf: Anke Droste, M.T. Ghorbanali, Anne Jannick, Kirian, Thomas Paul, Klaus Pfeiffer, Sylvia Reuße, Almut Rybarsch-Tarry, Mathes Schweinberger, Udo Unkel, Laura Velasco, Vanessa von Wendt und A. A. Wojtczak.
Die Ausstellung dauert vom 15.8. bis zum 29.8.15.
Die Vernissage findet am 15.8.15 um 18.00 Uhr statt.