Studio X: Eine Ausstellung über ein besonderes Kino

„Komm Bambino, wir gehen ins Pornokino“, sangen 1982 „Die Crackers“, eine Deutschrock-Band aus Hessen, die durch die Neue Deutsche Welle bekannt wurde. Dieser Song hätte genauso gut in Dortmund spielen können, denn damals gab es das „Studio X“ am Burgwall. Die Ausstellung im Hans A, in der Hansastraße 6–10, erinnert an das legendäre Kino mit Ausstellungsstücken, Fotografien und Zeichnungen.

Eine Hommage an das Studio X

Die Ausstellung „Studio X“ ist eine Gemeinschaftsarbeit von Hendrik Müller, Silvia Liebig und Ach Kuhzunft (alias Achim Zepezauer). Im Zentrum des Raumes steht eine Installation, die eine Mischung aus Kinokabine und Gelsenkirchener Barock nachbildet – ergänzt durch Regale mit Sextoys. Doch keine Sorge: Es wird nichts Explizites gezeigt. Stattdessen werden alte Leuchtreklamen und Innenaufnahmen des seit 2017 geschlossenen Kinos präsentiert.

Das „Studio X“ blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Im 19. Jahrhundert befand sich an diesem Ort ein Konzertsaal, später ein Theater. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs entstand ein Kino mit fast 1.000 Sitzplätzen und der größten Leinwand Dortmunds. Als in den 1970er-Jahren viele Kinos schließen mussten, wandelte sich das Studio X 1977 unter einem neuen Besitzer zum Pornokino. Doch der Erfolg war nicht von Dauer: Das Aufkommen von Videorekordern und später des Internets mit seinen kostenlosen Inhalten führte letztlich zum Niedergang des Kinos.

Studio X meets Gelsenkirchener Barock.
Studio X meets Gelsenkirchener Barock.

Peter Schmieder betonte in seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung, dass das Studio X nicht nur ein Ort für sexuelle Begegnungen – vor allem für homosexuelle Menschen – war, sondern auch ein Treffpunkt für Stricher und Prostituierte. Mit dieser Funktion gingen jedoch auch die Schattenseiten der Prostitution einher.

Das Ende des Studio X und die Ausstellung im Hans A

Obwohl das Gebäude und seine Geschichte bald endgültig verschwinden werden, bleibt das „Studio X“ in den Erinnerungen vieler Menschen lebendig. Die Ausstellung zeigt, wie dieses Kino zugleich ein Ort der Freiheit, der Begegnung und der Kontroverse war. Dies spiegelt auch der Sprechchor wider, der bei der Eröffnung eine Performance aus Erinnerungsfetzen von Kinogänger*innen vorführte.

Die Ausstellung im Hans A läuft noch bis zum 10. Januar 2025. Die Öffnungszeiten sind von 15 bis 18 Uhr.




Banality Control: Die Kunst der Banalität im Künstlerhaus Dortmund

Kunst hat seit jeher die Aufgabe, die Welt in ihrer ganzen Bandbreite abzubilden – von Schönheit und Schrecken bis hin zur Trivialität. Banalität in der Kunst fungiert dabei als Spiegel des Alltags, der uns das scheinbar Gewöhnliche bewusst macht. Manchmal wird sie zur Provokation, indem sie dazu auffordert, über das Offensichtliche hinauszudenken. Die Ausstellung Banality Control, die bis zum 19. Januar 2025 im Künstlerhaus Dortmund zu sehen ist, versammelt Werke von acht Künstler*innen, die sich mit den vielfältigen Facetten des Banalen auseinandersetzen. Kuratiert von Dirk Pleyer, erkundet die Ausstellung die ästhetische, emotionale und gesellschaftliche Dimension des Alltäglichen.

Von Staubsaugern bis Tennisplätzen

Die ausgestellten Werke zeigen eindrucksvoll, wie alltägliche Gegenstände und Szenarien in neuem Licht erscheinen können. So laden die Arbeiten von Kira Fröse dazu ein, die vertraute Welt aus einer ungewohnten Perspektive zu betrachten. In ihren Werken prallen Tischtennisbälle auf Pömpel oder werden alltägliche Objekte mit Humor und Leichtigkeit verfremdet. Diese spielerischen Interventionen erzeugen eine Spannung zwischen ästhetischer Harmonie und der Lust, die Gegenstände anfassen und erkunden zu wollen.

Einen anderen Ansatz verfolgt Klaus Geigle, der das ikonische Gemälde Die Toteninsel von Arnold Böcklin humorvoll neu interpretiert. Durch die Integration von Tennisplätzen und deren allmähliche Rückeroberung durch die Natur wird die Schwere des Originals mit subtiler Ironie gebrochen.

Diese Ausstellung enthält viel Humoriges in den ausgestellten Werken. Banality Control.
Diese Ausstellung enthält viel Humoriges in den ausgestellten Werken. Banality Control.

Das Thema Staubsaugen – ein oft übersehener, fast lästiger Teil des Alltags – wird in den Werken von Andrea Lüth und Melanie Milo zu einem zentralen Motiv. Andrea Lüth präsentiert eine riesige Zeichnung einer staubsaugenden Person, die durch ihre Dimensionen und spielerischen Details beeindruckt. Melanie Milo hingegen betrachtet in ihrer Serie Küche / Diele / Bad (Deborah) ihren Wohnraum aus der Perspektive ihres Saugroboters „Deborah“. Diese mechanische, unpersönliche Kartierung steht im Kontrast zur emotionalen Bindung an die Räume. Dabei werden Objekte wie Mülleimer oder Duschen zu abstrakten, grafischen Formen, die den Blick auf das Banale neu definieren.

Zwischen Verfremdung und Poesie des Alltags

Auch Kerstin Müller-Schiel spielt in ihrer Malerei und Keramik mit der Verfremdung. Ihre Werke bewegen sich zwischen Rätselhaftem und Uneindeutigem, wobei sie alltägliche Vorlagen wie Fotografien oder Magazinbilder in einen völlig neuen Kontext überführt. Die Ergebnisse sind Figuren und Fragmente, die sich einem klaren Dialog entziehen und eine geheimnisvolle Stille ausstrahlen.

Humorvoll und spielerisch nähert sich Klaus Sievers der Banalität. Ein Orangenbonbon, das er vor dem Künstlerhaus gefunden hat, wurde spontan Teil seiner Ausstellung. Mit solchen scheinbar unscheinbaren Objekten regt er Diskussionen an und zeigt, dass selbst das Banale eine Bühne verdient.

Wolfgang van Triel widmet sich in seinen Fotoserien der Urbanität. Er zeigt Orte, Straßen und Gebäude als lebendige Räume, die Wandel, Vergänglichkeit und Identität verkörpern. Seine Bilder wirken oft wie Lost Places und wecken ein Gefühl der Nostalgie für das Alltägliche.

Anna Vasof schließlich beeindruckt mit ihrer spielerischen Subversion. Ihre Kunst basiert auf Experimenten mit Bewegung und Zeit, in denen sie scheinbar selbstverständliche Annahmen hinterfragt. Alltagsgegenstände wie Schuhe oder Töpfe werden in ihren Werken zu Trägern sozialer Paradoxien und laden dazu ein, die Welt aus ungewohnten Blickwinkeln zu betrachten.

Wichtige Informationen zur Ausstellung

Die Ausstellung Banality Control ist bis zum 19. Januar 2025 im Künstlerhaus Dortmund zu sehen. Bitte beachten Sie die Winterpause: Vom 23. Dezember 2024 bis einschließlich 8. Januar 2025 bleibt das Künstlerhaus geschlossen. Ab dem 9. Januar 2025 ist die Ausstellung wieder geöffnet.




„Pinocchios Träume“ im Fletch Bizzel

Im Theater Fletch Bizzel dreht sich seit dem 1. Dezember alles um „Pinocchios Träume“. Im Mittelpunkt stehen die Ergebnisse eines spannenden Workshops, in dem der Künstler Klaus Pfeiffer gemeinsam mit Jugendlichen eine Brücke zwischen Theater und Smartphone-Fotografie geschlagen hat. Die jungen Schauspieler*innen, die zuvor unter der Leitung von Rada Radojčić das Theaterstück „Pinocchio“ auf die Bühne brachten, wurden in kreative Ausdrucksformen und künstlerische Fototechniken eingeführt.

Von der Bühne zur Leinwand – Pinocchios Träume neu interpretiert

Ein Beispielbild aus der Ausstellung. (Foto: (c) Klaus Pfeiffer)
Ein Beispielbild aus der Ausstellung „Pinocchios Träume“. (Foto: (c) Klaus Pfeiffer)

Das Ergebnis dieses Workshops sind beeindruckend persönliche Kunstwerke, die die individuellen Erfahrungen der Jugendlichen widerspiegeln. Sie setzen sich darin kreativ mit der Figur Pinocchio auseinander und verarbeiten die Veränderungen, die sie während des Theaterprojekts durchlebt haben. Klaus Pfeiffer zeigte sich begeistert darüber, wie viel Eigenes die Teilnehmer*innen in ihre Arbeiten eingebracht haben – von mutigen Bildkompositionen bis hin zu intensiven Farbbearbeitungen mit der App Snapseed.

In nur zwei Workshops lernten die Jugendlichen nicht nur die Grundlagen der Fotografie und Bildgestaltung, sondern auch den bewussten Einsatz digitaler Bearbeitungstools. Die entstandenen Werke sind nicht nur eine visuelle Erweiterung des Theaterstücks, sondern auch ein Beweis für die kreative Entwicklung der jungen Künstler*innen.

Wer eines der Bilder erwerben möchte, kann dies für 50 Euro tun. Der Erlös fließt direkt in ein neues Theaterprojekt, wie Theaterleiterin Rada Radojčić betonte. Die Ausstellung „Pinocchios Träume“ ist noch bis Mitte Februar im Fletch Bizzel zu sehen – ein inspirierender Blick auf die Träume und Talente junger Menschen, die mit Pinocchios Abenteuer nicht nur eine Geschichte, sondern auch ihre eigene kreative Reise erzählt haben.




Facetten Dortmunds – Ausstellung der Urban Sketchers im Amtsgericht

Ein besonderer Termin in einem ehrwürdigen Gebäude mit Sicherheitskontrolle wie am Flughafen: Das Amtsgericht Dortmund hatte eingeladen. Und zwar herzlich – nicht vorgeladen, sondern eingeladen. Mehr als siebzig Gäste folgten der Einladung.
Bei Kaffee und Kuchen, liebevoll zubereitet von den Auszubildenden, freute sich Gerichtspräsident Jörg Heinrichs, die vielen weißen Flächen des Gebäudes mit neuen, meist farbenfrohen Werken gefüllt zu sehen. Mit der Zusammenarbeit mit den Urban Sketchers Dortmund möchte er den Besucherinnen und Besuchern Freude bereiten, verschiedene Facetten seiner Institution zeigen und mehr Transparenz vermitteln. Zudem hofft er, ihnen die oft empfundene Angst, ähnlich der „vor dem Zahnarzt“, ein wenig zu nehmen.

Urban Sketching: Eine weltweite Bewegung

Das Plakat der Ausstellung . (Foto: (c) Martina Bracke)
Das Plakat der Ausstellung . (Foto: (c) Martina Bracke)

Urban Sketching, das Zeichnen im städtischen Raum, ist eine weltweite Bewegung, die 2007 von dem Amerikaner Daniel Campanario ins Leben gerufen wurde. Nachdem er nach Seattle gezogen war, erkundete er seine neue Heimat mit Papier und Stift und zeichnete öffentlich, sodass ihm Interessierte über die Schulter sehen und ins Gespräch kommen konnten. So entstand schnell eine Gemeinschaft Gleichgesinnter. Heute umfasst die Urban-Sketching-Szene eine weltweite Community, die auch in Deutschland stark vertreten ist – mit jährlichen Deutschlandtreffen und umfangreicher Internetpräsenz.
In Dortmund organisieren sich die Zeichnerinnen und Zeichner seit 2016. Sie richteten 2022 das deutschlandweite Treffen aus, unterstützt vom Museum für Kunst und Kulturgeschichte, das regelmäßig Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Von dort aus ziehen sie hinaus in die Stadt, um ihre Umgebung festzuhalten. Bei Regen weichen sie nach drinnen aus, etwa in Museen – nur Kälte hält sie nicht auf.

Die Ausstellung im Amtsgericht

Die ausgestellten Bilder sind über drei Etagen im Amtsgericht verteilt: im Foyer, in der Kantine im Untergeschoss und im ersten Stock. Zu den Öffnungszeiten des Gerichts können die Werke betrachtet werden. Die Formate der Bilder reichen von klein (fünf mal sieben Zentimeter) bis groß (DIN A3), die Stile sind vielfältig. In großen Rahmen präsentiert, zeigen die Werke die Architektur Dortmunds – alt und neu, von Details bis hin zu Panoramen.
Besonders interessant: Neben Stadtansichten wurden auch Gerichtsverhandlungen skizziert. Wie Birgit Encke berichtet, waren die Beteiligten – von Staatsanwälten über Richter bis hin zu Angeklagten – begeistert und ließen sich gern zeichnen. Einige nahmen mehrfach teil, um sicherzustellen, dass sie abgebildet wurden. Oft wurden die Werke oder Fotos davon ausgetauscht, und Originale wechselten die Besitzer.
Die ausgestellten Bilder können auch erworben werden. Interessierte können sich mit den Urban Sketchers in Verbindung setzen. Die Ausstellung ist montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr im Amtsgericht Dortmund, Gerichtsplatz 1, zu sehen.
Weitere Informationen:

  • Urban Sketchers Dortmund: www.uskdo.de
  • Regelmäßige Treffen: donnerstags, 18 Uhr, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastr. 3
  • Kontakt für den Erwerb von Bildern: usk-ausstellung-ag@gmx.de
  • Amtsgericht Dortmund: www.ag-dortmund.nrw.de
Die ehemalige Lehrerin Regina Dennig hat erst mit dem Ruhestand Muße für ein neues Hobby gefunden. Sie schätzt die Atmosphäre bei den Sketchers. Eins ihrer Bilder: oben rechts. Foto: © Martina Bracke
Die ehemalige Lehrerin Regina Dennig hat erst mit dem Ruhestand Muße für ein neues Hobby gefunden. Sie schätzt die Atmosphäre bei den Sketchers. Eins ihrer Bilder: oben rechts. Foto: © Martina Bracke
Sigrid Ziesmer ist seit vier Jahren regelmäßig dabei, nachdem sie zuvor hauptsächlich Landschaften gemalt hatte. Jetzt zeichnet sie gern Architektur, Menschen und Autos. Foto: © Martina Bracke
Sigrid Ziesmer ist seit vier Jahren regelmäßig dabei, nachdem sie zuvor hauptsächlich Landschaften gemalt hatte. Jetzt zeichnet sie gern Architektur, Menschen und Autos. Foto: © Martina Bracke
Wilfried Ahlmeyer von den Urban Sketchers und Gerichtspräsident Jörg Heinrichs freuen sich über die gelungene Ausstellung und die Resonanz. Foto: © Martina Bracke
Wilfried Ahlmeyer von den Urban Sketchers und Gerichtspräsident Jörg Heinrichs freuen sich über die gelungene Ausstellung und die Resonanz. Foto: © Martina Bracke



Stadtbilder und abstrakte Werke von Martina Bracke und Lea Piermaier

„Von Urban Art bis Abstraktion – ein kreativer Mix auf Papier und Leinwand“ – so lautet die sinngemäße deutsche Übersetzung des Ausstellungstitels „From Urban Art to Abstraction – A Creative Mix on Paper and Canvas“. Im „Wohnzimmer im Piepenstock“ in der Schildstraße 1 in Dortmund-Hörde präsentieren Martina Bracke und Lea Piermaier ihre Werke, die mindestens noch bis zum Jahresende zu sehen sind.

Während Martina Bracke erst kürzlich ihre Ausstellung im Fletch Bizzel abgeschlossen hat, ist diese Schau für die junge Künstlerin Lea Piermaier eine Premiere. Beide Künstlerinnen kommen aus unterschiedlichen Generationen, doch der Kontakt entstand durch Leas Mutter. Die Ausstellung zeigt, wie vielseitig Kunst sein kann, wenn zwei so unterschiedliche Stile nebeneinander präsentiert werden.

Kontraste in Technik und Inspiration

Martina Bracke zeigt in der Ausstellung ihre charakteristischen bunten Stadtbilder, die durch leuchtende Farben und lebendige Details bestechen. Daneben präsentiert sie zahlreiche Tuschearbeiten, die im Rahmen von „Inktober“-Challenges entstanden sind. Bei diesem internationalen Zeichenprojekt erstellen die Teilnehmer jeden Tag im Oktober eine Zeichnung zu einem vorgegebenen Thema. Diese Arbeiten geben einen spannenden Einblick in Brackes kreativen Prozess und ihre Experimentierfreude.

Martina bracke (links) und Lea Piermaier bei der Vernissage ihrer gemeinsamen Ausstellung.
Martina bracke (links) und Lea Piermaier bei der Vernissage ihrer gemeinsamen Ausstellung.

Lea Piermaier hingegen bringt einen wissenschaftlichen Hintergrund in ihre Kunst ein. Obwohl sie ein Semester Kunst auf Lehramt studiert hat, arbeitet sie mittlerweile in einem pathologischen Institut. Ihre Kunst dient ihr als kreativer Ausgleich zum Berufsalltag. Während ihre frühen Werke noch gegenständliche Motive wie Gitarren zeigten, dominieren heute abstrakte Kompositionen ihre Arbeiten. Die ausgestellten Bilder sind meist farbenfroh, wobei Rot- und Türkistöne in unterschiedlichen Abstufungen den Schwerpunkt bilden.

Die Ausstellung vereint zwei völlig unterschiedliche künstlerische Handschriften und zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig und bereichernd die Begegnung verschiedener Kunststile sein kann. Besucher können sich sowohl von den urbanen Motiven Martina Brackes als auch von den expressiven Abstraktionen Lea Piermaiers inspirieren lassen.




„Grafik aus Dortmund“: Zwischen Vielfalt und Verwässerung

Die Ausstellung „Grafik aus Dortmund“ im Kulturort Depot zeigt Arbeiten von 30 Künstler*innen und bietet einen breit gefächerten Einblick in die lokale Kunstszene. Von realistischen Zeichnungen bis hin zu abstrakten digitalen Arbeiten spiegelt sie die kreative Vielfalt der Dortmunder Kunstszene wider. Dennoch wirft die Veranstaltung auch Fragen auf – insbesondere in Bezug auf die Definition und den Schwerpunkt des Begriffs „Grafik“.

Verwässerung des Begriffs „Grafik“

Die Ausstellung integriert Arbeiten aus verschiedenen Techniken und Stilen, darunter Collagen, Installationen und digitale Werke. Dieser Ansatz betont zwar die Vielseitigkeit der teilnehmenden Künstler*innen, führt jedoch dazu, dass der Fokus auf die ursprüngliche Disziplin der Grafik verloren geht. Grafik als eigenständige Kunstform umfasst traditionell Techniken wie Zeichnung, Radierung, Lithografie oder Druckgrafik. Indem die Ausstellung eine breitere Palette an Medien zulässt, wird dieser spezifische Kernbegriff aufgelöst.

Die Künstler*innen der ersten Grußkarten-Edition "Grafik aus Dortmund 2024" mit Oberbürgermeister Thomas Westphal und Sebastian Junker vom Vorstand der Sparkasse Dortmund.Foto; (c) Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Die Künstler*innen der ersten Grußkarten-Edition „Grafik aus Dortmund 2024“ mit Oberbürgermeister Thomas Westphal und Sebastian Junker vom Vorstand der Sparkasse Dortmund. Foto; (c) Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Kein gleichwertiger Ersatz: Die Grußkarten-Edition

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Einführung der Grußkarten-Edition, die den Kalender „Grafik aus Dortmund“ ablöst. Der Kalender, fast fünf Jahrzehnte ein fester Bestandteil der Dortmunder Kunstszene, war eine beliebte Plattform zur Förderung von Künstlerinnen und ein gefragtes Sammlerstück. Ob die Grußkarten, wenngleich hochwertig produziert, die gleiche Strahlkraft, die der Kalender haben wird, bleibt abzuwarten

Vielfalt und Individualität der Präsentation

Positiv hervorzuheben ist das neue Konzept der Präsentation. Jeder Künstlerin erhielt eine individuell gestaltbare Fläche von zwei mal zwei Metern, was Raum für persönliche Handschriften und kreative Freiheiten bot. Werke wie Teelke Limbecks „Papierfelsen“ oder die collageartigen Arbeiten von Anett Frontzek zeigen die Vielschichtigkeit der ausgestellten Werke

Fazit: Zwischen Fortschritt und Traditionsverlust

Die Ausstellung „Grafik aus Dortmund“ zeigt die lebendige Kunstszene der Stadt und bietet ein vielseitiges Erlebnis. Dennoch verwässert die Integration anderer Techniken den grafischen Fokus. Eine stärkere Rückbesinnung auf den Kern der Grafik als Kunstform könnte die Ausstellung inhaltlich und konzeptionell schärfen.

Besuchszeiten: Die Ausstellung läuft bis zum 8. Dezember 2024 und ist donnerstags bis sonntags kostenlos im Depot Dortmund zu sehen. Die Grußkarten-Edition kann während der Finissage erworben werden.

grafik-aus-dortmund.de




Black Comics – Entwicklung vom Sidekick zum Superhelden

Im Schauraum Comic + Cartoon Dortmund können Besucher*innen vom 16. November 2024 bis zum 27. April 2025 die Ausstellung „Black Comics – Vom Kolonialismus zum Black Panther“ erkunden. Sie richtet sich an Fans des Genres und Interessierte, die sich mit kulturellen und gesellschaftlichen Themen beschäftigen möchten. Begleitet wird die Ausstellung von einem Rahmenprogramm und der Veröffentlichung eines Spezialbuchs Ende 2024. Sie greift aktuelle Themen wie kulturelle Aneignung, Rassismus und Post-Kolonialismus auf. Der Kurator ist Dr. Alexander Braun, ein Experte auf diesem Gebiet.

Von kolonialen Klischees zu selbstbewussten Erzählungen

Die Ausstellung zeigt die Geschichte der „Black Comics“ im 20. Jahrhundert. Sie beginnt bei kolonialistischen Darstellungen, wie in Hergés „Tim im Kongo“ (1930), und reicht bis zu aktuellen Werken kongolesischer Künstler*innen. Der Wandel vom schwarzen Sidekick in frühen Comic-Strips über die abessinische Widerstandsbewegung bis zu modernen Superhelden wie Black Panther wird nachvollzogen. Auch die amerikanische Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre und der Comic-Underground jener Zeit werden thematisiert.

Das Team hinter "Black Comics": (von links): Fabrice Tenembot (Afrikultur), Sophia Paplowski (schauraum: comic + cartoon), Alexander Braun (Kurator). Foto: (c) Maximilian Mann
Das Team hinter „Black Comics“: (von links): Fabrice Tenembot (Afrikultur), Sophia Paplowski (schauraum: comic + cartoon), Alexander Braun (Kurator). Foto: (c) Maximilian Mann

Ein überraschender Aspekt ist die Popularität von „Tim im Kongo“ in Afrika. Dieses Werk entstand unter konservativ-religiösen und kolonialistischen Einflüssen. Trotz seiner problematischen Inhalte avancierte es dort zu einem der beliebtesten Comics. Lange Zeit wurde das Genre von europäischen und weißen amerikanischen Zeichnern dominiert. Erst im Zuge der Bürgerrechtsbewegung gelang es der Black Community, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Diese wurden anfangs in günstigen Heften auf Märkten verkauft. Heute stammen rund 50 % der Zeichner*innen in diesem Genre aus dem Kongo.

Neben Comics zeigt die Ausstellung Figuren und Objekte, die in Vitrinen präsentiert werden. Sie symbolisieren den Stolz und die Identität der Künstler*innen.

Diskussion und Reflexion im Schauraum Black Comics

Die Ausstellung im Schauraum Black Comics Dortmund bietet einen spannenden Einblick in die Geschichte schwarzer Comics. Gleichzeitig regt sie zur Auseinandersetzung mit Identität und gesellschaftlichen Fragen an. Sie verbindet Kunst und Geschichte auf einzigartige Weise.

Das Begleitprogramm mit allen Terminen finden Sie im Schauraum Comic + Cartoon, nahe der Stadt- und Landesbibliothek, oder online. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Öffentliche Führungen finden jeden Sonntag von 13:00 bis 14:00 Uhr statt (Kosten: 3 Euro).




Der temporäre Kunstladen im Hansa C

Unter dem Titel „Oh ja, wie ist das schön“ eröffnete die Dortmunder Gruppe am 10. November 2024 ihren temporären Kunstladen im Hansa C, Hansastraße 6–10. Die Ausstellung bietet bis zum 30. November 2024 eine spannende Gelegenheit, Kunstwerke zu erwerben. Geöffnet ist der Kunstladen von Dienstag bis Samstag, jeweils von 16 bis 20 Uhr.

Bereits beim Betreten des ehemaligen Ladenlokals wird man von einer Fülle an Kunstwerken empfangen: Die Wände sind dicht behängt, meist mit kleinformatigen Gemälden, ergänzt durch Skulpturen und weitere Werke. Ein Blick auf die Preisliste zeigt, dass hier ideale Weihnachtsgeschenke entdeckt werden können.

Vielfalt der Kunstwerke im temporären Dortmunder Kunstladen

Zu den ausgestellten Künstlern gehören Alexander Pohl, der Postkartenformate präsentiert, und Marlies Blauth, deren Werke neben den typischen langbeinigen Figuren von Wolfgang Schmitt zu sehen sind. Claudia Terlunen zeigt detailreiche Collagen, während Dina Nur mit einer Kombination aus Skulpturen und Malerei überzeugt. Raul Schneider überrascht mit einer Sammlung von Frisierspiegeln, und Mariana González Alberti stellt zahlreiche kleinere Werke vor.

In ihrem Kunstladen zeigt die Dortmunder Gruppe bis zum 30. 11.2024 ihre Arbeiten. Einige Mitglieder waren beim Besuch von ars tremonia vor Ort: (v.l.n.r.) Gudrun Kattke, Claudia Terlunen, Lutz Kemper, Rosa Fehr-von Ilten und Alexander Pohl.
In ihrem Kunstladen zeigt die Dortmunder Gruppe bis zum 30. 11.2024 ihre Arbeiten. Einige Mitglieder waren beim Besuch von ars tremonia vor Ort: (v.l.n.r.) Gudrun Kattke, Claudia Terlunen, Lutz Kemper, Rosa Fehr-von Ilten und Alexander Pohl.

Jan Bormanns charakteristische Holzarbeiten aus finnischen Hölzern ergänzen die Ausstellung, ebenso wie die Siebdrucke von Lutz Kemper. Von Birgit Feike gibt es neben einer eindrucksvollen Kopfskulptur aus Absperrband auch Papierarbeiten zu entdecken. Martin Becker, bekannt für seine informelle Malerei, und Gudrun Kattke mit einer Vielzahl von Porträts bereichern die Ausstellung ebenfalls.

Rosa Fehr-von Ilten setzt sich in ihren Werken mit Dortmunds berühmtestem Gebäude auseinander, während Christoph Psyk Moebiusbänder in Dioramen präsentiert. Erika Schäfer zeigt faszinierende Fotocollagen und Objekte, und Monika Pfeiffer zieht mit ihren besonders farbenfrohen Arbeiten die Aufmerksamkeit auf sich.

Die temporäre Ausstellung des Dortmunder Gruppe bietet ein breites Spektrum an Stilen und Techniken. Von Malerei über Skulpturen bis hin zu experimentellen Formaten gibt es für Kunstliebhaber*innen und Geschenkjäger*innen gleichermaßen etwas zu entdecken.

Weitere Informationen zur Ausstellung und den Künstlern finden sich direkt vor Ort im Hansa C.




ARTe Kunstmesse Dortmund: Ein neues Forum für Zeitgenössische Kunst und Klassische Moderne

Vom 8. bis 10. November 2024 wird die ARTe Kunstmesse erstmals in Dortmund veranstaltet. Auf einer Ausstellungsfläche von 1.800 qm in Halle 1 der Messe Dortmund präsentieren über 70 Galerien und Künstler*innen ihre Werke. Die Messe will in Dortmund eine neue Plattform für Zeitgenössische Kunst und Klassische Moderne schaffen.

„Dortmund ist unser sechster Standort“, sagt Andreas Kerstan, Geschäftsführer der ARTe Kunstmessen. „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Laut Kerstan wurde bereits ein Vertrag mit den Westfalenhallen für das kommende Jahr abgeschlossen, denn „in keiner Stadt haben wir uns so willkommen gefühlt wie in Dortmund.“

Vielfältiges Kunstangebot für Besucher*innen

Die ARTe Kunstmesse bietet ein breites Spektrum an Kunstwerken – von Skulpturen und Gemälden über Zeichnungen, Fotografien, Collagen bis hin zu Objekten. Rund die Hälfte der Aussteller*innen stammt aus der Region. Neben Künstler*innen aus Deutschland sind auch internationale Teilnehmer*innen aus Frankreich, den Niederlanden und Belgien vertreten. Als Produzentenmesse ist die ARTe ausschließlich Galerien und Künstler*innen gewidmet und bietet ideale Gelegenheiten zum Austausch.

08.11.2024, Arte Kunstmesse Dortmund, Messerundgang, Halle 1, (Foto: (c) Wolfgang Helm)
08.11.2024, Arte Kunstmesse Dortmund, Messerundgang, Halle 1, (Foto: (c) Wolfgang Helm)

Ein kostenloser Verpackungsservice für gekaufte Werke und bargeldlose Bezahlmöglichkeiten runden das Kunsterlebnis auf der ARTe Kunstmesse Dortmund ab. Zusätzlich gibt es täglich kostenlose Führungen, die einen tieferen Einblick in die präsentierten Kunstwerke ermöglichen.

Informationen zur ARTe Kunstmesse Dortmund 2024

Veranstaltungsort:
Halle 1, Messe Dortmund, Rheinlanddamm 200, 44139 Dortmund

Öffnungszeiten:
Freitag, 8. November: 17:00 – 21:00 Uhr
Samstag, 9. November: 11:00 – 20:00 Uhr
Sonntag, 10. November: 11:00 – 18:00 Uhr

Tickets:
An der Tageskasse oder vergünstigt im Vorverkauf unter arte-store.de.

Führungen:
8. November: 19:00 Uhr
9. November: 13:00, 15:00 und 17:00 Uhr
10. November: 13:00 und 15:00 Uhr
Anmeldung unter arte-kunstmesse.de




Ungewöhnliche Perspektiven: „Vs. Frühwerk“ im Künstlerhaus Dortmund

Bis zum 1. Dezember 2024 präsentiert das Künstlerhaus Dortmund eine außergewöhnliche Ausstellung. Unter dem Titel „Vs. Frühwerk“ wird eine aktuelle Arbeit einem Frühwerk gegenübergestellt. Diese Ausstellung bietet einen faszinierenden Einblick in die künstlerische Entwicklung über die Zeit hinweg. Sie zeigt nicht nur den Reifeprozess der Künstler*innen, sondern auch, wie sich Themen, Techniken und der persönliche Ausdruck verändert haben. Kuratiert wurde diese Ausstellung von Cornelius Grau.

Helga Beisheim

Helga Beisheim beschreibt ihre künstlerische Arbeit als stark geprägt von ihrer Umgebung, insbesondere durch den Bergbau und die Baukultur in Langendreer. Ihre Arbeit von 1974 ist ein Beispiel dafür. Später fasziniert sie die Technik des Holz- und Linolschnitts. Diese hat sie über Jahrzehnte hinweg durch verschiedene Variationen von Papier und Farben weiterentwickelt. Ihre Kunst ist von Neugier, Experimentierfreude und spielerischer Umsetzung von Ideen gekennzeichnet, wobei sie unterschiedliche Medien nutzt.

Linus Clostermann

Linus Clostermann ist der jüngste Künstler in der Ausstellung. Sein Frühwerk, eine Wolfsspinne, malte er mit Wasserfarben im Alter von acht Jahren. In seinen aktuellen Arbeiten lässt sich Clostermann von Geschichten aus Horror-, Fantasy- und Science-Fiction-Welten inspirieren. Er schafft Kunstwerke, die sich auf besondere Weise an den Ausstellungsort anpassen.

Der Wandel der Zeit

Ein bemerkenswertes Experiment: In seiner Arbeit „In 10 Minuten“ von 2009 ließ Björn Drenkwitz zehn Darstellerinnen die vergehende Zeit vor der Kamera subjektiv einschätzen und messen. Zehn Jahre später wiederholte er das Projekt mit allen noch verfügbaren Darstellerinnen. Dadurch wurde das subjektive Empfinden der 10 Minuten sichtbar. Auch der Vergleich beider Arbeiten verdeutlicht das Verstreichen eines ganzen Jahrzehnts. Dies zeigt sich besonders in der Veränderung der Gesichter der Darsteller*innen und wirft die Frage auf, ob sich das Zeitempfinden im Laufe eines Lebens verändert.

Alexander Endrullat

Zwischen den beiden Werken von Alexander Endrullat liegen genau zehn Jahre. Dennoch sind sie extrem unterschiedlich. Sein Frühwerk ist ein Ölbild, das cartoonartig wirkt. Für seine aktuelle Arbeit verwendete er Macbooks und Matchbox-Autos. Das Auftauchen eines Autos stellt ein verbindendes Element beider Arbeiten dar. Das Ausprobieren neuer Materialien hilft ihm, Themen unterschiedlich umzusetzen. Besonders spannend findet der Künstler es, die traditionellen Grenzen von Technik und Darstellung zu erweitern. Indem Alexander Endrullat seine Umgebung genau beobachtet, entstehen klare, reduzierte Szenen und Geschichten.

Martin Huidobro

Bei den beiden Arbeiten von Martin Huidobro zeigt sich eine Entwicklung. In beiden Werken (1994 und 2024) geht es um Feuer, jedoch unterschiedlich gestaltet. Huidobro verwendet in seinen Bildern Zeichen und Symbole aus dem Alltag. Dabei vermischt er Malerei, Design, Skulptur und Architektur. Er reduziert Formen und Farben auf das Wesentliche und zeigt, wie man die Welt durch Kunst wahrnehmen kann.

Blick in den großen raum des Künstlerhauses Dortmund mit den beiden Arbeiten von Annette Wesseling.
Blick in den großen Raum des Künstlerhauses Dortmund mit den beiden Arbeiten von Annette Wesseling.

Santiago Isignares

Der Videokünstler Santiago Isignares präsentiert zwei Video-Performances. Er beleuchtet widersprüchliche Aspekte des Lebens, die wir normalerweise unterdrücken oder auslöschen. Dies wird besonders in seinem ersten Video von 2015 deutlich. Isignares möchte mit Humor, Ironie und der Angst, die durch das verspielte Objekt entsteht, zum Nachdenken anregen – durch Bilder, die gleichzeitig grotesk, unheimlich und niedlich wirken.

Analog und digital: Roman Lang

Analog und digital: So könnte man den Unterschied zwischen den Arbeiten von Roman Lang (2013 und 2024) benennen. Während „FEN“ von Fehlern eines analogen Fernsehgerätes inspiriert ist, könnte das neuere „FoA-1“ die Störungen eines digitalen Bildschirms darstellen. Indem Lang Irritationen und Fehler in seine Bildsysteme einbaut, lädt er den Betrachter ein, aktiv zu werden – zum Beispiel eine Lücke im Bild zu füllen. So wird der Betrachter Teil des Kunstwerks.

Jae Jin Park

Nicht nur Katzen sind von Schalten fasziniert: Künstlerin Jae Jin Park beschäftigt sich intensiv mit den Wechselwirkungen von Licht und Raum. In ihrer Arbeit „Lichtraum (Kokon)“ verwendet sie viele kleine Verpackungsschachteln. Diese fallen ihr eines Tages ins Auge. Bei genauerem Hinsehen erkennt sie darin kleine Räume. Jae Jin Park möchte diese versteckten Räume durch Licht sichtbar machen. Ihr Ziel ist es, ein Objekt zu schaffen, das sich ständig mit dem natürlichen Licht verändert. Dabei vergleicht sie diesen Prozess mit dem einer Raupe, die einen Kokon baut, um sich zu verwandeln.

Iwona Rozbiewska

Iwona Rozbiewska lässt sich in ihrer Kunst von Architektur, Design und alltäglichen Erlebnissen inspirieren. Ein zentrales Merkmal ihrer Arbeit ist das künstlerische Experimentieren mit Objekten, Konzepten und Materialien. Ihre Installation „Untitled (The Cemetery)“ aus dem Jahr 2012 vereint Skulptur, Design und Gebrauchsgegenstand. Unterschiedlich geformte, grau gestrichene Körper aus Spanplatten sind zu einer abstrakten Skulptur zusammengesetzt. In späteren Werken greift Rozbiewska Motive wie Spiralen und „Idylle“ auf. Diese erscheinen sowohl als physische Formen als auch als symbolische Themen.

Sigrid Schewior

Sigrid Schewior entwickelt ihre Arbeit im Austausch zwischen traditioneller Kunst und digitalen Technologien. Dabei entsteht ein komplexes Werk, das dem Betrachter ein erweitertes Verständnis der Welt ermöglicht. Während ihrer Studienzeit hat sie Installationen aus Malmaterialien geschaffen. Später konzentrierte sie sich auf Fragen zur Bildrealität und den Unterschied zwischen realem Raum und Flächenraum. So verbindet sie malerische und grafische Eingriffe in ihren Fotoarbeiten.

Zusammenarbeit mit Mannheim: „Two Decks Networkx“

Wer das Künstlerhaus betritt, wird durch eine grüne Wiese aus Fichtenholz begrüßt. Dies ist das Frühwerk von Annette Wesseling aus dem Jahr 1993. Alle Elemente wurden auf die gleiche Weise hergestellt und haben eine ähnliche Form. Gleichzeitig weisen die Holzstücke eine individuelle Vielfalt auf. Das Spätwerk von Annette Wesseling zeigt gefärbte Baumwollstoffe, die der Sonne ausgesetzt waren. Sie spricht vom Reifen der Bilder an der Sonne.

Das Frühwerk von Gitta Witzke aus dem Jahr 1972 ist vom Surrealismus inspiriert. In ihren aktuellen Arbeiten scheint sie von abstrakter Kunst beeinflusst zu sein, doch das ist eine Täuschung. Fore-edge Painting bezeichnet eine versteckte Buchschnittdekoration. Diese wird beim Durchblättern und im geschlossenen Zustand des Buches unsichtbar. Die Malerei zeigt sich nur, wenn man die Blätter zusammenpresst.

Auf der ersten Etage des Künstlerhauses läuft eine weitere Ausstellung parallel. „Two Decks Networkx“ ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Dortmunder Künstlerhaus und dem Alten Güteramt Mannheim. Nachdem Dortmunder Künstler*innen in Mannheim ausgestellt haben, ist „Two Decks Networkx“ sozusagen der Gegenbesuch. Elf Künstler*innen zeigen ihre Arbeiten, die unterschiedlichen Gattungen wie Malerei, Fotografie oder Installation angehören.