Zirkus des Lebens

Werden wir eigentlich nicht alle dressiert? (v.l.n.r.) Frauke Becker, Maximilian Kurth, Marlene Unterfenger und Savannah Sonntag. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Werden wir eigentlich nicht alle dressiert? (v.r.n.l.) Frauke Becker, Maximilian Kurth, Marlene Unterfenger und Savannah Sonntag. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Bei der Premiere von „Watch me!“ am 12.03.2016 von und mit dem Jugendclub „Theaterpartisanen 16+“ im Studio des Schauspiel Dortmund wurde schon schon das Eingangsfoyer des Schauspielhauses mit in die Inszenierung einbezogen. Da wurde schon ein wenig jongliert, Spenden für den Zirkus gesammelt und der Boden vor dem Kassenbereich gescheuert.

Beteiligt an der Stück-Entwicklung waren unter der erfahrenen Leitung von Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak und Dramaturg Thorsten Bihegue sieben weibliche und zwei männliche Theaterpartisanen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren. Es spielten: Frauke Becker, Tolga Güçlü, Nadine Hövelmann, Rabea Kern, Maximilian Kurth, Savannah Sonntag, Marlene Unterfenger, Alina Vogt und Esther Wegelin.

Musikalisch begleitet wurde das Programm von einer besonderen, extra für diesen Zirkusabend engagierten Combo vom Gesamtkunstwerk e.V. / inklusive Projekte. Wie bei einem richtigen Zirkus durften Tusch und Trommelwirbel natürlich nicht fehlen. Die drei Bandmitglieder unterstützten die Vorstellung beherzt und engagiert in ihrer schwarzen Kleidung und leuchten roten Jacketts. Stichwort Kostüme: Die Kostüme und Masken für die Schauspieler/innen waren mit Bedacht und fantasievoll ausgewählt.

In dem Stück setzten sich die jungen Theaterpartisanen mit existenziellen Fragen und Problemen in fünfzehn Nummern sowohl verbal, gesanglich und mit Zauberei auseinander. Konkurrenzdruck, Zickenkrieg zwischen den Trapezkünstlerinnen, falsche Sehnsüchte, ein unzufriedenes (wg. ihrer schweren Kindheit) verhätscheltes Ensemblemitglied und ein Zirkusdirektor, der den Laden im Angesicht der prekären finanziellen Situation am Laufen halten will. Die jungen Darsteller mussten dabei auch in verschiedene Tierrollen schlüpfen, bei denen es auch nicht nur harmonisch zu ging. Immer zwischen Dressur, Konkurrenz und Teamgeist.

Eine Zentrale Frage war der Wert des Geldes in unserer Gesellschaft. Wie weit sind wir bereit, für Geld zu gehen? So fragt eine der Beteiligten sich, ob sie wohl für 10.000 Euro nackt durch die Nordstadt laufen würde.

Schon bei der ersten „Schlangen-Nummer“ zeigte sich, dass die jungen Leute bei ihrem Zirkus-Workshop im Vorfeld einiges gelernt hatten. Dem Publikum wurde ein gelungener Bauchtanz geboten, wobei am Ende die dominante Haltung gegenüber den dressierten „Schlangen“ (als „Würmer“ am Boden betrachtet) deutlich wurde. Das Programm bot eine gute Mischung aus tragikomischen Clowns-Nummern, Akrobatik, Musikeinlagen und nachdenklich-philosophischen Überlegungen der Jugendlichen.

Humorvoll wurden die Tücken der modernen Welt zum Beispiel bei der Suche nach einem klingelnden Handy, oder aber bei der verzweifelten Versuch, mit fünf verschieden gestellten Weckern, die das zu spät kommen verhindern sollen, dargestellt.

Auch das Publikum wurde in das Geschehen aktiv einbezogen. Ob als Beteiligte einer Wette oder einem Schokokuss-Wettessen. Ernsthafter und provozierend sollte gegen Ende das Publikum mit ihrem Applaus entscheiden, wer von den sieben Zirkus-Angestellten wegen der prekären Situation als entbehrlich entlassen werden sollte. Zum Schluss, so viel sei verraten, siegt der Teamgeist.

Die gelungene Gesamtleistung aller Beteiligten von „Watch me“ macht neugierig auf das nächste Jugendclub-Projekt. Weitere Termine unter www.theaterdo.de.




Retrospektive aus 45 Jahren

Druckgrafiken, Zeichnungen und Objekte zeigt Irmhild Koeniger-Rosenlecher vom 13. März bis zum 03. April 2016 im Torhaus Rombergpark. Von den abstrakten Anfängen aus ihrer Studienzeit bis hin zu den gegenständlichen Arbeiten zeigt die Künstlerin ihr breites Spektrum unter dem Titel „Körper & andere Landschaften“.

Die Titanen haben es Koeniger-Rosenlecher besonders angetan. Sisiyphos und Tantalus sind gleich zweimal abgebildet. In ihren frühen Zeichnungen aus dem Jahre 1977 wirken sie, als ob sie mit der Landschaft verwachsen sind. Dagegen sind die beiden in den Arbeiten von 2003 ein wenig autonomer geworden und haben sich von der Landschaft emanzipiert. Sie sind zu einer handelnden Figur geworden.

Die Künstlerin arbeitet mit unterschiedlichsten Techniken, beispielsweise mit Silberstiften aus Barytpapier, einem Photopapier. Durch diese aufwändige Techniken entstehen filigrane Werke wie bei der „Lärche“ (1980) und den „Birken“ (1978) deutlich zu sehen ist.

Koeniger-Rosenlecher setzt sich neben Landschaftsbilder und mythologischen Figuren auch mit Personen aus der Zeitgeschichte auseinander. So wurde „Elisabeth II“ und ihre Tasche Thema einer Arbeit ebenso wie Justin Bieber. Auch Fußballfans (eigentlich logisch in Dortmund) wurden von der Künstlerin in dem Werk „Zeitgenossen: Fußballfans nach der Niederlage“ aus dem Jahre 1982 porträtiert.

Zu den Schwerpunkten der Künstlerin gehört auch die politische Grafik. Davon ist jedoch nichts in der Ausstellung zu sehen, sieht man vom Objekt „Die stille Frau – Kokoschkas Amla Puppe“ von 2013 ab. Hier steht die Frau als Betrachtungsobjekt im Mittelpunkt.

Die Öffnungszeiten der Galerie Torhaus Rombergpark:

dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr
sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr




Postapokalyptische Archäologie

Die Installation von Veit Laurenz Kurz wirk wie ein außerirdisches Artefakt auf den Betrachter.
Die Installation von Veit Laurenz Kurz wirk wie ein außerirdisches Artefakt auf den Betrachter.

Mit der Ausstellung „Picknick am Wegesrand“ zeigt der Dortmunder Kunstverein sechs Positionen zeitgenössischer Künstler, die sich mit der Fusion von Technik und Natur auseinandergesetzt haben. Angesiedelt zwischen postapokalyptischen Szenarien wie „Mad Max“ und Entdeckung von Artefakten wie bei „Prometheus“ entwickeln die entstandenen Kunstwerke eine fremde Aura von Zukunft und Vergangenheit. Die Ausstellung läuft vom 05. März bis zum 22. Mai 2016.

Der Titel der Ausstellung nimmt Bezug auf die Erzählung „Picknick am Wegesrand“ von Arkadi und Boris Strugazki, die Basis war für den Film „Stalker“ von Andrei Tarkowski war. In dieser Erzählung gibt es eine Zone mit außerirdischen Artefakten, die zwar abgeriegelt ist, dennoch von Schatzsuchern heimgesucht wird. Veränderungen der Natur und der Schatzsucher sind die Folge.

Die Arbeiten der Ausstellung haben zumeist etwas Archäologisches an sich. Am deutlichsten wird das in der Arbeit von Phillip Zach, dessen Teppichstücke aus Erde, Schaumstoff und Restmüll an Relikte von Ausgrabungen erinnern. Dazu hat er seine Teppichstück in Stücke geschnitten, die an das Spiel Tetris erinnern.

Auch die Beton- und Sandskulpturen von Tiril Hasselknippe scheinen aus einer Ausgrabung zu kommen, oder sind es moderne Artefakte aus einem postapokalyptischen Zeitalter?

Wenn Menschen eine ausgestorbene außerirdische Zivilisation entdecken würden, gebe es dann eine Maschine wie sie Veit Laurenz Kurz ersonnen hat? Sein raumfüllendes Werk stellt eine Art Produktionsanlage für ein „Vitaminpräpaprat“ oder ähnliches dar, denn es scheint Extrakte von Pflanzen ab zu zapfen. Jedoch scheint es schon über Jahrhunderte nicht mehr benutzt worden zu sein, der Behälter ist überwuchert und die Schläuche lecken. Der Besucher kann sich in einen Astronauten versetzen, der auf einem neu entdeckten Planet erste Erkundungen macht und staunend vor dieser Maschine steht.

Die Zeichnungen, die Martin Schepers ausstellt, scheinen wissenschaftlicher Natur zu sein, haben aber auch eine extraterristische Funktion.

Rochelle Goldbergs Arbeiten erinnern etwas an die Terminator-Filme. Hier wirkt es, als ob das tote Material sich selbstständig verändert. Noch ist die alte Erscheinungsform, ein Krokodil, schwach zu erkennen, der untere Teil hat sich aber schon „verflüssigt“. In welcher Form das Material sich danach manifestiert, bleibt unklar.

Hybride Gestalten zwischen Tier, Mensch und Maschine entwirft Raphaela Vogel. Action-Kameras lassen das Digitale zu einem Teil der Natur werden und die Natur zu einem Teil des Digitalen.

 

Dortmunder Kunstverein
Park der Partnerstädte 2 (neben dem Dortmunder U)

Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 15 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr




Fundstücke zu Kunstwerken

Der "Burger" von Marc Taschowsky.
Der „Burger“ von Marc Taschowsky.

Vom 05. März bis zum 09. April zeigt die Galerie ART-isotope an der Kampstraße 80 Malerei, Grafik , Objekte von Marc Taschowsky. Der Künstler lässt sich durch die Popkultur inspirieren und schafft mit seinen Werken spannende neue Einsichten.

Aus Fundstücken schafft Taschowsky Abbilder von Medienstars. Ein Farbtopf, ein umgedrehter Lampenschirm, ein Überraschungsei als Nase und andere Dinge dazu und es entsteht für jeden ersichtlich „Bert“ aus der „Sesamstraße“.

Der Künstler stammt aus der Malerei und besitzt malerisch eine große Bandbreite, die er in seinen Portraits von Persönlichkeiten zum besten gibt. Neben Helmut Schmidt und Christoph Maria Herbst sind Figuren aus Kinderserien wie „Hallo, Spencer“ porträtiert. In der Galerie nimmt ein Bild eines „Stormtroopers“ aus „Star Wars“ eine ganze Wand ein.

Seine Objekte spielen auch mit der Pop-Kultur. „Ohne Pop-Art hätte ich diese Motivik nicht gemacht“, gibt Taschowsky zu. So verwandeln sich Alltagsgegenstände in Superhelden, Häschen begehen Selbstmord oder Käfer wurden zu Kämpfern. „Ich sammle Sachen, die kaputt sind oder Freunde schenken mit Material“, erzählt Taschowsky wie er zu seinen Gegenständen kommt. Manche Objekte hat er komplett in Schwarz lackiert. „Das mache ich manchmal, wenn ich finde, dass eine weitere Entfremdung notwendig ist“. Was kommt zuerst? Die Idee oder der Gegenstand? Beim Objekt „Burger“ wird deutlich, dass die Idee zum Objekt führt. Ein Ball wird in zwei „Brötchenhälften“ geteilt und mit Material gefüllt, so dass ein gut gefüllter „Ballburger“ entsteht.

Ausgestellt sind auch einige Druckgrafiken. Unter anderem auch eine Grafik von David Bowie, die bereits 2013 entstand.

ART-isotope

Galerie Schöber

Kampstraße 80

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag von 11 bis 14 Uhr sowie 15 bis 19 Uhr.

www.art-isotope.de




Haptisches Vergnügen

Suse Solbach vor einigen ihrer Arbeiten.
Suse Solbach vor einigen ihrer Arbeiten.

Die Ausstellung von Suse Solbach in der Galerie Dieter Fischer im Depot Dortmund trägt den Titel „Allerweltsbunt“. Wer sich umschaut, wird Besonderheiten feststellen. Manche Bilder sind auf einem Nagel aufgespießt. Das ist kein Versehen, denn so haben die Besucher die Möglichkeit, die Bilder auch anzufassen. Denn Solbach arbeitet nicht nur mit unterschiedlichen Papieren, sondern auch mit flüssigem Wachs, der ihre Bilder beinahe einschließt. So kann man die Bilder nicht nur sehen, sondern auch haptisch erleben. Die Ausstellung läuft vom 04. März bis zum 27. März 2016.

Suse Solbach malt ihre abstrakten Bilder mit unterschiedlichen Materialien wie Öl, Acryl oder Buntstiften. Zudem benutzt sie verschiedenes Papier. Um den haptischen Effekt der Bilder noch zu verstärken, übergießt sie die Bilder mit Wachs. Dabei benutzt sie nicht nur weiße, sondern auch farbige Kerzen. „Ich achte darauf, dass das Wachs das Bild nicht komplett einschließt, ich will dass man das Papier noch erkennt“, erklärt die Künstlerin.

Von den etwa 70 Bildern fallen einige aus dem Rahmen. Mehrere Kreidearbeiten aus ihrer „quadratischen Phase“ wie Solbach anmerkte, tanzen ihrer strengen Geometrie mit den geraden Linien aus der Reihe der ansonsten sehr freien abstrakten Bilder. „ich möchte mit meinen Bildern die Fantasie anregen“, wünschst sich Solbach.

Es ist auch möglich die Bilder anzufassen. Daher die ungewöhnliche Hängung an einen Nagel. Wer sich traut, kann das Bild abnehmen und das Wachs und die unterschiedlichen Papiere spüren und somit einen weiteren Erkenntnisgewinn erlangen.

Die Vernissage ist am Freitag, dem 04. März um 19 Uhr.

Die Galerie Dieter Fischer ist von Donnerstag bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr geöffnet.

Galerie Dieter Fischer

Immermannstraße 29

44147 Dortmund

www.galerie-dieter-fischer.de




Einladung zum kreativen Beisammensein

Volker Sternemann (rechts unten)  und weitere Besucher beim Porträtieren von Jason (links mitte)
Viktor Sternemann (rechts unten) und weitere Besucher beim Porträtieren von Jason (links mitte)

Die Galerie 103 in der Oesterholzstraße 103 zeigt die Ausstellung „Borsigplatz-Portraits“ von Viktor Sternemann. Doch Sternemann hat noch mehr vor: Wer sich vielleicht selber künstlerisch betätigen möchte, kann dies zwanglos in den „offenen Ateliers“ tun, die der Künstler jeden Dienstag von 14 bis 18 Uhr anbieten wird.

Sternemann zeichnete acht Monate lang gegen die Borsigplatz-Währung „Chancen“ etwa 100 Portriats von Menschen rund um den Borsigplatz. Etwa 84 von ihnen hängen nun in der Galerie 103. Angefangen von Motorradfahrern über Nachbarn bis hin zu Bewohnern des AWO-Wohnheims, die Bandbreite von Sternemanns Acrylportraits ist groß. „Ich habe meist nach der Natur gemalt, aber auch manchmal experimentell“, erklärte der Künstler.

Daneben läuft in der Galerie ein weiteres Projekt von Sternemann: Das „offene Atelier“. Hier können Menschen künstlerisch tätig werden. Sternemann wird in der Regel vor Ort sein und bei Bedarf Unterstützung leisten. Doch es ist kein Malkurs oder ähnliches. „Die Leute sollen locker werden“, so der Künstler, „und ihre Ideen eigenständig umsetzen“. Dieses Experiment ist zunächst für zwei Monate geplant. Unterstützt wird Sternemann von René Becerra-Pinto sowie Pia Drüphake.




Eine kurzweilige Videoausstellung

Bis zum 27. März 2016 zeigt das Künstlerhaus am Sunderweg 1 die Ausstellung „keine Zeit“. 19 Künstlerinnen und Künstler zeigen Videoarbeiten, die in der Regel drei Minuten nicht überschreiten. Kurzweilige, surreale, schrille und ruhige Arbeiten sind bunt gemischt.

Die schrillste Arbeit der Ausstellung stammt ohne Zweifel von Heidi Hörsturz. Ihr Video „Sex Trashart Attacks! Cybercat Maturbation! Unicorn deconstruction!“ vereint Noise Musik mit audiovisullen Gehirnattacken. Eine grelle Kombination aus Puppen und Sexbilder, wild ineinanderkopiert.

Im gleichen Raum ist das ruhige, fast meditative „Trainstation“ von Jungwoon Kim. Schwankende und unstete Räume verändern sich durch den Wind. Architektonische Elemente werden zu irrationalen und absurden Formen.

Ruhig ist ebenfalls die Arbeit von Stefan Hurtig. Sein Video „Challenge“ setzt sich mit Heidi Klum auseinander. Ihr Satz „Leider kein Foto“ wird als Loop gespielt, während von Klum nur die roten Lippen auf schwarzem Grund zu sehen ist, ähnlich wie beim Anfang der „Rocky Horror Picture Show“.

Unterschrift und Fotografie haben eine Art von magischer Beweiskraft. Die Arbeit von Johannes Gramm „Failed Marian apparition“ ist ein gescheiterter Porträtversuch von Maria in einer Kirche. Doch sie taucht nicht auf. Eine Besonderheit: Der Film wird in einer Kiste gezeigt.

Steffi Linder beschäftigt sich mit dem vergeblichen menschlichen Bemühens. Das Video „Happy in bits“ zeigt eine Frau in vergeblichen Bemühen verschiedene Dinge zu tun. Beispielsweise ein Blatt Papier durch Pusten an einer Wand zu halten.

Nicht ohne Humor ist auch der Beitrag von Barbara Dévény „Steh auf und geh“. Hier erzählen ein Mann und eine Frau über ihren letzten Tag in ihrer Beziehung. Soviel sei verraten: Die Sichtweise beider Protagonisten unterscheidet sich fulminant voneinander.

Kurator der Ausstellung ist Cornelius Grau. Die Ausschreibung war bewusst allgemein gehalten, nur die Zeitvorgabe war vorgegeben. Zur Raumaufteilung sagte Grau: „Der Sound ist ein Kriterium, denn die meisten Projektionen laufen laut.“

Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler: Ankabuta, Sven Bergelt, Barbara Dévény, Karin Felbermayr, Jeanne Fredac, Johannes Gramm, Simone Haeckel, Heidi Hörsturz, Stefan Hurtig, Jungwoon Kim, Timo Klos, Karoline Kreißl, Patrik Leppert, Steffi Lindner, Anna May, Hannes Nienhüser, Sara Pfrommer, Anja Sijben und Anne-Theresa Wittmann

Die Öffnungszeiten des Künstlerhauses sind Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr

Infos unter www.kh-do.de




Erzählende Bilder

Für die Bilder von Rudi Meisel muss man sich Zeit nehmen. Denn viele Details laden zum Entdecken ein. Eine kleine Maggi-Flasche oder eine Zeitung auf einem Verkaufstisch. Darüber hinaus haben die Bilder auch etwas Nostalgisches, was durch das Schwarz-Weiß verstärkt wird. Meisels Bilder handeln vom alltäglichen Leben der Menschen in beiden Deutschlands. „Two Germanys“ nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit und es ist manchmal schwer zu sagen, ob ein Bild in West- oder Ostdeutschland entstanden ist. Die Ausstellung im Studio des MKK läuft vom 20. Februar bis zum 08. Mai 2016.

Die meisten Bilder entstanden zwischen den 70er und 80er Jahren. Sie zeigen zwei Länder, die sich in der Nachkriegszeit eingerichtet haben. Stammtische, Volksfeste, Biedermeiergemütlichkeit, Jugend prägen die Bilder von Meisel. Die hohe Kunst von Meisel ist es, als Fotograf unsichtbar zu bleiben. Staunen und beeindruckt sein, das sind die Kernthesen seiner Arbeiten. „Man muss neugierig wie ein Kind sein“, so der Fotograf, der für verschiedene Magazine wie GEO, Spiegel, TIME oder dem ZEITmagazin gearbeitet hat.

Eine weitere Besonderheit ist es, zwei Bildmotive in einem Bild zu verschmelzen. Beispielsweise in dem Bild aus Bonn 1983. Neben den Demonstranten am Bahnhof steht ein Bahnbeamter scheinbar entrückt, als ob in die Menschen um ihn herum nichts anhaben könnten.

Meisel geht unideologisch an seine Fotomotive. Er will weder Menschen bloßstellen, noch herablassend über sie urteilen. Das Elend in den Wohnquartieren gibt es in Ost und West und die Sorgen und Nöte sind für die Menschen in beiden Staaten ähnlich.

Das Faszinierende an diesen Street-Fotografien sind eben die Details: Die Mode der Jugendlichen aus den 80ern, die Autos, die Inneneinrichtungen. Ein Zeitsprung zurück in zwei Länder, die sich zwar ideologisch unterschieden, aber sich dennoch sehr ähnlich waren. „Es gab den gleichen Mief im Westen wie im Osten. Nur das der West-Mief ein paar Chromstreifen hatte“, fasst Meisel zusammen.




Dada in Dortmund

Das "Huelsenherz" von A. Diéga wird am Grab von Huelsenbeck reanimiert.
Das „Huelsenherz“ von A. Diéga wird am Grab von Huelsenbeck reanimiert.

Dieses Jahr feiert die Kunstrichtung Dada ihren 100. Geburtstag. Auch in Dortmund gab es Dadaisten und ihr Hauptvertreter hieß Richard Huelsenbeck. Was liegt also näher, als dieses Ereignis gebührend zu feiern. 100 Tage lang – vom 21. April bis zum 29. Juli 2016 – werden vornehmlich Dortmunder Künstler unter dem Label „DADADO 100“ Dortmund mit dadaistischer Kunst beglücken. Literatur, Musik, bildende Kunst oder Performance alles wird dabei sein.

Den Startschuss gibt ein Symposium zu „Dada“. Die Kunsthistorikerin Uta Schmidt wird am 21. April 2016 im Evinger Schloss eine Einführung über die Kunstrichtung geben. Am 23. April 2016 findet die erste große Veranstaltung statt und eigentlich sind es zwei: Zunächst treffen sich die Teilnehmer um 15 Uhr am Südwestfriedhof. Am Grab von Huelsenbeck wird das von A. Diéga gestaltete „Huelsenherz“ reanimiert. Danach zieht der Marsch weiter zur Pauluskirche. Dort beginnt um 18 Uhr der zweite Teil mit einen vielfältigen kulturellen Programm. Dieser Teil wird etwas kosten. Der Eintritt beträgt 19,16 € plus 0,84 € Spende für gemeinnützige Zwecke.

Dabei sein werden die Dadainen (vier Frauen vom Dortmunder Sprechchor), Eberhard Kranemann (Gründungsmitglied von Kraftwerk) und weitere Künstlerinnen und Künstler.

Das sind aber noch keine 100 Tage, wird vielleicht der eine oder andere bemerken. Richtig, denn am endgültigen Programm wird noch gestrickt. Geplant sind Veranstaltungen in ganz Dortmund wie dem Balou in Brackel oder dem domicil. Mitte März werden die Programmflyer gedruckt und verteilt.

Für die Organisatoren Anette Göke, Richrad Ortmann und Dieter Gawohl (A.Diéga) steht also noch einiges an Arbeit bevor. Die rund 20 Veranstaltungen sollen auf jeden Fall höchst unterschiedlicher Art sein und auch neben der Geschichte des Dada die aktuelle Dadaszene porträtieren.

Informationen gibt es auch auf der Homepage www.dadado100.de




Lichtbild-Kunst im Torhaus

Karl-Ulrich Peisker vor seinem Lichtbild "Rot 2.0" und neben der Bildstele "rund".
Karl-Ulrich Peisker vor seinem Lichtbild „Rot 2.0“ und neben der Bildstele „rund“.

Die Fotografie hatte von Beginn an nicht nur eine dokumentarische Funktion, sondern besaß auch eine künstlerische Komponente. Die Beschäftigung mit dem Medium führte bereits in der analogen Zeit zu spannenden Erkenntnissen, im digitalen Zeitalter sind die Möglichkeiten dank Software wie Photoshop oder GIMP quasi unerschöpflich. Karl-Ulrich Peisker zeigt in der Ausstellung „Ein-Augen-Blick“ im Torhaus Lichtbilder, die dokumentarischen, inszenierten und virtuellen Charakter haben. Die Ausstellung läuft vom 14. Februar bis zum 06. März 2016.

Peisker versucht in seinen Bildern andere Sichtweisen auf die Wirklichkeit zu schaffen. Die etwa 25 ausgestellten Fotografien können in drei Gruppen aufgeteilt werden. Zunächst ist die Beobachtung ein wesentlicher Faktor in der ersten Gruppe. Hier führt der Künstler die Betrachter durch die Vergrößerung in die faszinierende Welt der Details. So enthüllt uns beispielsweise ein Briefbeschwerer aus Glas seine inneren Geheimnisse.

Die zweite Gruppe besteht aus inszenierter Wirklichkeit. Hier ist mit „stadtbewegt“ eine Collage aus menschlichen Füßen zu sehen und der Betrachter spürt förmlich die Schwere der getragenen (aber nicht sichtbaren) Einkaufstaschen. Ebenso verwandelt sich ein Bild durch den Tausch von Farben (grün statt rot) in ein Landschaftsbild mit Wasser, das aber nie vorhanden war.

Kennzeichnend für die Arbeiten von Peisker ist die Beschäftigung mit der Vertikale. Das ist durchaus schon in den erstgenannten Gruppen zu sehen, richtig deutlich wird es in der „virtuellen Wirklichkeit“. Hier sind Farben und ihre vertikale Form im Vordergrund. Manche Bilder lassen an Spektrografien denken. In diese Gruppe gehören auch drei Bildstelen (dreikant, vierkant, rund), die die Motivik der virtuellen in die dreidimensionale Wirklichkeit übernehmen.

Die Öffnungszeiten der Galerie Torhaus Rombergpark:

dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr

sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr