Visitenkartenbücher als Kunstobjekte

Bärbel Thier-Jaspert, die ein Atelier im Depot hat, mit einigen Ausstellungsstücken.
Bärbel Thier-Jaspert, die ein Atelier im Depot hat, mit einigen Ausstellungsstücken.

Bärbel Thier-Jaspert hat eine Leidenschaft: Visitenkartenbücher, die sie von Künstlern und anderen Menschen zwischen 6 und 86 Jahren gestalten lässt. Unter dem Titel „… was das herz begehrt“ zeigt die Galerie Dieter Fischer vom 02. bis 18. Oktober 2015 die gesammelten Werke von Thier-Jaspert.

Es ist sehr spannend zu sehen, wie unterschiedlich Künstlerinnen und Künstler an die Aufgabe herangegangen sind: Diejenigen, die mitmachen wollten, erhielten ein kleines Büchlein für Visitenkarten und konnten es gestalten. „Die meisten haben den Innenteil bearbeitet, mache auch die Außenseiten“, erzählt Thier-Jaspert.

So sind kleine Daumenkinos entstanden, manche haben Erinnerungsstücke in den kleinen Plastiktaschen. Natürlich sind die aufwändig gestalteten Bücher die auffälligsten. Eines besteht innen komplett aus einem Fell, bei einem anderen sind Handschuhe darüber gestülpt.

Seit 2009 beschäftigt sich Thier-Jaspert schon mit diesem Thema und hat bereits über 60 Expemplare, nicht nur von Künstlerinnen und Künstlern gesammelt. Eine Besonderheit gibt es noch bei dieser Ausstellung: Bei den Exponaten steht nur eine Nummer dran. Daher wissen die Besucher nicht, wer ein bestimmtes Visitenkartenbuch gestaltet hat.

Die Galerie Dieter Fischer im Depot Dortmund hat geöffnet von Donnerstag bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr.




Opulente Farbenwelt

Mit Dr. Helga janzen hat Davoud Sarfaraz für den Katalog interviewt.
Mit Dr. Helga janzen hat Davoud Sarfaraz für den Katalog interviewt.

Die Ausstellung „Kuss auf wachen Nerv“ zeigt eine Auswahl von Bildern des Dortmunder Künstlers Davoud Sarfaraz vom 27. September bis zum 18. Oktober 2015 im Torhaus Rombergpark. Sarfaraz kam 1986 aus dem Iran nach Deutschland und lebt seit 1995 in Dortmund.

Sarfaraz begann 1976 in Teheran an der Kunstakademie zu studieren und arbeitete danach als Illustrator für Kindersendungen im Fernsehen. Seine künstlerischen Arbeiten begannen in Deutschland.

In seinen ältesten Bildern ab 1989 beschäftigt sich der Künstler stark mit Farbstudien. Die Menschen auf seinen Bildern sind zwar figurativ, aber auch schon abstrahiert. Die Motive stammen überwiegend aus dem leben in den iranischen Dörfern. Einige Werke aus dieser Phase sind auch in der Ausstellung zu sehen.

Danach folgte eine melancholische Phase, die mit dem Verlust der Heimat zu tun hat. Die Farben wurden dunklerer. Erst Ende der 90er Jahre kehrt die Farbigkeit wieder zurück. Sarfaraz entdeckt die dazu die Abstraktion. Manche seiner Werke hat der Künstler in separate Fenster aufteilet, so dass eine Art Kaleidoskop entsteht. Er arbeitet auch viel mit Ornamenten und schlägt somit eine Brücke von Ost nach West.

„Ich muss bei jedem Bild mein Inneres spüren“, so der Künstler über sein Arbeiten. „Ich komme beim Malen mit meiner eigenen Vergangenheit in Verbindung. Kunst ist nicht nur Dekoration.“

So kann der Titel „Kuss auf wachem Nerv“ bedeuten, dass der Künstler wach und bereit ist, den Musenkuss zu empfangen.

Zu dieser Ausstellung ist auch ein Katalog mit Farbtafeln, Textbeiträgen und einem Interview mit dem Künstler erschienen.

Mehr Informationen zum Künstler auf seiner Homepage www.davoud-sarfaraz.de

Die Öffnungszeiten des Torhaus Rombergpark sind

dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr

sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr

Der Eintritt ist frei.




Mit Kunst auf Reisen gehen

Eine beeindruckende Zahl: Über 1.200 Schülerinnen und Schüler gingen mit der Hilfe von Kunstwerken im Museum Ostwall auf Reisen unter dem Titel „Traumboot“. Zum Träumen gehören auch Wünsche, daher haben die Kinder und Jugendlichen kleine Glasflaschen mit ihren Wünschen befüllt und an eine Wand gehängt. Möglicherweise gehen einige von den Wünschen auf Reisen, denn während der Ausstellung vom 25. September bis 01. November 2015 können Besucher ihre eigenen Wünsche in die Glasflaschen füllen und gegen ein anderes Fläschchen austauschen.

Eine Reise ist doch was Schönes, oder? Man sieht etwas anderes als zu Hause, lernt andere Menschen kennen und kann sich vom Stress erholen. Doch andere Menschen machen eine Reise aus purer Not, denn sie müssen aus ihrer Heimat fliehen. Dafür stand beispielsweise „A boat for my dreams“ von Milan Knížák. Die Arbeit stellt ein weißes überdimensionales Papierfaltboot dar. Die Assoziation war natürlich auf der einen Seite Reise und Vergnügen, aber auf der anderen Seite auch Flucht und Not.

Die Arbeit „Yellow Panel“ von Alison Knowles regte ebenfalls die Fantasie der Kinder und Jugendlichen an. Zu sehen ist eine Stoffbahn mit vielen unterschiedlich großen und kleinen Taschen. Bei manchen kann man sehen, was drin ist, bei anderen nicht. Ein Gedankenspiel war: Was wäre wohl in den Taschen drin, die man nicht sehen könnte? Oder um beim Reisethema zu bleiben: Was nimmt man alles für die Reise mit? Ältere Schüler beschäftigten sich beispielsweise mit der Frage: Was ist uns wichtig bei der Reise durch unser Leben?

Wer als Besucher während der „Traumboot“-Ausstellung ins Museum Ostwall kommt, kann sich eine eigene Wunsch-Flaschenpost erstellen. Dafür fragt er beim Empfang nach der Traumboot-Materialkiste, in der alles enthalten ist, was man braucht. Einfach den Wunsch auf einen Zettel schrieben, den Zettel in die Flasche stecken, etwas Wunschsand dazu und dann gegen eine andere Flasche tauschen.

Das Projekt mit Schülerinnen und Schülern fand in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Nach „Farbraum“ und „Portrait und Identität“ gingen die Teilnehmer jetzt auf das „Traumboot“. Es soll dazu dienen, den Kindern Ängste vor dem Museum zu nehmen und sie spielerisch an Kunst heranzuführen.

Die Ausstellung wird am Freitag, dem 25. September 2015 um 17 Uhr als gemeinschaftliche Installation öffentlich präsentiert. Dabei wird auch die dazu entstandene Videoprojektion zu sehen sein.




Leuchte auf mein U

So könnte die Lichtinstalltion von Michael Ang aussehen. (Foto/Grafik: © Michael Ang)
So könnte die Lichtinstalltion von Michael Ang aussehen. (Foto/Grafik: © Michael Ang)

In der Museumsnacht am 20.September 2015 wird sich auch das U in seiner Leuchtkraft zeigen. Denn schließlich möchte das Dortmunder U auch ein kultureller Leuchtturm sein.

Von 16 bis 20 Uhr können die Besucher versuchen, das Licht zu fangen. In Michael Angs Kunst-Aktion sammeln Besucher per Sensor ihre Licht-Erfahrungen, um sie anschließend auf eine öffentliche Lichtskulptur projizieren. Den Lichtsensor kann man gegen Gebühr leihen und 30 Minuten lang die Farben ihres Umgebungslichtes aufzeichnen.

So eine Lichtarbeit macht sicher hungrig. Daher gibt es eine Refugees‘ Kitchen. Hier können Einheimische und Flüchtlinge miteinander kochen, klönen und tanzen. Denn wie bei einer richtigen Party: Das wirklich Spannende passiert in der Küche.

Die beiden Aktionen werden auf dem Vorplatz des Dortmunder U stattfinden, doch auch die einzelnen Etagen haben etwas vorbereitet.

Wer noch nicht genug vom Kochen hat, kann sich im Kino im U zwei Filme über das Stahlkochen ansehen. „Stahlkochen im Siemens—Martin-Werk“ von Reinold Schnatmann aus dem Jahre 1982 und „Dortmund und der Phönixsee“ von Tilman Jens aus dem Jahre 2008. Die Filme werden im Laufe des Abends wiederholt gezeigt.

In der ersten Etage stellt die TU junge Künstler ins leuchtende Rampenlicht. Von 18 bis 24 Uhr findet die Finissage der Kunstausstellung „Bauplan nicht vorhanden“ statt.

Beim HMKV auf der dritten Etage leuchten die Bildschirme. Denn die Ausstellung „Digitale Folklore“ führt den Besucher in die Frühzeit des Internets in den 90er Jahren. Als Mitmachaktion können die Besucher eigene Postkarten-Editionen herstellen.

Smartphones leuchten im Museum Ostwall. Eigentlich ein No-Go dürfen an diesem Tag Smartphones im Museum expliziert benutzt werden, denn ansonsten wird man bei der QR-Code-Ralley das Nachsehen haben. Sie findet von 16 bis 19 Uhr sowie von 20 bis 22 Uhr statt. Ansonsten zeigt das Museum auf ihren Etagen die aktuellen Ausstellungen u.a. von Ben Patterson sowie Aktionen für jedes Alter. Ein Highlight wird sicherlich das „Kunstorakel“ sein, das von 18 bis 22 Uhr Vorhersagen verkünden wird.

Die Etage UZWEI_Kulturelle Bildung zeigt ihre Ausstellung „Über Sinne“.




Buchstaben als grafisches Element

Ausstellungsansicht Klaus Burkhardt: Buchstaben, Zahlen, Zeichen – Bilder mit Klaus Burkhardt: Frakturstruktur, 1964, o.T., 1963, kam und ging, 1962, Schleiereule am Nestrand, 1958, und o.T. (ruck), 1962, Foto: Ellen Kozik
Ausstellungsansicht Klaus Burkhardt: Buchstaben, Zahlen, Zeichen – Bilder mit Klaus Burkhardt:
Frakturstruktur, 1964, o.T., 1963, kam und ging, 1962, Schleiereule am Nestrand, 1958, und o.T.
(ruck), 1962, Foto: Ellen Kozik

Das Grafikkabinett des Museum Ostwall zeigt bis zum 13. März 2016 Werke des Schriftsetzers, Typografen und Grafikers Klaus Burkhardt (1928-2001). Die ausgestellten Arbeiten aus den 50er bis 60er Jahren zeigen die Entwicklung des Künstlers sehr gut auf. Die Basis seiner Kunst bleiben Lettern, Nummern oder Zeichen, die Formsprache variiert aber grundlegend.

Manche von Burkhardts Werken entstanden durch mehrfaches Überdrucken bereits benutzter Druckplatten. Dadurch wird der Buchstabe seiner Funktion als Teil eines Wortes beraubt und wird zum grafischen Element. So kann es passieren, dass bei „kam und ging“ die Buchstaben wie in einer Explosion auseinander streben oder durch eine gleichmäßige Verteilung der Zeichen beinahe wie ein Muster wirken.

Andere Arbeiten verknüpfen die textliche Bedeutung mit bildlicher Darstellung. Im Werk „Jazz“ scheinen die Buchstaben über das Blatt zu improvisieren, sie tauchen in verschiedenen Schriftarten und Größen auf.

In den Figurengedichte wie „Christbäume über der Stadt“ tritt der Textinhalt noch weniger in den Vordergrund. Die Anordnung der Worte wird zu einer Form, in diesem Fall eben zu einem Tannenbaum.




Kunstpreisträger Ben Patterson mit Ausstellung geehrt

Raumansicht Schaufenster #14: MO Kunstpreis für Ben Patterson mit Ben Patterson: A simple history of 20th century art, 1993, Leihgabe Ute und Michael Berger, Wiesbaden, Foto: Ellen Kozik
Raumansicht Schaufenster #14: MO Kunstpreis für Ben Patterson mit Ben Patterson: A simple
history of 20th century art, 1993, Leihgabe Ute und Michael Berger, Wiesbaden, Foto: Ellen Kozik

Am 18. September 2015 erhält der amerikanische Künstler Ben Patterson den MO Kunstpreis 2105 im RWE-Forum des Dortmunder U. Um die Arbeiten von Patterson kennenzulernen, zeigt das Museum Ostwall im Rahmen der „MO Schaufenster“ einige Werke des Fluxus-Künstlers.

Im Mittelpunkt steht natürlich die Neuerwerbung „Two for violins – Patterson, after One for Violins – Paik“. Hier arrangierte Patterson die Überreste eine Performance, zwei Violinen, und zwei Spieluhren zu einer Assemblage. Der Künstler referenziert hier auf ein Werk von Nam June Paik „One for Violin“.

Patterson war wohl gerne auf Zugreisen, wenn man seinen „Train of thoughts“ (Gedankengang) betrachtet. Er eignete sich Schilder von IC Zügen an, die nach Berühmten Komponisten benannt waren. Da schimmert die klassisch-musikalische Ausbildung des Künstlers durch. Patterson reiht Holzkästen wie ein Zugwaggon aneinander mit allerlei alltäglichen Dingen. Der oberste Kasten zeigt immer ein Bild des Komponisten, der als Namensgeber des Zuges fungiert.

Sehr spannend sind die aktuellen Arbeiten von Pattersond unter dem Titel „Busking“. Auf die Idee seiner Assemblagen ist der Künstler durch einen Zeitungsartikel gekommen, in der eine Seniorin durch Prostitution ihre Rente aufgebessert hat. „Busking“ ist ein Begriff für eine Darbietung von Straßenkünstlern. Senioren könnten nach Pattersons künstlerischer Vision als Vorleser, Saxophonspieler und gar als Schlangenbeschwörer einiges neben der Rente verdienen. Die Arbeiten sollte man also mit ein wenig Augenzwinkern betrachten.

Die Arbeiten von Ben Patterson sind bis zum 31. Januar 2016 im Schaufenster auf der dritten Etage zu sehen.




Die Macht der Perspektive

Wolfgang Schmidt und seine "Liegende".
Wolfgang Schmidt und seine „Liegende“.

Ein klein wenig könnte die fast 70 Meter lange Figur auch als Symbol für den „ewigen Kreisligafußballer“ gelten, denn er besteht aus knapp 3 ½ Tonnen Sportplatzasche. Einen weiteren Vorteil hat der Werkstoff auch: Nach dem 27. September 2015 kann das Material einem Sportplatz zur Verfügung gestellt werden. Zu sehen ist die Figur „Liegende“ von Wolfgang Schmidt im Kulturort Depot.

Schmidt arbeitet ja schon lange mit seinem Figurenmotiv. Aktuell konzentriert sich Schmidt auf die rote Figur mit langen Beinen. Die Figuren sind sich zwar ähnlich, aber haben auch Ecken und Kanten. Deutlich wird dies bei der Riesenfigur aus Asche, die nicht vollkommen symmetrisch ist, auch wenn der erste Blick vielleicht etwas anders aussagt.

Bei der „Liegenden“ arbeitet Schmidt mit der Perspektive. Verschiedene Betrachtungswinkel oder -abstände zeigen dem Auge eine andere Version der Figur. Mal wird der Kopf länger oder kürzer, die Beine verändern sich nach Blickwinkel. Es lohnt sich auch mit einer Hebebühne in die Höhe zu fahren, so dass man einen völlig anderen Blick von oben auf die Figur gewinnt.

Neben der riesigen Figur, sind weitere Arbeiten zu sehen. Eine rote 3-D-Figur, Malerei und Wandobjekte, die aber alle die rote Figur mit den langen Beinen zum Thema haben.

Auf die Wiederverwertbarkeit hat Schmidt besonderen Wert gelegt. Das gilt auch für die Sportplatzasche und die weiße Silofolie, auf der die Figur liegt.

Von den anderen Nutzern des Depot, wie beispielsweise dem Theater, bekam der Künstler nur positive Reaktionen. Vom 19. bis zum 27. September 2015 ist die Figur zu sehen.




Der erste Musiker war Schlagzeuger

Die drei Wesen (Johanna Weißert, Philip Pelzer und Bettina Zobel) entdecken über den Würfel den Zauber der Musik. (Foto: © Birigt Hupfeld)
Die drei Wesen (Johanna Weißert, Philip Pelzer und Bettina Zobel) entdecken über den Würfel den Zauber der Musik. (Foto: © Birigt Hupfeld)

Zumindest wenn man dem Stück „Als die Musik vom Himmel fiel“ von Andreas Gruhn und Peter Kirschke folgt. Hier entdecken drei Wesen einen schwarzen Würfel, der Musik abspielt und plötzlich aufhört. Sie versuchen mit allen möglichen Gegenständen diese Musik nach zuspielen, was am Ende auch gelingt. Ein Premierenbericht vom 11. September 2015 aus dem Sckelly.

„Als die Musik vom Himmel fiel“ ist ein Stück für Kinder ab drei Jahre. Daher wird man auch keine musikwissenschaftliche Analyse erwarten, es geht eher darum, Kindern die Klänge beizubringen und die Möglichkeit, allen möglichen Gegenständen Musik oder Töne zu entlocken.

Zunächst wurden in dem etwa 40 Minuten langen Stück die drei Wesen (Philip Pelzer, Johanna Weißert und Bettina Zobel) vorgestellt, die in einem offenen zeltähnlichen Bau leben und die anscheinend allerlei Alltagsgegenstände gesammelt haben. Besonders witzig dargestellt wurde das morgendliche Waschen der Drei.

Dann erschien plötzlich der Würfel und machte Musik. Ein wenig erinnerte die Situation an den Film „Die Götter müssen verrückt sein“, bei dem eine aus einem Flugzeug geworfene Cola-Flasche bei einem Eingeborenenstamm landet. Staunend lauschen sie der Musik, bis sie verklingt. Danach machen sie sich auf der Suche in ihrem Gerümpel und probieren aus, was sich zum Musikmachen eignet.

Zuerst entdecken sie die Kunst des Schlagzugspielens und der Percussioninstrumente. Später gelangen sie zu den Blasinstrumenten, in dem sie in Gartenschläuche und ähnliches hinein blasen. Durch Trichter und Gießkannen lernen sie, den Resonanzkörper zu verändern. Zuletzt experimentieren sie auf spielerische Art und Weise mit Schnüren und ähnlichen Gegenständen die Saiteninstrumente. Ein wenig aus Reihe fiel die Melodica, die ja ein „fertiges“ Instrument ist.

Am Ende waren die drei Wesen in der Lage, die Melodie des Würfels nach zuspielen. Danach entschwebte der Würfel genauso wie er gekommen war.

Ein ganz klein wenig bedauere ich die Eltern schon, deren Kinder jetzt auf die Idee gekommen sind, auf alles herumzukloppen oder in alles hineinzublasen. Aber nur auf diese spielerisch-experimentelle Weise lernt man die schönen Seiten der Musik kennen.




Zwischen Realität und Phantasie

Zeichnerische Ode an einen Briefträger von Horst Jenssen. "Heinzi", 1988, Farbradierung, 60,5x60 cm, 35/100.
Zeichnerische Ode an einen Briefträger von Horst Jenssen. „Heinzi“, 1988, Farbradierung, 60,5×60 cm, 35/100.

15 Jahre Art-Isotope in der Wilhelmstraße. Für dieses kleine Jubiläum präsentiert Galeriebesitzer Axel Schöber bis zum 25. Oktober 2015 eine besondere Ausstellung mit Werken von Horst Janssen unter dem Titel „Die Lust des Augenblicks“. Aus dessen umfangreichen Werk des vor 20 Jahren gestorbenen Künstlers fokussiert sich Schöber auf die Portraits und zeigt überwiegend Radierungen und Zeichnungen.

Horst Janssen (1929-1995) gehört mit Sicherheit zu den bedeutendsten Grafikern und Zeichnern der Nachkriegszeit. Er beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg als Illustrator und entwickelte ab den 60er Jahren seinen eigenen Stil. Obwohl in der Nachkriegszeit die abstrakte Kunst sehr im Fokus stand, hat sich Janssen zeitlebens auf die Figürlichkeit konzentriert.

Janssen machte aus seinen Drucken, die meist in einer Auflage von 100 erschienen, manchmal auch Unikate, indem er sie per Hand kolorierte. So kann es passieren, dass zwei Werke von ihm komplett anders aussehen, obwohl sie zur gleichen Serie gehören.

Sind seine früheren Arbeiten noch vom Expressionismus geprägt, steht der Hauptteil seiner Arbeiten zwischen der Neuen Sachlichkeit und dem Phantastischen Realismus. Janssen zeichnete oft sich selbst, hatte aber bei seiner Motivwahl keine Wertigkeit, was zu zeichnen würdig ist. Von seinem Briefträger Heinzi bis zu einem bemoosten Stein reicht das Spektrum. Dazu scheint Janssen sehr impulsiv gewesen zu sein. „Er hat den Augenblick sehr gelebt und hatte eine Spontanität im Gefühlsausdruck“, charakterisiert Schöber den Künstler.

In den 80er Jahren wendet sich Janssen auch der Landschaft als Motiv zu. Auch hiervon sind einige Beispiele („Kartoffelfeuer“) in der Ausstellung zu sehen.

Zu der Ausstellung gibt es auch Lesestoff über Horst Janssen zu kaufen sowie ein Momory-Spiel „Face to face“ mit verschiedenen Portraits. Das Memory-Spiel kostet 25 €. Währen der Museumsnacht werden Ausschnitte des Films „Janssen:Ego“ von Peter Voss-Andreae gezeigt.

70 Ausstellung hat Axel Schöber in seiner Galerie in den vergangenen 15 Jahren bereits gezeigt. „Qualität und Einzigartigkeit sind mir wichtig“, so Schöber über seine Auswahlkriterien. Im Fokus stehen Künstler, die bereits seit einiger Zeit auf dem Kunstmarkt etabliert sind, so dass plötzliche Sprünge in der Karriere eher selten ist. „Der Kunstmarkt ist ein langfristiges Projekt“, erklärt Schöber, der neben seiner Galerie auch auf Kunstmessen aktiv ist.

Zu den Höhepunkten zählt der Galeriebesitzer daher keine Einzelausstellung, sondern die Gemeinschaftsausstellungen wie „ART Spanner“. Hier mussten verschiedene Künstlerinnen und Künstler mit einem bestimmten Objekt ein Kunstwerk schaffen. Die Ergebnisse waren in ihrer Vielfalt überraschend.

Horst Janssen
„Die Lust des Augenblicks“
noch bis zum 25. Oktober 2015

Art isotope
Axel Schöber
Wilhelmstr. 38

Öffnungszeiten:Sonntag, Montag, Dienstag, Freitag von 14:30 Uhr bis 19:30 Uhr
www.art-isotope.de




Ungewöhnliche Bildhauertechniken

Angelika Loderer, Ohne Titel (Dose), 2105 (Foto: © Angelika Loderer)
Angelika Loderer, Ohne Titel (Dose), 2105 (Foto: © Angelika Loderer)

Bis zum 01. November 2015 zeigt der Dortmunder Kunstverein in der Ausstellung „Coming in pieces“ Werke der österreichischen Künstlerin Angelika Loderer. Ihre Arbeiten spielen mit dem Spannungverhältnissen zwischen Oberflächen, Materialität und Fragilität.

Schon die erste Arbeit im Eingangsbereich zeigt die ungewöhnliche Arbeit mit Materialien. Denn die bildhauerische Arbeit aus Gips, Plastik, Sand und einem Teppich liegt flach auf dem Boden. „Die Arbeit ist hier entstanden. Teilweise mit Materialien, die ich hier vor Ort gefunden habe wie zum Beispiel den Teppich“, erklärte Loderer. „Für mich ist es eine Skulptur, aber vielleicht kann man es auch als Collage betrachten Oft entstehen diese Arbeiten aus Neugier zum Material, wie verhält sich beispielsweise Sand auf Plastik oder es sind Beobachtungen aus der Natur.“

Die Arbeit wird nach dem Abbau der Ausstellung wieder zerstört. Doch das macht Loderer nicht traurig. „Es gibt so viele Materialien aus denen ich mich bedienen kann, da brauche ich nicht neue zu kreieren, sondern verwende, was mich umgibt. Sachen bestehen und sind dann wieder weg. Das Vergängliche finde ich schön daran. Ich kann es ja immer wieder machen.“

Ein Schwerpunkt in der Ausstellung sind die Aquarien. Die bestehen aus Aluminium, Glas und Wasser. Die Metallumfassungen haben eine Anmutung von weichen Ton und wirken organisch. Hier geht die Künstlerin zurück in die Vergangenheit. „Bei den Aquarien geht es mir um die Geschichte des Objektes. Im 19. Jahrhundert schauten die Aquarien ganz anders aus. Sie bestanden aus Stahlgerüsten mit Jugendstilelementen und Verschnörkelungen“, so Loderer.

Diese Faszination hat sie künstlerisch umgesetzt und mit modernen Elementen kombiniert. „Diese Konstruktionen wollte ich bildhauerisch interpretieren“, beschreibt die Künstlerin. „Die Aschenbecher und Dosenhalter sind für mich eher Pop-Art-Elemente, die wieder auf die Gegenwart zurückführen.“ Hinzu kommt das Spiel der Gegensätze wie Härte und Weichheit und der Fragilität von Glas.

Jeder kennt es, jeder fürchtet es: Ein vergessenes Papiertaschentuch in der Hosentasche, die in der Waschmaschine gewaschenen wurde. Diesen Fusseln hat Loderer mit ihren „Waschmaschinenskulpturen“ ein kleines bildhauerisches Denkmal gesetzt. „Diese Fussel sind die Ausgangspunkte zu den Arbeiten. Sie wurden in eine Gipsform integriert“, so Loderer. So sind Arbeiten aus einem Zufallsprinzip mit organischen Formen entstanden, die zeigen, wie eine Hosentasche von innen ausschaut. Das ist auch typisch für eine Künstlerin, die gerne mit alltäglichen Materialien arbeitet.

Angelika Loderer „Coming in pieces“

Dortmunder Kunstverein

Park der Partnerstädte 2

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag 15 bis 18 Uhr

Samstag und Sonntag 11 bis 16 Uhr